Autorinnen feiern Autorinnen: Marlene Streeruwitz über Bertha von Suttner

Buchcover: Marlene Streeruwitz über Bertha von Suttner

Marlene Streeruwitz über Bertha von Suttner, Mandelbaum Verlag, 2014

Der Wiener Mandelbaum-Verlag hat in diesem Jahr die Reihe „Autorinnen feiern Autorinnen“ ins Leben gerufen, um berühmte Wiener Autorinnen zu feiern. Marlene Streeruwitz, die vielfach ausgezeichnete feministische Autorin von Theaterstücken und Romanen wie „Verführungen. 3. Folge. Frauenjahre und „Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundinwidmete sich zum 100. Todestag von Bertha von Suttner im Juni 2014 ihrem Werk „Die Waffen nieder!“, das 1889 erschien und bis heute eines der wichtigsten pazifistischen Werke ist. In dem Buch wird die Geschichte der Kriegsjahre Österreichs von 1859 bis 1870 aus Sicht von der Adligen Martha Althaus erzählt, die vier Kriege miterlebt und schließlich an der durch den Krieg verursachten Cholera stirbt. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und weltweit gefeiert. Ihr Leben lang setzte sich Bertha von Suttner gegen Krieg und Militarismus und für Frauenrechte ein. 1905 erhielt sie den von ihr selbst initierten Friedensnobelpreis. Sie starb kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs, dessen Beginn eine Woche nach ihrem Tod durch die Schüsse auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand eingeläutet wurde.

Bewusst widmet sich Marlene Streeruwitz in ihrem Text nur dem Werk „Die Waffen nieder!„, eine politische Entscheidung, wie sie schreibt, damit ein historisch-sexistischer Blick auf ein „Frauenschicksal“ der Vergangenheit vermieden wird. Erfrischend ist ihre Analyse des Wikipedia-Artikels zu Bertha von Suttner, der genau jenen historischen Sexismus betreibt und sie als Frau in Abhängigkeit von Männern beschreibt, ihrem Vater, ihrem Mann. Bertha von Suttner selbst hatte kein Interesse daran, sich als Person, als Autorin zu profilieren:

Es ist der vollkommene Verzicht Bertha von Suttners auf sich selbst als Autorin, der so beeindruckend im Abstand zum Lesen klar wird. Es wird noch klarer, dass alle Mittel für die Botschaft des Werkes eingesetzt werden und die schreibende Person keine Rücksicht auf sich selbst als schaffende Person nimmt. Selbst der banal unauffällige Schreibstil hat nichts mit einem literarischen Vermögen der Schreiberin zu tun, sondern soll nur den Zugang zum Motiv des Schreibens dieser Person ermöglichen. Es geht dieser Schreiberin nur um das Eine. Sie will nie wieder Krieg.

Ein wunderbares Buch einer beeindruckenden Autorin und Feministin der Gegenwart über das Werk einer beeindruckenden Autorin und Feministin der Vergangenheit.

Marlene Streeruwitz über Bertha von Suttner ist erschienen im Mandelbaum-Verlag und ist u. a. erhältlich bei Fembooks.

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