Die sich wandelnde Göttin III: Die nordischen Göttinnen

Freyja in the dwarfs' cave

By Louis Huard (1813-1874) (the book only credits the artist as Huard, it took some Googling to establish more [1][2][3][4] [Public domain], via Wikimedia Commons

Freya, die nordische Göttin, gehörte ursprünglich zum Geschlecht der Wanen und wechselte dann zu den Asen, dem anderen nordischen Göttergeschlecht. Ihr Name bedeutet „Herrin“ – unser Wort „Frau“ leitet sich von ihrem Namen ab. Sie wird oft gleichgesetzt mit Frigg, der Gemahlin Odins, doch es gibt Unterschiede zwischen den beiden. Frigg ist die Göttin der Ehe, der Mutterschaft und des Heims. Freyas Attribute erinnern uns an Venus/Aphrodite. Freya steht für die Liebe, die Fruchtbarkeit, das Glück und den Frühling, gleichzeitig ist sie die Anführerin der Walküren. Sie darf die Hälfte der gefallenen Recken beanspruchen, Odin, dem obersten Gott und Kriegsgott gehört die andere Hälfte. schlachten und Kriege sind ein wichtiger Teil der Göttin – sie reitet mit einem Katzengespann in die Schlacht. Aus diesem Grund galten Katzen bei den nordischen Stämmen als heilig – sie waren Freyas Boten. Sie ist die Göttin der unterirdischen Schätze, ihr werden Wasser und Erde zugeordnet. Freya steht zugleich für Magie und Hexen, für Zauber aller Art. Ihre Abstammung von den Wanen befähigen sie dazu. Sie erst lehrte die Asen, besonders den zaubermächtigen Odin, die Zauberkünste, die sie von ihren Ahnen, den Wanen gelernt hatte.

Freya – die Göttin mit vielen Gesichtern

Freya ist die Schutzgöttin der Liebenden. Für Jakob Grimm entsprach sie der „Frau Holle“.  Er berichtet, dass die nordischen und germanischen Völker ihre Kinder mit Wasser bestrichen, um sie mit Freyas Segen in Berührung zu bringen – lange bevor es die christliche Taufe gab. Die Göttin trägt einen Halsschmuck, den ihr Zwerge geschmiedet haben.  Laut der Überlieferung soll sie zahlreiche Liebhaber und Liebschaften gehabt haben – doch binden wollte sie sich nie. Als Thor sie zu einer Heirat zwingen will, weigert sie sich.

Die mannstollste müsste ich sein, ginge ich mit dir nach Riesenheim.

wirft sie ihm an den Kopf.

Sie ist die Schwester von Frey, ihr Vater ist Njörd, der Meergott und ihre Mutter Skadi ist die Tochter eines Riesens.  Ihre magischen Fähigkeiten geben ihr auch die Macht, zu fliegen, wodurch sie auch eine Göttin der Luft und des Windes ist. Wird Freya mit einem Schwan abgebildet, so betont das den Aspekt der Göttin als Totengöttin.


Walküren und Nornen

Eine der berühmtesten Walküren, die unter Freyas Herrschaft stehen, ist Hild, was so viel wie Tapferkeit bedeutet und sich heute noch in vielen Namen findet – Hildegard, Brunhild zum Beispiel. Wer oder was die Walküren waren, ist unklar, ob nun göttlicher oder menschlicher Herkunft. Sie stehen in enger Verbindung zu den Nornen, den Schicksalsgöttinnen, die jüngste von ihnen, Skuld, tritt als Walküre auf. Die Nornen verkörpern die Vergangenheit (Urd), die Gegenwart (Werdandi) und die Zukunft (Skuld). Ihre Heimat ist die Wurzel der Weltenesche Yggdrasil, wo sie die Schicksale von Menschen und Göttern in den Schicksalsfäden spinnen.

Hel, die Herrin der Unterwelt

Unter den Wurzeln der Weltenesche befindet sich in Niflheim, dem Totenreich der nordischen und germanischen Völker. Hier herrscht Hel in Finsterkeit und Kälte. Sie ist von Männern unabhängig und geht keine Ehe oder Verbindung ein. Es ist bezeichnend, wie sehr sich ihre Erzählung der des christlichen Teufels ähnelt, nur ist in diesem Fall eine Frau die Herrscherin der Unterwelt. Der Sage nach wurde sie von Odin aus Asenheim, der Heimat der nordischen Götter, hinabgestürzt und seither hasst sie die Asen. Alle Krieger, die nicht in der Schlacht zu Tode kommen, kommen in ihr Reich. Daraus erklärt sich auch die Besessenheit der nordischen und germanischen Krieger in der Schlacht zu sterben – denn nur so gelangen sie nach Asenheim. Sie selbst reitet auf einem Pferd durch die Welt, um die ihr gehörenden Toten einzusammeln. Einige ihrer Aspekte erinnern an Demeter, während sie trauert.

Frigg, die Wolkenweberin

Frigg, mit der sie häufig gleichgesetzt wird, ist die Göttermutter. Der Freitag als Wochentag geht nicht auf Freya, sondern auf Frigg zurück. Sie ähnelt der griechischen Hera. Sie wird mehr mit der Erde in Verbindung gebracht als Freya, aber die Grenzen zwischen den beiden Göttinnen sind fließend. In einigen Überlieferungen werden sie als eine Gottheit dargestellt. Frigg ist die Hüterin des Herdfeuers. Frigga soll die Wolken am Himmel weben. Beide Göttinnen sind „Disen“ – Geburtshelferinnen.

Es ist augenscheinlich, dass die Göttinnen im nordischen und germanischen Pantheon sehr viel mächtiger und auch positiver ausgestaltet sind als bei den Griechen und Römern. Das fiel sogar Tacitus auf, der in seiner Germania schrieb:

Die Germanen glauben sogar, den Frauen wohne etwas Heiliges und  Seherisches inne.

Auch Grimm notierte die besondere Stellung der weiblichen Gottheiten und generell des Weiblichen bei nordischen und germanischen Völkern. Sie stehen für das Leben, Liebe, Fruchtbarkeit und Glück – oder für das Lebensende. Obwohl sich in den germanischen Göttinnen viele Aspekte finden, die uns bereits von Hera, Aphrodite und Demeter bekannt sind, sind sie freier und positiver. Das spiegelt sich auch in den gesellschaftlichen Rechten der Frauen. So wurde die Mitgift von Männern an die Frauen gegeben, so dass diese im Falle einer Scheidung ein Auskommen hatten. Frauen durften mit in die Schlacht ziehen und die römischen Geschichtsschreiber zeigten sich verwundert über die Verehrung, die ihnen entgegengebracht wurde. Das zeigt sich auch in der an Matrilinearität erinnernde Bedeutung des Mutterbruders, die fast dem des Vaters gleichkam. Frauen konnten Führungspositionen einnehmen und hatten Stimmrecht bei den Versammlungen. Sie durften sich ihren Ehemann selbst wählen. Erst das Christentum und das römische Recht und seine Wiederbelebung im Mittelalter machten der gleichberechtigten Stellung der Frau ein Ende.

Vera Zingsem: Göttinnen großer Kulturen. 2008 im Anaconda Verlag

0 Kommentare

  1. Zwang einer Heirat bei Freya:
    Nein, sie sollte zum Schein einen Riesen (Riesenheim) ehelichen, damit die Asen Thors Hammer wiederbekämen.
    Sie hielt aber nichts vom Gelingen solcher Pläne (männlicher Einfalt) und weigerte sich. Also verkleidete Loki den Thor als Braut, um den Trick auszuführen – naja die Riesen waren wohl auch ein wenig doof …

    Die Geschichte hat eher was mit Potenz als mit Hauen und Stechen zu tun, Thor’s Hammer ist in erster Linie ein Phallus. Interessanterweise hatten vor allem germanische Frauen so ein Schmuckstück in Form eines Anhängers als Grabbeigabe mitbekommen. Thors „Mojo“ war sozusagen weg, und das musste er sich schon selber wieder holen.

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