Leben im Käfig #regrettingmotherhood

Coffee Break
eren {sea+prairie} via Flickr [CC BY 2.0]
Es ist ein Thema, das viele anspricht. Am Samstag erschien in der Süddeutschen ein Artikel über „Unglückliche Mütter“, in dem über eine Studie berichtet wird, in der Mütter – anonym – erklären, dass sie ihre Kinder zwar lieben, die Entscheidung für die Mutterschaft aber bereuen. Seither haben sich in zahlreichen Blogs gleich mehrere Frauen aus Deutschland und der Schweiz zu Wort gemeldet, die das Tabu brechen und erklären, dass Mamasein nicht die Erfüllung ihres Daseins ist.

„Das Konzept der Mutterschaft selbst ist, stelle ich nach knapp sieben Jahren fest, nicht meins. Ich bin jemand, der das Alleinsein braucht wie die Luft zum Atmen. Ich hasse es, mich unfrei zu fühlen oder gar unfrei zu sein, Rechenschaft ablegen zu müssen, mich sklavisch an Termine halten zu müssen“, schreibt Herzgespinst.

Ich habe mich freiwillig für die Mutterschaft entschieden und ich bereue nicht, mein Kind bekommen zu haben. Dennoch erlebe ich Mutterschaft als einen Käfig, aus dem ich frühestens in 15 Jahren ausbrechen kann. Nicht selten male ich mir aus, wie es dann sein wird. Wenn ich endlich wieder ganz allein über mein Leben bestimmen kann.

Unglückliche Mütter sind ein Tabu

Es ist ein Tabubruch, wenn Mütter erklären, dass Kinder großziehen nicht die Erfüllung ihres Lebens ist. Mütter müssen Übermenschen sein. Sie dürfen niemals müde, schlecht gelaunt, gereizt, krank, überfordert sein. Von ihnen wird erwartet, Tag für Tag aufopferungsvoll alles für den Nachwuchs zu geben und die eigenen Bedürfnisse vollkommen zurück zu stellen.  Von einen Tag auf den anderen, quasi per magischer Transformation, muss  ein Leben, das vielleicht genussvoll faul, unzuverlässig oder nachtaktiv war, eines werden, in dem es keinen Raum mehr für die eigene Persönlichkeit gibt. Schlafmangel, Schreiattacken, das elende Herumgelaufe an kalten Sonntagmorgen, wenn der Rest der Welt noch schläft, nur weil der Nachwuchs an die frische Luft muss, das Hickhack mit anderen Eltern, die man vielleicht total langweilig oder unsympathisch findet, jetzt aber mit ihnen klar kommen muss, weil die Kinder befreundet sind oder sie den Elternbeirat stellen. Es gibt kein Ausschlafen – und, wir wollen uns nichts vormachen – jahrelang auch kein Durchschlafen, weil ein Kind bis es in die Schule kommt, bis zu 12 Infekte im Jahr durchmacht. Kinder bekommen Tobsuchtsanfälle, sie benehmen sich schlecht und einfach mal ein Wochenende auf der Couch vorm Fernseher verbringen ist auch nicht mehr, ganz gleich wie müde oder krank man ist. Ein Kleinkind zu haben, kann bedeuten, dass man sich jahrelang nur dann duschen oder auf Toilette gehen kann, wenn jemand anderes nach dem Kind schaut.

Deutschland sucht die Supermama

Das ist das Konzept von Mutterschaft, das wir vor allem in Deutschland leben. Wir haben es so sehr internalisiert, dass man, wenn man sich auf einen Spielplatz oder in eine Kinderarztpraxis begibt, ein Spiel beobachten kann, das ich „Deutschland sucht die Supermama“ genannt habe. Mütter üben auf andere Mütter extremen Druck aus, jederzeit, das Äußerste zu geben. Die Verhaltensregeln sind so starr und absolut, dass man daran nur scheitern kann – und in Wirklichkeit scheitert auch jede irgendwann daran – doch keine gibt es zu. Auf dem Spielplatz mal schnell das Handy checken – Minuspunkt, keine Bioäpfel mit Zitrone beträufelt in der Brotdose – Minuspunkt, Rauchen – durchgefallen, kein TripTrap-Superduper-Hochstuhl – schlechte Mutter, alleinerziehend – Lebensversager! Kinder öffentlich anpflaumen, weil sie gerade den Supermarkt auseinandernehmen – am besten gleich beim Jugendamt anzeigen. Deshalb vollführen viele Mütter einen öffentlichen Affentanz mit ihren Kindern und jede versucht, der anderen zu zeigen, wie sehr sie sich für ihre Kinder aufopfert. Krabbelgruppe, Babyschwimmen, klassische Musik, Englisch für Kindergartenkinder, Kleidung nur von jener Marke, mit der Kinder angeblich so gerne draußen sind.

Die egoistischen Rabenmütter

Es liegt auf der Hand, was da passiert. Wir leben im Patriarchat und im solchen sind wir entweder Huren – also sexuell verfügbare Frauen, die aber ja nicht ihre eigenen Bedürfnisse ausleben dürfen, und wenn doch damit rechnen müssen, sich auf einer Revenge-Porn-Seite wieder zu finden, oder aber wir sind Heilige – und dann sind wir vor allem Mütter. Bis heute haben wir die künstliche Überhöhung der Mutterschaft, die die Nazis zur Staatsräson erklärten, nicht überwunden. Das Höchste, was eine Frau sein kann, ist Ehefrau und Mutter. Dann, und nur dann, hat sie es zu etwas gebracht. Mutter zu werden ohne Ehe, also ohne Partner ist dagegen Ausdruck eines liederlichen Versagens. Unser Diskurs des Mutterseins sorgt nach wie vor dafür, dass Frauen in ein ganz enges Korsett aus sozialer Kontrolle gepresst werden. Eine Mutter, die es wagt, bevor das Kind 18 ist, anzumerken, dass sie gerne noch mal Sex, einen Alkoholrausch oder eine einsame Weltreise machen möchte, ist eine Egoistin. Niemand wird ihr dafür Verständnis entgegen bringen – am allerwenigsten die anderen Mütter, denn die rackern sich schließlich nicht so hart ab, wenn es am Ende so leicht ist, den Käfig zu verlassen. Mir sind nicht wenige Leute begegnet, die mir als Alleinerziehenden erklärt haben, meinem Kind zu liebe sollte ich bitte, bis es groß ist, darauf verzichten, noch einmal mit einem anderen Mann zusammen zu sein, der nicht sein Vater ist.

Verletzbarkeit jenseits von Worten

Das sind nur die oberflächlichen Gefühle, über die niemand sprechen will. Daneben gibt es noch etwas viel Tiefgreiferenders, das  Mutterschaft mit uns macht. Es macht uns emotional so unglaublich verletzlich, dass allein das Begreifen dieser Verletzbarkeit einem den Atem rauben kann. Kinder tun sich weh, sie werden krank, und manchmal werden sie sogar richtig krank, so krank, dass man mit den sogenannten „letzten Dingen“ konfrontiert wird. Sie leiden, weil sie in der Schule ausgegrenzt werden, weil die Lehrer doof sind, weil sie vielleicht Dinge nicht so schnell verstehen, wie sie sollten. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mein Kind irgendwann mit Tränen in den Augen ansah und flüsterte: „Bitte, Welt, tu ihm nicht weh.“ Und natürlich tut sie ihm weh. Das zu ertragen ist wieder und wieder schwer auszuhalten. Ebenso mein eigenes Versagen. Das konstante, immerwährende schlechte Gewissen, nicht genug zu tun, zu wissen, mich nicht genug angestrengt zu haben und so vielleicht einen irreversiblen Schaden bei dem Menschen anzurichten, den ich mehr als alles auf der Welt liebe.

Bei den Phoenix-Frauen liest sich das so: „Das Leben mit meinen Kindern ist für mich eine konstante Herausforderung und ich erlebe mich häufig sehr schwach und auch unfähig und hilflos. Es gibt so viele Momente, wo ich einfach nicht weiter weiß. Inzwischen habe ich gelernt, das auszuhalten. Aber es war schwer. Ich dachte, dass Ratgeber mir helfen. Aber ich habe irgendwann festgestellt, dass ich lernen muss, mit einem hohen Mass an Hilflosigkeit bzw. Unwissenheit zu leben und es zu ertragen, dass ich mich durchwurschtele und improvisiere – mal besser, mal schlechter.“

Mutter werden ist nicht schwer, Muttersein dagegen sehr

Das ist ein dummer Spruch und er bringt es dennoch auf den Punkt: Die gesellschaftlichen Erwartungen, den Druck, all das, was Muttersein zu einer Belastung macht. Ich wollte Mutter werden. Ich habe mich sehr über mein Kind gefreut. Ich bereue nicht eine Sekunde. Und dennoch empfinde ich, wenn ich junge, werdende Mütter sehe, jenes Gefühl, das sagt: „Ihr habt ja keine Ahnung.“ Die strahlenden Schwangeren, die glauben, sie werden alles richtig machen, wenn das Kind erst da ist, beginnt eine Zeit unablässigen Glücks. So wird es nicht sein. Dass das nicht so ist, liegt aber nicht an uns Frauen und auch nicht an unseren Kindern. Es liegt daran, dass von uns als Müttern Übermenschliches verlangt wird und wir zugleich vollkommen allein gelassen werden. Eine gute Mutter ist nämlich vor allem eine Mutter, die schon vor der Geburt Unsummen für ihr Kind ausgeben kann. Folsäure kostet ein Vermögen – und gibt es nicht auf Rezept. Von Hartz-IV kann man die nicht bezahlen – und geht das Risiko ein, dass die Gehirnentwicklung des Kindes nicht so optimal verläuft. Eine gute Mutter bleibt zu Hause und hat sich aber einen Mann gesichert, der dem Kind und der Mutter alles bieten kann. Den teuersten Autositz, den besten Kinderwagen und so weiter. Dann geht sie, der Pflicht halber, halbtags arbeiten. Auf Streit mit ihrem Mann kann sie es nicht wirklich ankommen lassen, denn das neue Unterhaltsrecht besagt, ihr stehen nur drei Jahre Zahlungen von ihm zu. Und Kindesunterhalt ist in Deutschland eine eher freiwillige Leistung für die Mütter dankbar sein können, die sie aber prinzipiell lieber nicht erwarten sollten. Ansonsten gibt es für ein paar Jahre 140 Euro vom Jugendamt. Seit der neuen Sorgerechtsregelung können Ex-Männer ihre Ex-Frauen mit absurden Umgangsregelungen tyranniseren, die im schlimmsten Fall damit enden, dass der Mutter das Sorgerecht ganz entzogen wird. Schuld sind – da sind sich Jugendämter und Richter einig – nämlich immer die Mütter. Schulen verlassen sich inzwischen auf ein immens hohes Maß auf die Initiative der Eltern, weil sie Kosten sparen müssen. Und sie neigen dazu, Kinder zu pathologisieren. In der Klasse meines Sohnes wurden drei Kinder in Psychotherapie geschickt. Schuld sind – natürlich die Mütter.

Alleinerziehende können keine guten Mütter sein

Alleinerziehende sind in unser Gesellschaft die unterste Klasse, nach ihnen wird getreten, ihnen wird die Unterstützung vom Staat verweigert und sie werden gesellschaftlich ausgegrenzt. Eine Alleinerziehende kann per Definition keine gute Mutter sein, denn wenn sie es wäre, wäre sie nicht ohne Mann. An Ansprüchen dieser Art kann man nur scheitern. 18 Jahre lang, mindestens, ist Elternschaft vor allem ein Frauenjob. Der Mann kann gehen, neu anfangen, die Frau nicht. Er kann sich beruflich verwirklichen, sie muss nach dem Halbtagsjob noch den Haushalt machen. Für eigene Projekte, wie mal ein Buch schreiben oder auch nur ein Blog, bleibt nicht nur keine Zeit, es bleibt auch einfach kein kreatives Potenzial, wenn man den ganzen Tag über die eigene Schmerzgrenze hinaus andere Bedürfnisse erfüllen muss. Ich glaube nicht, dass Mutterschaft so sein muss. Sie ist es, weil wir in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft leben, in der Frauen dieser Part einfach aufgebürdet wird. Mutterschaft gibt es nur mit absoluter Selbstaufopferung. Drunter läuft es nicht. Diese Last wird gesellschaftlich nicht geteilt, weder finanziell noch zeitlich und schon gar nicht zwischen den Geschlechtern. Frauen bereuen Mutterschaft nicht wegen ihrer Kinder. Sie bereuen sie aufgrund unseres gesellschaftlichen Konzepts von Mutterschaft, an dem man nur scheitern kann.

Mama arbeitet bringt es auf den Punkt: „In einer idealen Welt wäre die Belastung durch dieses Kind nicht so groß, dass sie die Eltern reute. Und es ist eben doch meist die Mutter, die es am Ende ausbadet. Vielleicht ist genau da der gordische Knoten. Wenn sich beide Eltern oder das ganze Dorf kümmern, ist die Last, also das Kind, viel leichter zu tragen. Denn unglückliche Mütter lieben ihre Kinder nicht weniger als andere, aber glückliche oder zufriedene Eltern sind garantiert besser für Kinder.“

Ich freue mich über das neue Hashtag #regrettingmotherhood. Ich hoffe, dass es zu einer Debatte dazu beiträgt, was Mütter leisten. Und wie allein sie da stehen. Es ist eine Debatte, die der Feminismus vernachlässigt und die ihrem Ursprung nach aber eines der urfeministischen Themen überhaupt sein sollte.

34 comments

  1. Wunderbar! Ich könnte dich küssen, herzen, umarmen. Besonders der Satz über Alleinerziehende. Der ist mitten ins Herz. Das ist das Grundproblem, das Stigma, und drum glaube ich auch, dass die Imagekampagne, wie die SPD (nicht meine Partei) sie gerade fährt, ein guter Anfang ist.

    Habe deinen Text fleißig auf FB und twitter geteilt und grüße herzlich!

    Christine

  2. Danke für diesen Beitrag, der noch einmal viel tiefer einsteigt, wagt die Extreme zu nennen und den Link zum Feminismus aufzeigt. Ich bin beeindruckt, welch weite Kreise #regrettingmotherhood zieht, wieviel Zustimmung dieses Thema erfährt und wieviele Frauen das scheinbar nur im Verborgenen mit sich selbst ausmachen. Auch ich teile diesen Artikel. DANKE!!! 🙂

  3. Katinka says:

    Bravo. Stimme 100 % mit Dir überein. Und freue mich, ich Rabenmutter, in Frankreich zu leben, wo die Situation für Mütter einfacher ist und der Druck zur Supermama eigentlich gar nicht existent ist. Zum Glück. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich in Deutschland Kinder bekommen hätte. Denn ich bin nicht bereit, mich selbst bis zum Anschlag zu opfern.

  4. Vielen Dank für diesen Post, der geht mir runter wie Butter.
    Persönlich finde ich gerade spannend, herauszufinden, an welchen Stellen der Käfig real ist und wo es meine eigene Entscheidung ist, einfach durch die offene Tür hinaus zu gehen. Es ist ja schliesslich mein Leben und es sind meine Kinder und ich glaube, die Revolution fängt im Kopf an. An dem Tag, an dem wir darüber nachdenken, welches Leben wir uns für uns und unsere Kinder wünschen. Wem es nützt, wenn wir uns abstrampeln bei dem Versuch, ein (Frauen-)leben zu leben, das wir uns für unsere Töcher nicht wünschen. Und von wem sollen sie lernen, wie man glücklich ist, wenn nicht von uns? Seit ich angefangen habe, mir diese Fragen zu stellen und mit Frauen aus meinem Umfeld offen darüber zu sprechen, geht es mir schon etwas besser. Ich habe noch nicht viele Antworten, aber ich glaube, nach Jahren der Depression, nach einem Burnout und der Trennung von meinem Ehemann stelle ich langsam die richtigen Fragen. Endlich.

  5. Katrin Stehle says:

    Danke für diesen wundervollen Artikel. Mir geht es genauso, bin alleinerziehende Mutter zweier wunderbarer, noch junger Kinder. Ich erlebe vor allem den Druck der anderen Mütter (ja versagt habe ich eh schon im Punkt Männer. Wenn nicht würde mein Sohn dann auch Biobrot und Karotten als Schulpause akzeptieren? 😉 …) Ich finde es schwierig in dieser Gesellschaft Mutter und Mensch zu sein. Ich wünsche mir mehr Initiativen wie diese, endlich aufstehen und uns selbst sein dürfen, Energie darauf verwenden anstatt in das ständige Vergleichen, den ständigen Wettbewerb zur Supermutter …

  6. Robert says:

    Ich frag‘ mich bei all den Geschichten zu diesem Thema, warum um alles in der Welt die Frauen bei sowas mitmachen? Unsere Kinder sind auch groß geworden, wir hatten nicht den Anspruch, die besten Eltern der Welt zu sein, haben es auch geschafft, Freiräume zu haben, waren sogar einmal zwei Wochen auf (bezahltem da Dienstreise) Urlaub und haben die Kleinkinder bei Omas und Opas gelassen.

    Ein Kind ist nicht das Ende der Welt, nicht das Ende aller Freizeit, nicht der Beginn allem Perfektionismus. Einfach da nicht mitspielen und fertig.

  7. Judith says:

    vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin zu Tränen gerührt. Einfach nicht mitmachen ist gar nicht so einfach. Ich werde in diesem Jahr, das erste Mal seit 5 Jahren 10 Tage Urlaub ohne meine Familie machen. Weder mein Mann, noch meine Eltern unterstützen mich in diesem Vorhaben. Wenn das Kind nachts aufwacht, der Mann noch immer vor dem Fernseher keinen Finger rührt und ich geweckt werden von dem Geschrei, da kommt „einfach nicht mitmachen“ nicht in Betracht. Wenn die Kita mich auf der Arbeit anruft, weil die Kinder nicht vom Ehemann, wie vereinbart, abgeholt wurden. Wenn das Kind zum Xten Mal krank ist und der Mann mal zu Hause bleiben soll, bekommt er dumme Sprüche von seinem Arbeitgeber, warum das die Mutter nicht übernehmen kann. Es gibt so viele Beispiele. Muttersein ist ein 24 Stunden Job ohne Anspruch auf Urlaub bzw. Freizeitausgleich. Ich habe meine Selbständigkeit aufgegeben, da ich keine Luft mehr zum Atmen verspürte und unter dem Berg von Aufgaben schlicht zusammengebrochen bin.

  8. Andrea says:

    Auch vielen Dank für diesen Artikel, denn dieser Mütterwahnsinn ging mir irgendwann ziemlich auf die Nerven, bis ich selbst gemerkt habe, was ich da eigentlich mitmache oder letztlich nicht mehr. Das ist am Anfang aber wie ein Sog und man merkt erst mal gar nicht worin man sich befindet. Man ist ja plötzlich nicht nur mit Kind beschäftigt, nein der ganze Selbermachwahn kommt ja auch noch dazu. Wenn ich bedenke, dass ich schon glücklich war, dass es an meinem Geburtstag in meiner Kindheit Kakao und Erdeerkuchen gab. So etwas kann man ja fast nicht mehr anbieten. Ohne irgendwelche Geburtstagsevents, kann man ja gar nicht einladen. Das ganze geht weiter mit Bastel hier, bastel da, Unternehmungen hier Unternehmung da. Wenn man nicht weiss, wie weit jede Klasse des gleichen Jahrgangs mit dem Stoff ist, damit man sich über den Lehrer aufregen kann, weil er vielleicht mit dem Stoff nicht so weit ist, das würde ja vielleicht bedeuten, das Kind kann nicht ins Gymnasium, wird man schon schräg angeschaut.
    Doch irgendwann habe ich das so nicht mehr mitgemacht und mich wieder mehr meinen Leben gewidmet. Und meine Kinder haben ihre Schule trotzdem gut gemacht, zwar weniger unter meiner Kontrolle, aber mit mehr Eigenverantwortung und das kommt ihnen bestimmt auch zu gute.
    Früher hat man Kinder halt gehabt, inzwischen sind sie eher zum Projekt geworden. Klar und Deutschland und sein „Mutterkult“ hat da bestimmt das seine noch dazu beigetragen. Ich würde allen Mütter inzwischen sagen mehr Mut zur Lücke und weniger schlechtes Gewissen, dafür mehr Zeit für euch und entspanntere Zeit mit euren Kindern.

  9. Jasmin says:

    Was soll ich sagen. #regrettingmotherhood ist schon recht heftig. Vorallem wenn man bedenkt, das man freiwillig Mutter wird. Das Verhalten des Kindes ist halt auch sehr stark Abhängig vom (authentischen) Erziehungsstil der Mutter. Da wollen gewisse Personen nicht die Suppe auslöffeln, die sie sich geschöpft haben. Und siehe da! Suprise, suprise, nach der Geburt hat das hilflose Kind und seine Bedürfnisse vorrang! Wer hätte das gedacht. Leute, die mit ihrem Leben unzufrieden sind und die Schuld den Kindern in die Schuhe schieben wollen… Die Kinder können am wenigsten dafür. Die haben sich nicht ausgesucht, gezeugt zu werden. Da sollte eft. Einfach die Vernunft das Zepter übernehnen. Und ja, es ist ein knochenharter Job. Ich bin mitte 20 und habe zwei kleine Kids. Ich wäre sehr gerne auf die Kunstschule gegangen. Geht jetzt aber nicht. Soll ich jetzt tagtäglich über mangelnde Kita-Plätze, zu wenig teilzeitstellen für Männer und meine verlorene Jugend jammern? Also wenn ihr mich fragt, reine Einstellungssache. Man krigt nicht immer das, was man will und oftmals macht das, was man machen muss, auch keinen Spass. Auch nach der Kunstschule muss ich Leistung bringen, langweilige Aufträge des Geldes wegen annehmen und der Druck vom schaffe, schaffe häuslebaue löst sich auch nicht in Luft auf. Und mein Mann, mit ihm diskutiere ich dann nicht jedesmal, wer zu den Kids schauen geht sondern wer jetzt dran ist mit Müllrausbringen.

  10. Auch von mir: Danke!

    Ich kann das Bereuen im Kopf sehr gut nachvollziehen, manchmal auch im Herzen. Aber das grundsätzliche, tiefe Bereuen der Mutterschaft kenne ich aus eigener Erfahrung nicht und stelle es mir grausam vor. Denn es lässt sich ja nicht ändern, so in letzter Instanz. Mitgefühl habe ich mit allen Beteiligten. Das bedeutet, auch mit den Kindern. Ich hatte als Kind häufig das Gefühl, bereut worden zu sein, und es ist eines der schmerzhaftesten Gefühle meiner Kindheit gewesen. Wobei, das muss ich aber auch klar sagen, dieses Gefühl keinesfalls allein an meine Mutter geknüpft ist und war.

    Bevor ich schwanger wurde, dachte ich mir oft, dass es eine Scheißidee ist, schwanger werden zu wollen. Aus den von Dir genannten Gründen zum gesellschaftlichen Konstrukt der Mutterschaft. Da wollte ich nicht mitspielen, damit wollte ich nichts zu tun haben. Tja nun. Ich spiele dann doch mit und versuche, mir einen möglichst freien kleinen Mikrokosmos für uns zu errichten. Weil ich bei uns die Hauptverdienerin bin, verleiht mir das eine gewisse Gestaltungsmacht. Traurig, aber wahr.

  11. Batterie says:

    Liebe Alleinerziehende,
    vor Euren täglichen Aufgaben und den Mühen, die ganze Arbeit zu bewältigen, habe ich höchsten Respekt! Und ich fordere auch, dass Ihr steuerlich und vom Einkommen her bessergestellt werden sollt, als dass mit unseren überkommenen Regeln derzeit der Fall ist.
    Es stellen sich mir jedoch einzelne Fragen in Bezug auf den Artikel. Ist es nicht widersprüchlich, einerseits am Ende fordert, getrennt lebende Väter sollten sich mehr um die Kinder kümmern, andererseits ihr Umgangsrecht als absurd bezeichnet? Wie soll sich der ideale geschiedene Vater denn verhalten?
    Auch finde ich die Kritik am neuen Unterhaltsrecht nicht so berechtigt, denn erstens war das alte Recht noch absurder, zum anderen kann kein Recht der Welt für eine magische Geldvermehrung sorgen. Der Reihe nach: Das alte Recht enthielt eine sogenannte Besitzstandswahrung für den Ex-Partner, nicht etwa immer für die Mutter. Wenn etwa ein Arzt ein außereheliches Kind zeugte und (vielleicht deswegen) von seiner Frau geschieden wurde, war nach dem alten Recht der Unterhaltsanspruch der Ex-Frau prioritär, nicht etwa der Mutter des Kindes. Zum anderen wird auch der Vater eines Kindes einer alleinerziehenden Mutter nicht reich durch das neue Recht. Denn die Partner haben ja zwei Wohnungen, zwei Autos, fahren getrennt in den Urlaub. Das kostet selbstverständlich mehr, darum bildet man ja Wohngemeinschaften (Ja, sorry, liebe Mitbewohner/innen, ich war nur wegen des Geldes mit Euch zusammen!).
    Aber ich möchte hier nicht den Artikel zerfleddern, im Gegenteil muss ich zugeben, dass die Autorin (leider!) in vielen Dingen recht hat. Vielleicht liegt dieser ewige Hang zur Perfektion auch darin, dass Menschen dauernd voreinander angeben müssen. Facebook ist da auch so ein Beispiel. Hauptsache, die Fassade stimmt.
    Egal, ich schwafel schon wieder. Schönen Abend allen Müttern und anderen Leserinnen und Lesern des Artikels! Und: Ihr wisst schon selbst am Besten, wir Ihr etwas richtig macht, lasst Euch nix sagen, schon gar nicht von mir!

  12. Die Raumfee says:

    Danke für deinen Artikel. Er feuert meine Wut über die Missverteilung der Verantwortung in einer Elternschaft noch mehr an. Wenn ich eine Sache als große Belastung empfinde in meiner Eigenschaft als alleinerzeihende Mutter, dann ist es die Verantwortung. Für alles. Primär für alles was schief läuft. Wenn das Kind sich prächtig entwickelt, dann wird das gerne mal allem anderen zugeschrieben, aber wehe es läuft aus der Spur. Mama wars.
    Wo Väter sich so einfach aus der finanziellen, emotionalen, geistigen und sonstigen Verantwortung stehlen können, aber gleichzeitig das Recht erhalten, die Mütter – aus welchen Motiven auch immer – zu drangsalieren und ihr Leben zu blockieren, läuft etwas grundlegend falsch. Wo Alleinerziehende mehr Steuern zahlen als verheiratete Doppelverdiener ohne KInder, läuft erst Recht etwas falsch. Wo von Erziehungsvorbetern proklamiert wird, dass gute Eltern im Sinne ihrer Kinder nach einer Trennung diesen die gemeinsame Wohnung lassen, sich beide ein separates Appartment nehmen und wechselseitig alle vier Wochen bei den Kindern im alten Zuhause leben sollen, da kann ich nur noch den Kopf schütteln vor Fassungslosigkeit über so viel Weltfremdheit, die davon ausgeht, es könne sich a) jemand finanziell leisten, 3 Wohnungen zu finanzieren und es wäre b) erwachsenen Menschen zumutbar, auf ein eigenes Leben, ein Zuhause und eventuelle neue Lebenspartner zu verzichten, bis die Kinder mindestens 18 sind. Tja, wenn man eine gute Mutter sein will, dann muss man eben Opfer bringen, gell.

    LG, Katja

  13. Ulla says:

    Es dauert einfach zu lange,bis so ein Kind einigermaßen selbständig ist.Ich wäre nicht bereit,diese meine Lebenszeit dafür zu opfern.
    Dazu käme,dass mich die Gesellschaft weder wertschätzt für diese Tätigkeit,noch wirklich unterstützt.
    Kinder?
    Nein,danke !

  14. Yasmina says:

    Ich weine gerade Tränen der Erleichterung.
    In den 3 1/2 Jahren, in denen meine Tochter auf der Welt ist habe ich mich meistens schlecht gefühlt und mich gefragt wann dieses ominöse „Mutterglück“ wohl anfängt. Ich liebe meine kleine so sehr und würde alles für sie tun und dennoch habe ich permanent das Gefühl, dass alles falsch ist.
    Ich habe kein Geld für Bio-kram. Manchmal lasse ich mein Kind Schokolade und Gummibärchen essen. Und so weiter. Ich habe mich nie getraut eine Krabbelgruppe oder zum Babyschwimmen zu gehen und auf dem Spielplatz meide ich den Kontakt zu anderen Eltern. Ich kann mich einfach nicht der Kritik dieser Übereltern stellen. Und es tut grad so gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin damit.
    Danke

  15. Indra says:

    Durch Zufall stieß ich eben auf diesen Artikel bei Facebook. Meine Augen konnten gar nicht so schnell lesen, wie mein Hirn Input verlangte, noch mehr wollte. Wie aus meiner Seele gesprochen, meine Gedanken und meine Gründe, warum ich kinderlos bin. Meine Mutter hat vier Kinder erzogen und eigentlich ohne Männerhilfe. Die waren eher Klötze statt Stützen. Die erschreckende Ehrlichkeit deines Artikels gibt mir Kraft, mich weiterhin offen dagegen zu entscheiden und dazu zu stehen. Das stetige: Du bist im Alter allein und ey, du verpasst was und zwar das größte Glück…machen meine Ohren schwer. Ich mag Kinder. Sie sind unsere Zukunft aber ich möchte keine Melone aus mir herausquetschen und meine mehr als geliebte Freiheit aufgeben. Ich töte Pflanzen und halte mit Ach und Krach zwei Katzen am Leben. Die genaue Vorstellung, wie sehr ich ein etwaiges Kind lieben würde, ist konsequent existent aber sie wird unterdrückt durch die Gewissheit, dass Fremdbestimmung durch instinktive Mutterliebe nicht schöner wird. Was Mütter leisten, ist unfassbar und ich ziehe meinen imaginären Hut auf dem Weg zur Apotheke, wo ich mir die Pille hole.

  16. Anna says:

    So ganz kapiere ichs nicht. Ich hab vier Kinder bekommen und erzogen, aber das ist doch nicht jahrelang ein Ganztagsjob. Daneben bleibt doch viel Zeit für einen selbst ..ich bin seitdem mein jüngstes Kind 5 ist, auch wieder erwerbstätig, seit mittlerweile 17 jahren. JEDER Job könnte einen so auffressen, wie das einige hier anscheinend mit Kindererziehung erleben. Es ist ein Job wie jeder andre, mit dem Unterschied, dass man aus dem laufenden Vertrag nicht rauskommt.
    Der erwartungsdruck ist nicht anders als in andren Jobs auch. Sich selbst nicht so unterDruck setzen und sich selbst toll finden, hilft!

  17. sissi says:

    Toller Artikel, Danke. Ich habe das Glück eine Großfamilie im Hintergrund zu haben die meine Tochter und mich unterstützt.

    Zum eigentlichen Thema Kind bereuen: Blöd ist es halt wenn man das Gefühl hat man verpasst was wegen dem Kind. Deswegen sollte man erstmal viel erleben, sich die Welt anschauen, unterschiedeliche Leute und Kulturen kennenlernen bevor man sich ein Kind zulegt. Wenn ich jetzt Fotos von Bekannten auf Facebook sehe die am Strand rumliegen oder mit dem Rucksack durch Indien trampen denke ich mir: Schön, been there, done that. Ich habe einfach kein Verlangen mehr nach solchen Abenteuern.

    Keine Reise, kein Drogentrip, nichts auf der Welt kann mithalten mit der totalen und absoluten Liebe für meine Tochter. Es ist das krasseste Gefühl das ich je erlebt habe. Ja, da schwingt auch sehr viel Angst mit, Angst dass ihr was passieren könnte, Angst sie nicht gut zu erziehen oder Angst wie ich ihr eines Tages den verkorksten Zustand der Welt erklären soll.

    Durchatmen und sich das Wesentliche vor Augen führen hilft mir da. Und öfters mal „Fuck it“ sagen: Verrückte Helikoptermuttis die einem ein schlechtes Gewissen machen wollen? Fuck it. Arbeitgeber die ein Problem mit Kindern haben? Fuck it. Tochter dekoriert das weiße Sofa mit Schokolade? Fuck it. Männer die sich nicht für ihre Kinder interessieren? Fuck it. usw usw usw 😉

  18. Danke für diesen Artikel! Find ich toll, dass man da jetzt öffentlich darüber reden darf. In meinem Roman „bergab – mit dem Fahrrad“, der immer noch einen Verleger sucht, habe ich die Situation einer Mutter (Anna) ähnlich beschrieben:
    Sie will ihr Leben zurück. Jetzt. „Hat eine Mutter Anrecht auf ein eigenes Leben? Lebt sie nicht in den Kindern über die Kinder hinaus?“, fragt Anna sich selbst und denkt an all die ihr vorgebeteten Paradigmen. „Eine jede und ein jeder weiss doch, was Kinder brauchen. Kinder brauchen die uneingeschränkte Liebe und Zuwendung einer Vollzeitmutter. Kinder brauchen Rituale. Kinder brauchen Regeln und Grenzen, Kinder brauchen Frei-räume und -heiten. Kinder brauchen Klarheit und Fantasie, schicke Laufräder aus FSC Holz, Design-Hochstühle und dentalgerechte Schnuller. Kinder müssen, nach einer hoffentlich toxoplasmosefreien Schwangerschaft, einem Schwangerschaftsyoga und einen Geburtsvorbereitungskurs, natürlich geboren werden, spontan, vaginal, komplikationslos im Wasser und an Land. Der Geburtsverlauf determiniert ihr weiteres Leben. Sie müssen im Minimum sechs Monate gestillt werden, im ökologisch zertifiziertem Tragetuch nahe am Körper getragen werden und mit selbstzubereitetem Brei aus biologisch angebautem und schonend gedämpften Demeter-Gemüse gefüttert werden. Kinder brauchen Frühförderung aller Art und Impfungen. Oder doch besser nicht impfen lassen? In jedem Fall brauchen Kinder Geborgenheit, einen sicheren Hafen und den stellt nun mal die intakte, glückliche und volkswirtschaftlich interessante Kleinfamilie dar. Grenzüberschreitend und kulturübergreifend zählt der universelle Wert „Familie“ uneingeschränkt und kaum angefochten, allem voran die ausgeglichene, stets gut-gelaunte, aufopfernde Mutter. Das Kind wird so zur Lebensbestimmung und zum Lebensinhalt – ob es das will oder nicht. Das eigene Leben gibt Mama im Gebärsaal ab, zusammen mit ihrer Sexualität, die braucht sie dann nämlich auch nicht mehr, als Mama, also nach dem zweiten, immer häufiger dritten oder allenfalls vierten Kind. Was also hat eine Mutter kleiner Kinder in unseren Breiten vom Leben zu erwarten, von dem Teil ihres Lebens in dem sie auf sich selbst reduziert ist, nicht auf ihre Funktion? Geht man vom klassischen Modell aus, in dem der Vater sich ins „Burn-Out arbeitet“ um das Bullerbü zu Hause, die Frühförderung und die regelmässigen Ferien im Kinder- und Familienhotel zu finanzieren, während die Frau Heim, Herd und Kinder hütet, mitunter nebst einer ausfüllenden Teilzeitbeschäftigung, die zwar die Kosten der Kinderbetreuung kaum deckt, aber sie im Glauben lässt auch noch dabei zu sein und was für die Wirtschaft zu tun. Denn, wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es schliesslich uns allen gut, warb einst die österreichische Wirtschaftskammer. Weshalb bloss hat das Wirtschaftsland Schweiz dann eine der höchsten Selbstmordraten dieser Welt? Der Mangel im Überfluss?
    Dann sind es wohl die freien Abende mit Freundinnen, in denen im nächstgelegensten Konsumtempel Prosecco und Café Latte schlürfend die mühsam freigeschaufelte Zeit totgeschlagen wird. Man debattiert über die alltäglichen Erziehungs- und Ernährungsfragen und klagt darüber, dass die lieben Kleinen bei keiner anderen Person als bei der eigenen Mami bleiben wollen, dass dies aber auch gut wäre so, so sein müsse, ein kleines Kind gehöre nun mal zu seiner Mutter. Und dann wird geschimpft, über die abwesenden, ständig arbeitenden Väter, die sich frei kaufen, die ihre Kinder nahezu ausschliesslich von den – in Messing eingerahmten – Bildern am Schreibtisch kennen. Die wenigen kinderlosen Frauen hingegen beklagen den richtigen Mann an ihrer Seite noch nicht gefunden zu haben, also jenen, dessen Kinder sie austragen würden, der Schlüssel zum Lebensglück, der mit ihnen ins Beziehungsauto steigen will.
    Wenn die Kinder älter werden, meldet sich die Paarbeziehung mitunter wieder zurück, sofern inzwischen nicht sämtliche ausserfamiliären Bedürfnisse ausserehelich geregelt sind – ohne Bestehendes zu gefährden, versteht sich, der Besitzstand muss gewahrt werden – wer dann noch den Wunsch hegt als Liebespaar, nebst der Elternrolle, zu existieren, also so wirklich, nicht nur scheinbar für die soziale Umwelt und den Status, aus Gewohnheit oder den Kindern zuliebe, meldet sich beim Paartherapeuten an. Gegen das Verkehrsberuhigte gibt es „Skydancing“ und Tantra-Seminare. Eine kostspielige Sache, aber wir sind es uns wert, wir lieben uns und zwar für immer und wir haben lange genug aufgespart, also investieren wir jetzt, denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es uns allen gut und wir können doch alles haben, wenn wir nur wollen, nicht? Yes, we can!

  19. Shiva says:

    Ich bedanke mich für all diese wahren Worte.. ich bin wirklich erleichtert zu wissen das ich mit den Gedanken die man so als alleinerziehende Mama hat, nicht alleine bin. Ich muss mich gerade sammeln, denn ich musste ein paar Tränen weinen.

    Zunächst einmal möchte ich sagen das man sich als Frau darauf einlässt ein Kind zu bekommen, da Abtreibung ja ein ebenso tabues Thema ist. Naja und mal abgesehen davon passieren Unfälle und manchmal ist man auch unvorsichtig – ja da kann passieren – und nicht jede Frau ist in der selben Lebenssituation wie eine andere. Aber ich meine mal ganz ehrlich?! Ich muss mir immer wieder anhören warum ich nicht verhütet habe etc. Wer sagt denn das ich es nicht habe?! Oder wer weiß denn schon von meiner Lebenssituation und das alles so gewollt war?

    Um mal auf de Punkt zu kommen. Abtreiben ist beschissen wenn man es für seine Freiheiten tut. Schlechtes Gewissen ein Leben lang, ich habe genug Freundinnen den es so ergangen ist, nein danke. Sie haben alle einen Hund um ja allen zu beweisen „Ich kann Verantwortung übernehmen“ . Ich wollte es und konnte es nicht. Jetzt bin ich laut der Gesellschaft unten durch, weil ich selber Schuld bin die Beine breit gemacht zu haben und nicht aufgepasst zu haben. Bereuen darf ich nichts und ich muss immer für mein Kind da sein. Ich selbst hatte keine Kindheit und die Zeit die sich Jugend nennt verlief bei mir auch beschissen. Ich wurde mit Anfang 20 Mama und bin nun 23 meine Tochter 2 Jahre und 4 Monate.. Ich liebe sie keine Frage, aber ich würde sie mit dem Wissen was ich nach 2 Jahren schon habe nicht bekommen, hätte ich die Möglichkeit. Ich liebe sie so sehr, das ich sogar Schmerzen dabei habe wenn sie sich den Finger einklemmt oder andere Kinder sie auf dem Spielplatz nicht mitspielen lassen.

    Du bist wirklich alleine als alleinerziehende Mama. Im jungen Alter Mädels mit Kindern im selben Alter zu finden, nahezu unmöglich. Spielplatz da siehste solche Mamis kaum, Krabbelgruppen.. frag nicht nach ich fand es schlimm mit all den Mamis die ab 34 da hingen das Leben schon gelebt und sich nur über ihre Kinder unterhielten.. Männer? Fehlanzeige.. sorry ich bin zwar jung aber ich will nicht als MILF enden sondern als Frau wahrgenommen werden. Sie hören Kind.. denken „Die knall ich n paarmal die heiße Mutti und danach adios amiga!“

    Dein Freundeskreis im jungen Alter wendet sich von dir ab, du kannst keine Partys mehr besuchen, der abendliche Samstagsjoint geht sowieso nicht, rauchen kann man knicken und wenn sie alle gerade wach werden bist du schon seit 8 Stunden auf den Beinen und bist froh wenn der Tag langsam ein Ende nimmt.

    Ich kann einfach nicht genug Beispiele geben und erzählen und ich würde auch noch weiter erzählen wie sehr ich mein Kind liebe und wie toll alles ist.. Mache ich aber nicht! Ich habe es satt mich ständig entschuldigen zu müssen das ich so denke.. Verdammt nochmal.. meine kleine Schwester hat ihren Mann mit 20 gefunden mit 21 geheiratet hat Australien gesehen und lebt jetzt da. Meine Freundinnen machen ihre Karrieren und haben ihre Partner, ist halt so als einziger Single- Scheiße- , ich hänge hier und schaue bei allem was ich gerne hätte zu. Ich will einfach raus gerade und spazieren Musik laut in den Ohren, aber no way meine Kleine pennt und ich muss daheim bleiben. Kleinigkeiten die es machen..

    Ich bin 23 und wenn meine Kleine 18 wird bin ich gerade mal 37 .. aber die Zeit bis dahin auszuhalten, alle anderen in deinem Umfeld aufsteigen und leben zu sehen, beruflich wie in der Liebe, alter das ist so beschissen verschissen hart..

    Das du auf den Ämtern wie ein Stück Dreck behandelt wirst und dir alle die Einstellung vermitteln “ Früh gevögelt, dumm, Hure und alleinerziehend“ davon mag ich erst gar nicht anfangen.. Das ich mir mal anhören musste das ich dumm sei und wenigstens eine Ausbildung hätte machen sollen bevor ich die Beine breit mache, das ist die Höhe. Nun denn es ist passiert und anstatt uns zu helfen, uns alleinerziehenden, wird auf uns rumgetrammpelt und wir werden erniedrigt. C’est la vie sprach der Clown und malte sich ein Lächeln ins Gesicht.. und genau so geht es mir an manchen Tagen..

    Danke einfach Danke für diese ehrlichen Worte und den tollen Artikel.

    Tut mir leid für den wahnsinns Text aber ich musste mir Luft verschaffen..

  20. Malaidoskop says:

    Was für ein toller Artikel! Du schreibst mir aus der Seele! Es wird Zeit, dass wir Mütter endlich als Menschen mit Bedürfnissen ansehen und wegkommen vom Nazi-Mütterideal.
    Wieso gibt es denn diese Mama-Hysterie mit Bio-Äpfeln und Schweden-Kinderkleider die ein Vermögen kosten: weil das Kinderkriegen die Frauen nicht ausfüllt es es sich verdammt nochmal lohnen soll diese Kinder auf die Welt gesetzt zu haben. Wenn schon, dann bitte PERFEKT! Ich stehe dazu, dass mein Sohn auch mal Klamotten aus dem ALDI trägt und auch mal total dreckig ist und bleibt, weil er nach der Kita nochmal in den Wald geht und dann sogar Erde zwischen den Zähnen hat.

  21. stella81 says:

    Der Artikel oben ist ein Traum. Super. Genauso. Von wegen Perfektionismus. Auch der Satz mit dem Duschen und auf Toilette gehen stimmt. Meine Kinder sind dreieinhalb und eineinhalb Jahre und seit drei Jahren schaffe ich es nicht mal das ich früh einen heißen Tee trinken kann. Es geht einfach nicht. Und das nervt mich. Ich hab gefühlt keine Minute für mich. Das nervt mich auch. Ich vermisse meine Kinder wenn ich sie den Tag nicht gesehen hab weil sie zum Beispiel im Kindergarten sind oder bei den Großeltern aber früher war es so toll ich konnte einfach machen was ich wollte, ich konnte weggehen, einfach raus oder wenn mir danach war irgendwohin fahren…. ich hab jetzt kein eigenes Leben mehr… und es nervt mich das man von allen Seiten zu hören bekommt wie toll das doch ist und vor allem das man es toll zu finden hat… und deshalb finde ich die Diskussion super das endlich mal an die Öffentlichkeit kommt, dass man da nicht böse ist oder krank….

  22. Frauheute says:

    Was für ein fabelhaft – interessanter Beitrag. Habe diesen artikel mal auf meinem Profil empfohlen und bin gespannt, was passiert. Denn tatsächlich habe ich mich ebenfalls schon so oft mit den Stigmatisierungen der heutigen (müttermafia-) Welt beschäftigt. Danke dafür. FrauHeute

  23. wahine33 says:

    Ich bin froh, das und alle anderen Beiträge hier zu lesen. Es tut gut, zu wissen, dass ich mit diesen Gefühlen und Gedanken nicht allein bin, dass es auch anderen so geht. Es nimmt Druck weg…. Es macht mich trotzdem traurig… denn auch ich liebe meine Kinder über alles und möchte nur das Beste für sie…. aber es ist so schwer…. Ich wünsch uns allen Kraft, Offenheit, Ehrlichkeit und keine Be- und Verurteilungen, sondern Unterstützung, Anerkennung und Dankbarkeit….

  24. Marie says:

    Der Artikel verschiebt die Thematik. Es geht eben nicht um Mütter die sich streckenweise überfordert fühlen und manchmal negative Gefühle gegenüber ihrem Kind haben, aber diese lieben. Dieses Thema ist teilsweise auch noch zu wenig disskutiert ist aber kein Tabu mehr.

    Es geht bei regretting motherhood um Frauen die die Entscheidung von tiefsten Herzen bereuen und als Vollkatastrophe beschreiben, die froh und glücklich wären, wenn sich ihre Kinder in Luft auflösen würden und ihnen keine Träne nachweinen würden. Frauen die beschreiben, dass sie sich ihrem Kind von Anfang an nie nahe gefühlt haben und dies mehr oder weniger verstecken können. Das dieses Thema noch ein Tabu ist, dass zeigt sich daran, dass sie reflexhaft versichern, dass ihr Kind lieben. Wenig glaubhaft. Menschen die man liebt, will man bei sich haben, ihnen fühlt man sich nahe und man würde sie nicht missen wollen oder würde ihren Verlust betrauern. Also ist es immer noch ein Tabu zu sagen, dass man sein Kind nicht liebt/lieben kann.

  25. Jen says:

    Ojemine, jetzt bin ich auch seit 9 Monaten Mama und habe jetzt erst diese ganze Aufregung um Regretting Motherhood etc. mitbekommen und obigen Artikel gelesen. Es tut mir sehr leid für alle Mamas, die die oben beschriebenen Gefühle teilen! Ja, Mamasein ist anstrengend und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, alleinerziehend zu sein – ich glaube, ich wäre ziemlich unerträglich. 😉 Aber ich muss auch sagen, dass ich persönlich andere Erfahrungen mache und gemacht habe und sicher auch da nicht die einzige bin: Unterstützung vom Partner, Familie und Freunden, kein gegenseitiges Mamabashing sondern viel Solidarität untereinander und gegenseitiges Rückversichern – es ist möglich. Ebenso wie ausgehen, mal einen draufmachen oder wegfahren. Auch ausschlafen muss nicht für immer vorbei sein, ich mache das regelmäßig und habe auch weiterhin vor, das zu tun. 😉 Ich bin vielleicht privilegiert, aber ich möchte doch allen Mamas Mut machen, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, sie einzufordern und sich immer wieder Freiräume zu schaffen. Es ist kein Wunder, wenn man die Nase voll hat, wenn man mit allem allein dasteht, das ist einfach zu viel.

  26. mad4patch says:

    Einige Beiträge verstehen anscheinend die Situation nicht. Es geht nicht nur um soziale+familiäere Unterstützung während der Mutterschaft, sondern um die Tatsache, dass einige Frauen k-e-i-n-e Kinder wünschen und in einer Situation kommen, wo sie welche bekommen. Eine Bindung zu diesen Kindern entsteht, trotzdem bedauert die Frau=Mutter überhaupt Kinder bekommen zu haben.
    Bitte Buch lesen. Hilfe und Unterstützung hilfen nicht unbedingt, wenn Frauen wie ich sehr jung entscheiden, dass sie keine Kinder wollen.
    Ich habe mich dafür mit 10 oder 12 dazu entschieden! Bin jetzt 50+ und hatte das Glück, dass auf mich keinen Druck ausgeübt worden ist, so dass ich kinderlos bleiben konnte. Und nein ich bin weder krank, noch defekt, noch sonderbar.

    Es geht nicht um Egoismus, auch nicht um Selbstverwirklichung, oder sonst was. Wenn eine solche Entscheidung so früh gefällt wird; ich habe nie verstanden warum meine Schwestern, meine Kusinen und Freundinen sich Kindern wünschten. Es ist ein Teil, dass ich nicht besitze und nicht be-greifen kann.
    Und ja ich geniesse die Gegenwart von Kindern, kann mich wunderbar um sie kümmern, da ich diese innere Distanz zu den habe und jedes Augenblick geniessen. Trotzdem bin ich froh, keine Kinder zu haben, da es 40 Jahren nach dieser Entscheidung immer stimmig ist.
    In Deutschland (bin ursprunglich keine Deutsche, aber eingebürgert) bekommen Muttern einen besonderes Status. Wie oft sehe ich, dass sie sich endlich „wertig“ fühlen und eine An-Erkennung bekommen. Das ist traurig, dass diese Wertigkeit erst mit dem Eintritt in der Mutterschaft erreicht werden kann. Die deutsche Gesellschaft ist extrem traditionnell, und die Frauen stellen sich meistens keine Fragen darüber da es für die einen normalem Umfeld ist. Alles wird als normal wahrgenommen.

    Es ist aber nicht normal, dass Frauen sich anerkannt fühlen ab dem Moment, wo sie Mutter werden. Absurd.
    Die Verächtung oder Sonder-Behandlung von Frauen, die keine Kinder wollen/haben können, ist sehr ausgeprägt. Kein Mensch wollte hier (ich kam mit 26 Jahren nach Deutschlend) glauben, dass ich keine Familienplannung hatte, diese wurde abgeschlossen als ich selbst ein Kind war. 🙂

    Es ist bezeichnend, dass andere Mutter mit #regrettingmotherhood verstehen: es geht um Unterstützung, Finanzen oder Überforderung (zeitweise oder nicht).
    Das ist es nicht nur.
    Die soziale Prägung hat wirklich funktionniert, so dass es nicht mal verstanden wird: es gibt Menschen -ja auch Frauen- die keine Kindern haben wollen (nicht nur aus materialistischen Gründen -wie oft verstanden/geglaubt–) und wenn diese Menschen doch Kindern bekommen, leiden die.

  27. Sibylle Kath says:

    Niemand wird gezwungen, ein Kind zu bekommen… die ganze Diskussion ist so ähnlich wie mit den Haustieren , bei denen man dann feststellt, dass sie ja doch Arbeit machen. Über alles sind die Leute gut informiert, aber beim Kinder kriegen stellen sie erst hinterher fest, dass man dann fremd bestimmt wird, sein Leben nicht mehr wie bisher weiterführen kann und dass das Leben auch Verantwortung und Anstrengungen und Entbehrungen mit sich bringt. Wunder über Wunder! Etwas weniger Egoismus würde unserer Gesellschaft gut tun! Das Leben ist als Mutter doch nicht zu Ende, nur weil ich meine Zeit ein wenig umstrukturieren muss! Ich habe 3 Kinder und trotzdem genießen wir unser Leben als Familie und auch Tage zu zweit oder auch ganz alleine… alles eine Frage der Organisation.

  28. @Sybille Kath, was Sie schreiben liest sich ein wenig weitergedacht für mich so: Niemand wird gezwungen zu leben, es steht jeder und jedem frei sich umzubringen, kommt erst noch billiger für die Allgemeinheit. Mir geht es blendend, ich geniesse mein Leben und wenn irgendjemand sein eigenes Leben nicht auf die Reihe kriegt, soll die/der doch einfach abtanken. Etwas weniger Egoismus und etwas mehr Empathie würde vielleicht auch Ihnen gut tun?
    Niemand behauptet, dass das Leben als Mutter zu Ende ist, dennoch darf man wohl auf ein paar Missstände hinweisen. Für viele Männer ändert sich mit der Geburt ihrer Kinder wenig, ihr Köper nicht, ihr Leben nicht, für viele Frauen sieht das hier und heute immer noch ganz anders aus. Schön, wenn bei Ihnen Geld, Menschen und Zeit verfügbar sind, diesen Luxus haben vielleicht nicht alle Mütter, sind sie deshalb Egoisten? – weil sie Mutter sein wollen ohne das eigene Leben im Gebärsaal abgeben zu müssen? Interessant finde ich, dass eine dreifache Mutter Kinder mit Haustieren vergleicht …

  29. hanna rix says:

    in einem moment der tiefsten erschöpfung und verzweiflung habe ich diesen text lesen dürfen…er hat mir das herz erleichtert und zutiefst aus der seele gesprochen!!!! ich halte mich kurz und sage einfach nur
    DANKE!
    DANKE!
    DANKE!

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