Unser Gentleman der Woche: Die neue Anti-Abtreibungswerbung von Durex

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MIKI Yoshihito (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Die Werbung hat einen neuen Höhepunkt in der Verbreitung von sexistischen Geschlechterklischees und Unterdrückung der Frau erreicht – und zwar in Form eines neuen Werbespots, der vom Kondomhersteller Durex gefördert wird. Zu sehen sind die Figuren einiger Frauen. In warnendem Ton heißt es dann: „Alle fünf Minuten entscheidet sich eine Frau zu einer Abtreibung“. Weiter geht es mit eindringlicher Stimme: „Sex ohne Verhütung führt zu ungewollten Schwangerschaften“. Das Schlussbild zeigt einen Schriftzug, der besagt, dass diese Werbung von Durex gefördert wird. Leider ist es uns trotz intensiver Recherche nicht gelungen, herauszufinden, wer hinter diesem Werbeclip steckt, wenn er von Durex nur gefördert wird, vermuten aber, dass es entweder christliche Gruppen, militante Lebensschützer oder sonstige Frauenhasser sind.

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Die Kölner Silvesternacht war ein Geschenk für deutsche Männer

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Martin de Witte (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Was sich während der Kölner Silvesternacht auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln abspielte, hat sich wohl jüngst während des „Karnevals der Kulturen“ in Berlin wiederholt. Frauen wurden von Gruppen von Männern gejagt, eingekreist, begrapscht und bestohlen. In beiden Fällen sind Männer mit Migrationshintergrund, vornehmlich muslimischen, an den Taten beteiligt, wie zumindest im Fall der Kölner Silvesternacht durch Ermittlungen nun zweifelsfrei feststeht.  Als die ersten Meldungen zu den Vorfällen beim „Karneval der Kulturen“ aufploppten, las ich mich auf Twitter quer durch die Kommentare. Etwas erschien mir seltsam, das ich jedoch erst nach längerem Nachdenken in Worte fassen konnte. Zunächst war da das Schweigen auf der feministischen Seite. All jene, die noch Anfang des Jahres #ausnahmslos unterzeichneten, waren still, äußerten sich nicht zu den neuesten Vorfällen. Das liegt daran, dass sie es unter allen Umständen vermeiden wollen, in die Rassismusfalle zu tappen. Also sagen sie lieber nichts und verraten so die Sache der Frauen, was einmal mehr zeigt, wie wenig Frauen eigentlich gelten. Lieber Frauenerfahrungen verschweigen, als irgendeinen Mann Rassismus aussetzen. Das ist nicht nur feige, das ist auch ideologisch und viel zu kurz gedacht.

Dann gibt es die andere Seite, die sich im Erfolg des neu erschienen Buchs von Alice Schwarzer „Der Schock“ ausdrückt, das wenige Tage nach seinem Erscheinen bereits vergriffen ist. Darin geht sie den Ereignissen der Kölner Silvesternacht nach und kommt zu dem Ergebnis, dass sie etwas mit einem im Islam verwurzelten Frauenhass zu tun haben, den wir durch Zuwanderung und Flüchtlinge regelrecht importiert und willkommen geheißen haben.  Dafür erhielt sie viel Zuspruch – für mich zunächst mal erstaunlicherweise gerade von männlicher Seite. Nie zuvor habe ich in meiner Timeline und auf Twitter so viele Männer gelesen, die begeistert ein Buch von Alice Schwarzer empfehlen. Auch das ist doch zunächst seltsam, immerhin sind das genau die Männer, die sich sonst gerne ausgiebig über Feministinnen im Allgemeinen und Alice Schwarzer im besonderen lustig machen.

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Deutschland ist das „Bordell Europas“ – und wir sollten uns dafür schämen

Dieser Artikel erschien am 10. Mai in englischer Sprache auf dem kanadischen Blog Feminist Current. Wir freuen uns,eine deutsche Version als Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen.

Wenn wir als deutsche Abolitionistinnen international über die Prostitution in Deutschland sprechen, dann bekommen wir immer wieder das Gleiche zu hören: „Du verarschst mich jetzt aber, oder?“,  oder „Wie kann das alles sein?“. Bei Vorträgen im Ausland kommt es häufig vor, dass Menschen im Publikum in Tränen ausbrechen oder nach 15 Minuten um eine Pause bitten, um etwas frische Luft zu schnappen. Die gleichen Vorträge in Deutschland führen zwar auch zu Entrüstung, jedoch stellen wir fest, dass insgesamt eine stärkere Gewöhnung oder Abstumpfung erkennbar ist. Es ist auch immer wieder erstaunlich wie freimütig – manchmal auch stolz – sich Männer als Sexkäufer outen. Ein Sexkäufer zu sein, ist in Deutschland nichts, wofür mann sich schämen muss. Dies sind für uns besorgniserregende Anzeichen dafür, wie Jahrzehnte legalisierter und liberalisierter Prostitution eine Gesellschaft prägen.

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Entsolidarisierung mit Gewaltopfern

Drei Affen - Nichts hören, nichts sehen
By Jakub Hałun (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons
Eigentlich finde ich den Titel etwas zu harmlos für das, was ich hier in relativer Kurzfassung beschreiben möchte. Ich bin nämlich – mal wieder – in Rage und hatte andere Vorschläge im Kopf, die aber alle aus dem Vulgärspektrum kommen, obwohl … vielleicht … doch … passender? Lassen wir das.

Es geht darum, dass von Frauen, die sexuelle (und andere Formen von) Gewalt erfahren haben, erwartet wird, sie mögen sich doch bitteschön etwas „sachlicher“, „rationaler“ und – oh, wie ich dieses Wort inzwischen hasse – „differenzierter“ zu ihrer Sache äußern.

Das ist nichts Neues, eigentlich ’ne patriarchale Silencing-Strategie deluxe (merken die nur nicht, aber wen wundert’s?). „Sei doch mal nicht so „hysterisch““ und so. Und: „Du bist viel zu emotional!“ Ihr kennt das alles …

Aber es gibt einen erneuten Anlass:

Huschke Mau, Aktivistin und Prostitutionsüberlebende hat eine astreine Replik auf den unsäglichen Positonierungsbeschluss der linksjugend [’solid] veröffentlicht und der geht ziemlich viral (Huschke, das war so auf die 12 – danke noch einmal an dieser Stelle) und wird ziemlich gemocht! Gefallen tut das natürlich nicht allen, der Lobby nicht und ihren FreundInnen und ClaqueurInnen auch nicht:

Einer LINKEN-Politikerin beispielsweise, dem „Sexarbeiterinnen“-Narrativ verfallen und offensichtlich Lobby-verblendet fällt als Reaktion auf den Post von Huschke zunächst einmal Folgendes ein (ich erwähne diese Zitate lediglich exemplarisch aus aktuellem Anlass, das ist mitnichten ein „neues Phänomen“):

„Diese Art Texte helfen doch nicht wirklich weit. Vielleicht wäre eine rationale Auseinandersetzung eine Alternative zur Meinungsbildung.“

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Als Autorin unter Männern – wie ich einen Western schrieb

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Chris Bickham (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Es war ein Zufall, der mich zur Westernliteratur brachte. In einem Seminar an der Uni las ich eine Quelle von zwei Mädchen im 18. Jahrhundert, die im Grenzland von Pennsylvania von Indianern entführt wurden und erst nach vier Jahren zurückkehrten. Mich faszinierte diese Geschichte sofort. Irgendwann beschloss ich, einen Roman darüber zu schreiben, er trägt den Titel „Der Ruf der Schildkröte – die Trommeln am Fluss“. Es geht in diesem Roman vorrangig um die beiden Mädchen, aber auch um Schlachten, Folter und jede Menge Militär. An einer Stelle gibt es eine Vergewaltigungsszene. Diese habe ich erfunden. Warum, weiß ich jetzt nicht mehr so genau. Vermutlich, weil so etwas meinem damaligen Gefühl nach einfach in einen historischen Roman gehört. Ich kenne die wenigsten Schinken, die nicht an irgendeiner Stelle so etwas einbringen. Erst heute, seit ich ein wenig feministisch geprägt bin, frage ich mich warum und komme zu dem traurigen Ergebnis, dass es dabei um eine Art sexuellen und potenziell frauenverachtenen Thrill geht, an dem sich einige der Leser erregen – und zwar leider Leser beiderlei Geschlechts. Das gilt auch für detaillierte Sexszenen, die sich in jedem Mittelalter-Roman finden. Als bestünde das Leben im Mittelalter nur aus Hexenwahn (nein, der gehört in die Frühe Neuzeit) und dazu gehörender sadistischer Folter an wehrlosen Frauen, schön detailliert beschrieben, herumreisenden Prostituierte und Orgien. Warum kommt Literatur nicht ohne diese Darstellung aus? Warum folgte auch ich diesem Ablauf?

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Der Körper als Ware

big_9783854766407Der Kapitalismus macht vor nichts Halt – auch nicht vor dem Körper. Besonders Frauenkörper sind der kapitalistischen Ausbeutung auf vielfache Weise unterworfen. Von Körperzellen über Eizellen bis zur Leihmutterschaft und der Prostitution werden einzelne Bestandteile des weiblichen Körpers verkauft und ausgebeutet. Die Pornoindustrie treibt bewusst die Pornifizierung von Körpernormen und die Darstellung von Frauen in Werbung und Medien voran. Mit Frauenkörpern lässt sich Geld verdienen.

In „Der Körper als Ware – Feministische Interventionen“, erschienen im Mandelbaum Verlag, geht Lisbeth N. Trallori in 5 Teilen der neuen Vermarktung von weiblichen (und männlichen) Körpern nach.

Teil I trägt den Titel „Der Körper als Medium der Kapitalisierung“. Darin wird die neue Körperpolitik in engen Zusammenhang mit neoliberaler Verwertungslogik gestellt. Alles am Körper ist verwertbar, seine Zellen, Organe, Fortpflanzungsorgane und wird mit einem Preis versehen. Der eigene Körper soll ständig verbessert werden – mit Schönheits-Ops, Kosmetik und anderen Tuning-Maßnahmen, die auch vor dem eigenen Kind, das längst als eine Art „Glücksinvestition“ betrachtet wird, nicht Halt machen.

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„Gewalt unter der Geburt“ Buchempfehlung

Buchcover "Gewalt unter der Geburt"
Christina Mundlos: „Gewalt unter der Geburt – Der alltägliche Skandal“, Tectum Verlag, 2015

Mit ihrem Buch „Gewalt unter der Geburt“ möchte die Autorin, Christina Mundlos, eines der letzten Tabus in unserer Gesellschaft aufbrechen. Die Geburt eines Kindes wird im Allgemeinen als etwas Positives dargestellt, eines der wichtigsten Momente im Leben einer Frau. Es wird nicht über die oft brutalen Erfahrungen, die so viele Frauen während der Geburt erleben müssen, so offen berichtet.

Der Begriff Gewalt im Kontext von Geburt ist erst einmal sehr ungewohnt und somit vielleicht verstörend. Gewalt und Geburt werden üblicherweise nicht in einen Zusammenhang gebracht.  Christina Mundlos versucht, vielleicht auch deshalb, zum Verständnis Gewalt zu definieren, beginnend mit der sehr umfangreichen Definition von Galtung, dem Begründer der Friedens- und Konfliktforschung, und sie stellt fest, dass es tatsächlich keine allgemeingültige Definition geben kann, sondern eine Definition von Gewalt immer auch ein Werturteil beinhaltet. Sehr deutlich aber sagt Christina Mundlos:

„[…] unter der Geburt geht körperliche Gewalt mit psychischer Gewalt einher, oder die zunächst „nur“ psychisch ausgeübte Gewalt geht zu einem späteren Zeitpunkt in physische Gewaltanwendung über […]“

Als Beispiele für psychische Gewalt werden zum Beispiel das Hinwegsetzen von Wünschen der Gebärenden bezeichnet und Beispiele für unnötige Interventionen, die auch als Körperverletzung gesehen werden können, sind die Eröffnung der Fruchtblase oder langanhaltende Kontrolle der Wehen mit CTG.

Die Autorin spricht deutlich von Gewalt unter der Geburt und ermöglicht es so, hoffentlich zukünftig noch viel mehr Frauen auch ihr Schweigen zu brechen und sich nicht weiter in Schweigen zu hüllen, aus Angst als zimperliche Mimose angesehen zu werden, die einem einfachen körperlichen Prozess nicht gewachsen sein zu scheint.

Christina Mundlos spricht von einer „Technisierung der Geburtshilfe“, die sie als auch verantwortlich für die Gewalt in der Geburtshilfe betrachtet. Die Autorin liefert erschreckendes Zahlenmaterial zur Situation der, letztendlich, Pathologiesierung der Geburt der vergangenen Jahre und schmerzhafter Interventionen wie zum Beispiel das Kristellern – das Mitschieben des Kindes mit Händen oder Fäusten von Außen. Um ihre Aussage zu unterstützen und natürlich auch um die gesamte Bandbreite der Gewalt aufzuzeigen, berichten 19 Mütter, Hebammen und ein Vater von ihren Erfahrungen, die es der Leserin und dem Leser unmöglich machen, die schrecklichen und frauenverachtenden medizinischen Eingriffe in den deutschen Kliniken weiter zu verdrängen. Das ganze Spektrum der Gewalt spiegelt sich in den Erfahrungsberichten wieder. Wenn man selbst Gewalt unter der Geburt erfahren musste, so ist es besonders hilfreich sich durch diese Berichte als nicht alleine mit den schmerzhaften Erfahrungen zu fühlen. Aber auch prinzipiell eröffnen diese umfangreichen Berichte der Leserin und dem Leser die Möglichkeit emotional zu erfassen, was überhaupt alles als Gewalt gesehen wird und welche Gewalt ausgeübt wird. Eine der Mütter schreibt:

„Den Beginn des Kaiserschnitts mit dem Schneiden des Skalpells an meinem Bauch habe ich sehr deutlich gespürt und dies mit einem Schreien geäußert.“

Oder eine andere Mutter:

„Ich bekam von der Hebamme einen Einlauf, damit die Wehen angetrieben wurden.“

Das Buch von Christina Mundlos hilft es betroffenen Frauen und auch Vätern ihr Erlebtes während einer Geburt zu benennen, aber es hilft auch nicht betroffenen Frauen deutlich zu machen, was andere Frauen in ihrem oft hilflosesten Moment erleben müssen und auch sie selbst vielleicht in Gefahr sind zu erdulden in einer deutschen Geburtsstation.

Die Folgen dieser multiplen Gewalterfahrungen werden von der Autorin benannt und sie betont sogar, dass diese Erlebnisse Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben. Das ist natürlich eine logische Konsequenz einer so intimen und massiven Fremdbestimmung über den eigenen Körper, die mit Schmerzen einhergeht.

Doch Christina Mundlos hört nicht mit einer reinen Enttabuisierung durch Thematisieren und Anklagen auf, sondern sie bietet Lösungsvorschläge an. Christina Mundlos spricht von Maßnahmen zur Prävention und macht auch nicht davor halt, die politische Dimension anzusprechen, nämlich die Unterfinanzierung der Geburtshilfe.

Auch eine Möglichkeit zur Vernetzung mit anderen Betroffenen wird benannt, nämlich die Roses Revolution. Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden aufgelistet, aber auch Traumaprävention ist der Autorin ein Anliegen und hier geht es

„[…] insbesondere darum, die Rechte der Gebärenden zu beachten und die Gebärende zu achten.“

Christina Mundlos, Soziologin – von 2009 bis 2011 im Gleichstellungsbüro der Universität Hannover tätig – möchte nicht weniger als das Ende der Gewalt. Für sie bedeutet das „Ende der Gewalt“ nicht nur, dass Geburtshilfe gewaltfrei ist, sondern auch, dass die erfahrene Gewalt für die Betroffenen ein Ende hat. Vergessen werden kann sie sicherlich nicht.

„Gewalt unter der Geburt“ ist ein berührendes Buch, das theoretische Erklärungen und Erfahrungen verbindet mit erreichbaren Zielen.

Gewalt unter der Geburt-der alltägliche Skandal. Christina Mundlos, Tectum Sachbuch, 2015 (16,95 €)
ISBN: 978-38288-3575-7

 

 

Männerherzen

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ein Beitrag von Carola Fuchs. Dieser Beitrag erschien zuerst hier

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seyed mostafa zamani (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

„Ich würde gern mal spüren in ein Männerherz hinein, um endlich zu verstehen, warum fühlt’s ihr euch so klein?“, sang das Double von Ilse Aigner, der bayerischen Wirtschaftsministerin, am diesjährigen Nockherberg – dem bayerischen Kabarettereignis schlechthin.

„Alles, ja alles um auf Seite eins zu stehn,
ich tu doch auch alles, nur bin ich auf Seite zehn.
Ihr habt’s die Ilse vergessen, ihr Lumpenpack,
genauso wie den Anstand, den ihr nie besessen habt.“

Ja, da stehen sie ganz gerne, die Herren Politiker, auf Seite eins. Für eine Frau, so denken sie vielleicht, hat es die Ilse eh schon weit gebracht. Mehr geht nun wirklich nicht.

Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit

Die Textschreiber des Nockherbergs nahmen den männlichen Geltungsdrang nicht nur gehörig auf die Schippe, sondern lieferten auch gleich eine Erklärung für dieses selbstverliebte Gebaren: Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit, das kaschiert werden soll und Anstand kann man sich dabei wohl nicht leisten.

Aber wie sieht es jenseits des Politzirkus in den Männerherzen aus? Wie verkraften die „normalen“ Männer den Machtverlust, den die fortschreitende – aber bei weitem nicht abgeschlossene – Gleichberechtigung der Frauen (Gendergap!) mit sich bringt?

Gemischt, würde ich sagen.

Für die einen ist es kein Problem sondern ein Gewinn, eine selbstbewusste Frau auf Augenhöhe neben sich zu haben. Sie nehmen die zunehmende Aufweichung der strengen Rollenmuster zum Anlass, sich auch im Haushalt und bei der Kinderbetreuung einzubringen. Einige solcher Exemplare kenne ich sogar persönlich. Ein befreundetes Ärzteehepaar zum Beispiel, sie teilen sich eine Stelle und Mutter und Vater sind für die Kinder gleichwertige Bezugspersonen, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Von Kleinheit ist bei diesem Mann rein gar nichts zu spüren und deswegen hat er es auch nicht nötig sich zu produzieren.

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#imzugpassiert – Frauenabteile sind keine Lösung gegen übergriffige Männer

Pixabay - Public Domain
Pixabay – Public Domain

Sexuelle Belästigung ist (nicht nur) in Deutschland trauriger Alltag. Berichte von masturbierenden Männern, anzüglichen Bemerkungen, Fotografieren unter dem Rock sind uns allen bekannt. Wir haben uns mehrfach mit diesem Thema auseinandergesetzt (zum Beispiel hier, hier oder hier)

Traurig: Während nach den sexuellen Übergriffen von Köln (Pseudo)-Feministen aus allen Ecken gekrochen kamen, sind jene Frauen, die auf Twitter unter dem Hahstag #imzugpassiert ihre Erfahrungen schildern mal wieder nur hysterische Feminazis und verklemmte Ziegen, die mal wieder maßlos übertreiben. Auch in der (vergleichsweise Neben)-Debatte in deutschen Medien wird (mal wieder) kein Zusammenhang zu der Gesellschaft in der wir leben (Stichwort: Porn Culture) hergestellt. (#funfact: Unter jenen, die sich in die Debatte einmischen und ihre unschönen Erfahrungen schildern, befinden sich auch jene Frauen und Transfrauen, die die Kritik an der Pornographisierung unserer Gesellschaft und am System Prostitution ebenfalls für hysterisch und prüde halten)

Auslöser der Debatte: Die Mitteldeutsche Regiobahn will Zugabteile nur für Frauen einrichten. Prima. Frauen und Kinder – übrigens die HauptnutzerInnen des ÖPNV – sollen sich nun also in zwei extra Waggongs quetschen, damit sie unbehelligt von sexuellen Übergriffen bleiben. Es ist ja lobenswert, dass sich ein Regionalverband Gedanken um die Sicherheit von Frauen macht, aber nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht.

Richtiger wäre: Eine Kampagne gegen sexuelle Gewalt im ÖPNV und die klare Ansage: Wer Frauen und Mädchen belästigt muss entweder in einen Extra-Waggon oder bekommt gleich ein Fahrverbot für den Verbund. Prügelnde Fussball-Holligans dann bitte gleich dazu.

Sexroboter: Nicht Segen, sondern Fluch

CC0 Public Domain
CC0 Public Domain

Seit einiger Zeit liest man immer mehr Artikel über die Entwicklung von so genannten „Sexrobotern“.  Es handelt sich dabei quasi um eine Weiterentwicklung der bekannten „Gummipuppe“. Statt nur in Plastik und Silikon zu ejakulieren soll das Objekt der Begierde zukünftig über „Künstliche Intelligenz“ verfügen: Der Roboter soll aus den „Erfahrungen lernen“, dadurch die „individuelle Partnerschaft optimieren“ und damit seine „Fähigkeiten perfektionieren“.

Im November 2015 fand eine „Conference on Love and Sex with Robots“ in Malaysia mit TeilnehmerInnen aus aller Welt statt.

Sexroboter sind (genau wie „Gummipuppen“) Objekte in Form von (fast ausschließlich) Kindern oder Frauen, die als Ersatz für echte, menschliche Partnerinnen oder prostituierte Personen dienen sollen.

Manche sehen in solchen Entwicklungen eine Möglichkeit Vergewaltigungen zu verhindern, oder durch „kindliche“ Roboter Pädokriminellen eine Möglichkeit zur „Triebabfuhr“ an die Hand zu geben. Die gut schlecht bekannte Ventiltheorie. Sie wird unter anderem von Ronald Arkin, einem Professor des Georgia Institute of Technology, vertreten. Er möchte „mit Kinder-Robotern Pädophilie therapieren“ möchte.

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