Schlagwort: sexualassistenz

Warum Sexualassistenz auch nur Prostitution ist

Pixabay CCO Public Doman

Ein Gastbeitrag von Huschke Mau

Die Debatte um Sexualassistenz hat mich richtig derbe aufgewühlt. Ich hab mehrere Nächte gebraucht um auseinanderzuklamüsern, was genau mich so fertig macht daran. Was mich daran hindert, einfach einen neuen bösen Text zu schreiben.

Ich bin nicht nur Exprostituierte, ich habe nicht nur Erfahrungen in der Prostitution. Ich hab auch mal für ein paar Wochen im Behindertenheim gearbeitet. Und während der Debatte sind mir so viele Bilder von damals wieder aufgetaucht. Wir hatten einen 50igjährigen auf der Station, der hatte seit einem Hirnschlag keinerlei Kontrolle mehr über sein Sprachvermögen (unter anderem). Und das bei vollem Bewusstsein. Greifen ging nicht mehr, essen ging nicht mehr, sprechen ging nicht mehr. Zu dieser Zeit hatte ich einen Flirt mit einem Pfleger auf der Station. Niemand hat das mitbekommen, nur der Patient hat immer gegrinst, wenn er uns beide sah, hat zwischen uns hin- und hergeschaut und die Augenbrauen neckisch hochgezogen. Wir haben uns angelacht und fortan wussten also 3 Menschen von diesem Geheimnis. Aber ich habe mich auch unglaublich geschämt, dass ich einfach so rumlaufen und mich verlieben und das auch ausleben darf, während andere das nicht mehr können. Dann war da noch eine Patientin mit Trisomie 21, die mich dauernd umarmt hat. Ich kannte das nicht von Zuhause, liebevoll angefasst zu werden, und hab gleich erstmal losgeheult. Und jeden Tag hat sie mich auf ihre Hochzeit eingeladen. Sie hat sogar schon Bilder gemalt, von sich und ihrem Kleid und den Luftballons und den Gästen. Wenn man auf die leere Stelle neben der Braut getippt und gefragt hat: „Wo ist denn dein Bräutigam? Wen willst du denn heiraten?“ meinte sie immer leichthin: „Och, das weiß ich noch nicht. Aber bis morgen ist doch auch noch Zeit!“

Heute Morgen hab ich dann endlich klargekriegt, was mich an der Debatte so fertig macht.

Weiterlesen

Willkommen im Freierparadies Deutschland

Hamburg St. Pauli Reeperbahn

By Moros (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Es war eine aufregende Woche im Kampf gegen Prostitution.  Am vergangenen Montag wurde in Kanada das Sexkaufverbot – Bill C-36 im House of Commons mit 156 zu 124 Stimmen beschlossen. Jetzt muss der Gesetz nur noch durch den Senat. Am Sonntag erreichte die Prostitutionsüberlebende Rosen Hicher nach einem 800 Kilometer Marsch die französische Hauptstadt Paris, wo sie von einer jubelnden Menschenmenge begrüßt wurde. Es bewegt sich etwas auf der Welt, gegen Prostitution, gegen eine überkommene und menschenfeindliche Insitution.

Nur Deutschland tut sich wie üblich schwer. In den kommenden Tagen wird hier wohl ein Gesetz beschlossen werden, dass in typisch deutscher Manier am besten mit „Regulierung“ überschrieben werden kann. Die Regierungskoalition hat unter dem Druck der vergangenen Monate keine andere Wahl, als sich irgendwie mit Prostitution zu beschäftigen – wenn auch nur widerwillig. Deshalb wurden zu den Anhörungen im Bundestag auch nur solche „Expertinnen“ eingeladen, die sich dezidiert für Prostitution aussprechen. Der Rest blieb – trotz Protesten ungehört. Aber Deutschland verwaltet eben gerne. Wir verwalten die Armut in Form von Hartz IV, den Krieg in Form von Waffenlieferungen und schönen Worten und unseren eigenen Rassismus in Form von kaum verhohlener Fremdenfeindlichkeit und Deutschtümelei, warum also nicht auch die Prostitution.

Weiterlesen