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Keine Bühne für Sexisten!

"End Rape Culture"

Chase Carter via Flickr, [CC BY-ND 2.0]

Widerstand gegen Anti-Feminismus

Folgender Aufruf erreichte die Störenfriedas:

Mal wieder wird der Antifeminist Justus Wertmüller, von einer sich als linksradikal verstehenden Gruppe, eingeladen, einen Vortrag halten. Am Donnerstag um 19 Uhr wird er in der Reil 78 (Reilstr. /Halle) seinen Vortrag mit klaren antifeministischen Positionen unter dem reißerischen Titel: „Infantile Inquisition — Die neuesten Übergriffe der Definitionsmacht“ halten. In diesem spricht er sich gegen das Konzept der Definitionsmacht aus, verharmlost Vorfälle sexualisierter Gewalt und zieht die Arbeit von Awareness-Gruppen ins Lächerliche.

Lasst uns dem antifeministischen Diskurs in Halle und sonst wo etwas entgegen setzen und dem sexistischen Gehabe und Gemackere Wertmüllers gehörig die (so langweilige) Show zu vermiesen!“ – das unterstützen die Störenfriedas natürlich sofort.

Wir wurden weiter gebeten, uns zum Vortrag von Justus Wertmüller am 30.10. in Halle zu äußern. Er wird darin, wie schon einige mal zuvor, sexualisierte Gewalt „naturalisieren“, Frauen als Opfern sexualisierter Gewalt das Recht auf Selbstbestimmung und Solidarität absprechen und sein sexistisches Basisverständnis in ekelhafte Frauenverachtung münden lassen.

Plädoyer für Opferschutz

Es ist kein Verbrechen, keine Straftat, kein Skandal, den Schilderungen des Opfers einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung bedingungslos zu glauben. Die Unschuldsvermutung wird nicht unterboten, wenn dem Opfer einer Straftat vorbehaltlos die erhobenen Vorwürfe geglaubt und übernommen werden. Wer was anderes sagt, hat die Unschuldsvermutung nicht begriffen, die einzig dazu dient, den Beschuldigten (!) vor einer Vorverurteilung zu schützen. Eine Verurteilung des Opfers ergibt sich aus der Unschuldsvermutung nicht. Die Unschuldsvermutung als Prinzip erfordert auch nicht, die Glaubwürdigkeit des Opfers anzuzweifeln. Für ein solches Verlangen muss es andere Ursachen geben als die Achtung vor der Glaubwürdigkeit eines Opfers sexualisierter Gewalt.

Irrational sind Unglaubwürdigkeitsvermutungen in jedem Fall: Die Quote an Falschbeschuldigungen im Deliktbereich der Sexualstraftaten ist geringer als zu anderen Straftaten. Frauenverachtung und misogyne Vorurteile sind als Basis der irrationalen Zweifel an der Glaubwürdigkeit eines weiblichen Opfers nicht auszuschließen. Frauenverachtung als sexistisches Basisverständnis dient als Verstärker für diese Form des Täterschutzes, die darauf abstellt, die Glaubwürdigkeit eines weiblichen Opfers im Ansatz und im Detail zu erschüttern.

Die Implikation einer Schuldvermutung, die in der Formulierung des „mutmaßlichen Opfers“ steckt, mit dem Hinweis, den Beschuldigten schützen zu wollen, ist nur das notdürftig verkleidete Verlangen, Sexualstraftaten nicht bestrafen zu wollen und die Beschuldigten der Strafverfolgung zu entziehen. Die Forderung nach einem Urteil zur Unschuld des Beschuldigten ergibt sich dabei für echte Frauenhasser aus dem männlichen Geschlecht des Täters und dem weiblichen Geschlecht des Opfers und dem mindestens unbewußt verinnerlichten „Naturrecht“ des Mannes auf sexuelle Verfügungsgewalt über den weiblichen Körper. Um die juristische Entsprechung des bereits getätigten moralischen Freispruchs wird dann vor Gericht und drumherum gestritten. Oft auch über die Strategie einer vollständigen Vernichtung des Opfers und inflationär vorgetragener Zweifel an der Glaubwürdigkeit, die sich bei Mann=Täter/Frau=Opfer-Konstellation beliebig durch Medien und Publikum vervielfachen lassen.

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