Der Körper als Ware

Buchcover: Der Körper als Ware

Lisbeth N. Trallori: Der Körper als Ware, Mandelbaum-Verlag, 2015

 

Der Kapitalismus macht vor nichts Halt – auch nicht vor dem Körper. Besonders Frauenkörper sind der kapitalistischen Ausbeutung auf vielfache Weise unterworfen. Von Körperzellen über Eizellen bis zur Leihmutterschaft und der Prostitution werden einzelne Bestandteile des weiblichen Körpers verkauft und ausgebeutet. Die Pornoindustrie treibt bewusst die Pornifizierung von Körpernormen und die Darstellung von Frauen in Werbung und Medien voran. Mit Frauenkörpern lässt sich Geld verdienen.

In „Der Körper als Ware – Feministische Interventionen“, erschienen im Mandelbaum Verlag, geht Lisbeth N. Trallori in 5 Teilen der neuen Vermarktung von weiblichen (und männlichen) Körpern nach.

Teil I trägt den Titel „Der Körper als Medium der Kapitalisierung“. Darin wird die neue Körperpolitik in engen Zusammenhang mit neoliberaler Verwertungslogik gestellt. Alles am Körper ist verwertbar, seine Zellen, Organe, Fortpflanzungsorgane und wird mit einem Preis versehen. Der eigene Körper soll ständig verbessert werden – mit Schönheits-Ops, Kosmetik und anderen Tuning-Maßnahmen, die auch vor dem eigenen Kind, das längst als eine Art „Glücksinvestition“ betrachtet wird, nicht Halt machen.

Teil II heißt „Körperwissen in Transition“. Hier geht es um „Gene und Geschlecht im Diskurs evolutionärer Theorien.“ Längst ist es möglich, Geschlecht, Hautfarbe und mögliche Behinderungen schon vor der Geburt festzustellen, von dort ist es nicht mehr weit bis zum perfekten Menschen nach dem Baukastenprinzip.  Auch später kann das eigene Geschlecht, das eigene Aussehen jederzeit dem Lebensgefühl angepasst werden. Das Leben an sich ist nicht mehr heilig, sondern nur noch Mittel zum Zweck einer vorgegaukelten Perfektion.

Thematisch richtig schließt sich daran Teil III an „Historische Debatten zu Körper-Sondierungen“. Hier werden Zusammenhänge kapitalistischer Verwertungslogik mit der Geschichte der Eugenik beleuchtet und die Erschaffung des neuen Menschen nach rassistischen Prinzipien.

Teil IV „Körper in der Repro-Genetik“ beleuchtet, wie auch Männerkörper und ihre Gene (Samenspenden etc.) auf ihre Verwertbarkeit hin überprüft und ausgenutzt werden.

In Teil V geht es um die Verbindung von Körper und Virtualität, die in Form von Internetbrillen, Uhren und Smartphones längst Realität ist.

Menschenkörper, allen voran Frauenkörper, werden ökonomisiert, per se als defizitär betrachtet und ständiger Optimierung unterworfen. Alles, was sich ausbeuten lässt, wird unter kapitalistischen Gesichtspunkten betrachtet und lässt Moral und Ethik außer Acht. Unsere Gene, unsere Zellen, unsere Reproduktionsmittel, unsere Geschlechtsorgange sind entweder Mittel, um mit ihnen Geld zu verdienen oder sie bedürfen der Verbesserung. Perfekt ist nicht länger das Leben, sondern was der Mensch daraus macht. „Der Körper als Ware“ ist eine glänzend recherchierte Streitschift wider diesen neoliberalen Ökonomisierungwahn der Körper – allen voran der Frauenkörper.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Rezension des überaus wichtigen Buches!
    Besonders ein Satz hat sich bei mir eingeprägt: „Aus Selbstbestimmung wird Selbstvermarktung.“ Besser lässt sich der neoliberale Feminismus nicht zusammenfassen – auch mit Hinblick auf die Pro-Prostitutionslobby.

  2. Männer wollten immer schon die „besseren“ Mütter, ähäm Schöpfer (Gott) sein!

    Das sieht man u.a. in der ganzen Anmassung …… der Religionen, der Geschichte, der Psychiatrie, der Kinderzuteilung, resp. neu dem mütterlichen Obhutsentzug, der Prostitution, der Pornographisierung, der Versklavung und Unterwerfung von ganzen Völkern und eben auch oder vor allem von Frauen, dem Krieg, der Repromedizin, der Technologisierung, der Digitalisierung, der Begradigung aller Flüsse, der Unterwerfung der Natur, der Abholzung der Regenwälder, der Verschmutzung der Meere, der Tierversuche, der Folter von Mensch und Tier, und der Kapitalisierung und Patentierung von allem Leben.

    Männer im Patriarchat hassen das Leben und die Schönheit der Natur und wollen sie „männlich optimieren“. heisst verändern, (töten) und dann kapitalisieren. Sie machen es mit den Frauen, den Tieren und der ganzen Natur.

    Sie sind echt wahnsinnig und nekrophil.

    (Lest Mary Daly!)

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