Schlagwort: störenfrieda der woche

Unsere Störenfrieda der Woche: Marie Equi

Marie Equi

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Marie Equi wurde 1872 in Massachusetts geboren. Mit 21 Jahren zog sie mit ihrer Partnerin Bess Holcomb nach Oregon und lebte mit ihr in einer so genannten „Boston Marriage“ (gesellschaftlich anerkannte Wohnpartnerschaft zweier Frauen).

Nachdem sich Bess Arbeitgeber weigerte, dieser ihren Lohn auszuzahlen, drohte Marie ihm ihn öffentlich auszupeitschen, falls er nicht bezahle. Weil die Drohung nicht fruchtete, wartete sie mit ihrer Peitsche vor seinem Büro und setzte ihre Ankündigung um, wofür sie von den Bewohner*innen der Stadt und den Medien bewundert und unterstützt wurde und den Titel „Miss Aqua“ erhielt. Sie verlosten die Peitsche und übergaben so Bess das ihr zustehende Geld.

Marie graduierte 1903 in Kalifornien als eine der ersten Frauen als Doktor der Medizin. In ihrer Praxis, in der hauptsächlich Frauen aus der Arbeiter*innenklasse behandelt wurden, lernte sie Harriet Speckart kennen und lieben und adoptierte mit ihr zusammen Tochter Mary. Mary überflog als junge Frau als jüngste Pilotin den Nordwestpazifik.

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Unsere Störenfrieda der Woche: Malalai Joya

Malalai Joya speaking in Finland

By AfghanKabul (Flickr) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Malalai Joya wurde am 25. April 1978 geboren und wuchs in Flüchtlingslagern im Iran und Pakistan auf, da ihre Familie während der Invasion der Sowjetunion im Jahr 1982 flüchten musste. Als neunjährige bot sie in Pakistan Alphabetisierungskurse für afghanische Frauen an. Als sie im Jahr 1998 nach Afghanistan zurückkehrte, wurde sie Aktivistin der Organisation for Promoting Afghan Women`s Opportunities.

Während die einen sie nach einer beeindruckenden und weltweit beachteten Rede vor der Loja Dschirga im Jahr 2003 als „Ungläubige“ und „Kommunistin“ beschimpften, bejubelten sie andere als die „mutigste Frau Afghanistans“. Nur zwei Jahre später wurde sie, mit 28 Jahren, als jüngste Abgeordnete aller Zeiten, in die Walesi Dschirga („Haus des Volkes“)  gewählt.

Ihr unerbittlicher Kampf gegen die Unterdrückung der Frau, Korruption, Kriegsverbrecher und den Drogenhandel (90 Prozent des weltweiten Opiums wird in Afghanisten angebaut) brachte ihr verbale und physische Bedrohungem, Vergewaltigungsdrohungen und mehrere Mordversuche ein. Sie bewegt sich deshalb nur mit einer Burka in der Öffentlichkeit, wird von 12 Leibwächtern beschützt und schläft nie länger als zwei Nächte an einem Ort. 2007 wurde ihr eine parlamentarische Sperre auferlegt, weil sie das Parlament als einen „Stall voll Tieren“ bezeichnet hatte, zahlreiche Gerichtsverfahren wurden gegen sie eingeleitet, ihr Reisepass konfisziert. Dies führte zu massiven Protesten der Bevölkerung.

Malalai Joya hält heute weltweit Vorträge über die Situation der Frauen und die allgemeine Lage in Afghanistan. Wegen ihrer massiven Kritik an der US-Besatzung erhielt sie zeitweise kein Visum für die Vereinigten Staaten. Den „Krieg gegen den Terror“ hält sie für eine Farce:

Keine Nation kann einer anderen Nation die Freiheit schenken […] Die USA wollen, dass die Dinge so bleiben wie sie sind; den Status Quo. Ein blutendes und leidendes Afghanistan ist eine gute Ausrede, um den Aufenthalt hier verlängern zu können. Heute begrüßen sie sogar wieder die Taliban.

Malalai Joya hat zahlreiche internationale Menschenrechtspreise verliehen bekommen – sie ist eine echte Störenfrieda.

Bücher/Porträts:

  • Malalai Joya: „Ich erhebe meine Stimme. Eine Frau kämpft gegen den Krieg in Afghanistan“, Piper, 2009 (erhältlich im Frauenbuchladen Thalestris)
  • Malalai Joya: „A Woman Among Warlords„, Simon & Schuster Inc., 2009 (erhältlich im Frauenbuchladen Thalestris)
  • Malalai Joya, in: „Revolutionäre Frauen. Biographien und Stencils“, Editions Assemblage, Münster, 2011 (erhältlich bei Fembooks)
  • Film: Eva Mulvad: Enemies of Happiness Dokumentation, Dänemark, 2006, 58 Minuten

Unsere Störenfrieda der Woche: Catharine MacKinnon

Catharine MacKinnon

By No machine-readable author provided. Crunk~commonswiki assumed (based on copyright claims). [Public domain], via Wikimedia Commons

Unsere Störenfrieda der Woche ist die US-amerikanische Feministin Catharine MacKinnon, die in den USA seit 30 Jahren zu den wichtigsten Vertreterinnen des Radikalfeminismus gehört und diesen maßgeblich beeinflusst hat. Sie ist studierte Rechtswissenschaftlerin und setzt sich in den USA für ein Verbot der Pornographie ein – weil diese die Menschenwürde von Frauen verletze. Leider konnte sie sich damit Anfang der 90er Jahre nicht durchsetzen. Catharine MacKinnon ist eine brillante Theoretikerin, mit Sätzen wie Messern, die die Machtverhältnisse des Patriachats mit den Instrumenten feministischer Theorie auseinander nimmt und mit ihrer Kritik an Pornographie, Prostitution und der Vergewaltigungskultur nicht verstummt. Ihre Gedanken haben ganze Generationen von Frauen zu Feministinnen gemacht.

Hier ist eine öffentliche Vorlesung zum Thema Prostitution von ihr:

Unsere Störenfrieda der Woche: Emma Goldman

Emma Goldman

By T. Kajiwara (Library of Congress[1]) [Public domain], via Wikimedia Commons

Emma Goldman, geboren am 15. Juni 1869 im heutigen Litauen, war eine Feministin und Anarchistin. Sie entwickelte nach ihrer Auswanderung in die USA im Alter von 17 die anarchistische Philosophie in den USA entscheidend mit, was ihr gleich mehrere Gefängnisaufenthalte einbrachte. Auslöser für ihr Interesse am Anarchismus war, dass sie mit ansehen musste, wie vier Anarchisten für die Beteiligungen an der sogenannten Haymarket Affäre mit dem Tode bestraft wurden. In New York verliebte sie sich in ihren langjährigen Lebenspartner Alexander Berkman, der ihre politischen Ansichten teilte. Goldman war Verfechterin der Polyamorie, denn in einer Gesellschaft ohne Herrschaftsverhältnisse kann es auch keine Besitzansprüche gegenüber einem Partner geben. Goldman war der Überzeugung, dass eine Revolution durch Reden allein nicht zu erreichen war, sondern insbesondere durch wirtschaftlichen Protest, direkte Aktion und vor allem den Generalstreik. Dem alleinigen Theoretisieren über eine bessere und andere Gesellschaft stellte sie gegenüber, dass Menschen erkannte Wahrheiten auch im Alltag leben müssen.

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