Schlagwort: nein heißt nein

Im Westen nichts Neues – Kriegsschauplatz Frauenkörper

We don't need no patriarchal education.

Public DomainChristopher Dombres

Erinnert ihr euch noch an das Sommerloch vom letzten Jahr? Damals ging es um das „Hotpants-Verbot an deutschen Schulen“ – alle diskutierten mit und regten sich auf. Jetzt, ein Jahr später, geht es wieder um Frauenkörper und was sie tragen – diesmal um die Burka und den Burkini. „Gesicht zeigen ist Teil unserer Kultur“, hört man da von offizieller Seite und wundert sich, warum das offensichtlich nur für Frauen gilt, nicht aber für Polizisten auf Demonstrationen. In allen Kommentarspalten, auf Facebook und in den Zeitungen selbst geht es nun hoch her, von „westlichen Werten“ ist die Rede und von gewollter Provokation, als vorgestern eine Frau im Burkini von französischen Polizisten am Strand dazu gezwungen wurde, Kleidung abzulegen, vor ihrem weinenden Kind. Parallel dazu wird Gina-Lisa Lohfink zu 20.000 Euro Strafe wegen Falschbeschuldigung verurteilt. Die Richterin erklärte, in dem Video, das übrigens von den Tätern selbst als „Vergewaltigungsvideo von Gina-Lisa Lohfink“ kurz nach der Tat Journalisten angeboten wurde, wirke es, als „würde sie [Gina-Lisa Lohfink] posen“ und außerdem „verhöhne“ sie „echte Vergewaltigungsopfer“. Genau zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin und Feministin, ihr Buch „Vergewaltigung – Aspekte eines Verbrechens“, nachdem kurz zuvor schon Alice Schwarzers Buch „Der Schock“ über die Silvesternacht die Bestsellerlisten gestürmt hat. Im Zusammenhang mit Gina-Lisas Fall und den Ereignissen der Silvesternacht wurde das Sexualstrafrecht überarbeitet – „Nein“ soll demnach ab sofort auch wirklich „Nein“ heißen. Nur auf den ersten Blick stehen diese Ereignisse und die Reaktionen darauf in keinem Zusammenhang, tritt man einen Schritt zurück und unterzieht sie einer radikalfeministischen Analyse, so wird schnell deutlich, dass wir gerade Zeuge einer Entwicklung werden, die Grundlegendes über die Stellung von Frauen in westlichen Gesellschaften aufzeigt.

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Rücklauftaste bitte: Reaktionen auf einen Meilenstein der Sexualstrafrechtsreform

No More Rape

by chrisjtse via Flickr, [CC BY-ND 2.0] (modified)

 

Zur Sachlage: Der Bundestag hat vorgestern, am 7. Juli 2016 beschlossen, dass der „Nein heißt Nein“-Grundsatz in den §177 StGB einfließt. Er hat auch beschlossen, dass unter §184i künftig der Straftatbestand „Sexuelle Belästigung“ eingeführt wird und unter §184j auch Gruppendelikte erfasst werden, die sich auf die Verletzung sexueller Selbstbestimmung beziehen.

Liebe Männer!

Da ihr es leider nicht hinbekommt, ein „Nein“ nicht als das zu verstehen, was es ist, nämlich ein „Nein“ – das kann mein Patenkind übrigens schon sehr lange und das Kind ist 3 – musste u. a. dieses Gesetz her. Auch wenn ihr uns demnächst mal wieder ungefragt an den Hintern oder sonst wo hin grabscht, dürfen die „hysterischen“ Feministinnen dies fortan nicht nur für sich als das bezeichnen, was es ist, nämlich sexuelle Belästigung, es gibt jetzt auch eine formal-juristische Verankerung und Handhabe (bislang speiste man uns in solchen Fällen mit dem Straftatbestand „Beleidigung“ ab, aber auch nur dann, wenn bestimmte Voraussetzungen dabei erfüllt waren und ein Staatsanwalt morgens mit den richtigen Fuß aufgestanden war und Lust dazu hatte). Auch solche Fälle, in denen ihr euch entscheidet, die Machtmaxime zu wählen und euch in kollektiv-dominant versammelter Männlichkeit entscheidet zu belästigen und/oder zu vergewaltigen, werden nun gesondert erfasst und – zumindest formal-juristisch – geahndet werden. Traurig aber wahr: Da ihr es nicht selbst auf die Kette kriegt, euch (in Gruppen) am Riemen zu reißen und stattdessen alle möglichen (vermeintlichen) Komfortzonen zu Orten kollektiver Bedrohung und Angst für Frauen macht, muss es ein Gesetz geben.

Irgendwie schon traurig, liebe Männer, oder nicht? Dass ihr euch so wenig selbst im Griff habt. Aber wie gesagt, ihr habt die Wahl:

Hört auf, sexuelle Gewalt auszuüben! So einfach ist das. Weiterlesen