Kategorie: Feminismus

Warum Radikalfeminismus nicht „transfeindlich“ ist

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Transphobie, laut Duden: „starke Ablehnung von Transsexualität; ausgeprägte Abneigung gegen transsexuelle Personen“, Radikalfeminismus, (lat. radix: Wurzel) will, wie der Name schon sagt, Frauenunterdrückung an der Wurzel packen, diese Wurzel wird im Patriarchat gesehen. Patriarchat bezeichnet eine Jahrtausende alte Gesellschaftsform, die durch die Vormachtstellung von Männern gekennzeichnet ist, und die bis heute unsere gesamtgesellschaftliche Ordnung strukturiert.

Patriarchale Strukturen basieren laut feministisch-historischer Forschung auf der Zueigenmachung und Beherrschung des weiblichen Körpers besonders im Hinblick auf die Funktion der Reproduktion und Generativität, sprich im Fokus dieser Unterdrückung steht insbesondere auch der Faktor Gebärfähigkeit.

Unterdrückung ist dementsprechend immer an den weiblichen Körper gebunden – an den Körper, der gebiert. Dies war und ist auch immer noch Kampffeld männlicher Herrschaft: der weibliche, potentiell gebärende Körper.

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Warum wir radikalen Feminismus brauchen

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Es ist Tag 1 nach dem Frauentag 2017 und die Bilanz fällt vernichtend aus. Allerorten wurde an Frauenkämpfe gedacht, die Frauen selbst aber waren auffällig unsichtbar. Die Frau des kanadischen Premierministers fand, der Frauentag sei eine tolle Gelegenheit, die Männer hochleben zu lassen, die taz brachte es fertig, eine komplette Titelseite zum Thema Frauentag ohne das Wort „Frauen“ zu bringen, die Frankfurter Rundschau veröffentlichte heute einen Artikel, in dem es hieß „Menschsein bedeutet schwanger werden zu können. Menschsein bedeutet vergewaltigt werden zu können“ und auch ansonsten blieb es wie jedes Jahr bei den üblichen Lippenbekenntnissen und Nelken zum Frauentag. Ausnahme waren einige mutige Abolitionistinnen weltweit, die es – gegen erheblichen Widerstand – schafften, die Themen Prostitutions- und Pornokritik als feministische Themen zu verteidigen und in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Das Feministische Netzwerk, das sich als großes Bündnis Deutschlands zum Frauentag positioniert hatte, verwehrte es ohne Erklärung der einzigen feministischen Partei DIE FRAUEN Deutschlands, Teil des Bündnisses zu werden, hatte aber bei den Vertretern der Prostitutionslobby keinerlei Schwierigkeiten, diese aufzulisten. Was ist los im Feminismus, den doch alle gerade so dringend brauchen?

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#Sisterhood: Zeichen der Solidarität am #Frauentag

Pakak Sarkar (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Kaum ein Tag ist für die Frauenbewegung so symbolträchtig wie der 8. März. Der Weltfrauentag ist der Tag, an dem Frauen, Feministinnen und die, die sie in ihren Kämpfen unterstützen, zusammen kommen, demonstrieren, feiern und an die zurückliegenden und die zukünftigen Kämpfe denken. Weltweit macht gerade die Idee eines internationalen Frauenstreiks zum 8. März von sich reden, zu dem sich verschiedene Bündnisse bereits positioniert haben. Überall auf der Welt, auch in Deutschland gibt es Lesungen, Demos, Kundgebungen.

Es ist leicht zu sagen, der 8. März sei eine Art „Feiertag“ für den Feminismus. Den Feminismus gibt es nämlich gar nicht, schon seit jeher ist der Feminismus gespalten, früher in bürgerliche und proletarische, heute in radikale und liberale Feministinnen. Häufig ist Feminismus gekennzeichnet von heftigen, inneren Debatten, in denen es um Diskurshoheit, um Öffentlichkeit und auch um ganz eigene Interessen geht.

Wir möchten den 8. März als Anlass nehmen, ein altes, feministisches Konzept – Sisterhood – wiederzubeleben und statt der ständigen Konflikte die Gemeinsamkeiten betonen: Den Kampf um Frauenrechte, um Freiheit und Sicherheit für alle Frauen auf dieser Welt.

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Ein Aufruf an Feministinnen, sich an das historische und geschlechterbasierte Wesen ihrer Unterdrückung zu erinnern

Das wirklich Brillante am Patriarchat…es verwandelt Unterdrückung nicht nur in etwas Natürliches, es sexualisiert den Unterdrückungsakt. Es erotisiert Dominanz und Unterwerfung. Es institutionalisiert sie als Maskulinität und Feminität. Also normalisiert, erotisiert und institutionalisiert Unterwerfung. Das Brillante am Feminismus ist, dass wir das erkannt haben.
– Lierre Keith

In den vergangenen Monaten wurden in den USA und anderswo so viele Gesetze erlassen oder vorgeschlagen, die eine Eskalation des Kriegs – ja, es ist Krieg – gegen Frauen anzeigen. Das Russische Parlament hat gerade mit 380 zu 3 Stimmen die Entkriminalisierung häuslicher Gewalt entschieden. Es ist ein Land, in dem durchschnittlich 40 Frauen pro Tag – 14.000 Frauen pro Jahr – von ihren männlichen Partnern ermordet werden.

Die Vereinigten Staaten, wo über 1000 Frauen pro Jahr von ihren Partnern ermordet werden, haben gerade einen Präsident gewählt, der damit prahlt, dass „wenn du ein Star bist, lassen sie es dich einfach tun, pack sie an der Pussy“ und in Pornografie und Menschenhandel verwickelt ist. Sein Plan ist es, die finanzielle Unterstützung für 25 Programme gegen häusliche Gewalt zu eliminieren und weiblichen Angestellten zu befehlen, sich „wie Frauen anzuziehen“. Texas denkt darüber nach, Frauen, die eine Abtreibung hatten, ihr Wahlrecht zu entziehen; Arkansas möchte Vergewaltiger in die Lage versetzen, Frauen zu verklagen, die abtreiben.

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Die schwarze feministische Frauenbewegung-Black History Month

sitting back not giving a fuck about what black men think or say

Wir alle kennen, oder hören immer öfter,  die neuen Schlagwörter wie „white feminism“, „critical whiteness“, die mittlerweile fast wie Beleidigungen, aber zumindest vorwurfsvoll, klingen und sich auf weiße Feministinnen und ihren Feminismus beziehen. Diese Begriffe ignorieren tatsächlich die Unterdrückungsmechanismen des schwarzen Patriarchats und fokussieren sich zunehmend ausschließlich auf weiße Frauen. Nicht, dass weiße Frauen es nicht auch verdient hätten kritisiert zu werden. Aber wie sieht wirklich der Ursprung des schwarzen Feminismus aus, der den Begriff der „Intersektionaliät“ schuf und Mechanismen der Unterdrückung anders betrachtete.

Die schwarze feministische Frauenbewegung (Black Feminist Movement) entstand tatsächlich als Antwort auf die schwarze Befreiungsbewegung (Black Liberation Movement) und der amerikanischen Frauenbewegung. Schwarze Frauen fühlten sich unterdrückt, und wurden unterdrückt, durch den herrschenden Rassismus in der, mehrheitlich weißen, Frauenbewegung. Gleichzeitig waren sie aber auch Opfer von Sexismus in der schwarzen Befreiungsbewegung. „Schwarzsein“ wurde sozusagen gleichgesetzt mit schwarzen Männern. Schwarze Frauen existierten nicht in diesem Konzept.  „Frausein“ und Feminismus wurde ebenso gleichgesetzt mit weißen Frauen.  Schwarze Frauen wurden auch hier nicht wahrgenommen, nicht wirklich. Das Ergebnis war, dass schwarze Frauen sich als unsichtbar betrachteten,  und sie erkannten, dass ihre Bedürfnisse nicht gesehen wurden. Weder in der einen Bewegung, noch in der anderen.

Die schwarze Befreiungsbewegung und einige Abgründe:

Die schwarze Befreiungsbewegung bestand eigentlich aus verschiedenen Bewegungen, wie die Bürgerrechtsbewegung,  der schwarze Nationalismus, Nation of Islam,  die Black Panthers, „the Student Nonviolent Coordinating Committee“, und viele mehr. Alle diese Teile der schwarzen Befreiungsbewegung besaßen eine Gemeinsamkeit, ein bindendes Glied sozusagen, denn das Glied, die Geschlechterzugehörigkeit zum „Mann“ spielte hier die entscheidende Rolle. Alle dieser Bewegungen richteten sich prinzipiell nur an schwarze Männer und ihre Befreiung. Freiheit wurde sozusagen gleichgesetzt mit Männlichkeit, und die Erlangung dieser Freiheit mit der Wiedererlangung von schwarzer Männlichkeit. Eine Idee die viel Verbreitung fand, war zum Beispiel, dass Männer durch Rassismus ihre Männlichkeit verlieren und verloren haben, da sie keine Macht mehr besaßen. Sie mussten in der Vergangenheit zusehen, wie ihre Partnerinnen von weißen Männern vergewaltigt wurden oder zur Zucht von einer neuen Generation von Sklaven benutzt wurden. Viele Männer in der Bewegung wollten ebenfalls die Sexualität schwarzer Frauen kontrollieren. Die sexuelle Ausbeutung schwarzer Frauen durch weiße Männer wurde ständig thematisiert und stand im Vordergrund. Sexuelle Beziehungen schwarzer Frauen zu weißen Männern wurden abgelehnt, aber für die schwarzen Männer in der Bewegung war es in Ordnung selbst sexuelle Beziehungen zu weißen Frauen zu haben. Auch in dieser Bewegung ging es sozusagen letztendlich darum, dass ein Teil der Freiheit bedeuten solle, dass Männer sexuellen Zugang zu allen Frauen haben können.

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Frauen rufen am Frauentag weltweit zum Streik auf

Sie haben eine lange Tradition: Frauenstreiks. Bereits in der antiken Erzählung Lysistrata treten Frauen in den Sex- und Gebärstreik und veränderten so die Geschicke der Stadtstaaten Athen und Sparta. Im 19. Jahrhunderten streikten Frauen im Rahmen der Arbeitskämpfe wie 1893 in Wien, aber auch gegen zu hohe Butterpreise wie 1952 in Baden Württemberg. Frauenarbeit wird schlecht bezahlt und wenig anerkannt, daran haben auch fast 100 Jahre Frauenwahlrecht nichts ändern können – was liegt da näher, als mit einem Streik deutlich zu machen, dass ohne Frauen gar nichts geht – eine Methode mit langer Tradition:
1970 streikten Frauen in den USA für politische Rechte, die Gleichstellung der Frau, das Recht auf Abtreibung und gleiche Bezahlung. 20.000 Frauen protestierten in New York – kein Vergleich zum Protest der isländischen Frauen am 24. Oktober 1975: 90 Prozent der isländischen Frauen streikten an diesem Tag gegen ungerechte Bezahlung und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Sie brachten das Land damit zum Stillstand: Väter mussten ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen, Geschäfte blieben geschlossen, das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Der Effekt war deutlich: Nur ein Jahr später wurde ein Gesetz erlassen, dass die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz verbot. 1991 streikten eine halbe Million Schweizer Frauen unter dem Motto: „Wenn frau es will, steht alles still“ gegen die anhaltende Benachteiligung von Frauen.

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Die Sache mit den Safe Spaces – Warum ich keine Schwänze auf Frauentoiletten haben will

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Gestern war ich tanzen, und als ich aufs Klo wollte, stand dort ein Mann in Frauenkleidern und schminkte sich. Ich war irritiert, konnte, so lange wie er da war, nur baff rumstehen und habe später angemerkt, dass ich mich nicht wohl und nicht sicher fühle, wenn Menschen mit Schwanz sich auf dem Frauenklo aufhalten.

Kurz voranschicken möchte ich: ich habe mit umoperierten Transfrauen auf dem Klo überhaupt kein Problem. Ja, diese haben trotzdem eine männliche Sozialisation usw., aber darum geht es jetzt nicht. Womit ich ein Problem habe, sind Menschen mit Schwanz auf dem Frauenklo. Ist mir egal, unter welchen Frauenklamotten dieser Schwanz vor sich hergetragen wird und wieviel Schminke die Person, die ihn trägt, im Gesicht hat. Eine Toilette ist ein intimer, geschützter Rückzugsort. Hier kann man sich erleichtern, kotzen, sich umziehen, telefonieren oder heulen. Der Privatsphäre in einer Toilette kommt eine große Bedeutung zu. Sex auf Toiletten ist beliebt und akzeptiert. Auf gemeinsamen Toiletten kommt man sich unter Fremden sehr nahe, oft zu nahe. Das ist unangenehm, bislang für Frauen aber nicht gefährlich. Ein Schwanz aber ist eine potenzielle Waffe. Er kann benutzt werden, um Frauen gegen ihren Willen zu pentrieren, vielleicht in einer Situation, in der sie hilflos, ungeschützt oder schlichtweg unachtsam sind. Opfer sexueller Gewalt müssen ein Recht auf schwanzfreie Räume haben. All das schoss mir durch den Kopf, während ich dort stand und überlegte, wie ich mit der Situation umgehen soll.

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„Versuche nicht, uns zu spalten“: Gloria Steinems Rede auf dem Women’s March in Washington

Gloria Steinem

By Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America (Gloria Steinem) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Am 21. Januar 2017 hielt die Feministin Gloria Steinem eine flammende Rede auf dem Women’s March in Washington. Wir haben sie übersetzt:

„Freunde, Freundinnen, Schwestern und Brüder, alle, die ihr hier und in 370 Märschen in jedem Bundesstaat dieses Landes und auf sechs Kontintenten vor mir steht, und alle, die sich um ein Uhr mit uns zu einer Schweigeminute für Gleichberechtigung in den Büros, Küchen, Fabriken, Gefängnissen, überall auf der Welt vereinen. Ich danke jedem von euch, und insbesondere danke ich den hart dafür arbeitenden visionären Organisatorinnen dieses von Frauen geführten, inklusiven Marsches, von denen eine sogar eine Geburt schaffte, während sie diesen Marsch mitorganisierte. Wer kann das schon von sich sagen?

Danke euch dafür, dass ihr versteht, dass wir manchmal unsere Körper dahinbringen müssen, wo unsere Überzeugungen sind. Manchmal ist es nicht genug, auf „Abschicken“ zu drücken. Und das verbindet uns mit den Vielen dieser Welt, die keine Computer haben oder Elektrizität oder Bildung, aber die gleichen Hoffnungen und die gleichen Träume haben wie wir.

Ich denke, da ich und meine geliebten Mitvorsitzenden – die „Golden Oldies“ nicht wahr? – Harry Belafonte, Dolores Huerta, LaDonna Harris – alle diese wunderbaren Menschen – vermutlich die ältesten Demonstrierenden hier heute sind; daher denke ich über den Nutzen eines langen Lebens nach und einer der Nutzen ist, sich an Zeiten zu erinnern, zu denen die Dinge schlimmer standen.

Wir erinnern uns an den Tod der Zukunft, mit Martin Luther King, mit Jack Kennedy, mit Bobby Kennediy, mit Malcolm X. Ohne diese Toten zum Beispiel wäre Nixon niemals gewählt worden und es hätte viele der Kriege nicht gegeben, die wir seither erlebten. Jetzt sind unsere großen Vorbilder wie Barack Obama und Michelle Obama immer noch unter uns und erinnert euch daran, wie sehr wir fürchteten, sie könnten es nicht sein, und wie viele Morddrohungen es gegen sie tatsächlich gab. Und doch sind sie unter uns.

Und heute auch unser verehrter Bernie Sanders ist immer noch bei uns. Und nicht nur bei uns, sondern er konzentriert sich auf wirtschaftliche Gerechtigkeit und kostenlosen Zugang zu Universitäten für Alle in meinem Bundesstaat New York. Und heute ist Hillary Clinton immer noch am Leben und definitiv nicht im Gefängnis. Sie, die der ganzen Welt gesagt hat, dass Frauenrechte Menschenrechte sind und Menschenrechte Frauenrechte. So entscheidend zu einem Zeitpunkt, da die kollektive Gewalt gegen Frauen auf dieser Welt eine Welt geschaffen hat, in der zum ersten Mal weniger Frauen als Männer leben.

Ich versuche nicht die Gefahren, die dieser Tag mit sich bringt, zu verleugnen. Trump und seine Handlanger haben einen Fuchs für jeden Hühnerstall in Washington gefunden und ein Twitterfinger darf kein Finger am Abzug werden. Einige sehr erfahrene Ärzte der American Psychiatric Association haben sich öffentlich geäußert, um uns zu warnen: „Seine weitläufig berichteten Symptome psychischer Instabilität inklusive Größenwahn, Impulsivität, Überempfindlichkeit gegenüber Unhöflichkeiten oder Kritik und eine offensichtliche Unfähigkeit, zwischen Fantasie und Realität zu unterscheiden, lässt uns daran zweifeln, dass er für die immensen Verantwortlichkeiten seines Amtes überhaupt geeignet ist.“

Dies wurde bei seiner Antrittsrede gestern ganz klar vorgeführt. Alles, was vor ihm geschehen ist, war ein Desaster. Und alles, was er tun wird, wird fantastisch sein, das Beste jemals, Wunder und alle Superlative. Er sagte auch, er sei mit dem Volk. Er war das Volk. Ich formuliere ein berühmtes Zitat nur um und muss sagen:  „Ich habe das Volk getroffen – und du bist es nicht.“ Wir sind das Volk.

Dieser Marsch in Washington heute erforderte 1000 Busse mehr als die gesamte Amtseinsetzung. Ein ganzes Tausend mehr. Und ich sprach gerade mit Menschen von unseren Schwestermärschen, inklusive dem in Berlin und sie baten mich, eine besondere Nachricht weiterzugeben: „Wir in Berlin wissen, dass Mauern nicht funktionieren.“

Und erinnert euch an Polen, wo die Regierung im letzten Monat ein Anti-Abtreibungs-Gesetz verabschiedet hat und sechs Millionen Frauen auf die Straße gingen und das Gesetz geändert werden musste. Wir sind das Volk. Wir haben die Macht des Volkes und wir werden sie nutzen. All die Macht, die du versucht hast zu eliminieren. Zum Bespiel wolltest du das Congressional Ethics Committee abschaffen. Du musstest es wieder einsetzen, richtig? Wegen der Macht des Volkes. Denn dies, dies, ist die andere Seite der Kehrseite. Das ist ein Ausbruch an Stärke und wahrer Demokratie, wie ich sie noch nie in meinem sehr langen Leben gesehen habe. Er umfasst alle Altersgruppen. Er ist wirklich divers. Und erinnere dich, die Verfassung beginnt nicht mit „Ich, der Präsident“, sondern mit „Wir, das Volk.“

Also versuche nicht, uns zu spalten. Versuche nicht, uns zu spalten. Wenn du die Muslime zwingst, sich registrieren zu lassen, werden wir uns alle als Muslime registrieren lassen. Ich weiß, dass es Frauen in Unternehmen und den Medien und allen möglichen Stellen gibt,  die es für dich riskant machen, zu sagen, wofür du dich einsetzt, was du fühlst und was du unterstützt. Und es gibt Frauen hier, die ich kenne, die die von Übergriffen auf ihre Körper lebende nationale und globale Sexindustrie überlebt haben. Wir haben uns hier für die Unangreifbarkeit des Körpers zusammengefunden. Wenn du über deinen Körper nicht vom Inneren heraus verfügen kannst, dann kannst du es auch nicht von Außen, du kannst nicht über Leben, unsere Leben, verfügen. Und das bedeutet, das Recht zu entscheiden ob und wann wir gebären – ohne Einmischung durch eine Regierung.

Wir sind hier und überall auf der Welt für eine tiefe Demokratie, die sagt, dass wir nicht schweigen werden, wir uns nicht beherrschen lassen, dass wir für eine Welt arbeiten, in der alle Länder mit einander verbunden sind. [Der Teufel] Gott mag im Detail liegen, aber die Göttin liegt in der Verbindung. Wir sind eins miteinander, wir sehen einander an, nicht zu jemandem hoch. Wir fragen Daddy nicht länger.

Wir sind verbunden. Wir haben keine Rangordnung. Und dieser Tag wird uns für immer verändern, denn wir sind zusammen. Jede von uns, individuell und kollektiv, wird nie mehr dieselbe sein. Wenn wir einen möglichen Präsidenten wählen, gehen wir oft nach Hause. Wir haben einen unmöglichen Präsidenten gewählt, wir gehen nie mehr nach Hause. Wir stehen zusammen. Und wir übernehmen. Ich danke euch aus meinem tiefsten Herzen. Denkt daran, euch einander vorzustellen und zu entscheiden, was ihr morgen und übermorgen und überübermorgen machen werdet und wir werden nie kehrtmachen. Danke euch!“

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Die Originalrede im Wortlaut als Text gibt es hier.

„Women`s March on Washington“ Wie schlimm es wirklich um Frauenrechte bestellt ist

Am kommenden Freitag (20. Januar 2017) übernimmt Donald J. Trump offiziell die Amtsgeschäfte des noch amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama.
Grund für Frauen in den USA diesem Tag mit Unwohlsein – oder gar Angst, wie ich sie bei vielen meiner Mitstreiterinnen wahrnehme – entgegenzublicken gibt es wahrlich genug.
Donald Trump entspricht dem Prototypen der männlichen Anspruchshaltung auf Frauen. Die nachfolgende Liste ist nicht vollständig, aber das Muster sollte klar werden:

– Er, selbst bereits längst die 70er Altersmarke überschritten, nimmt sich das selbstverständliche Recht heraus Frauen nach ihrer Attraktivität zu bewerten. Eine republikanische Mitbewerberin zum Beispiel hielt er für unqualifiziert, weil doch niemand ernsthaft eine Frau mit einem solchen Gesicht als Präsidentin haben wolle. Steffi Grafs Gesicht habe er sich hingegen noch nie anschauen können, weil ihr Körper so heiß sei. Frauen, die er nicht mag bezeichnet er auch schonmal gerne als „Bimbo“, „Hund“ oder „fettes Schwein“.

– Mit einer absoluten Selbstverständlichkeit sucht er sich natürlich auch vorzugsweise Partnerinnen und Sexualpartnerinnen, die drei Generationen jünger sind als er.

– Frauen haben seiner Meinung nach ihre Jobs nur aufgrund ihres Äußeren, nicht aufgrund irgendeiner Qualifikation

– Er plauderte ungeniert darüber, dass er Paris Hilton total heiß fand, als die erst 12 Jahre alt war. Er kommentierte auch schonmal die attraktiven Babybeine seiner Tochter Tiffany oder die Üppigkeit der Brüste seiner Tochter Ivanka und gab bekannt er würde sie daten, wenn sie nicht seine Tochter wäre.

– Die sexuellen Eskapaden Bill Clintons (die vor allem gekennzeichnet sind durch sexuelle Gewalt) führte er darauf zurück, dass Hillary offenbar nicht in der Lage sei ihren Ehemann sexuell zu befriedigen.

– Sein Frauenhass wird deutlich, wenn er Frauen ihre Menstruation zum Vorwurf macht („That Megyn Kelly had blood coming out of her „wherever“) oder wenn er sagt er fände Stillen ekelhaft. Auch fand er es eines Kommentars wert, dass Hillary Clinton während einer Debatte die Toilette aufsuchte – denn auch das fand er ekelhaft.

– Er äußerte die Hoffnung, dass wenn seine Tochter Ivanka jemals Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird, sie den Job aufgibt und ihre Karriere woanders weiterbetreibt.

– Er ist der Meinung, dass es doch logisch ist, dass es zu sexuellen Übergriffen kommt wenn man Männer und Frauen zusammen an einen Ort lässt – als Kommentar auf einen Bericht über 26.000 nicht angezeigte sexuelle Übergriffe beim US-Militär.

 

 

 

 

– Dazu passt auch sein Kommentar aus dem Video welches kurz vor der Wahl geleaked wurde, in dem er von sich sagte, dass er einfach gar nicht anders kann als schöne Frauen zu küssen:

„You know I’m automatically attracted to beautiful — I just start kissing them. It’s like a magnet. Just kiss. I don’t even wait. And when you’re a star, they let you do it. You can do anything … Grab them by the pussy. You can do anything.“

– Er sprang so denn auch passenderweise dem CEO von Fox News, Roger Ailes, zur Seite, als diesem sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Ailes sei ein guter Typ, er habe schon vielen Frauen geholfen.

– Gegen ihn liegen eine Vielzahl von Vorwürfen sexueller Gewalt vor: Von Katie JohnsonJill Harth, Ivana Trump; sowie eine sehr lange Liste von sexuellen Übergriffen.

– Trump stand (genauso wie Bill Clinton) auf der Passagierliste des verurteilten Pädokriminellen Jeffrey Epstein und flog in dessen Privatflieger zu der als „Sex Slavery Island“ bekannt gewordenen Insel, auf der es regelmäßig zu „Sexparties“ mit minderjährigen „Sexsklavinnen“ kam. Trump sagte 2005 über Epstein:

„Ich kenne Jeff seit 15 Jahren, ein klasse Typ. Es macht Spaß, mit ihm Zeit zu verbringen. Man sagt, er mag schöne Frauen genauso wie ich – und viele von ihnen sind auf der jüngeren Seite.“

– Es gibt darüber hinaus eine sehr gute Recherche zu Trumps Modelagentur, die als Cover-Up für Menschenhandel fungiert. Diese wurde auf Daily Kos veröffentlicht.  Ebenso wurde im Dignity Journal ein sehr guter und empfehlenswerter Text zu Trump und der Sexindustrie veröffentlicht.

Dass Trump trotz all dieser nicht unbekannten und viel diskutierten Dinge trotzdem Präsident werden konnte weist natürlich auf ein Problem, welches weit über Trump hinaus geht, hin: Die Akzeptanz eines solchen Verhaltens bei Millionen von AmerikanerInnen, die sich offensichtlich trotzdem von ihm vertreten fühlen. Oder gerade weil, denn meine These wäre es auch, dass sehr viele Männer nicht nur kein Problem mit einem solchen Verhalten haben, sondern es insgeheim sogar bewundern wie ein Mann Frauen mit einer völligen Selbstverständlichkeit abwertet, als männliches Konsumgut betrachtet und sich auch einfach mal nimmt was er möchte. Sein Erfolg ist Ausdruck der Rape Culture und kann nicht losgelöst davon betrachtet werden.

Wie nachvollziehbar wäre es also, seinen Wahlerfolg zum Anlass zu nehmen und auf die Straße zu gehen gegen all die sexistische Kackscheisse, mit der Mädchen und Frauen sich alltäglich rumschlagen müssen. „Women`s March on Washington“ – das klingt super. Es klingt nach Frauen, die die Schnauze voll haben von diesem ganzen Wahnsinn und es könnte eine Aufbruchstimmung signalisieren. Das Frauen etwas bewegen können, wenn sie massenhaft auf die Straße gehen, haben nicht nur der Frauenstreik in Island im Jahr 1975 oder die Frauen im vergangenen Jahr in Polen im Kampf gegen das dort verhängte Abtreibungsverbot gezeigt.

Nun gibt es also diesen so genannten „Frauenmarsch auf Washington“, von weltweiten Solidaritätsveranstaltungen begleitet wird. Bei genauerer Betrachtung fallen jedoch ein paar nicht unbedeutende Probleme ins Auge. Mit denen will ich mich im Folgenden auseinandersetzen:

1. Der Name „Women`s March“ – Wer geht da eigentlich auf die Straße?

Der Name der Veranstaltung(en) suggeriert, dass hier Frauen auf die Straße gehen. Jedoch weit gefehlt: Es sind explizit alle Menschen eingeladen teilzunehmen, Männer sind darüber hinaus sowohl bei der Organisation als auch der Finanzierung beteiligt. Da stellt sich gleich die Frage: Warum nennen die das Ding Frauenmarsch? Sie könnten es doch auch eigentlich gleich „People`s March“ nennen.

2. Für wen wird auf die Straße gegangen?

Erster Gedanke: „Na bestimmt für Frauenrechte“. Weit gefehlt: Darum geht es nämlich gar nicht, sondern um „weltweite Menschen- und Bürgerrechte“. Das mit Menschen oft Frauen gar nicht mitgemeint sind, das musste nicht nur Olympe de Gouges erfahren als sie 1793 für ihre unverschämte Forderung, dass die in der Französischen Revolution erkämpften Menschenrechte nicht nur Männerrechte bleiben sollen, geköpft wurde.

Männliche Gewalt gegen Frauen wird im Programm der Veranstaltung übrigens gar nicht erst genannt.

Eine Kommentatorin macht ihrem Unmut in einer Facebook-Veranstaltung zum Women`s March in Frankfurt Luft:

„Ich finde es richtig schade, dass der Women`s March […] zu einem Allgemeinplatz „verkommt“. Warum können wir uns nicht wenigstens einmal auf Frauenrechte konzentrieren? Demos mit denen im Aufruf enthaltenen Inhalten gibt es wöchentlich und Frauen kümmern sich eh schon immer mehr um alle anderen, als um sich selbst. Ich war in den 80ern auf riesigen Frauendemos in Bonn oder Frankfurt, auf denen es fast ausschließlich um Frauenthemen ging. Warum ist sowas nicht mehr möglich?“

Ähnliche Statements lesen wir auch in den Veranstaltungen aus den USA oder anderen Ländern.

3. Gehts vielleicht doch eher Männerrechte?

In den Auseinandersetzungen dazu wurde es dann spannend, denn ganz schnell wurde klar, dass die Forderungen unter anderem auch die Unterstützung der Sex-Work-Position beinhalten, sprich: der Women`s March kämpft für das männliche Recht auf Zugriff auf den weiblichen Körper (Prostitution).

Nachdem beim Women`s March Canada für ganze zwei Stunden eine Änderung durchgesetzt werden konnte von protestierenden Frauen, war es damit jedoch kurz darauf wieder Essig.

 

 

 

 

 

SPACE International, eine internationale Organisation, die aus Überlebenden der Prostitution besteht, kommentierte dann folgerichtig:

„Solange der Women`s March für das Recht von Männern Frauen zu kaufen marschiert, marschiert ihr nicht für Frauen“

Darüber hinaus geht man auch gegen „Cis Privilege“ auf die Straße, Privilegien die man als Mensch mit XY-Chromosomen angeblich hat. Auch hierbei geht es letztlich nicht um Frauen-, sondern um Männerrechte – und eine völlige Negierung der Lebensrealität von Frauen, die allein aufgrund der Tatsache mit einer Vagina und nicht mit einem Penis geboren zu sein, mit zahlreichen Diskriminierungen zu kämpfen haben.

4. Dürfen denn jetzt eigentlich alle Frauen mitmachen?

Nein. Die Aktivistinnen von Nordic Model Now!, einer Initiative die sich für das Nordische Modell einsetzt (welches eine Freierbestrafung vorsieht und die Prostitution abschaffen will), stellen laut der Londoner OrganisatorInnen eine „Bedrohung“ für andere TeilnehmerInnen da, wenn sie Banner gegen Sexkauf mitbringen. Das ist deshalb nicht erwünscht.

„TERFs“, also verächtlich so bezeichnete genderkritische Feministinnen oder Gender-Abolitionistinnen, werden in den Veranstaltungen beschimpft (z.B. als „you fuckin TERFy bitch“) und auf Forderung von TransaktivistInnen bewusst vom March ausgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Veranstaltung ist also nicht nur offen für Männer, sondern schließt auch bewusst Frauen mit „falschen Meinungen“ aus. Nicht nur das: Konkrete Gewaltdrohungen gegen Frauen dürfen unverhohlen ausgesprochen werden und die VeranstalterInnen positionieren sich auf der Seite der drohenden Perspnen, nicht der Bedrohten.

Kritische Posts wurden übrigens auch reihenweise gelöscht, wer eine „falsche Meinung“ hat wird gnadenlos zensiert. Wenn also Radikalfeministinnen vorgeworfen wird, sie würden andere ausschließen, dann sagt mir mal wie „exclusionary“ das hier eigentlich ist. Ein weiteres Beispiel von Women Erasing Liberal Feminism (WELF).

5. Wie ist das ganze eigentlich politisch einzuordnen?

Wenn man sich mit dieser Frage beschäftigt, wird auch ganz schnell klar, warum Frauenreche in dieser Veranstaltung keine Rolle spielen KÖNNEN.

 

 

 

 

 

 

Die ACLU gehört unter anderem zu den größten Verfechtern der Pornoindustrie. Sie spielte eine große Rolle im Kampf gegen das von Andrea Dworkin und Catharine MacKinnon eingebrachte Anti-Pornographie-Gesetz und ist als Organisation eng verbandelt mit der Sexindustrie (Playboy, Penthouse etc.)

MoveOn ist eine NGO, die dem Millardär George Soros gehört. Soros zahlreiche NGOs investieren viel Geld im Sinne der Sexindustrie.

Die Human Rights Campaign ist u.a. mit der Pritzker Foundation, einem der größten Geldgeber der Transaktivisten-Szene verbandelt.

Hauptsponsor und „Premium Partner“ ist Planned Parenthood, das amerikanische Pro Familia, die sich ebenfalls für Prostitution aussprechen, und auch Werbevideos für BDSM veröffentlichten.

Zu den Sponsoren gehören außerdem mit Amnesty International, die sich bei ihrer Prostitutionspolitik von verurteilten MenschenhändlerInnen und Zuhältern haben beraten lassen, und Human Rights Watch – zwei weitere Soros-Organisationen.

Linker und rechter Frauenhass

George Soros und die Pritzker Familie gehörten übrigens auch zu den Hauptsponsoren von Hillary Clinton`s Wahlkampf und sind auch als Sponsoren in Verbindung zu bringen mit der Clinton Foundation. Die Verbindungen sind vielfältig. Dies sollte in der notwendigen Auseinandersetzung mit Trump nicht vergessen werden. Die Ausrichtung der angeblich feministischen Anti-Trump-Proteste ist nur verständlich, wenn man wie Andrea Dworkin den Frauenhass sowohl von rechts wie auch von links analyisiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser „Women`s March“ keine feministische Veranstaltung ist und von ihr keine Fortschritte für die Verbesserung der Situation von Frauen zu erwarten sind.

Ich freue mich ja schon wahnsinnig auf die vielen zu erwartenden Fotos, der Tausenden von Frauen mit pinken „Pussyhats“, die extra für das Event genäht wurden…. Was für eine starke, feministische Botschaft, die alle Unterdrücker das Fürchten lehrt, nicht wahr? (Manchmal hilft leider nur noch Sarkasmus)

Was noch zu sagen ist

Einige meiner Mitaktivistinnen wollen ihn international als Möglichkeit nutzen um Präsenz zu zeigen und auch andere Botschaften (gegen Männliche Gewalt an Frauen, gegen die Sexindustrie, für die Befreiung der Frau) auszusenden. Das ist legitim und unterstützenswert. Wir wissen, dass auch die Existenz einer sichtbaren Minderheit anderen Frauen eine Stimme gibt, sie sensibilisiert, ihnen bewusst macht, dass es nicht nur liberalen Mainstream-Feminismus gibt, bei dem es irgendwie um alles geht, nur nicht um Frauen. Einen leichten Stand werden sie nicht haben, deshalb ist dieser Mut nicht hoch genug einzuschätzen. Vergnügungssteuerpflichtig wird das jedoch sicherlich nicht.

Eine Gefahr besteht meines Erachtens darin, dass eine Teilnahme von Medien unkritisch als Unterstützung der vom Marsch ausgehenden frauenfeindlichen Positionen ausgelegt wird. Hier gilt es jeweils individuell abzuwägen wie viel Sinn es macht einer solche Veranstaltung, die programmatisch Frauenrechte mit Füßen tritt, beizuwohnen.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Women`s March gibt es auch bei Feminist Current.

Darüber hinaus gibt es auch massive Kritk von schwarzen Frauen, wegen der Aneignung eines Marsches schwarzer Frauen im Jahr 1997.

Manuela Schon

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Gender Mainstreaming und die AfD: eine feministische Betrachtung

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Gender Mainstreaming – alle reden darüber, doch so wirklich verstehen, um was es geht, scheinen nicht alle. Das ist fatal, denn die AfD hat das Thema bereits vor zwei Jahren entdeckt und auf ihrem Parteitag im September 2015  in Baden-Württemberg eine entsprechende Resolution verabschiedet und lädt aktuell zu Vorträgen zu Gender Mainstreaming ein. In der Resolution heißt es:

„Gender Mainstreaming als durchgängiges politisches Leitprinzip in Form einer Querschnittsaufgabe staatlichen Handelns ist auf allen Ebenen unverzüglich und ersatzlos zu beenden […]“ (1)

Über welches „staatliche Handeln“ echauffiert sich die AfD da? Gender Mainstreaming versteht sich als eine präventive Vorgabe, die dafür sorgen soll, dass bei allen öffentlichen Angelegenheiten das Thema Gender – im Sinne von gesellschaftlichen Rollen – immer mitgedacht werden und damit eine Benachteiligung im Vorfeld verhindert werden soll. Es ist in seinem Ansatz etwas anderes als „Gleichberechtigung“, die nur korrigierend in bestehende Regelungen eingreift (Quote, Frauenbeauftragte, etc.). Zunächst also erkennt Gender Mainstreaming an, dass die gesellschaftlichen Rollen hierarchische Unterschiede aufweisen, die sich zum Beispiel in der berühmten gläsernen Decke zeigen, an die Frauen in ihrer Karriere stoßen. „Gender Mainstreaming“, also das Thema Gender in den gesellschaftlichen Mainstream zu bringen, ist eine politische Initiative, in das Leben gerufen vom Bundesministerium für Familie. In der Privatwirtschaft findet sich etwas Ähnliches unter dem Begriff „Diversity Management“. Frauen und Männer (Transpersonen explizit eingeschlossen) sollen also von vorneherein gleichgestellt werden, das Geschlecht darf beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder anderen Ressourcen keine Rolle mehr spielen. Klingt erst einmal toll, ist aus feministischer Sicht aber schwierig, denn er verschleiert reale Ungleichheiten – die ausschließlich Frauen betreffen.

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