Anleitung zum Schwarzsein

Buchcover: Anleitung zum Schwarzsein

Anne Chebu: Anleitung zum Schwarz sein, Unrast Verlag, 2014

Was bedeutet Schwarzsein in Deutschland? Anne Chebu von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) geht dieser Frage in ihrem Buch “Anleitung zum Schwarzsein” nach.

Für mich ist Rassismus wie ein großes Netz, das aus vielen kleinen und großen Knoten bestet. Diese sind miteinander verbunden. Dieses Netz ist größer, als man es sich vorstellt. Denn es beginnt mit komischen Fragen auf Partys, geht über sogenannte No-Go-Areas im Osten bis hin zu immer wieder produzierten Bildern in Medien, Schulbüchern und der Politik und schließt sogar Mord mit ein […]

schreibt Anne Chebu und setzt sich gleich zu Anfang mit den verschiedenen Formen von Rassismus auseinander. Sie erklärt warum “Schwarz” (großgeschrieben, um den politischen Kontext sichtbar zu machen) die richtige Bezeichnung für Afro-Deutsche oder PoC ist und warum Begriffe wie “farbig” oder “Mischling” von rassistischen Stereotypen geprägt sind. Mit Humor verfolgt sie die Frage, warum es überhaupt so wichtig ist, ständig die Hautfarbe zu benennen und wie absurd es ist, dabei Unterschiede im “Schwarzsein” zu machen – wie sie sich in Zuschreibungen wie “Mokka” oder ähnlichem äußern. Sie erzählt die lange, über 300 Jahre anhaltende Geschichte Afro-Deutscher, die in unterschiedlicher Weise von rassistischer Ausgrenzung, Kolonialisierung und Sklaverei geprägt war.


Die Autorin setzt sich mit den unterschiedlichen Phasen ihres Schwarzseins in Deutschland auseinander, von der Ablehnung der Schwarzen Identität über eine Auseinandersetzung mit rassistischen Alltagssituationen (zu denen viel zu oft auch der positive Rassismus wie der Musik, die angeblich allen Schwarzen “im Blut” liegt oder das Anfassen der Haare gehört) bis hin zu einem selbstbewussten Auftreten. Schwarzsein in Deutschland, das bedeutet, dass es als lustiges Faschingskostüm gilt, sich das Gesicht schwarz anzumalen oder aber die unsägliche Debatte darüber zu ertragen, ob es nun “Zensur” ist, das “N”-Wort aus Kinderbuchklassikern zu streichen, sie schreibt über den Wunsch nach glatten Haaren, rassistische Schulbücher und das racial profiling der Polizei und Übergriffen von Sicherheitskräften in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Anleitung zum Schwarzsein ist, was der Titel verspricht: Eine Anleitung, wie Schwarze Deutsche mit diesen Erfahrungen umgehen, wie sie sich ein starkes Selbstbewusstsein aufbauen und weißen Deutschen einen Spiegel vorhalten können. Anne Chebu empfiehlt ihnen, sich mit anderen zusammen zu schließen, Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit zu schaffen. Zugleich kann ihr Buch weißen Deutschen, die aufgrund ihrer eigenen, privilegierten Stellung für diese Art der Diskriminierung oft blind sind – oder sie sogar, bewusst oder unbewusst, ausüben – die Augen öffnen und sie sensibler dafür machen, was auch gedankenlos dahin gesagte Sätze beim Gegenüber anrichten (“ich wäre auch gerne schwarz” zum Beispiel). Ein wichtiges und trotz des ernsten Themas humorvolles Buch, das hoffentlich dazu beiträgt, dass Schwarze Deutsche nicht mehr ständig gefragt werden, woher sie denn eigentlich kommen.

Das Buch ist bei Fembooks erhältlich.

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