Die posthume Verleumdung von Andrea Dworkin läuft auf Frauenhass hinaus

Andrea Dworkin

By Open Media Ltd. (Uploaded by Open Media Ltd. (AnOpenMedium)) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Vor zehn Jahren starb Andrea Dworkin, und ihr Vermächtnis lebt durch viele meiner feministischen Schwestern weiter, trotz aller gewaltigen Anstrengungen sie zu verreißen, obwohl sie nicht mehr unter uns ist um sich zu verteidigen.

Ihr wurde so viel zum Vorwurf gemacht, meist in verwurzelten antifeministischen Stereotypen, seltsamerweise jedoch auch bekräftigt von vielen, die sich selbst „feministisch“ nennen, wenn auch in der Bandbreite der dritten Welle, liberalen Feminismus oder Queerfeminismus.

Dworkin wurde, wie viele von uns die wir frauenverachtende, gewalttätige und unterdrückende Darstellungen von Sex und Sexualität kritisieren, als „Anti-Sex“ bezeichnet, von Männern und Frauen gleichermaßen. Sie wurde falsch zitiert mit „jeglicher heterosexueller Sex ist Vergewaltigung“, und als „transphob“ gelabeled, obwohl es gar keine Belege für irgendeine dieser Behauptungen gibt. Wie viele von uns wurde sie bezichtigt Männer zu hassen, oder zu glauben, dass Frauen Männern biologisch überlegen seien, und essentialistisch zu sein, weil sie angeblich der Meinung war, dass alle Männer geborene, gewalttätige Vergewaltiger seien.

Tatsächlich ist die Wahrheit, und das trifft auch auf die meisten Feministinnen zu, dass sie durch und durch an die Menschlichkeit der Männer glaubte und deren Fähigkeit sich zu ändern, so wie sie es in ihrer berühmten Rede „I want a 24 hour truce during which there is no rape“ formulierte:

Ich glaube nicht, dass Vergewaltigung unvermeidbar oder natürlich ist. Wenn ich das täte, dann hätte ich keinen Grund hier zu sein… Habt ihr euch jemals gefragt warum wir [Frauen] uns nicht im bewaffneten Kampf gegen euch befinden? Nicht weil es einen Mangel an Küchenmessern in diesem Land gibt, sondern weil wir an eure Menschlichkeit glauben, entgegen aller Beweise.

Ich höre nicht auf mich darüber zu wundern, dass Menschen glauben, dass es beim Feminismus darum geht Männer als gewalttätige Vergewaltiger zu verteufeln. Es gäbe den Feminismus nicht, wenn es den Glauben der Frauen nicht gäbe, dass es auch anders sein kann – dass Männer anders sein können. Wir wissen, dass Maskulismus nicht angeboren ist und wir wissen, dass sie nicht vergewaltigen und missbrauchen müssen. Männer entscheiden sich dies zu tun. Sie entscheiden sich Gewalt gegen Frauen auszuüben, sie entscheiden sich Sex von verzweifelten Frauen und Mädchen zu kaufen, sie entscheiden sich die Frauen und Mädchen auf unmenschliche Art und Weise zu behandeln, sie entscheiden sich uns im öffentlichen Raum zu begaffen und uns einzuschüchtern, sie entscheiden sich uns zu beschimpfen und uns zu schlagen. Sie entscheiden sich auch andere Männer zu tyrannisieren – ihre Freunde, Klassenkameraden, ihre Söhne – und dieses Verhalten fortzusetzen und zu reproduzieren – und nennen es Männlichkeit.

Die Art und Weise in der Andrea posthum verleumdet wird wurzelt in einer Sache, und nur in dieser Sache: Misogynie. In Frauenhass. „Feminismus ist verhasst, weil Frauen verhasst sind,“ sagte sie. „Antifeminismus ist ein direkter Ausdruck von Misogynie; es ist die politische Verteidigung von Frauenhass.“ Und mir ist es egal ob es eine Frau ist, die dies tut – auch wenn es sich um eine Frau handelt, die sich Feministin nennt. Es handelt sich dann dennoch um eine Manifestation von Antifeminismus und, deshalb, um Misogynie. Andrea Dworkin zu hassen ist gleichbedeutend damit Frauen zu hassen. Und ihr könnt nicht ihre ungerechte Behandlung durch sie verteidigen und eure konsequenten Falschdarstellungen und Attacken auf den Feminismus, wenn ihr nicht gleichzeitig darauf vorbereitet seid Misogynie zu verteidigen.

Andreas Wahrheiten und ihre Arbeit sind überall. Entscheidet euch sie zu finden oder bleibt Teil des Systems, welches Frauen davon abhält den gewalttätigen Klauen des Patriarchats zu entfliehen.

Ruhe in Frieden, Schwester. Du bist in unseren Gedanken.

Der Beitrag von Meghan Murphy wurde am 9. April 2015 auf Feminist Current veröffentlicht. Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.

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