Kategorie: Feminismus

Gender Mainstreaming und die AfD: eine feministische Betrachtung

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Gender Mainstreaming – alle reden darüber, doch so wirklich verstehen, um was es geht, scheinen nicht alle. Das ist fatal, denn die AfD hat das Thema bereits vor zwei Jahren entdeckt und auf ihrem Parteitag im September 2015  in Baden-Württemberg eine entsprechende Resolution verabschiedet und lädt aktuell zu Vorträgen zu Gender Mainstreaming ein. In der Resolution heißt es:

„Gender Mainstreaming als durchgängiges politisches Leitprinzip in Form einer Querschnittsaufgabe staatlichen Handelns ist auf allen Ebenen unverzüglich und ersatzlos zu beenden […]“ (1)

Über welches „staatliche Handeln“ echauffiert sich die AfD da? Gender Mainstreaming versteht sich als eine präventive Vorgabe, die dafür sorgen soll, dass bei allen öffentlichen Angelegenheiten das Thema Gender – im Sinne von gesellschaftlichen Rollen – immer mitgedacht werden und damit eine Benachteiligung im Vorfeld verhindert werden soll. Es ist in seinem Ansatz etwas anderes als „Gleichberechtigung“, die nur korrigierend in bestehende Regelungen eingreift (Quote, Frauenbeauftragte, etc.). Zunächst also erkennt Gender Mainstreaming an, dass die gesellschaftlichen Rollen hierarchische Unterschiede aufweisen, die sich zum Beispiel in der berühmten gläsernen Decke zeigen, an die Frauen in ihrer Karriere stoßen. „Gender Mainstreaming“, also das Thema Gender in den gesellschaftlichen Mainstream zu bringen, ist eine politische Initiative, in das Leben gerufen vom Bundesministerium für Familie. In der Privatwirtschaft findet sich etwas Ähnliches unter dem Begriff „Diversity Management“. Frauen und Männer (Transpersonen explizit eingeschlossen) sollen also von vorneherein gleichgestellt werden, das Geschlecht darf beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder anderen Ressourcen keine Rolle mehr spielen. Klingt erst einmal toll, ist aus feministischer Sicht aber schwierig, denn er verschleiert reale Ungleichheiten – die ausschließlich Frauen betreffen.

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Mein Land mag keine Frauen-Imane Chibane

Imane Chibane

© Imane Chibane

Algerien verachtet die Frau…eine Situationsbeschreibung und ein Aufruf

Die Straßen meines Landes mögen keine Frauen. Einfach zu laufen, Gesicht, Haare, und Arme frei an der Luft, wird in diesem sozialen Kontext zu einer Handlung des Aufbegehrens mit großem Risiko….Eine Revolution, ein Akt des Widerstandes….Ich übertreibe? Versuche diesen Körper mit femininen Zügen und Rundungen zu einzunehmen und laufe, gehe, und versuche naiv einfach nur von der Sonne zu profitieren. Das wird zu einer Unmöglichkeit.

Algerien verachtet die Frau.
Die interessantesten meiner schlechten Erlebnisse fanden vor dem algerischen Parlament statt, zwischen dem Viertel „Quartier populaire und Quartier chic“, sogar im Herzen der Hauptstadt, sind wir nicht in Sicherheit.

Kaum wichtig welche Alltagskleidung wir tragen, nicht relevant der soziale Rang oder der ausgeübte Beruf. Wenig relevant ist es, Algerien verachtet die Frau. Und ich, die nie schweigt, sogar nicht bei den Blicken voller Hasses auf mir, der Frustration, den Worten gegenüber, die Dich auf ein Nichts reduzieren. Wie wollen Sie es schaffen, dass ich mein Gesicht senke und weitergehe, als wenn ich nie etwas gesehen habe, nie etwas gehört habe? Ja, ich halte an, ich beleidige, ich blicke zurück….ich spucke in ihr Gesicht.

Sei die Veränderung

Wir, die Frauen in Algerien, sind die Mehrheit in allen Bereichen, aber wir bleiben unterdrückt, zu schwach um eine Revolution anzuführen oder nur um einfach „Schluss, Barakat“ zu sagen. Macht die Veränderung, seit die Veränderung, gegen das Gesetz das uns nicht beschützt, gegen das Schulbuch, das immer noch diktiert, dass unser Platz in der Küche ist schon ab 10 Jahren, und welches die Diktatur des Patriarchats in die jungfräulichen Gehirne brennt.

Revolte? Oder Revolution? Gegen den Iman, der dazu aufruft uns zu unterdrücken, zu schlagen, uns zu unterwerfen durch Zwang…..Aufzustehen, Wiederaufzustehen, aufzuhören zu krepieren unter den Schlägen von denen, die im Namen Gottes aus uns die ewige Sklavin machen wollen.  Gegen den Macho Code der Familie (Gesetz: Code de la Famille); gegen die Firmen, die aus unseren Körper ein Objekt des Marketings machen,; gegen die rückschrittliche Gesellschaft,; gegen diese ganzen Vergewaltiger, diese Diebe, diese Irren; gegen uns, die Frauen, die zu schwach sind um unser Leben wieder in die Hand zu nehmen. Das Absurde ist es, in einem Land zu leben das Dir das Recht gibt Präsidentin zu werden! Aber nicht zu heiraten, zu reisen, oder zu atmen ohne Aufseher.

Lasst uns gegen diese Frauen revoltieren die wir sind, die ihren Töchtern beibringen, wie man sich sittsam verhält, wie man sich anpasst an den Status des Bürgers der zweiten Klasse, anstatt ihnen zu zeigen wie man sich befreit.

Marschiert mit dem Kopf hoch, liebt, sucht Eure Partner aus, oder seid einfach frei dazu, keinen zu haben.
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Männer, Gewalt und kollektive Verleugnung

"Take rape seriously" - Protester with Placard Reproductive rights activist Shelby Knox.

by Women's eNews via Flickr, [CC BY 2.0]

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Dieses Jahr habe ich das erste Mal wieder nach vielen Jahren Silvester außerhalb meiner Wohnung gefeiert. Warum ich das Jahre lang nicht tat, hat Gründe. Der eine Grund ist, dass ich salopp formuliert, meine Couch lieber mag als Party-Locations, der zweite meine Gesundheit, die in den letzten Jahren in einem Zustand war, der mir Feiern überwiegend unmöglich machte. Der dritte Grund und in den meisten Fällen ausschlaggebender Faktor bei der Entscheidung, das Haus zu verlassen, ist die Anwesenheit von Männern oder sagen wir es ein wenig netter, die Anwesenheit der meisten Männer:

Irgendwann hatte ich einfach die Nase voll. Die Nase voll von Grenzüberschreitungen, die Nase voll von Respektlosigkeiten, die Nase voll von „Hab-dich-nicht-so“ und Hinterngegrabsche. Die Nase voll davon, dennoch darüber zu schweigen. Oder die Bitterkeit ganz be-like-the-boys-mäßig wegzulachen, während ich eigentlich heulen möchte oder innerlich erstarre.

Jahrelang haben irgendwelche Therapeuten an mir rumgedoktert, in dem sie mir verklickert haben, dass meine Menschenangst ein einzig pathologischer Faktor ist, den ich mittels Training, Training und nochmal Training überwinden können muss. Niemand – bis auf 2 Ausnahmen – dieser Helfer kam auf die Idee, mir zu sagen: Deine Angst ist berechtigt, es gibt einen Grund, als Frau Angst zu haben. Alles wurde verklärt, erklärt, analysiert, meine Kindheit und Jugend zum Erklärmuster Nummer eins erklärt, verantwortlich dafür, wie krank im Kopf ich bin, dass ich grenzüberschreitende Menschen nicht mag (wer mag die eigentlich?). Gesellschaftliche Analyse: Fehlanzeige. In der Psychotherapie herrschen mehrheitlich Individualschauplätze. Wenn du was nicht erträgst oder nicht funktionierst: selbst schuld, nicht genug angestrengt, so ganz Neoliberalismus-like. Jetzt habe ich eine Therapeutin, die Feministin ist und es geht mir besser. Weil sie das Wegwisch-Spielchen von gesellschaftlichen Hierarchien genauso wenig mitmacht wie ich.

An der chronischen und kollektiven Verleugnung männlicher Gewalt wird stur und hartnäckig festgehalten und zwar immer und fast überall und gerade in diesen Tagen. Auf Teufel komm raus, darf die nicht benannt werden. Male tears und not-all-men-Gerufe dominieren die Debatten. Silvester in Köln ist auch dieses Jahr wieder richtig schön praktisch: sowohl für die rechte als auch – und jetzt alle Luft anhalten –  für die linke Männerbande.

Es sind Männer. Die dürfen sexuelle Gewalt negieren, verharmlosen, sich darüber lustig machen, dass man allen Frauen überall auf der ganzen Welt seit Jahrhunderten Gewalt antut. Männer fahren auf Weihnachtsmärkten in Menschenmengen, zünden Bomben, töten Menschen, führen Kriege, beuten die Menschheit und die Natur aus. Niemand ermahnt sie der Wichtigkeit, dass Antisexismus und Antirassismus nicht gegeneinander auszuspielen sind (davon mal abgesehen, dass das keine getrennten Dimensionen sind). Ihnen wird das durchgelassen und wir kapieren es nicht einmal. Frauen und Feministinnen wird auf die Flossen gehauen, weil einige mehr sich entschlossen haben, nicht mehr weg-ignoriert werden zu wollen. Und klar, irgendwie haben die ja auch das universelle Kümmer-Gen in sich. Männer überschlagen sich mit fadenscheinigen Argumenten und verfallen in kollektive Schnappatmung, weil Frauen ihnen erklären, dass sie es schlichtweg nicht mehr einsehen, permanent unter die Räder zu geraten. Frauenrechte sind in ihren Augen (oder besser Taten) aber lediglich temporäre Symbolpolitik. Den Artikel 3 des Grundgesetzes können sie runterbeten, nur, dass sie die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts irgendwie immer vergessen beim Zitieren. Die Ignoranz, Arroganz und Verlogenheit dieser ganzen Debatte ist jedenfalls mindestens bemerkenswert.

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Flirten auf Deutsch

Bahnsteig, Bahnhof

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Heute Morgen bin ich aufgewacht und es hatte geschneit. Große Freude herrschte, bis mir einfiel, dass Radfahren im Schnee bei mir immer schiefgeht, und ich fahre mittlerweile alle innerstädtischen Wege mit dem Rad. Warum? Weil ich keinen Bock habe, angequatscht zu werden.

Etwas hat sich verändert, wir wissen es alle. Ich erspare mir jetzt den Sermon, dass auch „bio-deutsche“ Männer schlimm sind, sexistisch sind, sexuelle Gewalt ausüben etc., denn darum soll es in diesem Artikel mal nicht gehen. Es ist eine neue Komponente hinzugekommen, und zwar durch männliche Einwanderer aus Ländern mit muslimischer Mehrheitsgesellschaft, nicht alle, aber ein erheblicher Teil von ihnen mit einem heftig abstoßenden Frauenbild. Wir haben alle gehört davon, dass die Gewalt, die sie ausüben, in Zwangsprostitution münden kann, wie in dem Bordell im Flüchtlingslager Idomeni oder die syrischen Frauen in Jordanien, wir haben gehört, dass flüchtende Frauen so vielen Vergewaltigungen ausgesetzt werden auf ihrer Flucht, dass sie sich vor der Flucht die Dreimonatsspritze geben lassen, um nicht schwanger zu werden, dass flüchtende Frauen in Flüchtlingslagern den Status von Freiwild haben und auch in Asyl- und Flüchtlingsheimen Vergewaltigungen, Missbrauch und Belästigungen an der Tagesordnung sind. Zahlreiche Schwimmbäder berichten von Übergriffen, zu viele „Einzelfälle“, um sie zu verlinken.

Zu konstatieren ist, dass viele der männlichen Einwanderer aus Ländern mit muslimischer Mehrheitsgesellschaft und aus Ländern mit Kriegsgebieten ein problematisches Frauenbild mitbringen. Die Frage ist jetzt, was der deutsche Staat dagegen zu tun und wie er Frauen (und zwar ALLE Frauen, auch die migrantischen!) zu schützen gedenkt. Und, um das mal vorwegzugreifen, auch hier scheint zu gelten, dass eine Krähe der anderen anscheinend kein Auge aushackt. Aber der Reihe nach:

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#Silvester2016: Eine zerstörerische Debatte und ihre Folgen für den Feminismus

Frau, die sich wehrt

European Parliament (CC BY-NC-ND 2.0)

Als ich den letzten Artikel des vergangenen Jahres schrieb, konnte ich noch nicht ahnen, welchen Auftakt das neue nehmen würde. In den letzten Tagen wurde wütend gestritten, das ist nichts Neues, doch neu ist die Bruchlinie, die sich zwischen Linken und (Radikal-)feministinnen ergibt und die wir aus feministischer Sicht mit großer Sorge, wenn auch nicht mit wirklicher Verwunderung verfolgen. Keine von uns durfte sich in den letzten Tagen zu Silvester äußern, ohne vorher brav zu bekennen, dass sie Rassismus scheiße findet, ja, sie wurde sogar dazu gedrängt, zuzustimmen, die Polizei in Köln Racial Profiling betrieben, was sachlich einfach falsch ist, wie Manuela Schon hier wunderbar ausgeführt hat. Erst dann durften wir in einem kurzen Nebensatz hinzufügen, dass wir trotzdem froh waren, dass es in Köln „nur“ zwei Vergewaltigungen gab. Inzwischen wissen wir, dass es andernorts, in Wien, Malmö, Hamburg und Dortmund sehr wohl zu Zwischenfällen kam, aber auch darüber dürfen wir nicht reden, ohne dass uns der Vorwurf gemacht wird, den rechten Hetzern das Wort zu reden. Flugs ging auch ein neuer, linker Feminismusblog an’s Netz, der sich aber gar nicht mit Feminismus auseinandersetzt, sondern nur postuliert: „Rassismus ist kein Mittel gegen sexuelle Gewalt.“ Uff.

Was ist Rassismus? Rassismus bedeutet, einem Menschen aufgrund seiner tatsächlichen oder auch nur angenommenen Herkunft bestimmte „angeborene“ Merkmale zuzuweisen, die seinen Charakter betreffen und/oder generalisiert zu unterstellen, alle Menschen aus einem bestimmten Land oder einer Region seien „so oder so“ (hier dann wahlweise abwertende Eigenschaften einfügen“ und damit nicht mehr das Individuum, sondern nur noch seine Herkunft zu bestimmen. Zu den Eigenschaften kommen auch äußere Merkmale wie die Haut- und die Haarfarbe.

Wo kommt Rassismus her? Für uns Feministinnen ist das ganz klar: Rassismus ist ein weiteres Mittel männlicher Herrschaft, mit der die Welt in Herrschende und Beherrschte eingeteilt wird. Mit dem Rassismus erhebt sich der weiße Mann über die anderen und rechtfertigt zum Beispiel die Kolonialisierung. Rassismus ist ein patriarchales Konzept, das sich aus der Geschichte des Patriarchats ergibt: Wir wissen, dass die Unterdrückung der Frau in dem Moment der Menschheit begann, als der Krieger die Bühne der Weltgeschichte betrat und Städte und später Völker begannen, Berufskrieger um Ressourcen gegeneinander kämpfen zu lassen. Um diese Kriege zu rechtfertigen, bedarf es Ideologien und eine dieser Ideologien ist die Abwertung des Gegners. Das Patriarchat ist keine Herrschaftsform, die wir einfach mal so neu erfinden, wir alle, Männer und Frauen, werden in ihm sozialisiert. Männer lernen dann schnell, welche Privilegien ihnen das einbringt, Frauen hingegen kommen häufig an den Punkt, an dem sie bemerken, dass für sie andere Regeln gelten, als für Männer. Feminismus ist die Widerstandbewegung gegen das Patriarchat und alles, was es bedeutet, deshalb ist Feminismus per se antirassistisch, man kann ihn gar nicht anders denken.

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Lasst uns doch mal über No-Go-Areas und Grundrechte von Frauen reden

Fight Sexism Graffiti

by Metro Centric via Flickr, [CC BY 2.0]

2016 startete mit einer bundesweiten Debatte über…
Rassismus

Rund 650 Frauen wurden auf der Kölner Domplatte Opfer sexueller Übergriffe (Betatschen, sexuelle Nötigung, in 21 Fällen auch versuchte oder vollzogene Vergewaltigung). Insgesamt wurden 900 Sexualdelikte zur Anzeige gebracht (manche wurden mehrfach Opfer).
Statt über die Tatsache zu diskutieren, dass öffentliche Räume zunehmend für Frauen durch sexuell-aggressives Verhalten von Männern zu No-Go-Areas werden, musste eine schnelle Abwehr von „Rassismus“ her: Das sexuell-aggressive Täterverhalten der „Anderen“, wurde durch das sexuell-aggressive Verhalten der „Eigenen“ weggeredet, was am Ende einen legitimierenden Effekt hat (Boys will be Boys)
Im Regen stehen gelassen: Opfer sexueller Gewalt.

Hard Facts:
• Es kam nicht vermeintlich, sondern tatsächlich zu massenhaften sexuellen Übergriffen aus der Deckung von Gruppen heraus von Männern gegen Frauen (unterschiedlicher Hautfarben und Pass-Ausstellungsbehörden)
• Diese wurden begangen von Männern. Diese Männer kann man genauer spezifizieren: Von den 183 (ermittelten) Beschuldigten waren 55 Marokkaner, 53 Algerier, 22 Iraker, 14 Syrer und 14 Deutsche. Knapp die Hälfte (73) waren Asylsuchende.
• Auch wenn sexuelle Gewalt auch durch „bio-deutsche“ Männer an der Tagesordnung ist: „Taharrush“ ist ein männliches Phänomen, von dessen Existenz wir erstmalig in den ägyptischen und tunesischen Aufständen erfahren haben (viele haben vielleicht sogar erst nach Silvester 2015/2016 davon gehört). Während deutsche Männer gerne gemeinschaftlich in den Puff gehen um (überwiegend prekarisierte, ausländische) Frauen zu belästigen und kommerziell zu vergewaltigen, haben Männer aus anderen Ländern andere Techniken zum male bonding entwickelt. Prinzip gleich, Ort und Praxis nicht gleich.
• Bis Juli 2016 gab es beeindruckende vier Verurteilungen (hat jemand nen aktuelleren Stand? – Sachdienliche Hinweise willkommen)

2017 startete mit einer bundesweiten Debatte über…
Rassismus

Trotz massiver Polizeipräsenz und polizeilichen Maßnahmen kam es an Silvester 2016/2017 also erneut zu sexuellen Übergriffen auf der Kölner Domplatte, die sich zwar „nur“ im zweistelligen und nicht mehr im fast vierstelligen Bereich bewegen, aber es kam zu sexuellen Übergriffen. Fakt

Darüber redet aber jetzt niemand, weil „es hätte ja noch schlimmer sein können“. Aha.

Statt also darüber zu reden, dass es auch Silvester 2016/2017 eine No-Go-Area für Frauen auf der Kölner Domplatte durch sexuell-aggressiv auftretende Männer gegeben hat, reden wir – wieder – über Rassismus.
Stein des Anstoßes: „Nordafrikanisch aussehende“ Männer, die auch noch ein paar andere Merkmale (s.u.) erfüllten, wurden Personenkontrollen unterzogen und bekamen teilweise Platzverweise. Die Rede ist von Racial Profiling.

Wie ein „nordafrikanischer“ Mann aussieht ist mir irgendwie unklar, erkennen allein ob optischer Merkmale funktioniert nicht wirklich. Ich selbst wurde mal in Norwegen für eine Türkin (vielleicht weil damals schwarzgefärbte Haare) und in Spanien für eine Estnin (vielleicht weil sehr helle Haut) gehalten. Wie breit denn auch „nordafrikanisch“ von der Polizei definiert wurde, kann man gut auf den Fotos sehen, da sind einige dabei, die ich persönlich ja vom Aussehen her für lupenreine Kartoffeln gehalten hätte.

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Linke Männer oder wie ich Feministin wurde

Mann und Frau

jan bocek (CC BY 2.0)

Manchmal fragen mich Männer, die ich von früher kenne, warum ich Feministin bin. „Ist doch klar, dass der Kapitalismus an der Unterdrückung der Frau schuld ist“, sagen dann die, mit denen ich früher in verrauchten Keller zusammen saß und über die Weltrevolution diskutierte, mir auf Demos die Stimme heiser brüllte, die Fingerspitzen blau von der Farbe auf unseren Flugblättern und das Herz voll Leidenschaft für die Rettung der Welt. „Wenn der Widerspruch in den Produktionsverhältnissen überwunden ist, dann endet auch die Unterdrückung der Frau.“ Das sagen sie und lächeln, ganz so, als sei es fast schon traurig, mir nach all den Jahren noch immer oder schon wieder das Offensichtlichste erklären zu müssen, ein wenig nachsichtig, denn ich bin ja eine Frau und außerdem habe ich Kinder und bin eigentlich schon lange ein wenig bürgerlich und ich sehe sie an, diese nicht mehr ganz jungen Männer, von denen ich die meisten schon früher ziemlich dämlich und langweilig fand und die heute noch viel langweiliger sind und in mir steigt Wut auf.

Ich erinnere mich an jene Zeit, in den Kellern, auf den Demos. Ich erinnere mich daran, dass es immer die Männer waren, die sprachen, laut, mit dröhnender Stimme, die uns in endlosen Monologen darzulegen versuchten, wie sehr sie den Durchblick hatten, jeder von ihnen mindestens ein neuer Rudi Dutschke oder gleich Che Guevara. Von uns Frauen, von uns ganz jungen Frauen, sprach nur selten eine. Wir waren nur Zierde, wir durften nur dabei sein, um zu bewundern und um Kuchen zu backen. Sprach eine von uns, so musste sie damit rechnen, von den Männern, den alten und den jungen, regelrecht auseinander genommen zu werden. Zu viel Gefühl, zu wenig revolutionäre Attitüde. Wir Frauen, wir bringen es einfach nicht. Hormone, PMS und all das. All das schwang immer mit, wenn sie sich diese männerbündischen Blicke zuwarfen, mit spöttisch zuckenden Mundwinkeln. Die wenigsten unter uns ertrugen das, die meisten liefen rot an, begannen zu stottern und sagten nie wieder etwas. Das Diskutieren überließen wir lieber wieder den Männern.

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#2016 – ein Jubeljahr für den many faced god namens Patriarchat

Stop Patriarchy international women's day protest in North Beach

Steve Rhodes (CC BY-NC-ND 2.0)

Eigentlich wollte ich diesen Artikel „#2016 – go fuck yourself“ nennen, so ernüchternd ist die Bestandsaufnahme des scheidenden Jahres aus feministischer Sicht.  Es ist ein Jahr voll männlicher Gewalt und einer erstaunlichen Vitalität der patriarchalen Misogynie, die alle gesellschaftlichen Transformationsprozesse überlebt. Sie ist, in Anlehnung an Game of Thrones, der „many faced god“, dem unsere Welt in unzähligen Gestalten huldigt, eine Hydra, der, sobald man einen Kopf abschlägt, sofort wieder ein neuer nachwächst. Ganz gleich, wie sehr versucht wird, uns mit dem Begriff des „Postfaktischen“ zu verwirren, unser Gegner heißt nach wie vor Patriarchat und gegen ihn haben wir 2016 gekämpft und wir haben ein gutes Spiel hingelegt. Wir hatten tolle Spielerinnen und gute Vorlagen, doch leider war der Schiedsrichter geschmiert und die Hälfte unserer Mannschaft spielte eigentlich für das gegnerische Team. Schauen wir es uns an, dieses Spiel Patriarchat gegen Frauen 2016:

Heute Nacht jährt sich die Silvesternacht von Köln zum ersten Mal. Viel ist darüber gesprochen und gestritten worden und die Angst ist groß, dass sich etwas Ähnliches wiederholen könnte. Das Gefühl ist, nach dem Mord von Freiburg, den Vergewaltigungen in Bochum und den anderen sexuellen Übergriffen von Flüchtlingen anderswo, insbesondere aber nach dem Anschlag von Berlin, dass unser Land eine weitere Nachricht über kriminelle Flüchtlinge nicht erträgt, dass dann „die“ endgültig Recht haben und etwas zum Feiern. Gerade in linken Zusammenhängen setzte sich auch in der Folge die Meinung durch, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Die Verlierer waren, wie so oft, die Opfer. In den nachfolgenden Prozessen wurden schließlich auch noch alle Anklagen wegen sexueller Gewalt fallengelassen. Auf einen Schlag 3:0 für das Patriarchat. Was für ein Spielauftakt!

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Die Sauvage „Affäre“ oder das vierfache Scheitern der französischen Justiz

Hand

{bathe in light} (CC BY-NC-ND 2.0)

Wenn eine Frau sich auf einen Mann einlässt, und einen Teil ihres Lebens mit ihm verbringen will, geht sie ein unermässliches Risiko für ihre Gesundheit, und ja sogar ihr Leben ein. Diese Wirklichkeit wird von den meisten Medien, den meisten PolitikerInnen ignoriert und in der Öffentlichkeit verschwiegen. Die heterosexuelle Beziehung bleibt idealisiert und romatisiert, obwohl ein Viertel der Ehen eine Anhäufung von tagtäglichen Belästigungen, Drohungen oder sogar Quälereien darstellt, mit der Gefahr vom geliebten Mann sogar getötet zu werden.

Unsere Gesellschaft hat Schwierigkeiten, diese Gewalt anzuerkennen und lässt sie in ihrer Mitte geschehen. Das Zugeben ihrer Existenz wird als generalisierte Anklage des Mannes wahrgenommen und befreit die Täter somit von ihrer Verantwortung. Also spricht man viel lieber von “Familiengewalt“ oder häusliche Gewalt, als ob Häuser schlagen würden, um Männern diese allgemeine Beschuldigung zu ersparen, obwohl bei Weitem nicht alle Männer gewalttätig sind, diejenigen aber, die es sind meistens mehrere Opfer haben, zum Teil weil sie unbestraft bleiben.

Der Fall zeigt ein schreckliches Versagen unserer Justiz und unserer Polizei: Die Staatsdienste, die unsere Sicherheit gewährleisten sollten, versagen darin, die Hälfte der Bevölkerung zu schützen.

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Komm, wir spielen unsichtbar sein – Wie Opfer sexueller Gewalt wegdekonstruiert werden

Frau am Fenster

Rising Damp: Disappear, Flickr, CC BY SA 2.0

Es gibt Gründe, warum ich mich an der Uni nicht wohlfühle. Ich meine jetzt gerade mal nicht die klassistischen Strukturen da, die mich jedes Mal wieder spüren lassen, dass Uni nichts für welche wie mich ist. Konkret meine ich, dass sich an der Uni eine Haltung breitgemacht hat, in der die Art des Sprechens über Dinge plötzlich wichtiger ist als die Analyse derselben. Immer wieder sitze ich im Seminar und werde berichtigt. Vor allem drei Einwände tauchen immer wieder auf:

  1. „Wenn du sagst, dass Frauen unterdrückt werden, zementierst du diese Realität ja, du machst damit das Gleiche wie die Unterdrücker!“
  2. „Du kannst nicht den undifferenzierten Begriff „Patriarchat“ verwenden. Es werden nicht nur Frauen unterdrückt!“
  3. „Die Bezeichnung „Opfer“ solltest du nicht verwenden, die ist stigmatisierend.“

Ich verlasse diese Veranstaltungen jedes Mal mit einem Gehirnbrei, den ich nicht auseinanderklamüsert kriege. Und frage mich: verlassen Menschen, die sowas sagen, eigentlich jemals die Universität? Kamen sie überhaupt schonmal mit der Realität in Kontakt? Wo zur Hölle kaufen sie ein? Im gesafespaceten Laden irgendwo in einer genderbefreiten Bubble?

Diese Denke des liberalen Feminismus verursacht mir Unbehagen. Warum sie so problematisch ist, lässt sich gut an Hand zweier Interviews, die die Kulturwissenschaftlerin Mithu Melanie Sanyal der Süddeutschen gegeben hat, zeigen.

http://www.sueddeutsche.de/leben/rape-culture-wir-entmuendigen-vergewaltigte-frauen-1.3183107

Das Interview, welches unter der Überschrift „Wir entmündigen vergewaltigte Frauen“ abgedruckt wurde, wird eingeleitet mit:

„Frauen sind Opfer, Männer Triebtäter: Wenn es um Vergewaltigungen geht, kommen überholte Geschlechterbilder hoch. Die Autorin Mithu Sanyal ergründet, warum.“

Man könnte jetzt denken: Diese „überholten“ Geschlechterbilder kommen deswegen hoch, wenn man an Vergewaltigungen denkt, weil sie die Realität sind. Man könnte denken, dass diese Geschlechterbilder, wenn es um Vergewaltigungen geht, vielleicht nicht überholt sind, was ja hieße: die Bezeichnung bzw. die Assoziation, die diese Bezeichnung hervorruft, hinkt der Realität hinterher. Sondern dass sie zutreffen. Kurzer Faktencheck zum Thema Vergewaltigungen: Fast jede 7. Frau in Deutschland wurde schon einmal vergewaltigt. Dunkelfeld nicht mit eingeschlossen, denn nur 15% dieser Frauen gehen zur Polizei. Überholte Geschlechterbilder? Wirklich?

Erläutert werden soll laut Fragestellung in diesem Interview, warum über Vergewaltigung so „emotional und undifferenziert“ gesprochen wird wie bei keinem anderen Verbrechen. Zudem soll die Frage: „Wie kann man Vergewaltigungen verhindern?“ geklärt werden.

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