Wenn Männer mir die Welt erklären

Randomhouse

Rebecca Solnits wunderbares Buch „Men explaining things to me“ ist endlich in deutscher Übersetzung bei btb/Randomhouse unter dem Titel „Wenn Männer mir die Welt erklären“ erschienen. Es ist eine Sammlung analytischer Essays rund um die Themen Alltagssexismus und sexuelle Gewalt. Niemand erklärt „Mansplaining“ zu Deutsch „Herrklären“ besser als Rebecca Solnit, das spezifisch männliche Verhalten, Frauen Sachverhalte erklären zu wollen, von denen sie sich in besserer Kenntnis wähnen, nur weil sie Männer sind. Absurd bis unfreiwillig komisch sind Rebecca Solnits Ausführungen, ein aufrüttelndes Dokument über die Geschlechterverhältnisse unserer Zeit.

„Männer erklären mir die Welt, mir und anderen Frauen, ob sie nun wissen, wovon sie reden oder nicht. Manche Männer jedenfalls. Jede Frau weiß, wovon ich spreche. Es ist jener Dünkel, der jeder Frau auf jedem Gebiet ab und an das Leben schwer macht; der verhindert, dass Frauen ihre Meinung äußern oder, falls sie es doch wagen, dass sie gehört werden; der junge Frauen brutal zum Schweigen bringt, indem er ihnen, ähnlich wie Belästigungen auf der Straße, vermittelt, dass diese Welt nicht ihre ist. Er schult uns Selbstzweifel und Selbstbeschränkung, während er zugleich das durch nichts gestützte überzogene Selbstvertrauen der Männer stärkt.“

Das fulminante Buch entstand aus einem Essay, den Solnit, eine erfolgreiche Autorin, nach einigen Aha-Erlebnissen mit Mansplaining schrieb und nach denen sie eine Webseite für Akademikerinnen schuf, auf denen diese von ihren Herrklär-Erfahrungen berichteten. Ihr Essay gilt bis heute als Grundlagentext, wenn es um Mansplaining geht. Ihr Buch baut diesen Essay aus, zieht einen Bogen zur Lage der Geschlechterverhältnisse in unserer Zeit.

Solnit bleibt in ihrem Buch nicht an der Oberfläche. Sie zeichnet die Verbindung zwischen Alltagssexismus und alltäglicher Gewalt gegen Frauen, männlicher Gewalt, auf, die unsichtbar bleibt, nicht benannt und von der Vergewaltigungskultur geschützt wird. Mansplaining ist ein Teil des „male entitelment“, der männlichen Anspruchshaltung gegenüber Frauen, die in ihren extremen Formen zu Gewalt und sogar Mord an Frauen führt. Es geht um Kontrolle, um männliche Macht über Frauen, die sich in der Politik und in vergewaltigenden Filmstars findet, die trotzdem für ihre „Kunst“ gefeiert werden. Es geht um Dominiue Strauss-Kahn, Weltpolitik, den Kampf von Arm gegen Reich, Roman Polanski und Gruppenvergewaltigungen in Indien, um Virginia Woolf und Susan Sontag aber auch um das systematische Unsichtbarmachen von Frauen im System Patriarchat und unsere Zukunft – unsere Freiheit.

Ein großartiges, feministisches Lesevergnügen in einer sehr gelungenen Übersetzung und eines der wichtigsten feministischen Bücher unserer Zeit!

1 Kommentare

  1. Bri Lunzer-Rieder

    Ja. Ist *SO*. Guter analytischer Text hier. Wieder mal. Danke!

    Nur…;

    Wenn wir -wir Frauen- untereinander, miteinander, auch mal hierarchisch strukturierter uns besser SELBST ORGANISIEREN könnten, hätten wir Frauen längst ein stärkeres gesellschaftliches Gegengewicht geschaffen !

    Wieder mal was Persönliches dazu;

    Neue Bekannte. Ende 50. Viel Lebens-er-fahrung. Geschulte Therapeutin etc… und durchaus emanzipatorisch gesinnt.
    Soweit, so gut. Wir bastelten schon an einer neuen Frauenfreundschaft.
    Aber;

    Jedesmal, wenn ich im lebhafteren Gespräch -mit Divergenzen- etwas für mich logischerweise Richtiges in die Diskussion einbringe, untermauert mit EIGENEN ER-FAHRUNGEN (!), und ihre inhaltliche Posaition etwas ins Schwanken gerät, kommt sie prompt mit irgendwelchen `Autoritäterln` männl. Geschlechts daher…..;-(
    Irgendein Buch mit MÄNNLICHEM Autor wird von ihr zitiert. Angeblich in irgendeinem `wissenschaftlichen Kontext` als profunde Koryphäe bekannt usw…
    Ich steh´ dann im freundschaftlichen Streitgespräch wieder mal als etwas `daneben` da. Da ja persönlich (glücklicherweise, einerseits) ziemlich `ungeschult`, in herkömmlicher (meist akademischer) Denke…

    Werde inzwischen oft auch grantig bei diesen Gesprächsverläufen, da MEINE eigene, durchaus oft fundierte Meinung im Vergleich (zu irgendwelchen MÄNNLICHEN Blabla-isterln) ja plötzlich völlig deklassiert wirkt.
    VON EINER FRAU SO HINGESTELLT UND ABGEWERTET WIRD !!!

    Weitere Folge; keine neue Frauenfreundschaft möglich………..

    Seufz.

    Dieses Verhalten ist durchaus typisch (= auch wieder meine eigene SIEfahrung)

    Schwestern im Geiste; so wird das nie was.

    Diese innere Orientierung an männlich dominierte Führung; bitte ablegen. Sich selber umSIEziehen 😉

    Und sich endlich mehr ***wirklich*** mit anderen Frauen verbünden lernen. Auf Basis von deren Er-…äääh; SIEfahrungen.
    .

    Nachsatz, besagte reale fast-neu-Freundin hat jetzt ziemliche Krise. Sie wollte an meinen Lebensleistungen mitpartizipieren, so wie ich auch an ihren, es war schon so Einiges bisserl ausgemacht, konzeptionell `im Werden´ usw…
    Diese Frau hätte echt viel von unserer Zusammenarbeit profitieren können. In Dingen, die MEINER Lebensleistung entspringen.
    Tja.
    Inzwischen habe ich, diese gesellschaftlich so früh beschädigte, schon als Kind sozial brutalst ausgespieene Frau, aber meine Reissleine gezogen; nix geht mehr *so*. Nicht mit mir!

    da soll ich zwar selbst MEINE Lebensleistungen mit ihr teilen,
    aaaaber gleichzeitig immer wieder von ihr abgewertet werden ?
    Nein.
    Kenne sowas an Verhaltensmodii von FRAUEN (!!!) nämlich längst viiiel zu gut, bzw. schlecht..

    Bei den ersten Grünen z. B. in Wien, 1983; da hätte ich -vorher österreichweit führende grün-alternative Jungpolitikerin- als frisch gfewählte Wr. Bezirksrätin nur ein bisserl was an ganz normaler Solidarität gebraucht. Gegen echt massivste Angriffe, mit argen Lügen gespickt, die sofort leicht zu widerlegen gewesen wären ( z. B. durch eine offene Diskussion im Rahmen der jungen Partei ALÖ, das wurde abgelehnt) etc…
    Was passierte?
    ALLEINE DER VORWURF meines machtbewussten Verhaltens (= ich wehrte mich) genügte, um auch in den Augen & Hirnen der vorherigen Mitstreiterinnen den Zwangsreflex auszulösen; diese eine Frau gehört sanktioniert. Da `zu machtbewusst`.

    Was einen der Betreiber der Hetze veranlasste, mir gegenüber die gesamte damalige Frauenbewegung in Wien zu verhöhen (!); `es ist unglaublich, ich könnte ALLES mit Dir machen, UND DIE WÜRDEN ES GESCHEHEN LASSEN `…

    Übrigens, dieses Wissen um die extreme Schwäche unseres Systems wird längst bewusst ausgenutzt; z. B. Köln. Neujahr 2016.

    Generell gilt wohl; solange `wir Frauen` uns zwar einerseits gegenseitig bejammern, `wie arg das & jenes im PatriARSCHat denn nicht laufe`, etcetc… aaaber schwuppsdiwupps sofort jede Gelegenheit fürs eigene hierarchische SICH-DRÜBER-SETZEN nutzen, auch gegen die grad-noch-verbündete-Frau….die selber wg ihrem Lebensverlauf nicht solche Möglichkeiten innert männlich determinierter Hierarchien besitzt…
    …also solange wird’s jedenfalls nix.
    Mit der nötigen Selbstorganisation von, und mit uns Frauen.

    Und NUR mit solcher haben wir echte Chancen.

    Nachsatz; inzwischen ist in Österreich ein damaliges -jüngeres- Mitglied der ALÖ unser Bundeskanzler.

    Ich dagegen -damals innovativ & organisatorisch politisch führend- bin ….na ja…hm… WO gesellschaftlich real verortet ?

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