Männerherzen

Herz

Frank Behrens (Flickr)[CC BY-SA 2.0]

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ein Beitrag von Carola Fuchs.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf ihrem Blog.

„Ich würde gern mal spüren in ein Männerherz hinein, um endlich zu verstehen, warum fühlt’s ihr euch so klein?“, sang das Double von Ilse Aigner, der bayerischen Wirtschaftsministerin, am diesjährigen Nockherberg – dem bayerischen Kabarettereignis schlechthin.

„Alles, ja alles um auf Seite eins zu stehn,
ich tu doch auch alles, nur bin ich auf Seite zehn.
Ihr habt’s die Ilse vergessen, ihr Lumpenpack,
genauso wie den Anstand, den ihr nie besessen habt.“

Ja, da stehen sie ganz gerne, die Herren Politiker, auf Seite eins. Für eine Frau, so denken sie vielleicht, hat es die Ilse eh schon weit gebracht. Mehr geht nun wirklich nicht.

Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit

Die Textschreiber des Nockherbergs nahmen den männlichen Geltungsdrang nicht nur gehörig auf die Schippe, sondern lieferten auch gleich eine Erklärung für dieses selbstverliebte Gebaren: Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit, das kaschiert werden soll und Anstand kann man sich dabei wohl nicht leisten.

Aber wie sieht es jenseits des Politzirkus in den Männerherzen aus? Wie verkraften die „normalen“ Männer den Machtverlust, den die fortschreitende – aber bei weitem nicht abgeschlossene – Gleichberechtigung der Frauen (Gendergap!) mit sich bringt?

Gemischt, würde ich sagen.

Für die einen ist es kein Problem sondern ein Gewinn, eine selbstbewusste Frau auf Augenhöhe neben sich zu haben. Sie nehmen die zunehmende Aufweichung der strengen Rollenmuster zum Anlass, sich auch im Haushalt und bei der Kinderbetreuung einzubringen. Einige solcher Exemplare kenne ich sogar persönlich. Ein befreundetes Ärzteehepaar zum Beispiel, sie teilen sich eine Stelle und Mutter und Vater sind für die Kinder gleichwertige Bezugspersonen, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Von Kleinheit ist bei diesem Mann rein gar nichts zu spüren und deswegen hat er es auch nicht nötig sich zu produzieren.

Ganz so paritätisch geht es zwar bei all den anderen Paaren in meinem Freundeskreis nicht zu – die Frauen haben ihren Job zugunsten der Kinderbetreuung mehr oder weniger zurückgeschraubt und der Mann ist der Hauptverdiener in der beruflich deutlich besseren Position – aber auch diese Männer vermitteln nicht den Eindruck, als würden sie sich klein fühlen. Nun, in guten Zeiten ist das ja auch nicht so schwer.

Schluss gemacht – und dann?

Was ist aber, wenn der Wind sich dreht und die gleiche Augenhöhe anstrengend wird oder die Frau ihre Unabhängigkeit frecherweise dazu nutzt, die Beziehung eigenmächtig zu beenden?

Dann ist die Stunde der Wahrheit gekommen und die Spreu trennt sich vom Weizen.

Für viele Männer ist auch das kein Problem, sie stellen sich mehr oder weniger pragmatisch auf die neue Lebenssituation ein oder sehen sogar eine Chance in der Trennung, weil sie sich auch nicht mehr so wohl gefühlt haben.

Aber einige Männer leiden höllisch unter dem plötzlichen – und in ihrer Wahrnehmung auch vollkommen ungerechten – Machtverlust. Um ihr zerstörtes Selbstbild irgendwie restaurieren zu können, versuchen sie auf Teufel komm raus wieder die Oberhand zu gewinnen. Weil der Zug auf der Paarebene aber abgefahren ist, verlegen sie kurzerhand den Kriegsschauplatz: Nun kommen fatalerweise die Kinder ins Spiel.

An dieser Stelle hört dann auch der Spaß auf, der beim Kabarett im Vordergrund steht. Daran ist nichts mehr lustig, das ist pathologisch und für die Frauen und Kinder oft sogar lebensgefährlich.

Um sich nicht gar so klein zu fühlen, wird Himmel und Hölle, vor allem aber das Familiengericht in Bewegung gesetzt. Mann will plötzlich die Hälfte vom Kind, auch wenn Mann sich vorher nicht an der Kinderbetreuung beteiligt hat. Denn durch die Hintertür des reformierten Sorge- und Umgangsrechts ist es nämlich ganz leicht, Macht über die Ex-Frau zurückzuerlangen.

Unwissenheit oder Ignoranz?

Dass dies die wahre Motivation sein könnte, warum sich manche Väter ganz plötzlich paritätisch um ihre Kinder kümmern möchten, wird beim Familiengericht vollkommen ausgeblendet, genauso wie die finanziellen Vorteile, die sich für Männer dann ergeben.

JugendamtsmitarbeiterInnen und RichterInnen geben sich vollkommen dem von Presse in den letzten Jahren weichgespülten Bild des Vaters hin, dem es ausschließlich um das Wohl und die Nähe seiner Kinder geht. Das mag in den allermeisten Fällen durchaus zutreffen, aber es ist fatal, die Abgründe der menschlichen Psyche und wozu Menschen in der Lage sind, wenn das Selbstbild erschüttert ist, vollkommen auszublenden. Ob aus Unwissenheit oder Ignoranz, sei dahingestellt. Sie gehen den selbstverliebten, machtbesessenen Menschen, reihenweise auf den Leim, weil es in der Natur des Narzissten liegt, nach außen hin zu blenden, beruflich meist erfolgreich zu sein und sehr souverän zu wirken.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Ein Vater – noch dazu ein so smarter Mann – kann unmöglich schlecht für seine Kinder sein, auch dann nicht, wenn er die Kinder nur benutzt, um hintenherum seine Frau zu drangsalieren, damit er sich nicht mehr so klein fühlen muss.

Und wenn der Umgangstag mit den Kindern sogar dazu genutzt wird, um sie geplant und kaltblütig zu ermorden, um sich an der Frau für die Trennung zu rächen, dann spricht man von unvorhersehbaren Familientragödien.

Dabei wäre es an der Zeit Verantwortung zu übernehmen und die Hintertür „Umgangs- und Sorgerecht“ zu verbarrikadieren, worüber Frauen und Kinder terrorisiert werden können.

In meinem Buch “Mama zwischen Sorge und Recht” hat jeder die Gelegenheit in ein Männerherz hinein zu spüren, das durch eine unfreiwillige Trennung arg gebeutelt wurde. Tiefe Einblicke sind garantiert.

Carola Fuchs: „Mama zwischen Sorge und Recht – Die aberwitzigen Erfahrungen einer Mutter in Sachen Umgang“

7 Kommentare

  1. Anonymous

    Es geht wirklich kein bisschen um die Kinder im deutschen Familienrecht. Es geht nur um den Willen und das Recht des „Vaters“ (wenn man jemand Vater nennen kann, der seine vermeintlichen Rechte vor dem Familienrecht einklagt). Pflichten stehen keine an für die lieben schnuckeligen Väter.

    Für Kinder und Mütter gibt es keine Rechte mehr. Auf der lebenswichtigen natürlichen engen Bindung zwischen Mutter und Kind wird herumgetrampelt. Das Band soll um jeden Preis zerschnitten werden.

    Die Praxen der Kinderpsychologen und Psychiater füllen sich.

    Und ach leben die früher taxi-fahrenden Sozialpädagogen nun in Saus und Braus.

  2. Katja H.

    Ich finde es gut, dass hier nicht von allen Vätern die Rede ist… dennoch hat die Zahl der gewalttätigen Väter, die nach der Trennung am Familiengericht Zuspruch bekommen, enorm zugenommen. Die Frauen sind keinesfalls aus der Unterschicht, nein, das ist das Merkwürdige, es sind oft Akademikerinnen… Häusliche Gewalt kennt keine Schichten, es kommt überall vor, das weiß man schon… aber beim Familiengericht und bei den Jugendämtern kam das noch nicht an, denn die sind der festen Überzeugung, dass Ärztinnen, Anwältinnen, Psychologinnen nicht geschlagen werden, schon gar nicht von ihren gebildeten Männern, oft ebenfalls Psychologen, leitende Polizeibeamte, bekannte Künstler oder Politiker… Schlimm wird es, wenn die Gewalt nach der Trennung umgewandelt wird in Stalking, und zwar mit Hilfe der Gerichte und Behörden ls verlängerter Arm des Stalkers… Dank der jetzigen Sorge- und Umgangsregelungen in Deutschlnd sind Frauen und Kinder von soclhen Vätern nach der Trennung nciht geschützt, sondern werden unter Strafandrohung auch noch gezwungen, das Kind dem Vater zu geben… Und das eigene Kind zu töten, ist Mord, keine Familientragödie… Es ist Zeit, dass alle Frauen es wissen sollten, nach der Trennung von einem Gewalttäter ist es schlimmer als vorher, dann kann man zumindest nicht mal mehr sein Kind schützen! Kein Gericht, keine Behörde, keine Polizei hilft den Frauen oder den Kindern…

  3. Nicole Klauert

    Es ist schlimm, was hier in Deutschland möglich ist. Wenn man es selbst nicht erlebt hat, glaubt man das nicht.

    Wie kann man sein eigenens Kind töten, nur um die Frau zu bestrafen?
    Wie krank ist das denn?

    Das ist aber Alltag. In jeder fünften Beziehung ist solch ein kranker Mann zu finden, denn nach der europäischen Studie ist in Deutschlnd jede fünfte (oder war es jede vierte?) Frau Opfer von häuslicher Gewalt. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das nächste Kind ermordet wird vom Vater.

    Übrigens gibt es diese Morde zuhauf in Deutschland. Oft erscheinen diese noch nicht einmal in den Nachrichten, aus „Opferschutzgründen“ oder aus „Gründen der Verhinderung der Nachahmung“.
    Ich habe es auch nicht geglaubt, bis mir meine Bekannte bei der Polizei erzählt hat, dass Selbstmorde und sog. „erweiterte Selbstmorde“ (dazu gehört auch das Töten ds Kindes und dann sich selbst) nicht an die Öffentlichkeit gelangen, um den Nachahmungseffekt zu verhindern.

  4. Das ist auf allen Ebenen exakt, was ich gerade durchlebe, mit dem Ex, den Institutionen und Gericht. Auch meien Anwältin sagt, dass geteilte Sorgerecht führt zu Chaos und ist ein Desater für Kinder. Ich bin sprachlos darüber, dass hier so gebündelt vorzfinden. Scheiss, wir sollten auf die Barrikaden gehen, neben uns leiden noch so viele Fraen und Kinder unter diesen machtbesessenen Tyrannen, die das alles aus andern Gründen als der Kinderliebe tun.

  5. Ich finde ich die Erklärung meiner Psychologin sehr einleuchtend. Bei einer einseitigen Liebe wird auch nur einseitig das Hormon Oxitycin ausgeschüttet und ein Beenden dieser Beziehung beendet auch diesen Hormonspiegel, was den Körper wiederum auf Entzug setzt. Daher die Schmerzen. Das erklärt auch die rosarote Brille in den „ersten“ Monaten. Viele aus meiner Generation sind ohne Muttermilch (konstante Abgabe an Oxitycin) und durch natürliche Geburt (Hoher Oxitycinschub) groß geworden. Es wäre wirklich mal interessant ob es da Zusammenhänge gibt.

    Denn alles auf Machterhalt zurück zu führen geht mir a bissel zu weit. Ich kann aus meinen Gefühlen auch nicht immer raus und das ich Schmerzen empfand genau wie beim Nikotinentzug ist real.

    Das beim Beenden einer Beziehung es zu solchem Fehlverhalten und dem Nutzen von patriarchal zur Verfügung gestellten Rechten kommt, hat mir meine Ex ja lang breit erzählt und ansatzweise erkenne ich die oben beschriebenen Sachverhalte in meinem eigenen Verhalten. Gottseidank waren es nicht meine eigenen 4 Kinder.

    Ich lese nun wirklich seit fast 2 Jahren Emma doch damit umgehen lernte ich auf die „harte“ Tour.

  6. PS. Übrigens sehe ich ein ähnliches Verhalten bei meinen Dementen Bewohnern wenn Sie „Mensch ärgere dich nicht“ spielen. Offensichtlich hängt dies auch mit dem Dopaminspiegel zusammen. Ein Mann der sich sexuell „ausgetobt“ hat ist gelassener als ein Mann der dies nicht getan hat. Mir stellt sich dabei die Frage, inwieweit unser sexuelles Verhalten, eine hohe Ängstlichkeit durch einen unregelmässigen Dopaminspiegel und die dadurch entstandene hormonelle Prägung in der Kindheit eine Rolle spielt.

  7. Und noch etwas, beim Grübeln kam eine Kindheitserinnerung hoch. Ich war damals elf und habe mir Ohrlöcher stechen lassen, beide auf die „hetero“-Seite. Man hat das geeitert, doch ich ließ Sie drin, tat immer wieder Salbe drauf weil ich unbedingt diese Ohrringe behalten wollte. Auf die Idee Sie heraus zu nehmen kam ich gar nicht. Was wenn dieses Verhalten meine „hormonelles „Täterprofil“ prägte. Falls ja, lässt sich eine solche Prägung ändern und wie?

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