Unter „Kinderfreunden“: Edathy und der Kinderschutzbund

Quelle: Facebook

Paukenschlag im Fall Edathy! Es kommt nun so, wie es sich schon in den letzten Tagen und Wochen angedeutet hat: Edathy hat ein Geständnis abgelegt, nun wird gegen Zahlung einer Geldauflage von € 5000,- (nein da wurden leider keine Nullen vergessen) das Verfahren eingestellt. Edathys Vorstrafenregister bleibt damit blütenweiß und rein.

Die Tatsache, dass er für den Konsum von so genannten „kinderpornographischen Schriften“ (passender: Kinderfolterdokumentationen1 oder visuelle Darstellungen sexueller Gewalt) mit € 5000,- (in Worten: FÜNFTAUSEND) viel zu „billig“ davon kommt, gemessen an den gravierenden Schädigungen, mit denen die Opfer seiner Taten bis an ihr Lebensende leben müssen, ist schlimm genug.

Die Vorwürfe treffen zu

erklärte Verteidiger Christian Noll im Namen Edathys.

Ich habe inzwischen eingesehen, dass ich einen Fehler gemacht habe

hieß es in der Erklärung weiter. Er bereue, was er getan habe. Mehr braucht es offenbar nicht.

Einsicht? Tatsächliche Reue? Sieht irgendwie anders aus als das hier:

Quelle: Facebook

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Ich begrüße die Einstellung des Verfahrens durch das Landgericht Verden. Eine Fortsetzung wäre unverhältnismäßig gewesen. – Ich weise darauf hin, dass ein „Geständnis“ ausweislich meiner heutigen Erklärung nicht vorliegt. Die Staatsanwaltschaft war mit dem Wortlaut der Erklärung einverstanden. Eine Schuldfeststellung ist damit ausdrücklich nicht getroffen worden.

Über die Bankrotterklärung unserer Gesellschaft gegen die schrecklichen Verbrechen an den Kindern hat Mira Sigel auf diesem Blog bereits vor zwei Tagen ausführlich gebloggt.

Anlass für diesen Blogpost ist die Tatsache, dass die mickrige Geldauflage an den Deutschen Kinderschutzbund gezahlt werden soll. Ausgerechnet!

Der Deutsche Kinderschutzbund schreibt sich zwar auf die Fahnen die „größte Lobby für Kinder in Deutschland“ zu sein, geriert sich in der alltäglichen Praxis jedoch sehr täterfreundlich und auch täterschützend. Trotz guter Präventionsangebote ist diese Einrichtung in massive Kritik geraten, da sie nach dem Prinzip „Hilfe statt Strafe“ – für die Täter! – arbeitet.

Unter Fachleuten ist unbestritten, dass viele der Täter sexueller Gewalt als Wiederholungstäter anzusehen ist. Therapieerfolge sind nach Meinung qualifizierter und erfahrener TherapeutInnen darüber hinaus nur dann erzielbar, wenn während der Therapiemaßnahmen keine äußeren Einflüsse auf die Täter einwirken und ihr Verhalten durchgängig kontrollierbar ist (Inhaftierung oder Maßregelvollzug).

Eine Aussage wie „Tätern helfen, statt sie zu bestrafen“ bedeutet, dass der Kinderschutzbund dafür eintritt, dass Täter für an Kindern begangene Straftaten nicht bestraft werden. Einer Veröffentlichung einer Beratungsstelle des DKSB ist zu entnehmen, dass kein einziger (!) der 350 Fälle, die innerhalb von 5 Jahren Beratungstätigkeit aufgelaufen waren, zu Strafanzeige führte.

In einer Resolution des Deutschen Kinderschutzbundes vom 24. Mai 1997 heißt es:

Hat die Polizei von einem Fall sexueller Ausbeutung eines Kindes erfahren, so ist sie gezwungen, bei hinreichendem Tatverdacht Ermittlungen durchzuführen und gegebenenfalls den Fall der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Beide Institutionen, sowohl das Jugendamt als auch die Polizei, genießen in der Bevölkerung ein bestimmtes Ansehen. Gerade bei Menschen, die etwas befürchten und etwas verbergen wollen, besteht ihnen gegenüber besondere Skepsis und Angst. Die Familien, in denen es zu sexueller Ausbeutung der Kinder gekommen ist, stehen somit unter erheblichem Druck. Ohnehin sind ihre Beziehungen unstrukturiert, sie selber befinden sich in einer starken Isolation ihrem sozialen Umfeld gegenüber. Wenn der Druck auf die verstärkt wird, zum Beispiel durch die Recherchen einer Behörde oder die Verhöre der Polizei, wird ihr Verhalten noch unkontrollierter. Dadurch wird das Kind in der Familie zusätzlich gefährdet.

Diese Aussage mutet doch sehr seltsam an: Natürlich sollen (!) Täter Angst vor Jugendamt und Polizei haben – man hilft doch keinem Kind das sexueller Gewalt ausgesetzt ist, in dem man die schützende Hand über den Täter hält, ihm ein schönes Therapieangebot unterbreitet, ihm jedoch die Ermittlungsbehörden vom Hals hält und ihn im Prinzip weiter machen lässt wie zuvor. Aus dem eigentlich gewünschten Schutzraum Familie für das Kind wird so ein Schutzraum für den Täter gemacht. Darüber hinaus ist lange nicht jeder Täter therapierbar und ein Fernhalten von potentiellen und bereits konkret betroffenen Opfern schlicht unumgänglich.

Anita Heiliger verwies im Jahr 2008 auf eine täterfreundliche Kampagne des Deutschen Kinderschutzbundes mit den SlogansVati war ihr erster Mann (nicht etwa Vergewaltiger!):

Immer wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann Onkel Paul nicht anders“, (die gute alte Triebtheorie, die aus Tätern Opfer macht), „Sabine ist Papis ein und alles. Sie wird von ihm geliebt. Aber mehr als sie verkraften.

Im Ernst?

Die Bundesgeschäftsstelle des Kinderschutzbundes in Hannover hielt die Proteste gegen die Kampagne für ungerechtfertigt.

Wir haben unsere Zielgruppen erreicht

sagte die damalige Pressesprecherin Gabriele Wichert-Dreyer. Die Resonanz sei enorm, selbst einige Täter hätten schon angerufen und um Hilfe gebeten.

Wow!

Insbesondere dann, wenn wie im Fall des Kinderschutzbundes immer wieder Fälle von Pädokriminalität in den eigenen Reihen aktenkundig werden, bei denen im Interesse der Schadensbegrenzung für die Organisation auf Bagatellisierung statt offensive und lückenlose Aufklärung und Transparenz gesetzt wurde, ist Vorsicht angebracht. Ein Kinderschutzbund, der sich als „Lobby für Kinder“ versteht, muss um die Strategien bestimmter pädokrimineller Tätergruppen wissen, die Nähe zu Kindern und gesellschaftliche Anerkennung zu suchen und hier massive Vorsicht walten lassen. Sollte dennoch ein Fall aufgedeckt werden, trägt jedes Herunterspielen sicher nicht zur Vertrauenswürdigkeit bei.

Es verwundert dann sicher nicht, dass bei den Recherchen des Göttinger Politikwissenschaftlers Franz Walter zur Pädo-Szene der 80er Jahre eine direkte Verbindung zwischen Kinderschutzbund und Pädokriminellen entdeckte: Walter Bärsch, langjähriger Präsident der DKSB, war Gründungsmitglied des pädokriminellen Arbeitskreises Humane Sexualität (AHS).

Während Bärschs Vorsitz erschien 1985 zudem eine Ausgabe der Verbandszeitung „Kinderschutz aktuell“, in der mehrere Autoren unter dem Titel „Spannungsfeld Sexualität“ offen pädophile Positionen vertraten. Es wurde über die „liebevolle Sorge, die pädophile Männer für ihre kindlichen Partner empfinden“ berichtet.

Der Spiegel berichtete:

Die Pädophilenlobby hatte den Kinderschutzbund offenbar gezielt ausgewählt. „Zwei unserer Leute sind Mitglieder (…) im Deutschen Kinderschutzbund“, heißt es in einem Bericht der „Gruppe Frankfurt“ der Deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie (DSAP) aus dem Jahr 1980. Und weiter: „Wir beabsichtigen mit dem Kinderschutzbund Kontakt aufzunehmen, denn dort gibt es auch verantwortliche Personen, die sich mit älteren Veröffentlichungen über ‚Sittlichkeitsverbrecher‘ nicht mehr identifizieren können.“ Diese Leute gelte es anzusprechen „und aufzuzeigen, dass Pädophilie auch dem Schutz der Kinder vor Gewalt dient“.

Es bleibt nur festzustellen:

Wenn wir eine Welt hinnehmen, in der Kinder wie Waren im Supermarkt gekauft und verkauft werden können, dann haben wir das Recht verloren, uns zivilisiert zu nennen, Ron O‘ GradyEnd Child Prostitution, Pornography and Trafficking for Sexual Purposes (ECPAT)

Wir müssen uns endlich der Tatsache stellen, dass Pädokriminalität in hohem Maße von „westlichen“ Demokratien ausgeht. Sie stellen im Bereich der Kinderprostitution/Kinderpornographie die Täter.

Die Causa Edathy lehrt pädokriminelle Täter jedenfalls nur eins: Es sind ja nur Kinder, für die sich hier eh keiner interessiert – was die vielen Schulterklopfer, die Edathy nun allerorts erntet, nur bestätigen.

Fußnoten

1 Michaela Huber: Trauma und die Folgen: Trauma und Traumabehandlung, Teil 1, Einleitung, S. 21

Quellen

2 Kommentare

  1. Sedelmayr, Silvia

    Es ist absolut Ekel erregend, dass man/n sich freikaufen kann, ich denke unsere Rechtsprechung hat erneut versagt. Leider sitzen dort auch viel zu viele Männer an den wirklich wichtigen Stellen in der Justiz, obwohl ich natürlich von Männer einfach mal verlange, sich in Behandlung zu begeben, wenn sie meinen, sich an Kinder vergreifen zu müssen oder die es visuell konsumieren. Ansonsten Männer habt ihr bald verloren, denn wir Frauen werden immer wachsamer und wir erwischen euch.
    Und dann ist nix mit Geld, dann geht es hinter Schloss und Riegel und dann könnt ihr den Wänden erzählen, wie schwer ihr es habt, Ihr Edathy’s oder wie ihr alle heißt. Schäm dich Sebastian…..

  2. Vielen Dank für den Artikel!
    Gewalt gegen Frauen, Kinder und Tiere, insbesondere wenn es um sexuelle Gewalt geht, ist in unserer Gesellschaft nicht strafbar, alles andere ist eine Illusion. Bei der Vergewaltigung von Frauen liegt die Verurteilungsquote bei ca. 1%. Bei Kindern und Tieren dürfte das ähnlich oder noch schlechter aussehen. Wir sind immer noch nicht bereit das Thema Gewalt ernst zu nehmen. Insbesondere Männer denen Gewalt „heilig“ ist und die von Gewalt profitieren haben kein Interesse sich gegen Gewalt zu wenden. Beispiele sind „Fleisch“ und „Jagd“ = grausames Misshandeln und Töten. Hier wird Gewalt an Tieren geübt die sich in der Gewalt gegen Menschen fortsetzt.
    Im übrigen gilt für uns alle: Wenn wir keine Gewalt wollen, müssen wir aufhören gewalttätig zu sein. „Fleisch“ – Misshandeln und Töten (lassen) aus Spaß und Freude, dazu zählt auch die Gaumenfreude ist Gewalt und muss unterlassen werden, wenn wir die Gewalt-Verhältnisse ändern wollen. Gewalt gegen Tiere ist auch Gewalt gegen Menschen. Tierbefreiung ist auch Menschenbefreiung.

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