Schlagwort: Privilegien

Warum eine Bundespräsidentin kein Sieg des Feminismus ist

Hände

Exchanges Photos via flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Joachim Gauck will nicht mehr Bundespräsident sein. Die Spekulationen laufen auch Hochtouren und schon gibt es eine fleißig auf Facebook beworbene Seite, die 68 Kandidatinnen für das Amt der Bundespräsidentin vorschlägt, alle samt hochgebildet und hochdekoriert. In den USA behauptet Hillary Clinton gerade, sie würde als erfolgreiche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten Geschichte schreiben. Frauen, so sagt sie, sollten sie wählen. Weil sie eine Frau ist. „Gender Identity Politics“ nennt man das. Frausein wird in die Waagschale geworfen, um Frauen als Unterstützerinnen zu mobilisieren. Was aber bringt es den Frauen in Deutschland, in den USA wirklich, wenn Frauen die höchsten Ämter bekleiden? Dass das mit feministischem Siegestaumel nur wenig zu tun hat, zeigt ein ernüchternder Blick auf die Lage der Frauen unter zehn Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel. Wir kämpfen noch immer verzweifelt darum, dass „Nein“ endlich „Nein“ (oder konkret: Nur „Ja“ auch wirklich „Ja“) heißt und sexuelle Gewalt konsequent bestraft wird. Frauen werden nach wie vor schlechter bezahlt, Prostitution ist in Deutschland legal, sexistische Werbung allgegenwärtig und Frauen werden nach wie vor auf vielfältige Weise diskriminiert. Um „Frauenthemen“ machte Angela Merkel in ihrer Kanzlerschaft bislang erfolgreich einen Bogen – weil es ihrer Macht Abbruch getan hätte. Hillary Clinton verriet andere Frauen, als sie sie unter Druck setzte, die sexuellen Übergriffe ihres Mannes zu vertuschen. Und was wissen die Frauen, die jetzt als Kandidatinnen für das BundespräsidentInnenamt gefeiert werden, wirklich über Frauenalltag in Deutschland – und sind sie, nur weil sie auch Frauen sind, dazu geeignet, ihn zu verbessern?

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„Affektive Arbeit“ – der neue Pelzmantel für Prostitution

Prostitution is Human Trafficking

Markus Walker via Flickr [CC BY-NC-SA 2.0]

Ab und an habe ich das Bedürfnis, mir anzuschauen, was der deutsche Wissenschaftsbetrieb mehr oder weniger aktuell zum Thema „Prostitution“ zu sagen hat.

Mein Meinungsbild hat sich auf Erfahrungen von Überlebenden sowie Erkenntnissen essentieller Studien wie die von Melissa Farley et al. aufgebaut. Insofern gehe ich in diesem Bestreben, im aktuellen Wissenschaftsapparat zu lesen, nicht davon aus, dass mich irgendwelche „neuen“ Erkenntnisse von meiner Ansicht, dass Prostitution nichts anderes als kommerzielle sexuelle Ausbeutung und damit sexuelle Gewalt ist, abbringen können. Aber es interessiert mich, wie und in welcher Weise zum Themenkomplex „Prostitution“ Wissenschaft in die Geschichte hineingeschrieben wird. Zugegeben, es schwingt auch immer ein wenig Hoffnung mit, Hoffnung, die aus der Tatsache der vielfach gesilencten Stimmen, die die Hölle von innen gesehen haben, entspringt. Das innige Bedürfnis, auf Wissenschaftlerinnen oder Menschen allgemein zu stoßen, die sich allumfassend und ganzheitlich dem Thema gewidmet haben. Dazu gehört eben auch, die Gewalt anzuerkennen und zu benennen, die dem System Prostitution inhärent ist.

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