Stille Brüste – das Fotobuch für die Stillzeit und danach

Buchcover: Stille Brüste

Um das Stillen tobt ein Machtkampf: Auf der einen Seite ist es die gesündeste und natürlichste Weise, ein Baby zu ernähren, auf der anderen Seite fühlen sich viele Frauen unter Druck gesetzt, ihr Kind zu stillen. Es ist seltsam, dass es der Industrie gelungen ist, aus der eigentlich natürlichen Fortsetzung der Schwangerschaft in Form der Stillzeit ein hochlukratives Geschäft mit Babynahrung zu machen.

Das vermutlich am häufigsten geäußerte Argument gegen das Stillen ist seine angeblich destruktive Wirkung auf das Bindegewebe der Brüste. Angeblich, so heißt, bekommt man vom Stillen „Hängebrüste“ – und ist damit nicht mehr sexuell attraktiv für Männer, die vor lauter Porno und Co. den eigentlichen Zweck von Brüsten vergessen haben. Für viele Frauen ist das, dank Werbeindustrie und Porno-Schönheitsideal, eine Horrorvorstellung, der zu liebe sie das Stillen lieber gleich sein lassen – und sich und ihr Kind damit um eine schöne Erfahrung bringen.
Nicht selten spielen jüngst auch engagierten Feierabend-Daddies eine Rolle, die sich ausgeschlossen fühlen, wenn Frauen stillen und deshalb auf den Übergang zum Fläschchen bestehen.

Die Hebamme Kristina Seifert hat in „Stille Brüste – das Fotobuch für die Stillzeit und danach“ 50 Frauen und ihre Brüste fotografiert –  und räumt so auf wundervolle, stille und eindeutige Art und Weise mit den Vorurteilen rund ums Stillen auf. Auf ihren Fotos sehen wir starke Körper, durch die Schwangerschaft verändert, aber nicht weniger schön sind. Mit Erstaunen wird manche feststellen, dass viele dieser Frauen gleich mehrere Jahre Stillerfahrung mitbringen – und ihre Brüste toll aussehen. Frauen aus allen Altersgruppen zeigen sich und erzählen ihre Stillgeschichte – und erzählen davon, ob sich ihre Brüste durch das Stillen verändert haben. Fast alle berichten davon, dass es kaum eine Veränderung gab oder aber, dass sich durch das Stillen ihr Körperbild entschieden verbessert hat. Und nicht nur das: Stillen ist zugleich ein besonderer Zugang zum eigenen Kind.

Beim Stillen sind wir uns so nahe, dass sich unsere Seelen berühren können, und für eine kleine Weile hat die laute Welt um uns herum keine Bedeutung.

Kristina Seiferts Buch gelingt es, Brüsten ihre Würde wieder zu geben und sie herauszulösen aus dem ewigen Sexkontext, in den die Porno-Gesellschaft sie sperren will. Ihr Buch ist ein Plädoyer für das Stillen und die Rückeroberung unseres Körpers – der sehr viel mehr ist als ein Spielwiese für Männer. Stillen ist, neben Schwangerschaft und Geburt, eine zutiefst weibliche Körperempfindung, es steht symbolhaft für das Nährende und Lebensspendende in Frauen, das beschützt und geachtet werden muss und es erzählt ohne Worte von dem besonderen Zauber jener ersten gemeinsamen Lebensmonate. Ein wundervolles Buch, das nachdenklich und stolz zugleich macht – ich möchte es allen meinen schwangeren Freundinnen schenken!

Das Buch ist erhältlich bei Fembooks.

1 Kommentare

  1. Hört sich sehr spannend an dieses Fotobuch, dass muss auch in meine Sammlung. Als Künstlerin und Fotografin finde ich gerade diese Veränderungen interessant. Perfekt und Makelos ist langweilig, was unsere Aufmerksamkeit sind die Dinge, die nicht 100%ig in die Norm passen. Und genau aus diesem Grund besonders und schön sind. Ich finde es schön, dass die positive Seite des Stillens auch einmal auf dieser emotionalen Ebene beleuchtet wird. Mal was anderes als die übliche Betonung der gesundheitlichen Vorteile gegenüber Flaschenernährung!

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