Ab heute alleinerziehend

Mutter mit Kind

Photo by Thiago Cerqueira on Unsplash

Tina Corbé ist alleinerziehende Mutter, beruflich erfolgreich und sie hat genug davon, dass Alleinerziehende ständig als Mütter zweiter Klasse behandelt werden. Wie alle jungen Frauen träumte auch sie von einer klassischen Familie – bis das Leben zuschlug. Der erste Mann betrog sie mit der besten Freundin, der zweite setzte sie schwanger vor die Tür. Da entschied Tina Corbé, die Ärmel hochzukrempeln und sich alleine durchzuschlagen – mit Erfolg: Heute ist sie auf der Karriereleiter weit oben und lebt mit ihren Töchtern ein unabhängiges und sorgenfreies Leben. Der Weg dorthin war steinig: Sorgerechtsstreitigkeiten, eine lebensbedrohliche Erkrankung, fehlende Unterhaltszahlungen, Diskriminierung durch Arbeitgeber, Jugendamt und Lehrer – Tina Corbé hat alles erlebt, was Alleinerziehenden in Deutschland zugemutet wird. In ihrem gerade erschienen Buch “Ab heute alleinerziehend” schreibt sie über die Situation von Ein-Eltern-Familien:

1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind alleinerziehend, 90 Prozent davon sind Frauen. Noch immer werden Ein-Eltern-Familien als Ausnahmen betrachtet, dabei ist ihre Zahl in den vergangenen 20 Jahren konstant gewachsen, Tendenz steigend. Alleinerziehende und ihre Kinder werden in Deutschland benachteiligt. Die klassische Kleinfamilie ist längst nicht mehr alternativlos. Dennoch begegnet man Alleinerziehenden mit Misstrauen. Sie werden als »unvollständige« Familien betrachtet. Auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt haben sie schlechtere Chancen und ihre Kinder erleben in der Schule häufiger Diskriminierung und geringere Aufstiegsmöglichkeiten. Staatlich organisierte Hilfen gibt es kaum, auch am Bewusstsein für die Problemlagen Alleinerziehender mangelt es noch. Mit »Ab heute Alleinerziehend« lädt Tina Corbé zu einem Perspektivwechsel ein. Entlang ihrer eigenen Geschichte beleuchtet sie verschiedene Bereiche, in denen Alleinerziehende und ihre Kinder Benachteiligungen und Problemen ausgesetzt sind: Bei Betreuung und Unterhalt, durch Vorurteile von Lehrern, im Steuerrecht, in der gesellschaftlichen Anerkennung. Häufig übernehmen Alleinerziehende die abwertende Haltung, die ihnen entgegengebracht wird, anstatt auf ihre tägliche Leistung stolz zu sein. Genau daran möchte »Ab heute Alleinerziehend« etwas ändern. Es ist ein Buch, das Mut macht, genauer hinzusehen und Forderungen stellt, an die Politik und an die Gesellschaft. Die Botschaft: Alleinerziehende sind nicht so allein und hilflos, wie sie manchmal denken und eine Veränderung der Wahrnehmung der Situation Alleinerziehender ist bereits im Gange.

aus “Ab heute alleinerziehend” von Tina Corbé
Ab heute alleinerziehend - Cover
Cover ab heute alleinerziehend

Eine mutige Stimme für Alleinerziehende

Tina Corbé schreibt mutig, witzig und mit einer gehörigen Portion Wut in der Stimme. Sie führt Fakten und Zahlen an und gibt so einen guten Überblick über den “Status Quo” für Alleinerziehende. Dass Alleinerziehende noch immer als “defizitäre Familien” betrachtet werden, die auf dem Arbeits- und dem Wohnungsmarkt benachteiligt werden und die von Lehrern wie Jugendamtsmitarbeitern gerne als “unzureichend” oder “problematisch” betrachtet werden, macht sie wütend. Was mich an ihrer Geschichte besonders beeindruckt, ist, dass sie, obwohl sie als Alleinerziehende bereits einiges leistete, sogar noch ein Kind aus der Nachbarschaft als Pflegekind aufnahm, als in der Herkunftsfamilie nichts mehr ging. Ich habe mich in vielem, was Tina Corbé schreibt, wieder erkannt, und einiges hat mich zornig gemacht. Viele Alleinerziehende denken immer, es läge an ihnen, dass die Umwelt so mit ihnen umspringt. In Wahrheit geht es um strukturelle Diskriminierung und Benachteiligung – die Frauen bzw. Mütter und ihre Kinder trifft. Die Politik ist dringend gefragt, daran etwas zu ändern. Ein wichtiges Buch genau zur richtigen Zeit!

Hier geht es zur Website der Autorin.

3 Kommentare

  1. Ich bin seit 14 Jahren alleinerziehend, die Stolpersteine die hier erwähnt werden kenne ich aus eigener Erfahrung. Ich habe aber nie den Fehler gemacht über diese Ungerechtigkeit zu lamentieren, wer sich selbst nicht als Opfer sieht, wird auch nicht so behandelt.

  2. “Wie alle jungen Frauen träumte auch sie von einer klassischen Familie”??? Also bitte!! Was ist denn das für ein Quatsch!

  3. @Julia, wer sich selbst nicht als Opfer sieht wird auch nicht so behandelt…..
    einerseits JA, anderseits NEIN. In der heutigen Zeit und mit diesen Strukturen kann es sehr schnell gehen, dass man, oder besser Frau zum Opfer gemacht wird. Ob sie sich selbst so sieht ist dann nochmals eine andere Frage. Aber zum Opfer gemacht werden, kann sehr leicht passieren. Sehr leicht. Von allen Frauen und Mädchen aus noch patriarchalischeren Kulturen sprechen wir jetzt hier gar nicht. Und: Frauen sollten in Frieden leben dürfen und nicht ständig “stark und tapfer” sein müssen. Da stimmt doch etwas nicht.

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