Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft – ein Idealbild, an dem die Realität nur scheitern kann?

Schwangerschaft, Frau

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Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft – für viele Frauen ist das das Ziel all ihrer Träume. Werbung und Gesellschaft zeichnen ein Idealbild, dass der wunderschönen und glücklichen Schwangeren, der stressfreien Geburt und schließlich der ewig sanftmütigen, selbstaufopfernden Mutter. Konflikte? Widerstände? Widersprüche? Darüber wird gerade in diesem Zusammenhang nur sehr ungern gesprochen. Die Realität sieht anders aus: 10 bis 20 Prozent aller Frauen erleiden nach der Geburt Symptome der postnatalen Depression, die verhindert, dass sie sich über die Geburt ihres Kindes freuen können und aufgrund der Suizidgefahr für Mutter und Kind sogar lebensbedrohlich ist. Dennoch werden die wenigsten Frauen in der Nachsorge auch psychisch betreut – oder bekommen auch nur die Gelegenheit, offen über das, was unter der Geburt geschehen ist, zu sprechen.

Jede Schwangerschaft ist anders. Ich weigerte mich, meine als einen „Krankheitszustand“ zu betrachten. Ich habe mich nie stärker und leistungsfähiger gefühlt als in der Zeit, als ich schwanger war. Und, trotz der nicht einfachen Begleitumstände – auch sehr glücklich. Ich bin während meiner Schwangerschaft noch viel gereist, war ständig unterwegs, habe Sport getrieben. Viele kreideten mir das an. „Du musst dich schonen“, hieß es. Warum? Mein Körper hatte sich sein ganzes Leben genau darauf vorbereitet. Er wusste, was er brauchte. Ich wusste es. Doch offensichtlich sehen das viele Ärzte anders. Werdende Mütter werden überschüttet mit Informationen und Fragen, die ihnen Angst machen sollen. Wer nicht die teuren Folsäure-Tabletten nimmt, riskiert, dass das Kind eine Gaumenspalte bekommt. Mir wurde später vorgeworfen, meine vegane Ernährung habe bei meinem Kind Eisenmangel hervorgerufen – dabei lag das daran, dass es eine Frühgeburt war und sich der Eisenwert eines Babies erst in den letzten Wochen vor dem eigentlichen Entbindungstermin herausbildet. Da ich über 35 war, was inzwischen sehr viele Erstgebärenden sind, galt es sogar als „Risikoschwangerschaft“. Allerlei Tests sollten herausfinden, ob mein Kind gesund war. Ich lehnte ab. Ich wollte diese Entscheidung gar nicht treffen. Wer den Geburtsvorbereitungskurs nicht besucht, der kann eine Geburt nicht überstehen. Die Geburt, das wird zum alles bestimmenden Mysterium. Über die Angst davor sprechen die wenigsten. Peinlich genau wurde von Nachbarn und Bekannten beobachtet, ob ich „auseinandergehe“ – also wie sehr ich unter der Schwangerschaft zunehmen würde. Fakt ist: Übergewicht ist ein Risiko für Mutter und Kind und gesunde Ernährung während der Schwangerschaft ist wichtig. Aber keine Frau schafft es, nur eine Kugel zu bekommen, und nicht an anderen Stellen zuzunehmen, wenn sie nicht hungert. Und warum sollte sie das tun? Um einer gesellschaftlichen Erwartung zu entsprechen?

Hausgeburten gehören der Vergangenheit an – angeblich, weil es in einem Krankenhaus sicherer ist. Der ganze Hebammenberuf steht in Deutschland kurz davor, abgeschafft zu werden. Frauen bleibt dann nur noch die Möglichkeit, in einer Klinik oder in einem privaten Geburtshaus zu entbinden, wenn sie sich das leisten kann. Dabei ist eine Geburt ein sehr intimer und persönlicher Vorgang- und vor allem ein natürlicher. Im Krankenhaus wird er jedoch in die häufig menschenfeindliche Routine des Betriebs – und der Sparzwänge gepresst. Viele Frauen erleben daher die Geburt als etwas Traumatisches, sie fühlen sich fremdbestimmt und es gibt dennoch keinen Raum, darüber zu sprechen. Wie fühlt man sich, wenn man unter Wehen in ein Krankenhaus eingeliefert wird und dort bis zu fünf verschiedene Personen den Intimbereich untersuchen? Was macht das mit Frauen, die in ihrem Leben bereits sexuelle Gewalt erlebt haben? Frauen wird unter dem Geburtsvorgang abgesprochen „geschäftsfähig“ zu sein. Das heißt, ihre Beschwerden, Wünsche, Bedürfnisse werden selten ernst genommen. Als ich mein erstes Kind bekam, brauchte es aufgrund der Frühgeburt intensive Betreuung auf der Frühchen-Station. Der Arzt, zehn Jahre jünger als ich,  erklärte mir mit einem dämlichen Lächeln, nachdem ich aus der Vollnarkose nach dem Kaiserschnitt aufgewacht war, dass ich mein Kind daher leider erst am nächsten Tag sehen konnte, denn die Frühchen-Station war in einem anderen Haus und ich dürfe erst morgen aufstehen. Mein Kind. Das gerade geboren worden war. Erst am nächsten Tag sehen?

Natürlich setzte ich mich darüber hinweg. Fand mein schreiendes Baby auf der Frühchen-Station, während eine dicke, genervte Kinderkrankenschwester es gerade anschrie, weil es die Nahrung ausgespuckt hatte, die sie ihm gegeben hatten. Ich wollte stillen. Bei einem Frühchen sei das nicht möglich, wurde mir kalt erklärt. Ich verlangte dennoch, die Milch abzupumpen und meinem Kind per Flasche zu geben. Widerwillig erklärten sich die Schwestern einverstanden. Und ließen meine Milch dann im Kühlschrank verderben. Dennoch konnte das für mich das Glück nicht trüben, als ich mit meinem Baby nach Hause kam. Freundinnen von mir erging es anders. Sie hatten, gerade bei der ersten Geburt, über Stunden so große Schmerzen, dass sie wie traumatisiert davon waren. Sie konnten sich nicht freuen. Doch Familie, Freunde, Ärzte und Krankenschwestern erwarteten von ihnen, doch glücklich zu sein, dass das Kind gesund war. Dammschnitt, stundenlange Wehen, das Gefühl von Hilflosigkeit und Angst? Das sollten sie einfach vergessen und ein Lächeln aufsetzen. Jenes Lächeln, das von jeder „frischgebackenen“ Mutter erwartet wird. Egal, ob sie seit Nächten nicht geschlafen hat. Ob die Brüste wund sind, weil das mit dem Stillen nicht so einfach ist, wie gedacht. Ganz gleich, ob das Kind ein „Schreikind“ ist – es wird von Frauen erwartet, das alles mit einem glücklichen Lächeln wegzuwischen. Dass es für unglaubliche Verzweiflung sorgt, ein ständig schreiendes Kind um sich zu haben und das Schlafentzug nicht umsonst ein Foltermittel ist, darüber dürfen sie nicht sprechen.

Lieber werden sie bei der Nachuntersuchung wie ich gefragt, ob ich denn schon wieder mit meinem Mann schlafe. Ich antwortete: „Nein“ – was meinen Frauenarzt zu einem mehrminütigen Vortrag darüber anregte, dass ich das aber tun müsse, um die Partnerschaft nicht zu gefährden und es medizinisch keine Einwände gäbe. Dass ich gar keinen Mann hatte und selbst wenn, noch immer selbst bestimmte, wann und ob ich wieder Sex haben will, wollte er nicht verstehen. Das war nicht der einzige Anspruch, der an mich gestellt wurde. Ein alter Freund warnte mich vor dem, was das Stillen mit meinen Brüsten anrichten würde. Es war müßig, ihm zu erklären, dasss der Grund, warum Frauen Brüste haben, nicht ist, um Männer zu erfreuen, sondern damit darin die Milchdrüsen Platz finden, um unsere Kinder zu stillen. Stillen in der Öffentlichkeit?
Es kostete mich viel Angstschweiß, es dennoch zu tun. Und viele eigenartige Blicke zu ernten. Auf der einen Seite wird jeder Mutter erklärt, wie wichtig es ist, ihr Kind zu stillen, auf der anderen Seite bekommen sie dafür keinerlei gesellschaftliche Unterstützung und sollen am besten nur zu Hause oder auf der Toilette stillen. Und natürlich – Promis machen uns das ja vor – sollte mein Körper am besten innerhalb weniger Wochen wieder auf sein altes Maß schrumpfen. Mein Körper weigerte sich aber, ich weigerte mich aber. Die Schwangerschaft hatte meinen Körper verändert – warum sollte ich das rückgängig machen, anstatt mich über den Eintritt in diesen neuen Lebensabschnitt zu freuen? Ich war jetzt Mutter, nicht mehr nur Frau. Und dieser Körper gehört mir – nicht der Gesellschaft. Wer hat darüber zu urteilen, wann eine Mutter wieder „in shape“ ist?

Aber das Muttersein wurde mir von vielen Seiten nicht leichtgemacht. Auch das ist etwas, das Frauen nicht ansprechen dürfen. Ich musste mein Kind, mit dem ich ein Jahr lang jede Sekunde verbracht hatte, nach einem Jahr in die Betreuung geben, um wieder arbeiten zu gehen. Ich hatte keinen Partner, der mich, der uns versorgte. Diese Trennung war für uns beide traumatisierend. Ich hatte Tränen in den Augen, sobald ich einen Kinderwagen sah. Ich wollte nicht wieder arbeiten. Ich wollte bei meinem Kind sein, dabei sein, wenn es seine ersten Worte sprach, zu Laufen begann. Stattdessen habe ich von all dem nur durch die Kindergärtnerinnen erfahren. Sie sammelten diese Erlebnisse für mich in einem Ordner. Gleichzeitig wurde von mir nach der Geburt erwartet, alle meine Interessen einfach aufzugeben und nur noch für das Kind da zu sein. Ich als Person sollte aufhören, zu existieren und mich nur noch als Mutter definieren – und nicht wenige Frauen, die ich kenne, haben genau das getan. Nur um einige Jahre später festzustellen, dass sie als Person gar nicht mehr existieren.

Mütter unter sich bewerten und richten sich ständig gegenseitig. Wer die falschen Gläschen füttert oder Second Hand Kleidung trägt, steht sofort unter Generalverdacht. Genauso wie Mütter, die wie ich ihr Kind einfach überall mithinschleppen. Mein Kind ist bei mir immer am glücklichsten und am besten versorgt. Warum sollte ich es also dazu zwingen, um Punkt 19 Uhr alleine in einem Bett am anderen Ende der Wohnung einzuschlafen? „Du musst sie schreien lassen“, rieten mir viele, als mein Kind vier Monate alt war. „Irgendwann gewöhnt sie sich dran.“ Das ist falsch. Kinder gewöhnen sich nicht daran, dass niemand kommt, wenn sie schreien, sie resignieren. Auch Kinder werden, vom ersten Moment an, in diesen Perfektionszwang gedrängt. Ständig wird verglichen, wer sich wann wie schnell entwickelt. Dabei ist das bei jedem Kind unterschiedlich und die Bemühungen mancher Mütter, mit ihren unter Einjährigen, von Kurs zu Kurs zu hetzen, nur um es „perfekt“ frühkindlich zu fördern, erhöhen den Stress noch.

Bevor ich 35 wurde, wurde mir mein Verzicht auf ein Kind immer als „Egoismus“ ausgelegt. Aber mein Leben war so voll, ich hatte nicht vor, Mutter zu werden. Seit ich 28 war, wurde ich gefragt, wann es denn bei mir so weit wäre. Als sei mein einziger Zweck, Kinder zu bekommen, als würde mein restliches Leben, meine Interessen, Träume, Ziele dagegen gar nichts zählen. Das Wort „Karriere“ darf frau in diesem Zusammenhang nicht in den Mund nehmen. Werden Männer das auch ständig gefragt?
Als ich dann schwanger wurde, habe ich mich sehr gefreut. Doch die Umstände waren nicht einfach. „Du musst es nicht behalten“, hieß es dann, von Familie und Freunden. „Treib doch ab“, sagten sie. Nicht wenige von ihnen waren später unter denen, die mir sagten, wenn es schwierig wurde, „das hast du dir ausgesucht“ – oder „du hast es ja so gewollt“. Ja, ist das so einfach? Was, wenn es das nicht ist, nachdem man das eigene Baby im Bauch bereits auf dem Ultraschallbild gesehen und den Herzschlag gehört hat? Haben nur Frauen in perfekten Partnerschaften oder Ehen das Recht darauf, sich über ihre Schwangerschaft zu freuen – sind sie es, die die „richtigen“ Kinder bekommen? Jene, die mehr Recht haben, auf dieser Welt zu sein, als all die „Unfälle“?

Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft sind für jede Frau einschneidende Erlebnisse, die mit vielen intensiven Gefühlen verbunden sind. Freude ist nur eine davon. Angst, Wut und Unsicherheit gehören auch dazu. Doch diese Gefühle haben keinen Platz in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Mütter werden heute zerrissen, zwischen dem Anspruch, perfekte, aufopfernde Mütter zu sein, körperlich sofort wieder in „sexuell begehrbare“ Normen zurückzukehren und gleichzeitig noch berufstätig zu sein, „ihren Mann zu stehen“, wie man so sagt. An all diesen Ansprüchen, an diesem Idealbild kann man nur scheitern. An welchem Punkt, das ist für jede Frau unterschiedlich. Aber wenn wir ehrlich darüber sprechen, dann gibt es in jeder Schwangerschaft, in jeder Beziehung, bei jeder Geburt und jeder Muttter-Kind-Beziehung auch Aspekte, die eben nicht „perfekt“ sind. Warum können wir nicht über die Realitäten sprechen, auch über die traumatisierenden, die Angst machenden, die unperfekten Momente darin oder sie zumindest anerkennen? Warum werden gerade Mütter so sehr unter Druck gesetzt? Wenn das Kind viel schreit oder nicht genug zunimmt, sind sie die ersten, die dafür schief angeschaut werden. Als seien sie unfähig, eine an sie gestellte Aufgabe zu meistern – dabei ist es eine sehr junge Idee, dass für ein Kind nur noch seine Mutter zuständig ist und nicht eine ganze Großfamilie.

Die Zwänge, unter denen Mütter stehen, entfremden sie von dem Vertrauen in sich selbst und ihre Kinder. Die Kinderfeindlichkeit der Gesellschaft – die sich über quengelnde Kinder beschwert – führt dazu, dass Mütter immer mehr in Sonderräume abgedrängt werden, wo es aber auch nur darum geht, ein Idealbild aufrechtzuerhalten. Wer das nicht glaubt, kann ja mal als Alleinerziehende einen Krabbelkurs besuchen und sich da von all den perfekten Eltern bewerten lassen. Dabei scheitern nicht wenige Beziehungen, auch mit Kindern. Knapp drei Millionen Menschen ziehen ein Kind alleine auf, davon sind 90 Prozent Frauen. Sie werden an allen möglichen Stellen benachteiligt, anstatt sie zu unterstützen, von der Besteuerung bis zu Betreuung. Die gesellschaftliche Realität ist allerdings längst eine andere. Fast die Hälft aller Alleinerziehenden lebt von Hartz IV  – die Armutsgefahr ist hier besonders groß. All das, auch Existenzängste, erschweren es, entspannt mit der neuen Lebenssituation umzugehen. Andere Länder wie Schweden oder Norwegen zeigen, dass es anders geht, dass es andere Arbeits- und Betreuungsmodelle geben kann, die auf die Bedürfnisse von Mutter und Kind Rücksicht nehmen. Ein Kind als Armutsrisiko? Das ist in einem reichen Land wie Deutschland eine Perversion. Noch dazu, während sich alle über die zu geringen Geburtsraten aufregen. Oder über die Zuwanderer – die „zu viele“ Kinder bekommen.
Es kann in dieser Gesellschaft gar nicht genug Kinder geben und jedes Einzelne von ihnen ist ein Wunder und ein Grund sich zu freuen. Mütter müssen nicht perfekt sein. Alle Verantwortung wird auf ihren Schultern abgeladen, dabei profitiert die ganze Gesellschaft von ihrer Arbeit. Es ist an der Zeit, dass wir uns von den Hochglanzbildern verabschieden und uns den Realitäten stellen. Frauen muss die Selbstbestimmung über ihren Körper wieder gegeben werden – vom unbegrenzten Recht auf Abtreibung bis zur Existenzsicherung weit über das Elterngeld hinaus, von dem Recht auf eine ihren Bedürfnissen gerecht werdende Geburtssituation abseits von der kalten Krankenhausroutine bis zur Akzeptanz ihrer sich verändernden Körper. Ich bin für mehr Entspannung, für mehr Realitätssinn. Das wird erstens dazu führen, dass wir auf die echten Bedürfnisse von Müttern und Kindern eingehen und gleichzeitig sowohl entspanntere Mütter als auch Kinder schaffen. Dieser Perfektionswahn ist zerstörerisch.

4 Kommentare

  1. Dieser Artikel spricht mir aus der Seele.

    Ich war nicht allein als ich schwanger wurde, sondern hatte einen Ehemann der nicht müde wurde mir zu sagen wie sehr er mich liebte und wie glücklich er wäre. Schon vor der Schwangerschaft war ich Übergewichtig, das machte die Schwangerschaft natürlich nicht einfacher. Aber zum ersten Mal in meinem Leben liebte ich meinen Körper trotzdem.

    Die Geburt ging ich entspannt an und wusste dass ich so und so Schmerzen haben würde, also wozu sich Gedanken drüber machen… Nach vierundzwanzig Stunden Wehen kam meine Tochter zur Welt. Ich war nur noch glücklich glücklich glücklich…

    Vier Monate nach der Geburt hatte mein Mann immer mehr und mehr an meinem Körper auszusetzen. Im Fernsehen zu zuschauen wie eine Heidi Klum sechs Wochen nach der Geburt ihres Kindes wieder über den Laufsteg schwebt hat meine Situation auch nicht einfacher gemacht. Es kam wie es kommen musste, er verließ mich für eine schlanke Frau. Als meine Tochter zwei wurde, ging ich wieder arbeiten. Es war hart aber es ging finanziell nicht anders. Gut, es hat mir auch Spaß gemacht mich im Job zu beweisen, weil einer Mami irgendwie keiner was zutraut. Dennoch bist du es, die schief angesehen wird weil du Zuhause bleiben musst weil das Kind Fieber hat oder eher gehen musst weil das Kind einen Termin hat. Väter fühlen sich für sowas nicht zuständig. Mein Mann arbeitet in einem Schichtbetrieb also kann er die Kleine nur unregelmäßig nehmen. Mal abgesehen davon das er ja noch eine Beziehung führt und „ein Recht auf sein eigenes Leben hat“. Wir sind jetzt fünf Jahre getrennt und inzwischen auch geschieden. Ich hatte seit dem keinen Partner mehr weil es nicht wirklich möglich ist jemanden näher Kennenzulernen wenn man niemanden hat dem man das Kind mal übergeben könnte.

    Inzwischen habe ich meinen Job verloren. Nicht weil ich mir was zuschulden habe kommen lassen, sondern weil man sich mehr „flexiblere“ Mitarbeiter wünscht. Im Arbeitsamt wurde mir gedroht das Arbeitslosengeld zu sperren, wenn ich keine schriftliche Bestätigung heranschaffe, dass mein Kind auch in den Ferienzeiten versorgt ist.

    Macht es mir noch Spaß Mutter zu sein? Ja, aber nur weil ich mich weigere mir das verderben zu lassen. Ich klammere mich an jedes lächeln meiner wunderschönen Tochter.

  2. Zitat „Fast die Hälft aller Alleinerziehenden lebt von Hartz IV – die Armutsgefahr ist hier besonders groß.“
    Warum gefahr? Es IST Armut, wenn man als AleinerziehendeR auf Hartz IV ist. Es ist nicht nur die Gefahr. Spätestens, wenn die „Sonderausgaben“ für Kindersachen, -betreuung dazukommen, wenn mensch Kleidung, Schuhe und ähnliches braucht, die Nachzahlung für gestiegene Heizungs-, Strom- und Brauchwasserkosten kommen, merkt ensch wie unwürdig das ist.
    Ansonsten spricht auch mir als Mann der Artikel aus der Seele, auch wenn ich die Probleme der Mutterschaft nicht selber erfahren habe und werde.

  3. Ich finde Deinen Artikel sehr gut, weil er wirklich viele wichtige Themen anspricht und mir in vielerlei Hinsicht auch die Augen geöffnet hat.

    Ich hatte das Glück eine tolle Beleghebamme zu haben und kann das nur jeder Frau und auch jedem Paar wünschen. Viele von dem, was eine Krankenhausgeburt schrecklich macht (z.B. völlig inkompetente, verschreckte Assistenzärztinnen, die sagten: und beim nächsten CTG ist das Kind tot, ich will ihnen ja keine Angst machen, aber solche Fälle kennen wir auch), konnte für mich so „gelindert“ werden, bis hin zu einem abgewendeten Kaiserschnitt, weil es dem Krankenhaus nicht schnell genug ging. Ich fühlte mich in den Gesprächen mit meiner Hebamme ernst genommen – es ging hierbei tatsächlich um mich und meine Gefühle. Es war legitim, eine Situation anhand eines Gefühls zu beurteilen und sich nicht komplett durch die Ärzte fremd bestimmen zu lassen. Meine zweite Geburt war eine Hausgeburt mit eben jener Hebamme. Das war für mich ein großes Glück und dein Artikel hat mir das noch einmal vor Augen geführt.
    Ich fand es schrecklich während der Schwangerschaften ständig pathologisiert zu werden, weil ich irgendwelche Werte nicht erfüllte bzw. von den Normwerten abwich. Es ist schrecklich, dass sich kaum eine Frau mehr auf ihre Gefühle verlassen kann und sich rechtfertigen muss, wenn sich nicht sämtliche Screenings machen lässt – weil sie eben auch keine Relevanz hätten… Ich wünsche mir wirklich, dass wir diesen Trend irgendwie umkehren könnten, sehe das aber in unserer perfektionistischen Gesellschaft als fast unmögliche Aufgabe an. Nicht zuletzt, weil mit Schwangerschaften, an denen man nicht ständig rumdoktern muss und Geburten an denen man nicht ständig irgendwelche Schräubchen drehen muss (Einleitung, etc.) nicht genug Geld verdient werden kann.

  4. Sehr schöner Artikel, allerdings würde ich bei dem Thema Sebstbestimmung über unseren Körper weiter gehen und schon bei der Verhütung anfangen. Ich bitte um kompetente und objektive Beratung durch Frauenärzte zum Thema Verhütung. Und keine persönlich angreifenden Kommentare weil man keine Hormone nehmen will. Ich möchte keinem Pharmakonzern die Kontrolle über meine Fruchtbarkeit in die Hand geben, das macht Frau nur abhängig und entfernt sie vom eigenen Körper. Viele Frauen denken weniger darüber nach mit wem sie ins Bett steigen wenn sie die Pille nehmen. Sieht so tatsächlich Freiheit aus? Und sexuelle Revolution? Ich selbst habe bei manchen Männern zu wenig darüber nachgedacht ob ich das wirklich will. Und ich frage auch ab und an bei anderen Frauen und merke das es ein Thema ist über das nicht sooo offen gesprochen wird. Das ist auch ein Tabu.
    Die Hormonelle Verhütung wird einfach als Allheilmittel dargestellt. Und mir fehlen da auch immer die Männer in ihrer Verantwortung. Wie oft habe ich gehört oder musste mich selbst damit auseinander setzen dass ein Mann kein Kondom benutzen will, wenn er weiß das Frau die Pille nimmt?!)
    Gäbe es hier Krieg, und der Nachschub an hormonellen Verhütungsmethoden würde versiegen, dann wären wir genauso dumm wie zu den Zeiten ohne Pille oder Nuvaring oder Spritze etc pp. Ist das nicht wahnsinn? Und wir halten uns für so entwickelt!
    Zum Thema Muttersein kann ich noch nicht viel sagen, da ich selbst noch keine bin. Aber ich bin ein Kind einer Mutter die meinem Gefühl nach unter diesem System der Mutterschaft gelitten hat. Ambivalente Gefühle kennt sie sehr gut und ich war immer ein sehr offener Mensch für solche Gefühle.
    Nunja und ich denke sehr viel darüber nach wie schön es doch wäre, gäbe es ein gesellschaftliches Konstrukt in der die Frauen nicht in Konkurrenzkampf treten und mehr gegenseitige Unterstützung möglich und an der Tagesordnung ist. Wäre es nicht schön, wenn man guten Gewissens auch mal für zwei Wochen weg könnte um was für sich zu tun?
    Um ehrlich zu sein, ich freue mich auf ein Kind, aber genau das Thema Mutterschaft und wie es gelebt wird macht mir Sorgen. Das kann und will ich nicht. Ich möchte meine Kinder nicht im Krankenhaus bekommen und auch nicht wie eine Kranke behandelt werden. Da beginnts schon. Und so geht es weiter. Der Artikel spricht mir auch aus dem Herzen. Schön dass diese Tabus gebrochen werden.

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