Die Farce von #Koeln

Abbildung: 2 Männer greifen nach einer Frau
Paul Townsend via Flickr, [CC BY-ND 2.0]
An Silvester wurde am Kölner Hauptbahnhof  und in anderen deutschen Großstädten eine bislang unbekannte Anzahl von Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt. Rund 150 Opfer sollen Anzeige gestellt haben, sogar von Vergewaltigung ist die Rede. Die Täter waren laut Beschreibung nordafrikanischer und arabischer Herkunft. Das Netz überschlägt sich seither. Da sind die einen, die vor rassistischen Vorwürfen warnen, die anderen wittern erneut den Untergang des Abendlandes. Die Politik spricht von „der harten Hand des Rechtsstaats“. Die Opfer kommen in dem ganzen Tumult überhaupt nicht vor.

Silvester, eine Nacht außerhalb der Norm. Alle feiern, bleiben lange auf, schlagen über die Stränge. Am Kölner Hauptbahnhof gibt es Angst vor terroristischen Anschlägen, deshalb sind Polizei und Bundespolizei vor Ort.  Menschenmassen versammeln sich auf dem Vorplatz, einige Gruppen feuern Böller und Raketen in die Menge. Frauen werden im Gedränge betatscht, befingert, umzingelt, bedroht, ausgeraubt und sogar vergewaltigt. Umstehende, die ihnen zur Hilfe eilen, werden bedroht. Die Täter, so beschreiben alle übereinstimmend, sind junge Männer zwischen 15 und 35, nordafrikanischer und arabischer Herkunft. Die Polizei bekommt davon nichts mit, schreibt in ihrem Lagebericht, die Silvesternacht sei friedlich verlaufen. In den sozialen Netzwerken mehren sich die Nachrichten von den Überfällen, Opfer und Augenzeugen berichten, die ersten lokalen Tageszeitungen greifen das Thema auf. Die großen Medien ignorieren es, zu groß die Angst, rassistische Ressentiments zu schüren oder Falschmeldungen aufzusitzen. Die Wellen schlagen immer höher, es gibt Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Warnungen. Dabei ist der ganze Tumult eine Farce, die dem Leid der Opfer Hohn spricht.

Kristina Schröder, Ex-Familienministerin, postete schnell auf Twitter etwas von frauenfeindlicher Gewalt, die im Islam schon angelegt sei. Die Übergriffe von Köln, ganz klar ein Ergebnis von Einwanderung und der sogenannten Flüchtlingskrise? Es ist leicht, die Schuld für solche Ereignisse im Fremden, im Anderen zu suchen. Warum soll es gerade an der muslimischen Gesellschaft liegen, wenn fremde Männer hier Frauen belästigen? Es ist Ausdruck einer schon lächerlichen Heuchelei, so zu tun, als würden wir zugewanderten Männern ein Musterbeispiel am Umgang mit Frauen sein. Ganz im Gegenteil: Sie kommen in ein Land, in dem ihnen pornifizierte Werbung von jeder Werbetafel und jedem Bildschirm entgegenlächelt, Frauen werden ganz offen als Ware angeboten, Sexkauf ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und Vergewaltigung ein straffreies Verbrechen. Flatrateficken und Facial Abuse gehören für den deutschen Mann zu seinen persönlichen, westlichen Freiheiten in einer sogenannten zivilisierten Gesellschaft, die auch von den Medien mit Zähnen und Klauen verteidigt werden; sexuelle Gewalt will niemand erkennen, wenn Frauen im Porno bewusstlos geschlagen werden und der deutsche Durchschnittsmann darauf abspritzt. Wer noch Zweifel hat, ob Prostitution sexuelle Gewalt ist, der soll sich mal in den Freierforen umsehen. „Nurindenarsch“ oder „Nuttendestroyer“ sind dort übliche Pseudonyme, die Beiträge zu lesen, kann man sich dann selbst häufig ersparen, die Triggergefahr ist groß.
Die BILD-Zeitung schreibt zu Köln vom „Sexmob in unseren Städten“, Alice Schwarzer von Gangbangs auf dem Bahnhofsvorplatz und nennt die Täter Terroristen. So absurd das klingen mag, doch beide haben damit Recht, es sind aber nicht die Fremden, die Anderen, die Flüchtlingen, die dieses Klima heraufbeschwören, es ist unsere eigene, verlogene Gesellschaft, in der Rape Culture sich in Songtexten, in der Werbung und unzähligen Filmen und Artikeln ausdrückt und bei Vergewaltigungen die Opfer diffamiert und die Täter straffrei davonkommen lässt. Einen „Sexmob in unseren Städten“ gibt es tagtäglich in allen deutschen Großstädten – und zwar vor allem entlang der Straßenstrichs, Puffs, Saunaclubs und Laufhäuser.

Fremde Männer, die aus muslimisch geprägten Ländern in unser Land kommen, sind mit der offenen Zurschaustellung der sexuellen Ausbeutung von Frauen nicht vertraut, auch in ihren Ländern gibt es Prostitution und Porno, allerdings im Verborgenen und gesellschaftlich geächtet. Und: Es wird streng auf die Trennung der Geschlechter geachtet. Diese Trennung geht in erster Linie zum Nachteil der Frau, die sich verhüllen, im Privaten aufhalten, zurückhalten muss. Männer haben in islamischen Ländern mehr Freiheiten und ein anderes Selbstverständnis. In wieweit das in der Religion oder in der Kultur angelegt ist, darüber lässt sich streiten, ganz sicher aber findet es sich nicht in den Genen. Diese Männer kommen also in ein Land, in dem alles Porno ist und dieses „alles Porno“ wiederum einzig zum Nachteil der Frauen geht. Sie sind die Objekte auf den Werbetafeln, das Frischfleisch in den Puffs, das laut und grell beworben wird. In jedem Werbeblock finden sich halbnackt räkelnde Frauen als Staffage. Frauen sind in unserer Kultur eine Ware, die offen zur Schau gestellt, entmenschlicht, erniedrigt wird. Und dann wundern wir uns ernsthaft, dass Männer, die aus einem anderen kulturellen Kontext kommen, nicht gleich verstehen, dass man als guter Deutscher Frauen nur in dunklen Seitengassen, in der U-Bahn, im Karneval, im Puff, in den eigenen vier Wänden und auf dem Fernsehbildschirm belästigt und missbraucht, nicht aber in Gruppen und auf öffentlichen Plätzen? Kommt schon. Ein wenig Zeit müssen wir der Integration schon lassen. Dann werden sicher auch ausländische Täter wissen, wie man sich Frauenkörper mit Gewalt bedient, ohne vor Gericht zu landen. Millionen deutsche Männer machen es ihnen jeden Tag vor – legal und straffrei.

Sexkauf ist in Deutschland seit 2002 offiziell legal und wird sogar besteuert. Für Frauen ist Prostitution ein rechtsfreier Raum, ohne Schutz, ohne Schranken. Daran ändert auch das vertagte Prostitutionsschutzgesetz nichts. Männer dürfen, sobald sie einen Zehner auf den Tisch legen, mit Frauen machen, was sie wollen, Prostituiertenverbände raten ihren Mitgliedern, besser keine Schals und Ohrringe zu tragen, damit sie nicht so leicht verletzbar sind. Frauen als Waren werden für alle sichtbar beworben, Freier feiern ihre Puffbesuche in Videos.
Wer keine Lust hat, in den Puff zu gehen und auch noch Geld dafür zu bezahlen, der kann sich in Deutschland auch auf anderen Wegen ziemlich sicher sein, dass ihm nichts geschieht, wenn er eine Frau gegen ihren Willen zum Sex zwingt. Vergewaltigung ist hier nahezu straffrei, nur ein Bruchteil der Taten wird überhaupt angezeigt, von diesen Tätern werden nur lächerliche 8,4 Prozent zu noch lächerlicheren Bewährungsstrafen verurteilt. Vorher müssen die Opfer durch entwürdigende „Glaubwürdigkeitsgutachten“ und wenn sie Pech haben, findet der Anwalt der Gegenseite heraus, dass sie mehr als nur einen Sexpartner hatten und macht sie öffentlich zu Schlampen. Das ist legal in Deutschland und die Realität unseres Rechtsstaats.

Diejenigen, die jetzt am allerlautesten auf Twitter und Co danach rufen, die Täter zu bestrafen, sind diejenigen, die sich gerne mal über #Aufschrei und Vergewaltigungsopfer lustig machen, die Frauen, die eine sexuelle Straftat anzeigen, unterstellen, sie würden das nur tun, um sich an einem Mann zu rächen und die es auch sonst eher nicht mit Frauenrechten haben. Die Opfer von Köln werden von ihnen nur für rassistische Meinungsmache missbraucht, um die Frauen, ihre Sicherheit und Recht geht es denen sicher nicht. Wären die Täter von Köln deutsche Fußballfans gewesen, die Opfer würden ganz sicher als hysterische Feminazis diskreditiert werden und niemanden würde ihnen glauben. Dabei braucht es die Fremden, die Flüchtlinge gar nicht, damit sich Frauen in Deutschland nicht sicher fühlen. Im Kölner Karneval kommt es jedes Jahr zu einer Vielzahl von Übergriffen, die Opfer aber, so heißt es dann, sind selbst schuld, haben ja gewusst, worauf sie sich einlassen, hätten nicht so viel trinken dürfen oder überhaupt anders gekleidet auf die Straße gehen sollen. Wie nah diese Aussage am Verhüllungsgebot in islamischen Gesellschaften ist, merken jene, die auf diese Weise #Victimblaiming betreiben, nicht.

In das selbe Horn stieß die Kölner Oberbürgermeisterin Reker, die „Verhaltensregeln“ für Frauen aufstellen möchte und diese auffordert, „eine Armeslänge Abstand zu Fremden“ zu halten. Statt also dafür zu sorgen, dass sich Frauen unbehelligt auf öffentlichen Plätzen bewegen können, wird ihnen eine Mitschuld an Belästigungen gegeben. Die Männer, wie so häufig, werden aufgrund ihrer Natur entschuldigt. So sind sie eben, die Kerle! Auch lange vor Köln wussten und wissen Frauen in Deutschland, dass sie nachts, in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf offener Straße nicht sicher sind. Jede dritte Frau in Europa hat bereits sexuelle Gewalt erfahren.

Die eigentliche Hohnsprechung der Opfer aber ist, dass es für die Taten, die da in Kön begangen wurden, überhaupt keine rechtliche Handhabe gibt. „Die harte Hand des Rechtsstaats“, nach der jetzt auch Politiker rufen, existiert schlichtweg nicht. Gerade Justizminister Maas sollte das eigentlich wissen. In Deutschland ist es nämlich so, dass nur wenn sexuelle Gewalt unter echter Gefahr für Leib und Leben geschieht, überhaupt rechtlich etwas unternommen werden kann. Ein einfaches „Nein“ oder auch die Armeslänge Abstand reichen da nicht aus. Immerhin kann der Täter das alles ja als Teil eines Verführungsspiels betrachten – beim dank „Fifty Shades of Grey“ inzwischen salonfähigen BDSM läuft es ja auch nicht anders und da ist doch alles freiwillig. Der Straftatbestand der „sexuellen Belästigung“ existiert in Deutschland überhaupt nicht. Die 150 Opfer von Köln können also nur auf ein politisches Signal hoffen, weil man in Berlin nun um den sozialen Frieden fürchtet, rechtlich wird ihnen kaum Gerechtigkeit geschehen, ebenso wie hunderttausenden bis Millionen Vergewaltigungsopfern in Deutschland jedes Jahr.

Die Opfer von Köln kommen in der ganzen Debatte so gut wie gar nicht vor. Die einen missbrauchen sie für fremdenfeindliche Meinungsmache, die anderen haben so viel Angst vor Rassismus, dass sie die Opfer am liebsten einfach zum Schweigen bringen würden. Beides ist feige, beides ist falsch. Richtig ist, zu erkennen, dass sexuelle Gewalt ein Teil unserer eigenen Gesellschaft ist und wenn wir nicht wollen, dass Zuwanderer sie ausüben, dann müssen wir zu allererst dafür sorgen, dass sie gesellschaftlich endlich konsequent sanktioniert wird, dass Opfer angehört, respektiert und geschützt werden und Täter mit Scham und Ächtung überschüttet werden, nicht diejenigen, an denen sie sexuelle Gewalt ausgeübt haben. In der ganzen Debatte geht es nicht um die Opfer, die betroffenen und traumatisierten Frauen, die, wie so oft, mit ihrem Erlebnissen allein gelassen, für mitschuldig erklärt oder gleich für politische andere Zwecke missbraucht werden. Ihnen sollten wir zuhören und ihnen unsere Solidarität zeigen.

UPDATE 08.01.2016: Gestern wurde bekannt, dass das Kanzleramt kurz vor Weihnachten den Weg freigegeben hat für die Neuregelung bzw. Verschärfung des Vergewaltigungsparagrafen § 177. Laut Presseberichten sei diese Entscheidung bereits vor den Ereignissen von Köln gefallen. „Nein“ heißt dann zwar immer noch nicht „Nein“, aber prinzipiell ist auch Angrabschen dann eine Straftat.

23 comments

  1. yvonne says:

    Genau so ist es!
    Das ist die „eigentliche Willkommenskultur“, die den Frauenverächtern aus anderswo den Boden so schön vorbereitet hat. Ohne Frauenverachtung und Gewaltkultur hier, (und dem heuchlerischen Wegschauen und Opfer-beschämen) auch der Öffentlichkeit, Politik und Justiz, wären solche Übergriffe im Grossen gar nicht erst möglich, da sich dann nämlich „richtige“ Männer sehr schnell schützend vor die Frauen und Mädchen stellen würden. —Die Polizei würde auch viel schneller eingreifen, und solche „Armlängen-Kommentare“ von Politikerinnen wären dann auch nicht möglich. Aber eben:
    ….Der Balken im eigenen Auge! ….. Au weia !!!!!!!

    Willkommen zurück !!!!!!! Mit neuer Schärfe und einem unbestechlichen Blick!

  2. MutterCourage says:

    Danke, klipp und klar auf den Punkt gebracht. Gegen Zwangsprostitution hilft in diesem Land wie man im letzten Jahr lernen durfte die Beratung auf Augenhöhe mit dem Zuhälter, wie im Familienrecht schon lange. Und so eine Armeslänge Abstand ist immer hilfreich, liebe Frauen, welche ihr von Gewalt betroffen seid, beherzigt das einfach mal.

  3. Roswitha Reger, München says:

    Vielen Dank für Euren klaren Blick. Besonders betroffen waren Frauen in Städten mit ausgeprägtem Prostitutionsgeschäft.
    Hamburg und Köln sind die Hochburgen der Prostitution. Hamburg schon immer, und die Übergriffe haben v.a. an der Reeperbahn stattgefunden, – und das Pascha und Teenyland in Köln (teenyland-koeln.de ist einen genauen Blick wert in Sachen sexueller Mißbrauch) zeigen, was mitteleuropäische „Hochkultur“ an Respekt für Frauen und Mädchen zu bieten hat. Die Täter sind gut integriert, sind sozusagen im Bordell Europas angekommen.

  4. Gini Horse says:

    Sehr schön, dass auch der fem. Blickwinkel zu lesen ist. Seit Anfang der Frauenbewegung wird auf Euere Argumentation hingewiesen. Frauen werden als Objekte benutzt – Frauen werden dadurch missbraucht und sind dadurch Opfer unserer Geselllschaft. Wann wehren wir uns gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen?? WANN???

  5. Silvio says:

    Ja, es ist leider wirklich so schlimm. Ich bin 1,65cm und alles andere als muskulös. Selbst vor mir haben Frauen Angst wenn ich durch unser Viertel in Mannheim laufe und zufälligerweise eine Frau vor mir läuft.
    Ich weiß das das mit mir als Person nichts zu tun hat, sondern weil die Realität die Ihr beschreibt, nun mal so ist.

  6. Eva says:

    Ein guter Artikel! Interessant ist auch, dass viele Männer im Ausland, also wenn man so richtung Osten (Türkei, Indien) reist, das Gefühl haben, Frauen aus der westlichen Welt seien alle leicht zu haben und in etwa auf der Stufe einer Nutte. Im Fernsehen bekommen sie es gezeigt… Die bekommen das Bild nicht erst vermittelt wenn sie hier ankommen.
    Und ich kenne einige europäische Männer die es lustig finden, wenn Frau im islamischen Ausland den Herren nicht in die Augen sehen „darf“. Das ist doch das wirklich dämliche, dass Männer aus dem gleichen kulturellen Hintergrund über sowas nicht empört sind. Aber es gibt ja auch noch Männer die das Leid einer vergewaltigten Frau nicht verstehen sondern noch sauer sind, weil sie mit einem anderen Mann verkehrt hat… Verlogene Kultur

  7. Sabeth says:

    Herzlichen Dank, Mira Sigel! Ich freue mich sehr über all die differenzierten Texte, die aktuell zur (verbal eskalierten) Situation, zu den aktuellen „Vorkommnissen“ zu lesen sind – und sie kommen fast ausnahmslos, jedenfalls mehrheitlich von Frauen. Auch bin ich immer wieder froh über jeden Beitrag, der Pornographie und Prostitution als das erkennt und benennt, das es ist: Gewalt, Unterdrückung, Ausbeutung von Frauen – durch Männer. Und das seit Jahrtausenden rund um den Globus – bis heute: auf jedem einzelnen Kontinent: noch immer. – Die aktuelle Doppelmoral, das Mit-zweierlei-Maß-Messen so vieler vermeintlich „unbescholtener“ Männer, ist unerträglich und es ist wichtig, dies zum Ausdruck zu bringen, diese Männer mit der Realität und ihrem eigenen „kritikwürdigen“ … Verhalten zu konfrontieren, da sie offenbar gewohnt sind, es zu verdrängen, zu verharmlosen oder auch komplett zu leugnen/abzustreiten. Und es freut mich auch deshalb (solche differenzierten, kritischen und Kritik äußernden Beiträge), weil es inzwischen nicht wenige – vor allem junge – Frauen gibt, die längst so indoktriniert sind, dass sie „Porno“ (-Sex) sogar selbst (vorgeblich) „geil“ … finden. Das ist fast das Traurigste daran. – Es geht nicht darum, Frauen per se zu „Opfern“ zu stilisieren oder um „Männerhass“ – es geht um all die Wut, Empörung, Traurigkeit und Verzweiflung, die aufkommt, wenn man sich vor Augen hält, was alles wo überall wie häufig rings um den Globus an Gewalt … von Männern gegenüber Frauen und Mädchen „stattfindet“ … . Es kann einen manchmal fast resignieren lassen. http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2015/06/pamphlet-oder-uber-prostitution.html

  8. Alina says:

    Also der Beitrag verdient den Pulitzer-Preis. Und wenn ich mir so die Kommentare hier durchlese, dann frage ich mich, worauf wir noch warten wollen? Ich sage es Euch: Wir warten so lange, bis wir sicher sind, dass auch Jede von uns mitmacht und uns nicht in die Parade fährt. Ich weiß, wovon ich schreibe. Ich habe viele Jahre um meine Würde und den Respekt, den ich von meinem Mann erwarte, gekämpft. Ich habe nicht gegen meinen Mann gewonnen, sondern ich habe den Kampf gewonnen. Er begegnet mir mit Respekt und achtet meine Würde. Der Weg dahin ist sicher so etwas wie „Erziehung“ und genau da fängt das Problem an. Wenn andere Frauen (auch solche „von uns“) sehen, wie sich mein Mann mir und – ja, auch ihnen gegenüber – verhält, schütteln sie oft mit dem Kopf und meinen, dass sie dies nun auch wieder nicht sooo gut fänden. So einen Mann wollten sie nun auch wieder nicht.

    Was ich sagen will: Auch der „Fall Köln“ zeigt wieder einmal, was in dieser kranken Gesellschaft schlummert und jederzeit zum Ausbruch kommen kann. Und er zeigt vor allem wieder einmal, dass wir uns einig darüber sind, was wir NICHT wollen. Aber wissen wir eigentlich genau, was wir wollen? Und wissen wir, wie wir dahin gelangen können? Und vor allem: Ist es uns bewusst, dass das ein schwerer Kampf mit viel Arbeit (auch gegen den inneren Schweinehund) ist? Reden reicht nicht. Man muss so denken wie man redet und dann so handeln wie man denkt. Und vor allem: Stets und ständig, also auch zu Hause, wo man allein kämpft und auch dann, wenn man eigentlich gar keine Lust dazu hat oder erschöpft ist. Mir geht es in dieser Frage ähnlich wie es angeblich anderen in der Flüchtlingsfrage geht: Ich wage es gar nicht, meine Gedanken und Ideen zu sagen, weil dann nicht nur Männer, sondern auch Frauen (sogar vernünftige) über mich herfallen. Deshalb habe ich es für mich in meinem kleinen Kosmos verwirklicht. Wenn alle das machen würden, wäre das in Köln für die armen Frauen kein Spießrutenlauf geworden, sondern ein Ehrenspalier.

  9. Ch says:

    Danke für die treffende Analyse und die sehr klaren Worte. Der Rummel geht in jeder Richtung an den Opfern komplett vorbei, es ist zum Heulen ?

  10. Zora says:

    Danke, Mira Sigel, für klare und kluge Worte.
    Genau so erlebe ich die deutsche Doppelmoral und Heuchelei.
    Ich pendle zwischen Wut und Hilflosigkeit, Fassungslosigkeit und Zynismus.
    Versuche zumindest in meinem direkten Umfeld aufzuklären und immer wieder zu widersprechen. Mein Sohn ist 18 und kennt zumindest schon mal den Bechdel – Test…und wenn ich ihn frage „Fällt Dir was auf!“ antwortet er schon automatisch: „Zu wenig Frauen!“. Und dann verdrehen wir beide die Augen.

  11. Karla Kekz says:

    Danke für diesen hervorragenden Artikel, der alles ausdrückt, was ich vor Wut nicht artikulieren konnte. Ich stimme gänzlich überein – auch größtenteils mit den hier bereits geleisteten Kommentaren. Diese Doppelmoral und Heuchelei ist kaum auszuhalten! Wie jetzt die größten sexistischen Arschgeigen plötzlich zu „Feministen“ mutieren, um ihren scheiß Rassismus zu nähren – Instrumentalisierung pur. Die Frauen sind dabei nur NebenSACHE, die Betroffenen erst recht! Ich weiß nicht, ob ich lachen, kotzen, weinen, schreien oder alles gleichzeitig soll…

    Eigentlich habt ihr alles gesagt. Ich möchte dennoch noch etwas zur Wortwahl der großen Medien einwerfen, als Ergänzung, denn Sprache schafft Denken. Ich finde Worte wie „Sex-Mob“ und dergleichen so dermaßen falsch und zynisch! Sexualisierte Gewalt hat rein gar nichts – GAR NICHTS – mit Sex zu tun! Sexualisierte Gewalt ist Gewalt, die sich des Mittels der Sexualisierung bedient, sprich in die sexuelle Selbstbestimmung einer Person eingreift. Die Missachtung der körperlichen und sexuellen Integrität einer Person (mehrheitlich der Frauen) ist nicht Sex! Es war also kein „Sex-Mob“, sondern ein Gewalt-Mob.
    Leider finden sich in den Medien noch viel mehr solcher unsäglichen Begrifflichkeiten („Sex-Gangster“, etc…), die sexualisierte Gewalt immer wieder in die Nähe zu Sex rücken und damit (im Unterbewusstsein der/des Leser/in) den Eindruck vermitteln, es wäre gar nicht so schlimm, denn schließlich lieben ja alle Sex heutzutage oder sollen es zumindest – Pornofizierung und sexuelle Verfügbarkeit lassen grüßen – Euphemisierung, Normalisierung… durch die verwendete Sprache.

    Was ich auch furchtbar finde: Nachdem die Medien über die Vorfälle in Köln berichteten, wurde von Anfang an immer wieder und tagelang in allen Medien immer wieder die nordafrikanische/arabische Herkunft betont, nur damit die selben Medien heute alle einschlägig Beiträge bringen können, in denen auf Grundschulniveau erklärt wird, dass gar nicht alle Nordafrikaner/Araber so sind. Wenn ich mir manche Kommentare unter diesen Artikeln ansehe bzw. wie die Leute reden, verstehe ich zumindest das Grundschulniveau. Da muss frau halt klein und von vorn anfangen, damit überhaupt etwas von dem hängen bleibt, was eigentlich Grundwissen und selbstverständlich sein sollte. Ich verstehe nicht, warum nicht bei der ersten Erwähnung des Aussehens erwähnt wurde, dass nicht alle, die so aussehen, sich auch so verhalten.
    Weiterhin hat es zum Einen etwas von Zurückrudern der Medien, zum Anderen scheint es aber auch gewollt, weil sie so ihre Sendezeit/Zeitungsspalten füllen können. Erst tagelang Öl ins Feuer gießen, um dann – zufällig – mit Löschpulver dazustehen, wenn der Brand bereits außer Kontrolle ist… Meiner Meinung nach wohlwissend. Und wenn sie es nicht wussten, dann haben sie es zumindest fahrlässig und billigend in Kauf genommen. Doppelmoral und Heuchelei auch hier… nahezu an allen Fronten.

    Es herrscht eine gefährliche Brandstifter-Stimmung, die mir Angst macht. Danke deshalb für eure klaren Worte, die hoffentlich viele Menschen erreichen und auch zum Umdenken bringen!

  12. Sabeth says:

    Karla, ja, finde es gut und wichtig, dass du die verwendeten Begrifflichkeiten nochmal explizit herausstellst und kritisierst, noch einmal klar benennst, dass es sich bei körperlich-„sexuellen“/“sexualisierten“ „Übergriffen“ um einen Akt der Gewalt handelt (auch der Begriff „Übergriff“ drückt im Übrigen nicht annähernd deutlich genug aus, was hierbei geschieht – welche Aggression, welche Anmaßung, welche Verachtung/Misogynie hinter solchen Taten steht).
    Und wichtig finde ich auch, dass du die Doppelmoral, die schon als Heuchelei erscheinende Vorgehensweise der mainstream-Medien als solche benannt hast, denn ja: das zeitigt selbstredend alles Folgen – im Denken und schließlich auch im Handeln von Menschen, wie wir nicht erst seit gestern wissen. 😉 Nein, ich halte ebensowenig von den permanenten, billigen „Lügenpresse“-Parolen, aber viel von Seriösität und Verantwortungsbewusstsein, von Differenzierung und Reflexion, selbstkritischer, ehrlicher, gewissenhafter „Wahrheitsfindung“/Faktenvermittlung und umfassender, vielschichtiger, in die Tiefe gehender Information – statt manipulativer Meinungsmache. – Ersteres lassen diverse „Medienmacher“ beklagenswerterweise vermissen, daher dürfen sie sich über „Kritik“ und Schelte nicht im Nachhinein echauffieren.

  13. Frieda says:

    Es ist richtig, dass es in unserer Gesellschaft weiterhin Frauenverachtung, -unterdrückung und -ausbeutung in unterschiedlichster Form gibt und wir deshalb kein gutes Vorbild für Männer aus anderen Ländern sind. Sollte diese Tatsache allerdings eine Entschuldung für das Verhalten der Täter vor dem Kölner Dom darstellen, dann lehne ich das vehement ab. Ich verurteile jedwedes frauenfeindliche Verhalten von Männern gegenüber Frauen, aus welchem Teil der Welt diese Männer auch immer kommen mögen.
    Begründung:
    1. Wenn Männern aus Afrika oder den arabischen Ländern zugestanden wird, dass sie als Entschuldung für ihre frauenfeindlichen Übergriffe das mangelnde Vorbild der deutschen Gesellschaft für sich in Anspruch nehmen können, dann gibt es sicherlich auch entschuldigende Gründe für herkunftsdeutsche Zuhälter und Menschhändler (die miese Kindheit, der prügelnde Vater, die hilflose und deshalb verachtenswürdige Mutter etc.) Ich lasse bei keinem Mann auf dieser Welt Entschuldigungen für frauenfeindliches Verhalten gelten.

    2. Männer aus Afrika und den arabischen Ländern sind mit der „offenen Zurschaustellung von sexueller Ausbeutung von Frauen in unserem Lande nicht vertraut“ und halten deshalb alle Frauen hier für Freiwild. So jedenfalls habe ich Ihre Argumentation, Frau Sigel, verstanden und halte sie durchaus für nachvollziehbar. Da das Verhalten von Menschen allerdings meistens auf ein Bündel von Ursachen zurückzuführen ist, könnte auch wie folgt argumentiert werden: Weil sich Frauen hier nicht verschleiern, sondern mitten in der Nacht, sogar zum Teil ohne Begleitung von Männern, Bier trinkend und laut feiernd im öffentlichen Raum bewegen, werden sie von Männern, die mit einer derartigen „Zurschaustellung“ von Verstößen gegen „weibliche Verhaltensnormen“ nicht „vertraut“ sind, für Schlampen und Nutten gehalten. Sie könnten auch das als Berechtigung verstehen, Frauen angrapschen oder sogar vergewaltigen zu dürfen beziehungsweise zu müssen. Meine Meinung dazu: Weder das sexistische Verhalten von herkunftsdeutschen Männern noch das selbstbestimmte von Frauen darf eine Entschuldigung dafür sein, wie sich die Täter in Köln verhalten haben.

    Ich finde es richtig und wichtig im Zusammenhang mit den Vorfällen rund um den Kölner Dom klarzustellen, dass Sexismus nicht nur von fremden, sondern auch von herkunftsdeutschen Männern ausgeübt wird. So ist sicherlich der gesamte Eintrag von Ihnen, Frau Sigel, gemeint. Für mich liest er sich allerdings leider vor allem wie eine Entschuldung für das, was die Täter in Köln veranstaltet haben.

    Meine abschließende Bemerkung:
    Die Vorfälle in Köln dürfen nicht dazu dienen Ausländer- bzw. Flüchtlingshetze zu betreiben. Sie sollten allerdings auch nicht für den berechtigten Kampf gegen Sexismus im eigenen Land funktionalisiert werden. Auch das würde den Opfern nicht gerecht werden.

  14. Heinrich says:

    Der Verweis auf die pornografische bzw. sexistische bundesdeutsche Öffentlichkeit ist richtig und sollte in keiner Debatte über die Ereignisse vom Silvester 2015 fehlen. Abgesehen von der viel zu gering angegebenen Zahl (150) der Anzeigen, die inzwischen allein in Köln auf über 500 gestiegen ist, gibt es noch zwei weitere Unschärfen.
    Zum einen ist es die große Zahl von fast 300 Diebstählen, die in dem Artikel überhaupt nicht thematisiert werden. Ganz offensichtlich hat dieser Fakt mit der pornografischen Durchdringung unserer westlichen Öffentlichkeit wenig bis gar nichts zu tun. Es geht um Eigentumsdelikte, die gegenüber Frauen verübt werden, weil diese sich vielleicht weniger wehren als Männer (zumindest in den traditionellen Lebensräumen der moslemischen Migranten) und nach patriarchalischen und islamischen Denkmustern kein Recht auf Eigentum haben.
    Wichtiger ist jedoch, dass der Artikel einen Fakt außer Acht lässt, der zuerst von einigen Bloggern enthüllt wurde und dann auch seinen Weg in die Amtsstuben des BKA und schließlich der Medien fand: Die „Taharrusch Gamea“ genannte gemeinschaftliche sexuelle Belästigung von Frauen, die in Ägypten und anderen moslemisch geprägten Ländern bereits Tradition hat und hier bei uns zum ersten Mal an Silvester 2015 „gespielt“ wurde. Diese Anmache hat in den Heimatländern der „Grabscher“ nichts mit luftiger Bekleidung zu tun, was dem Argument des schlechten Vorbildes der pornografischen Öffentlichkeit in Deutschland etwas die Kraft nimmt.
    Bei sorgfältiger Recherche der (un)kulturellen Eigenarten und Traditionen eines großen Teils der Migranten bzw. Flüchtlinge hätte man frühzeitig auf diese patriarchalischen Irrungen stoßen und hierzulande entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen können. Insofern liegt hier ein krasses Versäumnis unserer staatlichen Institutionen vor, die sich um potentielle Bedrohungsszenarien gegen Frauen gar nicht gekümmert haben.

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