Kategorie: Mutterschaft

Bücher zum Thema Borderline Persönlichkeitsstörung bei Müttern

Mutter mit Kinderwagen auf einer Bank

Angela Schlafmütze (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ein Gastbeitrag von Juliane Beer

Innerhalb der letzten Jahre ist einiges rund um das gesellschaftliche Konstrukt Mutterschaft publiziert worden, beispielsweise zum Thema Bedauern der Mutterschaft, gewollte Kinderlosigkeit, Mutter-Tochter-Verhältnis usw.

Ein Thema kommt jedoch nach wie vor zu kurz, sowohl im Mainstream als auch in der feministischen Diskussion: psychisch kranke Mütter, die schwere Gewalt gegen ihre Kinder ausüben.

Woran liegt das?

Nach wie vor ist das Mutterbild unserer Gesellschaft vom Patriarchat konzipiert. Die ideale, die heilige Mutter ist die Frau, die Mutterschaft anstrebt und in der Pflege, Sorge und Erziehung ihrer Kinder aufgeht und diese liebt.

Die Erwartungen sind hoch. Berufstätigkeit oder Verzicht auf Mutterschaft muss vom Patriarchat zugestanden oder zumindest als Möglichkeit erwogen werden, sonst taucht eine Diskussion darüber erst gar nicht in den sogenannten meinungsbildenden Medien auf, bzw. wird, wie letztes Jahr geschehen beim Thema regretting motherhood (ausgelöst wurde die Diskussion durch die 2015 veröffentlichten Studie der israelischen Soziologin Orna Donath über Frauen, die es bereuen, Mutter geworden zu sei) als ´Rumgeheule narzisstischer Frauen, die sich beim Ichsein gestört fühlen ´ abgebügelt. Weiterlesen

Die „natürliche“ Geburt: Macht über Frauenkörper

Schwangerschaft, Frau

via Pixabay, Public Domain CC0

Gesundheitsminister Gröhe (CDU) hat sich schon des Öfteren als paternalistischer Hüter des Frauenwohls offenbart, etwa, als er dagegen war, die Pille danach rezeptfrei auszugeben, angeblich, um die Frauen zu schützen. Wenn die CDU sich um Frauenkörper sorgt, kommt dabei selten etwas Gutes heraus, zu tief reichen die christlich-patriarchalen Wurzeln dieser Partei (wir erinnern uns kurz daran, dass die CDU den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ nicht im Grundgesetz haben wollte und Adenauer anschließend mehrere Jahre verfassungswidrig gegen ihn handelte und auch die Sache mit der Vergewaltigung in der Ehe war noch Mitte der 90er Jahre nicht allen CDUlern einsichtigt, vom Thema Abtreibung wollen wir gar nicht erst anfangen).

Nun aber hat Gröhe zu unserem Leidwesen nach der Schlappe mit der Pille danach erneut das Thema „Frauenkörper“ – und dabei natürlich ihre Reproduktionsfähigkeit – für sich entdeckt. In einer Pressemitteilung verkündete sein Ministerium, dass vier Studien mit einem Gesamtvolumen von 150.000 Euro sich mit Kaiserschnitten in Deutschland beschäftigen werde.  Kaiserschnitte, so heißt es, sollen nur noch dann durchgefüht werden, wenn sie medizinisch notwendig seien. Wann sie das sind, soll anhand einer Leitlinie, in die die Ergebnisse der vom Bundeministerium für Gesundheit durchgeführten Studien einfließen, festgelegt werden. Wer sich nun das Verhältnis der CDU zu Frauenkörpern in der Vergangenheit ansieht, ahnt bereits, dass das Wohl der Frauen hier die geringste Rolle spielt.

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Ich.bin.alleinerziehend

Mother

Owly9 via Flickr,  [CC BY-NC 2.0]

In der letzten Zeit wird viel über Stigma geredet. Prostituierte haben eins, Flüchtlinge auch. Stigma ist scheiße. Es ist ein unsichtbares Gefängnis, eine Fessel, die dich in einer bestimmten, besonders unangenehmen Ecke der Gesellschaft festhält und nicht entkommen lässt. Knapp 2,5 Millionen Frauen (ja, Frauen, denn sie machen über 90 Prozent der Alleinerziehenden aus, Tendenz steigend) in Deutschland sind alleinerziehend. Das Stigma, das sie erleben, ist so vielfältig und von so vielen Diskriminierungen durchmischt, dass es notwendig ist, es in seine Einzelteile zu zerlegen, um es in all seiner Drastigkeit zu verstehen.

Du.bist.nicht.gut.genug

Jüngst musste ich mit meiner Tochter, die bald eingeschult wird, zur sogenannten „Sprachstands-Feststellung“. Da wurden dem Kind sinnlose Fragen gestellt, um festzustellen, ob es auch ja deutsch spricht oder die Farben auseinander halten konnte. Es ist zugleich aber auch ein ziemlich offenkundiges Abklopfen von Familienverhältnissen. „Und“, fragte die nette Tante Lehrerin meine Tochter. „Spielst du denn auch manchmal mit deinem Papi?“ Meine fünfjährige Tochter blickte sie ganz ruhig an und antwortete: „Ich habe keinen Vater. Der wohnt woanders und hat eine neue Familie.“ „Oh“, kam es in süßlichem Ton zurück, erfreut, so in das Schwarze getroffen zu haben. „Das ist aber traurig.“ „Finde ich nicht“, entgegnete meine Tochter. „Mein Vater ist nämlich bescheuert. Weil er bei einer Frau wohnt, die mich nicht mag.“ An der Stelle schritt ich ein und sagte: „Sie kennt dich ja gar nicht. Was sie nicht mag, ist, dass er von ihr weg ist.“ Meine Tochter nickt, als würde sie das ganze Abgründige an dieser Aussage verstehen. Die Lehrerin mustert mich. Immerhin hatte ich mitten am Tag Zeit zu diesem Termin zu kommen. Ob ich wohl von Hartz IV lebe? Ich erwidere ihren Blick. Ich kann ohnehin nicht ändern, was sie denkt. Die Schublade hat sich geschlossen. Ich bin eine Frau, der es nicht gelungen ist, meinen Partner bei mir zu halten. Ich habe das meinem Kind angetan. Vermutlich bin ich eine fürchterliche Person, die es dem Vater UNMÖGLICH gemacht hat, bei seinem Kind zu sein. Oder promiskuitiv. Oder beides. Jedenfalls hat er der Vater keine Schuld. Niemals.

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Feindbild Mutterglück – warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist

Buchcover: Feindbild Mutterglück

Antje Schmelcher: Feindbild Mutterglück, orrell füssli Verlag, 2014

Hat der Feminismus die Mütter vergessen? Warum sind Mütter in den Augen vieler Queer-Feministinnen voller Privilegien, wegen derer man sie kritisieren muss? Und ist es wirklich so verwerflich, so unemanzipiert, wenn eine Frau einfach Mutter sein möchte? Antje Schmelcher beschreibt in Feindbild Mutterglück – warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist, wie Frauen als Mütter heute einer Vielzahl von Diskriminierungen und unerfüllbaren Leistungsansprüchen betroffen sind.

Mütter werden ständig bewertet. Sie sind entweder zu jung oder zu alt, zu ehrgeizig oder asozial. Sie haben zu viele oder zu wenig Kinder. Als hysterisch, chronisch überfordert und manipulierbar gelten sie auch noch, kaum in der Lage, den eigenen Nachwuchs zu erziehen. Die Gentrifizierung wird an ihren Kinderwagen abgelesen, ebenso die Höhe der Sozialhilfe. Die Vollzeitmutter gilt als Luxusmodell oder als prekär.

Tatsächlich versucht sich Deutschland seit einigen Jahren in einer „aktiven Bevölkerungspolitik“. Gut ausgebildete Akademikerinnen werden mit dem Elterngeld belohnt, sollen aber auch möglichst nach einem Jahr zurück in den Job. Alle anderen, die Alleinerziehenden, die schlecht ausgebildeten und alle die, die ihre Kinder länger selbst betreuen wollen, werden schon durch die staatlichen Leistungen diskriminiert.

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Hysterektomie und Sterilisation – männliche Macht in der Gynäkologie

High-end operating room

By Keeve (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Die Unerfreulichkeit und auch Gewalt einer Geburt durch Dammschnitt oder Kaiserschnitt setzt sich ebenso bei anderen gynäkologischen Eingriffen und Interventionen fort. Das Patriarchat und somit männliche Medizin zeigt überall seine hässliche Fratze.

In Deutschland werden pro Jahr um die 150.000 Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) durchgeführt. Dies ist unverändert die häufigste Operation in der Gynäkologie. In den USA hat sogar mehr als ein Drittel aller Frauen über 60 bereits diesen Eingriff hinter sich. Es ist bekannt, dass Hysterektomien unnötig sind und nur ca. 6 Prozent erforderlich sind. Alternative Behandlungsmethoden zum Beispiel bei Myomen sind aber langwieriger. Wieso aber, wenn bekannt ist, dass Hysterektomien viel zu häufig durchgeführt werden, verändern sich die Zahlen der Eingriffe nicht? Natürlich hat es etwas mit männlich dominierter Medizin zu tun. Frauen, denen angeraten wird, eine Hysterektomie durchführen zu lassen, sind in der Regel älter und somit uninteressant in Bezug auf ihre Sexualität. Die Gebärmutter erfüllt in der Medizin des Patriarchats und der kapitalistischen Verwertbarkeit keine Funktion mehr, also einfach rausschneiden, anstatt mühselig an einer Behandlung herumzulaborieren.

Früher meine ich übrigens gelesen zu haben, dass Frauen nach Hysterektomien zugenäht wurden, da sie sowieso älter seien und keinen Sex mehr hätten oder haben sollten. Leider finde ich hierzu jetzt keine Quelle mehr, aber es erscheint mir glaubwürdig. Wir alle kennen wahrscheinlich den Witz, in dem der Arzt nach einem Dammschnitt die Frage stellt, ob er es nicht für den Ehemann etwas enger nähen sollte. Zugenäht wird heute nach einer Hysterektomie zwar nicht mehr, aber allein, dass dieser Eingriff so häufig noch stattfindet, zeigt die Verachtung der Weiblichkeit.

Frauenverachtung in der Gynäkologie ist insgesamt kein Wunder, wenn wir bedenken, dass Forschungen und chirurgische Experimente an versklavten Frauen durchgeführt wurden und somit die moderne Gynäkologie entstand. Dr. Marion Sims führte in der Mitte des 19. Jahrhunderts chirurgische Operationen an Sklavinnen durch, ohne Anästhesie. Er versuchte vesico-vaginale Fistula zu behandeln, der Verlust von Urin und Stuhlgang als Folge schwerer Geburten. Erst nachdem er seine Experimente erfolgreich abgeschlossen hatte, setzte er seine Techniken bei weißen Frauen ein.

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Gewalt in der Gynäkologie: Geburt und Dammschnitt

Schema Hysterektomie

By Hic et nunc (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Gewalt in der Gynäkologie war in den 70er-Jahren ein sehr großes feministisches Thema, allerdings wurde durch den Neoliberalismus das Thema langsam, aber zuverlässig beerdigt. Vor kurzem hat endlich eine Frau in den Vereinigten Staaten wegen einer Episiotomie gegen ihren Willen ihren Arzt anzeigen wollen. Hoffentlich setzt sich das durch, denn immerhin konnte sie Widerstand leisten gegen diese Verstümmelung.

Die Gewalt, die in der Gynäkologie ausgeübt wird, umfasst Gewalt durch gynäkologische Eingriffe und Untersuchungen. Frauen haben gelernt, mehr oder weniger, diese Gewalt zu akzeptieren oder diese Gewalt nicht mal als Gewalt wahrzunehmen. Gerade für traumatisierte Frauen ist diese Form der Gewalt ein nochmals sensibleres Thema, aber es betrifft alle Frauen, denn im Patriarchat ist die Medizin von Männern geprägt und bestimmt. Die Gynäkologie ist keine Ausnahme, auch wenn immer mehr Frauen Medizin und Frauenheilkunde studieren. Das Wissen, die Ethik und die Wissensvermittlung sind unverändert männlich dominiert.
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Leben im Käfig #regrettingmotherhood

Coffee Break

eren {sea+prairie} via Flickr [CC BY 2.0]

Es ist ein Thema, das viele anspricht. Am Samstag erschien in der Süddeutschen ein Artikel über „Unglückliche Mütter“, in dem über eine Studie berichtet wird, in der Mütter – anonym – erklären, dass sie ihre Kinder zwar lieben, die Entscheidung für die Mutterschaft aber bereuen. Seither haben sich in zahlreichen Blogs gleich mehrere Frauen aus Deutschland und der Schweiz zu Wort gemeldet, die das Tabu brechen und erklären, dass Mamasein nicht die Erfüllung ihres Daseins ist.

Das Konzept der Mutterschaft selbst ist, stelle ich nach knapp sieben Jahren fest, nicht meins. Ich bin jemand, der das Alleinsein braucht wie die Luft zum Atmen. Ich hasse es, mich unfrei zu fühlen oder gar unfrei zu sein, Rechenschaft ablegen zu müssen, mich sklavisch an Termine halten zu müssen.

schreibt Herzgespinst.

Ich habe mich freiwillig für die Mutterschaft entschieden und ich bereue nicht, mein Kind bekommen zu haben. Dennoch erlebe ich Mutterschaft als einen Käfig, aus dem ich frühestens in 15 Jahren ausbrechen kann. Nicht selten male ich mir aus, wie es dann sein wird. Wenn ich endlich wieder ganz allein über mein Leben bestimmen kann.

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Mein Abschied von der Rezeptpflicht der Pille danach – Frausein im Deutschland des Frühjahres 2015

"Feminism is for Lovers"

the justified sinner via Flickr, [CC BY-NC-SA 2.0]

Ab Mitte März, kurz nach dem Frauenkampftag am 08. März ist es soweit. Nach langem Ringen, diskriminierendem Mansplaining der Union und dem absurden Festhalten der Regierung an einer misogynen Gängelung von Frauen und ihrem Selbstbestimmungsrecht, wird die Pille danach auch bei uns rezeptfrei sein. Es wäre ein Grund zum Feiern, wenn der Grund für diese Neuregelung nicht so traurig wäre: Frauen dürfen auch im Jahr 2015 nicht über ihren Körper bestimmen – außer Männer profitieren davon. Zwei Wochen bevor die neue Regelung in Kraft tritt, habe ich meinen ganz persönlichen Abschied von der Rezeptpflicht gefeiert.

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Leihmutterschaft: kolonialisierte Frauenkörper

Schwangere Frau, Pregnant Woman

By Øyvind Holmstad (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Im Sommer sorgte der Fall von „Baby Gammy“ für einen Skandal. Australische Eltern hatten bei einer thailändischen Leihmutter ein Baby „in Auftrag gegeben“. Als die Leihmutter Zwillinge bekam, ließen sie eines der Kinder, das an Down-Syndrom leidet und einen Herzfehler hat, im Krankenhaus zurück. Ein krankes Kind hatten sie sich offensichtlich nicht vorgestellt. Später kam heraus, dass der Vater wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern bereits vorbestraft war. Thailand arbeitet seither an einem Verbot der Leihmutterschaft – zumindest für jene Fälle, in denen Geld fließt. Babies auf Bestellung soll es nicht mehr geben – doch die Realität sieht längst anders aus:
Leihmutterschaft ist weltweit ein boomendes Geschäft: Allein in Indien wurden 2012 2,5 Milliarden US-Dollar mit Leihmutterschaft umgesetzt, rund 350 Kliniken bieten dort künstliche gezeugte Kinder inklusive zur Verfügung stehender Leihmütter an, weltweit sind es rund 4 Milliarden. Zwischen 5000 und 100.000 Dollar, je nach Land, zahlen die Auftraggeber dafür, dass eine Frau den befruchtenden Embryo ihrer Wahl austrägt. In Indien und Thailand ist so ein regelrechter „Leihmutter-Tourismus“ entstanden.

Grundlage dafür ist ein Vertrag, der den Leihmüttern vorschreibt, wie sie sich während der Schwangerschaft zu verhalten haben und dass sie ihre Rechte an dem Kind sofort nach der Geburt aufgeben. Seit Leihmutterschaft möglich ist, gibt es die Forderung, sie überall zu legalisieren – in den meisten EU-Staaten ist sie verboten, in den USA zum Teil und in Kanada ganz legal. Norwegen erlaubt Leihmutterschaft im Ausland. Deutschland verbietet sie auf Grundlage des Embryonen-Schutzgesetzes. Ein „Recht auf Elternschaft“ wird postuliert, für heterosexuelle Paare, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können, aber auch für homosexuelle Paare oder Singles – unter denen alleinstehende Frauen übrigens die kleinere Gruppe bilden. Leihmutterschaft, legalisierte Prostitution und Pornographie stehen in einem engen Zusammenhang: Sie bedeuten die fortschreitende, maximale Kolonialisierung von Frauenkörpern für Profit. Der Motor sind die patriarchalen Machtverhältnisse, die keineswegs auf dem Rückzug sind. Die Globalisierung und die neoliberale Wirtschaftsordnung erleichtern es nur, diese Ausbeutung hinter Begriffen wie „Vertragsfreiheit“ und „Selbstbestimmung“ zu verschleiern.

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Matrifokalität – die Idee, die Muttersippe wieder aufleben zu lassen

Frauenstatuetten aus Hacilar, Südost-Anatolien, Türkei

By Photo: Andreas Praefcke (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Vor einigen Monaten fand ich im Netz die Testpedition Gesetzliche Einführung eines alternativen Familienmodells.

Leider fand die Petition bislang nur wenig Unterstützung, was ich auf ein fehlendes Bewusstsein für die Bedeutung des Gedankens hinter dieser Petition zurückführe. Da ich mich bereits seit vielen Jahren mit diesem Thema befasse, nehme ich das zum Anlass dazu meine Gedanken niederzuschreiben und so zum Verständnis von Matrifokalität und der Idee des Matriclans beizutragen.

Familie im Patriarchat

Im Gegensatz zu herkömmlichen Meinungen gibt es imho keine alternativen Familienmodelle, sondern nur verschiedene Spielarten des Klassikers „Familie“. Die Grundlage der Familie ist immer das Paar auf der Grundlage von Sexualität und (romantischer) Liebe und, heute mehr denn je, unter Ausschluss der Herkunftsangehörigen – sprich unseren Blutsverwandten. Zwischen der Intention einer Familie und der wie neu daher kommenden Idee eines sogenannten Matriclan, der auf der konsanguinen* – der natürlichen Müttergemeinschaft fußt, liegen daher Welten.

Erinnern wir uns daran, was die „Familie“ einst eigentlich war – der Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Mag sich auch in unserer derzeitigen Kultur inzwischen diese Bedeutung verwischt haben und der modern daher kommende Trend hin zum partnerschaftlichen Paar gehen, es bleibt doch ein bestimmter Effekt bestehend: zwei Fremde verbinden sich per Bereitschaftserklärung zu einem Paar mit der Absicht in allen Bereichen ein gemeinsames Leben führen zu wollen. Das muss heutzutage nicht mehr unbedingt in einer bindenden Eheschließung enden, denn die unverbindlich-verbindliche Beziehung ist schon länger gesellschaftsfähig geworden. Manche probieren dabei ihr ganzes Leben lang aus, ob der Andere der „Richtige“ ist. Die meisten der Paare leben dann in einer seriellen Monogamie und betreiben dabei nebenbei eine Kleinfamilie. Unsere Gesellschaft ist heute außerdem zunehmend von der Familienspielart „Patchworkfamilie“ durchsetzt, in der die Kinder bereits die, von ihnen zukünftig erwartete, Flexibilität üben können, die das Wirtschaftsleben ausmacht.

Der Geist der Institution Familie besteht nach wie vor darin, den Mann als den Herr des Hauses vorauszusetzen, selbst wenn er nicht anwesend ist. Wenn beispielsweise drei erwachsene und mit einander verwandte Frauen eine Lebensgemeinschaft bilden, gelten sie trotzdem vor dem Gesetz als jeweils alleinstehend.

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