Unsere Störenfrieda der Woche: Marie Equi

Marie Equi

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Marie Equi wurde 1872 in Massachusetts geboren. Mit 21 Jahren zog sie mit ihrer Partnerin Bess Holcomb nach Oregon und lebte mit ihr in einer so genannten „Boston Marriage“ (gesellschaftlich anerkannte Wohnpartnerschaft zweier Frauen).

Nachdem sich Bess Arbeitgeber weigerte, dieser ihren Lohn auszuzahlen, drohte Marie ihm ihn öffentlich auszupeitschen, falls er nicht bezahle. Weil die Drohung nicht fruchtete, wartete sie mit ihrer Peitsche vor seinem Büro und setzte ihre Ankündigung um, wofür sie von den Bewohner*innen der Stadt und den Medien bewundert und unterstützt wurde und den Titel „Miss Aqua“ erhielt. Sie verlosten die Peitsche und übergaben so Bess das ihr zustehende Geld.

Marie graduierte 1903 in Kalifornien als eine der ersten Frauen als Doktor der Medizin. In ihrer Praxis, in der hauptsächlich Frauen aus der Arbeiter*innenklasse behandelt wurden, lernte sie Harriet Speckart kennen und lieben und adoptierte mit ihr zusammen Tochter Mary. Mary überflog als junge Frau als jüngste Pilotin den Nordwestpazifik.

Für ihren Einsatz für Erdbebenopfer erhielt Marie Equi eine Auszeichnung der US-Armee.

Marie ermöglichte Frauen den Zugang zu Verhütungsmitteln und verfasste gemeinsam mit ihrer Mitaktivistin Margaret Sanger Flugblätter zu diesem Thema, Sie führte auch Schwangerschaftsabbrüche durch. All dies war streng verboten.

Als Streikposten eines Streiks der Industrial Workers of the World (IWW) wurde sie Opfer brutaler Polizeigewalt. Dieses Erlebnis führte zu einer konsequenten Ablehnung des Kapitalismus und machte sie zur Anarchistin und Mitglied der American Union Against Militarism. Bei einer Demonstration von Kriegsbefürworter*innen wurde sie 1916 für das Entrollen eines Transparents mit der Aufschrift „Bereitet euch vor zu sterben“ verhaftet. Für ihre Antikriegsrede auf einer IWW-Konferenz im Jahr 1918 wurde sie wegen Verhetzung zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie zur Hälfte absetzen musste – man sagt sie war kein angenehmer Häftling, sondern sorgte auch im Knast für Unruhe.

Nach ihrer Haftentlassung und ein Jahr nach Harriets Tod, tat sie sich privat mit Elizabeth Gurley Flynn, einer führenden Aktivistin der IWW, zusammen. Trotz eines Herzinfarkts im Jahre 1930, der sie nachfolgend für den Rest ihres Lebens ans Bett fesselte, nahm sie in den 1940er Jahren weiterhin an Antikriegsdemonstrationen teil. Sie starb 1952 in Portland, Oregon.

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