50 Shades of Grey – patriachaler Blödsinn als sexueller Tabubruch

Der Wirbel um die Verfilmung von “50 Shades of Grey” ist groß, der am Donnerstag erschienene Trailer wurde mit “riesiger” Spannung erwartet. Die Trilogie ist weltweit ein Bestseller, in der ein reicher, emotional verkrüppelter Mann aus Angst vor Bindung BDSM praktiziert, sich dazu eine junge, unerfahrene Studentin aussucht, die eigentlich auf das alles keine Lust hat, aber es für ihn erträgt, damit er endlich Zugang zu seinen Gefühlen findet. Es geht – natürlich – um die “wahre” Liebe. Für die soll frau eben auch schmerzhafte und erniedrigende Praktiken aushalten, ohne sie selbst wirklich zu wollen. Die Geschlechterstereotypen im Buch sind so verkrustet, dass es seltsam ist, wie die wenigen Sexszenen darin es zu einem “Tabubruch” machen können. Skandalös ist an diesem Buch etwas ganz anderes: die gesellschaftliche Reaktion darauf.


Ein junger, reicher, erfolgreicher Mann mit magnetischer Anziehungskraft, eine verunsicherte, sexuell unerfahrene Studentin begegnen sich und er erklärt ihr “Romantik” sei nicht sein Ding. Er stehe mehr auf die harten Sachen. Sie lässt sich darauf ein – und findet vieles schmerzhaft bis irritierend aber auch lustvoll. Sie erkennt, dass er diese Art von Sex nur praktiziert, weil er aufgrund seiner verkorksten Kindheit keine Gefühle zulassen kann und entschließt sich, alles mitzumachen, aus Liebe, die er aufgrund ihrer Hartnäckigkeit auch irgendwann entdeckt. Kurz gesagt: Lassen wir uns doch alle ein bisschen misshandeln, als Dank werden wir dann auch geliebt.

Immer wieder wurde im Zusammenhang mit dem Buch diskutiert, dass es eine sexuelle Randnische in den Mainstream gerückt habe. Hausfrauen wollen auf einmal Bondage oder Spanking, Studentinnen gehen zum ersten Mal in den BDSM-Club. Vermutlich entdecken sie da, dass das was da im Buch beschrieben wird, mit der Szene wenig gemein hat, deshalb gab es auch aus dieser Ecke viel Spott dafür. Zu Recht.

Aber Spott ist nicht die einzige Antwort darauf. Warum schafft es ein Buch mit solchen Geschlechterrollen die gesamte Gesellschaft in Wirbel zu versetzen? Nichts an “50 Shades of Grey” ist neu oder skandalös. Es ist eine Reproduzierung dessen, was wir ohnehin täglich vorfinden. Ein Mann und seine Begierden, eine Frau, die diese erfüllt. Keine Beziehung auf Augenhöhe, sie ist ihm hoffnungslos und in allen Bereichen unterlegen – er hat viel Geld, sie ist eine arme Studentin, er weiß alles, sie muss sich von ihm führen lassen. Er kauft sie regelrecht mit einem Vertrag. Sie ist seine “Sub” – er dominiert, er schlägt, er führt. Dass sie “Romantik” gar nicht so schlecht fände, interessiert ihn nicht. Skandalös ist, dass es eine solche Geschichte tatsächlich noch zum Bestseller schafft, anstatt in den Buchläden zu verrotten. Dass Beyonce, die neue Vorzeige-Popfeministin, den Titelsong beisteuert, ist eine der vielen Lachnummern, die dieses Buch mit sich gebracht hat. Tatsächlich beinhaltet die Geschichte viele Elemente von emotionalem Missbrauch und häuslicher Gewalt, die aber, egal, was die Frau will, als Teil der “Spannung” akzeptiert werden. Sie ist sein Objekt – und genießt es. Das ist ein katastrophales Frauenbild. Kein Tabubruch. Wären wir nicht tagtäglich den Unterdrückungsmechanismen des Patriarchats ausgeliefert, könnte man es als langweilig abtun. So aber ist es ein perfektes Beispiel dafür, wie Frauen mit der Ideologie ihrer eigenen Unterdrückung gefüttert werden und sie auch noch begeistert aufnehmen.  Für Männer hingegen ist es die perfekte Legitimierung, sich um die Bedürfnisse und Lust ihrer Partnerinnen nicht mehr kümmern zu müssen – denn das ist es doch, was Frauen wollen, so suggeriert es der Film, ganz nach Porno-Ideal. Verpackt in einer Liebesgeschichte ist das ganze dann auch für Frauen akzeptabel, wer Kritik daran übt, ist  – natürlich – prüde. Dabei gibt es wirklich nichts Prüderes als die überkommenen Klischees in “50 Shades of Grey”.

6 Kommentare

  1. ENDLICH spricht mir wer aus der Seele! Super verfasst. Danke!

  2. Ich habe den Film gestern angeschaut und war erschüttert. Da ich selber 2 Jahre lang in einer Missbrauchsbeziehung mit einem äußerst manipulativen Mann war, läuteten mir die Alarmglocken den ganzen Film hindurch. Was bringt einen Menschen (ich meine die Autorin) dazu, solch eine Beziehung zu glorifizieren? Antwort: eine narzisstisch gestörte und zutiefst patriarchale Vorstellung von “idealer Liebe” und von Geschlechterrollen, die uns schon von Kindesbeinen an eingetrichtert werden. Leider. Deswegen müssen viele Frauen erstmal lernen, auf sich zu hören und ihrer Wahrnehmung zu trauen. Das ist nämlich das einzige, was hilft, wenn mensch in einer solchen Beziehung feststeckt. Auf sich hören, sich losreißen und Kontaktabbruch. Ein solcher Mensch wie Christian Grey wird sich nicht helfen lassen wollen. Umso schlimmer, dass die Buchreihe genau das Gegenteil suggeriert.

  3. Nachtrag: bei mir war es zwar psychische/emotionale Gewalt, also eine andere Form von Gewalt als die, die in diesen unsäglichen Büchern dargestellt wird. Ändert aber nichts, denn die Konstellation der “Beziehung” und die manipulative Art des “Partners” waren genau gleich. Außerdem kann aus psychischer Gewalt physische Gewalt werden.
    Hilfe für Betroffene gibt es zum Beispiel hier: http://em-life-forum.de/seiten/frauenwelten/beispiele_emotionaler_gewalt.html

  4. Echt … wie können Frauen und auch Männer so dumm sein und diesen Mist toll finden?!? Ich finde solche Leute gehören ersch***en! Mag sein, dass einige auf BDSM stehen …
    Es ist eine Schande, ich fühle mich als Frau hintergangen und verarscht!
    Wie wunderbar es dargestellt wird,dass die Frau einObjekt ist …

  5. Ich bin froh den Beitrag dazu grade gelesen zu haben,macht bitte weiter so.Ich Persönlich kriege echt das grosse Kotzen,das Frauenbild ist echt eine Katastrophe,und die meisten sind schon so verstrahlt von den Medien das sie in keinster Weise ahnen das mit dem Frauenbild irgendwas nicht stimmt! Man muss sich draussen nur einmal umsehen und überall begegnen einem Nackte Modells die einen totalen Schlafzimmer Blick haben,es ist krank!Komplexe zu entwickeln ist da schon vorprogrammiert,wir sind nunmal nur Menschen und auch sehr manipulierbar.Ständig an jeder Werbetafel geschmacklose Abbildungen und slogans zu lesen,meine Güte was wird aus den heutigen Kindern bitte fuer armseelige gestalten?!Da wurde so eine perverse Sache erschaffen und ich bin eine Frau und muss das ertragen,na toll.Vorallem als ob unsere Gesellschaft nicht schon von genug Pornografie geprägt wurde,da kommt so ein unterbelichteter Film und die Masse feiert das auch noch ab.Der Sexismus ist so wiederwertig, ich möchte nicht in solch einer Gesellschaft leben erst recht nicht selbst als Frau, das ziehe ich lieber in den Busch und erspare mir dieses Makabere Theater,bäh wirklich nur bäh.musste sich der Sexismus wirklich in so eine abartig perverse Richtung entwickeln…
    LG

  6. Bri Lunzer-Rieder

    das Einzige, dass unsereins an solchen Machwerken echt interessant findet, ist; dass mit sowas viel Geld verdient werden kann !

    Unglaublich…

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