Schlagwort: väterrechte

Jammernde Väter

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Ein Gastbeitrag von Birgit Gärtner
Dieser Beitrag erschien am 05. August 2010 zuerst auf heise.de und ist Teil einer Reihe unregelmäßig erscheinender Artikel zum Thema Sorgerecht/Väterrechte.  Am 03.08.2010 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass unverheiratete Väter in Zukunft auch gegen den Willen der Mutter das Sorgerecht erhalten können und machte damit den Weg frei zu einer entsprechenden Gesetzesänderung.

Die rechtliche Ohnmacht des Mannes im Allgemeinen und des (ledigen) Vaters im Besonderen widerspricht der Wirklichkeit. Einige Anmerkungen zum Sorgerechtsurteil des Bundesverfassungsgerichts

Justiz und Medien haben eine neue Spezies entdeckt: diskriminierte ledige Väter bzw., Angehörige dieser unterdrückten Minderheit haben sich wirkungsvoll in Szene gesetzt und dieser Tage vor Gericht einen Erfolg in Sachen Sorgerecht erstreiten können – die mediale Zustimmung ließ nicht lange auf sich warten. Auch Telepolis stimmte in das Klagelied der Diskriminierten mit ein (siehe Mehr Recht auf Vater für die unehelichen Kinder). Zeit, dem großen Jammern mal ein paar Fakten entgegenzusetzen.

Die rechtliche Ohnmacht des Mannes im Allgemeinen und des (ledigen) Vaters im Besonderen wäre mir ein völlig neues Phänomen. Familien sind keine virtuelle Erscheinung, diskutiert in Foren und Blogs, sondern eine ganz konkrete Erfahrung im realen Leben – und da findet Vater in aller Regel nicht statt. Was nicht heißt, dass es nicht auch Gegenbeispiele gibt. Aber Väter, die sich gleichteilig in die Kindeserziehung einbringen wie die Mütter sind und bleiben nun mal die Ausnahme. Und Mütter sind ganz garantiert die Letzten, die sie davon abhalten.

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Das neue, alte Recht der Väter

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Unbemerkt von fast allen, die es nicht betrifft, findet in Deutschland eine bemerkenswerte Entwicklung statt, die das alte Recht der Väter neu installiert. Still und leise wird den veränderten Geschlechterrollen Rechnung getragen und werden alte männliche Privilegien durch die Hintertür neu bekräftigt. Patriarchat, das heißt nicht „Herrschaft der Männer“, sondern „Herrschaft der Väter“. Das Recht des Vaters an seinem Kind ist eine der Wurzeln weiblicher Unterdrückung, heute wie damals. Die Mittel seiner Ausübung mögen sich ändern, sein Anspruch aber bleibt bestehen.

Die drei Grundfesten patriarchaler Herrschaft: Recht am Besitz, Recht an der Frau, Recht am Kind

Sowohl Gerda Lerner, als auch Marilyn French und Mary Daly, genauso wie die matrifokale Forschung, bestimmen den Anfang patriarchaler Herrschaft etwa in das vierte Jahrtausend vor Christus, in den Übergang von Gartenbau/Jäger und Sammler in den Ackerbau und die Viehzucht und das Entstehen einer männlichen Kriegerklasse. Besitz wurde auf einmal wichtig, musste verteidigt und vor allem innerhalb der Familie weitergegeben werden. Jungfräulichkeit wurde zu einer Tugend erklärt, Untreue in der Ehe zu einem Verbrechen, auf das für die Frau nicht selten der Tod stand, ebenso wie auf den Kindermord. „Pater semper incertus est“ heißt es, der Vater ist immer ungewiss, bis zum Auftauchen der DNA-Test in jüngster Vergangenheit, also muss der Vater alle Hebel in Bewegung setzen, um sicher zu gehen, dass er seinen Besitz auch wirklich an die eigenen Nachkommen vererbt. Jungfräulichkeit und Treue sind zwei Schlüssel dazu, der dritte ist, dass die Kinder immer zur Familie des Vaters gehören, nie zu der der Frau. Diese drei Merkmale kennzeichnen alle patriarchalen Gesellschaften. Das Recht an der Frau wird von den Patriarchen zugewiesen, nicht jeder Mann hat Anspruch auf eine Frau, dieser wird wiederum von den meist älteren, mächtigen Männern zugewiesen, so dass sich Gefolgschaften und Treue herausbilden. Ein armer, statusloser Mann wird aus diesem Grund auch eher keine Frau finden, in früheren Zeiten war ihm das Heiraten sogar verboten. Frauen werden zu einer Ressource, um die und für die gekämpft wird und die im Zweifelsfall einfach gefangen genommen werden (der sogenannte „Frauenraub“ ist ein patriarchaler Begriff, der die Frau zur Sache erklärt).

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Männerherzen

Herz

Frank Behrens (Flickr)[CC BY-SA 2.0]

Die Störenfriedas sind ein Projekt von Frauen für Frauen. Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen an dieser Stelle regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ein Beitrag von Carola Fuchs.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf ihrem Blog.

„Ich würde gern mal spüren in ein Männerherz hinein, um endlich zu verstehen, warum fühlt’s ihr euch so klein?“, sang das Double von Ilse Aigner, der bayerischen Wirtschaftsministerin, am diesjährigen Nockherberg – dem bayerischen Kabarettereignis schlechthin.

„Alles, ja alles um auf Seite eins zu stehn,
ich tu doch auch alles, nur bin ich auf Seite zehn.
Ihr habt’s die Ilse vergessen, ihr Lumpenpack,
genauso wie den Anstand, den ihr nie besessen habt.“

Ja, da stehen sie ganz gerne, die Herren Politiker, auf Seite eins. Für eine Frau, so denken sie vielleicht, hat es die Ilse eh schon weit gebracht. Mehr geht nun wirklich nicht.

Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit

Die Textschreiber des Nockherbergs nahmen den männlichen Geltungsdrang nicht nur gehörig auf die Schippe, sondern lieferten auch gleich eine Erklärung für dieses selbstverliebte Gebaren: Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit, das kaschiert werden soll und Anstand kann man sich dabei wohl nicht leisten.

Aber wie sieht es jenseits des Politzirkus in den Männerherzen aus? Wie verkraften die „normalen“ Männer den Machtverlust, den die fortschreitende – aber bei weitem nicht abgeschlossene – Gleichberechtigung der Frauen (Gendergap!) mit sich bringt?

Gemischt, würde ich sagen.

Für die einen ist es kein Problem sondern ein Gewinn, eine selbstbewusste Frau auf Augenhöhe neben sich zu haben. Sie nehmen die zunehmende Aufweichung der strengen Rollenmuster zum Anlass, sich auch im Haushalt und bei der Kinderbetreuung einzubringen. Einige solcher Exemplare kenne ich sogar persönlich. Ein befreundetes Ärzteehepaar zum Beispiel, sie teilen sich eine Stelle und Mutter und Vater sind für die Kinder gleichwertige Bezugspersonen, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Von Kleinheit ist bei diesem Mann rein gar nichts zu spüren und deswegen hat er es auch nicht nötig sich zu produzieren.

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Mama zwischen Sorge und Recht

Buchcover: Mama zwischen Sorge und Recht

Carola Fuchs: Mama zwischen Sorge und Recht, selbst verlegt, 2014

Alles fing so gut an. Als Carola und Thomas sich ineinander verlieben und sich dann auch noch ein Kind ankündigt ist, scheint ihr Glück perfekt. Aber mit der Geburt des gemeinsamen Kindes verändert sich Thomas, er streitet, droht, wird gewalttätig, bis Carola ihn mit der gemeinsamen Tochter verlässt. Was wie der Anfang eines neuen Lebens klingt, entwickelt sich zu einem Albtraum in Sachen Umgangsrecht und Unterhalt. Carola Fuchs beschreibt in „Mama zwischen Sorge und Recht – die aberwitzigen Erfahrungen einer Mutter in Sachen Umgang“ auf sehr humorvolle Art und Weise den alltäglichen Irrsinn, der in deutschen Familiengerichten abläuft. Ihr Ex-Partner besteht auf seinem Umgangsrecht und will das Kind zwingen, auch die Nächte bei ihm zu verbringen. Das Kind wehrt sich – Polizei, Jugendamt, Anwälte, Kinderpsychologen und Familienberater werden eingeschaltet. Man sieht sich vor Gericht – immer wieder. Die Mutter will er abwechselnd zurück oder dämonisiert sie als umgangsverweigernde Mutter. Das Erstaunliche: Nicht nur der Richter am Familiengericht gibt ihm Recht – auch das Jugendamt kümmert sich mehr um seine Interessen als um die des Kindes.  Die Autorin hat erlebt, was tausende Mütter durchmachen. Bei Familiengerichten und Jugendämtern wird die Rolle des Vaters zunehmend gestärkt – und die Mütter abgewertet. Ganz gleich, wie lächerlich und unverantwortlich die Väter sich benehmen, das ewige Credo von „Ein Kind braucht seinen Vater“ wird auch gegen den expliziten Willen des Kindes durchgesetzt. Es stellt sich die Frage, um was es bei solchen Entscheidungen eigentlich geht – um das Kind? Oder nicht vielmehr um die Verfügungsgewalt des Vaters über SEIN Kind.

Carola Fuchs gelingt es, ihre Geschichte mit viel Witz und Einfühlungsvermögen zu erzählen und so auf die Schieflage in der Wahrnehmung von Jugendamt und Richtern aufmerksam zu machen. Die Mutter wird in die Verantwortung genommen, ihr Kind notfalls auch zum Umgang zu zwingen, während der Vater nur auf seinem Recht pochen muss. Die Kinder sind die Leidtragenden. Es ist zu wünschen, dass noch viel mehr Mütter den Mut haben, ihre Geschichte öffentlich zu machen, damit nicht bei jeder Gelegenheit das reflexhafte Geschrei von den armen, benachteiligten Vätern ausbricht.