Elternschaft muss freiwillig sein! Warum es für Frauen ein Opt-Out geben sollte

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By TMagen (Own work) (modified) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Dieser Text ist eine Antwort auf einen Blogbeitrag von Antje Schrupp vom 31.05.2016. Da Diskussionen mit Antje Schrupp so lustig sind wie eine Wurzelbehandlung, bieten wir unseren Diskussionsbeitrag hier an. Die meisten von uns sind auf ihrem Blog sowieso schon blockiert. Andere haben da noch nie kommentiert. Antje Schrupp ist Journalistin und Politikwissenschaftlerin und publiziert und referiert auch zu feministischen Themen. Wir sind über ihre Beiträge selten erfreut, meist ehrlich enttäuscht. In ihrem Blog fordert sie nun eine Möglichkeit, sich aus der elterlichen Verantwortung und Verpflichtung zu befreien – für Väter. Bei diesem wichtigen Thema, der zentralen Basis weitreichender Drangsalierung von Frauen, sorgt sie sich um die Freiheitsechte der Väter. Wir sind baff.

In ihrem Text schlußfolgert sie, das sich aus dem Unvermögen der Männer selbst abtreiben zu können, eine Möglichkeit ergeben muss, später und auf andere Art legal und legitim die Vaterschaft zurückzuweisen. Als wären Abtreibungen kein Ausdruck sozialer Not, sondern der simple Ausdruck eines Lebensgefühls, dem auf väterlicher Seite die Entsprechung fehlt. Väter müssen das Kind bzw. die ungewollte Verantwortung wenigstens loswerden können, wenn das Kind schon geboren wird. Bitte brechen sie nicht auf ihre Tastatur.

Was klar wird: Für Schrupp sind Kinder so etwas wie Geisterwesen. Sie existieren, so wird gemunkelt. Ob auf Erden oder in der Zwischenwelt ist gleichgültig. Doch, zurück zum Text: Schrupp plädiert dafür, „dass nicht nur die Schwangere, sondern auch der Samenspender die Möglichkeit haben sollte, vom Projekt „Kindhaben“ zurückzutreten“. Der „Rücktritt“ vom Projekt „Kindhaben“ gestaltet sich für die Schwangere als Abtreibung. Nach Schrupps Zynismus ist es gleichbedeutend, ob ein Kind geboren wird und ein Vater – möglichst legal- die Vaterschaft zurückweist oder eine Schwangere innerhalb der gesetzlich straffreien Frist die Schwangerschaft beenden wird und kein Kind geboren wird. Sie nähert sich der Sache abstrakt. Und übersieht den wichtigsten Fakt: Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft, die die körperliche Selbstbestimmung von Frauen durch Gesetze und Machtverhältnisse unterbindet. Und diese fehlende Selbstbestimmung von Frauen ergibt sich an einem ganz anderen Punkt als einem Mangel von Freiheiten für Väter.

Das Problem ist, dass eine Frau, die ein Kind geboren hat, keine Möglichkeit mehr zur Verfügung hat, sich für oder gegen die Mutterschaft zu entscheiden. Die Schwangerschaft abbrechen, darf sie nur in den ersten 12 Schwangerschaftswochen. Ist das Kind geboren, hat eine Mutter die Möglichkeit, das geborene Kind zur Adoption freizugeben. Aber diese Option hat ein Vater auch. Was eine Frau aber nicht hat – und Väter sehr wohl – ist die Möglichkeit, die Elternschaft anzuerkennen (§ 1592 Pkt 2 BGB). Die freiwillige Anerkennung der Vaterschaft steht Männern heute bereits zur Verfügung. Zwar flankiert von Zwangsmitteln bei Weigerung, aber immerhin. Aber diese Option, sich für ein geborenes Kind entscheiden zu können, wird Frauen nicht gegönnt. Ein Kind ist geboren und die Gebärerin ist sein Mutter. Punkt. Freiwilligkeit zur Regelmäßigkeit auch einer Gleichstellung von Frauen und Männern als Eltern zu machen, ist eine feministische Forderung. Für Frauen bedeutet diese Möglichkeit der selbstbestimmten Mutterschaft die vollständige Anerkennung als Rechtssubjekt. Für Frauen bedeutet dieses Recht aus selbstbestimmte Mutterschaft, auch die Anerkennung als Menschen, die Kinder zwar gebären (können), aber sich nicht in die Mutterrolle pressen lassen, sondern JA oder NEIN zum geborenen Kind sagen. Bisher gibt es diese Möglichkeit des „Ja-Sagens“ nur für Männer. Väter aber nun um den Zwang zu erleichtern, sich um ihre Kinder auch materiell zu kümmern, ist eine nachrangige Forderung hinter jener, Frauen in D mit Menschenrechten auszustatten. Gerade für Feministinnen sollten da die Prioritäten klar sein.

Check mal deine Prioritäten: Um Väterrechte, liebe Antje, kümmern sich die Väter schon ganz allein. Da brauchen sie dich nicht.

Kategorie Allgemein

17 Kommentare

  1. Käsestulle

    Treffende Analyse.
    Schrupp ist eine Handlangering des Patriarchats.
    Offensichtlich ist sie nicht in der Lage, die Dinge zu durchschauen.

  2. So berechtigt diese Kritik ist, so wenig zuende gedacht ist sie leider auch. Letztlich bleiben mit Ihrer Forderung nach dem Opt-Out wieder einmal die Kinder auf der Strecke. Sie ignoriert die Verantwortung, die doch irgendjemand tragen MUSS. Am Ende bleibt womöglich ein Mensch zurück, der auf sein arges Leben zurückblicken wird mit der Frage, warum ihn denn niemand bedingungslos geliebt hat und alle daran gearbeitet haben, ihm seine Kindheit zu ruinieren.

    Patriarchat bedeutet Herrschaft der Väter, daran müssen wir uns immer wieder erinnern! In unserer Gesellschaft ist es durch das GG und das BGB verharmlosend als „Vaterrechte“ sichergestellt, auch scheinheilig verbrämt als Kinderrechte. Unser Grundgesetz zementiert das Patriarchat und ist daher gegen den radikalen Feminismus immun. Alle Bemühungen gegen Gewalt an Frauen und Kindern, gegen Prostitution, Gender Paygap etc. müssen daher Symptomdokterei bleiben, dies ohne nachhaltige Wirkung zu entfalten. Solange es das Vaterrecht gibt, werden Frauen, Kinder und auch die Männer selbst leiden. Das müssen wir endlich einsehen. Die Familie und die Ehe als Ort der Ausübung des Patriarchats legt auch den Grundstein für Überbevölkerung, Umweltzerstörung und Kapitalismus, dies weltweit. Daher ist Feminismus für die Menschheit überlebenswichtig und kein Privatvergnügen überdrehter Frauen und Mütter. Daher ist das Patriarchat auch kein Privatvergnügen einzelner Männer! Das Patriarchat wird bleiben, solange es die Vaterrechte bzw. die Familie gibt, denn beides ist identisch. Diese einfache Wahrheit ist meine schlechte Nachricht für alle, die glauben, dass der „neue Vater“, die Kita oder gar ein sog. Opt-Out die Lösung sind.

    Die Befreiung vom Kind ist KEINE LÖSUNG. Im Gegenteil, diese Forderung ist vorauseilender Gehorsam! Denn das Patriarchat hat es in Wahrheit auf die Kinder abgesehen, daher gibt es Gebärneid und Stillneid, daher heißt es nicht Androarchat (Männerherrschaft), sondern zu Recht Patriarchat. Wir Mütter sollten uns darüber im Klaren werden, dass es Strategie ist, uns die Mutterschaft so unerträglich wie möglich zu machen. Genauso bekommt das Patriarchat Zugriff auf die Kinder und wir rücken sie scheinbar freiwillig heraus.

    Als Feministinnen müssen wir natürlich auf die Unerträglichkeiten zeitnah reagieren und schnelle Lösungen finden, andererseits sollten wir aber niemals vergessen, daran zu arbeiten, dass Mütter Kinder bekommen können, ohne in finanzielle oder emotionale Schwierigkeiten zu geraten. Die Familie hat sich dafür als ungeeignet erwiesen, dennoch glauben wir, daran festhalten zu müssen, weil wir es nicht anders kennen, weil wir an das Recht des Vaters auf sein Kind und das Recht des Kindes auf seinen Vater glauben. Das sind die Dogmen, die Denkschienen des Patriarchats, die sich gegenseitig bestärken, für die es aber keinerlei evolutionäre Basis gibt. Dummerweise hat die Evolution beim Feminismus einen schlechten Ruf, sie wurde jedoch nur in Verruf gebracht, und zwar von eingefleischten Patriarchen. Der neoliberale Begriff „Mutterrolle“ gehört in diesen Kontext.

    Das Kind als Teil seiner Mutter, als ihre Lebensäußerung, bedingungslos willkommen zu heißen, und beide nach Kräften zu unterstützen, DAS ist radikaler Feminismus, der die Mutter nicht alleine lässt. Eines sollte doch mittlerweile überall angekommen sein: eine Mutter schafft es nicht alleine und ein Kind braucht viele lebenslang verlässliche Bezugspersonen neben der Mutter. Den leiblichen Vater braucht es jedenfalls nicht. Es ist im Patriarchat genau umgekehrt, denn die Macht über die Kinder bedeutet Macht über die Zukunft.

    Die Natur war schon immer radikal-feministisch. Über Jahrhunderttausende bis vor 8000 Jahren hatte sich unsere artgerechte Lebensweise der Matrifokalität bewährt. Im Schutz ihrer rein mütterlichen Linie kann die Frau ihre Sexualität, die female choice, frei leben. Mutter wird sie, weil ihr Körper danach ruft, Mutter zu werden. Sie wird weder gezwungen, Sex zu haben, noch Mutter zu werden, noch wird sie an einen Vater ihrer Kinder gefesselt, noch muss sie ihn bedienen. Alle weiblichen und männlichen Mitglieder der mütterlichen Sippe versorgen die Mütter mit und sichern so den Fortbestand der Lebensbasis.
    Die Natur gibt Müttern den Freiraum, auch ihre Begabungen frei auszuleben. Erfinderin und Künstlerin wird sie, weil sie Zeit für Kreativität hat.
    Alle Mühsal, die wir als Eltern heute kennen, ist aufgelöst im matrifokalen Leben in Gemeinsamkeit statt Einsamkeit, Frustration und Existenzangst.

  3. Schöner Kommentar. Machen wir uns doch mal dran, diesen weiblichen Zusammenhalt zu erreichen. Ich sehe ihn leider nicht wirklich. Aber ich nehme gerne Tipps entgegen wo es was gibt. Am Bodensee gibt es z.B. einen Frauenkreis, die sich gegenseitig unterstützen. Wenn eine Schwanger ist, dann teilen sich die anderen ein und helfen ihr in den ersten Wochen nach der Geburt.
    Liebe Vorkommentatorin, ich versuche heraus zu finden, was zu dem Umschwung ins Patriarchat geführt hat. War es wirklich „nur“ wegen des Gebärneids?

  4. Hallo „Leben wir im Umbruch?“,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich versuche, ihn in mE. der wichtigsten Aussage zu beantworten.

    Es ist wahr, dass ein Opt-Out für Frauen, die Möglichkeit eröffnet, dass Frauen, die ein Kind geboren haben. nicht dessen Mutter werden wollen. Diese Entscheidung zu treffen, gehört meines Erachtens zwingend zum Recht auf Selbstbestimmung. Dass Kinder sich irgendwann in vollendeter Verzweiflung fragen, müssen, warum sie niemand bedingungslos geliebt hat, sondern vielmehr, dass sie ein echtes Wunschkind ihrer Adoptivfamilie sind. Kinder haben das Recht auf eine liebevolle Umgebung und Erziehung. Wenn eine Frau weiß, diese Umgebung nicht schaffen oder langfristig garantieren zu können, kann es ein Ausdruck tiefer Liebe sein, das Kind vertrauensvoll in Hände zu geben, die es wirklich wollen. Es geht also beim Opt-Out für Frauen darum, wie du es als Ideal beschreibst, „bedingungslos willkommen zu heißen“ und eben nicht, sich einfach nur nicht wehren zu können, weil die Bereitschaft der Frau, die soziale Mutterschaft anzutreten, mit der Geburt quasi vorausgesetzt wird.

    Dass sich das Patriarchat die Kinder holt, das sehe ich nicht so. Denn auch für Männer gibt es dann ein legales Opt-Out. Die Bereitschaft der Männer, sich ohne legales Opt-Out und nur bei legaler Umgangsverweigerung, um die Kinder zu sorgen, sinkt und sinkt. Es werden trotz Opt-Out für Männer und Frauen immernoch und vorallem Frauen sein, die sich um die Kinder kümmern und mehrheitlich Väter, die diese Möglichkeit ausschlagen und erst recht, wenn sie es auch ohne finanzielle Konsequenzen, die sie nicht zu tagen bereit sind, können.

    Beste Grüße

  5. Ein Opt-out für Frauen ist also, wenn ich Dich richtig verstanden habe, identisch mit der Möglichkeit, das Kind zur Adoption freizugeben oder es in eine Babyklappe zu legen. Das gibt es ja zum Glück schon. Ich verstehe daher nicht, worin die Neuerung Deiner Forderung besteht? Es gibt aber so viele Mütter, die ihr Kind nicht weggeben wollen und erst nach und nach merken, dass sie es nicht schaffen, emotional und/oder finanziell (#regrettingmotherhood). Für diese Mütter ein Opt-Out zu fordern, würde ich im wahrsten Sinne des Wortes für unverantwortlich dem Kinde gegenüber halten und das geht auch am Problem vorbei. Vielmehr sollten diese Mütter mit allen Kräften unterstützt werden, und genau das wünschen sie sich ja auch und das ist auch ihr Naturrecht.

    Ich meine mit Patriarchat nicht unbedingt einen bestimmten Mann, sondern vor allem das staatlich verordnete Vaterrecht und die Gesetzgebung, die alleinerziehende Mütter dazu zwingt, berufstätig zu sein, genau in der Zeit, wo das Kind sie am Nötigsten braucht. Das bedeutet, dass Scheidungskinder automatisch in die Kita wandern, auch wenn eine Großmutter zur Verfügung steht. Diese müsste schon ein Tagesmutterzertifikat erwerben, um vor Gericht als Betreuungsperson anerkannt zu werden. Dieses Gesetz bekämpft also ganz klar Matrifokalität. Unverheiratete Mütter werden vom Jugendamt kontrolliert. Natürlich hat das Patriarchat diese Notwendigkeit selbst geschaffen. Matrifokalität braucht kein Jugendamt.

    Das Patriarchat kommt als Amt, als vaterstaatliche Kita und als vaterstaatliche Schule daher. So oder so, es gilt das Dogma, dass ein Kind den Vater, und wenn es auch nur der Staat ist, braucht.

    Die Kinder, die durch die Trennung der Eltern ohnehin schon traumatisiert sind, werden jedenfalls für den Großteil des Tages von der Mutter getrennt. Väter haben damit offensichtlich kein Problem, wenn sie das Sorgerecht bekommen haben. Ihnen fällt es sehr leicht, ihr altes Leben weiterzuleben. Es fehlen ihnen einfach die spezifisch mütterlichen Bindungssynapsen, die bekanntermaßen vom Feminismus meist geleugnet werden.

  6. Liebe Marie,
    danke für Deinen Kommentar! Gerne erläutere ich noch das Fehlende.
    Gebärneid und Stillneid sind nicht die Ursache für die Entstehung des Patriarchats, sondern eine Folge und zugleich sein Motor. Das habe ich in meinem Buch „Der Gott im 9. Monat“ dargestellt. Entstanden ist das Patriarchat gleich in der ersten Generation der Viehzüchtergesellschaften in den Steppen und Bergregionen, Auslöser war nach dem Stand der Forschung ein Klimawandel, der den Wert der Tierhaltung enorm anstiegen ließ und Ackerbau unmöglich machte.
    Experimente und Projekte, wo Frauen versuchen, sich gegenseitig zu helfen, sind für „Einzelschicksale“ sicherlich hilfreich. Leider kann sich nicht jede Frau einer solchen Gruppe anschließen und eine Mutter braucht über viele Jahre Unterstützung. Auch Wohngruppen finden sich zusammen und kaufen sogar Gemeinschaftseigentum. Aber was passiert, wenn eine Person stirbt. Es fehlt dann eine Nachfolgeperson, und das Erbe ist nicht regelbar. Die Gruppe zerfällt dann schnell, insbesondere auch, wenn von außen ins Patriarchat „abgeworben“ wird.
    Das zentrale Problem solcher Gruppen ist das fehlende generationsübergreifende, verwandtschaftsgebundene Kontinuum. Daher gibt es zum Patriarchat nur eine nachhaltige Alternative und das ist die Matrifokalität, die uns sogar angeboren ist. Um sie zu restaurieren, gibt es momentan nur eine grundgesetzkonforme Möglichkeit, nämlich, wenn die Schwangeren den Namen des Vaters nicht mehr angeben und ihn auch nicht über ihre Mutterschaft informieren. Es braucht unbedingt eine umfassende Aufklärung über das Menschenrecht der female choice. Mütter, die eine oder mehere Schwesten haben, die mitmachen, sind anfangs klar im Vorteil. Es braucht unbedingt Großmütter, die zur Verfügung stehen, wenn die Mutter sie braucht. Das dürfte erst nächsten Generation leicht fallen, denn dann können Großmütter erstmals wieder zurückgeben, was sie selbst einmal erfahren haben.
    So könnte es geschehen. Ohne entsprechende Aufklärung und Verbreitung können wir lange warten.

  7. @Gabriele:

    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich finde Matriarchatsforschung gut, wichtig und notwendig. Weil es im kollektiven Bewusstsein verankert gehört dass es in der Menschheitsgeschichte schon einmal ein anderes System gegeben hat als das Patriarchat, und dass das Patriarchat folglich unnötig ist. Ich hab aber ein Problem damit wenn ich als Frau nicht nur biologisch als potentielle Mutter gesehen werde, sondern auch psychisch und mental.

    Zu deinem Postulat „Mütterliche Bindungssynapsen“: Also ich hatte niemals einen Kinderwunsch, und falls ich sowas haben sollte wie einen Mutterinstinkt dann ist der durch die Pflege meiner beiden Aquarien vollauf befriedigt. Das meine ich jetzt nicht polemisch, das ist einfach so.

    Zu deiner These, dass uns die Matrifokalität angeboren ist: Ich bemerke bei mir eine grosse, bisher aber leider ungestillte Sehnsucht nach der Solidarität anderer Frauen im alltäglichen Kampf gegen das Patriarchat. Das ist wohl ein matrifokaler Wesenszug. Allerdings stelle ich mir als Mittelpunkt dieser Solidarität nicht das Leben mit Kindern vor. Ich würde auch, wenn ich einen Kinderwusch bzw. Kind hätte, absolut nicht wollen, dass meine weiblichen Blutsverwandten mit diesem Kind Kontakt hätten. Denn dann bestünde die Gefahr, dass mein Kind von diesen genauso traumatisiert oder zumindest negativ beeinflusst würde wie ich selber. Frau will schliesslich, dass es ihr Kind einmal besser hat als sie selber. Und ich glaube nicht dass ich mit meiner Traumatisierung durch meine Mutter und andere weibliche Verwandte eine Minderheit bin.

    Generell glaube ich nicht dass Frauen von Natur aus bessere Menschen sind als Männer. Eine Geschlechterdemokratie finde ich deshalb die wesentlich bessere Vision als die Rückkehr zum Matriarchat. Und frau sollte gerade als Feministin nicht den Fehler machen Mutterschaft zu idealisieren. Es gibt viele Menschen, auch weibliche, die Kinder nicht mögen. Das ist auch voll okay so, nicht nur weil unser Planet heillos überbevölkert ist.

  8. Danke für die Antwort. Jetzt muss ich noch genauer fragen. Warum ist dieser Neid eine Folge? Es gibt auch Forschungen, die besagen dass es wohl doch kein Klimawandel war. Es gibt wohl auch patriarchale Naturvölker (Yanömami Indianer) die ohne jeglichen Mangel Kriege führen, ihre Frauen misshandeln und die Söhne sexuell missbrauchen, die dann wiederum zu Tätern werden.
    Ich frag das einfach, weil ich nachfragen muss. Das ist keine Kritik, ich versuche mich da reinzudenen und das zu verstehen. N bisschen Abstrakt ist das ganze ja schon. Ich verstehe einfach auch nicht, warum wir in unserer modernen Gesellschaft noch nicht schon weiter sind. Ehrlich gesagt bin ich enttäuscht von der Menschheit. Irgendwie hab ich glaube ich gedacht die Menschheit sei schon weiter entwickelt. Aber ich stelle immer mehr fest wie sehr wir noch im Mittelalter hängen. Von wegen Moderne.
    Ja es stimmt. Solche Gruppen zerfallen immer wieder, das ist wirklich ein Problem. Da ist verwandschaftlicher Verbund stabiler. Aber ich könnte mir das mit den Frauen meiner Familie leider nicht vorstellen. Da bin ich ehrlich. Aber ich wünsche mir sowas trotzdem. Vielleicht bin ich ja dann so ne Oma, die das ermöglicht.
    Das Menschenrecht der female choice. Ist das in irgendeinem Gesetztestext verankert? Scherz. Ich meine es gibt ja immer mehr Forschungsergebnisse die beweisen, dass Frauen nicht das monogame Geschlecht sind für dass sie oft immernoch gehalten werden, oder selber so denken das zu sein…

    Welchen Platz haben dann die Männer in der Gesellschaft? Wie genau sähe das aus? Ich frage, weil ich Männer kenne, die ein Sebstwertdefizit mit ihrer unwichtigen Rolle als Erzeuger haben. (Ein Freund erzählte mir, dass der Mann eines bekannten Pärchens seiner Frau eine Placebopille gegeben, weil er unbedingt ein Kind wollte und sie nicht. Es gibt halt doch auch Männer die Kinder unbedingt wollen, auch gegen den Willen der Partnerin. Gehört das wieder zum „wegnehmen“?) Was passiert mit solchen Männchen, wenn sie zwar nach der Erzeugung nicht aufgefressen werden, aber doch keine Rolle spielen? Oder ist da kein Problem zu erwarten, weil sich die meisten Männer ja eh gerne ausklinken?! Gäbe es dann nicht evtl. brutale Männergruppen? Was macht Frau dann mit denen? Oder ist es das sinnvollste wieder die Brüder der Mütter zu den „Männervorbildern“ werden zu lassen?
    Was ist mit Liebe? Ist das nur eine Erfindung der Neuzeit? Was wenn wieder dieses Gefühl „zuschlägt“ und Frau und Mann unbedingt zusammen leben wollen?

    Aber ich weiß nicht ob das Defizit der Männer nicht auch darin begründet ist, dass sie, evolutionär gesehen, so lange keine Rolle gespielt haben in der Kinderpflege. Vielleicht könnte sich sowas aber auch in deren Hirn entwickeln? Würde halt dauern. Das Gehirn ist doch formbar. Es ist wie ein Muskel und der passt sich an. Aber vielleicht sind Männer darauf einfach nicht ausgerichtet. Ich weiß es nicht.
    Vielleicht ist das ja zu „pro Mann“. Ich kenne halt eben auch ein paar Männer die da echt Fähigkeiten haben. Die mit ihren Kindern im Tragetuch auf der Straße stehen und sich darüber unterhalten ob das Kind die Nacht durchgeschlafen hat… Die wirken eher nicht wie fiese Machos die den Frauen die Kinder wegnehmen wollen. Vielleicht würde der Neid abnehmen, wenn sich manche Männer mehr um ihre Kinder kümmern? Wenn sie es nicht nur als Mittel sehen, der Mutter eins auszuwischen.
    (ich selbst habe einen Vater der eher zur letzteren Sorte gehört. Er hat es irgendwann geschafft uns zu sich zu holen. Aber er hat sich nur finanziell gekümmert. Mehr konnte er einfach nicht, weil er da emotional eher krüppelig ist. Diese Ebene hat er dann seiner neuen Partnerin überlassen. Aber ich glaube, wenn mein Vater ein anderes Vatervorbild gehabt hätte, dann hätte da auch mehr Potential drinnen gesteckt. Immerhin hat er es geschafft die brutalität seines Vaters nicht weiter zu geben. Zudem waren das auch ganz andere Zeiten. Die Männer die im Krieg waren, haben einfach ganz andere Erfahrungen mitgebracht und waren häufig brutal).
    Ich kenne n junges Paar da hat sie die Hauptfürsorge für das Kind. Er lebt 200km entfernt. Sie hatten sich schon getrennt als sie feststellte schwanger zu sein. Sie hat sich dann für das Kind entschieden. Er kommt alle zwei Wochen am Wochenende zu besuch und kümmert sich um das Kind und sie hat frei. Er scheint da recht zuverlässig zu sein. Und es scheint auch für beide so die passende Lösung zu sein.

    Eines verstehe ich auch (noch) nicht, warum manche Frauen Angst davor haben, dass Männer ihnen ihre Kinder wegnehmen wollen. Kann mir das mal eine erklären? Ich bin noch keine Mutter.

  9. Charybdis,
    mir geht es auch so. Ich möchte die aggressiven Frauen meiner Familie auch nicht auf meine noch ungeborenen oder nie existierenden Kinder loslassen. 😉 Also stünde ich alleine da. Und ich stelle mir Mutterschaft nun auch nicht so herrlich vor, obwohl ich Kinder mag. Ich wünsche mir einen Garten, aber keine Kinder. Ich reise gerne. Da passen Kinder auch nicht so gut dazu.
    Und ich wünsche mir auch mehr Frauensolidarität. Aber schon in diesen vielen verschiedenen Richtungen des Feminismus fühle ich mich manchmal etwas ohne Halt und ohne Solidariät. Es raubt mir manchmal den Atem wie viele Sichtweisen und Interpretationsweisen es gibt. Und die eine schließt die andere aus.
    Ich hab mir den Artikel Menschenrecht female choice von Fr. Uhlmann genauer angesehen. Ich stimme da schon zu. Aber ich glaube eine Rückkehr in matrifokale Gesellschaften löst das Problem nicht. Womöglich fangen wir dann von vorne an. Salopp gesagt: Wir Frauen müssen stattdessen lernen nicht in Zickenkrieg mit fremden Frauen auszubrechen. Und Männer müssen eben lernen auch die freie Wahl von Seiten der Frau zu respektieren.

  10. @charybdis
    Du schriebst: „Ich hab aber ein Problem damit wenn ich als Frau nicht nur biologisch als potentielle Mutter gesehen werde, sondern auch psychisch und mental.“ Du bist das lebendige Beispiel, dass die Natur der Frau anders ist, als es das Patriarchat gerne hätte. Fakt ist aber, dass sich das weibliche Gehirn umbaut, sobald die Frau schwanger ist und mehr noch einmal, sobald sie ihr Kind stillt. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy hat das erforscht und beschrieben. Die Lektüre ihres Buches kann ich nur JEDER Frau ans Herz legen. Es trägt auch ungemein zur gegenseitig Akzeptanz weiblicher Lebensformen bei: http://www.berlinverlag.de/buecher/muetter-und-andere-isbn-978-3-8270-0885-5
    Jede stillende Mutter kennt diesen Effekt und tatsächlich ist es so, einmal Mutter – immer Mutter. Ein Kind verändert das Denken und Handeln JEDER Frau. Evolutionär ist das von größter Bedeutung , daher wurde das selektiert.
    Du schriebst: „Denn dann bestünde die Gefahr, dass mein Kind von diesen genauso traumatisiert oder zumindest negativ beeinflusst würde wie ich selber. “ Meinst Du damit die weiblichen Blutsverwandten der rein mütterlichen Linie oder auch Deine Tanten und die Großmutter väterlicherseits? Denn das ist ein feiner aber wichtiger Unterschied!
    Jedenfalls gehst Du vom IST-Zustand des Patriarchats aus. Deine Verwandtschaft, die Dir geschadet hat, hat eine 8000 Jahre alte patriarchale Prägung hinter sich. Die ersten Frauen, die ins Patriarchat gezwungen wurden, wurden entführt und vergewaltigt. Archäologisch ist das gut nachweisbar. Wir sind Kindeskinder dieser Frauen und haben ihr Stockholm-Syndrom kulturell geerbt. Keine und niemand handelt im Patriarchat, so wie sie/er es tun würde, wäre sie/er artgemäß aufgewachsen. Die Menschheit ist vom Patriarchat nachhaltig geschädigt worden. Die Kultur, die eine erzpatriarchale ist, kämpft unentwegt gegen unsere Natur, also gegen unser Menschenrecht. http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm
    Wenn ich über Matrifokalität spreche, höre ich immer wieder diesen Satz : „Ich mag meine mütterliche Linie nicht, mit denen will ich nichts zu tun haben müssen.“ Dieses Phänomen müssen wir ernst nehmen! Es ist zum Glück leicht zu erklären. Das Patriarchat trennt uns von der mütterlichen Linie, zu der wir uns zugehörig fühlen würden, gäbe es das Vaterrecht nicht. Die mütterlichen Verwandten helfen der Mutter nicht mehr, denn sie lebt patrilokal und patrilinear. D.h. sie verrät ihre Linie, sobald sie ihren Namen abgibt bzw. sobald sie vom Ehemann gebranntmarkt wird. Es entsteht dabei eine tiefe Kränkung, die entsprechendes Verhalten nach sich zieht. Kinder werden im Patriarchat in die väterliche Linie gezogen bzw. zu ihr hin erzogen. Auch sie fühlen sich verraten, sobald die ganze Härte und die Ansprüche der väterlichen Verwandtschaft auf es niederprasseln. Die väterliche Linie liebt nicht bedingungslos. Die mütterliche Linie kommt nicht zu Hilfe und das Kind reagiert entsprechend.
    Deine mütterliche Linie wäre heute völlig anders gestrickt, wenn es das Patriarchat nicht gäbe, davon müssen wir ausgehen.
    Du schriebst: „Eine Geschlechterdemokratie finde ich deshalb die wesentlich bessere Vision als die Rückkehr zum Matriarchat. “ Sätze wie dieser sind der Grund, weshalb der Matriarchatsbegriff völlig unbrauchbar, ja gefährlich ist. Matrifokalität hat nichts mit Macht zu tun, sondern allein mit Fürsorge für Mütter und Kinder, damit auch für alle, denn jeder Mann ist auch Kind seiner Mutter. Matrifokalität ist daher gelebte „Geschlechterdemokratie“, u.a. auch weil sie den weiblich-männlichen Kräfte-Unterschied ausgleicht. Während in Matrifokalität die bedingungslose Liebe allen zuteil wird, versagt das patriarchale Leistungsprinzip den Kindern dieselbe, Mädchen mehr noch als den Jungen. Daher sind alle patriarchal sozialisierten Menschen mehr oder weniger narzisstisch und geben diese Krankheit an die Kinder weiter. Das erklärt auch die Verhältnisse in Deiner Familie.
    Du hast völlig recht, Frauen sind nicht die besseren Menschen, aber nur wenn die Mutter im Zentrum steht, zeigt sich das auch im realen Verhalten.

  11. @Marie
    Liebe Marie,
    Naturmenschen sind nicht neidisch auf die Fähigkeiten des anderen Geschlechts. Im Patriarchat wurde die Frau samt ihrer Kinder dem Mann eine Last. Mit diesem Effekt hatte das Patriarchat sozusagen nicht gerechnet. Nun war ein Mann für Frau und Kinder verantwortlich, wo die Last vorher auf die ganze Sippe verteilt war. Insbesondere die modernen Männerrechtler veranschaulichen das sehr schön. Einerseits wollen sie über das Kind bestimmen und eine Frau an sich fesseln, andererseits wollen sie nicht zahlen und behaupten, dass Mütter notorisch faul seien.
    Der Hass auf die Frau wurzelt einerseits im Widerstand der Frau gegen den Zwang und die Unterdrückung ihrer female choice: Frauen verweigern sich, Frauen werden mürrisch und zänkisch, siehe: http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm .
    Als Folge davon erleben die Männer neben der materiellen Überlastung sexuelle Frustration. Andererseits erlitten sie schon als Kinder eine tiefe Enttäuschung gegenüber ihrer Mutter, die sie nicht beschützten konnte. Mütter und Kinder sind ja dem tyrannischen Vater praktisch schutzlos ausgeliefert. Das Gefühl völliger Ohmacht mündet beim erwachsen gewordenen Mann in Allmachtsphantasien, die er im Rahmen des Möglichen Wirklichkeit werden lässt. Der Gebärneid gipfelt bereits in Versuchen, einen Mann oder sogar einen Roboter ein Kind austragen zu lassen. Die Reproduktionsmedizin, die Leihmutterschaft, Klonen, die genetische Veränderung des menschlichen Erbgutes, alles ohne Rücksicht auf die so erzeugten Kinder.
    Wie dazu kommen konnte, findest Du hier zusammengefasst: http://www.gabriele-uhlmann.de/patriarchat.htm
    Was die „patriarchalen Naturvölker“ angeht, so müssen wir davon ausgehen, dass sie eben keine Naturvölker mehr sind! Ihre Abkehr von der Natur kann mehrere Gründen haben. Irgendwann in ihrer langen Geschichte waren sie Viehzüchter und sind wieder zum Jagen und Sammeln übergegangen, vielleicht aufgrund eines Klimawandels. Irgendwann sind sie mit einer patriarchalen Kultur in Berührung gekommen und wurden gezwungen, Kriege zu führen, was dann zum Aufstieg der „Kriegerkaste“ im Sozialverband geführt hat. Die südamerikanischen Völker waren schon vor Kolumbus nicht mehr unkontaktiert, das haben neuere Untersuchungen ergeben. Insbesondere sollen die Kelten Kontakte nach Südamerika gepflegt haben. Den Ägyptern wird nachgesagt, dass sie ihre Pyramiden exportiert haben. Auch sprachwissenschaftlich sind indoeuropäische Einflüsse nachweisbar. So ist der Name der aztekischen Pyramidenstadt Teo-ti-huah-kan (bedeutet „Wo man zu einem Gott wird“; teo= Geist, Wasser; „huah-kan“ Suffix, das einen Herrschaftsort angibt) deutlich von den Sprachen der eurasischen Steppe geprägt, wo kan „Herrscher“ und theo = deus = „Gott“ bedeutet. Es waren auch die Indoeuropäer, allesamt hirtennomadische Völker, die uns Mitteleuropäer überfallen und uns das Patriarchat gebracht haben.
    Du schriebst: „Aber ich stelle immer mehr fest wie sehr wir noch im Mittelalter hängen. Von wegen Moderne.“ Absolut. Auch wenn wir uns für modern und fortschrittlich halten und gerne unsere Kultur über z.B. die des Nahen Ostens stellen, so haben wir damit doch das Entscheidende gemein, und das ist das VATERRECHT. Bei uns hat sich das Patriarchat, das ja ursprünglich aus Nomadengesellschaften kam, weiterentwickelt. Es ist subtiler geworden, aber nicht weniger gefährlich. Ganz im Gegenteil.
    Das Vaterrecht hebelt die female choice aus: http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm Sie ist unser Naturrecht, aber das Vaterrecht und das angebliche Recht des Kindes am leiblichen Vater wird darüber gestellt.
    Du schriebst: „Aber ich weiß nicht ob das Defizit der Männer nicht auch darin begründet ist, dass sie, evolutionär gesehen, so lange keine Rolle gespielt haben in der Kinderpflege. “ Dem kann ich so nicht zustimmen. Schauen wir uns echte Naturvölker an, dann können wir sehen, dass Männer (also die Brüder der Mütter) sich äußerst liebevoll mit den Kindern beschäftigen. Untersuchungen haben auch ergeben, dass der Kontakt mit Kindern sich positiv auf das männliche Aggressionsverhalten auswirkt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein leibliches oder ein anderes Kind handelt.
    Du schriebst: „Eines verstehe ich auch (noch) nicht, warum manche Frauen Angst davor haben, dass Männer ihnen ihre Kinder wegnehmen wollen. Kann mir das mal eine erklären?“ Ja, es liegt in der Tat daran, dass Du noch keine Mutter bist, dass es Dir schwer fällt, das zu verstehen. Viele Mütter reagieren auch äußerst allergisch, wenn die Schwiegereltern das Neugeborene auch nur in den Arm nehmen wollen. Das ist in der Tat Mutterinstinkt. Eine Mutter hat das natürliche Recht zu entscheiden, wer ihr Kind nehmen darf und wer nicht. Sie entscheidet sich zuerst für ihre Mutter und auch ihre Schwestern und Brüder, also die Menschen, zu denen sie von klein auf Vertrauen aufgebaut hat. Dazu gehört auch NICHT der Vater des Kindes. Im Grunde ist er ein Fremder, von dem sie nicht wissen kann, wie er auf ihr Kind reagiert. Tatsächlich reagieren die patriarchalen Väter eifersüchtig auf das Kind, denn nun hat die Mutter nur noch für ihr Kind Augen, sie ist in es verliebt. Er hat daher auch in ihrem Bett keinen Platz mehr. Im Patriarchat wird deshalb das Kind aus dem Bett der Mutter verbannt, und in eine Wiege gelegt und Stillen ist ein Tabu. Die unnatürlich frühe Trennung von Mutter und Kind dient dem System. Die Angst der Mutter, ihr Kind zu verlieren ist, im Patriarchat absolut berechtigt, denn ab der Geburt gehört das Kind dem Vater, der es nicht bedingungslos liebt, sondern als Vehikel für seine Selbstverwirklichung missbraucht. Daher wird Müttern immer wieder eingeredet, dass das Kind nicht ihnen gehöre. Natürlich gehört das Kind nur sich selbst, aber die Natur hat es nun mal der matrilinearen Sippe und nicht der patrilinearen Familie anvertraut.

  12. Hallo „Leben wir im Umbruch“
    Ich finde es schön darüber reden zu können. ich kann selbst mit den wenigsten Frauen meines Umfeldes gut darüber reden. Manche Frau sagt dann „gewöhn dich schonmal dran“ (an das Verhalten von Männern). Ehrlich gesagt habe ich meinen Platz noch nicht gefunden. Auch habe ich mir noch nicht endgültig meine Meinung gebildet. Ob das jemals zu Ende ist? Ich glaube nicht. Ich lese viel und sehr widersprüchliche Dinge. Heute habe ich erst das Buch „Die Abschaffung der Mutter“ in der Hand gehabt. Sehr interessant. Es spricht mich auf eine Weise an die irgendwie tiefer geht und Verständnis in mir erzeugt. Vor allem Deutschland hat da glaub ich echt historisch gesehen noch größere Probleme als andere Nationen. Kurze Zeit danach war ich auf Facebook auf einer Seite: „https://www.facebook.com/Kinderfrei.Original/photos/a.475877232615245.1073741828.475874175948884/532341860302115/?type=3&__mref=message_bubble“. Irgendwie krass. Manches ist Satire. Aber einiges ist auch sehr bedenklich um es mal harmlos auszudrücken.
    Ich glaube ich gehöre zu den Frauen die sich garnicht eingestehen können, dass sie Kinder haben wollen. Ehrlich gesagt könnte ich mir das auch gut vorstellen, dass ich beim Vater meines Freundes die Krise bekommen würde, würde er mein Kind auf den Arm nehmen würde. Schon die Vorstellung gruselt mich. Kein gutes Zeichen. naja. ich mag ihn eh nicht. Auch kein gutes Zeichen. Mist. Vielleicht sollte ich „weiterziehen“.
    Ja ich kann es mir gut vorstellen, dass Kinder und Mütter im Patriarchat eben zur Last werden. (aus diesen Zwischenmenschlichen Beziehungen kann man kein Geld generieren, sie kosten nur, wenn man sie an Haus und Garten fesselt). Ein Stück weit konnte ich das in meiner Familie ganz gut beobachten. Mann möchte eine liebevolle Frau und Kinder. Diese möchte mancher aber gerne lieber in einer Vitrine stehen haben, ohne dass sie ihm zur Last fallen, einem aber gesellschaftliches Ansehen geben. Mann hat es dann eben „geschafft“. Daher finden es manche Männer ja auch gut, wenn die Frau endlich selbst Geld verdient. In sofern sind viele Männer auch „feministen“. Ich setze das absichtlich in Anführungszeichen. ABER: gleichzeitig wollen sie eben nichts an ihrer Rolle zu Hause verändern. Sie geniessen es starke Frauen zu haben, die für ihren Lebensunterhalt selber sorgen und möglichst viel Arbeit übernehmen. Und bei manchen Männern fühlt sich das für mich dann schon nach emotionalem Parasitismus an. Eben auch mit der Tatsache, dass das Kind möglichst früh alleine schlafen muss. Eine Bekannte ist super stolz drauf, dass ihr Kind schon alleine schlafen kann und keine Angst vor dem Raum im dunkeln hat. Das ist doch DIE Errungenschaft! Und im nächsten Atemzug wird dann das elterliche Ehebett verherrlicht, oder wie? Da ist es dann erwünscht dass die Paare in einem gemeinsamen Bett schlafen. Das gehört ja dazu. Aber Kinder dürfen bitte keine Angst davor haben alleine zu schlafen. Das ist einer der Widersprüche die das Patriarchat hervorruft.
    Das mit der Enttäuschung der Mutter gegenüber kann ich gut nachvollziehen. Obwohl das bei uns in der Familie schon eher so ist, dass wir jemanden gebraucht hätten der uns und unsere Mutter vor ihr/sich selbst schützt. Aber auch als Folge und Auswirkung des Patriarchats. Das sehe ich schon auch so.
    Zum Thema Männer und Kinder. Ich kenne eben auch einige Männer die einen super Umgang mit Kindern haben. „Aber ich weiß nicht ob das Defizit der Männer nicht auch darin begründet ist, dass sie, evolutionär gesehen, so lange keine Rolle gespielt haben in der Kinderpflege. “ Das war eben nur eine Überlegung, warum manche das nicht können.
    Das was du zuletzt über die Eifersucht der Männer schreibst kenne ich leider aus eigener Erfahrung. Und habe dazu auch schon bei nem Psychologen gelesen. Das liegt wohl auch daran, dass die Kinder in einer patriarchalen Familie immer zu wenig Zuneigung bekommen. Die Mutter hat zu erst den Vater zu umsorgen, dann die Kinder. So werden die genetisch veranlagten Erwartungen des Kindes enttäuscht. Später, wenn dann der defizitäre Mann (die Mütter aus solchen Verhältnissen haben auch Defizite) dann eine Ehefrau hat, will er endlich das bekommen, was er von seiner eigenen Mutter nicht ausreichend bekommen hat, was sein Vater aber immer bekommen hat. Auf der einen Seite werden Menschen dann zu Mütterhassern, während gleichzeitig auch eine verklärte Mütteridealisierung stattfindet.
    Das ist alles echt hartes Brot. Und ich frage mich, warum, wenn ich aus einer so patriarchalen Familie wie der meinen stamme, da von klein auf schon so ein Funke Widerstand dagegen in mir geschlummert hat. Obwohl die Frauen mütterlicherseits so ihre Schwierigkeiten haben, waren die doch immer die wichtigeren. Emotional näher. Das hat meinen Vater immer gekränkt. Er gehört ja eh zu den Männern die Neid auf ihre Kinder haben. Weil die so lange an Mutters Brust „nuckeln“ dürfen. Deshalb wird wohl auch heute noch von manchen Hebammen geraten, dass Stillen nur 10 Minuten dauern sollte. Zügig essen und schluss. Wenn das Kind anfängt unkonzentriert zu sein, dann wird ihm die Brust entzogen. Wir haben schon nen megaschuss in Deutschland. In anderen Ländern ist essen das wichtigste. Da darf man sich auch im Erwachsenenalter 1 1/2 std Zeit nehmen für das Mittagessen. Aber Säuglinge müssen in Deutschland ratz fatz in 10 Min gegessen haben. Wie verdreht ist unsere Welt, sorry, Gesellschaft eigentlich?
    Danke für die Links

  13. @Marie:
    Ja genau, ein Garten! Ein Bio-Permakultur-Naturgarten mit Hühnern!

    @Gabriele:
    Du schreibst: „Du bist das lebendige Beispiel, dass die Natur der Frau anders ist, als es das Patriarchat gerne hätte.“ Danke für das Kompliment!

    Ansonsten stimme ich fast allem zu was du geschrieben hast. Nur wünsche ich mir halt eine nicht-patriarchale Gesellschaftsform in der Frauen wie ich, die keine Kinder mögen, ihren Platz haben und ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen können. Das wäre in einer matrifokalen Gesellschaft nicht der Fall, da dreht sich alles um Mütter und Kinder.

    Die weiblichen Verwandten meines Vaters habe ich nie kennengelernt weil fast die ganze Grossfamilie von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Meine mütterliche Linie stand der Gewalttätigkeit patriarchaler Männer um nichts nach. Natürlich ist sowas eine Reaktion auf patriarchale Gewalt, die Möglichkeit einer Matrifokalität geht dadurch aber trotzdem verloren.

    Weil das eigentliche Thema inzwischen total untergegangen ist: Die Idee eines Opt-Outs für Kindeszeuger halte ich für antifeministisch weil sie die patriarchalen Machtstrukturen, die sich gegen Mütter und Kinder richtet, nicht mitdenkt. Wer die Elternrolle nicht einnehmen will muss sich halt darüber schlau machen wie man(n) effektiv verhütet. Meine Meinung dazu siehe http://charybdis.blogsport.eu/2016/04/15/verhuetung/

  14. @Charybdis, auch hier noch einmal ganz kurz: Du hättest deinen Platz, da kannst du dir 100%ig sicher sein.

  15. @Charybdis,
    In einer matriliealen oder matrifokalen Gesellschaft haben alle einen Platz. Es gibt auch keine Bettler, weil die erwirtschafteten Güter so aufgeteilt werden,dass jeder davon leben kann und keiner Hunger leiden muss.
    Die minoische Kultur auf Kreta war wohl die letzte dieser Art in Europa. Wie solche Kulturen aussehen und ausgesehen haben wird im Buch „Ursprünge und Befreiungen“ ganz gut dargestellt.
    Den Platz hättest du doch schon bei der Gartenarbeit gefunden 😉

  16. Gibt es eigentlich eine Forschung zu bewusst kinderfreien Frauen in matrifokalen Gesellschaften? Ich habe die beiden Bände „Als alle Menschen Schwestern waren“ von Irene Fleiss gelesen. Da werden alle bekannten matrifokalen Völker beschrieben. Aber auf Frauen ohne Kinderwunsch wird leider nicht eingegangen.

  17. @Charybdis, die Bände kenne ich noch gar nicht. Aber zu deiner Frage: Ich glaube (und ja, das ist in der Tat nur meine Ansicht), dass sich diese Frage in einer matrifokalen Gesellschaft gar nicht stellt. Deine Sicht der Dinge ist ja der patriarchalen Sicht entwachsen, wir alle heute im Patriarchat lebenden kennen keine andere. Eine Frau, die in einer matrifokalen Gesellschaft keine Kinder will, ist einfach eine Frau, die keine Kinder hat. Punkt. Daraus ergeben sich weder Verpflichtungen noch Erwartungen. Es ist so einfach. Wirklich.

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