Schlagwort: DIE LINKE

Nicht euer Marsch: Wie die Linke versucht, die Frauenmärsche zu relativieren oder zu vereinnahmen

Der Tag danach: Viele reiben sich noch die Augen angesichts der überwältigenden Bilder aus aller Welt. 3 Millionen Menschen – vor allem Frauen – fanden sich weltweit zu Frauenmärschen zusammen, um gegen Trumps Politik zu demonstrieren. Die Demos wurden von Frauen organisiert und durchgeführt und es dauert keinen Tag, bis sich das linke Machotum positioniert: Wahlweise werden die Frauen in den Frauenmärschen einfach unsichtbar gemacht – oder aber rechtskonservative Verschwörungstheorien benutzt, um die Bewegung zu relativieren.

Weiterlesen

Linke Männer oder wie ich Feministin wurde

Mann und Frau

jan bocek (CC BY 2.0)

Manchmal fragen mich Männer, die ich von früher kenne, warum ich Feministin bin. „Ist doch klar, dass der Kapitalismus an der Unterdrückung der Frau schuld ist“, sagen dann die, mit denen ich früher in verrauchten Keller zusammen saß und über die Weltrevolution diskutierte, mir auf Demos die Stimme heiser brüllte, die Fingerspitzen blau von der Farbe auf unseren Flugblättern und das Herz voll Leidenschaft für die Rettung der Welt. „Wenn der Widerspruch in den Produktionsverhältnissen überwunden ist, dann endet auch die Unterdrückung der Frau.“ Das sagen sie und lächeln, ganz so, als sei es fast schon traurig, mir nach all den Jahren noch immer oder schon wieder das Offensichtlichste erklären zu müssen, ein wenig nachsichtig, denn ich bin ja eine Frau und außerdem habe ich Kinder und bin eigentlich schon lange ein wenig bürgerlich und ich sehe sie an, diese nicht mehr ganz jungen Männer, von denen ich die meisten schon früher ziemlich dämlich und langweilig fand und die heute noch viel langweiliger sind und in mir steigt Wut auf.

Ich erinnere mich an jene Zeit, in den Kellern, auf den Demos. Ich erinnere mich daran, dass es immer die Männer waren, die sprachen, laut, mit dröhnender Stimme, die uns in endlosen Monologen darzulegen versuchten, wie sehr sie den Durchblick hatten, jeder von ihnen mindestens ein neuer Rudi Dutschke oder gleich Che Guevara. Von uns Frauen, von uns ganz jungen Frauen, sprach nur selten eine. Wir waren nur Zierde, wir durften nur dabei sein, um zu bewundern und um Kuchen zu backen. Sprach eine von uns, so musste sie damit rechnen, von den Männern, den alten und den jungen, regelrecht auseinander genommen zu werden. Zu viel Gefühl, zu wenig revolutionäre Attitüde. Wir Frauen, wir bringen es einfach nicht. Hormone, PMS und all das. All das schwang immer mit, wenn sie sich diese männerbündischen Blicke zuwarfen, mit spöttisch zuckenden Mundwinkeln. Die wenigsten unter uns ertrugen das, die meisten liefen rot an, begannen zu stottern und sagten nie wieder etwas. Das Diskutieren überließen wir lieber wieder den Männern.

Weiterlesen

Warum seid ihr nur so still? – DIE LINKE und der Rassismus

Der erste Einsatz der Bundeswehr im Ausland nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus wurde nur möglich durch die Zustimmung der Grünen: Kosovo bedeutete diesbezüglich einen Tabubruch. Wenn selbst die pazifistischen Grünen meinen es ist notwendig, dann kann es ja nicht so schlimm sein, oder?

Die Agenda 2010, die de facto eine Zerschlagung des Sozialstaates (für den Deutschland international bekannt war) bedeutete, war nur deshalb überhaupt erst möglich, weil sich die deutsche Sozialdemokratie dafür verantwortlich zeigte. Wenn selbst die Sozialdemokraten meinen, dass es notwendig ist, dann kann es ja nicht so schlimm sein, oder?

Parteien stehen natürlich immer für mehrere Inhalte, aber jede hat so ihre Kernthemen , bei denen man in aller Regel auf sie bauen kann. Würde man zumindest meinen. In diesen Kernkompetenzen kommt ihren Aussagen entsprechend ein besonderes Gewicht zu. Bei einer Partei die „links“ im Namen trägt sind dies nicht zuletzt antirassistische Positionen. Doch was man diesbezüglich im Moment so teilweise liest und hört, lässt einem doch das ein oder andere Haar zu Berge stehen.

Natürlich werden nun manche sagen: „DIE LINKE war doch schon immer eine Sozialdemokratie light“ oder „Der große Anteil an ehemaligen SozialdemokratInnen und GewerkschafterInnen lässt doch gar nichts anderes erwarten.“

Rechtfertigen diese nicht unzutreffenden Feststellungen nun aber die ohrenbetäubende Stille zu bestimmten die Partei betreffenden Fragestellungen?

Weiterlesen

Die Sicherheit „in der Mitte der Gesellschaft“

Rotlichviertel Frankfurt am Main

By Arne Hückelheim [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Rotlichviertel Frankfurt am Main

By Arne Hückelheim [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Die WAZ berichtet von einer Auseinandersetzung um Bordellstandorte in Oberhausen. Dieser Artikel macht mich als (nunmehr ehemalige – es reicht nämlich auch irgendwann) Wählerin der Partei DIE LINKE in Nordrhein-Westfalen sauer. Um nicht zu sagen STINKSAUER.Natürlich würde ich erwarten, dass eine linke Partei sich gegen die VERLAGERUNG eines Bordellstandorts und für die Abschaffung der Prostitution ausspricht, ABER die Aussage des „SOZIALEXPERTEN“ der LINKEN Jörg Pusch über die aktuell „ideale Lage“ des bestehenden Rotlichtviertels lautet vielmehr:

„Die zentrale Lage ist vorteilhaft für die Sicherheit der dort arbeitenden Frauen. Dadurch, dass sie in der Mitte der Gesellschaft ihrer Tätigkeit nachgehen, ist die Gefahr durch Übergriffe deutlich geringer als an einem Standort am Rand.“

Linken-Ratsfrau Ingrid Diepenbrock stößt ins gleiche Horn:

„Sexarbeit darf nicht im Verborgenen stattfinden! Dort wird sie gefährlich. Populistisches Geschrei nach Verboten und Verlagerungen hilft weder den Prostituierten noch den Opfern von Menschenhandel.“

Aha, haben sich denn die beiden linken KommunalpolitikerInnen mit der aktuellen Lage der prostituierten Frauen in der Oberhausener Innenstadt auseinandergesetzt? Mit der heilen, kuschligen, sicheren Arbeitsatmosphäre in der Flaßhofstraße? Ein kurzer Blick (knapp 30 Minuten Recherche) in die Freierforen bringt folgendes zu Tage:

Weiterlesen

Unser Gentleman der Woche: Marcel Guderjahn von der LINKEN Magdeburg für seine Sorge um „männerfeindliche“ Saunazeiten

Gentleman der Woche

Jhayne (modified) via Flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Gentleman der Woche

Jhayne (modified) via Flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Man hat es ja nicht leicht als Mann und als Linker. Immerzu droht die Ungleichbehandlung durch das ewig bevorzugte, weibliche Geschlecht. Kein Wunder also, dass Marcel Guderjahn, Stadtrat der LINKEN in Magdeburg sich sofort zur Aktion berufen fühlte, als eine Magdeburger Sauna ihre Öffnungszeiten änderte, so dass die Herren nun zwei Stunden weniger in der Woche saunieren dürfen als die Frauen. „Männerfeindlichkeit“ witterte der geschlechtersensible Stadtrat da sogleich und setzte sich für die besorgten Bürger ein, die ihn auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hatten. Immerhin ist Gleichbehandlung ein im Grundgesetz verbriefter Anspruch – und genau gegen jenen vermutet Guderjahn nun einen Verstoß – zu Ungunsten der Männer. Es bleibt zu hoffen, dass sich der engagierte Politiker ebenso für die Gleichbehandlung von Frauen einsetzt. Einschlägige Bemühungen konnten bei einer Kurzrecherche nicht gefunden werden. Wir freuen uns, wenn wir eines Besseren belehrt werden.