#Silvester2016: Eine zerstörerische Debatte und ihre Folgen für den Feminismus

Frau, die sich wehrt

European Parliament (CC BY-NC-ND 2.0)

Als ich den letzten Artikel des vergangenen Jahres schrieb, konnte ich noch nicht ahnen, welchen Auftakt das neue nehmen würde. In den letzten Tagen wurde wütend gestritten, das ist nichts Neues, doch neu ist die Bruchlinie, die sich zwischen Linken und (Radikal-)feministinnen ergibt und die wir aus feministischer Sicht mit großer Sorge, wenn auch nicht mit wirklicher Verwunderung verfolgen. Keine von uns durfte sich in den letzten Tagen zu Silvester äußern, ohne vorher brav zu bekennen, dass sie Rassismus scheiße findet, ja, sie wurde sogar dazu gedrängt, zuzustimmen, die Polizei in Köln Racial Profiling betrieben, was sachlich einfach falsch ist, wie Manuela Schon hier wunderbar ausgeführt hat. Erst dann durften wir in einem kurzen Nebensatz hinzufügen, dass wir trotzdem froh waren, dass es in Köln „nur“ zwei Vergewaltigungen gab. Inzwischen wissen wir, dass es andernorts, in Wien, Malmö, Hamburg und Dortmund sehr wohl zu Zwischenfällen kam, aber auch darüber dürfen wir nicht reden, ohne dass uns der Vorwurf gemacht wird, den rechten Hetzern das Wort zu reden. Flugs ging auch ein neuer, linker Feminismusblog an’s Netz, der sich aber gar nicht mit Feminismus auseinandersetzt, sondern nur postuliert: „Rassismus ist kein Mittel gegen sexuelle Gewalt.“ Uff.

Was ist Rassismus? Rassismus bedeutet, einem Menschen aufgrund seiner tatsächlichen oder auch nur angenommenen Herkunft bestimmte „angeborene“ Merkmale zuzuweisen, die seinen Charakter betreffen und/oder generalisiert zu unterstellen, alle Menschen aus einem bestimmten Land oder einer Region seien „so oder so“ (hier dann wahlweise abwertende Eigenschaften einfügen“ und damit nicht mehr das Individuum, sondern nur noch seine Herkunft zu bestimmen. Zu den Eigenschaften kommen auch äußere Merkmale wie die Haut- und die Haarfarbe.

Wo kommt Rassismus her? Für uns Feministinnen ist das ganz klar: Rassismus ist ein weiteres Mittel männlicher Herrschaft, mit der die Welt in Herrschende und Beherrschte eingeteilt wird. Mit dem Rassismus erhebt sich der weiße Mann über die anderen und rechtfertigt zum Beispiel die Kolonialisierung. Rassismus ist ein patriarchales Konzept, das sich aus der Geschichte des Patriarchats ergibt: Wir wissen, dass die Unterdrückung der Frau in dem Moment der Menschheit begann, als der Krieger die Bühne der Weltgeschichte betrat und Städte und später Völker begannen, Berufskrieger um Ressourcen gegeneinander kämpfen zu lassen. Um diese Kriege zu rechtfertigen, bedarf es Ideologien und eine dieser Ideologien ist die Abwertung des Gegners. Das Patriarchat ist keine Herrschaftsform, die wir einfach mal so neu erfinden, wir alle, Männer und Frauen, werden in ihm sozialisiert. Männer lernen dann schnell, welche Privilegien ihnen das einbringt, Frauen hingegen kommen häufig an den Punkt, an dem sie bemerken, dass für sie andere Regeln gelten, als für Männer. Feminismus ist die Widerstandbewegung gegen das Patriarchat und alles, was es bedeutet, deshalb ist Feminismus per se antirassistisch, man kann ihn gar nicht anders denken.

Rassismus und sexuelle Gewalt haben den gleichen Ursprung

Wenn nun also postuliert wird, Rassismus sei kein Mittel gegen sexuelle Gewalt, dann zeigt das zweierlei Dinge. Zum einen wird deutlich, dass es in puncto feministischer Analyse und Bewusstsein auch bei Feministinnen noch einiges nachzuholen gibt. Zum anderen, und das ist sehr viel dramatischer, zeigt es, dass wir Feministinnen in den letzten Tagen wieder ein Stück im gesellschaftlichen Diskurs zurückgedrängt wurden. Das einzige Mittel gegen sexuelle Gewalt ist ein Ende der männlichen Privilegien, in der Rechtssprechung, der öffentlichen Wahrnehmung und im Miteinander. Männer vergewaltigen, weil sie glauben, ein Recht darauf zu haben und die Gesellschaft, auch und gerade die deutsche, scheitert daran, Männern klar zu machen, dass sie dieses Recht nicht haben. Das zeigt sich an der geringen Verurteilungsrate von Vergewaltigern, dem Umgang mit Opfern, der hohen Dunkelziffer.

Warum nicht konsequent gegen Rassismus?

Das zeigt sich aber auch daran, dass sich alle unendlich über sexistische und rassistische Werbung aufregen, wenn im Porno aber „Enge F*** bekommt, was sie verdient“, dann schweigen alle, auch die tonangebenden Feministinnen aus dem Libfem-Lager, weil sie nämlich beschlossen haben, Pornos befreiend zu finden und damit dem Patriarchat beste Dienste zu leisten. Wer Pornos schaut, weiß, dass viele Pornos auch Titel tragen wie „Schwarze Schlampe f*** gleich drei junge Burschen“ und Ähnliches. Auf jeder beliebigen Pornoseite kann man sich die Pornos nach „Rassen“ aussuchen, asiatisch, schwarz oder sogar „interracial“. Hat irgendjemand all die linken Männer (und Frauen), all die ach so befreiten Queerfeministinnen, die sich in den letzten Tagen wegen des Racial Profilings aufgeplustert haben, jemals in die jährlichen Statistiken, die die Pornoplattform Pornhub jedes Jahr im Januar veröffentlicht, geschaut? Für das Jahr 2015 (2016 liegt noch nicht vor), lagen „black“ und „asian“ unter den häufigsten Suchbegriffen weltweit. Wenn wir jetzt noch einmal die zuvor gemachte Definition von Rassismus herauskramen, die sich, bis auf die Verbindung zum Patriarchat, auch in all den empörten Tweets und Blogposts zum Racial Profiling findet, dann sehen wir, dass diese Art von Suchanfragen allen Merkmalen von Rassismus entspricht. Die asiatische Frau gilt als besonders unterwürfig, die schwarze Frau als besonders „wild“ und was man über schwarze Männer sagt, das weiß wohl jeder. Pornos sind rassistisch. Trotzdem bekommt es keiner der Linken, keine der Queerfeministinnen hin, das mal ordentlich zu kritisieren, dabei sind von diesem Rassismus sehr viel mehr Menschen betroffen als vom angeblichen „Racial Profiling“.

Pornos bewirken nämlich auch noch etwas anderes. Sie normalisieren sexuelle Gewalt. In vielen Pornos wird gezeigt, wie Grenzen gerade von Frauen bewusst überschritten werden, Gewalt und Demütigung gelten als legitimes Mittel, um den Zuschauer zu erregen. Nun wird immer wieder behauptet, das sei alles Fantasie. Wenn nun aber „jeder Mann“, wie mir immer wieder versichert wird, Pornos schaut und das regelmäßig, dann erregt er sich regelmäßig an Filmen, die sexuelle Gewalt zumindest inszenieren.

Rekapitulieren wir das noch einmal: Wenn die Polizei in Köln also eine Gruppe von Männern aufgrund einer Kombination aus Verhalten und Erfahrung mit Tätergruppen festsetzt, dann ist das Rassismus und laut der empörten Linken nicht hinzunehmen. Wenn sich Millionen Männer rassistische Pornos ansehen, ist das aber voll ok.

Die Silvesternächte 2015 und 2016

Nun zurück zu diesem „Ihr könnt Feminismus nicht gegen Rassismus ausspielen“ Ding, das auch uns in den letzten beiden Tagen immer wieder vorgewurfen wurde. Wir Störenfriedas haben uns immer wieder sehr dezidiert antirassistisch geäußert und dafür gerade von den etablierten Feministinnen ordentlich Ärger bekommen. Ganze Bündnisse gegen wichtige feministische Anliegen wie Prostitution zerbrachen daran. Für uns war immer klar, dass Feminismus nur funktionieren kann, wenn man jede Art von patriarchaler Weltordnung, darunter auch den Rassismus, zurückweist. Wir hielten daran fest, obwohl uns die Linken aus allen Lagern und Parteien in unserem Kampf gegen das Elend in der Prostitution, die übrigens ebenfalls zutiefst rassistisch ist (in den Laufhäusern und auf den Straßenstrichs stehen keine biodeutschen Frauen) im Stich ließen und sogar noch attackierten. Das hat uns, im feministischen Lager, in keine einfache Position gebracht, für uns und unser Selbstverständnis aber war es wichtig. Wir widersprachen vehement einer rassistischen Auslegung der Ereignisse der Silvesternacht 2015.

Die Silvesternacht 2015 war in erster Linie Ausdruck eines Staatsversagens. Ein rechtsfreier Raum entstand, den sich sofort Männer aneigneten. Das tun sie überall, wenn sie vergewaltigen und damit davonkommen oder Zwangsprostitution in Kauf nehmen, um ihre sexuellen Bedürfnisse zu befrieden, was Silvester so besonders machte, war, dass es so viele Männer und so viele betroffene Frauen an einem Ort zur gleichen Zeit gab.  Ein generelles Staatsversagen, wenn es darum geht, Frauen wirksam vor sexueller Gewalt und vor Benachteiligung zu schützen, gibt es übrigens schon länger, nur da kommt keiner der linken Empörer auf die Idee, mal ein paar Tweets zu verfassen – Grundrechte, die uns im Grundgesetz zugesichert, aber tagtäglich mit Füßen getreten werden.

Die Polizei hat die Aufgabe, Recht und Gesetz durchzusetzen. Das hat sie Silvester 2016 in Köln getan. Sie hat verhindert, dass erneut ein rechtsfreier Raum entstand und das tut sie übrigens ständig. Bei jedem Fußballspiel werden auch die Fans, die nichts mit Ultras oder Hooligans zu tun haben, aber äußerlich an ihrem Trikot zu erkennen sind, zum Stadion eskortiert. Auf jeder Demo werden Rechte und Linke getrennt, äußerlich erkennbar an Kleidung, Frisuren oder an den Plakaten, die sie so mitschleppen. In der akuten Situation kann die Polizei überhaupt nicht anders handeln und dabei auch riskieren, dass ein paar Unschuldige ebenfalls eskortiert, getrennt oder eingekesselt werden. Wer das nicht will, der darf nicht zum Fußball, der darf auf keine Demo und der darf vor allem nicht nach der ganzen, ewigen Debatte Silvester in großen, ausschließlich männlichen Gruppen nach Köln an den Hauptbahnhof zum „Feiern“. In einer pluralistischen Gesellschaft, die sich auf Meinungsfreiheit etwas einbildet, müssen wir alle ständig hinnehmen, im öffentlichen Raum Leuten und ihren Äußerungen und Vorhaben zu begegnen, die uns nicht in den Kram passen und dafür auch Unangenehmlichkeiten hinnehmen. Die Polizei ist dazu da, dass es bei Unanehmlichkeiten bleibt. Wer schon einmal mit einer Gruppe Fußballfans im Zug saß, weiß wovon ich rede.

Die kurzfristig eingeschränkten Grundrechte der Männer am Kölner Hauptbahnhof waren also kein Ausdruck des Scheiterns einer pluralistischen Gesellschaft, sondern gerade ein Beweis für ihr Funktionieren. Es ist etwas völlig anderes – und darüber gibt es keine Empörungswellen – wie Frauen ständig und überall ihrer Grundrechte beraubt werden. Wer als Frau nicht vergewaltigt werden möcht, darf nachts und im Dunkeln nicht allein unterwegs sein oder zu viel trinken oder einen zu kurzen Rock tragen. Auch zu Hause sind wir vor prügelnden Ehemännern und Partnern und Stalkern nicht sicher, im Netz werden wir mit Hass überschüttet, im Job benachteiligt und dazwischen gibt es noch jede Menge anderen, alltäglichen Sexismus. Das Gesetz gibt vor, uns davor zu schützen, die Realität sieht ganz anders aus. Auch wenn es überflüssig erscheint, das noch einmal explizit zu erwähnen aber für uns Frauen ist der gemeinsame Nenner unserer Unterdrückung die männliche Hegemonie, nicht die Herkunft einzelner Männer.

Eine zerstörerische Debatte

Vor diesem Hintergrund entfaltet die Debatte rund um Silvester 2016 eine ganz andere Wirkung. Wir Frauen, der Feminismus an sich, sind die wahren Verlierer dieser Debatte. In Zukunft ist jede Frau, die nach den Details männlicher Sozialisierung fragt, um sich selbst zu schützen, eine Rassistin. Gegen sexuelle Gewalt dürfen wir nur noch demonstrieren, wenn wir zugleich auch gegen Rassismus sind. Jeder Frau, die die Details männlicher Sozialisierung im Zusammenhang mit sexueller Gewalt benennt oder verschweigt, kann es passieren, dass entweder die linken Männer für ihren Rassismus ihr eine Vergewaltigung wünschen oder aber die rechten Männer für ihre „Linksgrünversifftheit“. Das eigentliche Problem, dass zum traditionellen, biodeutschen Frauenhass jetzt auch noch der Frauenhass der Zugewanderten kommt, wird totgeschwiegen – von den Linken.

Feminismus, der sich selbst ernst nimmt, kann und darf nicht länger auf Unterstützung aus dem linken Lager hoffen. Wir haben lange gedacht, dass wir ja alle irgendwie die gleichen Kämpfe kämpfen, für Befreiung und für Gerechtigkeit, doch die ganze hässliche Misogynie der Linken kann nach den letzten Tagen nicht länger schön geredet werden.

Sexuelle Gewalt entsteht durch den, der sie begeht und die Gesellschaft, die sie zulässt. Wer sie verhindern will, muss sich also die Täter und die Gesellschaft anschauen. Wie kommt der Täter zu dem Urteil, dass es in Ordnung ist, einen anderen Menschen zu vergewaltigen? Es gibt kein Vergewaltiger-Gen. Also muss er in seiner Sozialisation irgendwann zu dem Schluss gekommen sein, dass er ein Recht auf die Ausübung sexueller Gewalt hat – im Englischen nennt man das „male entitlement“. Sozialisation schließt das Umfeld, in dem er aufgewachsen ist, mit ein, Familie, Freunde, Schule, Religion und Gesellschaft und hier davon auszugehen, dass es keine Unterschiede gibt zwischen männlicher Sozialisation in Deutschland und männlicher Sozialisation in Algerien, Tunesien, in China und sogar in den USA ist einfach sachlich falsch. Sozialisation entbindet aber nicht von der Verantwortung des einzelnen Individuums für seine Taten und zugleich kann und darf Sozialisation nicht als Entschuldigung dafür dienen, dem Individuum seine Entscheidung vorwegzunehmen, sie darf aber eben auch nicht völlig ausgeblendet werden. Und Sozialisation schließt auch den Medienkonsum ein und zu dem gehören weltweit Pornos, Filme mit sexueller Gewalt, Musik, die sexuelle Gewalt verharmlost (und wiederum besonders gern von Männern gehört wird).

Wenn wir Feministinnen nicht davon überzeugt wären, dass sich der einzelne Mann gegen seine Sozialisation und gegen seine Privilegien entscheiden kann, oder diese zumindest kritisch reflektieren kann, dann müsste unser Aktivismus ganz anders aussehen und keinerlei Dialog mehr beinhalten. Leider stimmt es aber auch, dass Feminismus Männern etwas abverlangen muss und wenn er das nicht tut, dann ist es kein Feminismus. Kuschel- und Konformitätsfeminismus kann deshalb nie irgendeine gesellschaftliche Veränderung bringen.

Die Behauptung, es habe sich beim Vorgehen der Polizei um Rassismus gehandelt, ja, Feminismus sei nur dann legtitim, wenn er auch den Aspekt der Herkunft in der Analyse der männlichen Sozialisation ausblendet, drückt den linken Anspruch auf Konformitätsfeminismus aus und hat bewirkt, dass sogar uns nichts anderes übrig blieb, als uns sehr klar gegen den linken Mainstream zu positionieren. Dafür waren uns viele Frauen dankbar. Dass wir für dafür auch Beifall von rechter Seite bekamen, hat diesen Prozess für uns nur noch umso schmerzhafter gemacht, aber Debatte stellte uns vor eine Wahl: Entweder wir verraten den Feminimus und alles wofür wir eintreten, damit wir von linker Seite überhaupt noch als Feministinnen gelten und zwischen all dem Antirassismus-Geschrei ab und zu auch unsere Kritik anbringen dürfen, dann aber nur unter Ausklammerung von Prostitution und Porno, oder aber wir beziehen klar Stellung für den Schutz von Frauen und werden dafür als Rassistinnen beschimpft.

Wir haben uns für die Frauen entschieden und stehen damit allein auf weiter Flur. Aus all den Diskussionen der vergangenen Tage ist für uns deutlich erkennbar, dass wir Frauen auf uns selbst gestellt sind, wollen wir die Gewalt gegen uns und unsere anhaltende Benachteiligung beenden. Die Linken haben das Thema Feminismus an sich gezogen, weil sie damit punkten können, richtig besetzt haben sie es nie. Die großen, feministischen Meilensteine wurden nie durch Linke erkämpft, sondern immer nur durch die Frauen selbst. Der Feminismus als Befreiungskampf ist gesellschaftlich weder links noch rechts, gerade weil er sich jeder patriarchalen Logik und Diskursordnung verweigert. Unsere Kämpfe der vergangenen Jahre haben uns gezeigt, wenn man als Feministin von allen Seiten angegriffen wird, dann hat man etwas richtig gemacht.

Einige von uns betrauern diesen Bruch. Aber nach dem ersten Schock erkennen wir darin auch eine große Chance: Wir müssen uns auf unseren eigenen Kampf besinnen. Unser Kampf, der Kampf für die Befreiung der Frau, kann nur dann auch in Zukunft erfolgreich sein, wenn er nicht länger von männlichen Zugeständnissen abhängt. Linke Männer gestehen uns zu Beispiel zwar zu, dass wir selbst über unsere Körper bestimmen, dass wir diese nicht mehr als Ware zur Verfügung stellen möchten, wollen sie nicht anerkennen.

Wer vom Rassismus spricht, darf von männlicher Gewalt nicht schweigen

Keine Unterdrückung der Welt funktioniert ohne Gewalt. Wenn man verstehen möchte, wer die Macht hat auf dieser Welt, dann hilft es, sich anzusehen, wer diese Gewalt ausübt. Es sind männliche Terroristen, die uns in Angst und Schrecken versetzen. Es sind männliche Rechte, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden. Es sind männliche Hooligans, die aus Fußballspielen Gewaltexzesse machen. Es sind Männer, die Stierkämpfe kämpfen, die Tiere misshandeln und die Videos auf Youtube hochladen, es sind Männer, die Gruppenvergewaltigungen begehen. Es sind Männer, die Kriege führen, es sind Männer, die Gewalt erotisieren. Nichts verbindet Männer schneller und zuverlässiger miteinander als gemeinschaftlich Gewalt auszuüben. Rassismus ist eine gewalttätige Ideologie, geschaffen von Männern, um andere Männer und deren Frauen (das Patriarchat kann Frauen nur als Anhängsel denken) zu beherrschen und auszubeuten.

Wer aufrichtig gegen Rassismus ist, muss männliche Gewalt kritisieren. Wer Rassismus beenden möchte, muss  die männliche Diskurshegemonie, auch die der linken Männer, beenden. Genau dafür steht Feminismus. Wir stehen für die denkbare Alternative zur patriarchalen Gesellschaft mit allem, was sie bedeutet. Das war vielleicht noch nie so wichtig wie 2017, dem Jahr in dem ein Mann, der wie kein anderer Sexismus und Rassismus auf sich vereint, zum Präsident des mächstigsten Landes der Welt wird.

10 Kommentare

  1. Richtig!
    Rückblende ca. 40 Jahre. — Dh. als ich noch etliches jünger, dümmer und naiver war und ab- und zu sogar in die Disco abtanzen ging. Soul, Funk und Reggae—- war damals angesagt. Mag ich noch immer. Auch damals wurde von Afrikanern und Jamaikanern fleissig angebaggert und gegrabscht. Oft sehr frech und übergriffig! Wagte man als Frau sich dagegen zu wehren, wurde man lauthals des Rassismus bezichtigt. Wie einfach!

    Also neu ist dieser Rassismus-Vorwurf schon mal nicht. Eher gleich dümmlich wie früher schon; und total an der Sache vorbei!

    Wieder einmal wissen Sprach- und Wort- Ueberwacher-Expertinnen einfach alles besser. Wie altbacken ist das denn?

  2. Leider ist der Rassismus nicht nur bei Männern anzutreffen, sondern auch bei Frauen – da sollte Frau nur mal über die Bundeslsändergrenzen und Landesgrenzen gucken.

    Erinnern möchte ich auch um die feministische Debatte, in der schwarze Frauen der feministischen Bewegung m.E. zurecht vorwarfen, dass ihre Analysen weittgehend aus dem Blickwinkel undvon den Interessen weiße Frauen ausgingen.

  3. Leider ist der Rassismus nicht nur unter Männern verbreitet – da braucht frau nur außerhalb der Landesgrenzen und auf die zunehmende Beteiligung von Frauen bei der AfD und den Neonazis zu gucken. Im übrigen erinnere ich an die Kritik schwarzer Frauen an der feministischen Bewegung, die ihrer Meinung nach allein die Sicht weißer Frauen darstelle. (m.E. eine berechtigte Kritik)

  4. Ps: Es herrscht seit längerem ein verbaler Definitions- und Verallgemeinerungskrieg, der über die Köpfe der betroffenen Frauen hinweg geführt wird, wie eben in jedem Krieg. Die Frauen werden überall und regelmässig als Kriegsbeute oder Trophäe zwischen den Kriegführenden Parteien zerrieben und bezahlen den höchsten Preis. Der Gegner soll so gedemütigt werden, weil „seine“ Frauen vergewaltigt und verstümmelt werden. Fahnen schwenken, Zeichen setzen, ritualisieren!
    Chaos verbreiten.
    Es ist wieder soweit; und alle müssen wegschauen. Oh doch, Männer, alle Männer wissen ganz genau, was sie mit Vergewaltigungen anrichten. Sonst würden sie dies nämlich nicht systematisch in Kriegen anwenden. Aber bei uns gilt das ja weniger als Sachbeschädigung.
    Logisch wird jetzt über Begriffe diskutiert statt über die abscheulichen Taten, die wie wir alle wissen von hüben und drüben ausgeübt werden.

  5. Die Antwort auf Übergriffe, so sie nicht für Leib und Leben bedrohlich sind, ist einfach: Begrapschen lassen wir uns von niemandem, und weil wir das von weißen Männern nicht akzeptieren, tun wir es auch nicht bei schwarzen oder braunen,—-weil wir nämlich keine Rassistinnen sind und folglich nicht mit zweierlei Maß messen!!!! Ende.
    Die meisten Männer aus extrem patriarchalischen Ländern respektieren Frauen nicht, das ist nun wirklich nichts Neues. Das allerdings muss sich niemand gefallen lassen, warum denn? Entweder kommentarlos gehen oder mit Kommentar über Sexismus, auf jeden Fall aber gehen. Wenn das nicht mehr geht, ist es ein Fall für die Polizei, die dann hoffentlich eingreift. In Murmansk habe sich mal einige aus Norwegen wegen ähnlichen Verhaltens rausgeflogene Asylbewerber den Russinnen in einer Disco ähnlich schnörkellos nähern wollen wie die in Köln am Bahnhof Silvester 2015/16. Das endete damit, dass sie von kräftigen jungen Russen darauf hingewiesen wurden, das Köln 2000 km südöstlich liegt und hier Murmansk sei. Als das auch nichts brachte, gab es eine Schlägerei: 35 Asylbewerber im Krankenhaus, einige weitere im Knast. Sie alle baten darum, wieder in ihre Länder zurück zu dürfen.
    Ansonsten hilft leider nur Vorsicht, die durchaus einschränkend sein kann: Ich wäre auch schon vor 40 Jahren nicht nachts allein im Tiergarten in Berlin herumgewandert, weil das auch damals schon lebensgefährlich war.

  6. Hanna Dahlberg

    „Die meisten Männer aus extrem patriarchalischen Ländern respektieren Frauen nicht, das ist nun wirklich nichts Neues“

    Richtig, wie z.B. aus dem patriarchalen Land Deutschland, dem Bordell Europas…

  7. Hey, das ist ein superguter Artikel, der mich total freut, denn ich wusste nicht, dass es wieder so großartige Feministinnen gibt! Störenfriedas! Frauen, die sich trauen, das Wort „Patriarchat“ sinnerfüllt auszusprechen.

  8. Anonymous

    Liebe Mira!
    Auch mir sprichst du aus der feministischen Seele; ich unterschreibe deinen Text voll und ganz – könnte es nicht besser auf den
    Punkt bringen. Die Mechanismen des weltweiten Patriarchats sind so durchschaubar – wir Feministinnen sind darin seit Jahrzehnten geübt. Aber wie schon Hedwig Dohm sagte: „Ich komme mir in der Frauenfrage wie ein Wiederkäuer vor.“ Die die Augen verschließen (wollen? müssen?), werden sich weiterhin mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Erkenntnisse und Wahrheiten wehren und auf uns einschlagen – leider eben auch ein Großteil der Linken.
    Darf ich deinen Text in der vereinsinternen Zeitschrift von Safia – einem feministischen Netzwerk von Lesben ab 40 abdrucken lassen? (Manche sind schon über 80 und haben kein Internet.)
    Vielen Dank, Maria Schmidt

  9. Anna Hoheide

    Liebe Maria,

    stellvertretend für Mira: Selbstverständlich kannst du den Artikel abdrucken, Mira und alle Störenfriedas freuen sich sehr darüber.

    Vielen Dank auch für dein Feedback :-).

    Anna

  10. Anonymous

    Danke, liebe Anna, danke, liebe Störenfriedas, für eure unermüdliche Aufklärung und euer feministisches Engagement!
    Ihr seid wirklich Balsam für viele, viele verzweifelte Frauen – ohne Störenfrieda kann mich mir das Internet nicht mehr vorstellen. Ich versuche alles, um euch auch bei Älteren bekannt zu machen.
    Herzlich, Maria

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