Pornokonsum und seine Folgen

"End Rape Culture"

Chase Carter via Flickr, [CC BY-ND 2.0]

Eine Auswahl an Studienergebnissen dokumentiert:

Pornokonsum erhöht das Aggressionspotential des Konsumenten

M. Allen, D. D’Allesio & K Brezgel: A meta-analysis summarizing the effects of pornography II, Human Communication Research, 22 (2) (1995): 258-283

Pornokonsum erhöht die Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen beim Konseumenten (z.B. Wenn eine Frau einen kurzen Rock trägt, trägt sie eine Mitverantwortung, …)

M. Allen et al: Exposure to pornography and acceptance of rape myths, Journal of Communication, 45 (1) (1995), 5-26

Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung von Porno und positiven EInstellungen in Bezug auf Gewalt gegen Frauen.

Hald et al: Pornography and attitudes supporting violence against women

Pornonutzung erhöht die Wahrscheinlichkeit sexuelle Straftaten zu begehen

E. Oddone-Paolucci, M. Genius & C. Violato: A meta analysis of the published research on the effects of pornography, in: C. Violato, E. Oddone-Paolucci & M. Genius: The changing family and Child Development (Ashgate, 2000),

Pornokonsum führt zu einer psychischen Desensibilisierung, die zu einer heruntergesetzten Empathie mit Opfern führt und dem Glauben, dass Opfer eine Vergewaltigung genießen, Einstellungsveränderungen, einer höheren Wahrscheinlichkeit Aggression auszuüben

C. Itzin, A. Taker & L. Kelly: The evidence of harm to adults relating to exposure to extreme pornographic material: a rapid evidence assessment (REA), report, Ministry of Justice, 2007

Pornokonsumenten halten niedrigere Strafen für Vergewaltiger als angemessen (Befürwortetes Strafmaß bei Vergewaltigung einer Tramperin: Pornokonsumenten 5 Jahre, Nichtkonsumenten 10 Jahre)

D. Zillman & J. Bryant: Pornography, sexual callousness and the trivilization of rape, Journal of Communication, 32 (4), 1982, 10-21

Männer urteilten signifikant häufiger, dass ein unter KO-Tropfen gesetztes Vergewaltigungsopfer „bekam was sie wollte“ und Befriedigung aus der Tat zog, nachdem sie einen sexuell objektifizierenden Film angeschaut hatten (nicht einmal ein Porno)

M.A. Milburn, R. Mather & S.D. Conrad: The effects of viewing R-rated movie scenes that objectify women on perceptions of rape, Sex Roles, 43 (9/10) (2000), S. 645-664

Pornokonsum beeinflusst nach eigenen Angaben der Konsumenten signifikant die sexuelle Aggression gegenber Frauen, und zwar unabhängig von anderen Faktoren.

N. M. Malamuth, T. Addison & M. Kos: Pornography and sexual aggression: are there reliable effects and can we understand them?, Annual Review of Sex Research, 11 (1) (2000), S. 26-91

Frauen, die an einem Programm für Opfer häuslicher Gewalt teilnahmen, waren signifikant häufiger sexueller Gewalt ausgesetzt wenn der Partner Pornokonsument war.

J. Hinson Shope: When words are not enough: the search for the effect of pornography on abused women, Violence against Women, 10 (1) (2004), Seite 56-72

Je mehr Pornokonsum, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Partner Pornographiekonsum auch während des Sex mit dem Partner nachfragte um die Erregung aufrecht zu erhalten, und die Partnerin um pornographische Sexhandlungen bat

C. Sun et al: Pornography and the male sexual script: an analysis of consumption and sexual relations, Archives of Sexual Behaviour (2014), Seite 1-12

Zitiert nach Kat Banyard: Pimp State. Sex, Money and the future of equality, Faber & Faber, 2016 (Kaufen! Sehr empfehlenswert!)

Jahrezehntelange Forschung belegen, dass Pornokonsum schwerwiegende Konsequenzen mit sich trägt. Lasst euch nicht für dumm verkaufen!

13 Kommentare

  1. Supervielen Dank für die Arbeit der Zusammenstellung! Das ist absolut hilfreich. Jeden Tag werden Frauen nach Gewaltpornomanier vergewaltigt, immer öfter auch in Gruppen und niemand – wirklich NIEMAND – sucht danach die PCs Handies der Vergewaltiger nach Gewaltpornos ab. Bei jedem Amoklauf ist die Suche nach Ballerspielen normal.

    Hier aber ist das Patriarchat tatsächlich so DREIßT, keinen Mux dazu zu sagen und das nicht öffentlich in Zusammenhang zu bringen. Schickt sogar seine besten Jugendforscher vor, die regelmäßig (wer weiß für wie viel Geld im Hintergrund) angeblich keinen Zusammenhang zwischen Pornokonsum und der Sexualität der Jugendlichen finden.

    Danke für diese Zusammenstellung! Gut, mal so viele Studien an einem Platz zu haben und sie jedem um die Ohren hauen zu können, der so dreißt ist zu behaupten: Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen, Frauenverachtung und Frauenhass haben nichts mit dem megakranken Pornomaterial zu tun, das es durch jeden 12-Jährigen im Netz konsumiert wird.

  2. Hanna Dahlberg

    Der Dank geht an erster Linie an Kat Banyard und ihrem neuen Buch „Pimp State“. Die hat sich die ganze Mühe gemacht. Honour to whom honour is due 🙂

  3. hey hanna, ist ja ne liste, danke für den post.

    kannst du nochmal sagen, welche gruppen da jeweils untersucht wurden? waren das ausschließlich männer? cis-männer? weiße? wo wurden die Untersuchungen durchgeführt, in den USA? um welche pornos ging es?

    ich finde eine aussage wie „Jahrezehntelange Forschung belegen, dass Pornokonsum schwerwiegende Konsequenzen mit sich trägt“ auf der basis dieser un/klarheiten irgendwie pauschal und so auch nicht nachvollziehbar. ich mein, es gibt doch immer einschränkungen, wenn jemand eine wissenschaftliche studie macht – welche pornos sind nicht gewaltfördernd, bei wem haben sie keinen effekt, welches alter/milieu/gender ist besonders empfänglich etc.? eine politische aussage zu machen: „pornos sind scheiße“ ist das eine, und das finde ich völlig legitim (wenn ich das so äußern kann, ohne das jemand sagt, dass keine_r nach meiner meinung gefragt hat). aber dieses statement aus studien abzuleiten, so wie hier geschehen, ist halt mager und selektiv.

    magst du die Zitate vielleicht noch in einen text einbetten, bei dem klarer wird, wo du damit hinwillst? oder klar machen, dass es eine buchrezension ist? merci, henri

  4. Hanna Dahlberg

    Hallo Henri, die Quellen sind ja angegeben, die kann man leicht online finden und nachlesen.
    Eine Buchrezension ist es nicht, die kommt separat, und ich denke der Text wie er da steht ist aussagekräftig genug.

  5. Ja, wir leben in einer Spermokratie, nicht in einer Demokratie! Der Dödel regiert!

  6. Naja,ich sehe das ein bißchen anders…

    Das Problem ist meiner Meinung nach nicht der Pornokonsum an sich,denn es gibt ja auch Pornos,in denen Frauen nicht nur zum Objekt gemacht werden (obwohl die wahrscheinlich eher selten sind) und außerdem wird ja kein Mensch dazu gezwungen,sich Pornos anzugucken.
    Das Problem ist meiner Meinung nach wohl eher die Möglichkeit,sich überhaupt massenhaft Pornos im Internet angucken zu können oder auch solche Dvds zu kaufen.
    Und VOR ALLEM die Einstellung der Menschen.Wenn ich andere als Objekt ansehen würde,die man einfach nach Belieben benutzen kann,dann hat das erstmal mit wohl mangelhafter oder fehlender Wertschätzung und Respekt sich und anderen gegenüber zu tun,sowie mit fehlender Selbstreflexion und mangelnder Impulskontrolle…
    Das sind alles Ego-Probleme!

    Das stimmt zwar,dass Pornokonsum oder eher der übermäßige Konsum von Pornos mit gewalttätigen Inhalten dazu führt,dass sich die Grundeinstellung,die man so haben mag,noch weiter verstärkt und dazu führen KANN,dass man solche Praktiken übernimmt…
    Die Auslöser dafür sind meiner Meinung nach aber,wie gesagt,ganz Andere!

  7. Also ich glaub nicht dass wirklich der Dödel regiert. Das ist eine Schutzbehauptung patriarchaler Männer wenn deren rücksichtsloses Verhalten kritisiert wird. Nach dem Motto: „Da kann ich doch nichts dafür, da ist mein Dödel schuld!“ Wobei der Dödel eben nicht schuld ist. Wenn mensch schon ein Organ für Frauenerniedrigung verantwortlich machen will dann höchstens das Gehirn. Die Typen, die Feministinnen Kastrationslust unterstellen, müssten sich laut ihres eigenen Arguments also vielmehr vor der Enthauptung fürchten. 🙂

  8. @Charydbis Vielleicht haben Sie Recht. Was ist aber, wenn die einzigen 2 Hirnzellen des Mannes auch noch zwischen den Beinen sind?

  9. Käsestulle

    Erstaunlich, dass der moderne „Femismus“ zwar überall Rape Culture entdeckt, in Prono und Prostitution aber kein Problem erkennen mag.

  10. @Ve:
    Hast du wirklich schon einmal Pornos gesehen wo selbstbewusste Frauen, die sich nicht der patriarchalen Schönheitsnorm unterwerfen die Subjekte und nicht die Objekte sind, und ihr Begehren frei ausleben und sich nicht dem Begehren der Männer anpassen? Und wo gleichzeitig dem weiblichen Begehren entsprechende, nicht patriarchal agierende Männer vorkommen? Ich bezweifle dass es solche gibt. Auch die sogenannten feministischen Pornos entsprechen ja den patriarchalen Geschlechtsrollenbildern, auch wenn sie nicht offensichtlich gewalttätig sind wie die üblichen Pornos.

    @Ivonne:
    Wenn das so wäre dann könnten Männer garnicht anders als Frauen zu Sexobjekten zu machen. Aber das ist genau die patriachale Lüge die uns aufgetischt wird. Feminismus sei Unsinn, weil Männer seien nun einmal so und könnten sich garnicht anders entscheiden, deshalb müsse frau sie so akzeptieren wie sie nun einmal sind. Und das stimmt eben nicht. Männer können ihre patriarchale Sozialisation hinterfragen, dekonstruieren und eine andere Einstellung und ein anderes Verhalten entwickeln. Der Beweis dafür ist die leider kleine männliche Minderheit, die eben nicht unterdrücken will und Pornografie, Prostitution und Rape Culture deshalb ablehnen. Ausserdem gibt es ja auch noch matrifokale Völker, wo Pornografie, Prostitution und Vergewaltigung garnicht existieren.

  11. Ja, ich weiss; die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die „guten“ Männer, die ein Bewusstsein für ihr Tun entwickelt haben und nicht einfach ausagieren, sind leider in der Minderheit. Wieviel Prozent% ? Diese Männer werden von den andern, den angeblichen Alpha Männern auch ausgegrenzt. Denen geht’s oft so schlecht wie den Frauen. Auch sie werden dann oft mit Gegröle zum Schweigen gebracht und flüchten dann in den Rückzug, wie viele viele Frauen. Schade! Und: Leider neigen Männer immer noch zu „Hordenbildung“ und dort ist dann das Demütigen und Niedermachen von Frauen besonders lustig. Nein, ich würde sagen, die meisten Männer, samt Religionen und Institutionen (Justiz, Politik, Chefetagen) habe noch nichts gelernt. Warum sollten sie auch? Es geht ihnen ja so gut so. Und im Zweifelsfalle kann man dann ja immer noch der schlechten Erziehung durch die Mütter die Schuld geben. Der Kreis schliesst sich. Solange Frauen noch zu ewigem Verständnis und unendlicher Geduld und Schul-übernahme erzogen werden, ändert sich da gar nichts. Auch mit einer Handvoll bewusster Männer.

  12. Nein, es geht ihnen überhaupt nicht gut. Da bin ich mir ganz sicher, sonst würde keiner von uns unter diesen Bedingungen leben. Auch kein Mann. Die patriarchalen Strukturen überfordern Männer ebenso wie uns Frauen. Nur den wenigsten Männern ist das überhaupt klar. Nicht umsonst sind wir eine Suchtgesellschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.