Wo Mut die Seele trägt – Wir Frauen in Afghanistan

Als Nahid Shahalimi in den 1970er Jahren in Kabul auf die Welt kam, herrschte dort das „Goldene Zeitalter“: Mädchen studierten, arbeiteten und bewegten sich frei. Die 1980er Jahre veränderten alles und sie floh mit 12 Jahren aus Afghanistan, studierte in Kanada und lebt heute in Deutschland. Ihre Heimat Afghanistan konnte sie dennoch nicht vergessen und so reiste sie fast drei Jahre lang durch das zerissene Land auf der Suche nach den Frauen. Sie fand sie und hat mit ihrem Buch „Wo Mut die Seele trägt – Wir Frauen in Afghanistan“, erschienen beim Elisabeth Sandmann Verlag, ein einzigartiges und tief berührendes Dokument über sehr unterschiedliche Frauen in Afghanistan geschaffen, die jeden Tag unerschrocken gegen Unterdrückung, Krieg, Terror und Chaos kämpfen.

„Dieses Buch möchte ein neues Licht auf die Persönlichkeiten einiger afghanischer Frauen und ihrer Situationen werfen, vor allem aber möchte es die andere Seite des mitunter so einseitigen Opferbildes zeigen, das so oft in den Medien gezeichnet wird. Unglaubliche Widerstandskraft, große Leistungen und noch größere Träume sind die Kräfte, die bei jeder einzelnen dieser afghanischen Frauen durchscheinen. Sie alle sagen: Wir wollen Afghanistan nicht verlassen. Es ist unsere Heimat, und wir werden das Land gemeinsam gestärkt wieder aufbauen.“

Da ist zum Beispiel Aziza Rahimzada, erst 15 Jahre, die aus ihrem Leben in einem Kabuler Flüchtlingslager in Youtube Videos berichtet und sich für eine Verbesserung der fast eine Million Inlandsflüchtlinge in Afghanistan einsetzt und mutig für Kinderrechte kämpft, oder Shaima Noor, Oberleutnant der Luftwaffe beim afghanischen Militär, die sagt:

„Ich sehe in mir mehr als nur eine Militärpilotin. Ich verstehe mich als ein Symbol für die Rechte der Frau. … Ich wünsche mir mehr Frauen auf diesem Gebiet, denn nur gemeinsam können wir die Ideologien und Ansichten unserer Gesellschaft ändern.“

In Shahalimis Buch finden sich viele dieser unerwarteten und deshalb umso großartigeren Geschichten von Frauen, die Tradition und Unterdrückung trotzen und damit erfolgreich sind, Vorbilder werden für andere Frauen. Daneben gibt es auch unerträglich traurige Geschichten wie die von Farkhunda Malikzada, die von einem Mob brutal erschlagen wurde, weil man sie beschuldigte, einen Koran verbrannt zu haben, dabei setzte sie sich lediglich dafür ein, den Koran nicht länger durch „profitgierige Mullahs“ falsch auszulegen.

Andere Frauen aus dem Buch kämpfen für das Recht auf Bildung, eine bessere Gesundheitsversorgung oder nur Internetzugang für Frauen. Sie machen Radiosendungen, leiten Unternehmen und unterrichten, eine jede von ihnen bietet Terror, Gewalt und Angst mutig die Stirn, obwohl ihr Leben jeden Tag in Gefahr ist.

Die Recherchen für das Buch waren nicht einfach, wie die Autorin in dem Vorwort schreibt. Reisen mussten wegen Anschlägen verschoben werden, in Afghanistan gibt es keine funktionierende Infrastruktur mehr, alles ist unsicher, alles ist gefährlich. Entstanden ist ein außergewöhnliches Buch über mutige Frauen, die sich weigern, die Hoffnung aufzugeben, die mit Stärke und Entschlossenheit an ihrer Vision von Afghanistan festhalten. Neben all dem Schweren, Traurigen, Unfassbaren ist dieses Buch von einer Heiterkeit und einer Hoffnung getragen, von so viel weiblicher Stärke und Humor, dass die Seiten regelrecht leuchten.
Mich hat dieses Buch tief berührt und ich hoffe, ich werde den Frauen aus Shahalimis Buch noch oft begegnen und sehen, wie ihre Visionen Wirklichkeit werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.