Das neue, alte Recht der Väter

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Unbemerkt von fast allen, die es nicht betrifft, findet in Deutschland eine bemerkenswerte Entwicklung statt, die das alte Recht der Väter neu installiert. Still und leise wird den veränderten Geschlechterrollen Rechnung getragen und werden alte männliche Privilegien durch die Hintertür neu bekräftigt. Patriarchat, das heißt nicht „Herrschaft der Männer“, sondern „Herrschaft der Väter“. Das Recht des Vaters an seinem Kind ist eine der Wurzeln weiblicher Unterdrückung, heute wie damals. Die Mittel seiner Ausübung mögen sich ändern, sein Anspruch aber bleibt bestehen.

Die drei Grundfesten patriarchaler Herrschaft: Recht am Besitz, Recht an der Frau, Recht am Kind

Sowohl Gerda Lerner, als auch Marilyn French und Mary Daly, genauso wie die matrifokale Forschung, bestimmen den Anfang patriarchaler Herrschaft etwa in das vierte Jahrtausend vor Christus, in den Übergang von Gartenbau/Jäger und Sammler in den Ackerbau und die Viehzucht und das Entstehen einer männlichen Kriegerklasse. Besitz wurde auf einmal wichtig, musste verteidigt und vor allem innerhalb der Familie weitergegeben werden. Jungfräulichkeit wurde zu einer Tugend erklärt, Untreue in der Ehe zu einem Verbrechen, auf das für die Frau nicht selten der Tod stand, ebenso wie auf den Kindermord. „Pater semper incertus est“ heißt es, der Vater ist immer ungewiss, bis zum Auftauchen der DNA-Test in jüngster Vergangenheit, also muss der Vater alle Hebel in Bewegung setzen, um sicher zu gehen, dass er seinen Besitz auch wirklich an die eigenen Nachkommen vererbt. Jungfräulichkeit und Treue sind zwei Schlüssel dazu, der dritte ist, dass die Kinder immer zur Familie des Vaters gehören, nie zu der der Frau. Diese drei Merkmale kennzeichnen alle patriarchalen Gesellschaften. Das Recht an der Frau wird von den Patriarchen zugewiesen, nicht jeder Mann hat Anspruch auf eine Frau, dieser wird wiederum von den meist älteren, mächtigen Männern zugewiesen, so dass sich Gefolgschaften und Treue herausbilden. Ein armer, statusloser Mann wird aus diesem Grund auch eher keine Frau finden, in früheren Zeiten war ihm das Heiraten sogar verboten. Frauen werden zu einer Ressource, um die und für die gekämpft wird und die im Zweifelsfall einfach gefangen genommen werden (der sogenannte „Frauenraub“ ist ein patriarchaler Begriff, der die Frau zur Sache erklärt).

Die Macht über den Frauenkörper ist für das Patriarchat existenziell

Männer brauchen Frauenkörper, denn diese tragen ihre Nachkommen aus. Diese Abhängigkeit ist eine der Urwurzeln des Frauenhasses, denn sie macht dem Mann klar, dass ganz gleich, wie sehr er sich über die Frau erhebt, ohne sie ist die Menschheit dem Untergang geweiht. Das Patriarchat basiert darauf, diese Frauenkörper für Männer nutzbar zu machen, als Gebärwesen, als Sexobjekte. Alles patriarchales Denken, das Denken, das uns und unsere Gesellschaft strukturiert, baut darauf auf. Das „Slutshaming“, oder die Verachtung, die alleinerziehenden Müttern entgegengebracht wird, ihre gesellschaftliche und steuerliche Benachteiligung, die Straffreiheit von Vergewaltigungern, die Strafbarkeit von Abtreibungen, all das hat seine Wurzeln im misogynen Denken des Patriarchats und da wir alle in diesem Denken aufwachsen, können wir gar nicht anders, als diesen Denkmustern zu folgen. Das zeigt sich auch daran, dass Mütter nur die Wahl haben zwischen Heiliger und Rabenmutter, dass nichts so moralisch aufgeladen ist, wie die Mutterschaft.

Veränderungen erschüttern das patriarchale System

Nun haben die vergangenen Jahrzehnte ein wenig an der jahrtausendealten patriarchalen Ordnung gerüttelt. Ehemänner haben keine absolute Macht mehr. Nach der Scheidung erhalten sie nicht mehr automatisch das alleinige Sorgerecht (in der BRD bis 1975), mit staatlicher Unterstützung können alleinerziehende Mütter zwar mehr schlecht als recht überleben, aber dennoch haben sie zumindest eine Alternative zum prügelnden Ehemann. Zum ersten Mal seit vielen Jahrtausenden können Frauen Kinder wieder ganz allein aufziehen, ihre Kinder werden auch nicht mehr, wie noch in den 1980er Jahren, automatisch einem Vormund beim Jugendamt unterstellt. Diese minimalen Veränderungen erschüttern das patriarchale System in seinen Grundfesten – kein Wunder also, dass die Gegenbewegung nicht lange auf sich warten lässt. In Deutschland tritt sie in Form von Väterrechtlern auf, die zahlreiche Gruppen, Seiten und Foren betreiben und in denen „Vaterliebe“ sich allzu oft mit blankem Frauenhass vermischt. Väterrechtler haben zwei Probleme: Sie wollen keinen Unterhalt zahlen – und sie wollen weiter Einfluss auf die ehemalige Familie haben. Zwei urpatriarchale Ansprüche also, den Unterhalt wollen sie nicht zahlen, weil sie das davon abhält, mit der nächsten Frau eine neue Familie zu gründen und weil sie es nicht einsehen, für eine Frau zu bezahlen, über die sie nicht mehr in aller Absolutheit verfügen können. Dass das Geld für ihre Kinder bestimmt ist, interessiert sie wenig. Über Jahrzehnte konnten sich Väter ganz einfach aus der Unterhaltszahlung herauswinden, die Jugendämter ließen sie gewähren. Die Mütter mussten sich mit Unterhaltsvorschuss begnügen – den gab es aber nur für sechs Jahre und maximal bis zum 12. Lebensjahr. 50 Prozent aller alleinerziehenden Mütter sind deshalb auf Hartz IV angewiesen – auch, weil die Betreuungssituation in Deutschland nach wie vor katastrophal ist und es kaum möglich ist, Berufstätigkeit mit den Betreuungsangeboten so zu vereinen, dass am Ende mehr übrig bleibt. Manuela Schwesig versuchte mutig, den Unterhaltsvorschuss zu reformieren – und stieß auf heftigen Widerstand. Der deutsche Städtetag bekannte, die Kommunen hätten kein Geld dafür – und auch offensichtlich keine Ressourcen, die säumigen Väter in die Pflicht zu nehmen. Zufall? In einer nach wie vor patriarchal strukturierten Gesellschaft wie der unseren ganz sicher nicht. Trotzdem kommt der neue Unterhaltsvorschuss – mit einem saftigen Haken: Sobald nämlich der Vater ein Drittel der Betreuung übernimmt, wird er nicht mehr gezahlt – und der Vater ist dem Jugendamt nichts schuldig.

Patriarchale Reinstallierung durch die Hintertür

Damit ist das neue Gesetz mitnichten eine Entlastung der Alleinerziehenden, die zu 90 Prozent Frauen sind, sondern vielmehr ein weiterer Erfolg für die Väterlobby, denen es gelang, das Wechselmodell bis in das EU-Parlament zu tragen. Wechselmodell bedeutet, dass die Kinder genau hälftig zwischen den Elternteilen pendeln, ein Ideal, das in der Wirklichkeit nur selten umzusetzen ist, weil es eine sehr gute Kommunikation zwischen den Eltern erfordert, die aber eben nach einer Trennung nicht mehr gegeben ist. Trotzdem wird um das Wechselmodell erbittert gestritten, die einen feiern es als Familienmodell der Zukunft, die anderen weisen auf die oft bedenklichen Konsequenzen für die Kinder hin, die dann eben gar kein festes Zuhause haben. In der Praxis bedeutet das Wechselmodell, dass Mutter und Vater eine räumliche Nähe bewahren und sich über alles verständigen müssen: Wer bezahlt die Klassenfahrt? Wer schafft die neuen Schuhe an? Wer entscheidet, auf welche Schule das Kind geht? Wie das einem Paar, das für seine Trennung sicherlich Gründe hatte, gelingen soll, bleibt fraglich. Die Forderung nach dem Wechselmodell geht sogar noch weiter: Es soll automatisch eingesetzt werden, wenn Mutter und Vater getrennt sind oder sogar nie zusammen waren, unabhängig, ob es eine Ehe gab. Das muss man sich vorstellen: Da hat eine Frau einen One Night Stand im Urlaub, wird schwanger, entscheidet sich für das Kind und muss fortan ihr ganzes Leben gemeinsam mit einem Mann ausrichten, den sie weder kennt noch den sie gewählt hat. Damit ist sie zwar nach außen eine Alleinerziehende, steht aber wieder unter der Kontrolle eines Mannes – alles beim Alten im Patriarchat.

Zahlreiche weitere Gesetzesänderungen und Entscheidungen des Verfassungsgerichts untermauern diese Entwicklung: Bis 2010 konnte die Mutter in dem obigen Beispiel dem Vater das Sorgerecht verwehren, etwa unter der Begründung, dass sie sich mit ihm nicht einigen kann. Das ist nicht mehr möglich. Wenn sie sich also für das Kind entscheidet, es alleine aufzieht und niemals Unterhalt bekommt, kann der Vater jederzeit antreten und das Sorgerecht fordern.

Ganz schlechte Karten hat die Frau, wenn sie mit dem Vater des Kindes verheiratet war, dann wird fast immer für das geteilte Sorgerecht entschieden – in der Folge darf sie den Wohnort nicht mehr wechseln, ohne Erlaubnis mit dem Kind in Urlaub fahren und wenn sie nicht aktiv dafür sorgt, dass die Kinder in Jubelschreie ausbrechen, wenn der Umgang mit dem Vater ansteht, wird sie von Jugendamt, Familienrichtern und Umgangspflegern zur schlechten Mutter gemacht und riskiert, ihr Sorgerecht zu verlieren. Sie ist dem Vater gegenüber zur „Auskunft“ verpflichtet, was bedeutet, dass sie auch seine virtuellen Beschimpfungstiraden ertragen muss – und selbst wenn der Vater sie geschlagen hat und das der Trennungsgrund ist, so muss sie den Kontakt zum Vater – sogar im Frauenhaus – weiter ermöglichen. Die letzten Jahre zeigten gleich mehrere Fälle, in denen der Umgang von den Männern dazu genutzt wurde, sich mit Gewalt und Mord an den Frauen zu rächen. Über das Recht am Kind hat der Vater oft weiter Einfluss auf das Leben der Frau – bis zum oft bitteren Ende. Noch nicht einmal sexuelle Gewalt gegen das Kind ist ein automatischer Grund, den Umgang auszusetzen – so weit reicht die Ideologie um den „Neuen Vater“.

Gleiche Rechte – weniger Geld

Ergänzend dazu sind Ehemänner auch nur noch bis zu drei Jahre nach der Scheidung zu nachehelichem Unterhalt verpflichtet – danach sind die Frauen, die vormals wegen der gemeinsamen Kinder auf Karriere und Berufstätigkeit verzichtet haben, wieder auf sich selbst gestellt. Das wäre nicht problematisch – würde es nicht trotz dem ganzen Geschrei um die Neuen Väter so aussehen, dass die Mütter nach der Geburt weniger oder Teilzeit oder gar nicht arbeiten und den Großteil der Elternzeit antreten, während Väter nach der Geburt sogar noch mehr arbeiten, und sich auf diese Weise ein ökonomisches Ungleichgewicht aufbaut, das die Frau ihrer Familie zu liebe hinnimmt – nach der Scheidung aber bitter bereut, denn diese Hinnahme wird sie teuer bezahlen. Zwar hat sie für das Kind und die Familie verzichtet, nach der Trennung aber ist sie die Einzige, die Einbußen hinzunehmen hat – das Recht des Vaters an ihr und dem Kind bleibt intakt, für ihn fällt aber die Verpflichtung weg, sie über den Kindesunterhalt, sofern er den zahlt, hinaus zu unterstützen. Wie praktisch für die Männer! Die für sie wichtige Vereinbarung am Anfang einer Ehe – die gemeinsame Familie – bleibt bestehen, nur aus der zweiten, ungeliebteren können sie sich staatlich gewollt rauswinden – die gemeinsame ökonomische Verantwortung für diese Famile.

Die Propaganda rund um die „neuen Väter“

Begleitet werden diese Entwicklungen von einer riesigen Propagandamaschine, die den „neuen Vater“ ausruft, Väter, die sich ganz liebevoll um ihre Kinder kümmern, ja, eigentlich die besseren Mütter sind, und denen nach einer Trennung von den bösen, gehässigen Müttern das Recht am Kind verwehrt wird. Ein Blick in die Geschichte, auch innerhalb des Patriarchats, zeigt, dass das eine in der Geschichte einmalige Entwicklung ist. Zu keiner Zeit wurde postuliert, dass „Kinder ihre Väter brauchen“. Im Gegenteil: Kinderbetreuung war auch im Patriarchat Frauensache, höchstens die heranwachsenden Jungen konnten sich über ein wenig väterliche Aufmerksamkeit freuen. Zahlreiche indigene Gesellschaften matrilinearer Ausrichtung schenken dem biologischen Vater überhaupt keine Bedeutung, vielmehr sind es das Meer oder Gottheiten, die die Frau schwängern, das Kind gehört automatisch zur Familie der Mutter und wird von ihren Brüdern miterzogen. Die Natur hat biologisch den Akt der Zeugung vorgesehen – nicht aber der Vaterschaft. Das heißt nicht, dass Väter keine soziale Elternschaft übernehmen können, ebenso wie Großeltern oder Adoptiveltern und es sicher viele Frauen gibt, die sich eine gemeinsame Familie mit ihrem Partner wünschen. Aber eine biologische Notwendigkeit, nach der Kinder „ihre Väter brauchen“, existiert nicht. Warum wird sie also postuliert?

Patriarchale Ansprüche sind Überlebenskünstler

Die Antwort findet sich in der unglaublichen Wandelbarkeit und Überlebensfähigkeit des Patriarchats, die dafür sorgt, dass es jede Form von gesellschaftlicher Transformation bis in die Gegenwart überlebt. Wenn patriarchales Recht nicht mehr mit der Überlegenheit des Mannes gerechtfertigt werden kann, weil sich der gesellschaftliche Diskurs geändert hat, dann müssen eben andere Argumente her, wie zum Beispiel die Behauptung, dass Kinder ihren Vater brauchen – und zwar um jeden Preis, selbst wenn das bedeutet, wenige Wochen alte Babies von der Mutter wegzureißen, damit der Vater zu seinem Umgangsrecht kommt, selbst, wenn diese noch gestillt werden.

Auffällig ist dabei, dass auf der einen Seite überall der neue Vater hochgehalten wird, ja, die Familie als unvollkommen betrachtet wird, wenn er nicht in Erscheinung tritt, auf der anderen Seite ist das tabuiserte Schweigen über all die Väter (bis zu 70 Prozent), die sich nach einer Trennung überhaupt nicht für ihre Kinder interessieren. Dass es in den neuen familienrechtlichen Richtlinien einzig und allein um väterliches Recht geht, zeigt sich daran, dass der Wille der Kinder überhaupt nichts zählt. Wollen sie den Vater nicht sehen, gelten sie als von der Mutter beeinflusst, will der Vater aber das Kind nicht sehen, dann ist das sein gutes Recht. Dieses Handeln ist Ausdruck eines gesellschaftlichten Widerspruchs, der nur auszuhalten ist, wenn patriarchale Ideologie im Vorfeld als wahr akzeptiert wurde. Was denn nun? Brauchen Kinder ihren Vater unbedingt oder brauchen sie ihn nur, wenn es der Vater auch will? Woher kommt bei letzterem diese magische Verbindung zwischen väterlichem Willen und kindlichem Bedürfnis? Zu behaupten, der Vater sei der Mutter immer und jederzeit durch den Akt der Zeugung ebenbürtig und würde vom Kind immer benötigt, ist absurd angesichts der überwältigenden Zahl abwesender Väter. Erkennen wir den Hype um die neuen Väter als das, was er ist: patriarchale Machtsicherung.

Die Sache mit der Gleichberechtigung

Erstaunlich ist, dass beim Thema Mutterschaft sogar eingefleischte Feministinnen aus der Spur geraten. Das ist insofern nachvollziehbar, als dass die Verbindung von Frau und Mutterschaft aus den oben dargestelten Gründen für viele Frauen zu einer Bürde und Mittel ihrer Unterdrückung wurde. Es liegt aber ein Fehlschluss vor, wenn angenommen wird, daran sei die Biologie, also die Fähigkeit zum Kinderkriegen schuld. Schuld daran ist einzig und allein der patriarchale Anspruch auf diese Fähigkeit, der aus dieser Fähigkeit einen in ihrem Sinn pervertierten Zwang macht und so tut, als bestimme diese Biologie unsere Rolle in der patriarchalen Gesellschaft.
Unsere Biologie beinhaltet, dass wir Kinder bekommen oder es lassen können, wir können eigene oder fremde oder gar keine Kinder aufziehen. Das ist die Erweiterung der in der Biologie bekannten female choice und würden wir doch nur unsere Geschichte ein wenig besser kennen, so wüssten wir vermutlich, dass Frauen das seit Anbeginn der Menschheit so gemacht haben. Nicht unsere Biologie ist unsere Bürde – männliches Anspruchsdenken ist unsere Bürde. Das Wissen über unsere Körper beinhaltete sehr wahrscheinlich auch das Wissen über Verhütung und Abtreibung – Wissen, das wir heute verloren haben und deshalb dem patriarchalen Denken ausgeliefert sind. Kinderkriegen ist ein Vorgang, der bis in die jüngste Geschichte und unsere Gegenwart für Frauen lebensgefährlich ist und unglaubliche Ressourcen verschlingt. Patriarchales Recht sagt auch, dass Männer jederzeit entscheiden können, ob sie Ressourcen in dieses Kind investieren oder nicht. Der Frau wird diese Wahl, zumindest moralisch verwehrt.

Gern wird dann mit „Gleichberechtigung“ argumentiert, wenn Frauen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, sollen Männer eben auch Anspruch am Kind haben, ein quid pro quo also, das aber leider, wie so oft in der Väterherrschaft, keines ist. Während die Rechte des Vaters am Kind in den letzten Jahren immer weiter gestärkt wurden, wurde er aus seiner sozialen und finanziellen Verantwortung immer weiter entlassen. Väter, die sich um ihre Kinder kümmern, werden für Dinge, die von Müttern ganz selbstverständlich erwartet werden, bejubelt, ist der Vater hingegen abwesend, so wird die Schuld der Mutter zugeschoben, nicht aber dem Vater. Der Vater hat uneingeschränkt Recht auf das Kind, das Kind wiederum darf sich dem Vater nicht verweigern und die Mutter in diesem Zuge ebenso. Ein Kind zu haben, um das man sich weder finanziell noch sorgend kümmert, ist kein Nachteil für einen Mann – im Gegenteil. Für eine Mutter ist das undenkbar. Eine Mutter, die ihr Kind verlässt oder aufgibt oder sich nicht darum kümmert, ist nach wie vor moralisch so ziemlich das Schlimmste, was unsere Gesellschaft sich denken kann. Hier sieht man sehr deutlich, dass es bei den neuen Vätern nicht um „Gleichberechtigung“ geht, sondern um eine neue Art von Kontrolle über Frauen und Kinder.

Was echte Gleichbedeutung bedeuten würde

Und, ja: Es gibt Beziehungen, in denen man sich gemeinsam für ein Kind entscheidet und all die patriarchalen Widersprüche irgendwie überwindet, zumindest gefühlt oder temporär. Doch jede zweite bis dritte Ehe wird geschieden – und dann, wenn die Interessen auf einmal auseinander gehen, nimmt der männliche Partner automatisch eine bessere Ausgangssituation ein.

Und ja: Es gibt Frauen, die keine guten Mütter sind. Der Vater kann dann ebenso die bessere Wahl sein wie Großweltern oder völlig Fremde: Entscheidend ist, dass das Kind geliebt und kontinuierlich versorgt wird, Fähigkeiten, die mitnichten nur oder alle Frauen und Mütter entwickeln. Ein Kind zu gebären, macht eben auch keine Mutter aus. Deshalb fordere ich die Möglichkeit der anonymen Geburt – wenn Männer jerderzeit aus einer Schwangerschaft oder der Elternschaft aussteigen können – dann muss es, ganz gleichberechtigt  die gleiche Möglichkeit auch für Frauen geben. Wenn eine Mutter keine Mutter mehr sein kann oder will, muss sie genauso einfach gehen dürfen, wie es Männer jeden Tag tun, ohne dass für das Kind daraus ein Nachteil erwächst. Genau da macht aber unsere Gesellschaft nicht mit, das will kaum jemand den Müttern zugestehen. Auch hier misst das Patriarchat wieder mit Doppelmaß.

Echte Gleichberechtigung würde bedeuten: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Keine staatliche Bevorzugung der patrirachalen Kleinfamilie mehr, keine einseitige Unterstützung der Rechte des Vaters am Kind, keine Benachteiligung und Stigmatisierung von Alleinerziehenden mehr. Wer das liest, der ahnt, dass Gleichberechtigung, wenn es um das Kinderkriegen und die Kindererziehung geht, eine Art trojanisches Pferd ist, das uralte patriachale Ansprüche als Fortschritt tarnt. Das Patriarchat mag zwar an anderen Stellen vielleicht Zugeständnisse machen, wenn es aber an seine Grundfesten geht, wird es diese mit Zähnen und Klauen verteidigen. Ohne das unbedingte und uneingeschränkte Recht des Vaters am Kind fällt das Patriarchat in sich zusammen. Es entlang patriarchaler Logik zu postulieren, bedeutet, das Patriarchat selbst fit für die Zukunft zu machen. Die pure Existenz alleinerziehender Frauen, die sich mehr und mehr organisieren und im Web und anderswo selbstbewusst auftreten, ist eine unglaubliche Provokation für das Patriarchat, genau deshalb will die AfD sie sogar „abschaffen“, deshalb ergießt sich gerade über sie der Hass von Männern und Trollen besonders. Parallel zu ihrem Auftreten, mit ihrem wachsenden Selbstbewusstein, wird das Getöne um neue Väter und Väterrechte immer lauter, um diese Entwicklung aufzuhalten.
Da Frauen gegenwärtig noch immer diejenigen sind, die ihre Gesundheit riskieren und im Zweifelsfall ganz alleine für ein Kind einstehen, und zwar finanziell, emotional und mit ihrer Lebenszeit, mit höchstens widerwilliger staatlicher Unterstützung, die Stigmatisierung und einen riesigen Berg Verantworung auf sich laden, während der Vater „wählt“ ob er daran teilhat oder sich die Rosinen rauspickt, kann das Recht des Erzeugers im Konfliktfall nicht automatisch über dem Willen der Mutter stehen. Diese Haltung wirft uns um Jahrzehnte zurück. Der ganze Feminismus nutzt uns nichts, wenn wir uns nicht endlich mit den Müttern da draußen solidarisieren, die nur aufgrund ihrer Mutterschaft vom Patriarchat gegängelt werden.

 

27 Kommentare

  1. Danke Mira, super Zusammenfassung. Genau so sieht es aus.
    Das Einzige, in dem ich dir nicht zustimme, ist, dass die Geburt aus der Frau keine Mutter macht. Sie macht aus ihr vielleicht keine gute oder verantwortungsbewußte Mutter, aber Mutter ist sie auf jeden Fall.
    Die Möglichkeit der anonymen Geburt besteht bereits

    https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/schwangerschaft-und-kinderwunsch/hilfen-fuer-schwangere-mit-anonymitaetswunsch-und-vertrauliche-geburt/80948

    und müsste einfach noch bekannter werden.

  2. Ohne selbst davon betroffen gewesen zu sein- einAspekt fehlt mir noch: die Rolle der neuen Frau an seiner Seite. Auch sehr spannend, wie gern sie mitspielt. Der von ihnen angesprochene Vätertyp wählt hier schon bewußt.
    Ansonsten spiegeln sie gut das, was ich in zehn Jahren Beratung gesehen und gehört habe. Will nur keiner hören…

  3. Endlich wird es einmal auf den Punkt gebracht! Ich erlebe all dies leider tagtäglich völlig real! Seit 2009 bin ich nun vom gewalttätigen Vater meiner Kinder geschieden, und seither kümmert er sich rein garnicht und zahlt keinerlei Unterhalt. Trotzdem bekomme ich trotz vieler Kämpfe nicht das alleinige Sorgerecht,das ich doch ohnehin gezwungenermaßen täglich ausüben muss, ganz allein!? Trotz Vollzeitstelle die uns organisatorisch sehr viel Alltagsstress bedeutet, erhalte ich ergänzende Hartz IV Leistungen, während er einen Selbstbehalt von knapp 1.000Euro monatlich hat, aber fragt mich jemand, wie ich den Kindern all das ermögliche und was dann noch für mich bleibt? Ohne seine Einwilligung darf ich, obwohl ich mich seit 8Jahren allein um die Kinder kümmere, als Mutter kein Konto für sie anlegen, wenn ich aber einem Fremden jeden Monat 50Euro zahle, interessiert keinen Mensch, doch nicht meinem eigenen Kind ohne Einwilligung des Vazers und seinen Zugriff auf das Konto? Nach allem was ich seit Jahren tagtäglich ganz allein dafür opfere und kämpfe um auch ja alles richtig zu machen und trotzdem nie Anerkennung sondern nur Verachtung als Alleinerziehende dafür bekomme?! Das ist absolute Unterdrückung vom eigenen Staat! Bleibt nur zu hoffen dass die eigenen Kinder all das irgendwann erkennen und danken….

  4. Bri Lunzer-Rieder

    Dazu gehört ENDLICH auch, dass die -männliche- Verursachung einer Schwangerschaft rechtlich den Pflichten der (potentiellen und realen) Mütter angeglichen wird;
    wenn schon Frauen wegen ihrer Selbstbestimmungsrechte in Verhütung und Abtreibung mit Sanktionen bedacht werden,
    warum nicht AUCH ENDLICH mal die Väter ?
    Heutzutage kein Problem mehr, dank Gentechnik; wenn also ein Mann eine ungewollte Schwangerschaft verursacht, so soll er in Folge auch dafür geradestehen (müssen).
    Denkbar; Schmerzensgeld (Abtreibung ist für die Frau gesundheitlich und mental belastend !)
    Eintragung in ein Register (wie das die kath. Kirche via Beichte machte..)
    Schliesslich muss ein Mann selbstverantwortlich mit seinen Geschlechtsorganen umgehen (können).
    Auch das wichtige Thema VERHÜTUNG ist nicht `nur` ein Frauenthema. Oder ?
    Und bei wiederholter (männlicher) Tat der Verursachung ungewollter Schwangerschaften muss z. B. auch mal schlicht; Bestrafung
    angedacht werden. Der Männer.

    An der Sanktionierung der Frauen wird eh wieder heftigst NEU herumgebastelt………….;-(

    Wie kommen `nur` wir Frauen dazu, uns ständig und immer wieder
    ER-neut unsere Fähigkeit, mit unseren Körpern neues menschliches Leben zu machen, rechtfertigen zu müssen, und oft sogar dafür (!!!)bestraft zu werden (anstatt belohnt), hm?
    !!!

  5. Andrea Peter

    Danke, das drückt sehr gut aus, wie insbesondere Mütter klammheimlich und unter dem Deckmäntelchen der Gleichberechtigung ganz klassisch entrechtet und benachteiligt werden!

  6. FranzSprosse

    Fantastischer Artikel der den heutigen Maskulistischen Anspruch von „Mein Haus, Mein Geld, Mein Kind“ sehr gut zusammen fasst. Das Kind als letztes Machtmittel und Statussymbol.

  7. Hanna Banetzer-Windelen

    Ein wirklich großartiger Artikel, perfekt recherchiert und einfach die Beschreibung der täglichen Realität für uns hart arbeitende Alleinerziehende. Mein Ex-Mann hat meine berufliche Weiterentwicklung als Friseurin dermaßen hintertrieben, daß ich mich nur noch durch heimliches Weglassen der Pille dagegen wehren konnte. Danach hat er mich mit meinen zwei Kindern einfach sitzen gelassen, hat sich ein junges dummes Häschen genommen und zahlt jetzt kaum noch Unterhalt. Männer sind einfach nur noch Sch…. und gehören echt abgeschafft.

  8. Alter Wein in immer neuen Schläuchen. Ja- Es ändert sich Nichts! Back-lash und Rollback. Dann wird noch etwas sprachlich-korrekter-Gleichstellungs-Unsinn geschwurbelt; und FIX ist das alte Patriarchat innerem Anstrich wieder auferstanden. Die jungen Frauen fallen natürlich zuerst wieder herein, denn sie haben ja dieses ewige 2 Schritte vor und 3 zurück noch nicht 50 Mal gespielt, wie die alten Feministinnen. Und die?
    Sind des Kämpfens und Argumentierend einfach müde. Nein, nicht schon wieder! Lernen denn Männer nie dazu? Nein, eben nicht! Warum sollten sie denn auch? Für sie ist doch alles Palette! Keine Einsicht, kein Bedarf.

    Ich denke ja schon lange, dass da nur ein radikaler Geburtsstreik helfen könnte. Aber eben, ich habe mich auch da getäuscht. Durch massivste Propaganda (Heidi Klum und alle andern weiblichen „Stars“ vermarkten ihre dicken Babybäuche….) wird den jungen Frauen suggeriert, dass sie alles haben können, (wenn sie nur wollen!) Sexy Figur inklusive! Und natürlich lassen sich die jungen Frauen indoktrinieren, bei diesem ständigen Bombardement. Nun, die Realität sieht ja dann bekanntlich etwas anders aus. Warum hat mir das niemand gesagt? Eben! Um das geht’s ja! Falls sich die einheimischen Frauen weiter mit Gebärstreik wehren, kann man dann ja mit potenten jungen Migrations-zuwanderern etwas nachhelfen; und der störrischen Frauenwelt etwas auf die Sprünge helfen. Freiwillig oder nicht, ist ja für Männer eh kein Thema. Ach ja, hab‘ ich schon gesagt, dass jetzt neu noch dazu kommt, dass die Mütter auch immer und jederzeit sexy zu sein haben, selbstverständlich; uuuund gefälligst ihr eigenes Geld verdienen sollen. Die ganze Care-Arbeit , ebenfalls aus Liebe wird ihnen auch untergejubelt. Hurrah! Tolle neue Welt! Die Entlastung durch Männer ist nebst Lippenbekenntnissen äusserst marginal! Ja, immer noch!

  9. Ps Korrektur der automatischen Korrektur: 3. Zeile: im neuen Anstrich, ……..nicht im innern Anstrich….. / Palette, nicht Palette! Danke

  10. Danke! Großartig der Artikel und schön eure Kommentare zu lesen! Endlich hat jemand den Mut dies anzusprechen und so fundiert und schlüssig zu analysieren. Seit langem leide ich als Alleinerzieherin unter diesen Ungerechtigkeiten. Das zu lesen bestärkt mich in dem was ich sehe und wie sich meine Realität darstellt.
    Das Gebären und Aufziehen von Kindern ist eine der wichtigsten, körperlich und geistig anspruchsvollsten und forderndsten Aufgaben in unserer Gesellschaft. Warum wird sie nicht als solche erkannt, geehrt, geschätzt und somit auch angemessen finanziert? Die Leistung, Arbeit und Liebe der Mutter wird als selbstverständlich angesehen und vorausgesetzt. Ich liebe mein Kind über alles, sie ist mir das wichtigste in meinem Leben. Aber ich möchte nicht gezwungen sein Studium, Haushalt, Kind und nebenbei Arbeiten auch noch, zu managen, während der Vater sich abseilt. Das Amt sagt: „sein sie froh, dass sie überhaupt was kriegen, wenn er selbstständig ist, kann er sein Einkommen auch so angeben, dass er nur ein paar Euro oder gar nichts zahlen muss.“ Wofür gibt es dann Richtsätze (http://www.jugendwohlfahrt.at/rs_regelbedarf.php), die angeben wie viel ein Kind in welchem Alter benötigt, wenn Staat und Vater sich mühelos aus der Affäre ziehen. Denn diese Richtsätze gelten nur für Halbweisen oder wenn der Vater im Gefängnis sitzt. Wenn der Vater sich weigert für sein Kind zu zahlen oder nicht zahlen kann, streckt auch der Staat nur das voraus, was bei Gericht festgesetzt wird und das richtet sich eben nach dem Einkommen, das der Vater angibt und nicht nach dem was eine Mutter mit Kind zum Leben braucht.
    Dabei wird die volle Verantwortung der Mutter aufgebürdet und dann noch mit dem erhobenen Zeigefinger an ihrer Erziehung gemäkelt, oder ihre Selbstaufopferung als mangelhaft bekrittelt. Das ist einer der härtesten und schlechtbezahltesten Jobs die es gibt, bei dem man zusätzlich noch in jahrelange Abhängigkeitsverhältnisse kommt und in ständigem schlechten Gewissen lebt, weil es schier unmöglich ist diesem enormen gesellschaftlichen Ansprüchen „eine gute Mutter zu sein“ zu entsprechen.

  11. Ein sehr guter Bericht, der mich wieder zu dem Fazit bringt: Frauen, die Kinder haben wollen, sollten dies von Anfang an OHNE männlichen Partner planen, nur so kann man dem Patriarchat einen Strich durch die Rechnung machen: Zeugung nur durch künstliche Befruchtung mit Samen aus einer Samenbank – dann gibt es keinen Vater, der Ansprüche stellt. Auf Unterhalt verzichten und alleiniges Sorgerecht für das Kind haben. Das ist zwar mehr Bürde und Verantwortung für die Mutter, aber eben auch Freiheit und Selbstbestimmtheit! Es geht ja NUR um die Zeugung! Sex kann sie ja auch jederzeit haben, aber nur mit Empfängnisverhütung. Und sie kann ja auch mit einem Partner ihrer Wahl zusammenleben, aber auch der sollte keinesfalls der Vater ihres Kindes sein. Also kurz gesagt: Mutterschaft völlig ohne leiblichen Vater! Klingt im ersten Moment etwas befremdlich, aber je länger man (Frau) drüber nachdenkt, umso schlüssiger wird die Sache in Anbetracht dieser krassen Väterrechtler-Bewegung!

  12. Gabypsilon

    Renata, diesen Gedanken hege ich ebenfalls schon länger. Und bin mir ziemlich sicher, dass die gesetzliche Regelung auf den Anspruch und die Durchsetzung eines Vaterschaftstests für JederMann, der dies einfordert, nicht lange auf sich warten ließe. Da muss Frau sehr sicher gehen können, dass der Erzeuger nicht weiß, wozu er einen Beitrag geleistet hat. Schwierig wird es u.U. für die Kinder, die patriarchal konditioniert aufwachsen und die sich später nicht selten als „Menschen mit einem Bein“ definieren. Sich auf die verzweifelte Suche nach dem vermeintlich fehlenden Bein machen und es nicht finden können.

  13. „Renata 21. Februar 2017
    Ein sehr guter Bericht, der mich wieder zu dem Fazit bringt: Frauen, die Kinder haben wollen, sollten dies von Anfang an OHNE männlichen Partner planen, nur so kann man dem Patriarchat einen Strich durch die Rechnung machen: Zeugung nur durch künstliche Befruchtung mit Samen aus einer Samenbank – dann gibt es keinen Vater, der Ansprüche stellt. Auf Unterhalt verzichten und alleiniges Sorgerecht für das Kind haben. Das ist zwar mehr Bürde und Verantwortung für die Mutter, aber eben auch Freiheit und Selbstbestimmtheit! Es geht ja NUR um die Zeugung! Sex kann sie ja auch jederzeit haben, aber nur mit Empfängnisverhütung. Und sie kann ja auch mit einem Partner ihrer Wahl zusammenleben, aber auch der sollte keinesfalls der Vater ihres Kindes sein. Also kurz gesagt: Mutterschaft völlig ohne leiblichen Vater! Klingt im ersten Moment etwas befremdlich, aber je länger man (Frau) drüber nachdenkt, umso schlüssiger wird die Sache in Anbetracht dieser krassen Väterrechtler-Bewegung!“

    – Ja, das finde ich gut.

    Als Alternative sehe ich, Geburten vollends zu verweigern, es fragt sich nur, was uns Frauen dann blüht, wenn wir und zu RECHT weigern, dem Staat weiterhin zuzuliefern?

  14. Steffi, diese Möglichkeit gibt es natürlich auch, in kompletten Gebärstreik zu gehen. Aber das ist nie durchzusetzen, es wird immer genügend Frauen geben, die völlig gedankenlos in die Mutterschaft reinschlittern und genügend, die einfach ihrem Kinderwunsch nachgeben und hoffen, dass bei ihnen alles gut geht. Es ist doch so: jede Frau, wenn sie jung und verliebt oder einfach glücklich liiert ist, denkt, dass IHR das nie passiert, dass ihre Beziehung in die Brüche geht. Sie glaubt es auch nicht, wenn man sie warnt. Ich hätte es auch nie für mich geglaubt, dass meine Ehe zerbricht. Daher ist es ohnehin sehr schwierig hier Überzeugungsarbeit zu leisten. Und was den Gebärstreik betrifft: ich hätte das für mich nie gewollt, weil ich es – trotz ALLEM – so herausragend wichtig, besonders, einzigartig finde, dass wir Frauen zu dem Wunder der Schwangerschaft und Geburt befähigt sind, und weil es eine so wunderbare Erfahrung ist, Kinder zu bekommen, dass ich darauf nie verzichtet hätte, nur weil soviel Männer so bescheuert sind. Ich vermute nämlich hinter dem ganzen Hype, den die Vaterrechtler da anzetteln einen massiven Gebärneid. Also zeigen wir ihnen, dass wir auch ohne sie Kinder bekommen und aufziehen können, natürlich nur, wenn wir das für uns so wollen und es in unser Leben passt. Das ist doch das große Glück, dass wir im Unterschied zu früheren Zeiten endlich in der Lage sind, frei zu bestimmen, wie wir leben wollen, dass wir uns vor ungewollter Empfängnis schützen können, dass wir nicht mehr zwangsverheiratet werden etc. etc. Die Rahmenbedingungen für Frauen waren im Grunde noch nie so gut wie zur Zeit. Das einzige Dilemma ist unsere vermeintliche finanzielle Abhängigkeit vom Vater unseres Kindes. Wenn wir keinen Unterhalt einfordern und auch das blöde Jugendamt außen vor lassen, dann juckt das keine Sau und keinen Mann, welche Babies wir bekommen und von wem die sind. Im übrigen muss ich nur der Passage in Miras Bericht widersprechen, wo sie die Frau erwähnt, die beim ONS schwanger wird und dann den Kerl ihr Leben lang irgendwie an der Backe hat. Das passiert nur, wenn sie ihn angibt und womöglich Unterhalt von ihm will. Sie muss, wenn sie nach dem Erzeuger gefragt wird angeben, dass sie es nicht mehr weiß, weil sie betrunken war oder K.O.Tropfen bekommen hat etc. pp., dann kann keiner was machen. Das wäre noch die lustvollere Alternative zur Samenbank für die ganz taffen Frauen: Sich einen hutaussehenden, gesunden Typ suchen, ihn für einen ONS gewinnen, natürlich zum richtigen Zeitpunkt (Eisprung-technisch) und im natürlich nix verraten, weder Namen noch Adresse – der hat seinen Spaß und fragt nie mehr nach irgendwelchen möglichen Kindern. Wenn ich nochmal jung wäre, würde ich es vielleicht genau so machen.
    Und noch was zur Lebensgestaltung: In matriarchalen Gesellschaften leben mehrere Frauen in WGs zusammen, Mütter, Töchter, Schwestern, Freundinnen, alle mit ihren Kindern. Ich stelle mir vor, dass Frauen, die Bock auf Kinder aber keinen Bock auf nervige Partner haben, sich in Wohngemeinschaften organisieren, wo die Lebenshaltungskosten deutlich sinken und auch die Kinderbetreuung sehr kreativ und selbstbestimmt gestaltet werden kann. Und die Kinder hätten andere Kinder um sich rum, mit denen sie aufwachsen können. Klar, so Dinge wie Zickenkrieg und Eifersucht und Männerzirkus haben da keinen Platz und müssen überwunden werden. … Wir Frauen wären so stark und so effektiv und so überlegen, wenn wir nicht immer wieder in die Männerfalle tappen würden….!

  15. @Renata stimmt, kein Kerl ist an uns und Kindern interessiert, wenn er nicht zahlen muss. Wir müssen finanziell und emotional unabhängig sein, dann können wir machen was wir wollen.

  16. Renata
    Ja, solche Frauenwg’s und „neue Matriarchate“ , Mütter, alleinstehende Frauen, Grossmütter waren einmal auch meine schöne Vision. Leider macht da Vater Staat, (Jugendämter etc.) Vermieter von geeigneten Liegenschaften, und fehlende Solidarität unter Frauen, …(die dann lieber doch einen Ernährer finden und/oder im Häuschen im Grünen verdummen) einen riesigen fetten Strich durch die Rechnung. Genau dieser Traum hat mich alle meine Nerven und auch Geld gekostet. Frauen sind einfach nicht mehr „gruppengeeignet“, da aberzogen, durch allerlei Spalt- und gegeneinander Ausspielen -Kämpfe.
    Das Patriarchat hat schon dafür gesorgt, dass Frauen schön vereinzelt bleiben. Frauen selbst helfen dabei mit. (frühere Bücher von Angelika Alibi lesen. ZB: Mama ante Portas… etc. Wir sind alle viel zu verschieden und vereinzelt „worden“, als dass dies noch geht. Leider!
    Wenn wir dies nämlich geschafft hätten, wäre das ganze Patriarchat bereits obsolet. Ist es aber nicht. Es ist neu erstarkt auf dem Rücken von auseinander
    dividierten Frauen. Das alte „Teile- und Herrsche“ wieder einmal. Seufz!

    Ich habe diesen schönen Traum leider begraben müssen. Aber vielleicht, …irgend wann?

  17. PS: Ja, deshalb verdienen Frauen (und Mütter) auch weniger als Männer (zB. Bankmanager und wichtige Politiker, hm) Das hat Gründe nicht?
    Männer mögen zwar oft doof rüberkommen, aber dumm sind sie nicht!
    Auch die Ehe und die Doppelmoral (Schlampe versus fescher Hirsch) sind auf ihrem Mist gewachsen. Und patriarchal gedrillte Frauen quaken ja bekanntlich diesen Mist nach!

    Also einfach wird die Umsetzung von Frauenvisionen nicht. Sonst wären sie bereits verwirklicht.

  18. Renata… es muss ja nicht die Samenbank sein. Da bieten sich andere natürlichere und schönere Möglichkeiten 🙂
    und am furchtbarsten finde ich Väter bei der Geburt… da gibt es nun schon genug Studien die nachweisen, wie die Interventionsrate in Anwesenheit eines Vaters in die Höhe schnellt aber das wird genauso ignoriert, wie die Tatsache dass zu 98% ER für sie den Geburtsort festlegt. Er selbst würde selbiges so aber nicht mit seinem Körper machen lassen…
    Tja, die jungen potentiellen Mütter denken auch noch, sie könnten gar nicht ohne ihren Gatten durch die Geburt kommen. Oder: angeblich denke er dabei nur ans Kind und die Sicherheit – mit Sicherheit! findet dann viel vermeidbare Gewalt im Kreißsaal statt, alles nur für das Kind selbstverständlich. Da ist Hopfen & Malz verloren…
    Reminder: Frauen, ihr seid Göttinnen! Euer Körper erschafft neues Leben!

  19. Ich habe mein Kind von Anfang an allein großgezogen, Vater One-Night-Stand, weit weg und hatte keine Lust, etwas mit dem Kind anzufangen, hat aber einen Grundbetrag Unterhalt gezahlt. Für das Kind hätte ich mir gewünscht, wenn er ab und zu, zum Geburtstag oder in den Sommerferien, vorbeigeschaut hätte. Ansonsten habe ich mein Leben gelebt, in WGs mit anderen Frauen mit und ohne Kinder. Es war prima. In meiner Stadt in Ostdeutschland gibt es aber auch genügend Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Ich habe dafür gesorgt, dass viele Leute, auch nette Männer, mit meinem Kind Umgang hatten, so dass es viele Lebenskonzepte kennen gelernt hat. Nun ist es fast erwachsen 🙂 Es gab schon viele, die gesagt haben, wie schaffst du das, mich auch bemitleidet haben usw., aber ich habe das nie so gesehen. Außer dem finanziellen Aspekt – und natürlich die Quantität der Aktivitäten tagsüber – war es in Ordnung. Mein Kind war bis um 5 in der Tagesstätte – na und? es war ein toller Kindergarten mit ganz netten Erzieher*innen, wenn ich mal eher kam, sagte es: Mama, was machst du denn schon hier? Ich möchte noch spielen…

  20. Anton Wollie

    Bekäme ich als Berufsvater bei einer Scheidung von meiner Frau Unterhalt und die drei Kinder ? Ich habe sie ja von Geburt an erzogen.

  21. Väter von heute, so wie ich, wollen die gleichen Rechte und Pflichten für das Kind übernehmen wie Mütter.
    Die Zeiten in denen im Falle einer Trennung automatisch die Mütter das alleinige Sorgerecht und Aufenthaltsbestimmungsrecht bekommen haben und die Väter auf reine Unterhaltszahler reduziert wurden, sind glücklicher weise vorbei.

  22. Alexa Kreutzer

    Liebe Redaktion,

    Ihre Darstellung der Historie in Bezug auf die Entstehung des Patriarchats ist ungenau. Es gab viele Kulturen, in denen Männer und Frauen gleichberechtigt waren, auch als Herrscherpaare. Und auch bei den Kelten und Estrukern, zB wurden Frauen hochgeachtet.

    Ich empfehle Ihnen diesen Aufsatz zum Lesen

    http://www.streitbar.eu/aufsatz_amendt.html

    Freundlichen Gruss aus Aachen

    Alexa Kreutzer

  23. Na dann ist ja alles gut, Fritz. Wenn die Kinder das auch wollen, nämlich genauso viel bei Papa sein wie bei Mama, dann ist das okay. Falls aber nicht, dann gilt dein *glücklicher weise* nur für die Väter, und für die Kinder samt Müttern muss es heissen: unglücklicherweise

  24. @Alexa:
    Dass Sie Paare (also Paarbeziehungen) erwähnen, spricht schon dafür, dass sie das Patriarchat meinen. Die Female Choice kennt keine Paarbeziehungen, kein Gebundensein an einen Mann.
    Dass Sie HERRschaft erwähnen, bezeugt ebenso das bereits bestehende Patriarchat. Hierarchien sind immer patriarchal. Alle Hierarchien fußen auf der ersten Hierarchie, die je eröffnet wurde, nämlich der des Mannes über die Frau.
    Belesen Sie sich bei Gerda Lerner und zur Matrifokalität.

  25. Oh ja.. meine Worte.. diese angebliche neue Gleichberechtigung. Bis auf Ausnahmen ziehen in der Tierwelt die Weibchen ihre Jungen auf und keiner würde auf die Idee kommen.. diese zu trennen. Sich in die Bindung zwischen Mutter und Kind einzumischen.. ist fatal. Und zu erwähnen wäre auch, dass Frau bitte emotionslos eine Trennung hinzunehmen hat und ihre Gefühle hinten anzustellen hat, ansonsten ist sie automatisch eine Kindesentzieherin.

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