Schlagwort: Menschenhandel

Deutsche Zustände

Zuganstüren in einem Bordell

By Usien (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Ein Gastbeitrag von Huschke Mau

Es ist ein Samstag im September. Ich bin extra früh aufgestanden, weil ich zum Sport wollte. Aber das kann ich jetzt knicken, denn vor dem Sport sollte man ein bisschen was essen, und ich krieg jetzt nichts mehr runter. Ein Hoch auf die fatale Angewohnheit, noch vor dem Frühstück in die sozialen Medien zu gucken. Hätte ich mir sparen sollen.

Es ist ein Samstag im September, und ich lese, dass ein Bordellbetreiber, ein verurteilter Menschenhändlermit Kontakten in die organisierte Kriminalität, Prinz Marcus von Sachsen-Anhalt, im Fernsehen aus dem Nähkästchen plaudern darf. Darüber, wie reich ihn die Ausbeutung von Frauen gemacht hat. Darüber, wie das so läuft, wenn er Frauen an andere Zuhälter verkauft. Darüber, wie er die Frauen hat 16 Stunden am Tag schaffen lassen und darüber, wie viel Kohle ihm das gebracht hat. Darüber, dass er sich für einen „guten Luden“ hält. Und darüber, wie lustig das ist, dass die Polizei das alles für Sklaverei hält.

Denn in Deutschland, dem Land mit dem liberalsten Prostitutionsgesetz der Welt, haben im Jahr 15 seit Verabschiedung eben jenen Gesetzes Menschenhändler, Zuhälter und Bordellbetreiber nichts weiter zu fürchten. Sie sitzen gelackt und geschniegelt in Talkshows und können sich offen über ihren Job verbreiten, sie sind angesehene Geschäftsmänner und wenn sie Ärger mit der Justiz bekommen, dann höchstens wegen Steuerhinterziehung. Willkommen in einem Land, für dessen Bevölkerung Zuhälter und Menschenhändler nicht verachtens- und ächtenswert, sondern Unterhaltung sind. In der sie als schillernde Vögel durch ihre Bordelle führen dürfen. In der sie Promis sind, deren Knasterfahrung und Nähe zu den Hells Angels höchstens noch als spannend angesehen werden.
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Bekenntnisse eines Menschenhändlers – das Milliardengeschäft mit den Flüchtlingen

Buchcover: Bekenntnisse eines Menschenhändlers

Andrea Di Nicola, Giampaolo Musumeci: Bekenntnisse eines Menschenhändlers, Verlag Antje Kunstmann, 2015

Die Zahlen, die uns in den letzten Tagen erreichten, machen fassungslos. Tausend Menschen starben innerhalb weniger Tage bei dem Versuch, Europa zu erreichen. Viel wird diskutiert darüber, wie damit umgegangen werden soll, dass Menschen alles riskieren, um in Europa die Chance auf ein besseres Leben zu bekommen. Unsichtbar bleiben dabei jene, die an diesem Elend, ja am Tod von hunderten, sehr gut verdienen: Die Menschenhändler. Menschen, die verzweifelt sind und alles darauf setzen, aus ihrer Heimat zu fliehen und irgendwo neu anzufangen, sind willkommene Opfer für Schlepper und Menschenhändler, die mit dem Flüchtlingselend reich werden. Andrea Di Nicola, Rechtswissenschaftler und Giampaolo Musumeci, Journalist, haben diese Menschenhändler getroffen, ihre Methoden erforscht und zeichnen das Bild eines lukrativen Handels mit dem Elend, bei dem ein Menschenleben nichts zählt.

Bekentnisse eines Menschenhändlers – Das Milliardengeschäft mit den Flüchtlingen heißt das Buch, das vor wenigen Wochen im Antje Kunstmann Verlag erschienen ist und einen bislang kaum bekannten Aspekt dieser menschlichen Katastrophe aufzeigt: Die Schattenwirtschaft der Schlepper, Schleuser und Menschenhändler, die mit dem Flüchtlingselend reich werden. Im Kapitalismus lässt sich aus allem Profit schlagen, am meisten aber aus der ausweglosen Verzweiflung von Menschen, die alles verloren haben.

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Zeit der Namenlosen – ein Film über Menschenhandel

Logo: Augsburger/innen gegen Menschenhandel

Am 30. November und am 01. Dezember um 19 Uhr wird die Initiative Augsburger/Innen gegen Menschenhandel den Film „Zeit der Namenlosen“ im Thalia-Kino in Augsburg zeigen. Anschließend stehen Filmemacherin Marion Leonie Pfeifer, Helmut Sporer von der Kripo Augsburg, Klaus Engelmohr von Projekt X und Frau Hieble von SOLWODI Augsburg für eine Gesprächsrunde zur Verfügung.

Kurzinfos zum Film: Neben dem Drogen- und Waffenhandel gilt die Versklavung mittlerweile als das lukrativste Geschäft der Organisierten Kriminalität. Anhand der Aussagen von Opferzeuginnen, Mitarbeiterinnen rumänischer und deutscher NRO’s sowie Kriminalbeamten vom BKA Wiesbaden und dem Polizeipräsidium München werden in der Dokumentation von Marion Leonie Pfeifer die perfiden Strukturen des Frauenhandels aufgezeigt. Der überwiegende Teil der Prostituierten, die in Deutschland arbeiten, sind Ausländerinnen, viele davon sind von Menschenhandel betroffen. Die Zahl der Zwangsprostituierten, die auch in „offiziellen“ Bordellen eingesetzt werden, steigt. Das Prostitutionsgesetz sollte die Lage der Prostituierten verbessern, in der Praxis wurden die Rechte der Bordellbetreiber und Zuhälter gestärkt.

Julian Blanc wird zu Recht verurteilt – aber wer kritisiert die globale Wirtschaft für ihren Frauenhass?

Brass Rail Toronto

von Hard Seat Sleeper (The Brass Rail) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Es ist einfach, einen globalen und systematisch organisierten Zusammenhang auf „einige wenige böse Jungs” zu reduzieren. Das wird deutlich an Fällen wie dem „Dating-Ratgeber“ Julien Blanc. Blanc tourt durch die Welt, um Männern die Pick-Up-Kunst, (zu Deutsch etwa „Die Kunst des Abschleppens“) beizubringen. Er zeigt die Misogynie, die der Pick-Up-Szene innewohnt, indem er andere Männer in seinen Techniken aus Gewalt und emotionalem Missbrauch gegenüber Frauen unterrichtet. Nachdem es einen öffentlichen Aufschrei gegeben hatte, wurde Blanc aus Australien ausgewiesen, bevor er sein in Melbourne geplantes Seminar halten konnte. Seine Methoden beinhalten das Würgen von Frauen und ihre Gesichter gewaltsam in den Schoß zu ziehen – Verhalten, das typisch für Pornographie ist. Aber während Blanc zu Recht kritisiert wird, bleiben jene Institutionen, die von solchen Bildern profitieren, verschont.

Global betrachtet hat sexuelle Gewalt epische Ausmaße erreicht. Eine von drei Frauen ist betroffen. Während die sozialen Zusammenhänge häufig angesprochen werden, bleiben die ökonomischen und politischen Hintergründe unerwähnt. Diese Gewalt muss im Kontext der globalen Wirtschaft betrachtet werden. Bis die Betreiber sexueller Gewalt gestellt werden, werden uns Männer wie Blanc immer wieder begegnen. Tatsächlich ist Blanc nicht die Ausnahme der Regel, in einer globalisierten und misogynen Gesellschaft ist er eher die Normalität.

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Die Brille, die eine trägt

Klatschmohn

Klatschmohn [Public Domain], via PIxabay

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Abschalten. Das war mein erklärtes Ziel, als ich in den Flieger gestiegen bin.

Einfach mal andere Dinge ansehen und lesen. Konzentrieren auf das Schöne, das Unbelastete, das Schwerelose. Weg von Patriarchat, Kapitalismus, Ausbeutung und der Beschäftigung damit.

Das eigene Trauma irgendwo parken, wo es keine Gelegenheit hat, mitzureisen.

Eine schöne Utopie.

Der Radikalfeminismus hat mich verändert.

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