Alle Artikel von Nimue

Die Geschichte der Prostitution – keineswegs das „älteste Gewerbe der Welt“

Child Brothel Worker

By National Child Labor Committee, Lewis W. Hine photographer (http://hdl.loc.gov/loc.pnp/nclc.03787) [Public domain], via Wikimedia Commons

Immer wenn es um Prostitution geht, ist die Rede vom „ältesten Gewerbe der Welt“. Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass die historischen Fakten damit nicht übereinstimmen: Prostitution entstand mit dem Patriarchat, ist keineswegs eine menschliche Universalie. Das bedeutet, es gab und gibt Gesellschaften, die vor dem Kontakt mit dem Westen keine Prostitution kannten, wie zum Beispiel die Indigenen Nordamerikas, und die Prostituion hat ihren Ursprung in der Sklaverei, dem Inbegriff menschlicher Unfreiheit und Unterdrückung. In Gesellschaften, in denen Frauen weniger Rechte hatten und die patriarchal strukturiert waren, gab es die Prostitution, und je höher das Ansehen der Frau, umso seltener finden wir Prostitution. Prostitution gibt es keineswegs seit Anbeginn der Menschheit.
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„Ganz normal“ – sexuelle Gewalt und ihre Verleugnung in unserer Gesellschaft

No More Rape

by chrisjtse via Flickr, [CC BY-ND 2.0] (modified)

In den letzten Tagen haben sich hier und auf anderen Blogs zahlreiche Frauen geäußert und ihre Geschichten erzählt, sie haben erzählt, wie ihnen im Laufe ihres Lebens grenzüberschreitende Dinge geschehen sind und sie bis jetzt brauchten, um sie als das zu erkennen, was sie sind: Sexuelle Übergriffe. In der Auseinandersetzung mit dem Thema erkennen viele Frauen, wie sehr sie jeden Tag dieser Art von Übergriffen ausgesetzt sind – sie gehören zum gemeinsamen Erfahrungsschatz aller Frauen – und sie bedeuten, dass wir uns, ob bewusst, oder unbewusst, auch so verhalten. Denn in dieser Gesellschaft ist es wahrscheinlicher, dass ein Opfer sexueller Gewalt als „Schlampe“ beschimpft wird, als dass der Täter irgendetwas zu befürchten hat. Viele Männer leben in dem Bewusstsein, dass sie ein Recht dazu haben, Frauen zu betatschen, zu bedrängen, zu belästigen und ihre Grenzen zu überschreiten – ein Verhalten, das sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht und sich nur in der Ausübung unterscheidet.

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Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft – ein Idealbild, an dem die Realität nur scheitern kann?

Schwangerschaft, Frau

via Pixabay, Public Domain CC0

Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft – für viele Frauen ist das das Ziel all ihrer Träume. Werbung und Gesellschaft zeichnen ein Idealbild, dass der wunderschönen und glücklichen Schwangeren, der stressfreien Geburt und schließlich der ewig sanftmütigen, selbstaufopfernden Mutter. Konflikte? Widerstände? Widersprüche? Darüber wird gerade in diesem Zusammenhang nur sehr ungern gesprochen. Die Realität sieht anders aus: 10 bis 20 Prozent aller Frauen erleiden nach der Geburt Symptome der postnatalen Depression, die verhindert, dass sie sich über die Geburt ihres Kindes freuen können und aufgrund der Suizidgefahr für Mutter und Kind sogar lebensbedrohlich ist. Dennoch werden die wenigsten Frauen in der Nachsorge auch psychisch betreut – oder bekommen auch nur die Gelegenheit, offen über das, was unter der Geburt geschehen ist, zu sprechen.

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Heute vor 166 Jahren: Die Gründung der amerikanischen Frauenbewegung in Seneca Falls

Lucretia Mott Painting

Lucretia Mott by Joseph Kyle (1815 - 1863). (Smithonian National Portrait Gallery) [Public domain], via Wikimedia Commons

Vom 19. bis 20. Juli 1848 tagte in Seneca Falls die „Woman’s Rights Convention“ – dieses Datum wird allgemein als Gründungsdatum der amerikanischen Frauenbewegung betrachtet. Herausragende Figuren dieses ersten Treffens waren Lucretia Mott und Elizabeth Cady Stanton. Während dieser zwei Tage wurde die Rolle der Frau in der Gesellschaft diskutiert. Rund 300 Frauen nahmen an diesem Treffen teil, aus dem unter anderem die „Declaration of Rights and Sentiments“ hervorging, eine Resolution, die festhielt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt vor Gott und Gesetz waren.

We hold these truths to be self-evident: that all men and women are created equal; that they are endowed by their Creator with certain inalienable rights; that among these are life, liberty, and the pursuit of happiness; that to secure these rights governments are instituted, deriving their powers from the consent of the governed. Whenever any form of government becomes destructive of these rights, it is the right of those who suffer from it to refuse allegiance to it, and to insist upon the institution of a new government, laying its foundation on such principles, and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their safety and happiness.

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Weibliche Sexualität – oder das Leben ist zu kurz für zufällige Orgasmen

Femme, Frau, Sexualität

via Pixabay, Public Domain CC0

Wir haben uns als Störenfriedas Gedanken darüber gemacht, warum bei all diesen Diskussionen um Porno, um Prostitution, um Rape Culture und um die Sprache dazu immer der männliche Blick auf Sexualität im Vordergrund steht und uns ist dabei bewusst geworden, dass wir selbst diesen Blick auch einnehmen, wenn wir dieses Verhalten kritisieren. Der Fokus liegt immer auf dem Mann. Aber was ist mit unserer Sexualität? Es gibt unterschiedliche Studien, die belegen, dass Frauen beim Verkehr mit ihren Partner keinen Orgasmus haben. Sie genössen aber das Gefühl der Nähe und hätten auch ein gewisses Gefühl der Erregung. Körperliche Ursachen für den ausbleibenden Orgasmus gibt es nicht. Bei der Selbstbefriedigung klappt es. Ich habe mit vielen meiner Freundinnen – meiner nichtfeministischen Freundinnen – gesprochen und tatsächlich – sie schlafen mit ihren Freunden, ohne je selbst einen Orgasmus zu haben. „Das ist mir nicht so wichtig“, sagen sie dann. Ich habe dann den Kopf schief gelegt und gefragt: „Hattest du denn jemals einen, dass du so etwas sagen kannst?“ – denn ich kann einfach nicht begreifen, dass Frauen auf so einen elementaren Teil ihrer Sexualität einfach so verzichten, nur weil ihre Partner nicht in der Lage sind, auf die Bedürfnisse ihrer Freundinnen einzugehen. Ich habe mich in meinem Leben irgendwann entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Mir war meine Lust nicht egal, ich habe sie nicht irgendeiner Partnerschaft untergeordnet, ich wollte das genau wissen, was mich anmacht und warum und ich habe so manche Ausflüge an bizarre Orte unternommen, um dann festzustellen, ob mir das gefiel oder nicht. Aber ich bin den Dingen auf den Grund gegangen, meiner eigenen Lust. Bin ich eigentlich lesbisch? Oder stehe ich nur auf bestimmte Frauen? Bin ich also bi? Aber eigentlich schlafe ich am liebsten mit Männern. Ich mag Dominanz – geht das als Feministin überhaupt und bin ich deswegen SMlerin? Alles Fragen, die zu klären waren – und ich habe sie geklärt für mich selbst und kann deshalb frei und unbefangen mit mir und meiner Sexualität umgehen. Aber der Weg dahin war steinig. Und oft auch ziemlich lustig.

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#shoutingback – jede von uns erlebt Sexismus

We Can Do It - Poster

By J. Howard Miller, artist employed by Westinghouse, poster used by the War Production Co-ordinating Committee [Public domain], via Wikimedia Commons

Es war ein einzelnes, unangenehmes Erlebnis, dass die britische Gründerin von #shoutingback im März 2012 dazu bachte, mittlerweile mehr als 38.000 Frauen dazu zu bringen unter dem Hashtag #shoutingback Tweets an @everydaysexism zu senden, die von den permanenten Belästigungen, Begrabschungen, Anmachen, Übergriffen und der sexuellen Gewalt zu reden, denen sie alle alltäglich ausgesetzt. Aus dem Hashtag wurde eine Bewegung, die bis heute läuft und sogar eine mehrsprachige Webseite hat. #Shoutingback ist ein weiterer Beweis dafür, wie Frauen sich heute via den sozialen Netzwerken gegen Alltagssexismus wehren, gemeinsam eine Möglichkeit finden, ihre Erfahrungen zum Ausdruck zu bringen und damit das ewige Dogma der „Einzelfälle“ oder „Übertreibungen“ zu brechen, das allgemeine Schweigen und die uns als Frauen auferlegte Sprachlosigkeit zu finden. Mira schrieb es bereits an anderer Stelle: R.I.P. Postfeminismus, die Vierte Wolle rollt und sie rollt weltweit und jede eurer sexistischen Aktionen macht aus uns Frauen einen Schläfer, der plötzlich aufwacht und bereit ist, sich mit sehr erfolgreichen Aktionen der sexistischen Kackscheiße entgegenzustellen – und sich mit anderen auf der ganzen Welt zu verbinden Ich habe mir mal sagen lassen, dass so der Anfang von Revolutionen aussieht. Die feministische Revolution haben wir sicher bitter nötig.

Hier ist das Video zu #shoutingback

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#BRAGER – Ein Spiel als „Vergewaltigung“, „Blitzkrieg“ und „Holocaust“ auf Twitter

Brazil and Croatia match at the FIFA World Cup (2014-06-12; fans)

By copa2014.gov.br (Brazil beat Croatia in World Cup opening match) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Das gestrige Spiel von Deutschland gegen Brasilien wird in den Medien bereits als „historische Demütigung“, als Spiel, das in die Geschichte eingehen wird, gefeiert. 7:1 gewannen die Deutschen gegen die sonst so übermächtigen Favoriten aus Brasilien. Die Fans tobten, in Deutschland waren die Straßen wie leergefegt, unterbrochen wurde die Stille nur aus den nicht abbrechenden Begeisterungsschreien der deutschen Wohnzimmer und den Public Viewing Arenen. Auch in den Sozialen Netzwerken war dies zu spüren, allen voran bei Twitter unter BRAGER (die Zusammensetzung aus Brasilien und Germany), das Hashtag, unter dem sich so ziemlich jeder zu Wort meldete. Viele Kommentare waren witzig, andere einfach nur voller Begeisterung. Andere benutzten, um ihrer nationalistischen und sexistischen Gesinnung passend zum Spiel Ausdruck zu verleihen, so oft die Hashtags #Blitzkrieg #Holocaust und #Vergewaltigung, dass diese gemeinsam mit BRAGER die bundesweiten Twittertrends anführten.

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Sexuell inspiriert dank HIV und sexuell informiert dank Porno und Co

I Love Porn Graffiti

By Wrote from Göteborg, Sweden (porn & new yorkUploaded by sporti) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat zum Thema Prostitution einen Debattenblog eingerichtet – „Streitwert“ – auf dem bisher allerdings ausschließlich Beiträge veröffentlicht wurden, die Prostitution und auch Pornos super finden – auf akademisch gerade noch so angemessenem Niveau, wir sind ja hier nicht in der Gosse, da wo die Prostitution stattfindet. Sehr gelehrte Menschen machen sich also theoretische Gedanken zur Prostitution und kommen auf verschiedenen, teils sehr kruden Wegen immer wieder zum Ergebnis: Eigentlich ist dagegen nichts einzuwenden. Das wiederum hat etwas damit zu tun, dass diese Menschen aufgrund ihrer Lebenswege niemals in die Situation kommen werden, sich prostituieren zu müssen und daher aus der wohligen Distanz ihrer Elfenbeintürme ein soziales Phänomen in vollkommener Herablassung abschließend bewerten können. In dieser Haltung steckt ein menschenverachtender Zynismus, den ich bereits an anderer Stelle kritisiert habe. Nun hat das Niveau des neusten Blogbeitrags allerdings einen Tiefpunkt erreicht, dass ich mich wirklich fragen muss, ob in diesem Land überhaupt noch jemand seine Doktortitel dank irgendeiner Anstrengung erreicht, oder ob die im Lotto – oder gegen Bezahlung oder Sex – verteilt werden. Da wird in unglaublicher Ignoranz mit Begriffen und Zusammenhängen um sich geworfen, die weder belegbar noch nachvollziehbar sind – und beides sollte man, wenn man einen Doktortitel hat und Expertin ist, zumindest hinkriegen. Oder nicht, Bildungs- und Prostitutionsmekka Deutschland?

Im Folgenden meine Auseinandersetzung mit dem neuesten Erguss auf dem Böll-Blog, in Anführungszeichen das Original, darunter meine Antwort.

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Wie kann man so scheiße zynisch sein, Frau Doktor? Eine Polemik

Street Sleeper

By David Shankbone (David Shankbone) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Aktuell befindet sich nicht nur Griechenlands Ökonomie in einer tiefen Krise, sondern auch in anderen 3. Welt Ländern leben Millionen von Menschen von weniger als 1 Euro am Tag. Hunger ist ihr ständiger Begleiter. Für viele Menschen, die keine soziale Absicherung mehr haben und in großer Armut leben, ist die Möglichkeit, ihre Organe zu verkaufen, daher eine Möglichkeit, sich und ihre Familien aufgrund des Versagens der sozialen Strukturen vor der Armut zu bewahren. Der Organhandel in diesen Ländern boomt. Nicht nur Griechenland diskutiert daher nach deutschem Vorbild ein Verbot des Organhandels. Doch eine gesetzliche Verschärfung, gar ein Verbot des Organhandels würde vor allen den Organverkäufern schaden. Auch wenn nur die Organverkäufer bestraft werden, würde eine Illegalisierung zwangsläufig auch die betroffenen Menschen treffen, die ihre Organe verkaufen, sie hätten es schwerer, die Organentnahme unter gesundheitlich weniger risikoreichen Umständen vornehmen zu lassen und Zugang zu einer entsprechenden Nachsorge zu haben.

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