Schlagwort: porno

Pornos sind Hassrede: Warum wir nicht länger wegschauen dürfen!

Vor kurzem hat Pornhub seine Statistiken für das Jahr 2016 veröffentlicht. 23 Milliarden Besucher hatte die Seite im vergangengen Jahr, 91 Milliarden Videos wurden angeschaut. Deutschland liegt mit seiner Nutzerdichte nur noch auf Platz 7, was zunächst erfreulich klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als blanker Hohn gegenüber den Opfern sexueller Gewalt: Auf Platz 1 der am häufigsten gesuchten „Pornostars“ (so nennt es Pornhub selbst) liegt Gina-Lisa Lohfink, die im vergangenen Jahr erst einen Prozess gegen zwei Männer verlor, die sie gegen ihren Willen beim Sex filmten und das Video hochluden. Gina-Lisa Lohfink zeigte die Männer wegen Vergewaltigung an, die beiden wurden nicht nur freigesprochen, sondern Gina-Lisa Lohfink wurde parallel dazu in einem demütigenden Prozess zu einer hohen Strafanzahlung wegen einer Falschbeschuldigung verurteilt.

Zu den weltweit am häufigsten gesuchten Suchbegriffen gehören „Teen“ – also Filme, in denen die Darstellerinnen absichtlich auf ein minderjähriges Aussehen getrimmt werden, „Step Sister“, in dem inzestuöser bis erzwungener Sex unter Geschwistern dargestellt wird, sowie „Japanese“ und „Ebony“. Die beiden letzten Kategorien zeigen DarstellerInnen entlang ihrer Hautfarbe an, japanische Frauen gelten als besonders unterwürfig, schwarze Frauen als „wild“ und werden dementsprechend „rau“ behandelt. Alles beim Alten also in der Pornowelt: Sie ist rassistisch und verharmlost sexuelle Gewalt. Die Kritik daran ist nicht neu.

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Der Zuhälterstaat und die Sexindustrie – Kat Banyard: Pimp State

Buchcover "Pimp State" von Kate Banyard

Die Zahlen zur Sexindustrie sind erschreckend: 50 Prozent der Frauen landen bereits vor ihrem 18. Geburtstag in der Prostitution, über 50 Prozent werden von Freiern vergewaltigt und fast alle haben Missbrachserfahrungen und/oder sind drogenabhängig. Pornos werden immer gewalttätiger und extremer. Prostitution ist sexuelle Gewalt, Porno ist – und der Anteil steigt – zu großen Teilen gefilmte sexuelle Gewalt. Trotzdem wächst die Sexindustrie in jedem Jahr, verschleißt rücksichtslos tausende von jungen Frauen weltweit und erfreut sich einer zunehmenden „Akzeptanz“ in der Mitte der Gesellschaft. Wie ist das möglich? Genau dieser Frage geht die britische Feministin und Wissenschaftlerin Kat Banyard in ihrem Buch „Pimp State: Sex, Money and the Future of Equality“ nach, das bereits im Juni 2016 bei Faber & Faber erschien und leider bislang noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegt. Trotzdem gilt es bereits jetzt als Status Quo Grundlagenwerk für alle, die sich mit den Zusammenhängen der Sexindustrie beschäftigen.

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Wie die Sexindustrie über Leichen geht – Sexindustry Kills

Jack The Ripper

See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Im September berichteten wir erstmals über ein spannendes Projekt, das Wiki „Sexindustry kills“, welches alle Fälle zu Morden, Mordversuchen und Verbrechen an Prostituierten zusammenträgt. Es ist eine Galerie des Schreckens. Mord und Vergewaltigung gehören zu den “Berufsrisiken” der Prostitution.

Seitdem hat sich viel getan: Das Wiki wurde auf einen eigenen Server umgezogen und wurde um eine Kategorie erweitert: die Pornoindustrie. Bis dato sind bereits mehr als 400 Personen aufgelistet, die in diesem Geschäftszweig der Sexindustrie tätig waren und nach dem immer gleichen Muster in jungen Jahren starben: durch Selbstmord, Mord, Drogen, Alkohol, Unfälle, Krankheiten. Die Recherchearbeit ist noch lange nicht zuende, hier wird noch ständig ergänzt, viele Stunden wurden bereits investiert – und die Aufarbeitung wird auch noch eine ganze Weile dauern, wie es von den Initatorinnen heißt.

Viele solcher Listen existieren bereits im Netz, Sexindustry kills versucht jedoch den Betroffenen ein Gesicht zu geben und ihre Geschichten zu erzählen.

Zwei solcher Geschichten wollen wir hier exemplarisch zusammenfassen:
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Warum Sex nicht einfach positiv ist

Sex in progress, do not disturb

By Nevit (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Sexpositive Feministinnen erklären, in Abgrenzung zur radikalfeministischen Perspektive, Sex zu einem Mittel der persönlichen Befreiung. Jede Kritik an mit Sex verbundenen Institutionen, wie der Pornografie oder der Prostitution, sehen sie im Zusammenhang mit einer moralisch-konservativen Haltung, die Sex tabuisieren oder reglementieren will. Das führt mitunter zu seltsamen Auswüchsen. So erklärte die Mädchenmannschaft Linda Lovelace, die Darstellerin aus dem „Kultfilm“ Deep Throat zu einer „Akteurin in der Geschichte des Blowjobs“. Linda Lovelace wurde zu den Pornodrehs gezwungen, sie wurde geschlagen und erniedrigt. Das hat sie selbst später immer wieder berichtet. Sie ist also keine Akteurin, sondern ein Opfer. Wenn Sexualität aber Opfer hervorbringt, dann kann sie nicht einfach harmlos oder schlicht „positiv“ sein, deshalb wird Linda Lovelace lieber zu einer „Akteurin“ erklärt als als Opfer benannt. Das ist das Problem, wenn eine Haltung zum Dogma wird. Betroffene sexueller Gewalt sind nach dieser Lesart also nur „Akteure“ im Drama ihrer eigenen Vergewaltigung. Das ist eine Einstellung, die im Namen von sexpositiven Feminismus die Opfer sexueller Gewalt verhöhnt, in dem die ihnen geschehene Gewalt relativiert wird.

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Porn Chic – die Pornifizierung des Alltags

Buchcover: Porn Chic

Nicola Steffen: Porn Chic - Die Pornifizierung des Alltags, dtv, 2014

Pornos haben unseren Alltag durchdrungen. Musikvideos, Werbung, Mode – überall finden sich Anspielungen und Anleihen an den Porno. Seit den 90er Jahren lässt sich eine von den Medien vorangetriebene Pornifizierung unseres Alltags beobachten, die sich sogar im Porno Chic für Kinder (bauchfrei, Stringtangas, Miniröcke, Stiefel mit Absätzen) niederschlägt. Nicola Steffen hat in ihrem gerade erschienen Buch „Porn Chic – die Pornifizierung des Alltags“ den Einfluss der Pornoindustrie auf unsere Kultur untersucht und kommt zu bedenklichen Ergebnissen: Damit Pornos sich besser verkaufen, findet eine Pornifizierung unseres Alltags statt, der auch vor Kindern nicht Halt macht. Dabei ist der Porno keineswegs Motor eines gesellschaftlichen Fortschritts, sondern bleibt klischeehaften Rollenbildern verhaftet: Männer verüben Gewalt an Frauen, beschimpfen sie, die Frau ist unterwürfig und machtlos. Die Identität von Frauen wird über ihr Aussehen festgelegt – wer den Körperstandards nicht entspricht, hat in dieser Gesellschaft keine Chance. Dabei sind es die Körperstandards von Pornostars – nach diversen Operationen.

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Digitales Verderben – was macht Pornokonsum mit Kindern und Jugendlichen?

Buchcover: Digitales Verderben

Anne und Christoph Wörle: Digitales Verderben - Wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert, mvgVerlag, 2014

Laut Umfragen haben fast die Hälfte aller 11-13jährigen in Deutschland bereits Pornos gesehen,  50 Prozent der 16-17jährigen männlichen Befragten konsumierten 2010 täglich Pornos. Was macht Pornokonsum mit Kindern und Jugendlichen? Dieser Frage sind die beiden Journalisten Anne Sophie und Christoph Wöhrle in „Digitales Verderben – wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert“ nachgegangen. Die freie Verfügbarkeit von Pornografie und ihr Einfluss auf Heranwachsende ist das Thema vieler Untersuchungen und Publikationen. Während einige darauf hinweisen, dass Medien unsere Bilder und Wermaßstäbe prägen und gar von einer „sexuellen Verwahrlosung“ (Buchtitel von Michael Schetsche und Renate-Berenike Schmidt aus 2010), finden andere Pornokonsum bei Kindern und Jugendlichen vollkommen ok und sehen darin ein Zeugnis sexueller Freiheit.

Das Internet hat das Medienverhalten von jungen Menschen grundlegend verändert. Durch Chats und Google, durch Smartphones und soziale Netzwerke findet heute ein Großteil der Kommunikation und der Informationssuche im Internet statt. Auch große Datenmengen können schnell und mobil verschickt werden.

Wer heute jung ist, bewegt sich im Netz. Das Internet ist wie ein Kompass, es zeigt in alle Himmelsrichtungen, filtert aber nicht, ann der Zeiger auf eine sichere Straße führt und wann auf einen Irrweg,

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Weibliche Sexualität – oder das Leben ist zu kurz für zufällige Orgasmen

Femme, Frau, Sexualität

via Pixabay, Public Domain CC0

Wir haben uns als Störenfriedas Gedanken darüber gemacht, warum bei all diesen Diskussionen um Porno, um Prostitution, um Rape Culture und um die Sprache dazu immer der männliche Blick auf Sexualität im Vordergrund steht und uns ist dabei bewusst geworden, dass wir selbst diesen Blick auch einnehmen, wenn wir dieses Verhalten kritisieren. Der Fokus liegt immer auf dem Mann. Aber was ist mit unserer Sexualität? Es gibt unterschiedliche Studien, die belegen, dass Frauen beim Verkehr mit ihren Partner keinen Orgasmus haben. Sie genössen aber das Gefühl der Nähe und hätten auch ein gewisses Gefühl der Erregung. Körperliche Ursachen für den ausbleibenden Orgasmus gibt es nicht. Bei der Selbstbefriedigung klappt es. Ich habe mit vielen meiner Freundinnen – meiner nichtfeministischen Freundinnen – gesprochen und tatsächlich – sie schlafen mit ihren Freunden, ohne je selbst einen Orgasmus zu haben. „Das ist mir nicht so wichtig“, sagen sie dann. Ich habe dann den Kopf schief gelegt und gefragt: „Hattest du denn jemals einen, dass du so etwas sagen kannst?“ – denn ich kann einfach nicht begreifen, dass Frauen auf so einen elementaren Teil ihrer Sexualität einfach so verzichten, nur weil ihre Partner nicht in der Lage sind, auf die Bedürfnisse ihrer Freundinnen einzugehen. Ich habe mich in meinem Leben irgendwann entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Mir war meine Lust nicht egal, ich habe sie nicht irgendeiner Partnerschaft untergeordnet, ich wollte das genau wissen, was mich anmacht und warum und ich habe so manche Ausflüge an bizarre Orte unternommen, um dann festzustellen, ob mir das gefiel oder nicht. Aber ich bin den Dingen auf den Grund gegangen, meiner eigenen Lust. Bin ich eigentlich lesbisch? Oder stehe ich nur auf bestimmte Frauen? Bin ich also bi? Aber eigentlich schlafe ich am liebsten mit Männern. Ich mag Dominanz – geht das als Feministin überhaupt und bin ich deswegen SMlerin? Alles Fragen, die zu klären waren – und ich habe sie geklärt für mich selbst und kann deshalb frei und unbefangen mit mir und meiner Sexualität umgehen. Aber der Weg dahin war steinig. Und oft auch ziemlich lustig.

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„How Porn Creates the John: Porn, Trafficking and the Social Construction of Masculinity“

Porn Kills Love - Fight For Love - Streetart

by torbakhopper via Flickr, [CC BY-ND 2.0]

Gail Dines Rede in Jerusalem – wie der Porno Männlichkeit, Sexualität und die Entmenschlichung der Frau konstruiert – leider ohne deutsche Untertitel. Trotzdem hörenswert. Ihr Buch „Pornland“ erscheint in wenigen Tagen auch auf Deutsch.

Über das Wesen des Porno

Peep show, Porn Cinema

By Gates of Ale (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Porno, was heißt das eigentlich? Das Wort Pornografie setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen, aus „Pornä“, dem Wort für Hure und „Graphie“, der Darstellung, also der Hurendarstellung. Bereits an dieser Stelle muss über den Zusammenhang von Prostitution und Pornografie gar nicht erst weiter diskutiert werden. Doch tatsächlich geht es in diesem Text darum, das Wesen des Pornos, seine Funktion und seine Zusammenhänge und seine vielfältigen Deutungen zu durchdringen, um, so die zunächst mal nur als Hypothese im Raum stehende Formulierung zu belegen, dass er Frauen erniedrigt und zu Objekten macht und eine Institution des Patriarchats ist, die es abzuschaffen gilt, wollen wir in einer wahrhaft gleichberechtigten Gesellschaft leben.

Die Behauptung, Pornografie sei ein Mittel der sexuellen Befreiung der Frau und nicht ihrer Versklavung ist so alt wie die Debatte um Pornografie selbst.

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Alternative Porn – ist doch alles Kunst!

Deep Throat Poster

By Employee(s) of Bryanston Pictures or a subsidiary [Public domain], via Wikimedia Commons

Porno ist in Deutschland längst salonfähig. Das hat nicht nur etwas mit Gewöhnung zu tun, das hat auch etwas damit zu tun, dass es der Branche erfolgreich gelungen ist, ihre eigene Arbeit als „Kunst“ umzudefinieren. So wird dann aus „Deep Throat“ Kulturgut, in Kinos, auf Veranstaltungen, soll endlich wieder über Porno diskutiert werden und wer den Porno kritisiert, ist nicht nur altbacken – sondern hat auch einfach keine Kultur, hat die akademische Debatte nicht verstanden. Das ist eine Diskursverschiebung, die nicht erst seit gestern zu beobachten ist, die aber an Schärfe gewinnt angesichts der sich gerade neu formierenden Bewegungen „Stopp Sexkauf“ und „Stop Porn Culture Deutschland“, die mit heftiger Kritik an Pornografie auf die Bühne traten und prompt die oben genannten Argumente zu hören bekamen.

Bereits seit einigen Jahren ist der Begriff „Alternative Porn“ immer öfter zu hören, der eine ganz eigene Agenda verfolgt. Es handelt sich um eine besonders perfide Art, den Porno wieder gesellschaftsfähig zu machen – ganz wie damals, bei „Deep Throat“ – also Porno wieder zu Kunst zu machen, ist der „Alternative Porn“. 2006 lud Filmemacher Jürgen Brüning in Berlin zum Pornfilmfestival ein, wo über Porno als Kunst diskutiert werden sollte. Untergrundporno, Frauenporno, alles war vertreten. Und, sind wir nicht alle ein bisschen Porno?

Alternative Porn will seit etwa 1999 weg vom Gonzo Porno, von den blondierten Darstellerinnen mit den Riesenbrüsten, von der Brutalität, es ist so eine Art Öko-Porno. Und damit ein Türöffner für den Porno in die Gesellschaft. Alternative Porn begann mit Darstellerinnen, die Punks oder Gothics waren, ganz anders, als das, was man so gewohnt war. Alternativ eben. „Ficken mit Anspruch“ war und ist die Devise. Der Filmwissenschaftler Tim Stüttgen veranstaltete 2007 das Symposium „Post Porn Politics“ – Porn goes Academic kann man sagen. Er selbst ist Darsteller in sogenannten „Kunstpornos“. Es gibt inzwischen dank Jürgen Brüning das erophil, ein erotisches Literaturfestival, sondern seit 2009 auch das Pornfestival in Zürich.

Eigentlich wollte ich Revolutionär werden [1]

sagt Brüning über sich selbst.
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