Schlagwort: hexenverfolgung

Ein Aufruf an Feministinnen, sich an das historische und geschlechterbasierte Wesen ihrer Unterdrückung zu erinnern

Das wirklich Brillante am Patriarchat…es verwandelt Unterdrückung nicht nur in etwas Natürliches, es sexualisiert den Unterdrückungsakt. Es erotisiert Dominanz und Unterwerfung. Es institutionalisiert sie als Maskulinität und Feminität. Also normalisiert, erotisiert und institutionalisiert Unterwerfung. Das Brillante am Feminismus ist, dass wir das erkannt haben.
– Lierre Keith

In den vergangenen Monaten wurden in den USA und anderswo so viele Gesetze erlassen oder vorgeschlagen, die eine Eskalation des Kriegs – ja, es ist Krieg – gegen Frauen anzeigen. Das Russische Parlament hat gerade mit 380 zu 3 Stimmen die Entkriminalisierung häuslicher Gewalt entschieden. Es ist ein Land, in dem durchschnittlich 40 Frauen pro Tag – 14.000 Frauen pro Jahr – von ihren männlichen Partnern ermordet werden.

Die Vereinigten Staaten, wo über 1000 Frauen pro Jahr von ihren Partnern ermordet werden, haben gerade einen Präsident gewählt, der damit prahlt, dass „wenn du ein Star bist, lassen sie es dich einfach tun, pack sie an der Pussy“ und in Pornografie und Menschenhandel verwickelt ist. Sein Plan ist es, die finanzielle Unterstützung für 25 Programme gegen häusliche Gewalt zu eliminieren und weiblichen Angestellten zu befehlen, sich „wie Frauen anzuziehen“. Texas denkt darüber nach, Frauen, die eine Abtreibung hatten, ihr Wahlrecht zu entziehen; Arkansas möchte Vergewaltiger in die Lage versetzen, Frauen zu verklagen, die abtreiben.

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Kampf gegen das Vergessen: Hartmut Hegelers Einsatz für die Opfer von Hexenprozessen

Hexenverfolgung

By Deutsch: unbekannter KünstlerEnglish: unknown artist (repro from artbook) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Die Hexenverfolgung gehört zu den dunkelsten Kapiteln europäischer Geschichte. Entgegen landläufiger Meinung fand sie nicht im angeblich „finsteren“ Mittelalter statt, sondern begann in der Frühen Neuzeit und reichte bis in die Aufklärung, die Lebenszeit von Goethe und Schiller hinein. Etwa 60.000 Menschen fielen ihr zum Opfer. Ihre Geschichte, das Leid, das die Hexenverfolgung über sie und ihre Familien brachte, ist vielerorts vergessen. Genau dagegen kämpft Hartmut Hegeler. Er gab den Störenfriedas ein Interview über seinen Einsatz für die Rehabilitation der Opfer und zu den Hintergründen der Hexenverfolgung.

Die Störenfriedas: Hallo Herr Hegeler, wir danken Ihnen sehr, dass Sie sich Zeit für ein Interview genommen haben. Seit rund 15 Jahren engagieren sie sich im AK „Hexenverfolgung“ und konnten gemeinsam mit Ihren Mitstreitern bereits in mehreren Städten die Rehabilitation von Opfern der Hexenverfolgung erreichen, so zum Beispiel in Köln, Dortmund, Wittenberg und im hessischen Taunus. Was genau bedeutet Rehabilitation?

Hartmut Hegeler: Eine Rehabilitation in juristischem Sinne ist nach so langer Zeit fast unmöglich, da die genaue Rechtsnachfolge der damaligen Territorien und Gerichte unklar ist und da viele Akten verloren gingen oder (absichtlich) zerstört wurden.
Rehabilitierung ist ein symbolischer Akt, damit deutlich wird: Das Unrecht soll nicht das letzte Wort haben. Das Unrecht und das Leiden, welches Frauen und Männern damals zugefügt wurde, kann nicht wieder gut gemacht werden. Aber gegen Unmenschlichkeit gilt es immer neu Stellung zu beziehen. Eine moralisch-sozialethische Rehabilitation der Verurteilten soll im Sinne der Menschenwürde, der Menschenrechte und der Humanität, der Wiederherstellung ihrer individuellen Ehre sowie dem dauerhaften Gedenken an diese unschuldigen Opfer dienen.
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Caliban und die Hexe: Was die ursprüngliche Akkumulation mit der Unterdrückung der Frau zu tun hat

Buchcover: Caliban und die Hexe

Silvia Federici : Caliban und die Hexe - Frauen. Der Körper und die ursprüngliche Akkumulation, Mandelbaum Verlag, 2012

Als Karl Marx seine Theorie der ursprünglichen Akkumulation entwickelte, betrachtete er die Weltgeschichte der Klassenkämpfe vor allem aus einer männlichen Perspektive. In „Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation“ stellt Silvia Federici dem einen explizit weiblichen Blick entgegen. Ihre These: Die Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit in Europa waren die Folge der Entstehung der kapitalistischen Gesellschaft – und stellt sie auch in den Kontext der Kolonialisierung.

Den Titel ihres Buches hat Federici von Shakespeares „Der Sturm“ entliehen – für sie steht Caliban als Symbol des Weltproletariats, während die Hexe den „Kosmos weiblicher Subjekte“ darstellt, der durch den Kapitalismus zerstört wurde – die Heilerin, die Hebamme, die weise Frau, die unabhängige und selbstbestimmte Frau, die spirituelle Frau, die Prostitutierte – die Hexe. Für Frederici war die Hexenverfolgung ein „Krieg gegen die Frauen“, der weibliche Körper ein Subjekt der kapitalistischen Ausbeutung.

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