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„Women`s March on Washington“ Wie schlimm es wirklich um Frauenrechte bestellt ist

Am kommenden Freitag (20. Januar 2017) übernimmt Donald J. Trump offiziell die Amtsgeschäfte des noch amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama.
Grund für Frauen in den USA diesem Tag mit Unwohlsein – oder gar Angst, wie ich sie bei vielen meiner Mitstreiterinnen wahrnehme – entgegenzublicken gibt es wahrlich genug.
Donald Trump entspricht dem Prototypen der männlichen Anspruchshaltung auf Frauen. Die nachfolgende Liste ist nicht vollständig, aber das Muster sollte klar werden:

– Er, selbst bereits längst die 70er Altersmarke überschritten, nimmt sich das selbstverständliche Recht heraus Frauen nach ihrer Attraktivität zu bewerten. Eine republikanische Mitbewerberin zum Beispiel hielt er für unqualifiziert, weil doch niemand ernsthaft eine Frau mit einem solchen Gesicht als Präsidentin haben wolle. Steffi Grafs Gesicht habe er sich hingegen noch nie anschauen können, weil ihr Körper so heiß sei. Frauen, die er nicht mag bezeichnet er auch schonmal gerne als „Bimbo“, „Hund“ oder „fettes Schwein“.

– Mit einer absoluten Selbstverständlichkeit sucht er sich natürlich auch vorzugsweise Partnerinnen und Sexualpartnerinnen, die drei Generationen jünger sind als er.

– Frauen haben seiner Meinung nach ihre Jobs nur aufgrund ihres Äußeren, nicht aufgrund irgendeiner Qualifikation

– Er plauderte ungeniert darüber, dass er Paris Hilton total heiß fand, als die erst 12 Jahre alt war. Er kommentierte auch schonmal die attraktiven Babybeine seiner Tochter Tiffany oder die Üppigkeit der Brüste seiner Tochter Ivanka und gab bekannt er würde sie daten, wenn sie nicht seine Tochter wäre.

– Die sexuellen Eskapaden Bill Clintons (die vor allem gekennzeichnet sind durch sexuelle Gewalt) führte er darauf zurück, dass Hillary offenbar nicht in der Lage sei ihren Ehemann sexuell zu befriedigen.

– Sein Frauenhass wird deutlich, wenn er Frauen ihre Menstruation zum Vorwurf macht („That Megyn Kelly had blood coming out of her „wherever“) oder wenn er sagt er fände Stillen ekelhaft. Auch fand er es eines Kommentars wert, dass Hillary Clinton während einer Debatte die Toilette aufsuchte – denn auch das fand er ekelhaft.

– Er äußerte die Hoffnung, dass wenn seine Tochter Ivanka jemals Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird, sie den Job aufgibt und ihre Karriere woanders weiterbetreibt.

– Er ist der Meinung, dass es doch logisch ist, dass es zu sexuellen Übergriffen kommt wenn man Männer und Frauen zusammen an einen Ort lässt – als Kommentar auf einen Bericht über 26.000 nicht angezeigte sexuelle Übergriffe beim US-Militär.

 

 

 

 

– Dazu passt auch sein Kommentar aus dem Video welches kurz vor der Wahl geleaked wurde, in dem er von sich sagte, dass er einfach gar nicht anders kann als schöne Frauen zu küssen:

„You know I’m automatically attracted to beautiful — I just start kissing them. It’s like a magnet. Just kiss. I don’t even wait. And when you’re a star, they let you do it. You can do anything … Grab them by the pussy. You can do anything.“

– Er sprang so denn auch passenderweise dem CEO von Fox News, Roger Ailes, zur Seite, als diesem sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Ailes sei ein guter Typ, er habe schon vielen Frauen geholfen.

– Gegen ihn liegen eine Vielzahl von Vorwürfen sexueller Gewalt vor: Von Katie JohnsonJill Harth, Ivana Trump; sowie eine sehr lange Liste von sexuellen Übergriffen.

– Trump stand (genauso wie Bill Clinton) auf der Passagierliste des verurteilten Pädokriminellen Jeffrey Epstein und flog in dessen Privatflieger zu der als „Sex Slavery Island“ bekannt gewordenen Insel, auf der es regelmäßig zu „Sexparties“ mit minderjährigen „Sexsklavinnen“ kam. Trump sagte 2005 über Epstein:

„Ich kenne Jeff seit 15 Jahren, ein klasse Typ. Es macht Spaß, mit ihm Zeit zu verbringen. Man sagt, er mag schöne Frauen genauso wie ich – und viele von ihnen sind auf der jüngeren Seite.“

– Es gibt darüber hinaus eine sehr gute Recherche zu Trumps Modelagentur, die als Cover-Up für Menschenhandel fungiert. Diese wurde auf Daily Kos veröffentlicht.  Ebenso wurde im Dignity Journal ein sehr guter und empfehlenswerter Text zu Trump und der Sexindustrie veröffentlicht.

Dass Trump trotz all dieser nicht unbekannten und viel diskutierten Dinge trotzdem Präsident werden konnte weist natürlich auf ein Problem, welches weit über Trump hinaus geht, hin: Die Akzeptanz eines solchen Verhaltens bei Millionen von AmerikanerInnen, die sich offensichtlich trotzdem von ihm vertreten fühlen. Oder gerade weil, denn meine These wäre es auch, dass sehr viele Männer nicht nur kein Problem mit einem solchen Verhalten haben, sondern es insgeheim sogar bewundern wie ein Mann Frauen mit einer völligen Selbstverständlichkeit abwertet, als männliches Konsumgut betrachtet und sich auch einfach mal nimmt was er möchte. Sein Erfolg ist Ausdruck der Rape Culture und kann nicht losgelöst davon betrachtet werden.

Wie nachvollziehbar wäre es also, seinen Wahlerfolg zum Anlass zu nehmen und auf die Straße zu gehen gegen all die sexistische Kackscheisse, mit der Mädchen und Frauen sich alltäglich rumschlagen müssen. „Women`s March on Washington“ – das klingt super. Es klingt nach Frauen, die die Schnauze voll haben von diesem ganzen Wahnsinn und es könnte eine Aufbruchstimmung signalisieren. Das Frauen etwas bewegen können, wenn sie massenhaft auf die Straße gehen, haben nicht nur der Frauenstreik in Island im Jahr 1975 oder die Frauen im vergangenen Jahr in Polen im Kampf gegen das dort verhängte Abtreibungsverbot gezeigt.

Nun gibt es also diesen so genannten „Frauenmarsch auf Washington“, von weltweiten Solidaritätsveranstaltungen begleitet wird. Bei genauerer Betrachtung fallen jedoch ein paar nicht unbedeutende Probleme ins Auge. Mit denen will ich mich im Folgenden auseinandersetzen:

1. Der Name „Women`s March“ – Wer geht da eigentlich auf die Straße?

Der Name der Veranstaltung(en) suggeriert, dass hier Frauen auf die Straße gehen. Jedoch weit gefehlt: Es sind explizit alle Menschen eingeladen teilzunehmen, Männer sind darüber hinaus sowohl bei der Organisation als auch der Finanzierung beteiligt. Da stellt sich gleich die Frage: Warum nennen die das Ding Frauenmarsch? Sie könnten es doch auch eigentlich gleich „People`s March“ nennen.

2. Für wen wird auf die Straße gegangen?

Erster Gedanke: „Na bestimmt für Frauenrechte“. Weit gefehlt: Darum geht es nämlich gar nicht, sondern um „weltweite Menschen- und Bürgerrechte“. Das mit Menschen oft Frauen gar nicht mitgemeint sind, das musste nicht nur Olympe de Gouges erfahren als sie 1793 für ihre unverschämte Forderung, dass die in der Französischen Revolution erkämpften Menschenrechte nicht nur Männerrechte bleiben sollen, geköpft wurde.

Männliche Gewalt gegen Frauen wird im Programm der Veranstaltung übrigens gar nicht erst genannt.

Eine Kommentatorin macht ihrem Unmut in einer Facebook-Veranstaltung zum Women`s March in Frankfurt Luft:

„Ich finde es richtig schade, dass der Women`s March […] zu einem Allgemeinplatz „verkommt“. Warum können wir uns nicht wenigstens einmal auf Frauenrechte konzentrieren? Demos mit denen im Aufruf enthaltenen Inhalten gibt es wöchentlich und Frauen kümmern sich eh schon immer mehr um alle anderen, als um sich selbst. Ich war in den 80ern auf riesigen Frauendemos in Bonn oder Frankfurt, auf denen es fast ausschließlich um Frauenthemen ging. Warum ist sowas nicht mehr möglich?“

Ähnliche Statements lesen wir auch in den Veranstaltungen aus den USA oder anderen Ländern.

3. Gehts vielleicht doch eher Männerrechte?

In den Auseinandersetzungen dazu wurde es dann spannend, denn ganz schnell wurde klar, dass die Forderungen unter anderem auch die Unterstützung der Sex-Work-Position beinhalten, sprich: der Women`s March kämpft für das männliche Recht auf Zugriff auf den weiblichen Körper (Prostitution).

Nachdem beim Women`s March Canada für ganze zwei Stunden eine Änderung durchgesetzt werden konnte von protestierenden Frauen, war es damit jedoch kurz darauf wieder Essig.

 

 

 

 

 

SPACE International, eine internationale Organisation, die aus Überlebenden der Prostitution besteht, kommentierte dann folgerichtig:

„Solange der Women`s March für das Recht von Männern Frauen zu kaufen marschiert, marschiert ihr nicht für Frauen“

Darüber hinaus geht man auch gegen „Cis Privilege“ auf die Straße, Privilegien die man als Mensch mit XY-Chromosomen angeblich hat. Auch hierbei geht es letztlich nicht um Frauen-, sondern um Männerrechte – und eine völlige Negierung der Lebensrealität von Frauen, die allein aufgrund der Tatsache mit einer Vagina und nicht mit einem Penis geboren zu sein, mit zahlreichen Diskriminierungen zu kämpfen haben.

4. Dürfen denn jetzt eigentlich alle Frauen mitmachen?

Nein. Die Aktivistinnen von Nordic Model Now!, einer Initiative die sich für das Nordische Modell einsetzt (welches eine Freierbestrafung vorsieht und die Prostitution abschaffen will), stellen laut der Londoner OrganisatorInnen eine „Bedrohung“ für andere TeilnehmerInnen da, wenn sie Banner gegen Sexkauf mitbringen. Das ist deshalb nicht erwünscht.

„TERFs“, also verächtlich so bezeichnete genderkritische Feministinnen oder Gender-Abolitionistinnen, werden in den Veranstaltungen beschimpft (z.B. als „you fuckin TERFy bitch“) und auf Forderung von TransaktivistInnen bewusst vom March ausgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung ist also nicht nur offen für Männer, sondern schließt auch bewusst Frauen mit „falschen Meinungen“ aus. Nicht nur das: Konkrete Gewaltdrohungen gegen Frauen dürfen unverhohlen ausgesprochen werden und die VeranstalterInnen positionieren sich auf der Seite der drohenden Perspnen, nicht der Bedrohten.

Kritische Posts wurden übrigens auch reihenweise gelöscht, wer eine „falsche Meinung“ hat wird gnadenlos zensiert. Wenn also Radikalfeministinnen vorgeworfen wird, sie würden andere ausschließen, dann sagt mir mal wie „exclusionary“ das hier eigentlich ist. Ein weiteres Beispiel von Women Erasing Liberal Feminism (WELF).

5. Wie ist das ganze eigentlich politisch einzuordnen?

Wenn man sich mit dieser Frage beschäftigt, wird auch ganz schnell klar, warum Frauenreche in dieser Veranstaltung keine Rolle spielen KÖNNEN.

 

 

 

 

 

 

Die ACLU gehört unter anderem zu den größten Verfechtern der Pornoindustrie. Sie spielte eine große Rolle im Kampf gegen das von Andrea Dworkin und Catharine MacKinnon eingebrachte Anti-Pornographie-Gesetz und ist als Organisation eng verbandelt mit der Sexindustrie (Playboy, Penthouse etc.)

MoveOn ist eine NGO, die dem Millardär George Soros gehört. Soros zahlreiche NGOs investieren viel Geld im Sinne der Sexindustrie.

Die Human Rights Campaign ist u.a. mit der Pritzker Foundation, einem der größten Geldgeber der Transaktivisten-Szene verbandelt.

Hauptsponsor und „Premium Partner“ ist Planned Parenthood, das amerikanische Pro Familia, die sich ebenfalls für Prostitution aussprechen, und auch Werbevideos für BDSM veröffentlichten.

Zu den Sponsoren gehören außerdem mit Amnesty International, die sich bei ihrer Prostitutionspolitik von verurteilten MenschenhändlerInnen und Zuhältern haben beraten lassen, und Human Rights Watch – zwei weitere Soros-Organisationen.

Linker und rechter Frauenhass

George Soros und die Pritzker Familie gehörten übrigens auch zu den Hauptsponsoren von Hillary Clinton`s Wahlkampf und sind auch als Sponsoren in Verbindung zu bringen mit der Clinton Foundation. Die Verbindungen sind vielfältig. Dies sollte in der notwendigen Auseinandersetzung mit Trump nicht vergessen werden. Die Ausrichtung der angeblich feministischen Anti-Trump-Proteste ist nur verständlich, wenn man wie Andrea Dworkin den Frauenhass sowohl von rechts wie auch von links analyisiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser „Women`s March“ keine feministische Veranstaltung ist und von ihr keine Fortschritte für die Verbesserung der Situation von Frauen zu erwarten sind.

Ich freue mich ja schon wahnsinnig auf die vielen zu erwartenden Fotos, der Tausenden von Frauen mit pinken „Pussyhats“, die extra für das Event genäht wurden…. Was für eine starke, feministische Botschaft, die alle Unterdrücker das Fürchten lehrt, nicht wahr? (Manchmal hilft leider nur noch Sarkasmus)

Was noch zu sagen ist

Einige meiner Mitaktivistinnen wollen ihn international als Möglichkeit nutzen um Präsenz zu zeigen und auch andere Botschaften (gegen Männliche Gewalt an Frauen, gegen die Sexindustrie, für die Befreiung der Frau) auszusenden. Das ist legitim und unterstützenswert. Wir wissen, dass auch die Existenz einer sichtbaren Minderheit anderen Frauen eine Stimme gibt, sie sensibilisiert, ihnen bewusst macht, dass es nicht nur liberalen Mainstream-Feminismus gibt, bei dem es irgendwie um alles geht, nur nicht um Frauen. Einen leichten Stand werden sie nicht haben, deshalb ist dieser Mut nicht hoch genug einzuschätzen. Vergnügungssteuerpflichtig wird das jedoch sicherlich nicht.

Eine Gefahr besteht meines Erachtens darin, dass eine Teilnahme von Medien unkritisch als Unterstützung der vom Marsch ausgehenden frauenfeindlichen Positionen ausgelegt wird. Hier gilt es jeweils individuell abzuwägen wie viel Sinn es macht einer solche Veranstaltung, die programmatisch Frauenrechte mit Füßen tritt, beizuwohnen.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Women`s March gibt es auch bei Feminist Current.

Darüber hinaus gibt es auch massive Kritk von schwarzen Frauen, wegen der Aneignung eines Marsches schwarzer Frauen im Jahr 1997.

Manuela Schon

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Warum Sexualassistenz auch nur Prostitution ist

Pixabay CCO Public Doman

Ein Gastbeitrag von Huschke Mau

Die Debatte um Sexualassistenz hat mich richtig derbe aufgewühlt. Ich hab mehrere Nächte gebraucht um auseinanderzuklamüsern, was genau mich so fertig macht daran. Was mich daran hindert, einfach einen neuen bösen Text zu schreiben.

Ich bin nicht nur Exprostituierte, ich habe nicht nur Erfahrungen in der Prostitution. Ich hab auch mal für ein paar Wochen im Behindertenheim gearbeitet. Und während der Debatte sind mir so viele Bilder von damals wieder aufgetaucht. Wir hatten einen 50igjährigen auf der Station, der hatte seit einem Hirnschlag keinerlei Kontrolle mehr über sein Sprachvermögen (unter anderem). Und das bei vollem Bewusstsein. Greifen ging nicht mehr, essen ging nicht mehr, sprechen ging nicht mehr. Zu dieser Zeit hatte ich einen Flirt mit einem Pfleger auf der Station. Niemand hat das mitbekommen, nur der Patient hat immer gegrinst, wenn er uns beide sah, hat zwischen uns hin- und hergeschaut und die Augenbrauen neckisch hochgezogen. Wir haben uns angelacht und fortan wussten also 3 Menschen von diesem Geheimnis. Aber ich habe mich auch unglaublich geschämt, dass ich einfach so rumlaufen und mich verlieben und das auch ausleben darf, während andere das nicht mehr können. Dann war da noch eine Patientin mit Trisomie 21, die mich dauernd umarmt hat. Ich kannte das nicht von Zuhause, liebevoll angefasst zu werden, und hab gleich erstmal losgeheult. Und jeden Tag hat sie mich auf ihre Hochzeit eingeladen. Sie hat sogar schon Bilder gemalt, von sich und ihrem Kleid und den Luftballons und den Gästen. Wenn man auf die leere Stelle neben der Braut getippt und gefragt hat: „Wo ist denn dein Bräutigam? Wen willst du denn heiraten?“ meinte sie immer leichthin: „Och, das weiß ich noch nicht. Aber bis morgen ist doch auch noch Zeit!“

Heute Morgen hab ich dann endlich klargekriegt, was mich an der Debatte so fertig macht.

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Gender Mainstreaming und die AfD: eine feministische Betrachtung

Pixabay Public Domain

Gender Mainstreaming – alle reden darüber, doch so wirklich verstehen, um was es geht, scheinen nicht alle. Das ist fatal, denn die AfD hat das Thema bereits vor zwei Jahren entdeckt und auf ihrem Parteitag im September 2015  in Baden-Württemberg eine entsprechende Resolution verabschiedet und lädt aktuell zu Vorträgen zu Gender Mainstreaming ein. In der Resolution heißt es:

„Gender Mainstreaming als durchgängiges politisches Leitprinzip in Form einer Querschnittsaufgabe staatlichen Handelns ist auf allen Ebenen unverzüglich und ersatzlos zu beenden […]“ (1)

Über welches „staatliche Handeln“ echauffiert sich die AfD da? Gender Mainstreaming versteht sich als eine präventive Vorgabe, die dafür sorgen soll, dass bei allen öffentlichen Angelegenheiten das Thema Gender – im Sinne von gesellschaftlichen Rollen – immer mitgedacht werden und damit eine Benachteiligung im Vorfeld verhindert werden soll. Es ist in seinem Ansatz etwas anderes als „Gleichberechtigung“, die nur korrigierend in bestehende Regelungen eingreift (Quote, Frauenbeauftragte, etc.). Zunächst also erkennt Gender Mainstreaming an, dass die gesellschaftlichen Rollen hierarchische Unterschiede aufweisen, die sich zum Beispiel in der berühmten gläsernen Decke zeigen, an die Frauen in ihrer Karriere stoßen. „Gender Mainstreaming“, also das Thema Gender in den gesellschaftlichen Mainstream zu bringen, ist eine politische Initiative, in das Leben gerufen vom Bundesministerium für Familie. In der Privatwirtschaft findet sich etwas Ähnliches unter dem Begriff „Diversity Management“. Frauen und Männer (Transpersonen explizit eingeschlossen) sollen also von vorneherein gleichgestellt werden, das Geschlecht darf beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder anderen Ressourcen keine Rolle mehr spielen. Klingt erst einmal toll, ist aus feministischer Sicht aber schwierig, denn er verschleiert reale Ungleichheiten – die ausschließlich Frauen betreffen.

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Mein Land mag keine Frauen-Imane Chibane

Imane Chibane

© Imane Chibane

Algerien verachtet die Frau…eine Situationsbeschreibung und ein Aufruf

Die Straßen meines Landes mögen keine Frauen. Einfach zu laufen, Gesicht, Haare, und Arme frei an der Luft, wird in diesem sozialen Kontext zu einer Handlung des Aufbegehrens mit großem Risiko….Eine Revolution, ein Akt des Widerstandes….Ich übertreibe? Versuche diesen Körper mit femininen Zügen und Rundungen zu einzunehmen und laufe, gehe, und versuche naiv einfach nur von der Sonne zu profitieren. Das wird zu einer Unmöglichkeit.

Algerien verachtet die Frau.
Die interessantesten meiner schlechten Erlebnisse fanden vor dem algerischen Parlament statt, zwischen dem Viertel „Quartier populaire und Quartier chic“, sogar im Herzen der Hauptstadt, sind wir nicht in Sicherheit.

Kaum wichtig welche Alltagskleidung wir tragen, nicht relevant der soziale Rang oder der ausgeübte Beruf. Wenig relevant ist es, Algerien verachtet die Frau. Und ich, die nie schweigt, sogar nicht bei den Blicken voller Hasses auf mir, der Frustration, den Worten gegenüber, die Dich auf ein Nichts reduzieren. Wie wollen Sie es schaffen, dass ich mein Gesicht senke und weitergehe, als wenn ich nie etwas gesehen habe, nie etwas gehört habe? Ja, ich halte an, ich beleidige, ich blicke zurück….ich spucke in ihr Gesicht.

Sei die Veränderung

Wir, die Frauen in Algerien, sind die Mehrheit in allen Bereichen, aber wir bleiben unterdrückt, zu schwach um eine Revolution anzuführen oder nur um einfach „Schluss, Barakat“ zu sagen. Macht die Veränderung, seit die Veränderung, gegen das Gesetz das uns nicht beschützt, gegen das Schulbuch, das immer noch diktiert, dass unser Platz in der Küche ist schon ab 10 Jahren, und welches die Diktatur des Patriarchats in die jungfräulichen Gehirne brennt.

Revolte? Oder Revolution? Gegen den Iman, der dazu aufruft uns zu unterdrücken, zu schlagen, uns zu unterwerfen durch Zwang…..Aufzustehen, Wiederaufzustehen, aufzuhören zu krepieren unter den Schlägen von denen, die im Namen Gottes aus uns die ewige Sklavin machen wollen.  Gegen den Macho Code der Familie (Gesetz: Code de la Famille); gegen die Firmen, die aus unseren Körper ein Objekt des Marketings machen,; gegen die rückschrittliche Gesellschaft,; gegen diese ganzen Vergewaltiger, diese Diebe, diese Irren; gegen uns, die Frauen, die zu schwach sind um unser Leben wieder in die Hand zu nehmen. Das Absurde ist es, in einem Land zu leben das Dir das Recht gibt Präsidentin zu werden! Aber nicht zu heiraten, zu reisen, oder zu atmen ohne Aufseher.

Lasst uns gegen diese Frauen revoltieren die wir sind, die ihren Töchtern beibringen, wie man sich sittsam verhält, wie man sich anpasst an den Status des Bürgers der zweiten Klasse, anstatt ihnen zu zeigen wie man sich befreit.

Marschiert mit dem Kopf hoch, liebt, sucht Eure Partner aus, oder seid einfach frei dazu, keinen zu haben.
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Männer, Gewalt und kollektive Verleugnung

"Take rape seriously" - Protester with Placard Reproductive rights activist Shelby Knox.

by Women's eNews via Flickr, [CC BY 2.0]

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Dieses Jahr habe ich das erste Mal wieder nach vielen Jahren Silvester außerhalb meiner Wohnung gefeiert. Warum ich das Jahre lang nicht tat, hat Gründe. Der eine Grund ist, dass ich salopp formuliert, meine Couch lieber mag als Party-Locations, der zweite meine Gesundheit, die in den letzten Jahren in einem Zustand war, der mir Feiern überwiegend unmöglich machte. Der dritte Grund und in den meisten Fällen ausschlaggebender Faktor bei der Entscheidung, das Haus zu verlassen, ist die Anwesenheit von Männern oder sagen wir es ein wenig netter, die Anwesenheit der meisten Männer:

Irgendwann hatte ich einfach die Nase voll. Die Nase voll von Grenzüberschreitungen, die Nase voll von Respektlosigkeiten, die Nase voll von „Hab-dich-nicht-so“ und Hinterngegrabsche. Die Nase voll davon, dennoch darüber zu schweigen. Oder die Bitterkeit ganz be-like-the-boys-mäßig wegzulachen, während ich eigentlich heulen möchte oder innerlich erstarre.

Jahrelang haben irgendwelche Therapeuten an mir rumgedoktert, in dem sie mir verklickert haben, dass meine Menschenangst ein einzig pathologischer Faktor ist, den ich mittels Training, Training und nochmal Training überwinden können muss. Niemand – bis auf 2 Ausnahmen – dieser Helfer kam auf die Idee, mir zu sagen: Deine Angst ist berechtigt, es gibt einen Grund, als Frau Angst zu haben. Alles wurde verklärt, erklärt, analysiert, meine Kindheit und Jugend zum Erklärmuster Nummer eins erklärt, verantwortlich dafür, wie krank im Kopf ich bin, dass ich grenzüberschreitende Menschen nicht mag (wer mag die eigentlich?). Gesellschaftliche Analyse: Fehlanzeige. In der Psychotherapie herrschen mehrheitlich Individualschauplätze. Wenn du was nicht erträgst oder nicht funktionierst: selbst schuld, nicht genug angestrengt, so ganz Neoliberalismus-like. Jetzt habe ich eine Therapeutin, die Feministin ist und es geht mir besser. Weil sie das Wegwisch-Spielchen von gesellschaftlichen Hierarchien genauso wenig mitmacht wie ich.

An der chronischen und kollektiven Verleugnung männlicher Gewalt wird stur und hartnäckig festgehalten und zwar immer und fast überall und gerade in diesen Tagen. Auf Teufel komm raus, darf die nicht benannt werden. Male tears und not-all-men-Gerufe dominieren die Debatten. Silvester in Köln ist auch dieses Jahr wieder richtig schön praktisch: sowohl für die rechte als auch – und jetzt alle Luft anhalten –  für die linke Männerbande.

Es sind Männer. Die dürfen sexuelle Gewalt negieren, verharmlosen, sich darüber lustig machen, dass man allen Frauen überall auf der ganzen Welt seit Jahrhunderten Gewalt antut. Männer fahren auf Weihnachtsmärkten in Menschenmengen, zünden Bomben, töten Menschen, führen Kriege, beuten die Menschheit und die Natur aus. Niemand ermahnt sie der Wichtigkeit, dass Antisexismus und Antirassismus nicht gegeneinander auszuspielen sind (davon mal abgesehen, dass das keine getrennten Dimensionen sind). Ihnen wird das durchgelassen und wir kapieren es nicht einmal. Frauen und Feministinnen wird auf die Flossen gehauen, weil einige mehr sich entschlossen haben, nicht mehr weg-ignoriert werden zu wollen. Und klar, irgendwie haben die ja auch das universelle Kümmer-Gen in sich. Männer überschlagen sich mit fadenscheinigen Argumenten und verfallen in kollektive Schnappatmung, weil Frauen ihnen erklären, dass sie es schlichtweg nicht mehr einsehen, permanent unter die Räder zu geraten. Frauenrechte sind in ihren Augen (oder besser Taten) aber lediglich temporäre Symbolpolitik. Den Artikel 3 des Grundgesetzes können sie runterbeten, nur, dass sie die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts irgendwie immer vergessen beim Zitieren. Die Ignoranz, Arroganz und Verlogenheit dieser ganzen Debatte ist jedenfalls mindestens bemerkenswert.

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Lasst uns doch mal über No-Go-Areas und Grundrechte von Frauen reden

Fight Sexism Graffiti

by Metro Centric via Flickr, [CC BY 2.0]

2016 startete mit einer bundesweiten Debatte über…
Rassismus

Rund 650 Frauen wurden auf der Kölner Domplatte Opfer sexueller Übergriffe (Betatschen, sexuelle Nötigung, in 21 Fällen auch versuchte oder vollzogene Vergewaltigung). Insgesamt wurden 900 Sexualdelikte zur Anzeige gebracht (manche wurden mehrfach Opfer).
Statt über die Tatsache zu diskutieren, dass öffentliche Räume zunehmend für Frauen durch sexuell-aggressives Verhalten von Männern zu No-Go-Areas werden, musste eine schnelle Abwehr von „Rassismus“ her: Das sexuell-aggressive Täterverhalten der „Anderen“, wurde durch das sexuell-aggressive Verhalten der „Eigenen“ weggeredet, was am Ende einen legitimierenden Effekt hat (Boys will be Boys)
Im Regen stehen gelassen: Opfer sexueller Gewalt.

Hard Facts:
• Es kam nicht vermeintlich, sondern tatsächlich zu massenhaften sexuellen Übergriffen aus der Deckung von Gruppen heraus von Männern gegen Frauen (unterschiedlicher Hautfarben und Pass-Ausstellungsbehörden)
• Diese wurden begangen von Männern. Diese Männer kann man genauer spezifizieren: Von den 183 (ermittelten) Beschuldigten waren 55 Marokkaner, 53 Algerier, 22 Iraker, 14 Syrer und 14 Deutsche. Knapp die Hälfte (73) waren Asylsuchende.
• Auch wenn sexuelle Gewalt auch durch „bio-deutsche“ Männer an der Tagesordnung ist: „Taharrush“ ist ein männliches Phänomen, von dessen Existenz wir erstmalig in den ägyptischen und tunesischen Aufständen erfahren haben (viele haben vielleicht sogar erst nach Silvester 2015/2016 davon gehört). Während deutsche Männer gerne gemeinschaftlich in den Puff gehen um (überwiegend prekarisierte, ausländische) Frauen zu belästigen und kommerziell zu vergewaltigen, haben Männer aus anderen Ländern andere Techniken zum male bonding entwickelt. Prinzip gleich, Ort und Praxis nicht gleich.
• Bis Juli 2016 gab es beeindruckende vier Verurteilungen (hat jemand nen aktuelleren Stand? – Sachdienliche Hinweise willkommen)

2017 startete mit einer bundesweiten Debatte über…
Rassismus

Trotz massiver Polizeipräsenz und polizeilichen Maßnahmen kam es an Silvester 2016/2017 also erneut zu sexuellen Übergriffen auf der Kölner Domplatte, die sich zwar „nur“ im zweistelligen und nicht mehr im fast vierstelligen Bereich bewegen, aber es kam zu sexuellen Übergriffen. Fakt

Darüber redet aber jetzt niemand, weil „es hätte ja noch schlimmer sein können“. Aha.

Statt also darüber zu reden, dass es auch Silvester 2016/2017 eine No-Go-Area für Frauen auf der Kölner Domplatte durch sexuell-aggressiv auftretende Männer gegeben hat, reden wir – wieder – über Rassismus.
Stein des Anstoßes: „Nordafrikanisch aussehende“ Männer, die auch noch ein paar andere Merkmale (s.u.) erfüllten, wurden Personenkontrollen unterzogen und bekamen teilweise Platzverweise. Die Rede ist von Racial Profiling.

Wie ein „nordafrikanischer“ Mann aussieht ist mir irgendwie unklar, erkennen allein ob optischer Merkmale funktioniert nicht wirklich. Ich selbst wurde mal in Norwegen für eine Türkin (vielleicht weil damals schwarzgefärbte Haare) und in Spanien für eine Estnin (vielleicht weil sehr helle Haut) gehalten. Wie breit denn auch „nordafrikanisch“ von der Polizei definiert wurde, kann man gut auf den Fotos sehen, da sind einige dabei, die ich persönlich ja vom Aussehen her für lupenreine Kartoffeln gehalten hätte.

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Die Sauvage „Affäre“ oder das vierfache Scheitern der französischen Justiz

Hand

{bathe in light} (CC BY-NC-ND 2.0)

Wenn eine Frau sich auf einen Mann einlässt, und einen Teil ihres Lebens mit ihm verbringen will, geht sie ein unermässliches Risiko für ihre Gesundheit, und ja sogar ihr Leben ein. Diese Wirklichkeit wird von den meisten Medien, den meisten PolitikerInnen ignoriert und in der Öffentlichkeit verschwiegen. Die heterosexuelle Beziehung bleibt idealisiert und romatisiert, obwohl ein Viertel der Ehen eine Anhäufung von tagtäglichen Belästigungen, Drohungen oder sogar Quälereien darstellt, mit der Gefahr vom geliebten Mann sogar getötet zu werden.

Unsere Gesellschaft hat Schwierigkeiten, diese Gewalt anzuerkennen und lässt sie in ihrer Mitte geschehen. Das Zugeben ihrer Existenz wird als generalisierte Anklage des Mannes wahrgenommen und befreit die Täter somit von ihrer Verantwortung. Also spricht man viel lieber von “Familiengewalt“ oder häusliche Gewalt, als ob Häuser schlagen würden, um Männern diese allgemeine Beschuldigung zu ersparen, obwohl bei Weitem nicht alle Männer gewalttätig sind, diejenigen aber, die es sind meistens mehrere Opfer haben, zum Teil weil sie unbestraft bleiben.

Der Fall zeigt ein schreckliches Versagen unserer Justiz und unserer Polizei: Die Staatsdienste, die unsere Sicherheit gewährleisten sollten, versagen darin, die Hälfte der Bevölkerung zu schützen.

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Stalking? – Das ist Privatsache

Stalker

Stalker by Patrik Nygren, Flickr CC BY-SA 2.0

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ein Gastbeitrag von Stephanie Zimmer

Es gab dieses Jahr etwas sehr Unerfreuliches in meinem Leben, das ich am liebsten jedem erzählt hätte, so sehr trieb es mich um, weil ich es so ungerecht fand. Doch ich dachte mir, ach, dein Fall war ja noch harmlos und das Problem ist ja bekannt, darüber haben ja auch schon andere berichtet. Aber als ich heute in der Politiksparte eines Buchgeschäftes stöberte und feststellte, dass dort hauptsächlich Männer über die immerselben Themen referieren, dachte ich mir, dann darf ich das auch. Mein Fall ist auch politisch.

In meinem Wohnort soll ein schönes Naherholungsgebiet platt gemacht werden. Das empörte mich und zusammen mit anderen haben wir eine BürgerInneninitiative gegründet. Einen aus der Gruppe fand ich schon immer nervig, weil er sich machomäßig gab. Der Sache zuliebe versuchte ich, damit klarzukommen, was mir nicht leicht fiel. Manchmal, wenn er beleidigt oder bockig war, behandelte ich ihn wie ein kleines Kind, damit er wieder funktionierte. Er bekam mit, dass ich mich auch abolitionistisch gegen Prostitution engagiere. Durch einen Zufall ergab sich hierzu eine Diskussion per Email. Er sprach mich auf meine Aktivitäten an und versuchte, mich zu bekehren, mich von meiner abolitionistischen Haltung abzubringen. Zunächst erzählte er, dass seine Schwester einmal in der Prostitution tätig war. Wenig später outete er sich selber als ehemaligen Freier. Als Abolitionistin hatte ich die leise Hoffnung, etwas über den Charakter und die Beweggründe von Freiern zu erfahren. Aber es folgte das immergleiche selbstmitleidige Geseier von Bedürfnissen. Die Stimmung gegen Freier verglich er doch tatsächlich mit der Judenhetze in Hitlers ‚Mein Kampf‘ und deren juristische Verfolgung wie in Schweden bezeichnete er als ‚mccarthyesk‘. Nichts Geringeres! Immerhin beurteilte er seine Puffgänge als Fehler – aber nur sich selber gegenüber. So stelle er sich Sexualität nicht vor. Reue oder Mitleid den Frauen gegenüber? Fehlanzeige. Sie müssten diesen Job ja nicht machen. Er sagte wörtlich, er habe gemerkt, dass den Frauen „ihr Job unangenehm“ sei, dass sie „von ihrer Arbeit angewidert“ seien und dass er bei ihnen „auf Ablehnung“ gestoßen sei. Und er hätte sich zudröhnen müssen, um das nicht zu merken. Es ist mir ein Rätsel, wie mann unter diesen Umständen überhaupt einen Ständer kriegen kann, wieso mann diese Frauen dann noch ein zweites, drittes, viertes… Mal aufsucht, wie mann sich selber nur so erniedrigen kann. Das fand ich alles ziemlich widerlich. Ich blendete es aber aus, dem Naturschutz zuliebe.

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Das Elend mit der Missy

We don't need no patriarchal education.

Public DomainChristopher Dombres

Nicht, dass nachfolgendes nicht schon in irgendeiner Form mal gesagt worden wäre, hier und da, aber es ist aktuell wirklich ein Punkt erreicht, wo man sich nur an den Kopp packen kann.

Es geht um das Missy Magazin, und nun sind hier gleich mehrere Baustellen ersichtlich: Zum einen die Inhalte, die nur die Leute zentrieren, deren Narrative das eigene Weltbild bedient. Will heißen: Wir werden bei Missy viel lesen über den kleinen Prozentsatz glücklicher Sexarbeiterinnen, wir werden aber nichts lesen über osteuropäische Frauen in Bordellen und Laufhäusern, die den Großteil der Frauen in der deutschen Prostitution ausmachen. Wir werden lesen von den Kübras und Emines dieser Welt, die sich voller Freude im Erwachsenenalter fürs Kopftuch entschieden, aber nichts über die Millionen von Frauen weltweit, die verfolgt und reglementiert werden von Sittenpolizei, wenn man ihr Haar sieht. Wir werden lesen von Leuten, die sich für „Fatshion“ (sic!) und tumblr interessieren, von dicken Jungs in Comicpullis (no shit), aber nicht von Frauen in der Altersarmut, die nicht einmal so richtig wissen, was Blogs sind.

Ich habe Missy vor vielen Jahren gern gelesen, aber irgendwann festgestellt, dass sie inhaltlich substantiell abbauen, und so ging es vielen anderen Frauen, die ich kenne. Nun kann man das schon höchst bedauerlich finden für ein Magazin, das sich dem Feminismus widmet, aber immer mehr zum poppig-bunten Lifestyle-Blatt verkommt, das sich mehr für Identitäten als materielle Lebenswirklichkeiten marginalisierter Frauen interessiert, die keinen Zugang zur neuesten Liste von special Pronomen haben. Umso bedauerlicher mag dies erscheinen, wenn man bedenkt, dass Missy ein Blatt ist, das sich dem Antirassismus verschrieben hat und (angeblich) den Frauen, die eben nicht bessergestellt sind.

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Bücher zum Thema Borderline Persönlichkeitsstörung bei Müttern

Mutter mit Kinderwagen auf einer Bank

Angela Schlafmütze (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ein Gastbeitrag von Juliane Beer

Innerhalb der letzten Jahre ist einiges rund um das gesellschaftliche Konstrukt Mutterschaft publiziert worden, beispielsweise zum Thema Bedauern der Mutterschaft, gewollte Kinderlosigkeit, Mutter-Tochter-Verhältnis usw.

Ein Thema kommt jedoch nach wie vor zu kurz, sowohl im Mainstream als auch in der feministischen Diskussion: psychisch kranke Mütter, die schwere Gewalt gegen ihre Kinder ausüben.

Woran liegt das?

Nach wie vor ist das Mutterbild unserer Gesellschaft vom Patriarchat konzipiert. Die ideale, die heilige Mutter ist die Frau, die Mutterschaft anstrebt und in der Pflege, Sorge und Erziehung ihrer Kinder aufgeht und diese liebt.

Die Erwartungen sind hoch. Berufstätigkeit oder Verzicht auf Mutterschaft muss vom Patriarchat zugestanden oder zumindest als Möglichkeit erwogen werden, sonst taucht eine Diskussion darüber erst gar nicht in den sogenannten meinungsbildenden Medien auf, bzw. wird, wie letztes Jahr geschehen beim Thema regretting motherhood (ausgelöst wurde die Diskussion durch die 2015 veröffentlichten Studie der israelischen Soziologin Orna Donath über Frauen, die es bereuen, Mutter geworden zu sei) als ´Rumgeheule narzisstischer Frauen, die sich beim Ichsein gestört fühlen ´ abgebügelt. Weiterlesen