Alle Artikel von Gastbeitrag

Weiße Menschen, die „Weißen Feminismus“ kritisieren, halten weißes Privileg aufrecht

Feminist Button

Dieser Text von Claire Heuchan erschien am 10. August 2015 auf ihrem Blog Sister Outrider. Wir bedanken uns bei Claire für die Erlaubnis, eine Übersetzung anzufertigen und sie hier zu veröffentlichen.

Wenn du online in feministische Diskurse eingebunden bist, ist es wahrscheinlich, dass dir ein bestimmter Begriff aufgefallen ist, der immer geläufiger wird: Weißer Feminismus. Manchmal wird sogar ein Trademark-Logo zur Unterstreichung hinzugefügt. Der Begriff „weißer Feminismus“ wurde zur Chiffre für ein bestimmtes Versagen innerhalb der feministischen Bewegung; von Frauen mit einem gewissen Grad an Privilegien, die es versäumen, ihren marginalisierteren Schwestern zuzuhören; von Frauen mit einem gewissen Grad an Privilegien, die über diese Schwestern hinwegsprechen; von Frauen mit einem gewissen Grad an Privilegien, die die Bewegung auf die Themen ausrichten, die innerhalb ihres eigenen Erfahrungsspektrums liegen. Ursprünglich wurde der Begriff Weißer Feminismus von Women of Colour benutzt, um Rassismus innerhalb der feministischen Bewegung zu thematisieren – eine notwendige und berechtigte Kritik.

Auch wenn weiße Frauen durch die auf Misogynie (Frauenverachtung) aufgebauten bestehenden sozialen Ordnung auf persönlicher und politischer Ebene benachteiligt sind, sind sie auch Nutznießerinnen von institutionellem Rassismus – ob sie das wollen oder nicht. Sogar Frauen mit dezidiert anti-rassistischen Grundsätzen können nicht einfach aus den Vorteilen eines weißen Privilegs aussteigen, angefangen von der größeren (wenn auch immer noch zu geringen) Medienpräsenz weißer Frauen, über eine größere Lohnlücke für Women of Colour bis zu der deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit von Polizeigewalt, die die Lebenswirklichkeit Schwarzer Frauen bestimmt. So funktioniert weißes Privileg. Wir leben in einer Kultur, die durch Rassismus geprägt ist und in der ein großer Teil des Reichtums unseres Landes aus dem Sklavenhandel stammt. So wie Misogynie braucht es viel Zeit und Bewusstsein, sich Rassismus abzutraineren. Es ist ein Lernprozess, der für uns niemals wirklich abgeschlossen ist. Women of Colour, die Rassismus innerhalb der feministischen Community anfechten, geben uns allen die Möglichkeit, uns bewusst von Verhaltensweisen zu lösen, die innerhalb des weißen rassistischen Patriarchats belohnt werden.

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Die dunkle Seite meiner Sexualität – BDSM und ich: Geschichte einer Aussteigerin

Der erste Mann, der in mich eindrang, war mein Vergewaltiger. Es war in einem heißen Sommer irgendwann in den 90ern, und er wollte nicht nur Sex mit mir, er wollte mich zerstören. Als ich begriff, was er, der ältere Bruder eines Mitschülers, in den ich heimlich verliebt war, im Begriff war, mir anzutun, zog ich mich in einen Bereich tief in meinem Inneren zurück, der sicher vor ihm war. Ich war nicht sein erstes Opfer. Er kannte die Überlebensstrategien. Er fand Wege, zu diesem Ort vorzudringen und seine Spuren auf meiner Seele zu hinterlassen. Seither lebe ich mit ihnen, den Spuren, den sichtbaren und den unsichtbaren.

Auf eine Zeit der völligen, inneren Erstarrung folgte eine der Selbstzerstörung. Drogen, Selbstverletzung und Hunger. Ein Mittel meiner Selbstbestrafung war Sex. Ich hasste Sex. Ich hasste Männer. Was ich wollte, war nicht Befriedigung, es war das Gefühl, Kontrolle zu haben. Nichts, was ein Mann mir jemals antun konnte, sollte mich je wieder überraschen können. Ich wollte vorbereitet sein. Jemand wie ich, eine 17jährige mit frischen Schnitten auf den Unterarmen, trägt eine Art Leuchtreklame über ihrem Kopf. Unzählige Male wurde versucht, mir erneut Gewalt anzutun. Mein Lehrer, mein Chef, Fremde, Freunde, Väter von Freundinnen. Ich war Freiwild, als Opfer markiert und zu nichts anderem gut. Ich verachtete die Männer und hatte trotzdem Sex mit ihnen. Ich fand, wenn sie mit mir schliefen, sei das ein Ausdruck dessen, wie verachtenswert sie waren. Mein Selbstwertgefühl war irgendwo bei Null. Dieser Sex war nie liebevoll und oft gewalttätig. Immer wieder holte mich meine Vergewaltigung ein, nirgendwo war ich vor den Erinnerungen sicher.

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Ein Aufruf an Feministinnen, sich an das historische und geschlechterbasierte Wesen ihrer Unterdrückung zu erinnern

Das wirklich Brillante am Patriarchat…es verwandelt Unterdrückung nicht nur in etwas Natürliches, es sexualisiert den Unterdrückungsakt. Es erotisiert Dominanz und Unterwerfung. Es institutionalisiert sie als Maskulinität und Feminität. Also normalisiert, erotisiert und institutionalisiert Unterwerfung. Das Brillante am Feminismus ist, dass wir das erkannt haben.
– Lierre Keith

In den vergangenen Monaten wurden in den USA und anderswo so viele Gesetze erlassen oder vorgeschlagen, die eine Eskalation des Kriegs – ja, es ist Krieg – gegen Frauen anzeigen. Das Russische Parlament hat gerade mit 380 zu 3 Stimmen die Entkriminalisierung häuslicher Gewalt entschieden. Es ist ein Land, in dem durchschnittlich 40 Frauen pro Tag – 14.000 Frauen pro Jahr – von ihren männlichen Partnern ermordet werden.

Die Vereinigten Staaten, wo über 1000 Frauen pro Jahr von ihren Partnern ermordet werden, haben gerade einen Präsident gewählt, der damit prahlt, dass „wenn du ein Star bist, lassen sie es dich einfach tun, pack sie an der Pussy“ und in Pornografie und Menschenhandel verwickelt ist. Sein Plan ist es, die finanzielle Unterstützung für 25 Programme gegen häusliche Gewalt zu eliminieren und weiblichen Angestellten zu befehlen, sich „wie Frauen anzuziehen“. Texas denkt darüber nach, Frauen, die eine Abtreibung hatten, ihr Wahlrecht zu entziehen; Arkansas möchte Vergewaltiger in die Lage versetzen, Frauen zu verklagen, die abtreiben.

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Simon Häggström: Shadow`s Law. The True Story of a Swedish Detective Inspector Fighting Prostitution

von Manuela Schon

Simon Häggström ist seit mehr als 10 Jahren Polizeikommissar bei der Anti-Prostitutionseinheit in Stockholm. Er und seine KollegInnen sind verantwortlich für die Umsetzung des so genannten „Sexkaufverbots“ in der schwedischen Hauptstadt. Sprich: Sie überführen Freier und führen sie der für sie vorgesehen Bestrafung zu. Wie das genau abläuft, und dass diese Ermittlungsarbeit kein Hexenwerk ist, davon bekommt man in seinem Buch SHADOW`S LAW, welches nach schwedisch nun auch auf englisch veröffentlicht wurde, einen guten Eindruck.

Wenn über die schwedische Prostitutionsgesetzgebung gesprochen wird hören wir immer die gleichen Argumente und Mythen. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag dazu mit vielen dieser Mythen aus Sicht der Polizei aufzuräumen. Dabei lässt sich der Autor sehr viel Raum für Selbstkritik und LeserInnen erfahren eine Menge darüber, welchen Lernprozess Institutionen durchlaufen müssen, die mit der Implementierung einer solchen Gesetzgebung beauftragt werden.

Wer von dem Buch eine rosarote Darstellung der schwedischen Gesetzgebung erwartet wird eines besseren belehrt, denn die Schwierigkeiten die richtigen Entscheidungen im Sinne der Betroffenen zu treffen werden an einigen Stellen deutlich und werden von Häggström auch ganz offen benannt. Vor allem das ambivalente Verhältnis der prostituierten Frauen gegenüber der Polizei wird mehrfach betont. Auch übt der Autor da wo es notwendig ist offen Kritik an den Institutionen und zeigt auf wo sie seiner Meinung nach in der Implementierung versagen.

Auf der anderen Seite bringt er jedoch auch viele Mut machende Beispiele, die zeigen, dass der Weg den Schweden eingeschlagen hat sehr viele Vorteile mit sich bringt und warum die Legalisierung und Liberalisierung der Prostitutionsmärkte wie in Deutschland, den Niederlanden oder Neuseeland ein Holzweg ist.

Jede/r, der/die in dem Feld der Prostitution beruflich oder ehrenamtlich tätig ist, findet sich in den Beschreibungen des Autors sehr gut wieder: Auf der einen Seite ist da das gute Gefühl einen wichtigen Beitrag zu leisten zur Veränderung der gesellschaftlichen Zustände – auf der anderen Seite kennen wir alle das Gefühl wie diese Arbeit das eigene Privatleben beeinflusst, sehr oft auch stark beeinträchtigt und welcher Kraftakt nötig ist um die notwendige Balance zu finden.

„Der Rucksack den ich mit mir herumtrage ist so voller Müll, dass ich manchmal nicht weiß was ich damit anstellen soll. Es gibt Grenzen dessen was ein Polizeibeamter ertragen kann. Am Ende sind wir Menschen – wie alle anderen auch. Was macht der Job mit mir? Wie beeinflusst er mein Leben? Macht er mich zu einer kaltherzigen, wahnhaften Person, die jeglichen Glauben in die Menschlichkeit verloren hat? Wie wäre mein Leben verlaufen wäre ich Ingenieur oder Computerexperte geworden? […] Aber da ist mehr als der Schmerz und das Elend. Sogar an meinen schlechten Tagen verliere ich nicht den Glauben an die Menschlichkeit oder das Gute. Dieser Beruf bietet mir eine Lebensperspektive und hat mir hoffentlich dazu verholfen zu einem besseren Menschen zu werden. Auch wenn ich noch weit von dem Menschen entfernt bin, der ich gerne wäre.“

Dieser Auszug macht deutlich,  dass es in dem Buch um deutlich mehr geht als eine objektive Darstellung der schwedischen Situation: Simon Häggström, der regelmäßig international auch auf Konferenzen und Veranstaltungen von seiner Arbeit berichtet, bezeichnet das Schreiben selbst als Möglichkeit zur Selbstreflektion und Therapie.

Mit großer Bedacht wurden die (mitunter sehr skurrilen) Geschichten aus dem Berufsalltag von Simon Häggström und seinen KollegInnen ausgesucht – sie machen immer wieder deutlich wie unmenschlich das Geschäft mit der kommerzialisierten Sexualität ist, und wie absurd es eigentlich ist für eine Gesellschaft solche Zustände zu romantisieren oder schönzureden.

Der Ansatz von SHADOW`S LAW ist mutig, ehrlich und selbstkritisch und genau dies macht es für mich zu einem wichtigen Beitrag in der Prostitutionsdebatte. Auch wenn mein fachlicher Zugang als (Radikal)Feministin zu der Thematik ein anderer ist, habe ich mich sehr gut selbst in diesem Buch wiederfinden können und auch nach einigen Jahren Anti-Prostitutionsaktivismus viel neues dazu gelernt.

Titel: SHADOW`S LAW. The True Story of a Swedish Detective Inspector Fighting Prostitution

Verlag: Bullet Point Publishing

ISBN: 978-91-88153-20-3

Deine Privilegien werden dich nicht schützen – Rede von Sagashus Levingston beim Women’s March

Sagashus Levingston

© Sagashus Levingston

Sagashus Levingston von Infamous Mothers hielt am 22. Januar 2017 diese Rede beim Women’s March in Madison, Wisconsin. Wir bedanken uns sehr herzlich dafür und für die Genehmigung, eine Übersetzung anzufertigen und hier zu veröffentlichen.

Wo und wie betrete ich diesen Ort? Die Erwartung an mich ist, dass ich hier stehe und die Art und Weise beleuchte, in der weiße Frauen diesem Land am 8. November 2016 geschadet haben. Manche erwarten von mir, dass ich sagen soll: „Während ihr mit Aufklebern herumgefahren seid, auf denen ‚Ich bin für sie‘ stand (‚I’m with her‘ war der Slogan für Hillary Clinton, Anmerkung d. Übersetzerin), waren 94% der schwarzen Frauen und 63% der Latina in den Wahlkabinen und haben sie gewählt. Nur 47% von euch waren da.“ Für manche besteht die Erwartung darin, dass ich euch sagen soll, wie wenig wir euch vertrauen. Wie sehr schwarze und braune Frauen es satt haben, euer Chaos zu beseitigen, nur um sofort nach Erledigung der Arbeit wie Müll herausgeworfen und abserviert zu werden. Andere wollen, dass diese Rede über unsere Verweigerung geht, mit euch Bündnisse einzugehen, bis ihr euch dafür entschuldigt habt, in der Geschichte eure eigenen Bedürfnisse und Wünsche vor unsere und die anderer Frauen gestellt zu haben – und für eure Rolle in der Unterdrückung der Marginalisierten. Aber dies von mir zu wollen, bedeutet, von mir zu wollen, dass ich etwas tue, das nicht zu mir passt und jemand zu sein, die ich nicht bin. Es gibt Frauen, die viel qualifizierter sind als ich, dieses Gespräch mit euch zu führen und diese Rede zu halten. Das, was ich euch heute, jetzt, bieten kann, bin ich. Ich zeige mich als Frau an einem Ort der Frauen. Ich zeige mich als verletzlich.

Heute stehe ich an der Intersektion vieler Identitäten: schwarz, kahlköpfig, volle Figur, alleinerziehende Mutter von sechs Kindern, vier verschiedene Väter, arm …. Doktorandin …. Geschäftsfrau …. Frau. Und ich gebe mich euch ganz, denn das ist alles, was ich zu geben habe.

Ich erzähle euch von dieser sehr persönlichen Entscheidung, weil jede gute Feministin weiß, dass das Persönliche IMMER auch das Politische ist. Das bedeutet, dass ihr wie ich hier an der Intersektion vieler Identitäten steht – alle durch Race, Klasse, Sexualität und Fähigkeiten geformt und beeinflusst. Welchen Teil davon sollen wir wegschneiden? Welche Feministinnen hier herausstellen: Weiße, Schwarze, Latina …? Wen lassen wir zurück – feministische Männer, Muslime, Muslima, Menschen aus Asien, Mitglieder der LGBTQUIA? Und was werden unsere Entscheidungen uns kosten? Wer von uns hier braucht kein Gesundheitssystem, keine gleiche und langfristige Bezahlung, keine saubere Luft und kein sauberes Wasser? Sind dies Fangfragen? Wenn wir eine Identität über die andere stellen, stimmen wir dann gegen uns selber, gegen alle Frauen? Amputieren wir Teile eines kollektiven Rechts auf Gleichstellung und Gerechtigkeit, des Rechts, Unterdrückung abzuwerfen? Und wenn wir das tun, müssen wir uns fragen, wessen Zielen wir dienen, wenn diese Ziele nicht uns alle anerkennen. Und ist das klug?

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Die Abgewöhnung des Mitgefühls

Blumenwiese

Bild via Pixabay, Public Domain

Als kleines Kind fragte ich meine Mutter, warum sie gerade eben unseren Hund geschlagen hatte. Unser Hund war ein junger Bernhardiner, er war keine 6 Monate alt und hatte in den Flur gepinkelt. Als ich meiner Mutter diese Frage stellte, scheuerte sie mir eine. Und sagte, aus dem Hund müsse nun mal ein gut erzogener werden (so wie aus mir offensichtlich eine gut erzogene Frau werden sollte). Ich kann mich an diese Situation nicht deshalb so gut erinnern, weil sie den Hund und mich nur dieses Mal geschlagen hat, sondern, weil sie eine der wenigen Situationen war, in denen ich widersprach („es wagte“). Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, nur, dass ich noch in den Kindergarten ging, und ich sagte ihr, dass der kleine Hund doch noch klein ist und schwach und noch viel lernen muss und doch viel weniger Kraft hat als ein Mensch. Ich sagte, dass ich das nicht fair finde, wenn ein Hund so behandelt wird. „Fair, was ist schon fair“, sagte meine Mutter, „gewöhn dir das ab“. „So funktioniert die Welt nicht.“

Meine Mutter war selbst so groß geworden, mit exakt diesem Glauben und dieser Überzeugung, dass Mitgefühl haben etwas Lächerliches und ein Zeichen der Schwäche ist, etwas Illusorisches und Unrealistisches, etwas, das sich nicht schickt, nicht in die moderne Zeit passt und einfach nur ein Produkt von Menschen ist, deren Brillengläser zu rosa sind. Sie durfte nicht weinen, also ließ sie auch ihre Kinder nicht weinen. Eine „Heulsuse“ war ich. Wann immer ich Gefühle, aber vor allem Mitgefühl zeigte. Als in den 80-er-Jahren beispielsweise Greenpeace zu dem Wal- und Robben-Abschlachten publizierte, las ich heimlich unter der Bettdecke Berichte darüber, aber vor allem weinte ich heimlich. Ich konnte  und wollte es einfach nicht verstehen – diese Grausamkeit. Außerhalb meiner Bettdecke schluckte ich jede Träne runter. Lief doch eine hinunter, gefährdete das meine körperliche Unversehrtheit. Bei Berichten über den Holocaust sollte ich „das ist vorbei“ sagen und meine Sprachlosigkeit ob dieser Brutalität war lediglich das Zeugnis einer Seele, die so nie bestehen kann. Nicht einer, die in einer weiteren Stufe des Lebens schmerzlich erkennt, was für Folgen Gewalt und die Abwesenheit von Mitgefühl hat. Das Lächerlichmachen meiner Mitschülerin vor der gesamten Klasse durch unseren Deutschlehrer sollte kein Gefühl in mir regen, „zu nah am Wasser gebaut“, „irgendwas wird diese dumme Schülerin schon falsch gemacht haben“. Und so weiter und so fort.

Fühle nicht. Dann fühlt auch keiner mit dir. Und dann bist du sicher.

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Vom Ich zum Wir – Ein (unpolitischer) Beitrag zur Transdebatte

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Ich habe eine neue Lieblingsserie. Sense 8 läuft gerade auf Netflix und mich hat schon lange nichts mehr so in den Bann gezogen wie diese Serie, gemacht von den Wachowski Schwestern, den Macherinnen der Matrix-Reihe und produziert von Michael Strazcynski, dem Produzenten von Babylon 5. Es geht um acht Menschen auf verschiedenen Kontinenten, die durch eine Mutation auf einmal ein gemeinsames Bewusstsein entwickeln. Die acht könnten unterschiedlicher nicht sein, von der koreanischen Kampfsportlerin über einen Polizisten in Chicago, einer Djane aus Island und einer Pharmazeutin aus Indien sowie einem Gangster aus Berlin. Das Außen kommt in der bislang zweistaffeligen Serie nur schablonenhaft vor, was zählt, ist die Innenschau. Die Charaktere begegnen einander, besuchen sich im Geiste, lernen, was der andere fühlt, und wie er oder sie lebt. Die Story wird so mitreißend, so bildgewaltig und so detailliert erzählt, dass es für mich als Zuschauerin ein einziges Gefühlsbad ist. Von Gänsehaut über breites Grinsen bis hin zu Tränen war immer wieder alles dabei und ich weiß nicht, wie ich es bis Mitte Mai aushalte, bis es weitergeht.

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„Women`s March on Washington“ Wie schlimm es wirklich um Frauenrechte bestellt ist

Am kommenden Freitag (20. Januar 2017) übernimmt Donald J. Trump offiziell die Amtsgeschäfte des noch amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama.
Grund für Frauen in den USA diesem Tag mit Unwohlsein – oder gar Angst, wie ich sie bei vielen meiner Mitstreiterinnen wahrnehme – entgegenzublicken gibt es wahrlich genug.
Donald Trump entspricht dem Prototypen der männlichen Anspruchshaltung auf Frauen. Die nachfolgende Liste ist nicht vollständig, aber das Muster sollte klar werden:

– Er, selbst bereits längst die 70er Altersmarke überschritten, nimmt sich das selbstverständliche Recht heraus Frauen nach ihrer Attraktivität zu bewerten. Eine republikanische Mitbewerberin zum Beispiel hielt er für unqualifiziert, weil doch niemand ernsthaft eine Frau mit einem solchen Gesicht als Präsidentin haben wolle. Steffi Grafs Gesicht habe er sich hingegen noch nie anschauen können, weil ihr Körper so heiß sei. Frauen, die er nicht mag bezeichnet er auch schonmal gerne als „Bimbo“, „Hund“ oder „fettes Schwein“.

– Mit einer absoluten Selbstverständlichkeit sucht er sich natürlich auch vorzugsweise Partnerinnen und Sexualpartnerinnen, die drei Generationen jünger sind als er.

– Frauen haben seiner Meinung nach ihre Jobs nur aufgrund ihres Äußeren, nicht aufgrund irgendeiner Qualifikation

– Er plauderte ungeniert darüber, dass er Paris Hilton total heiß fand, als die erst 12 Jahre alt war. Er kommentierte auch schonmal die attraktiven Babybeine seiner Tochter Tiffany oder die Üppigkeit der Brüste seiner Tochter Ivanka und gab bekannt er würde sie daten, wenn sie nicht seine Tochter wäre.

– Die sexuellen Eskapaden Bill Clintons (die vor allem gekennzeichnet sind durch sexuelle Gewalt) führte er darauf zurück, dass Hillary offenbar nicht in der Lage sei ihren Ehemann sexuell zu befriedigen.

– Sein Frauenhass wird deutlich, wenn er Frauen ihre Menstruation zum Vorwurf macht („That Megyn Kelly had blood coming out of her „wherever“) oder wenn er sagt er fände Stillen ekelhaft. Auch fand er es eines Kommentars wert, dass Hillary Clinton während einer Debatte die Toilette aufsuchte – denn auch das fand er ekelhaft.

– Er äußerte die Hoffnung, dass wenn seine Tochter Ivanka jemals Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird, sie den Job aufgibt und ihre Karriere woanders weiterbetreibt.

– Er ist der Meinung, dass es doch logisch ist, dass es zu sexuellen Übergriffen kommt wenn man Männer und Frauen zusammen an einen Ort lässt – als Kommentar auf einen Bericht über 26.000 nicht angezeigte sexuelle Übergriffe beim US-Militär.

 

 

 

 

– Dazu passt auch sein Kommentar aus dem Video welches kurz vor der Wahl geleaked wurde, in dem er von sich sagte, dass er einfach gar nicht anders kann als schöne Frauen zu küssen:

„You know I’m automatically attracted to beautiful — I just start kissing them. It’s like a magnet. Just kiss. I don’t even wait. And when you’re a star, they let you do it. You can do anything … Grab them by the pussy. You can do anything.“

– Er sprang so denn auch passenderweise dem CEO von Fox News, Roger Ailes, zur Seite, als diesem sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Ailes sei ein guter Typ, er habe schon vielen Frauen geholfen.

– Gegen ihn liegen eine Vielzahl von Vorwürfen sexueller Gewalt vor: Von Katie JohnsonJill Harth, Ivana Trump; sowie eine sehr lange Liste von sexuellen Übergriffen.

– Trump stand (genauso wie Bill Clinton) auf der Passagierliste des verurteilten Pädokriminellen Jeffrey Epstein und flog in dessen Privatflieger zu der als „Sex Slavery Island“ bekannt gewordenen Insel, auf der es regelmäßig zu „Sexparties“ mit minderjährigen „Sexsklavinnen“ kam. Trump sagte 2005 über Epstein:

„Ich kenne Jeff seit 15 Jahren, ein klasse Typ. Es macht Spaß, mit ihm Zeit zu verbringen. Man sagt, er mag schöne Frauen genauso wie ich – und viele von ihnen sind auf der jüngeren Seite.“

– Es gibt darüber hinaus eine sehr gute Recherche zu Trumps Modelagentur, die als Cover-Up für Menschenhandel fungiert. Diese wurde auf Daily Kos veröffentlicht.  Ebenso wurde im Dignity Journal ein sehr guter und empfehlenswerter Text zu Trump und der Sexindustrie veröffentlicht.

Dass Trump trotz all dieser nicht unbekannten und viel diskutierten Dinge trotzdem Präsident werden konnte weist natürlich auf ein Problem, welches weit über Trump hinaus geht, hin: Die Akzeptanz eines solchen Verhaltens bei Millionen von AmerikanerInnen, die sich offensichtlich trotzdem von ihm vertreten fühlen. Oder gerade weil, denn meine These wäre es auch, dass sehr viele Männer nicht nur kein Problem mit einem solchen Verhalten haben, sondern es insgeheim sogar bewundern wie ein Mann Frauen mit einer völligen Selbstverständlichkeit abwertet, als männliches Konsumgut betrachtet und sich auch einfach mal nimmt was er möchte. Sein Erfolg ist Ausdruck der Rape Culture und kann nicht losgelöst davon betrachtet werden.

Wie nachvollziehbar wäre es also, seinen Wahlerfolg zum Anlass zu nehmen und auf die Straße zu gehen gegen all die sexistische Kackscheisse, mit der Mädchen und Frauen sich alltäglich rumschlagen müssen. „Women`s March on Washington“ – das klingt super. Es klingt nach Frauen, die die Schnauze voll haben von diesem ganzen Wahnsinn und es könnte eine Aufbruchstimmung signalisieren. Das Frauen etwas bewegen können, wenn sie massenhaft auf die Straße gehen, haben nicht nur der Frauenstreik in Island im Jahr 1975 oder die Frauen im vergangenen Jahr in Polen im Kampf gegen das dort verhängte Abtreibungsverbot gezeigt.

Nun gibt es also diesen so genannten „Frauenmarsch auf Washington“, von weltweiten Solidaritätsveranstaltungen begleitet wird. Bei genauerer Betrachtung fallen jedoch ein paar nicht unbedeutende Probleme ins Auge. Mit denen will ich mich im Folgenden auseinandersetzen:

1. Der Name „Women`s March“ – Wer geht da eigentlich auf die Straße?

Der Name der Veranstaltung(en) suggeriert, dass hier Frauen auf die Straße gehen. Jedoch weit gefehlt: Es sind explizit alle Menschen eingeladen teilzunehmen, Männer sind darüber hinaus sowohl bei der Organisation als auch der Finanzierung beteiligt. Da stellt sich gleich die Frage: Warum nennen die das Ding Frauenmarsch? Sie könnten es doch auch eigentlich gleich „People`s March“ nennen.

2. Für wen wird auf die Straße gegangen?

Erster Gedanke: „Na bestimmt für Frauenrechte“. Weit gefehlt: Darum geht es nämlich gar nicht, sondern um „weltweite Menschen- und Bürgerrechte“. Das mit Menschen oft Frauen gar nicht mitgemeint sind, das musste nicht nur Olympe de Gouges erfahren als sie 1793 für ihre unverschämte Forderung, dass die in der Französischen Revolution erkämpften Menschenrechte nicht nur Männerrechte bleiben sollen, geköpft wurde.

Männliche Gewalt gegen Frauen wird im Programm der Veranstaltung übrigens gar nicht erst genannt.

Eine Kommentatorin macht ihrem Unmut in einer Facebook-Veranstaltung zum Women`s March in Frankfurt Luft:

„Ich finde es richtig schade, dass der Women`s March […] zu einem Allgemeinplatz „verkommt“. Warum können wir uns nicht wenigstens einmal auf Frauenrechte konzentrieren? Demos mit denen im Aufruf enthaltenen Inhalten gibt es wöchentlich und Frauen kümmern sich eh schon immer mehr um alle anderen, als um sich selbst. Ich war in den 80ern auf riesigen Frauendemos in Bonn oder Frankfurt, auf denen es fast ausschließlich um Frauenthemen ging. Warum ist sowas nicht mehr möglich?“

Ähnliche Statements lesen wir auch in den Veranstaltungen aus den USA oder anderen Ländern.

3. Gehts vielleicht doch eher Männerrechte?

In den Auseinandersetzungen dazu wurde es dann spannend, denn ganz schnell wurde klar, dass die Forderungen unter anderem auch die Unterstützung der Sex-Work-Position beinhalten, sprich: der Women`s March kämpft für das männliche Recht auf Zugriff auf den weiblichen Körper (Prostitution).

Nachdem beim Women`s March Canada für ganze zwei Stunden eine Änderung durchgesetzt werden konnte von protestierenden Frauen, war es damit jedoch kurz darauf wieder Essig.

 

 

 

 

 

SPACE International, eine internationale Organisation, die aus Überlebenden der Prostitution besteht, kommentierte dann folgerichtig:

„Solange der Women`s March für das Recht von Männern Frauen zu kaufen marschiert, marschiert ihr nicht für Frauen“

Darüber hinaus geht man auch gegen „Cis Privilege“ auf die Straße, Privilegien die man als Mensch mit XY-Chromosomen angeblich hat. Auch hierbei geht es letztlich nicht um Frauen-, sondern um Männerrechte – und eine völlige Negierung der Lebensrealität von Frauen, die allein aufgrund der Tatsache mit einer Vagina und nicht mit einem Penis geboren zu sein, mit zahlreichen Diskriminierungen zu kämpfen haben.

4. Dürfen denn jetzt eigentlich alle Frauen mitmachen?

Nein. Die Aktivistinnen von Nordic Model Now!, einer Initiative die sich für das Nordische Modell einsetzt (welches eine Freierbestrafung vorsieht und die Prostitution abschaffen will), stellen laut der Londoner OrganisatorInnen eine „Bedrohung“ für andere TeilnehmerInnen da, wenn sie Banner gegen Sexkauf mitbringen. Das ist deshalb nicht erwünscht.

„TERFs“, also verächtlich so bezeichnete genderkritische Feministinnen oder Gender-Abolitionistinnen, werden in den Veranstaltungen beschimpft (z.B. als „you fuckin TERFy bitch“) und auf Forderung von TransaktivistInnen bewusst vom March ausgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung ist also nicht nur offen für Männer, sondern schließt auch bewusst Frauen mit „falschen Meinungen“ aus. Nicht nur das: Konkrete Gewaltdrohungen gegen Frauen dürfen unverhohlen ausgesprochen werden und die VeranstalterInnen positionieren sich auf der Seite der drohenden Perspnen, nicht der Bedrohten.

Kritische Posts wurden übrigens auch reihenweise gelöscht, wer eine „falsche Meinung“ hat wird gnadenlos zensiert. Wenn also Radikalfeministinnen vorgeworfen wird, sie würden andere ausschließen, dann sagt mir mal wie „exclusionary“ das hier eigentlich ist. Ein weiteres Beispiel von Women Erasing Liberal Feminism (WELF).

5. Wie ist das ganze eigentlich politisch einzuordnen?

Wenn man sich mit dieser Frage beschäftigt, wird auch ganz schnell klar, warum Frauenreche in dieser Veranstaltung keine Rolle spielen KÖNNEN.

 

 

 

 

 

 

Die ACLU gehört unter anderem zu den größten Verfechtern der Pornoindustrie. Sie spielte eine große Rolle im Kampf gegen das von Andrea Dworkin und Catharine MacKinnon eingebrachte Anti-Pornographie-Gesetz und ist als Organisation eng verbandelt mit der Sexindustrie (Playboy, Penthouse etc.)

MoveOn ist eine NGO, die dem Millardär George Soros gehört. Soros zahlreiche NGOs investieren viel Geld im Sinne der Sexindustrie.

Die Human Rights Campaign ist u.a. mit der Pritzker Foundation, einem der größten Geldgeber der Transaktivisten-Szene verbandelt.

Hauptsponsor und „Premium Partner“ ist Planned Parenthood, das amerikanische Pro Familia, die sich ebenfalls für Prostitution aussprechen, und auch Werbevideos für BDSM veröffentlichten.

Zu den Sponsoren gehören außerdem mit Amnesty International, die sich bei ihrer Prostitutionspolitik von verurteilten MenschenhändlerInnen und Zuhältern haben beraten lassen, und Human Rights Watch – zwei weitere Soros-Organisationen.

Linker und rechter Frauenhass

George Soros und die Pritzker Familie gehörten übrigens auch zu den Hauptsponsoren von Hillary Clinton`s Wahlkampf und sind auch als Sponsoren in Verbindung zu bringen mit der Clinton Foundation. Die Verbindungen sind vielfältig. Dies sollte in der notwendigen Auseinandersetzung mit Trump nicht vergessen werden. Die Ausrichtung der angeblich feministischen Anti-Trump-Proteste ist nur verständlich, wenn man wie Andrea Dworkin den Frauenhass sowohl von rechts wie auch von links analyisiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser „Women`s March“ keine feministische Veranstaltung ist und von ihr keine Fortschritte für die Verbesserung der Situation von Frauen zu erwarten sind.

Ich freue mich ja schon wahnsinnig auf die vielen zu erwartenden Fotos, der Tausenden von Frauen mit pinken „Pussyhats“, die extra für das Event genäht wurden…. Was für eine starke, feministische Botschaft, die alle Unterdrücker das Fürchten lehrt, nicht wahr? (Manchmal hilft leider nur noch Sarkasmus)

Was noch zu sagen ist

Einige meiner Mitaktivistinnen wollen ihn international als Möglichkeit nutzen um Präsenz zu zeigen und auch andere Botschaften (gegen Männliche Gewalt an Frauen, gegen die Sexindustrie, für die Befreiung der Frau) auszusenden. Das ist legitim und unterstützenswert. Wir wissen, dass auch die Existenz einer sichtbaren Minderheit anderen Frauen eine Stimme gibt, sie sensibilisiert, ihnen bewusst macht, dass es nicht nur liberalen Mainstream-Feminismus gibt, bei dem es irgendwie um alles geht, nur nicht um Frauen. Einen leichten Stand werden sie nicht haben, deshalb ist dieser Mut nicht hoch genug einzuschätzen. Vergnügungssteuerpflichtig wird das jedoch sicherlich nicht.

Eine Gefahr besteht meines Erachtens darin, dass eine Teilnahme von Medien unkritisch als Unterstützung der vom Marsch ausgehenden frauenfeindlichen Positionen ausgelegt wird. Hier gilt es jeweils individuell abzuwägen wie viel Sinn es macht einer solche Veranstaltung, die programmatisch Frauenrechte mit Füßen tritt, beizuwohnen.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Women`s March gibt es auch bei Feminist Current.

Darüber hinaus gibt es auch massive Kritk von schwarzen Frauen, wegen der Aneignung eines Marsches schwarzer Frauen im Jahr 1997.

Manuela Schon

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Warum Sexualassistenz auch nur Prostitution ist

Pixabay CCO Public Doman

Ein Gastbeitrag von Huschke Mau

Die Debatte um Sexualassistenz hat mich richtig derbe aufgewühlt. Ich hab mehrere Nächte gebraucht um auseinanderzuklamüsern, was genau mich so fertig macht daran. Was mich daran hindert, einfach einen neuen bösen Text zu schreiben.

Ich bin nicht nur Exprostituierte, ich habe nicht nur Erfahrungen in der Prostitution. Ich hab auch mal für ein paar Wochen im Behindertenheim gearbeitet. Und während der Debatte sind mir so viele Bilder von damals wieder aufgetaucht. Wir hatten einen 50igjährigen auf der Station, der hatte seit einem Hirnschlag keinerlei Kontrolle mehr über sein Sprachvermögen (unter anderem). Und das bei vollem Bewusstsein. Greifen ging nicht mehr, essen ging nicht mehr, sprechen ging nicht mehr. Zu dieser Zeit hatte ich einen Flirt mit einem Pfleger auf der Station. Niemand hat das mitbekommen, nur der Patient hat immer gegrinst, wenn er uns beide sah, hat zwischen uns hin- und hergeschaut und die Augenbrauen neckisch hochgezogen. Wir haben uns angelacht und fortan wussten also 3 Menschen von diesem Geheimnis. Aber ich habe mich auch unglaublich geschämt, dass ich einfach so rumlaufen und mich verlieben und das auch ausleben darf, während andere das nicht mehr können. Dann war da noch eine Patientin mit Trisomie 21, die mich dauernd umarmt hat. Ich kannte das nicht von Zuhause, liebevoll angefasst zu werden, und hab gleich erstmal losgeheult. Und jeden Tag hat sie mich auf ihre Hochzeit eingeladen. Sie hat sogar schon Bilder gemalt, von sich und ihrem Kleid und den Luftballons und den Gästen. Wenn man auf die leere Stelle neben der Braut getippt und gefragt hat: „Wo ist denn dein Bräutigam? Wen willst du denn heiraten?“ meinte sie immer leichthin: „Och, das weiß ich noch nicht. Aber bis morgen ist doch auch noch Zeit!“

Heute Morgen hab ich dann endlich klargekriegt, was mich an der Debatte so fertig macht.

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Gender Mainstreaming und die AfD: eine feministische Betrachtung

Pixabay Public Domain

Gender Mainstreaming – alle reden darüber, doch so wirklich verstehen, um was es geht, scheinen nicht alle. Das ist fatal, denn die AfD hat das Thema bereits vor zwei Jahren entdeckt und auf ihrem Parteitag im September 2015  in Baden-Württemberg eine entsprechende Resolution verabschiedet und lädt aktuell zu Vorträgen zu Gender Mainstreaming ein. In der Resolution heißt es:

„Gender Mainstreaming als durchgängiges politisches Leitprinzip in Form einer Querschnittsaufgabe staatlichen Handelns ist auf allen Ebenen unverzüglich und ersatzlos zu beenden […]“ (1)

Über welches „staatliche Handeln“ echauffiert sich die AfD da? Gender Mainstreaming versteht sich als eine präventive Vorgabe, die dafür sorgen soll, dass bei allen öffentlichen Angelegenheiten das Thema Gender – im Sinne von gesellschaftlichen Rollen – immer mitgedacht werden und damit eine Benachteiligung im Vorfeld verhindert werden soll. Es ist in seinem Ansatz etwas anderes als „Gleichberechtigung“, die nur korrigierend in bestehende Regelungen eingreift (Quote, Frauenbeauftragte, etc.). Zunächst also erkennt Gender Mainstreaming an, dass die gesellschaftlichen Rollen hierarchische Unterschiede aufweisen, die sich zum Beispiel in der berühmten gläsernen Decke zeigen, an die Frauen in ihrer Karriere stoßen. „Gender Mainstreaming“, also das Thema Gender in den gesellschaftlichen Mainstream zu bringen, ist eine politische Initiative, in das Leben gerufen vom Bundesministerium für Familie. In der Privatwirtschaft findet sich etwas Ähnliches unter dem Begriff „Diversity Management“. Frauen und Männer (Transpersonen explizit eingeschlossen) sollen also von vorneherein gleichgestellt werden, das Geschlecht darf beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder anderen Ressourcen keine Rolle mehr spielen. Klingt erst einmal toll, ist aus feministischer Sicht aber schwierig, denn er verschleiert reale Ungleichheiten – die ausschließlich Frauen betreffen.

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