Warum Staigers „Rundumschlag“ Schnee von gestern ist

Three wise monkeys, Tōshō-gū Shrine, Nikkō

By Jakub Hałun (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Marcus Staiger ist Jahrgang 1971 und ein deutscher Journalist und ehemaliger Labelbetreiber. Er gilt als einer der Wegbereiter des Berliner Rap und betreibt einen eigenen Blog. Staiger konnte es (wie viele andere Männer) nicht unterlassen, sich ebenfalls zum Nah-Ost-Konflikt zu äußern. Dabei lässt er kein Fettnäpfchen aus und fässt in bemerkenswerter Konsequenz zusammen, was im Diskurs in mehr oder weniger sozialen Netzwerken gerade so schief läuft. Allerdings stellt er sich selbst auch kein bisschen schlauer als der beschämende Rest.

Dass Marcus Staiger jeden seiner Sätze mit einem ‚Ich..“ beginnt, sei ihm verziehen. Er macht sich eben gern – und absolut zurecht!- nackig. Zudem isser auch tatsächlich so allein wie Don Quixote (nur ohne Sancho Panza) und auch die Windmühlen sind schon abgerissen. Alle.

Ohne auf die vielen Details seiner Wunschliste in der Gesamtheit einzugehen, freut sich der Autor darüber, seine vorgetäuschte Neutralität damit zu belegen, die Argumente der widerstreitenden Idioten in den langweiligen Debatten aufzuzählen und dagegen zu sein. Über die Anschlussfähigkeit seiner Kritiken in widerlichen politischen Strömungen („..Nazis, Verschwörungstheoretikern und radikalen Islamisten..“) wundert er sich nicht, möchte nur nicht koalieren. Er möchte gegen die Hamas sein dürfen, weil die reaktionär sind. Er möchte „solidarisch sein mit der geschundenen palästinensischen Bevölkerung, ohne gleichzeitig an das reaktionäre Regime der Hamas denken zu müssen“. Dass ihm zuviel Denken vorgeworfen wird, davor braucht er sich nicht fürchten. Richtig derbe in die Kacke greift er mit seinem Bekenntnis, sich nicht dazu äußern zu wollen, „warum es den Staat Israel überhaupt gibt“. Ob die Staatsgründung völkerrechtswidrig war oder nicht, dazu möchte Marcus nichts sagen. Dass Staaten prinzipiell ein aus Abgaben der willkürlichen zusammengefassten Insassen finanzierter Apparat zur Sicherung des Gewaltmonopols sind, bereitet ihm keine Sorgen. Israel wirft er vor sich, geschätzte 200 Jahre zu spät gegründet zu haben. Staigers Kritik an den „Irren“ der Hamas bezieht sich auf Raketen. Er verurteilt Raketen. Wichtig ist ihm der Hinweis, dass sein Herz – entgegen aller Unterstellungen – für die Unterdrückten schlägt. Das „Regime“ der Hamas skizziert er als „reaktionär“. Ohne konkret darauf einzugehen, wie er auf diese Einschätzung kommt.

Gegen Israel wettert es als völkisches Apartheidsystem (O-Ton Staiger). Dies sei aber aus der Not (und zwar zu spät) geboren. (Als ob es das besser machen würde, wenn seine Analyse zum Istzustand trifft.) Er wünscht die echte „Aussöhnung“ und dass die jeweiligen Protagonisten des völkischen Nationalismus endlich wieder zueinander finden. Und er möchte die „Unverhältnismäßigkeit der israelischen Militäroperation anprangern“ können, ohne Opfer auf beiden Seiten gegeneinander aufrechnen zu müssen. Oder dazu aufgefordert zu werden.

Da frage ich mich doch: Was hält denn der Staiger für eine verhältnismäßige Militäroperation? Sind Nationalstaaten knorke, wenn sie weniger völkisch wären? Ist Deutschland etwa kein „aggressives, hochgerüstetes und waffenstarrendes Ungetüm“? usw. usf. Was kommt dabei rum, wenn wir wie gewünscht über die ungleiche Verteilung von Reichtum sprechen? Weniger Armut? Frieden im Nahen Osten? Weniger Patriarchat?

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