Kategorie: Interviews

„Boykottiert 50 Shades of Grey!“: Im Interview mit Caitlin Roper von Collective Shout über die Protestkampagne #50shadesisabuse

Unter #50shadesisabuse rollt die Kampagne gegen den zweiten Teil von 50 Shades of Grey, der am 14. Februar 2017 – Valentinstag – in die Kinos kommt. Wir haben mit Caitlin Roper von Collective Shout ein Interview zur Kampagne geführt.
Die Störenfriedas: Hallo Caitlin! Du bist die Gründerin von Collective Shout. Kannst du uns etwas über diese Organisation erzählen?
Caitlin Roper: Collective Shout ist eine australische, landesweite Graswurzelbewegung, die sich gegen die Objektifizierung von Frauen und die Sexualisierung von Mädchen in den Medien, der Werbung und der Populärkultur wendet. Wir kämpfen gegen die Sexindustei und die Kommerzialisierung von Frauenkörpern, inklusive Pornographie, Prostitution und Menschenhandel.
Nur um das klarzustellen, ich bin nicht die Gründerin – Collective Shout wurde von einer Gruppe von Frauen gegründet, denen diese Themen am Herzen lagen und ich stieß etwa ein Jahr später dazu. Ich bin die Kampagnen-Managerin.

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„Wenn wir für jene am Rand der Gesellschaft eintreten, sind wir alle stärker“ – ein Interview mit Jessica vom Women’s March Heidelberg

Mira Sigel führte ein Interview mit einer Organisatorin des Women’s March in Heidelberg.
Vielen herzlichen Dank an Jessica und ihr Team für ihr Engagement und für das Interview.

Mira: Hallo Jessica, du und eine Gruppe anderer Frauen habt den Women’s March in Heidelberg organisiert. Kannst du uns mehr über die Frauen erzählen, die hinter dem Women’s March Heidelberg stecken?

Jessica: Hi Mira, der Heidelberger Women’s March wurde von ein einer Kerngruppe aus 8 Frauen organisiert. Wir haben uns zusammengefunden, nachdem ich einem Post veröffentlicht hatte, in dem ich Leute dazu aufrief, einen Marsch in einem Pantsuit Forum auf Facebook zu organisieren. Wir sind alle amerikanische Statatsbürgerinnen (mit Ausnahme einer binationalen Deutsch-Amerikanerin). Zusammengeschlossen haben wir uns, weil wir merkten, dass es notwendig ist, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, nachdem wir diverse Organisationen vergeblich kontaktiert hatten. Keine von uns hatte Erfahrung darin, einen Marsch oder ein vergleichbares Event dieser Größe zu organisieren. Wir engagieren uns alle in verschiedener Weise im sozialen Aktivismus, haben aber noch nie so etwas Großes gestaltet. Wir haben alle unterschiedliche berufliche Hintergründe – Akademikerinnen, Geschäftsfrauen, sind in Elternschaft, Unternehmerinnen, Juristinnen, Übersetzerinnen und Lehrerinnen. Es gibt keine Hierarchien in unserer Gruppe, keine Anführerin oder Vorsitzende – wir alle arbeiten als Gleichberechtigte zusammen, indem jede ihre Stärken einbringt. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein Team (aller Geschlechter) in vollkommener Einheit erlebe. Es gibt keine Konkurrenz, keine Streits, keine emotionalen Verletzungen, sondern absoluten Respekt und Unterstützung untereinander. Ich bin so glücklich darüber, dass ich eine solch unglaubliche Gruppe gefunden habe, mit der ich zusammen arbeite.

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„Es muss sich ganz viel ändern“ – im Interview mit Gerhard Schönborn von Neustart e.V.

Die Störenfriedas: Du arbeitest seit vielen Jahren als Streetworker für den Verein Neustart e.V. an einem Straßenstrich in Berlin. Was hat sich in der Prostitution in den letzten Jahren verändert?

Gerhard Schönborn: Ich kenne den Straßenstrich Kurfürstenstraße seit über zehn Jahren. Als ich als Streetworker angefangen habe, standen dort überwiegend Frauen, die sich mit dem Geld ihre Drogen finanzierten. Dann gab es in einigen Straßenabschnitten und Seitenstraßen deutsche Frauen mit Zuhältern sowie deutsche Frauen, für die sich in manchen Kreisen der Begriff „Sexarbeiterin“ eingebürgert hat. Vor meiner Zeit wurde dieser Drogenstrich vor allem durch „Christiane F.“ bekannt. Früher war die Straße als „Babystrich“ berüchtigt, weil sehr viele Minderjährige dort standen. In meiner Anfangszeit gab es zwar auch immer wieder mal ganz junge Mädchen, aber nicht in dem Maße, wie in den 1980er und 90er Jahren.

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Interview: Lasst uns das Patriarchat gemeinsam bekämpfen

We All Can Do It - Poster

We all can do it - Poster by Valentin Brown, via Soirart/Tumblr

Wie im Artikel „Wir könnten Verbündete sein…“ angekündigt, wollen wir zukünftig regelmäßig muslimische Feministinnen bei uns zu Wort kommen lassen. Den Anfang machen wir mit einem Interview mit Yasemin.

Die Störenfriedas: Liebe Yasemin, erzähle uns was über dich und deinen feministischen Aktivismus: In welcher Form engagierst du dich für die Befreiung der Frau?

Yasemin: Für die Befreiung der Frau engagiere ich mich seit jeher in allen Formen. Ich war noch ein Teenager und mir war höchstwahrscheinlich das Wort Feminismus noch unbekannt, als mein Engagement begann, und zwar indem ich Literatur las, in der es um die Unterdrückung der Frau ging (z. B. Prostitution, Gewalt im Namen der Ehre, sexuelle Gewalt). Dazu gehörten z. B. Simone de Beauvoir, Seyran Ates und Alice Schwarzer.

In meinem türkischen Elternhaus war mir bereits früh klar, dass die Dominanz meines Vaters über meine Mutter etwas Unnatürliches, Ungerechtes, Vergiftendes hatte. Fast nicht zu ertragen war für mich jedoch die Situation meiner türkischen Freundinnen, die mir oft wortwörtlich aus dem Spielplatz, in dem wir gerade noch im Sand gespielt hatten, weggenommen und verheiratet wurden. Eine sehr enge Freundin, mit der ich fast jeden Tag auf dem Spielplatz war, sagte mir nach den Sommerferien – sie war gerade 13 geworden – dass sie nun verlobt sei und im kommenden Jahr verheiratet sein würde. So kam es dann auch. Mit 15 bekam sie ihren Sohn. Diese Dinge waren es, die mich als Teenager zu meinem Kampf für die Befreiung der Frau führten.

So begann ich Türkinnen in meinem Freundeskreis vor der Zwangsverheiratung zu „retten“, und zwar indem ich ihnen bei der Flucht in ein Frauenhaus oder auch einige Male zu ihrem heimlichen Freund half. Ich kann mich an Situationen erinnern, in denen türkische Eltern wutentbrannt vor der Tür meines Elternhauses standen und mich mit bedrohlichen Gesten – vergeblich – dazu bringen wollten, das Versteck ihrer Tochter zu verraten.

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„Maskulisten sind Schaumschläger!“

We Can Do It - Poster

By J. Howard Miller, artist employed by Westinghouse, poster used by the War Production Co-ordinating Committee [Public domain], via Wikimedia Commons

Störenfrieda: „Hallo Isi, wie geht es dir?“

Isi: „Soweit ganz gut. Ich fühle mich bestens unterhalten. Diese Gesellschaft kommt ihrer Unterhaltungspflicht bestens nach, jedenfalls mir gegenüber.“

Störenfrieda: „Was amüsiert dich denn?“

Isi: „Habt ihr am Dienstag die Sendung „Menschen bei Maischberger“ gesehen? Hieß „Krieg um Kinder“. Da war Detlef Bräunig zu Gast. Er bekannte sich zur Unterhaltsprellerei und sorgte für Empörung.“

Störenfrieda: „Du meinst Detlef Bräunig oder Leutnant Dino, wie er sich nennt? Hattest du den nicht verklagt?“

Isi: „Ja, auf Unterlassung. Er hatte ohne meine Zustimmung Personendaten und Bilder veröffentlicht. Ich nehme an, er war wohl wütend auf mich, weil ich auf meinem Blog einen seiner rassistischen Beiträge kritisiert habe. Das Landgericht entschied, dass er dies zu unterlassen habe.

Störenfrieda: „Wie kam er an diese Bilder und Daten?“

Isi: „In der Maskulisten-Szene werden in Dossiers Daten über Bloggerinnen und Autorinnen gesammelt, die als Feministinnen erkannt werden, um ihnen zu schaden. Das Dossier über mich trägt die Artikelnummer 12. Das Internet vergisst wenig und hier da fallen Informationen an, die dann zusammengestellt werden und jedem zur Verfügung gestellt, der sich als wahrer Antifeminist in den Kampf gegen den Feminismus stürzen möchte.“

Störenfrieda: „Er schreibt, du hättest dieses Bild selbst veröffentlicht.“

Isi: „Ja, genau. ICH habe ein Bild von mir veröffentlicht und zwar auf meinem Blog. Das gibt ihm nicht das Recht ebenfalls Bilder von mir auf seinem Blog hochzuladen. Als abgebildete Person muss ich bei der Veröffentlichung von Portraitaufnahmen zustimmen oder habe das Recht die Veröffentlichung zu unterbinden. Zumal er auch nach Klagezustellung das Bild noch mit Seitenscheitel und Hitlerbärtchen erneut publizierte. Im Verfahren meinte er, der schwarze Punkt auf der Oberlippe und der Scheitel dienten der Unkenntlichmachung. Das überzeugte das Gericht nicht.“

Störenfrieda: „Wie hast du das Verfahren erlebt?“

Isi: „Zum ersten Termin vor dem Amtsgericht haben mich viele Freunde und Freundinnen begleitet. Das war sehr gut. Ich wußte nicht so recht was auf mich zukommen wird. Die Verhandlung endete mit der Verweisung an das Landgericht, da sich nicht zuletzt durch die Nachveröffentlichung, der Streitwert erhöht hat. Da vor dem Landgericht Anwaltszwang besteht, war anzunehmen, dass es mit einem Versäumnisurteil zu meinen Gunsten ausgeht.“

Störenfrieda: „Du hast das Verfahren gewonnen?“

Isi: „Ja. Das Internet ist ja kein rechtsfreier Raum. Unter Ankündigung von Ordnungsgeld oder Ordnungshaft wurde ihm auferlegt, zukünftig weder meinen Namen, noch Bilder oder sonstige Daten zu meiner Person zu veröffentlichen. Im Buch „Die Maskulisten“ habe ich dazu meine Erfahrungen niederschreiben dürfen. Ich nehme mal an, dass ich die einzige Klägerin bin, die erfolgreich gegen ihn geklagt hat, mit der er weder Sex noch Kinder hat.“

Störenfrieda: „Warum war dir das so wichtig und was hat´s gebracht?“

Isi: „Wichtig war das für mich, um irgendwie ein Zeichen zu setzen. Es sollte lauten: Bis hierher und nicht weiter. Wichtig ist es auch, weil unsere Beziehung zu einander, eine andere ist, als in seinen sonstigen verlorenen Prozessen. Wir hatten nämlich überhaupt keine persönliche Beziehung zu einander. Das verschafft mir eine andere Basis der juristischen Auseinandersetzung. Als er die Klage zugestellt bekam, konnte der sonst so coole Macho tagelang nicht schlafen. Hat mir seine Ex erzählt. Mich hat das amüsiert. In einem Verfahren unterlegen zu sein, in dem es nicht um Unterhaltsansprüche geht, ist eine neue Erfahrung für ihn. Ans Prozesse verlieren hatte er sich ja schon gewöhnt und redet sich seit dem jede Niederlage schön.“

Störenfrieda: „In seinen Kommentaren schreibt er, dass es dir nur ums Geld gehen würde. Stimmt das?“

Isi: „Wenn es mir ums Geld gehen würde, dann hätte ich ihn auf Beleidigung und Schadenersatz verklagt und nicht auf Unterlassung. Vom angedrohten Ordnungsgeld bei Zuwiderhandlung sehe ich auch keinen Cent. Einem Mann in die Tasche zu greifen, der so viel Zeit und Aufwand darauf verwendet, sich arm zu rechnen, ist sadistisch.“

Störenfrieda: „..und sadistisch willst du nicht sein?“

Isi: „Nein, einen Masochisten schlägt man nicht.“

Störenfrieda: „Wie hast du das Verfahren erlebt? Hast du Bräunig mal kennengelernt?“

Isi: „Ich habe ihn an den beiden Verhandlungstagen getroffen. Wir saßen uns in den Gerichtssälen gegenüber. Er trat als Mann von Welt auf, der dann um Fahrtkostenrückerstattung bettelt und auch da scheitert. Es war die großartigeste Darstellung einer am eigenen Mannsein gescheiterten Existenz nach Alvy Singer.“

Störenfrieda: „Möchtest du unseren Leserinnen noch einen Rat mit auf den Weg geben?“

Isi: „Ja, mehrere. 1. Schließt eine Rechtsschutzversicherung ab. 2. Wehrt euch und stellt es klug an. 3. Glaubt bloß nicht, dass Maskulisten irgendetwas besser könnten oder wüssten als ihr selbst. 4. Maskulisten sind Schaumschläger.“

Störenfrieda: „Vielen Dank für das Gespräch!“

Isi: „Bitte. Gern.“