Was bedeutet es Caitlyn zu sein?

Caitlyn Jenner

Caitlyn Jenner by Disney | ABC Television Group via Flickr, [CC BY-ND 2.0]

Miranda Yardley ist eine genderkritische Transfrau. Übersetzung ihres Blogbeitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung.

Am Montag, dem 1. Juni um halb fünf großbritannischer Zeit, haben wir die große Enthüllung von Bruce Jenner auf dem Cover der Vanity Fair erlebt, als die ihre neue Ausgabe mit dem früheren Leichtathleten und Reality-Promi, den wir bis dato als Bruce kannten, veröffentlichte, versehen mit der einprägsamen Schlagzeile „Nennt mich Caitlyn“. Jenner wurde perfekt gestylt in Pose gesetzt durch die professionelle Aufnahme von Annie Leibovitz und liebevoll nachbearbeitet. Das Magazin versprach eine 22-seitige Titelstory, verfasst von Buzz Bessinger, die auch Details zu Jenners Unsicherheit nach 10 Stunden in der Gesichtschirurgie und der Reaktion von Jenners Kindern nach der Brustvergrößerung ihres Vaters beinhaltet. Es gibt sogar eine Videodokumentation über das „emotionale, zweitägige Fotoshooting“.

Das Bild selbst ist meisterhaft. Der erste Eindruck betont durch die neutrale Farbgebung die schiere Menge von Haut in der Dastellung; Jenner wird in einem eleganten Korsett gezeigt, an einer Lehne stehend, die Hände auf dem Rücken und einem niedlichen und verschämten unterwürfigen Blick; bei was haben wir die unartige Caitlyn denn erwischt? Die Pose soll das Auge auf die Reise führen Jenner`s Körper zu erkunden und die fantastische Figur der 65-Jährigen zu bewundern. Das ist das neue Bild dieses unglaublich reichen und erfolgreichen Reality-Superstars, die Republikaner wählt, welches mit den Millionen von Dollar, die sie in den letzten viereinhalb Jahrzehnten verdient hat, gefertigt wurde.

Was hat das alles zu bedeuten?

Lasst uns keinen Fehler machen, Jenners Geschichte ist außergewöhnlich; ein Leben harter Arbeit, der Hingabe und der Nutzung jeder Möglichkeit für Selbstverwirklichung und Ruhm hat auf jeden Fall bedeutet, dass Jenner erst Mitte 70 werden musste, um der Welt zu erzählen „wer ich wirklich bin“. Bis zu diesem Punkt gab es jahrelange Spekulationen,  Gesichtsoperationen (und wahrscheinlich auch Haartransplantationen), sowie eine Brustvergrößerung. (Es ist interessant zu erwähnen, dass Jenner offenbar noch keine genitale Geschlechtsanpassung hat vornehmen lassen. Innerhalb dieses Kontextes, wie sollen wir Jenners Vorschlag, dass dies „mein echtes Ich ist“, dass dies die Person ist, die Jenner immer gewesen ist, betrachten?

„Coming Out“-Geschichten von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, werden von KolumnistInnen beklatscht, sie verlautbaren die neue Transitionerin sei „immer eine Frau gewesen“, dies passierte letztes Jahr mit Kellie Maloney und es passiert jetzt mit Caitlyn Jenner. Insgesamt kommen Jenner und Maloney auf fünf Ehen und die Zeugung von acht Kindern. Beide haben als Männer richtig viel Geld verdient und mehr als sechs Jahrzehnte männliche Privilegien genossen, bevor sie kühn ihre Fraulichkeit verkündeten. Wenn jede dieser Transfrauen „immer schon eine Frau gewesen ist“, wie passt das mit den gelebten Leben und den Erfahrungen der 52% der Bevölkerung, die als Frau geboren und großgezogen wurden, zusammen?

In einem Interview mit Diane Sawyer auf 20/20 hat Jenner für sich beansprucht, ein „weibliches Gehirn“ zu haben. Die Existenz von total verschiedenen männlichen und weiblichen Gehirnen ist kaum eine bewiesene Tatsache und es gibt auch keinen anerkannten Beweis für neurologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die beispielsweise die Vorliebe für pink oder das Tragen von Kleidern oder Makeup erklären würde. Dabei handelt es sich natürlich um kulturelle Artefakte, die außerhalb ihres Kontextes bedeutungslos sind. In der Gesellschaft gibt es eine Reihe von Regeln, die bestimmen, was für Männer und Frauen akzeptabel ist, und dies wird als „gender“ bezeichnet. Gender ist nichts das wir „haben“, sondern vielmehr eine Zusammenstellung von Verhaltensweisen, von denen erwartet wird, dass wir sie auf der Grundlage unseres biologischen Geschlechts befolgen sollen. Genau jene Regeln tauchen hier bei Jenners offenkundiger Veränderung vom starken männlichen Vorbild zur schüchternen, ehrerbietigen Verführerin, die wir in der Vanity Fair sehen, auf. Gender ist keine bürgerliche Freiheit, sondern ein Katalog von sozialen Codes, und genau das ist es was Gender tut; Gender entmachtet Frauen. Jenner ist kein „Gender-Außenseiter“, der Grenzen sprengt und Mechanismen für eine positive Veränderung in Gang setzt. Jenner repräsentiert den Status Quo, ganz im Gegensatz zu den positiven, progressiven Kräften und Veränderungen, für die jahrzehntelange Frauenwahlrecht-Kampagnen und Frauen-Aktivismus gekämpft haben.

Statt als „Mann, der eine Frau wird“ (in sich eine kontroverse und kontrafaktische Aussage) können wir das Bild auch betrachten als „Mann, der die männliche Vorstellung, wie eine Frau sein sollte wird“. Das ist groß über das Vanity Fair Titelbild geschrieben: ein idealisierter Körper wird nur in Unterwäsche gekleidet präsentiert, ein perfektes Make-Up tragend und jede Falte ist magischerweise weggephotoshopped. Der „male gaze“ wird bedient, die Körpersprache ist schamhaft, verführerisch, unterwürfig. Das ist nicht Befreiung, das ist nicht Revolution, das ist nicht lebensbejahend; das ist die krasse Stereotypisierung dessen, was es bedeutet, eine Frau zu sein und trifft jedes reaktionäre, kulturell konservative Ideal dessen, wie eine Frau sein sollte; passiv, objektifiziert, entmenschlicht. Können wir wirklich sagen, dass das eine Person ist, die mit sich selbst ins Reine gekommen ist, mit dem was sie ist, wenn sie so viel chirurgische Eingriffe braucht um dies zu erreichen? Ist die Summe dessen, was dieses Bild ausstrahlt, repräsentativ dafür, was es bedeutet, eine Frau zu sein?

Obwohl wir bereits das Jahr 2015 schreiben, leben wir immer noch in einer Gesellschaft, in der Frauen gerade einmal 75% von dem verdienen, was ihre männlichen Kollegen verdienen, die Welt der Frauen ist eine Welt mit ständig verschlossenen Türen, nicht verschlossen aus Gründen von Fähigkeiten, Eignungen oder Mangel an harter Arbeit. Von Frauen wird nach wie vor erwartet, dass sie Männern den Vortritt lassen, die wiederum darauf konditioniert sind zu glauben, dass Frauen dafür existieren, ihnen ihr Leben angenehmer zu machen. Die Entmenschlichung von Frauen wird ritualisiert im Porno, in Stripclubs oder der „Sexarbeit“. Dass all dies existiert, ist mitnichten eine Art von ausgefallener, irre empowernden Bewegung, die dem Leben von Frauen mehr Bedeutung, Befreiung und Wohlbefinden verleiht, sondern diese Werkzeuge werden im Gegenteil von der männlichen Überlegenheit eingesetzt, um Frauen arm, bedürftig und an ihrem Platz zu halten. Warum haben wir dann dieses Bild, welches alle sexistischen Vorstellungen davon, was es bedeutet, eine Frau zu sein, fetischisiert? Ist es das, was es bedeutet, Caitlyn zu sein? Wo ist das starke, erfolgreiche Vorbild, welches Jenner sicherlich einmal war?

In der Transgender Bewegung wird viel über Befreiung gesprochen, wie diese erreicht werden soll durch Entmenschlichung und Objektifizierung erschließt sich mir nicht. In einer Zeit, in der Frauen darum kämpfen, ernst genommen zu werden und als menschliche Wesen und nicht als Sexobjekte betrachtet zu werden, erscheint Jenner anachronistisch, als ein Relikt vergangener Zeiten. Ich stelle ernsthaft den Wert von Jenner als Vorbild in Frage, in Bezug auf die Bedeutung und Methoden der Transition die, wie Jenners Leben, Lichtjahre entfernt sind von den Ressourcen der allermeisten menschlichen Wesen. Die Aufrichtigkeit dieser ganzen inszenierten Affäre schwindet bei Betrachtung von Jenners politischer Loyalität, vermutlich spielte die Gleichstellung von homosexuellen Menschen keine allzu große Rolle bei Jenners Wahlentscheidung. Lasst uns auch nicht vergessen, dass Jenner wegen eines Tötungsdeliktes angeklagt ist, nach einem schweren Autounfall im Februar diesen Jahren, bei dem eine Frau, Kim Howe, starb.

Es gibt viele Möglichkeiten für Transmenschen, glückliche und erfüllende Leben zu leben und positiv in die Gesellschaft zu wirken. Wir brauchen keine sexistischen Konzepte von „weiblichen Gehirnen“, um geliebt und akzeptiert zu werden, und wir müssen auch nicht konform gehen mit zerstörerischen Stereotypen. Wir müssen auch nicht den male gaze bedienen, um Bestätigung darüber zu erhalten, wer und was wir sind. Ein Kampf, den wir mit Frauen teilen, ist das Bedürfnis ernst genommen zu werden und als menschliche Wesen anerkannt zu werden, nicht als Neuheiten, die zur Unterhaltung anderer existieren. Selbstakzeptanz erlangen wir nicht durch chirurgische Messer oder Hypersexualisierung, sondern, in dem wir unseren Frieden damit machen wer und was wir sind. Als Menschen können wir nach vorne schauen und uns den Aufgaben stellen, die das Leben für uns bereit hält, wir können wir selbst sein, glücklich und erfolgreich. Wir brauchen nicht Caitlyn Jenner, die uns dies ermöglicht.

14 Kommentare

  1. Nicht zu vergessen- mit seinem/ihrem finanziellen und gesellschaftlichen Hintergrund ist es sicher leichter, als Frau/Transgender zu leben, als für Otto/Ottilie Normalo.

  2. Terra Matrivital

    Liebe Störenfriedas,

    euren obigen Überlegungen kann ich nur zustimmen!
    Bereits in den 70-ern bei Begegnungen mit Transfrauen, Transvestiten, dachte ich, dass sie ihr persönliches männliches, patriarchal angepasstes Frauenbild nach Außen repräsentieren, verfestigen. Sprich: So soll für Mann eine Frau sein (sein… „besitzanzeigendes Fürwort“).
    Aber auch Begegnungen mit Transmännern zeigten das heteronnormative Verhalten.

    So wird nix verändert. Es bleibt beim althergebrachten patriarchalen System „Weibchen-Männchen“, Motto: Mein falscher Körper. Ansonsten bin ich ganz wie ihr!
    Es bleibt bei der Geh_schlecht_er-Falle des Normalfalles.
    Der Norm_Falle.

    Herzliche Grüße! Terra Matri_vital

  3. Käsestulle

    „Mann, der die männliche Vorstellung wie eine Frau sein sollte …“

    Dies ist genau der Grund, warum Transsexuelle keine Alternativen zum stereotypen „Frausein“ haben. Als Frau kann man sein Gender erweitern, verlassen, parodieren usw. Ein Mann, der eine Frau sein will, hat nur die männliche Vorstellung zu Verfügung, wie eine Frau sein sollte. Schon deshalb kann er sich nicht „als Frau“ fühlen oder „Frau sein“.

    Die Behauptung des „weiblichen“ (und männlichen) Gehirns ist nichts weiter, als die Behauptung, Gender seien biologisch im Gehirn festgeschrieben – und müssten alle Frauen betreffen. Mithin würden „alle Frauen“, die wider ihr Gender agieren, sich wider die Natur versündigen. Diese Implikationen schwingen immer mit, wenn Männer vorgeben, aus biologischen (im Hirn befindlichen) Gründen Frau zu sein.

    Frau ist man aus biologichen Gründen. Allerdings sind die nicht im Hirn verortet und sie zwingen auch nicht zu stereotypem Verhalten.

  4. @Käsestulle JEIN, dank der Zeitschrift „EMMA“, dieser Webseite und der Möglichkeit der Transition zur Frau haben Männer durchaus die Möglichkeit, die vorhandene Diskriminierung (dies betrifft vor allem Frauen, jedoch nicht nur) zu erfahren, zu erkennen und schlussendlich mit zu bekämpfen. Das hierfür KEINE Transition nötig ist, bedarf derselben kognitiven Leistung die auch Frauen erbringen müssen inkl. der Erkenntnis, der Aufarbeitung und schlussendlich der Akzeptanz der Mitschuld (danke an Frau Sabine Reichelt, Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses der Parität Mannheim-Neckarstadt für diese Erkenntniss) am patriarchalen System.

    Positive Argumente:
    – bleibe ich ein Mann, setze ich mich nicht der Diskriminierung der Gesellschaft aus

    – ich bin nützlich und kann aktiv mitgestalten

    – ich akzeptiere und beteilige mich passiv an der Bekämpfung des Sexismus durch Verzicht auf Schönheits-OPs, insbesondere der Brustvergrösserung durch medikamentöse oder operative Maßnahmen

    – ich beteilige mich aktiv an der Bekämpfung von Sexismus und Gewalt gegen Frauen durch Erlernen der Validation und Anwendung bei allen Lebewesen (Tiere eingeschlossen)

    negative Argumente:
    – ich verzichte auf die Möglichkeit der Aufmerksamkeit der Medien, um diese für die Verbreitung von feministischen Grundidealen zu nutzen

  5. Käsestulle

    Silvio, ich weiß zwar nicht, inwiefern deine EInlassung mit meinen zu tun haben, allerdings gibts es keine Transition eines Mannes zur Frau. Männer können allenfalls eine Transition zu Transsexuellen durchlaufen.

    Nützlich sein und mitgestalten kann übrigens jeder.

  6. Hallo Käsestulle, ich habe deine Ausführungen so verstanden, das Männer zwangsweise nur ein patriarchales Bild zur Verfügung haben können und das stimmt nicht. Sofern Sie diskriminierende Erfahrungen in Bezug auf Sexualität od. Geschlechtsidentität gemacht haben und bereit sind, sich Ihrem eigenen Anteil an diesem System mental zu stellen, sind „Männer“ durchaus in der Lage ein Menschenbild abseits der Normen zu entwickeln und zumindest die Fähigkeit zu entwickeln sich in Eure Situation hinein zu versetzen. Ich denke das auch die Übernahme des Babyjahres dazu beiträgt, sich Eurer Situation anzunähern. Wir Männer müssen unser Verhalten ändern, nur so gelingt eine feministische Gesellschaftsordnung. Transidentität ist auch eine Chance zur Veränderung. Wichtig hierbei ist das Reichen der Hand und der Bejahung, ja Ihr dürft so sein, müsst es aber nicht. Hilfreich sind hier die Liedtexte von Fiva, die Zeitschrift EMMA, Frau Conchita Wurst. Es müssen handlungsalternativen zur Transidentität möglich sein. Ein wichiger Schritt zur Festigung meiner derzeitigen Identität war das Ich eine öffentlich vorgelebtes Lebenskonzept gesehen habe wie das von Frau Wurst. Eine Caitlin Jenner ist das falsche Beispiel da sind wir vollkommen einer Meinung.

  7. Käsestulle

    Silvio, deine Formulierung „EURE Situation“, mit der du AlleFrauen™ in einen Topf wirfst, belegt sehr schön, dass auch dir nur ein stereotypes Frauenbild zur Verfügung steht. Frauen leben aber in ganz unterschiedlichen Situationen, die man weder durch Transgender noch durch 1 Jahr Elternzeit adäquat „nachempfinden“ kann. Man kann sie im Grunde gar nicht „nachempfinden“, wenn man keine Frau ist. Das gleiche gilt übrigens für Transmänner.

    Wenn Transgender als „richtige“ Frauen wahrgenommen werden wollen – und das wollen sie–, dann haben sie gar keine andere Möglichkeit, als auf Stereotype zurückzugreifen. Eine Transfrau, die nicht stereotyp „weiblich“ aussieht und sich nicht „weiblich“ verhält, hätte gleich ein Mann bleiben können – überspitzt ausgedrückt.

  8. Hallo Käsestulle, mit Eurer Situation spreche ich alle Probleme an, die in der EMMA geschildert werden. Eine komplette Aufzählung und Differenzierung ist an dieser Stelle nicht möglich

  9. Käsestulle

    Silvio.
    Es gibt keine „eure Situation“. Respektiere das.

  10. „Statt als „Mann, der eine Frau wird“ (in sich eine kontroverse und kontrafaktische Aussage) können wir das Bild auch betrachten als „Mann, der die männliche Vorstellung, wie eine Frau sein sollte wird“.“

    Genau das ist es.

    „Als Frau kann man sein Gender erweitern, verlassen, parodieren usw. Ein Mann, der eine Frau sein will, hat nur die männliche Vorstellung zu Verfügung, wie eine Frau sein sollte. Schon deshalb kann er sich nicht „als Frau“ fühlen oder „Frau sein“.“

    Stimmt. Darum nehme ich männliche Transsexuelle grundsätzlich nur dann ernst, wenn sie ihren Penis und ihre Hoden umoperieren bzw. entfernen lassen. Das macht sie zwar immer noch nicht zu echten Frauen, aber immerhin lässt sich ein gewisses Bedürfnis erkennen, überhaupt eine Frau zu sein, und nicht bloß ein Mann mit Titten und hübschen Kleidchen.
    (Ob es sinnvoll ist, sich operieren zu lassen, steht auf einem anderen Blatt, aber Typen die behaupten, ihr Penis sei weiblich weil er in einem Spitzenhöschen steckt, kann ich nicht ernst nehmen.)

  11. Anonymous

    Sich operieren zu lassen lässt sicherlich ein Bedürfniss erkennen, jedoch löst dies das Grundproblem nicht. Das sehe ich an einer guten Freundin, die sich letzten Dezember hat operieren lassen. Dabei spielen Ängste etc sicherlich auch eine große Rolle. Meine Meinung ist, das eine OP nicht von der Aufarbeitung der Vergangenheit freispricht, bei vielen das jedoch quasi als Ersatz angesehen wird. Ich halte deine Einstellung daher eher für kontraproduktiv, verstehe Sie jedoch und respektiere Sie, da bei manchen Menschen alleine die Vorstellung, sich mit seinen Unzulänglichkeiten auseinander zu setzen, schon nicht mehr möglich ist. Ob ein 14jähriger Junge oder ein Mädchen zu solchen Einsichten schon fähig ist, wage ich zu bezweifeln, daher macht es mich zum Beispiel sehr traurig, das bereits in diesem Alter in der Gesellschaft schon aktiv von Psychologen und Ärzten solche OPs vorgeschlagen werden. Ich gehe dabei konform mit der Meinung von Frau Schwarzer. Seit meiner transidenten Phase, die bei mir Übergang zu einer neuen Bewusstseinsebene war und mir geholfen hat, meinen eigenen Narzismus zu erkennen und damit umgehen zu lernen (dies wünsche ich selbst meinem ärgsten Feind), hat mein Leben eine völlig neue Qualität. Ich habe mich gerade 7h nonstop mit einer ehemaligen Prostituierten unterhalten. Eine solche Unterhaltung wäre ohne die Wiederherstellung des Grundvertrauens nicht möglich. Ob eine OP ein solches Grundvertrauen wiederherzustellen vermag, wage ich zu bezweifeln. Ich denke auch, das eine reine Annahme, das nur Frauen negative Erfahrungen im Patriarchat machen, ein sehr einseitiges Bild zeichnet. Worin ich dir zustimme, Du musst selber wissen, wie du dich emanzipierst, denn diese kognitive Leistung muss jeder für sich selber erbringen. Ich glaube ich verstehe jetzt auch besser was mir sagen wolltest. Ich kann deine Situation nicht vollständig nachempfinden. Dazu sind deine Erfahrungen und Erlebnisse, negativ wie positiv, viel zu zahlreich. Schließlich prägen unsere Erfahrungen uns ja als einzigartiges Lebewesen. Allerdings sind Männer schon in der Lage, Empathie und Fürsorge zu empfinden und sich zurück zu nhemen. Ich sah heute im Schwimmbad eine junge Frau, die von Ihrem Freund und die Sie umgebenden Männer mit nonverbalen Signalen in Bedrängnis gebracht und schließlich noch von Ihrem Partner losgeschickt wurde, um eine umherfliegende Plastiktüte aufzusammeln, die an Ihm vorüber flog und er es viel leichter gehabt hätte, diese einzusammeln. Ich sah Sie hinterher nervös und mit traurigen abwesend wirkenden Augen an einer Zigarette ziehen. Ich nehme diese Dinge wahr, ob Si sich dessen bewusst ist, was da gerade passiert war, weiß ich nicht. Ich kann nur hoffen, das Sie irgendwann in der Lage sein wird, von sich aus diese Dinge zu erkennen und sich dagegen zu Wehr zu setzen.

  12. @Rose (siehe Penis in Spitzenhöschen) da gebe ich dir Recht, das hat eher etwas mit sexuellen Bedürfnissen ( zu tun, denn sich aufgrund des eigenen eher passiven sexuellen Bedürfnisses Frauenkleidung anzuziehen, ist Sexismus. Aus Gründen der Vielfalt und der o.a. Mangel an Alternativen sollte es jedoch genauso erlaubt und respektiert werden (ernst nehmen würde ich das auch nicht). Und ich habe nach Euren Kommentaren ernsthaft in Erwägung gezogen allein aus politischen Gründen schon die vollständige Transition durchzuziehen, diesen Gedanken jedoch wieder verworfen . In meiner derzeitigen Erscheinungsform mit männlichem Geschlecht bin ich insgesamt nützlicher (*spoiler* wobei ich den Beitrag von von Lana Wachowski mit Ihrer neuen Serie „Sense8“ gar nicht mal so schlecht finde. Gerade die Kampszenen geben sehr gut das Gefühl wieder, wenn wir uns mental und auch äußerlich auf Eure Seite stellen). Wo ich mich momentan echt schwer tue ist das generelle mentale Unterstützen von Frauen. Wenn ich mich so gebe wie ich bin, hau ich Euch schon ins Kreuz. Hierbei werde ich erlernen kleine Notlügen einzusetzen. Von daher, ich beneide Euch um Eure Gabe, Kinder zu bekommen, verstehe das Ihr vorsichtig seit, wem Ihr diese anvertraut. Ich arbeite weiter daran, als Gleichberechtigter an Eurer Seite zu stehen. Wie ich mich kleide oder welche Pronomen ich mag, sollte an dieser Stelle keine Rolle spielen. Zum Abschluss noch ein Gedanke zu dem Thema „Eure Situation“. Denkt bitte daran, das die Ostfrauen und Westfrauen vor einem ähnlichen Problem standen. Die Ostfrauen erkannten damals nicht, das Sie vom Staat mit feministischen Geschenken überhäuft und damit erst recht in eine Doppelbelastung geraten sind, ohne das Sie dafür kämpfen mussten. Ich denke das wir daraus lernen sollten. Ich betrachte den Kampf gegen das Patriarchat als unsere Situation. Gleichzeitig werde ich mein eigenes Selbstvertrauen aufbauen und das (maybe trigger) „disempowerment von Frauen“ verlernen.

  13. Leider muss ich an dieser Stelle eine sehr negative Erfahrung mit einer, nach eigener Aussage, transsexuellen Lesbe schildern und gebe Käsestulle in allen Punkten recht. Es ist sogar noch schlimmer. Als Mensch mit homosexuellen Neigungen ist man bei Transidenten offensichtlich vogelfrei, man darf nach belieben sexuell genötigt und pornomäßig angemacht werden und danach verabschiedet man sich einfach mit den Worten „Ich heisse Jenny und bin verheiratet mit einer Frau“, die 2 umstehenden Lesben klatschen alle Beifall und laden Jenny sogar noch dafür ein mit Ihr Party zu machen. Bravo, das nenne ich mal echt n Fortschritt. Ich bin auf eine solche groteske und hässliche Art und Weise gedemütigt worden und nicht eine oder einer hat mal gefragt, niemanden interessierte es, wie es mir dabei geht.
    Sie hat kein Wort mit mir gesprochen, mich einfach, nachdem ich Sie angelächelt habe, pornomässig angetanzt. Selbst als es mir zuviel wurde und ich mich auf einen Stuhl setzte, machte Sie weiter. Sie ging eine rauchen und ich bin ebenfalls raus. Ich fragte Sie nach Ihrem Namen und Sie sagte „Jenny“. Danach ließ Sie die Bombe platzen. Ich bin mit einer Frau verheiratet und lesbisch. Ich weiss das viele Transidente auch Aktivistinnen sind, also selbst wenn dies eine Art „Aktion“ gegen männlichen Sexismus gewesen sein sollte, so war es, ohne auch nur ein Wort mit mir zu wechseln, eine Vorverurteilung, die Ihres gleichen sucht. Und das ist noch eine nette Sichtweise. Mir fehlt einfach gerade die Kraft, ich kann nicht mal weinen, obwohl mein Innerstes sich danach sehnt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.