Das Mädchen Wadjda

DVD-Cover: Das Mädchen Wadjda

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Ein Film von einer saudi-arabischen Regisseurin über Frauen in Saudi-Arabien? Das klingt ungewöhnlich, doch der saudi-arabischen Regisseurin  Hayfa Al Mansour ist mit „Das Mädchen Wadjda“ noch viel mehr gelungen. Sie erhielt die unumgängliche Dreherlaubnis des saudischen Kultusministeriums für den Dreh ihres sehr besonderen Films.

Saudi-Arabien ist das einzige Land auf der Welt, in dem Frauen kein Auto fahren dürfen. In der Öffentlichkeit dürfen sich Frauen nur mit der schwarzen Abaya verkleidet zeigen und überall werden die Geschlechter strikt voneinander getrennt. Es gibt nach Geschlechtern getrennte Bereiche an Supermarktkassen, Restaurants und sogar in den Privathäusern selbst. Frauen haben erst ihren Vater als Vormund, später dann den Ehemann, Bruder oder sogar den eigenen Sohn. Ohne Zustimmung ihres Vormundes dürfen sie das Land nicht verlassen. In Saudi-Arabien, der Heimat des Propheten Mohammed, gilt der Wahhabismus, die strengste Auslegung des Islam, der zugleich Staatsräson ist und  das gesamte öffentliche Leben regelt. Gleichzeitig gibt es durch das Öl einen großen Reichtum und technischen Fortschritt in dem sonst sehr abgeschlossenen Land.

Umso bemerkenswerter ist es, dass sich Hayfa Al Mansour an diesen Film wagte. In „Das Mädchen Wadjda“ geht es um die Schülerin Wadjda, die mit ihrer Mutter zusammen in Riad lebt. Ihr Vater kommt nur hin und wieder zu Besuch und erwägt, sich eine Zweitfrau zu nehmen, weil Wadjdas Mutter ihm keinen Sohn gebärt. Wadjda muss erleben, dass sie als Mädchen als Stammhalter nichts taugt. Sie geht auf eine Mädchenschule, deren strenge Direktorin ein Auge auf das aufmüpfige Mädchen hat, das Chucks unter seiner Abaya trägt und Rockmusik hört. Doch damit nicht genug – Wadjda hat es sich in den Kopf gesetzt, Fahrrad zu fahren, etwas, das Frauen oder Mädchen untersagt ist. Kreativ und selbstbewusst findet sie einen Weg, ihren Traum wahr zu machen. Neben dieser Geschichte werden viele kleine erzählt, wie zum Beispiel, dass es über die strenge Direktorin heißt, bei ihr sei eingebrochen worden, aber dieser Einbrecher sei eigentlich ihr heimlicher Liebhaber gewesen, oder die

Buchcover: Das Mädchen Wadjda

Hayfa Al Mansour: Das Mädchen Wadjda, September 2015, Verlag cbt

elfjährige Klassenkameradin Wadjdas, die verheiratet wird oder die Geschichte der Mutter, die vor Trauer über die Pläne ihres Mannes fast verzweifelt und sich zusätzlich mit einem aufsässigen Fahrer herumschlagen muss. Es ist ein Film, der keine platte Kritik übt, sondern zeigt, wie vielschichtig Tradition, Individualität, Fortschritt und Geschlechterrollen miteinander verbunden sind. Die im Film gezeigten Frauen sind trotz der Umstände starke Frauen. Ihre sehr unterschiedlichen Geschichten zeigen, dass es auch in Saudi-Arabien kleine und vorsichtige Veränderungen im Bezug auf die Frauenrollen gibt – und diese Veränderungen werden von den Frauen selbst angestoßen. Der Film beschönigt nichts, vereinfacht aber auch nicht. Gleichzeitig erhält man interessante Einblicke in den Alltag eines Landes, das bei uns höchstens als lebendes Klischee wahrgenommen wird.

2012 gewann der Film international viele Preise. In Saudi-Arabien selbst wurde er nicht gezeigt, denn dort gibt es keine Kinos. Den Film gibt es in deutscher Übersetzung und jetzt ist das Buch zum Film erschienen.

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