Kategorie: Pornokritik

Pornos sind Hassrede: Warum wir nicht länger wegschauen dürfen!

Vor kurzem hat Pornhub seine Statistiken für das Jahr 2016 veröffentlicht. 23 Milliarden Besucher hatte die Seite im vergangengen Jahr, 91 Milliarden Videos wurden angeschaut. Deutschland liegt mit seiner Nutzerdichte nur noch auf Platz 7, was zunächst erfreulich klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als blanker Hohn gegenüber den Opfern sexueller Gewalt: Auf Platz 1 der am häufigsten gesuchten „Pornostars“ (so nennt es Pornhub selbst) liegt Gina-Lisa Lohfink, die im vergangenen Jahr erst einen Prozess gegen zwei Männer verlor, die sie gegen ihren Willen beim Sex filmten und das Video hochluden. Gina-Lisa Lohfink zeigte die Männer wegen Vergewaltigung an, die beiden wurden nicht nur freigesprochen, sondern Gina-Lisa Lohfink wurde parallel dazu in einem demütigenden Prozess zu einer hohen Strafanzahlung wegen einer Falschbeschuldigung verurteilt.

Zu den weltweit am häufigsten gesuchten Suchbegriffen gehören „Teen“ – also Filme, in denen die Darstellerinnen absichtlich auf ein minderjähriges Aussehen getrimmt werden, „Step Sister“, in dem inzestuöser bis erzwungener Sex unter Geschwistern dargestellt wird, sowie „Japanese“ und „Ebony“. Die beiden letzten Kategorien zeigen DarstellerInnen entlang ihrer Hautfarbe an, japanische Frauen gelten als besonders unterwürfig, schwarze Frauen als „wild“ und werden dementsprechend „rau“ behandelt. Alles beim Alten also in der Pornowelt: Sie ist rassistisch und verharmlost sexuelle Gewalt. Die Kritik daran ist nicht neu.

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Sex als Leistungssport: Ein Workshop für weibliche Ejakulation

Ein Pärchen

Robert Bejil [CC BY 2.0]

Ein Gastbeitrag von Simone

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

„Lustvoll den Harneingang entdecken“

Seit ich auf einem linken Festival einen Workshop zu weiblicher Ejakulation besucht habe, schwirrt mir diese Aussage im Kopf herum. Der Workshop war zwar mit „weiblicher Ejakulation“ betitelt, wurde aber von Queerfeministinnen abgehalten. Die beiden sind Expertinnen, wenn es um weibliche Ejakulation geht: eine von ihnen besuchte mal einen Workshop zu diesem Thema, bei dem sie praktische Erfahrung sammeln konnte. Dort saßen mehrere Frauen in der Hocke „ganz entspannt“, den Rücken an die Wand gelehnt, in einem Raum, führten zwei Finger ein und …. ejakulierten! Ja, das gibt es offenbar.

Erhofft hatte ich mir eine umfassende Patriarchatskritik, denn im Grunde ist „squirten“ eine Praktik, die wir aus Pornos kennen. Aber ganz in liberal feministischer Manier bestand der Workshop aus Tipps und Tricks wie wir denn nun alle Squirten lernen könnten. Man könne beispielsweise den Harneingang lustvoll entdecken. Aua und
hallo Blasenentzündung. Die weibliche Ejakulation als das wonach wir Frauen zu streben haben. Frei nach dem Motto: Wer für Männer attraktiv sein will, muss leiden. Weiterlesen

Pornokonsum und seine Folgen

"End Rape Culture"

Chase Carter via Flickr, [CC BY-ND 2.0]

Eine Auswahl an Studienergebnissen dokumentiert:

Pornokonsum erhöht das Aggressionspotential des Konsumenten

M. Allen, D. D’Allesio & K Brezgel: A meta-analysis summarizing the effects of pornography II, Human Communication Research, 22 (2) (1995): 258-283

Pornokonsum erhöht die Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen beim Konseumenten (z.B. Wenn eine Frau einen kurzen Rock trägt, trägt sie eine Mitverantwortung, …)

M. Allen et al: Exposure to pornography and acceptance of rape myths, Journal of Communication, 45 (1) (1995), 5-26

Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung von Porno und positiven EInstellungen in Bezug auf Gewalt gegen Frauen.

Hald et al: Pornography and attitudes supporting violence against women

Pornonutzung erhöht die Wahrscheinlichkeit sexuelle Straftaten zu begehen

E. Oddone-Paolucci, M. Genius & C. Violato: A meta analysis of the published research on the effects of pornography, in: C. Violato, E. Oddone-Paolucci & M. Genius: The changing family and Child Development (Ashgate, 2000), Weiterlesen

Wie die Sexindustrie unser aller Alltag beeinträchtigt: Frauen als entrechtetes Freiwild

"Take rape seriously" - Protester with Placard Reproductive rights activist Shelby Knox.

by Women's eNews via Flickr, [CC BY 2.0]

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ich will meine (Lebens-) Geschichte erzählen. Denn diese spiegelt wohl die heutige Situation der Frauen in unserer Gesellschaft wieder.

Ich bin mittlerweile 32 Jahre alt, alleinstehend und lebe in Berlin, wo ich auch geboren und aufgewachsen bin.

Über Jahre wurde ich sexuell unter Druck gesetzt und bekam Dinge zu hören wie:

  • „das müssen wir machen, damit du das machst, du blöde Kuh“ (das sagte ein Polizist während meiner Ausbildung dort).
  • „du bist doch eine scheiß Lesbe, dass du das alles nicht machst. Deswegen machst du das alles ja nicht, weil du eine scheiß Lesbe bist.“
  • „du hast keine Rechte“
  • „das können wir alles machen, sie will es ja“
  • „du Schlampe, du Nutte, die vom Dienst“
  • „na warte, du, dann kommen wir alle mal ran, du immer mit deinem nicht-ran-lassen“

Doch der Reihe nach.

Mein Martyrium begann mit ca. 15 Jahren.

Ich ging damals in die 8./ 9: Klasse eines Gymnasiums. Es war die Zeit, in der die Mädchen unter dem enormen Druck stehen, einen Freund haben zu müssen. Mir war es damals zu früh für einen Freund, ich wollte gar  keinen haben. Ich wollte außerdem keine kurzen wechselnden Beziehungen haben, sondern lieber auf „den Richtigen“ warten. Damit ging ich nach meinem eigenen Gefühl, es gab keine „Jungfräulichkeitsbewegung“ in meinem Umfeld.

Mobbing: Traumatisierungsfolgen

Im Laufe der Zeit fiel ich in der Gunst meiner Mitschüler. Ich verlor meine Freundinnen, ich wurde zum Außenseiter und schließlich zum Mobbingopfer. Ich bekam eine Tierbezeichnung und wurde nur noch mit dem Tiernamen angesprochen, man malte eine Szene an die Tafel, auf dem dieses Tier mit einem langen Messer erstochen wird. Mobbing war an der Tagesordnung, auch Schläge und Tritte.

Psychotherapeutin verstärkt den Druck

Ich bekam deswegen gesundheitliche Probleme und begab mich in die ambulante Psychotherapie einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in Berlin. Diese erklärte nach einiger Zeit: „ich wundere mich doch, warum ich gemobbt werde, ich wolle doch, dass das aufhöre. Das liege daran, dass ich bei dem „Beziehungsführen“ nicht mitmache.“ Ich solle mir auch einen Freund suchen, damit werde das Mobbing aufhören.

Ich hatte der Therapeutin aber erklärt, ich wollte dabei nicht mitmachen, ich hatte andere Pläne. Dies war mein eigener Wunsch, es gab keine „Jungfreulichkeitsbewegung“ in meinem Umfeld. Dann wurde sie wütend und sagte doch, ich solle auch mitmachen, dass sei nicht nett von mir.

Sie begann zudem, mich mit der Zeit während der Gespräche zu „sexualisieren“.

Ich begann dann Kennenlernphasen zu haben, die ich abbrach, weil die damaligen Jungs mir für eine Beziehung nicht zusagten. Als die damalige Therapeutin dies mitverfolgte und erfuhr wurde sie wieder wütend und sagte so, ich mache das nicht, ich hätte jetzt tolle
Männer kennengelernt, die ich alle nicht wollte, jetzt solle ich halt so mit einem mitgehen, der mich anspricht für „mal eben Spaß“ haben.

Das „erste Mal“: traumatisierend

„Wenn ich mich nicht auf eine Beziehung einließe, dann mache ich jetzt das, dass ich so mitgehe“. Das sagte sie zu einem jugendlichen Mädchen, dass „entrechtet“ wurde durch ihr Umfeld, das erhebliche gesundheitliche Beschwerden (Panikattacken) und insbesondere Todesängste hatte. Ich konnte damals diesem Druck und dieser Nötigungslage nicht mehr standhalten und „musste“ dann (sexuell) irgendetwas machen, was ich selbst so nicht gewollt habe. Das war für mich eine furchtbare Erfahrung, mein ganzer Körper war taub und ich hatte gar kein Gefühl mehr in meinem Körper.
In einer anderen Situation, in der ich wieder lediglich Hilfe gesucht habe, wurde ich von einer Ärztin angeschrien, so dass ich daraufhin einen „Hyperventilationsanfall“ bekam und das Gefühl hatte, ersticken zu müssen.

Traumatisierende Psychotherapie – Forderung: schwanger werden!

Als ich meiner Therapeutin dann von meinem „ersten Mal“ erzählt habe, war diese hoch erfreut und lächelt zufrieden.Sie begann sogar im Lauf der Zeit mir vorzuschlagen, ob es denn so schlimm wäre, wenn ich schwanger werden würde. Ich war noch in der Schule, in Richtung Abitur, natürlich wollte ich kein Kind bekommen. Die Therapeutin drängte mich unaufhörlich, ich könne doch mal schwanger werden, dann würden mir sicher auch alle helfen mit dem Kind. Sie sagte „wir schaffen das mit dem Kind zusammen!“ Mehrmals sah ich andere KlientInnen mit Kinderwagen zu ihr kommen: ob diese jungen Frauen auf ihr Drängen hin schwanger geworden waren?

Traumatisierendes soziales Umfeld

Ich hatte zu dieser Zeit außerdem Probleme mit Bekannten der Familie. Da ich ja einen Freund suchen „musste“, hatte eine Bekannte der Familie es geschafft, mich mit dem Kumpel ihres Sohnes zu verkuppeln. Ich löste die Verkupplung nach wenigen Wochen wieder auf. Dann begannen die Leute zu stalken und mir ins Gewissen zu reden, ich möge doch wieder mit dem jungen Mann zusammen kommen.

Die Therapeutin bekam all dies mit und hat mir nicht geholfen, obwohl es sich um Kupplung, Nachstellung und Nötigung gehandelt hat. Sie half den Kupplern, indem sie sagte, das sei aber mutig von mir, die Beziehung zu beenden, das sei ja ein toller Mann gewesen. Na, vielleicht komme ja später noch mal  was, und ich würde ja jetzt sehen, was ich davon habe, wenn meine Klassenkameraden erfuhren, dass ich den jungen Mann verlassen habe! Weiterlesen

Wie die Sexindustrie über Leichen geht – Sexindustry Kills

Jack The Ripper

See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Im September berichteten wir erstmals über ein spannendes Projekt, das Wiki „Sexindustry kills“, welches alle Fälle zu Morden, Mordversuchen und Verbrechen an Prostituierten zusammenträgt. Es ist eine Galerie des Schreckens. Mord und Vergewaltigung gehören zu den “Berufsrisiken” der Prostitution.

Seitdem hat sich viel getan: Das Wiki wurde auf einen eigenen Server umgezogen und wurde um eine Kategorie erweitert: die Pornoindustrie. Bis dato sind bereits mehr als 400 Personen aufgelistet, die in diesem Geschäftszweig der Sexindustrie tätig waren und nach dem immer gleichen Muster in jungen Jahren starben: durch Selbstmord, Mord, Drogen, Alkohol, Unfälle, Krankheiten. Die Recherchearbeit ist noch lange nicht zuende, hier wird noch ständig ergänzt, viele Stunden wurden bereits investiert – und die Aufarbeitung wird auch noch eine ganze Weile dauern, wie es von den Initatorinnen heißt.

Viele solcher Listen existieren bereits im Netz, Sexindustry kills versucht jedoch den Betroffenen ein Gesicht zu geben und ihre Geschichten zu erzählen.

Zwei solcher Geschichten wollen wir hier exemplarisch zusammenfassen:
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Wie Pornos meine Familie zerstören

Lichtreklame: Broken Heart

By Christine Zenino from Chicago, US (broken heart...Uploaded by russavia) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Ich weiß nicht mehr genau, wann sich mein Blick verändert hat. Seit wann ich mich in der geschützten, liebevollen Welt von Eltern, Kindergarten und Sportverein wie eine Außenseiterin fühle, wann Pornos angefangen haben, mein Leben und das meiner Familie dauerhaft zu verändern, wann mir klar wurde, dass Pornos im Begriff sind, mich und meine Familie zu zerstören. Ich weiß, womit es angefangen hat. Mitte August sah ich ausgerechnet auf RTL II die Doku „Liebe und Sex im Pornozeitalter“. Obwohl meine Kinder noch nicht in dem Alter sind, sich für Pornos zu interessieren, ließ mich der Gedanke nicht mehr los, dass mein Sohn, der immerhin auch schon acht ist, bald in Kontakt mit Hardcore-Pornografie kommen könnte. Zu Weihnachten hat er von uns einen Tablet-PC geschenkt bekommen. Er benutzt ihn vor allem, um zu lesen oder Spiele zu spielen, aber prinzipiell kann er damit auch ins Internet, denn die „Kinderschutzsoftware“ ist so schlecht, dass er innerhalb von wenigen Tagen wusste, wie er sie umgehen konnte. Ich beschloss, mit ihm zu sprechen. Ihm zu erklären, dass er ohne mich weder ins Internet gehen noch auf die Youtube-App klicken darf. Dass das gefährlich sei, erklärte ich – ohne im sagen zu können, was die Gefahr daran eigentlich ist.  Ich machte den Selbstversuch und gab „Porno“ in die beliebteste Suchmaschine ein. Auf der ersten Seiten fand ich von nackten Frauen bis zu Bildern mit doppelten Penetrationen, spermaverschmierten Frauengesichtern und gewalttätigen Sexdarstellungen alles. Von „Analhuren“ las ich da und von kleinen Mädchen, die Sex mit ihrem Vater hatten – alles gespielt, natürlich! Ich war geschockt. Mir wurde klar, dass ich keine Ahnung davon hatte, was Pornografie ist. Pornos waren für mich die soften Filmchen, die man früher sogar im Nachtprogramm sehen konnte oder ein paar schlecht gemachte Männermagazine. Lächerlich im besten Fall. Aber nicht diese gewaltvolle, frauenverachtende Flut an extremen Bildern. Das also sollte für meinen Sohn der erste Kontakt mit dem Thema Sex sein?  Wie nur sollte ich es schaffen, ihn vor diesen Bildern zu beschützen, ihm den Raum zu sichern, den er brauchen würde, um seine eigene Sexualität zu entdecken, unbeeinflusst von den überall lauernden Werbemaschen der Pornoindustrie, die ihn in einen frauenhassenden, einsamen Mann verwandeln wollten, der am liebsten allein vor seinem PC masturbierte?
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Pornos, sexuelle Gewalt und der Kampf um Emanzipation

Sex Shop in Paris

By Ricardo Martins from Gent, Belgium (Pigalle) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Alice Schwarzer, Andrea Dworkin und Catharine McKinnon, sie alle haben auf die zerstörerische Wirkung von Pornografie hingewiesen. Aus ihrer feministischen Analyse heraus erkannten sie die Pornoindustrie als eine Maschinerie der Gewaltverherrlichung an Frauen. Pornos widersprechen in ihrer unzähligen Wiederholung der unterworfenen, gequälten Frau der Forderung nach Gleichberechtigung, nach Anerkennung, nach einem Ende von sexueller Gewalt und Belästigung, von Sexismus und Benachteiligung, denen Frauen nach wie vor ausgesetzt sind. Die Pornoindustrie ist mächtig, sie hat Verbündete in der Politik, bei den Zeitungen, sie bedient den alten Machismo ebenso wie sie einen neuen, jüngeren Machismo heranzieht. Tatsächlich ist die Pornoindustrie in nicht unerheblichem Maße daran schuld, dass im Bereich der Frauenrechte das Rad der Zeit rückwarts gedreht wird, anstatt vorwärts. Spätestens seit der 2. Welle der Frauenbewegung ist klar, dass sexuelle Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft haben darf. Trotzdem ist sie fast 40 Jahre später immer noch ein Teil von ihr – sie wird sogar seltener bestraft als früher. Pornos zeigen Frauen als sexuell ständig verfügbare Objekte, die prinzipiell sogar darauf stehen, mit Gewalt genommen zu werden – und nie zuvor waren Pornos so gewalttätig, so frauenverachtend und so leicht verfügbar wie heute. Begleitet wird diese Entwicklung von dem Versuch, Pornos aus der „Schmuddelecke“ zu holen und gesellschaftlich zu normalisieren – Jugendliche werden zum Sexting ermuntert, weil das doch irgendwie auch nur sexuelles Experimentieren 2.0 ist. Die Debatte wird auf einen überkommenen moralischen Diskurs verlegt, um die tatsächlichen Argumente der PornokritikerInnen nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen. Die Kritik am Porno hat nichts mit moralischen Berührungsängsten zu tun – und im Pornozeitalter ist jedes sexuelle Experimentieren von Jugendlichen von der Pornoindustrie geprägt.

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Pornos sorgen für Sexualstraftaten

Chickita's Sex Paradijs - Sex Shop Amsterdam

By Ricardo Martins from Gent, Belgium (Chickita's Sex Paradijs) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Im Zusammenhang mit Pornos ist immer wieder die Rede davon, dass sie für eine sexuell befreitere Gesellschaft stehen. Porno ist gleich Fortschritt, je lockerer wir mit dem Thema umgehen, umso befreiter sind wir. Dass gerade Pornos die klischeehaften Rollenverteilungen immer wieder inszenieren ist nur ein Aspekt, der darauf hinweist, dass es mit dem Befreiungspotenzial für Frauen beim Porno nicht so weit her ist. Über die explizit gewalttätigen Aspekte haben wir auf den Störenfriedas immer wieder geschrieben. Dennoch wird ebenso wie bei Prostitution gerne behauptet, Pornos würden, durch „Druckabbau“ Sexualstraftaten verhindern. Das wollten wir genauer wissen. Bei unseren Recherchen sind wir über eine Abschlussarbeit von Dominik Birner „Pornografie und Sexualstraftaten – was wissen wir über die Zusammenhänge?“ im Studienfach Jura gestoßen, die den Zusammenhang von Pornos und Sexualstraftaten explizit aufzeigt.

Dabei ist zunächst interessant, wie der Gesetzgeber „einfache“ und „harte“ Pornografie unterscheidet: Laut §184a des StGB ist harte Pornografie solche, die Gewaltdarstellungen, Folter oder zum Beispiel Sex mit Tieren zum Inhalt hat. Ihre Verbreitung ist verboten, weil der Gesetzgeber einen „Nachahmungseffekt“ befürchtet.

Bereits in den 1970er Jahren wurden die Auswirkungen der gerade erst legalisierten Pornografie in mehreren Ländern untersucht, und die Studie kam zu dem Ergebnis, dass es eine erhöhte Anzeigebereitschaft bei Sexualstraftaten gab, die Zahl der Straftaten aber vermutlich nicht angestiegen sei.

Anfang der 1980er gaben 33 Prozent der befragten männlichen Pornokonsumenten aus Deutschland an, sich an Vergewaltigungsdarstellungen im Porno zu erregen, allerdings würde das bei Männern, die nicht über eine bestimmte „Prädisposition“ verfügen, keine Sexualstraftaten zur Folge haben. Anders ist es bei Kinderpornografie: Hier führt der Konsum zu mehr Straftaten.

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Pornos für Frauen? Kein Argument gegen Pornokritik!

Farmers daughters poster

By Employee(s) of Taurus Productions [Public domain], via Wikimedia Commons

Durch unsere Kritik an Pornografie hören wir oft immer wieder die gleichen Argumente. Zum Beispiel kommt bei dem Hinweis auf die gewalttätige und misogyne Ausrichtung des Pornos immer das Argument, es gäbe ja auch andere Pornos – von Frauen für Frauen. Zunächst: Der Anteil dieser Filme liegt bei 5 Prozent des gesamten Pornomarktes. Unsere Kritik richtet sich gegen die 80 Prozent der Pornos, die gewalttätige und erniedrigende Darstellung von Frauen zeigen: Gonzo-Pornos ohne Handlung, mit Beschimpfungen, Würgen, inszenierten Vergewaltigungen, aufgerissenen Körperöffnungen, schmerzverzerrten Gesichtern. Der Kritik an dieser Form des Pornos, der inzwischen den Hauptteil des gesamten Pornomarktes ausmacht, tut es keinen Abbruch, dass es DANEBEN auch noch eine geringe Anzahl von Filmen gibt, die diese Darstellungen nicht zeigen. Darüber hinaus gibt es nur sehr wenige Frauen, die als Pornoproduzentinnen tätig sind, aber der Umstand, dass eine Frau einen Film produziert, bedeutet noch lange nicht, dass sie die immer gleichen Inszenierungen des Pornos durchbricht: Nicht wenige zeigen Erniedrigungen und Gewalt mit dem Hinweis, damit ihre eigenen Fantasien zu verkörpern. Damit geben sie all jenen Recht, die behaupten, Frauen stünden eben auf diese Art von hartem Sex, es sei das geheime, unerfüllte Verlangen von Frauen, von einem brutalen Mann möglichst schmerzhaft vergewaltigt zu werden. Wenn Frauen versuchen, aus dem Porno-Mainstream auszubrechen und Pornos „für Frauen“ zu drehen, so ist das zunächst eine positive Absicht. Doch, und das zeigen die minimalen Umsätze und Absätze, muss dieser Versuch in der kapitalistisch durchstrukturierten Pornoindustrie zwangsläufig scheitern.

Pornos sind gemacht für männliche Nutzer, die vor ihnen onanieren. Das ist der Kundenkreis, der seit jeher die größten Umsätze und die treuesten Anhänger verspricht. Pornos entstanden, damit Männer in der strengen Sexualmoral der bürgerlichen Gesellschaft eine Möglichkeit zum „Ausbrechen“ haben, ähnlich wie bei der Prostitution. Aus diesem Grund sind Pornos seit ihrer Entstehung an ein männliches Publikum gerichtet, Frauen kommen nur als Darstellerinnen vor, die aber keine eigenen Interessen oder Gefühle anzumelden haben. Genau darin liegt der Reiz des Pornos für die meisten Nutzer: die rücksichtslose Bedürfniserfüllen an einem weiblichen Objekt. Dass Männer sich an expliziten Gewaltdarstellungen erregen, obwohl sie selbst keine begehen, hat etwas mit ihre Sozialisation im Patriarchat und DURCH die Pornografie zu tun: In einer Gesellschaft, in der Frauen seit jeher eine untergeordnete Rolle spielen und diese Unterordnung entweder sichtbar oder subtil mit den Forderungen nach Menschlichkeit und Anerkennung kollidiert, verspricht der Porno eine Welt ohne Widersprüche: Hier herrschen der Mann und sein Penis, der Mann und seine Bedürfnisse. Pornos werden nicht um ihrer selbst wilen gedreht, sondern weil sich mit ihnen Geld verdienen lässt. Pornoproduzenten haben kein Interesse am Sex, sondern am Profit. Und genau hier liegt der Widerspruch für Frauenpornos: Sie haben den Anspruch, sich mit Sexualität auseinanderzusetzen und eine Bedeutung über den reinen Konsum hinaus zu schaffen. Genau dafür ist im System Porno aber nur soweit Platz, wie diese Bedeutung für die Gewinnung neuer Kundenkreise oder das Image gut ist.

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Make Love – not Porn!

Porn Kills Love - Fight For Love - Streetart

by torbakhopper via Flickr, [CC BY-ND 2.0]

2009 rief Cindy Gallop die Internetseit „Make Love not Porn“ ins Leben. Dort stellt sie die gängigen Mythen der Pornoindustrie der Wirklichkeit gegenüber. Auf die Idee kam die damals 42jährige Journalistin, weil sie sich für eine Recherche auf Datingseiten umblickte und dort ihren Spaß am Sex mit jüngeren Männern entdeckte. Im Bett mit ihnen stellte sie jedoch fest, dass der Sex mit ihnen nicht nur wegen des Altersunterschieds anders war als mit Gleichaltrigen, sondern auch, weil die Jüngeren offensichtlich durch Pornos sexualisiert worden waren und nun versuchten Pornos nachzuspielen. Das irritierte Gallop und sie begann, zu recherchieren. Dabei fand sie zum Beispiel heraus, dass laut einer Untersuchung von 2009 „Porn“ auf Platz vier der beliebtesten Suchbegriffe von Siebenjährigen lag.  Gallops Ziel ist es, die Monokultur der Pornographie zu durchbrechen – sie ist keine dezidierte Pornogegnerin, im Gegenteil, doch sie möchte, dass die Vielfalt sexueller Begegnungen nicht durch die immer gleichen Botschaften der Pornoindustrie verschwinden. Klassische Aussagen der Pornoindustrie sind „Alle Frauen sind unten rasiert“  – oder „Alle Frauen stehen auf Analverkehr“.

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