Rufe alle Lesben bitte kommen!

Woman Power Symbol, Feminist Fist
Public Domain C00

Die altgewohnten Lesben unter uns wissen, woher der Titel stammt. Und ich gestehe: ich habe ihn gnadenlos geklaut! 1974 veröffentlichte ein Lesbenkollektiv die CLIT-Papiere. 1977 publizierte der Tomyris Selbstverlag die deutsch-sprachige Ausgabe, der ihr den besagten Titel gab. (Übrigens: Leseempfehlung, aber bitte vorher hetero-normative Abwehrreflexe ausschalten – denn da wird das hetero-sexistische Patriarchat gnadenlos bis an die Wurzel analysiert! Im Zweifelsfall: Das mitnehmen, was passt, und das, was nicht passt, zurücklassen 😉 ).

Nun gut, back to topic: Ich meine den Titel ernst. Gibt es Lesben noch? Und wenn ja, wo?

In den letzten Tagen ist in meinem Kopf ein Facepalmenstrand gewachsen, ich las zuviel über Lesben(magazine), zuviel über queer, zuviel über die vermeintlich große Akzeptanz nicht heteronormativen Begehrens in der Gesellschaft und sah im Gegenzug dazu keine Lesben und keine dezidiert lesbenpolitischen Inhalte.

Deswegen wird es Zeit für eine Kolumne! Jawohl! Und ich leite sie völlig durcheinander und unstrukturiert mit ein paar Fragen und Gedanken ein.

Zu allererst möchte ich sagen:

Ich bin lesbisch!

Ich bin nicht queer!

Ich knüpfe direkt die Frage daran: Darf ich mich noch als Lesbe bezeichnen?

Geht es noch anderen so, dass sie den Sammelbegriff „queer“ als Kategorie – auch – als eine Art Mogelpackung empfinden? Unter queer darf sich nun jede_r versammeln und als queer bezeichnen. Auch Menschen, die in Hetero-Beziehungen leben. Das finde ich an sich nicht schlimm, wenn an die Positionierung als „queer“ heutzutage per se ein Unterdrückungsverhältnis geknüpft würde. Ich stehe etwas auf dem Schlauch. Was hat ein sich als queer verstehendes heterosexuelles Paar mit meinen Erfahrungen als lesbische Frau zu tun? Ich frage, weil wir uns ja theoretisch das selbe Mäntelchen teilen dürfen – das Queer-Mäntelchen (also, wenn ich es wollte).

„Wer ist denn bei euch der Mann und wer die Frau?“ Tausend Mal gehört.

„Und hattest du vorher schon Beziehungen mit Männern?“ (Mindestens genauso oft gehört).

„Ach heute ist das doch alles kein Problem mehr!“ (sagen die Heteros/Heteras) Weiterlesen

Dörte, wir müssen reden: mehr Männer, mehr Probleme

Kopie Artikel Sächsiche ZeitungEin Gastbeitrag von Anna AusdemMoor

Donnerstag, den 7. Juli morgens, blieb mir beim Frühstück fast das Brötchen im Halse stecken. Grund dafür war dieser Artikel in der Sächsischen Zeitung:
Mir ist vor Schreck gleich gar nicht klar, wo ich anfangen soll. Hinzu kommt das Problem der Sprach-, oder besser: Wortlosigkeit. Dieses Phänomen, das weiß ich aus Gesprächen mit Freundinnen und weiblichen Bekannten, betrifft nicht nur mich. Die Frage lautet: Wie formuliere ich, dass es ein mehr oder weniger neues Phänomen gibt, welches mir Angst macht, ohne dass ich rassistisches Vokabular gebrauche?

Ich beschreibe zunächst mal, was mir im letzten halben Jahr so passiert ist und was ich gesehen habe, draußen auf der Straße.

Da gab es:

  • Einen Mann der mir von der Haltestelle nach Hause folgte, nachdem ich in seine Richtung geschaut hatte
  • Männer, an denen ich nicht vorbeigehen konnte, ohne dass sie mich ansprachen („Hallo“, „schöne Frau“, Kussgeräusche).
  • Männer denen ich nicht ins Gesicht schauen kann, mit denen ich Blickkontakt vermeiden muss, weil sie sich sonst ermuntert fühlen auf mich zuzukommen und mich zu bedrängen.
  • Männer, die den ganzen Tag auf unserer größten Einkaufsmeile, der Prager Straße, rumhängen und fast alle Frauen anmachen, die an ihnen vorbeilaufen.
  • Männer, die ebendort in Gruppen minderjährige Mädchen umringen, sie ansprechen, anfassen.
  • Männer, die sich mir in den Weg stellten und mich sehr aggressiv fragten, ob ich „ficken“ will, und die mich daran hinderten, ihnen auszuweichen und an ihnen vorbeizulaufen.
  • Männer, die mich im Vorbeigehen als „Fotze“ oder „Schlampe“ bezeichneten, oder die hinter meinem Rücken ausspuckten.
  • Männer, die mich fragten ob ich ficken will, und die mich als „Rassistin“ und „schwul“ bezeichnen und mir Schläge anboten, als ich ablehnte.

All das waren nicht nur Aktionen einzelner Männer, diese Männer standen oft in Gruppen zusammen. Ich habe nicht gezählt, wie oft das vorkam, es ist jedenfalls inzwischen soweit, dass meine Hand automatisch zum Pfefferspray geht, wenn ich an solchen Gruppen vorbei muss, und nein, das sind keine Vorurteile, das sind Erfahrungswerte – leider. Und ich werde aus solchen Gruppen heraus jedes Mal angesprochen. JEDES. VERDAMMTE. MAL. Und ich kann froh sein, wenn es dabei bleibt. Und für diejenigen LeserInnen unter uns, die immer noch auf Vergewaltigungsmythen stehen: Nein, ich bin nicht Miss Universum. Nein, ich trage nicht täglich einen Minirock. Nein, ich sehe das nicht als Kompliment und nein, ich will das nicht!

Und jetzt die Frage: Wie soll ich diese Männer – denn natürlich sind es Männer, das Merkwürdige ist, dass sich alle darum kloppen, wer jetzt schlimmer ist, Migranten oder Deutsche, aber daran, dass es Männer sind, stört sich selten jemand – bezeichnen, ohne rassistisch zu sein? Es sind bestimmt nicht alle Flüchtlinge. Es sind bestimmt nicht alle Asylbewerber. Soll ich sagen: „es sind Männer mit Migrationshintergrund“? Soll ich sagen: „es sind Männer mit dunkler Haut“? Wie soll ich sie nennen? „Die da“?

Und da fängt die Sprachlosigkeit an. Sie beginnt dabei, dass ich nicht benennen kann, welche Gruppe hier für diese stark veränderte Atmosphäre auf der Straße sorgt. Das Problem verläuft sich dort weiter im Sand, wo der „nicht alle“-Konflikt hinzukommt. Jede Frau, die Gewalt durch Männer problematisiert, hört ihn dauernd: den Einwand „aber nicht alle Männer sind so!“. Dieser Spruch ist aus mehreren Gründen problematisch.

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„Sexarbeit“ geht auch indirekt

Sex in progress, do not disturb
By Nevit (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Ein Gastbeitrag von Monika Eiffel-Kortig

Der Begriff „Sexarbeit“  hat sich mittlerweile durchgesetzt, Lobby sei Dank, und immer wieder und unermüdlich fordern Teile der „SexarbeiterInnenorganisationen“ die Anerkennung von „Sexarbeit“ als Arbeit.

Sehr deutlich drückte es Stefanie Klee in der Zeitschrift Luxemburg aus:

„Ein Aspekt bleibt, wie so oft, unterbelichtet: Sexarbeit ist in erster Linie Arbeit. Menschen gehen gern oder weniger gern, professionell oder laienhaft, regelmäßig oder als Hobby diesem Beruf nach, verdienen damit ihren Lebensunterhalt und zahlen Steuern auf ihre Einnahmen.

Bei Prostitution handelt es sich um einen Wirtschaftsbereich, und doch wird durch seine moralische Überformung seit Jahrhunderten verhindert, dass er sich ›normalisiert‹“.

Stefanie Klee ist organisiert in move. ev, Gründerin des Bundesverbandes für sexuelle Dienstleitungen und Mitglied der so genannten „Care Revolution“. Diese Revolution der „Sorgearbeit“ besteht aus 70 teilnehmenden Organisationen und betrachtet „Sexarbeit“ als einen Teil der „Sorgearbeit“.  „Sexarbeit“ wird auch von dieser Revolution als Arbeit betrachtet und möchte die Rechte von Sexarbeiterinnen unterstützen. Gerne redet Stefanie Klee auch bei Veranstaltungen der Partei „DIE LINKE“ zum Thema häppy sexwork.

Aber es gibt eine endlose Anzahl von weiteren FürsprecherInnen des Modells „Sexarbeit ist Arbeit“ und sie heißt ja auch deshalb „Sexarbeit“ oder „sexwork“, denn natürlich gibt es auch im Ausland häppy Sexwörkerinnen (mehrheitlich weiblich), die sich in entsprechenden Organisationen zusammengetan haben, um gemeinsam die Sprache und das Denken zu verändern. Heißt ja nicht umsonst neurolinguistisches Programmieren.

Die Konsequenzen dieser Forderungen, „Sexarbeit“ als eine Arbeit zu sehen wie jede andere Arbeit auch, übersehen leider viele Menschen. Natürlich könnte man – oder meistens Frau – bei Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug in Arbeitsstellen der Sexindustrie. vermittelt werden. Eine Ablehnung dieser Tätigkeit hätte eine Leistungskürzung zur Folge oder gleich Streichung der Leistung, wegen fehlender „Mitwirkung“. Natürlich könnte es auch ein Ausbildungsberuf werden, wenn der Beruf „professionalisiert“ wird, was auch immer das heißen mag.

Aber wirken nicht jetzt schon unzählige Frauen in der Prostitution mit, „by proxy“ sozusagen? Weiterlesen

Meinungspluralismus im Feminismus

Grafik mit dem Text: "Think"
Public Domain, via Pixabay

Ein Gastbeitrag von Dörte Weniger

 

In der letzten Zeit denke ich viel über meine eigene Entwicklung nach, die ich bzgl. des Umgangs mit unterschiedlichen Haltungen im Feminismus durchgemacht habe. Der Text der Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt sowie auch der Text von Kate Leigh „Abschied vom liberalen Feminismus“ haben mich nun veranlasst, diesen Prozess und meine Gedanken dazu aufzuschreiben:

Ich wurde nicht feministisch sozialisiert, die Thematisierung von Feminismus beschränkte sich in meiner Familie auf das Lächerlichmachen von Alice Schwarzer, wenn diese im Fernseher auftrat. Bei einem kurzen Aufenthalt an einer Fachhochschule, in der ich mich auch an Gremienarbeit beteiligte, kam ich in Kontakt mit dem Frauen- und Lesbenreferat. Ich nahm an einigen Sitzungen teil und merkte, dass ich mich dort nicht „abgeholt“ und „überhört“ fühlte. Diese Frauen schienen irgendwie andere Probleme zu haben als ich, hatten einen gebildeteren Hintergrund, waren feministisch belesen, ich war dies nicht und das habe ich oft in Herablassung zu spüren bekommen. Aus diesem Grunde entfernte ich mich aus diesem Kreis und beteiligte mich nur noch an anderen hochschulpolitischen Themen – Feministin wollte ich mich nicht nennen, wenn Feminismus bedeutet, andere aufgrund ihres Bildungshintergrundes lächerlich zu machen.

Dann vergingen viele Jahre und ich ergriff einen technischen Beruf in der Metallindustrie. Eine Frau unter vielen Männern. Anfangs lachte ich bei dem dort vorherrschenden Sexismus mit, um nicht als spaßbefreite Emanze zu gelten, später lachte ich nicht mehr mit und reagierte nicht und noch viel später ertrug ich es einfach nicht mehr. Da ich dann auch sehr krank wurde, war es mir nur recht, aus diesem Beruf aussteigen zu können.

In dieser Zeit, in der mir Sexismus so deutlich vor die Augen geführt worden war, ich ihn am eigenen Leib erlebte und vor allem immer häufiger überhaupt wahrnahm, wie konditioniert wir Frauen in dieser Gesellschaft eigentlich sind, begann ich im Internet nach Feminimus-Plattformen zu suchen. Die Blogs, die ich fand, waren alle queer-feministisch orientiert und ich musste erst einmal viel recherchieren, um manche Begriffe überhaupt erst einmal zu verstehen. Die meisten der dort vertretenen Meinungen und Haltungen übernahm ich, viele übernahm ich – rückblickend betrachtet – völlig unhinterfragt. Das tat ich etwa eineinhalb Jahre lang, bis ich mich in vielen Situationen, Diskussionen ein ganz merkwürdiges, nicht greifbares, aber sehr ungutes Gefühl beschlich. Da ich auch in Projekte involviert war, machte mir das immer mehr Unbehagen. Dieses ungute Gefühl steigerte sich in absolutes Unwohlsein im Umgang mit einigen Menschen dieser Queer-Szene, aber auch in ein Unwohlsein dabei, wie Debatten geführt wurden. Richtig benennen, was mich da so beschlich, konnte ich damals aber nicht.

Dennoch folgte ich meinem Bauchgefühl und beschloss, mich aus dieser Szene zurückzuziehen.

Dann entstand in etwa zeitgleich die abolitionistische Bewegung – die, die sich für die Abschaffung der Prostitution einsetzt – bzw. ich nahm sie erstmals war. Es folgte eine lange innere Auseinandersetzung und lange Beschäftigung mit dem Thema Prostitution. Vorher war ich aber erst einmal lange damit beschäftigt, diesen Verbots-Riegel in meinem Kopf loszuwerden – ein Erbe aus eineinhalb Jahren queer/liberal-feministischer Szene. Ist es mir überhaupt erlaubt, diese und andere Positionen aus dem liberal-/queer-feministischen Spektrum zu hinterfragen und zu kritisieren?

Dank einer tollen Frauengruppe gelang es mir, diese Ketten in meinem Kopf zu durchbrechen und wurde dadurch irgendwie freier.

Als Aktivistin in jetzt anderen Gruppen wurde ich nun mit einer der liberal-/queer-feministischen Szene sehr konträren Herausforderung konfrontiert: Bündnisarbeit mit Menschen, deren Haltungen in anderen Themen ich nicht unterstütze. Das war nicht immer einfach, aber ich habe dadurch eine wichtige Sache gelernt: Dass man sich in Kämpfen auf die Schnittpunkte konzentrieren kann und nicht auf das, was uns teilt. Das schließt nicht aus, andere Mitkämpferinnen zu kritisieren, aber im Fokus steht die Konzentrierung auf die Sache, für die wir kämpfen.

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Abschied vom liberalen Feminismus

Liberaler Feminismus vs. Patriarchat (Comic)
Quelle: http://imgur.com/w3DLJGG (bearbeitet)

Dies ist eine Übersetzung des Textes „Leaving Liberal Feminism“ von Kate Leigh mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Ich kann euch – um ehrlich zu sein, nicht mehr sagen, wann ich damit begann, mich der liberal (ausgerichteten) intersektionell-feministischen Denkweise anzuschließen. Sie war einfach Teil meiner Auseinandersetzungsprozesse und in in Folge dessen mein Alltag – online und offline. Ich folgte allen Blogs und Seiten. Ich steuerte Kommentare bei, teilte Inhalte. Ich wies Menschen darauf hin, ihre Privilegien zu überprüfen und darauf, dass auch Männer Feminismus brauchen. Der liberale Feminismus war der einzige, den ich kannte. Eigentlich habe ich mich aber nie als liberale Feministin bezeichnet, obwohl ich seine Haltungen vertrat. Ich bezeichnete mich als „Feministin“, ohne zu wissen, dass es noch andere (feministische) Ausrichtungen gibt.

Mit meinen noch frischen Erinnerungen an das, was mir durch den Kopf ging, während ich diese Überzeugungen vertrat, möchte ich im nächsten Abschnitt versuchen, meine Erfahrungen aus der Zeit der liberal-feministischen Perspektive zu beschreiben. Im abschließenden Teil erkläre ich,  warum ich meine Haltung änderte und wie es dazu kam.

Die liberal-intersektionelle feministische Mentalität

Empowert durch Wahl(möglichkeitkeiten)

Alle Entscheidungen sind gut und richtig, solange du sie wählst. Agency steht an erster Stelle. Wir dürfen niemals Entscheidungen einer anderen Person in Frage stellen. Wir werden das unveräußerliche Recht jedes Menschen, ihre_seine eigene Entscheidungen zu treffen, bis auf den Tod verteidigen und jede_n verurteilen, die_der es unternimmt, diese Entscheidungen in einem größeren Kontext zu analysieren. Als Frauen ist jede Wahl, die wir treffen, standardmäßig eine femininistische Wahl, sofern wir Frauen sind und uns entscheiden. Folglich ist es feministisch, Stilettos zu tragen oder eine „Sexarbeiterin“ [Anführungszeichen von Störenfriedas] zu werden. Jede_r, die_der es unternimmt, das größere Ganze zu diskutieren, muss zum Schweigen gebracht werden, um individuelle Entscheidungen zu verteidigen.

Weil alle Entscheidungen gut und feministisch sind, bin ich unfehlbar in allem, es ist unerheblich, für was mich entscheide. Es ist mein Recht und niemand darf es mir nehmen. Es ist persönlich empowernd und zu verteidigen.

Selbst-Identifikation

Jeder Mensch hat das Recht, sich selbst zu bezeichnen und niemand hat das Recht, die Identität einer anderen Person in Frage zu stellen. Identität ist angeboren und intern; sie kann nicht verändert werden. Identität ist das, was du wirklich bist und immer gewesen bist; sie ist unabänderlich. Jemandes Identität in Frage zu stellen, ist inakzeptabel. Identitäten müssen angenommen, geglaubt und von allen bekräftigt werden. Jemand, die_der es wagt, das Gegenteil zu tun, wird unhinterfragt ausgebuht. Ich bin das, was immer ich behaupte zu sein. Ich bin allein so, wie ich mich fühle. Jede_r hat mich zu akzeptieren. Ich fühle mich empowert.

Privileg und Privilegien-Check

Es existiert ein riesiges und komplexes Privilegien-System. Wir sind alle in bestimmten Bereichen privilegiert und in anderen nicht. Es liegt in jeder Person selbst, eigene Privilegien zu erkennen und das Überprüfen von Privilegien anderer einzufordern. Die_der Privilegierte darf niemals die_den weniger Privilegierteren hinterfragen. Eine weiße Frau beispielsweise darf niemals die Erfahrungen und Entscheidungen einer Schwarzen Frau hinterfragen. Zu Privilegien gehören – (die Sammlung) ist aber nicht darauf begrenzt: männliches Privileg, weißes Privileg, Thin-Privileg (Privileg, dünn zu sein), Able-Privileg (das Privileg, nicht von einer Behinderung/Krankheit betroffen zu sein), ökonomisches Privileg und: Cis-Privileg (das Privileg der Übereinstimmung von biologischem und sozial konstruierten Geschlecht (Gender).

Ich bin mir meiner eigene Privilegien bewusst und überprüfe sie regelmäßig. Ich stelle Menschen zur Rede, wenn sie ihr eigenes Privileg nicht erkennen. Ich fühle mich überlegen und selbstgerecht dabei, für die Verletzlichsten einzutreten. Ich gehe auf die ein, die weniger Privilegien als ich haben und ich gestatte es niemals jemandem, sie_ihn oder ihr_sein Erleben zu hinterfragen. Weil ich Cis bin, darf ich niemals irgendetwas hinterfragen, was mit dem Leben als Trans-Person zu tun hat. Ich bin besser als Menschen, die ihr Privileg nicht erkennen.

Feminsmus ist für alle da

Feminismus ist nichts Exklusives. Wir schließen alle mit ein und nehmen jede_n mit. Wir sind davon überzeugt, dass auch Männer Feminismus brauchen, auch wenn sie den Begriff weder kennen noch erfassen. Frauen stehen nicht im Zentrum des Feminismus, wir sollen es auch nicht werden. Wir alle sollen gleich sein.

Ich bin aufgeschlossener als die meisten Menschen und wieder: ich fühle mich überlegen. Ich denke, dass ich jede_n unterstütze, auch wenn sie (die ich unterstützen möchte) gar nicht wissen, dass sie meine Hilfe benötigen. Weiterlesen

Rücklauftaste bitte: Reaktionen auf einen Meilenstein der Sexualstrafrechtsreform

 

No More Rape
by chrisjtse via Flickr, [CC BY-ND 2.0] (modified)
Zur Sachlage: Der Bundestag hat vorgestern, am 7. Juli 2016 beschlossen, dass der „Nein heißt Nein“-Grundsatz in den §177 StGB einfließt. Er hat auch beschlossen, dass unter §184i künftig der Straftatbestand „Sexuelle Belästigung“ eingeführt wird und unter §184j auch Gruppendelikte erfasst werden, die sich auf die Verletzung sexueller Selbstbestimmung beziehen.

Liebe Männer!

Da ihr es leider nicht hinbekommt, ein „Nein“ nicht als das zu verstehen, was es ist, nämlich ein „Nein“ – das kann mein Patenkind übrigens schon sehr lange und das Kind ist 3 – musste u. a. dieses Gesetz her. Auch wenn ihr uns demnächst mal wieder ungefragt an den Hintern oder sonst wo hin grabscht, dürfen die „hysterischen“ Feministinnen dies fortan nicht nur für sich als das bezeichnen, was es ist, nämlich sexuelle Belästigung, es gibt jetzt auch eine formal-juristische Verankerung und Handhabe (bislang speiste man uns in solchen Fällen mit dem Straftatbestand „Beleidigung“ ab, aber auch nur dann, wenn bestimmte Voraussetzungen dabei erfüllt waren und ein Staatsanwalt morgens mit den richtigen Fuß aufgestanden war und Lust dazu hatte). Auch solche Fälle, in denen ihr euch entscheidet, die Machtmaxime zu wählen und euch in kollektiv-dominant versammelter Männlichkeit entscheidet zu belästigen und/oder zu vergewaltigen, werden nun gesondert erfasst und – zumindest formal-juristisch – geahndet werden. Traurig aber wahr: Da ihr es nicht selbst auf die Kette kriegt, euch (in Gruppen) am Riemen zu reißen und stattdessen alle möglichen (vermeintlichen) Komfortzonen zu Orten kollektiver Bedrohung und Angst für Frauen macht, muss es ein Gesetz geben.

Irgendwie schon traurig, liebe Männer, oder nicht? Dass ihr euch so wenig selbst im Griff habt. Aber wie gesagt, ihr habt die Wahl:

Hört auf, sexuelle Gewalt auszuüben! So einfach ist das. Weiterlesen

http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=9887&picture=baby

Stillen in der Pornowelt

Schon vor fünfzig Jahren (gefühlt, vielleicht auch vierzig) fordern Frauen, das Recht auf öffentliches Stillen. Wenig hat sich hier getan, vielleicht auch gar nichts. Allerdings kam es in den vergangenen Jahren zunehmend zu Angriffen gegenüber stillende Frauen auf öffentlichen Plätzen, in Cafes und Restaurants.

Diese Gewalt gegenüber Müttern geht überhaupt nicht. Durch die Sexualisierung der Frau sieht man sowieso Brüste überall, und die große Mehrheit von Männern konsumiert täglich Pornos, und sieht hier auch als Folge täglich  Brüste, zusätzlich zu den Brüsten einer eventuellen Partnerin. Aus welchem Grund werden dann Frauen beschimpft und beleidigt ?  Sie sorgen für ihr Kind und nähren es, mit warmer Milch und Körperwärme.

Aber eigentlich ist der Grund für diese Abwertung von stillenden Müttern sehr klar. Durch die Sexualisierung der Frau und ihrer Brüste, folglich, ist aus den Brüsten ein reines „Fickobjekt“ für den Mann geworden. Und als Folge entscheidet im Patriarchat der „Mann“ wann Brüste genutzt werden und wie sie genutzt werden. Wenn Frauen es wagen, ihre Brüste zum Stillen einem Säugling zu geben, wird es dann ungemütlich.

In jedem Fall fand ich diese Forderung des öffentlichen Stillens von Frauen immer sehr merkwürdig, da ich nie besonders viel Lust hatte meine Brust öffentlich für fremde Männer auszupacken, damit Sie hierzu masturbieren können. Frauen werden schon bekleidet belästigt, und in muslimischen Ländern teilweise sogar belästigt, obwohl Sie komplett verschleiert sind. Ich war mir deshalb immer im Zweifel, ob ich dann auch noch eine entblößte Brust zeigen sollte. Ich war immer sehr ungeschickt, und es wäre mit nie gelungen diskret zu Stillen wie es manchen Frauen durchaus gelingt.

Stillen in der Öffentlichkeit wird seit einiger Zeit wieder zunehmend als feministisches Thema gehyped. Und natürlich und ganz sicher sollte öffentliches Stillen möglich sein. In einer anderen Welt und in einem anderen Universum ist es vielleicht auch möglich. Die Welt ist aber nicht so wie sie mir gefällt oder gefallen würde.

Wir leben in einer pornofizierten Welt; eigentlich ist alles mittlerweile Porno. Und dieser Porno ist auch kein Kuschelporno mit glücklichen Frauen mit Agency, sondern Gewalt, Hard-Core. Und in dieser Welt  sind auch Genres wie „breast feeding porn“ (Laktationsporno) und „birthing porn“ für einige Männer spannend. Geburtspornos (Birthing Porn)sind auch ein interessantes Thema, aber ein anderes Mal. Zusätzlich zur Pornifizierung im Internet hat übrigens seit einigen Monaten die Sexualisierung der Brüste Einzug gehalten in die Werbewelt des Essens. Ständig sieht man Werbung, in der Essen in Brustform serviert wird, gerne für die gesamt Familie. Sehr schön ist der „Mozarellaburger“, der aussieht wie zwei weiße Brüste mit Brustwarzen aus Basilikum. Kein Witz. Männer müssen also sogar schon Essen sexualisieren durch Brüste. Ich warte allerdings noch auf Phalluswiener für die Schwiegermutter.

Würde ich in der Öffentlichkeit stillen wollen oder kann ich diese Forderung nach öffentlichem Stillen sinnvoll erachten? Genauso wie ich es als normal ansehen würde, dass Kinder nackt spielen können, so würde ich nicht auf die Idee kommen sie dies tun zu lassen, denn ich möchte nicht, das sie eine kostenlose Masturbationsvorlage für Pädokriminelle sein könnten. Zusätzlich hierzu gibt es die Aktivität des Stillens im Erwachsenenalter als sexuelle Handlung. In anderen Worten, eine doch sehr große Anzahl an Personen tendiert zur Sexualisierung des Stillens (erotische Laktation). Ich möchte auch nicht als Frau ganz selbstbestimmt meinen Säugling in der Öffentlichkeit säugen müssen und das Risiko eingehen, dass Männer dies direkt als Masturbationsvorlage nehmen, entweder sofort oder auf Kamera gefilmt. Nicht wirklich.

In den USA wurde schon ein Fall bekannt, in dem eine Frau sich für ein Aufklärungsvideo zum Thema Stillen hat aufnehmen lassen, mit ihrer Tochter als Säugling, und dann tauchte dieses Video auf  Pornoseiten auf. Sie klagte vor Gericht. Aber in jedem Fall demonstriert dieser Fall, dass Stillen nicht von allen Menschen als einfache Nahrungsaufnahme von einem Säugling betrachtet wird.

Und als Folge dieser gesamten Problematik der Erotisierung und Pornofizierung eines sehr einfachen körperlichen Vorgangs stellt sich die Frage, ob öffentliches Stillen für Frauen das nonplusultra feministischer Forderung sein sollte. Ist es zu bedrohlich oder teuer Cafes zum Stillen, oder noch besser Lounges zur Laktation, nur für Frauen zu fordern, die man auch überall finden könnte? Ist es zu schwer reine Frauenräume für Mütter und andere Frauen zu fordern, die auch Frauen muslimischer Herkunft ein Stillen ermöglichen würden ohne in die Wohnung gesperrt zu sein für das Stillen?

Im feministischen Diskurs, und im Diskurs überhaupt zu diesem Thema, wird gefordert, dass Frauen nicht für öffentliches Stillen bestraft werden sollten zum Beispiel durch Hausverbot oder Blicke. Natürlich muss Stillen überall möglich sein, ohne Diskussion, aber der Diskurs zum öffentlichen Stillen hinterlässt ein „Geschmäckle“. Ein patriarchales Geschmäckle, wie so alles was Frauen tun, und wo  es insbesondere um Frauenkörper und Selbstbestimmung geht.

Die Geschichte des Stillens war immer eng verbunden und verwoben mit der Geschichte des Feminismus und der Rolle der Frau. Abhängig von der Notwendigkeit und Forderung von Frauen außer Haus zu arbeiten, da Arbeitskräfte benötigt wurden, oder aus anderen kapitalistischen Gründen, gab es immer wieder Wellen des pro Stillens und des contra Stillens. Zeitweise wurde propagiert: nur die Brust ist das Beste für Mutter und Kind. Erbitterte Kämpfe wurden zu diesem Thema geführt, fast bis auf das Messer.

Frauen, die nicht stillen wollten, wurden massive Schuldgefühle eingeredet, da sie nicht automatisch das Beste und das Natürlichste für ihr Kind wollten.  Es entwickelte sich zeitweise fast so eine Art heiliger Mutterkult, mit Stillgruppen, eine fast heilige, geheimnisvolle Tätigkeit, für die man in eine geheimen Kreis aufgenommen wurde. Stillen ist aber nichts besonderes, nicht wirklich. Das Neugeborene hat einen Saugreflex und wird  trinken, wenn es in die Nähe einer Brustwarze (oder Saugflasche) gelangt. Funktioniert bei allen Säugetieren so und die meisten geraten vom Stillen nicht in Exstase ob ihrer spannenden säugenden neuen Rolle. Nicht mehr und nicht weniger. Die Gegenbewegung wiederum propagierte, das Stillen nicht feministisch sei, da es Väter von einer nahen Bindung zum Säugling ausschließen würde und Frauen wieder zum Opfer ihrer Natur werden würden durch das Stillen.

Stillen bedeutet natürlich eine Grenzüberschreitung in einem gewissen Sinn, denn der eigene Körper stellt Nahrung für einen anderen Menschen zur Verfügung und eine stillende Mutter muss sich dem Hungergefühl des Säuglings sozusagen unterordnen und sich nach den Bedürfnissen nach Nahrung des Babies richten. Das aufopfernde weibliche Prinzip sozusagen. Nicht mehr und nicht weniger. Da das Stillen sozusagen schon alleine deshalb sehr einschränkend ist, volle Brüste Schmerzen verursachen und teilweise schmerzende und entzündete Brustwarzen, wird beim Stillen Oxytocin ausgeschüttet. Oxytocin verstärkt emotionale Bindungen, die soziale Interaktion und ist das Hormon des Vertrauens und der Ruhe.  Und dies wird eben ausgelöst durch körperliche Prozesse.

Der Kontext aufkommender, sehr deutlicher Forderungen, sollte also betrachtet werden, gerade da wir im Patriarchat leben und es vielleicht noch eine andere Zielsetzung gibt, wenn ein bestimmtes Thema gepuscht wird. Überall in den Medien existieren Berichte über Frauen die für das öffentliche Stillen auf die Barrikaden gehen.

Vielleicht wird die Forderung des öffentlichen Stillens gestellt, damit Frauen wegen sexueller Übergriffe gar nicht erst auf die Idee kommen wirkliche Frauenstillräume einzufordern, in denen sie geschützt wären vor sexuellen Übergriffen und Belästigungen. Frauenstillräume, oder noch besser Lounges zur Laktation, würden auch tatsächlich nur für Frauen sein und alleine diese Forderung ist ja unverschämt. Frauen haben zur Verfügung zu stehen, auch mit ihrer körperlichen Funktion der Laktation. Überall und das ist ganz natürlich. Sie wollten schon immer vor Männern ihren Säugling Stillen unter den Blicken des Tischnachbarn, der davon träumt selbst an dieser Brust zu hängen. Davon das Stillen ein natürlicher Vorgang ist, wird er trotzdem von einigen Männern als sexueller Vorgang gesehen.

Die Fotos von stillenden Frauen, die gerne veröffentlicht werden, sind teilweise erotisiert und wirken teilweise so, als wenn es ein Ziel sein könnte, Kinder auch zu erotisieren durch den Zusammenhang der sexuellen Merkmale der Mutter. Im Breastfeedingpornobereich wird der Fokus auf große Brüste mit großen Brustwarzen gelegt und es ist dann schon etwas befremdlich, wenn auf Aufnahmen stillender Mütter genau große Brustwarzen und Brüste im Vordergrund sind.

Die Pornokategorie Breastfeeding umfasst Bilder vom Trinken und dem Herausspritzen der Muttermilch, ähnlich wie Spermaaufnahmen.

Wenn Säuglinge Teil des Pornos sind, dann identifiziert sich männliche Betrachter mit dem Säugling. Im Laktationsporno werden aber meistens Erwachsene gestillt, oft Väter, aber auch Söhne  oder Frauen. Es gibt auch den Fetisch, Muttermilch zu trinken, und Frauen haben ihre Milch schon verkauft, abgesehen von der „Amme“ die in früheren Jahrhunderten mit ihrer Milch die Kinder der Reichen ernährte, da das Stillen eines den Tieren ähnliches Verhalten war. Ob dies eine emotionale Bindung zwischen Amme und Kind förderte, wage ich anzuzweifeln. Auf amerikanischen Seiten verkaufen schon Frauen ihre „überschüssige“ Milch. Die meisten Käufer sind angeblich männlich und die Brustmilch wird als „liquid gold“ (flüssiges Gold) bezeichnet. Mit niedlichen Fotos ihrer Babies werben sie bei Käufern für ihre gesunde Milch, die wie gesagt, eher männlich sind und Brustmilch lecker finden (fürwasauchimmer).

Auch in  „feministischen“ Kreisen findet man die Behauptung, dass Stillen eine sinnliche Erfahrung sei und einen Orgasmus auslösen kann. Es kann also ganz deutlich gesehen werden, dass es auch beim Thema Stillen darum geht, oder gehen kann, Grenzen aufzulösen und natürliche Vorgänge zu sexualisieren und zu pornofizieren. Allein durch die Forderung das Frauen öffentlich stillen sollten, wird sich daran nichts ändern. Wahrscheinlich würde das ganze in unserer Pornogesellschaft darin enden, dass Männer sich in Foren austauschen, wo sie am häufigsten stillende Mütter treffen können um einen Blick zu ergattern für ihre späteren Fantasien.

Es ist absolut und völlig sinnlos in dieser Pornowelt etwas als natürlich zu deklarieren, denn es wird, so viel ist sicher, weiter pornofiziert werden. Ich möchte Räume nur für Frauen in dieser Scheisspornowelt. Ansonsten wird man selbst, und das eigene Baby, eventuell Teil eines Laktationspornos, Dank Smartphones und weiterer diskreter Kameras.

 

http://www.wcsh6.com/videos/news/weird/2014/03/15/2072652/ (der Fall des Stillvideos, das auf Pornoseiten auftauchte).

http://matriarchat.info/schwangerschaft-und-geburt/stillen.html (Beispiel für den erklärten Zusammenhang vom Stillen mit Orgasmen).

http://www.onlythebreast.com/buy-sell-donate-breast-milk/

http://www.bbc.com/news/uk-england-34467613

https://www.muttermilch-boerse.de/kaufen-verkaufen/muttermilch-kaufen

http://stillbeziehungen.tk/

Die „natürliche“ Geburt: Macht über Frauenkörper

gesundheit
Screenshot Facebookseite des Bundesministeriums für Gesundheit vom 10. Juni 2016

Gesundheitsminister Gröhe (CDU) hat sich schon des Öfteren als paternalistischer Hüter des Frauenwohls offenbart, etwa, als er dagegen war, die Pille danach rezeptfrei auszugeben, angeblich, um die Frauen zu schützen. Wenn die CDU sich um Frauenkörper sorgt, kommt dabei selten etwas Gutes heraus, zu tief reichen die christlich-patriarchalen Wurzeln dieser Partei (wir erinnern uns kurz daran, dass die CDU den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ nicht im Grundgesetz haben wollte und Adenauer anschließend mehrere Jahre verfassungswidrig gegen ihn handelte und auch die Sache mit der Vergewaltigung in der Ehe war noch Mitte der 90er Jahre nicht allen CDUlern einsichtigt, vom Thema Abtreibung wollen wir gar nicht erst anfangen). Nun aber hat Gröhe zu unserem Leidwesen nach der Schlappe mit der Pille danach erneut das Thema „Frauenkörper“ – und dabei natürlich ihre Reproduktionsfähigkeit – für sich entdeckt. In einer Pressemitteilung verkündete sein Ministerium, dass vier Studien mit einem Gesamtvolumen von 150.000 Euro sich mit Kaiserschnitten in Deutschland beschäftigen werde.  Kaiserschnitte, so heißt es, sollen nur noch dann durchgefüht werden, wenn sie medizinisch notwendig seien. Wann sie das sind, soll anhand einer Leitlinie, in die die Ergebnisse der vom Bundeministerium für Gesundheit durchgeführten Studien einfließen, festgelegt werden. Wer sich nun das Verhältnis der CDU zu Frauenkörpern in der Vergangenheit ansieht, ahnt bereits, dass das Wohl der Frauen hier die geringste Rolle spielt.

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http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=11123&picture=mannliche-lowe

Die Sackaffäre

 

Eigentlich ist genug gesagt worden über Jogi Löw und sein Sackkraulen mit anschließender Geruchsprobe. Alle Medien, ob sozial oder nicht, machten dieses Verhalten zum Thema. Allerdings ist die Frage, was denn letztendlich über das „Sackkraulen“ oder sein Griff in den „Schritt“ gesagt wurde.

Zu denken, dass hier eine Abwertung und Reflektion über widerliches männliches Verhalten stattfinden würde, weit gefehlt. Es wird gefeiert. Mittlerweile.

Joachim Löw ist schließlich ein Held des Fußballs, des Sports der wahren Männlichkeit. Eine Ikone. Was er tut, wird zum Vorbild. Befürchte ich.

Wahrscheinlich wird es sogar zu einem neuen Ritual der Männlichkeit sogar für Kinder..

Es wurde in den letzten Tagen zum Inbegriff der wahren, wahrhaftigen Männlichkeit und Zeichen des Alphatiers.

Die Facebookseite von Klett Kinderbuch publizierte in diesem Kontext die Überschrift:“ Warum mit dem Puller spielen besser ist als Fußball spielen..“ aus dem Buch „Benimm Dich-Bloß nicht“. Mir ist es unklar, wieso die Buchautoren Probleme mit dem Wort „Penis“ haben, so sie doch so offen sind, und stattdessen von Puller sprechen. Jungen in einem Alter welches das Fußballspielen ermöglicht, können sicherlich ein Wort wie Penis aussprechen. Auf der Abbildung jedenfalls greifen sich Jungencartoonfiguren in ihre Hosen und eine Unterschrift sagt:..“Der einzige echte Männersport…“ Ich bin mir unschlüssig, was ich hieraus Schlussfolgern sollte, aber anscheinend scheinen sich Männer ausschließlich für Penisspiele mit sich selbst zu interessieren, laut Klett Kinderbuch und den Autoren.

Aber unabhängig vom Thema Sackkraulen kommentiert Klett Kinderbuch auf der Seite….

Und freuen Sie sich jetzt schon auf den Nachfolgeband unseres Buches „Etwas mehr als Kuscheln“, denn „Viel mehr als ein Kuss“ beginnt mit einer heißen Selbstbefriedigungsszene – eines Mädchens…“. Ich freue mich, dass Klett Kinderbuch Joachim Löw zum Anlass nehmen konnte, schon für kleine Kinder Pornoszenen zu kreieren mit „heißen“ Selbstbefriedigungsszenen von einem Mädchen.

Aber zurück zur riechenden Sackaffäre. Stellen wir uns vor, eine Frau in einer Macht- und Führungsposition, eine Alphafrau sozusagen, und sei es im Sport, würde sich zwischen die Beine fassen um zu kontrollieren, ob vielleicht ihr Tampon noch dicht ist, oder aber um zu überprüfen , ob sie Ausfluss oder schon ihre Periode hat, und den Finger danach an ihre Nase halten zum Riechen, in der Öffentlichkeit..Ich kann mir die Reaktionen darauf noch nicht einmal denken.

Die beste Erklärung für Joachim Löw und sein Verhalten wurde übrigens von einem Experten für Körpersprache im Fernsehen gegeben. Das Verhalten zeigt demnach Unsicherheit, beziehungsweise Anspannung in dieser Situation, und Menschen müssen sich dann spüren. Indem wir uns selbst anfassen, stellen wir ein Gefühl von Sicherheit her. Damit wir uns sicher fühlen, schlafen wir deshalb am besten im eigenen Bett. Der arme Joachim Löw. Wieder nur ein Mann der sich nach Sicherheit und Nähe sehnt…..Irgendwie ähnelt sich das Skript immer wieder. Männliches Fehlverhalten wird so gut wie immer auf fehlende Nähe und Unsicherheit, Stress und Anspannung zurückgeführt.

Aber tatsächlich ist das Verhalten wirklich zutiefst männlich. Grenzen werden nicht respektiert gegenüber anderen. Sich durch Betrachtung der Videosequenz vorstellen zu müssen, wie der Sack von Joachim Löw riecht, ist eindeutig eine Grenzüberschreitung.

Die Erklärungen für das Verhalten waren auch sehr angenehm. Lukas Podolski sagte, dass 80% der Männer sich Mal am Sack kraulen (vor welchem Publikum aber?) und auch die Erklärung von Löw war männlich..„Ich habe die Bilder gesehen. Man ist voller Adrenalin und Konzentration. Die Dinge, die passieren, kann man gar nicht bewusst wahrnehmen. Aber ich versuche, mich in irgendeiner Form anders zu verhalten.“ Er distanziert sich sozusagen sprachlich von sich selbst und scheint, trotz innigem Kontakt mit seinem Sack, nicht zu wissen was er tut, denn es passieren ja „nur Dinge“. Joachim Löw sagt auch nicht zu, ekelhaftes Verhalten zu lassen, sondern sagt nur zu, etwas anders zu machen. Man kann gespannt sein, was er da auf Lager hat.

Vor einiger Zeit gab es ein Urteil in der Schweiz, dass es zukünftig muslimischen Schülern untersagt der Lehrerin nicht die Hand zu geben. Es ist mittlerweile allerdings durch Löw richtig männlich westlich den „Löw“ zu machen und sich die Hodensäcke zu reiben und danach an den Händen zu riechen. Es bleibt den muslimischen Schülern hier nur übrig diesem männlichen, westlichen Ritual nachzugehen und der Lehrerin danach die Hand zu geben. In der Regel bezieht sich das Handschlagthema übrigens fast nie auf Mädchen, die Lehrern nicht die Hand geben.

Aber abgesehen davon: Und jetzt? Ich will jedenfalls noch weniger einem Mann die Hände schütteln, wie zuvor, als mir nur Studien zu fehlendem Händewaschen nach dem Toilettengang bekannt waren.

Und ich bin gespannt, ob sich ein noch offenerer Umgang mit Sackkraulen verbreiten wird (den „Löw“en machen). Hört sich schon mal sehr gut an. Ich kann es kaum erwarten. Breitbeinige Männer in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die Frauen nicht durch Masturbation sexuell belästigen, sondern sagen werden, dass sie doch nur wie wahre Männer den Löwen kraulen. Weitere Missverständnisse von Frauen sind hier schon vorprogrammiert, die dies nicht erkennen und arme Männer wegen Belästigung anzeigen wollen, obwohl es nur gejuckt hat, oder der Mann einsam war und sich spüren musste.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/joachim-loew-zur-schritt-affaere-anders-verhalten-a-1097859.html

http://www.welt.de/vermischtes/article155672936/Muslimische-Schueler-muessen-Lehrerinnen-die-Hand-geben.html

Pornokonsum und seine Folgen

"End Rape Culture"
Chase Carter via Flickr, [CC BY-ND 2.0]
Eine Auswahl an Studienergebnissen dokumentiert:

 

Pornokonsum erhöht das Aggressionspotential des Konsumenten

M. Allen, D. D’Allesio & K Brezgel: A meta-analysis summarizing the effects of pornography II, Human Communication Research, 22 (2) (1995): 258-283

 

Pornokonsum erhöht die Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen beim Konseumenten (z.B. Wenn eine Frau einen kurzen Rock trägt, trägt sie eine Mitverantwortung, …)

M. Allen et al: Exposure to pornography and acceptance of rape myths, Journal of Communication, 45 (1) (1995), 5-26

 

Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung von Porno und positiven EInstellungen in Bezug auf Gewalt gegen Frauen.

Hald et al: Pornography and attitudes supporting violence against women

 

Pornonutzung erhöht die Wahrscheinlichkeit sexuelle Straftaten zu begehen

E. Oddone-Paolucci, M. Genius & C. Violato: A meta analysis of the published research on the effects of pornography, in: C. Violato, E. Oddone-Paolucci & M. Genius: The changing family and Child Development (Ashgate, 2000),

 

Pornokonsum führt zu einer psychischen Desensibilisierung, die zu einer heruntergesetzten Empathie mit Opfern führt und dem Glauben, dass Opfer eine Vergewaltigung genießen, Einstellungsveränderungen, einer höheren Wahrscheinlichkeit Aggression auszuüben

C. Itzin, A. Taker & L. Kelly: The evidence of harm to adults relating to exposure to extreme pornographic material: a rapid evidence assessment (REA), report, Ministry of Justice, 2007

 

Pornokonsumenten halten niedrigere Strafen für Vergewaltiger als angemessen (Befürwortetes Strafmaß bei Vergewaltigung einer Tramperin: Pornokonsumenten 5 Jahre, Nichtkonsumenten 10 Jahre)

D. Zillman & J. Bryant: Pornography, sexual callousness and the trivilization of rape, Journal of Communication, 32 (4), 1982, 10-21

 

Männer urteilten signifikant häufiger, dass ein unter KO-Tropfen gesetztes Vergewaltigungsopfer „bekam was sie wollte“ und Befriedigung aus der Tat zog, nachdem sie einen sexuell objektifizierenden Film angeschaut hatten (nicht einmal ein Porno)

M.A. Milburn, R. Mather & S.D. Conrad: The effects of viewing R-rated movie scenes that objectify women on perceptions of rape, Sex Roles, 43 (9/10) (2000), S. 645-664

 

Pornokonsum beeinflusst nach eigenen Angaben der Konsumenten signifikant die sexuelle Aggression gegenber Frauen, und zwar unabhängig von anderen Faktoren.

N. M. Malamuth, T. Addison & M. Kos: Pornography and sexual aggression: are there reliable effects and can we understand them?, Annual Review of Sex Research, 11 (1) (2000), S. 26-91

 

Frauen, die an einem Programm für Opfer häuslicher Gewalt teilnahmen, waren signifikant häufiger sexueller Gewalt ausgesetzt wenn der Partner Pornokonsument war.

J. Hinson Shope: When words are not enough: the search for the effect of pornography on abused women, Violence against Women, 10 (1) (2004), Seite 56-72

 

Je mehr Pornokonsum, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Partner Pornographiekonsum auch während des Sex mit dem Partner nachfragte um die Erregung aufrecht zu erhalten, und die Partnerin um pornographische Sexhandlungen bat

C. Sun et al: Pornography and the male sexual script: an analysis of consumption and sexual relations, Archives of Sexual Behaviour (2014), Seite 1-12

 

Zitiert nach Kat Banyard: Pimp State. Sex, Money and the future of equality, Faber & Faber, 2016 (Kaufen! Sehr empfehlenswert!)

 

Jahrezehntelange Forschung belegen, dass Pornokonsum schwerwiegende Konsequenzen mit sich trägt. Lasst euch nicht für dumm verkaufen!