Kategorie: Allgemein

Das Elend mit der Missy

We don't need no patriarchal education.

Public DomainChristopher Dombres

Nicht, dass nachfolgendes nicht schon in irgendeiner Form mal gesagt worden wäre, hier und da, aber es ist aktuell wirklich ein Punkt erreicht, wo man sich nur an den Kopp packen kann.

Es geht um das Missy Magazin, und nun sind hier gleich mehrere Baustellen ersichtlich: Zum einen die Inhalte, die nur die Leute zentrieren, deren Narrative das eigene Weltbild bedient. Will heißen: Wir werden bei Missy viel lesen über den kleinen Prozentsatz glücklicher Sexarbeiterinnen, wir werden aber nichts lesen über osteuropäische Frauen in Bordellen und Laufhäusern, die den Großteil der Frauen in der deutschen Prostitution ausmachen. Wir werden lesen von den Kübras und Emines dieser Welt, die sich voller Freude im Erwachsenenalter fürs Kopftuch entschieden, aber nichts über die Millionen von Frauen weltweit, die verfolgt und reglementiert werden von Sittenpolizei, wenn man ihr Haar sieht. Wir werden lesen von Leuten, die sich für „Fatshion“ (sic!) und tumblr interessieren, von dicken Jungs in Comicpullis (no shit), aber nicht von Frauen in der Altersarmut, die nicht einmal so richtig wissen, was Blogs sind.

Ich habe Missy vor vielen Jahren gern gelesen, aber irgendwann festgestellt, dass sie inhaltlich substantiell abbauen, und so ging es vielen anderen Frauen, die ich kenne. Nun kann man das schon höchst bedauerlich finden für ein Magazin, das sich dem Feminismus widmet, aber immer mehr zum poppig-bunten Lifestyle-Blatt verkommt, das sich mehr für Identitäten als materielle Lebenswirklichkeiten marginalisierter Frauen interessiert, die keinen Zugang zur neuesten Liste von special Pronomen haben. Umso bedauerlicher mag dies erscheinen, wenn man bedenkt, dass Missy ein Blatt ist, das sich dem Antirassismus verschrieben hat und (angeblich) den Frauen, die eben nicht bessergestellt sind.

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Töten und Männlichkeit

Mann mit Gewehr

[Public Domain]

Als Zeichen der Männlichkeit wird traditionell Aggressivität und die Fähigkeit zum Töten gesehen. Es ist ein Thema, mit dem man sich beschäftigen sollte, denn es erklärt auch, als ein Faktor, die massive Gewalt an Frauen und Kindern, und natürlich auch Amokläufe, Terrorakte und „Familiendramen“. Und Gewalt fängt auch beim Verhalten gegenüber Tieren an, beim Schlachten, denn auch hier schon beginnt die „Psychologie des Tötens“. Ein Aspekt bedingt den anderen. Ja, wir müssen über das Töten und Männlichkeit sprechen.

Immer wieder wird man unverhofft mit direkter Gewalt an Tieren konfrontiert, seien es von Bäumen hängende Hasen in der Jagdzeit, auf die man während einer Fahrt mit der S-Bahn blicken muss, seien es an Gummiseilen tote hängende Meerschweinchen, die zur Fütterung in Zookäfigen hängen, oder Bräuche wie Gänsereiten in der Karnevalszeit, wo Reiter zwischen den Bäumen hängenden Gänsen den Kopf abreißen müssen. Früher wurde dies mit lebenden Gänsen durchgeführt und war auch in England und den Niederlanden üblich. Die Gewalt der Massentierhaltung ist versteckter, aber natürlich genauso grauenhaft. Alles aber sind Gesichter männlicher Gewalt, auch wenn sich einige Frauen an dieser Form der Gewalt beteiligen.

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Die Störenfriedas machen Sommerferien

Strand Sonnenschirm Sonne

via Pixabay, Public Domain CC0

Liebe LeserInnen,

wir machen einige Zeit Pause, um neue Kraft zu tanken und neue Energien zu bündeln.

Mitte Oktober sind wir wieder da, um euch dann wieder mit neuen Artikeln, Buchbesprechungen, Frauenporträts der Vergangenheit und Gegenwart und viel mehr zu versorgen.

Wir freuen uns auf das Wiederlesen und wünschen euch einen schönen Restsommer!

Eure Störenfriedas

Der Teufel feiert Karneval: Die neue Täter-Opfer-Umkehr

The Shadow of Justice

"The Shadow of Justice" by Jack via Flickr, [CC BY-NC-ND 2.0]

In Köln gibt es ein Sprichwort. Es heißt: „Wenn es regnet und die Sonne scheint, dann feiert der Teufel Karneval“. Wer die Medienberichte der vergangenen beiden Wochen zum Thema sexuelle Gewalt verfolgt hat, der könnte sich in einem eben solchen teuflischen Karneval wähnen, so widersprüchlich waren die Meldungen und Forderungen. Da sind auf der einen Seite die Ereignisse der Kölner Silvesternacht, in deren Folge auf einmal Heiko Maas (Justizminister) die lange verwehrte Neuregelung des Vergewaltigungsparagrafen zur Chefsache macht. Auch sexuelle Belästigung soll nun, da nicht mehr weiße, deutsche Männer grabschen, sondern fremde, „nordafrikanische“, endlich strafbar werden. Die Talkshows, Feuilletons und Meinungsseiten überschlugen sich zu dem Thema, ein neues Hashtag unter #ausnahmslos wurde erfunden. Sexuelle Gewalt, so sind sich alle von den Netz- und Printfeministinnen bis zur CDU und Pegida einig, soll nun endlich, endlich konsequent bestraft werden. So weit so gut, so unterstützenswert, wenn da nicht diese rassistische Komponente wäre, die bei vielen Forderungen durchschimmert und sich in den überall aus den Boden schießenden „Bürgerwehren“ kulminiert.

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