Alle Artikel von Anneli Borchert

Über Männer und Schrott #menaretrash

von Anneli Borchert

Derzeit geht der Hashtag #menaretrash viral, und wie wir uns alle denken können, stößt er – nicht nur bei Männern – auf wenig Gegenliebe. Die Reaktionen reichen von „so redet man aber nicht über Menschen“ über „das schadet dem Feminismus“ bis hin zu offenen Vergewaltigungsandrohungen oder Ausführungen darüber, dass es kein Wunder sei, wenn Männer gewalttätig werden würden, Männer seien nur dann aggressiv, wenn sie frustriert seien, und dieser Hashtag sei sehr frustrierend.

Unabhängig davon, ob man glaubt, dass ein Hashtag etwas verändern kann, sind folgende Dinge zu sagen:

Die so plakativ zur Schau gestellte Betroffenheit darüber, als Schrott bezeichnet zu werden, ist eine Farce. Männer tun wer weiß wie verletzt, empören sich, fühlen sich getroffen.

Warum?

Weil Frauen sie für ihr Verhalten anzählen.

Frauen werden gedemütigt, ausgebeutet, verstümmelt, versklavt, geschlagen, eingesperrt, belästigt, vergewaltigt, objektifiziert, ermordet. Täglich, stündlich, minütlich. Sekündlich. Weltweit.

Und warum?

Weil Männer ihnen das antun.

Männer demütigen, beuten aus, verstümmeln, versklaven, schlagen, sperren ein, belästigen, vergewaltigen, objektifizieren und ermorden Frauen. Täglich, stündlich, minütlich. Sekündlich. Weltweit.

Wenn das mal kein schrottiges Verhalten ist.

Dabei haben Männer komischerweise kein Problem damit, dieses Verhalten auszuüben. Das Problem erscheint erst dann auf der Bildfläche, wenn irgendeine sagt, wie es ist. Aber auch dann ist ihr Verhalten nicht das Problem, nur, dass gesagt wird, dass es ein Problem gibt. Aber „du machst damit dasselbe wie die Täter, du begibst dich auf dasselbe Niveau“ zieht nicht. Männer dafür, dass sie Frauen unterdrücken, als Schrott zu bezeichnen, ist nicht dasselbe, wie Frauen zu unterdrücken. Männer dafür, dass sie vergewaltigen, als Schrott zu bezeichnen, ist nicht dasselbe, wie zu vergewaltigen.

Ich sehe Männer via #menaretrash auch nicht diskutieren, wie scheisse sie all die Vergewaltigungen, Morde und so weiter finden. Ich sehe nur Mimimimi darüber, dass jemand ausspricht, dass es sie gibt.

Aber wieso sollte die „Verletzung“, die Männer empfinden, wenn sie #menaretrash lesen, wieder das Bier von Frauen sein?

Unsere Sicherheit ist wichtiger als eure Gefühle.

Wenn euch stört, dass ihr als Trash, als Schrott wahrgenommen werdet, dann wendet euch doch bitte an eure Geschlechtsgenossen und hindert sie daran, sich weiter wie Schrott zu verhalten. Und am besten reflektiert ihr gleich auch mal euer eigenes Verhalten gegenüber Frauen. Schaden kanns nicht. Oder gibt es etwa einen unter euch, der noch nie gegrabscht hat, sich noch nie via Porno einen darauf runtergeholt hat, dass eine Frau vergewaltigt wird, noch nie einen sexistischen Witz gemacht hat, über eine betrunkene Frau drübergerutscht ist, weggeschaut hat, wenn eine belästigt wurde, eine vergewaltigte Frau beschämt hat? Nein? Noch nie gemacht? Vorbildlich. Aber nicht sehr glaubhaft.

Das nächste ist, dass von Frauen noch immer erwartet wird, nett zu sein. Selbst wenn wir als, wenn man so will, Genderklasse von einer anderen Genderklasse (Männern) unterdrückt werden, Gewalt erleiden usw., sollen wir, wenn wir schon meinen, ansprechen zu müssen, dass es so ist, bitte trotzdem nett sein.

Aber Fakt ist: Vergewaltigungen und Morde sind auch nicht nett.

Frauen wird vorgeworfen, mit #menaretrash den „Frieden“ zwischen den Geschlechtern zu stören, aber ich frage mich, welcher Frieden? Es gibt keinen Frieden zwischen Männern und Frauen. Hier herrscht Krieg – und Frauen haben ihn nicht begonnen, und sie stehen auch nicht auf der Täterseite.

Es wird behauptet, der Hashtag sei dem „Gespräch zwischen den Geschlechtern“ nicht förderlich, aber was soll das für eine Ebene sein? Erstens ist die Gewalt, die von Männer täglich ausgeübt wird, kein verdammtes Gesprächsangebot (und ihre Benennungen uns gegenüber auch nicht: Fotze, Schlampe…), und zweitens, ich glaube nicht daran, dass Männer so dumm sind, dass sie in all den Jahrtausenden der von ihnen ausgeübten Gewalt einfach nur noch nicht begriffen hätten, wie scheisse sie sich verhalten. Es geht nicht darum, dass Männer das nur noch nicht kapiert haben und dass es die Aufgabe von Frauen ist, ihnen immer und immer wieder zu erklären, in einem netten Gespräch und wenn möglich, in Ich-Botschaften und ohne Anschuldigungen, Männern begreiflich zu machen, dass ihr Verhalten ein Problem ist. Ich halte Männer nicht für so bescheuert. Männer wissen, dass ihr Verhalten scheisse ist. Wenn sie es trotzdem an den Tag legen, dann, weil sie es wollen. Warum sollten wir zu Männern, die uns als strukturell und individuell Gewalt antun, nett sein? Warum sollten wir von Männern, die uns strukturell und individuell Gewalt antun, Verständnis erhoffen? Warum sollten wir Männer, die uns strukturell und individuell Gewalt antun, um Besserung bitten?

Und scheisse nochmal, warum sollten wir überhaupt friedlich sein?

Feminismus ist nicht friedlich. Feminismus der sanft ist und nachgiebig und der keinem wehtut, ist kein Feminismus. Feminismus, der Männern nicht wehtut ist für die Tonne. Feminismus, der von Männern definiert wird, bringts einfach nicht.

Es geht hier nicht darum, dass wir mit Männern ins Gespräch darüber kommen wollen, wie wir die Wohnzimmerwand streichen, das hier ist kein Stuhlkreis, in dem wir unsere Gefühle schildern, das hier ist keine Diskussionsrunde, in der Kompromisse geschlossen werden.

Feminismus ist kein Kompromiss.

Menschenrechte für Frauen sind kein Kompromiss.

Und unser Recht darauf, nicht ermordet, nicht vergewaltigt, nicht unterdrückt zu werden, steht hier keinesfalls zur Debatte.

Wenn jetzt hier Männer ankommen und meinen, sie könnten mit Feminismus nichts mehr anfangen, weil sie so verletzt von dem Hashtag seien, dann kann ich nur sagen: ihr wart eh nie viele, wenn es darum geht, sich gegen Gewalt an Frauen auszusprechen, warten wir immer vergeblich auf euch. Bleibt halt auf der Täterseite, es scheint euch da gut zu gefallen, am Ende habt ihr eh nur auf einen Anlass gewartet, euch nicht engagieren zu müssen, euer Verhalten nicht ändern zu müssen, eure Geschlechtsgenossen nicht auf die von ihnen fabrizierte Scheisse anzusprechen.

Wenn ihr jetzt kommt mit „es braucht aber eine Solidarität zwischen allen Geschlechtern, und das hier ist keine“, dann sage ich euch: ihr habt bisher auch keine gezeigt, und wir Frauen haben nicht kollektiv das Stockholmsyndrom, dass wir denen, die uns schlagen, prostituieren, ermorden, missbrauchen gegenüber auch noch solidarisch sind. Forget it.

Leider sind wir auf einer Entwicklungsstufe, in der es geradezu umstürzlerisch, utopisch und undenkbar erscheint, für Frauen die volle Palette an Menschenrechten zu fordern. Das ist armselig genug.

Aber die Frage ist die: was ist, wenn uns Frauen scheissegal ist, was Männer davon halten, DASS und WIE wir für unsere Rechte kämpfen?

Was ist, wenn uns plötzlich egal wäre, ob wir nett rüberkommen? Und friedlich? Und bitte nicht mit zu vielen Forderungen, damit sich die Herren der Schöpfung nicht überfordert fühlen?

Ich für meinen Teil kann nur sagen, ist mir egal, was ihr von mir denkt.

Ist mir egal, ob ihr mich nett findet.

Ist mir egal, ob ihr denkt, ich sei aggressiv.

Ist mir egal, ob ihr denkt, ich sei „menschenverachtend“.

Ist mir egal, ob mein Feminismus euch genehm ist. Fakt ist nämlich, er soll es gar nicht sein.

Ja, Männer sind Schrott! Darüber könnt ihr weiter rumheulen und mimimimi, aber die Taschentücher zu eurem Geflenne sticken und reichen wir euch nicht mehr – wir haben genug damit zu tun, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

 

(c) Anneli Borchert

 

 

Warum Alice Weidel keine Nazischlampe ist

Eine kleine Solidaritätserklärung von Anneli Borchert

 

Der Rapper Farid Bang, neulich im Kreuzfeuer der Kritik wegen antisemitischer Äußerungen, hat Alice Weidel in einem seiner, mh, „Songs“ als „Nazibitch“ bezeichnet.
Weidel prüft jetzt rechtliche Schritte – sie werden erfolglos sein. Denn Alice Weidel von der AfD darf, das ist gerichtlich seit ungefähr einem Jahr bestätigt, satirisch „Nazischlampe“ genannt werden.
Weidel hatte gefordert, politische Korrektheit auf der Müllkippe zu entsorgen, daraufhin hatte der Moderator Christian Behring in der Satiresendung „extra3“ sie so genannt.
Das Gericht befand, Weidel dürfe Schlampe genannt werden, schließlich erfolge diese Beleidigung nur, weil sie nun mal eine Frau sei.
Nicht nur, dass ein deutsches Gericht befindet, dass Frauen wegen ihres Frauseins beleidigt werden dürfen, nein, auch in den Kommentarspalten linker und feministischer Medien tobt sich wegen dieser beider Vorfälle der bewusste und unbewusste Antifeminismus hierzulande aus. Der, der aus den eigenen Reihen kommt, trifft am meisten. Es ist unglaublich, aber wenig überraschend, dass auch und gerade linke Menschen das vermeintliche Recht verteidigen, Weidel als Schlampe bezeichnen zu dürfen.
Zu dieser ganzen Kackscheisse hier ist Folgendes zu sagen.

1. Das Wort „Schlampe“ ist eine Beleidigung, die nicht darauf abzielt, bloßzustellen, dass Weidel Bockmist erzählt und das am laufenden Band, sondern die sie ALS FRAU trifft, sie zielt auf ihr Frausein ab. Diese Beleidigung sagt nicht „Weidel sagt bekloppte Dinge“ oder „Weidel hat mal wieder was megabescheuertes rausgehauen“ oder sonstwas, sondern sie hat zum eigentlich Kern, Weidel herabzusetzen, WEIL SIE EINE FRAU IST. Das ist schlicht NICHT OKAY. Ich begreife nicht, wie man das verteidigen kann. Wenn eine schwarze Person was beklopptes sagt, ist es doch wohl auch ein Unterschied, ob ich sage „das war jetzt echt hirnverbrannt / völliger Bockmist / …“ oder ob ich sage „du Neg**“. Warum muss man das überhaupt erklären? Das Wort „Schlampe“ trifft nicht nur Weidel, es trifft uns Frauen, es trifft alle Frauen ALS FRAUEN.

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Graue Gesichter vor grauen Plattenbauten in natürlich grauem Nieselregen – Bilder von Ostdeutschland in Medien und westdeutschen Köpfen

(ein kleiner Rant von Anneli Borchert)

Letzten Winter hat mich eine Bekannte aus Westdeutschland in Dresden besucht. Sie fahre, äußerte sie, zum ersten Mal in den Osten und hoffe, dass trotz der 5 Grad minus „alles klappe, mit Strom und so“. Als ich daraufhin witzelte, sie habe Glück, diesmal seien die Rohre nicht eingefroren und wir hätten deshalb sogar mal fliessend Wasser, hat sie das erschreckenderweise nicht als Witz verstanden. Das hat mich schon irritiert.

Noch verstörter war ich, als ich ihr Dresden zeigte und sie immer wieder äußerte „Das hätte ich ja nicht gedacht, ihr habt ja hier richtige Häuser!“ (… what) und „Das ist ja voll schön hier, wirklich schön, ich bin erstaunt!“ Auf die Frage, warum sie das überrasche, dass es in Dresden schön sei, meinte sie: „Ich dachte halt, ihr wohnt hier alle in Plattenbauten, weil ihr doch alle arbeitslos seid.“

Für den Moment war ich wirklich geflasht davon, dass eine gebildete, kulturell interessierte Person nicht nur derart vorurteilsbehaftet ist, sondern sich nicht mal dafür schämt, derartige Blödigkeiten auch noch rauszuhauen (statt nur still zu denken).

Zunächst mal, 30 Jahre nach der Wende immer noch „nie im Osten gewesen“ zu sein ist halt doch eigentlich schon peinlich, oder? Ich meine hallo, das ist Ostdeutschland und nicht Südamerika jetzt. Man braucht kein halbes Jahr oder so, um herzukommen und sich zu vergewissern, ob wir nun nur Plattenbauten (etwas, dass  es im Westen ja so überhaupt nicht gibt) haben oder doch vielleicht auch paar schöne Landschaften (die Chefin einer Freundin neulich zu ihr ganz erstaunt: „Ich habe ja gehört im Osten soll es sogar auch ein paar schöne Ecken geben?“ – really…) und eventuell sogar Kulturstädte. Ich meine, hallo, Dresden zum Beispiel, das ist nicht Hinterhermsdorf, jedeR hat schonmal vom Zwinger gehört, und man kennt doch die Bilder von der Brühlschen Terrasse, von der Gemäldegalerie und der Semperoper, oder nicht?

Leider ist meine Bekannte da nicht die einzige Person, die es noch nie für nötig gehalten hat, sich Ostdeutschland mal anzuschauen, weil es da eh nichts zu sehen gibt außer halt Plattenbauten, in denen ungebildete, kulturlose Menschen wohnen.

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Lieber mit Nazis als von Frauen reden – Debattenkultur auf sächsisch

Ich war grad im Stadtmuseum und habe da eine Veranstaltung besucht, die „Wie die BRD nach Sachsen kam“ hieß. Da wurde ein neuer Band der „Dresdner Hefte“ rausgegeben (die ich sehr schätze), und es ging um ostdeutsche Identität, westdeutsche Eliten und natürlich unser ostdeutsches Problem mit Rechtsextremismus.

Ich will jetzt gar nicht dieses ganze Thema aufrollen, es geht mir um was ganz anderes.

Wir saßen da jetzt so im Stadtmuseum rum, 3 Männer auf dem Podium, ein Mann als Moderator, das Publikum auch überwiegend männlich und, naja, älter. Das zum Setting.

Was mir schwer im Magen liegt, ist, dass die ganze Veranstaltung lang nicht ein einziges Mal gegendert wurde. Es hieß immer nur „der Künstler“, „der Ostdeutsche“, „wir müssen ihn verstehen“, „der junge Ausbildungsabbrecher“, „der sieht, wie sein Vater nichts hinkriegt und arbeitslos ist“ usw.  Und es war klar, hier wird nicht nur generisch männlich bezeichnet, hier ist auch definitiv männlich gemeint.

Der Kracher war jetzt der Schluss. Es ging um die Fanschar von Dynamo Dresden, und Frank Richter, ehemaliger Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, meinte doch glatt, er sehe da ein großes Bedürfnis nach Identität, nach einer kämpferischen Gemeinschaft, eine Sehnsucht, die ins Leere liefe, denn „vielleicht haben wir sie auch zu früh abgestempelt“ und dann hätten sie noch durch ein „völlig weiblich dominiertes Schulsystem gemusst, in dem die Jungen eben nicht kriegen, was sie brauchen“.

Ich bin gerade dezent fassungslos darüber, dass die ganze Debatte über (bis auf die explizite Nennung von 3 Künstlerinnen) keine Frauen vorkamen, und dann, als wir endlich mal gnädigerweise erwähnt wurden, war es nicht etwa, um mal nach unseren Bedürfnissen zu fragen oder auf unsere Situation hinzuweisen, nein, dann war es, um uns auch noch die Schuld daran zuzuschieben, dass Scheissdynamoassinazis Scheissdynamoassinazis sind.

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„Modetrends, die Männer hassen“

 

Der Sommer kommt! Ihr freut euch! Aber VORSICHT! Vorsicht und Alarm!

Der Sommer ist nicht so nett, wie ihr immer gedacht habt. Der Sommer ist eine böse Falle! Gott sei Dank ploppen in den Facebooktimelines momentan wieder massenweise gesponsorte Beiträge auf wie „Diese Beautytrends hassen Männer“, „Auf welche Looks du verzichten solltest“, „Mit diesen Stylingtrends kommst du bei Männern nicht an“. Dieses Phänomen begegnet uns alle Jahre wieder, und wir sollten dankbar dafür sein, dass es Menschen gibt, die sich wirklich, ich meine WIRKLICH Gedanken um uns Frauen machen. Denn jetzt mal ehrlich, nichts  wäre schlimmer für eine Frau, als etwas zu tragen, was Männer nicht MÖGEN. Die reine Katastrophe. Stellt euch das mal vor, ihr zieht früh eure neue supertolle High-waisted-Jeans an, ihr tragt sie den ganzen Tag, ihr fühlt euch super, und abends dann lest ihr in irgendeiner Frauenzeitschrift, dass Männer High-waisted-Jeans an Frauen HASSEN. Und ihr seid also den ganzen Tag rumgerannt und habt keine Wichsvorlage für die Herren der Schöpfung abgegeben. Ihr habt euer Verhalten, euer Make-up, eure Frisur, eure Klamotten, euer VERHALTEN nicht darauf ausgerichtet, Männern zu gefallen. Wie schrecklich! Eure Welt stürzt ein. Habt ihr überhaupt noch eine Lebensberechtigung?

Aber es gibt Abhilfe! All die Frauenzeitschriften, die euch beibringen möchten, wie ihr RICHTIG Frau seid, wie ihr die RICHTIGEN Blowjobs gebt, wie ihr RICHTIG reagiert, wenn euer Wertester Pornos schaut (nicht zicken! Cool bleiben! Mitschauen! Nachmachen! Da steht er total drauf!), mit welchem Lipgloss ihr ihn dazu bringt endlich lieb zu euch zu sein, eilen um euch zu helfen: damit ihr nicht aus Versehen sowas tragt wie Ankle Boots, Dutts, Blümchenmuster, Bubikragen, Pullover in oversize oder Jumpsuits (ja! Männer hassen sie! Das wusstet ihr noch nicht, was? Das gibt ne 6 für eure lahme Recherche!).

 

Jetzt dachte ich mir, dass das eigentlich eine gute Sache ist. Regeln für das andere Geschlecht aufstellen, das gefällt mir. Das ist der Verständigung unter den Geschlechtern zuträglich und verbessert das Miteinander. Und im Sinne der Gleichberechtigung dürfen Frauen ja auch mal was fordern, gell? Es ist ja nicht so, dass hier völlig einseitig massiv überzogene, übergriffige Anforderungen an Frauen gestellt werden dürfen. (Ist euch das bisher so vorgekommen? Macht euch keine Gedanken darum. Geht euch lieber abschminken. Männer hassen dunkelrote Lippenstifte!)

 

Deswegen jetzt hier meine top 7 der Trends, die Frauen an Männern hassen:

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Im Erlebnisbad der Gewalt – eine Replik auf den Text “Du Opfer”

Vor ein paar Tagen haben die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal und die Studentin der Sozialen Arbeit Marie Albrecht auf taz online einen Text veröffentlicht, in dem vorgeschlagen wird, vergewaltigte Personen nicht mehr „Opfer“, sondern „Erlebende“ zu nennen. (Ja, richtig gelesen, nicht „ÜBERlebende“, sondern „Erlebende“.) Sanyal und Albrecht begründen das so:

„Denn ´Opfer´ ist keineswegs ein wertfreier Begriff, sondern bringt eine ganze Busladung von Vorstellungen mit. Wie die, dass Opfer wehrlos, passiv und ausgeliefert sind – und zwar komplett. Bloß sind Menschen, denen etwas angetan wurde, ja immer noch sie selbst (…) Wenn mir jemand erzählt, dass er oder sie einen Autounfall gehabt hat, wird sich meine Wahrnehmung dieser Person wahrscheinlich kaum verändern. Genau das passiert jedoch, wenn wir ´Autounfall´ durch ´Vergewaltigung´ ersetzen. (…) Indem wir Menschen als Opfer bezeichnen, stecken wir sie in eine Schublade und werfen den Schlüssel weg.“

 
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Die Sache mit den Safe Spaces – Warum ich keine Schwänze auf Frauentoiletten haben will

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Gestern war ich tanzen, und als ich aufs Klo wollte, stand dort ein Mann in Frauenkleidern und schminkte sich. Ich war irritiert, konnte, so lange wie er da war, nur baff rumstehen und habe später angemerkt, dass ich mich nicht wohl und nicht sicher fühle, wenn Menschen mit Schwanz sich auf dem Frauenklo aufhalten.

Kurz voranschicken möchte ich: ich habe mit umoperierten Transfrauen auf dem Klo überhaupt kein Problem. Ja, diese haben trotzdem eine männliche Sozialisation usw., aber darum geht es jetzt nicht. Womit ich ein Problem habe, sind Menschen mit Schwanz auf dem Frauenklo. Ist mir egal, unter welchen Frauenklamotten dieser Schwanz vor sich hergetragen wird und wieviel Schminke die Person, die ihn trägt, im Gesicht hat. Eine Toilette ist ein intimer, geschützter Rückzugsort. Hier kann man sich erleichtern, kotzen, sich umziehen, telefonieren oder heulen. Der Privatsphäre in einer Toilette kommt eine große Bedeutung zu. Sex auf Toiletten ist beliebt und akzeptiert. Auf gemeinsamen Toiletten kommt man sich unter Fremden sehr nahe, oft zu nahe. Das ist unangenehm, bislang für Frauen aber nicht gefährlich. Ein Schwanz aber ist eine potenzielle Waffe. Er kann benutzt werden, um Frauen gegen ihren Willen zu pentrieren, vielleicht in einer Situation, in der sie hilflos, ungeschützt oder schlichtweg unachtsam sind. Opfer sexueller Gewalt müssen ein Recht auf schwanzfreie Räume haben. All das schoss mir durch den Kopf, während ich dort stand und überlegte, wie ich mit der Situation umgehen soll.

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Flirten auf Deutsch

Bahnsteig, Bahnhof

Public Domain

Heute Morgen bin ich aufgewacht und es hatte geschneit. Große Freude herrschte, bis mir einfiel, dass Radfahren im Schnee bei mir immer schiefgeht, und ich fahre mittlerweile alle innerstädtischen Wege mit dem Rad. Warum? Weil ich keinen Bock habe, angequatscht zu werden.

Etwas hat sich verändert, wir wissen es alle. Ich erspare mir jetzt den Sermon, dass auch „bio-deutsche“ Männer schlimm sind, sexistisch sind, sexuelle Gewalt ausüben etc., denn darum soll es in diesem Artikel mal nicht gehen. Es ist eine neue Komponente hinzugekommen, und zwar durch männliche Einwanderer aus Ländern mit muslimischer Mehrheitsgesellschaft, nicht alle, aber ein erheblicher Teil von ihnen mit einem heftig abstoßenden Frauenbild. Wir haben alle gehört davon, dass die Gewalt, die sie ausüben, in Zwangsprostitution münden kann, wie in dem Bordell im Flüchtlingslager Idomeni oder die syrischen Frauen in Jordanien, wir haben gehört, dass flüchtende Frauen so vielen Vergewaltigungen ausgesetzt werden auf ihrer Flucht, dass sie sich vor der Flucht die Dreimonatsspritze geben lassen, um nicht schwanger zu werden, dass flüchtende Frauen in Flüchtlingslagern den Status von Freiwild haben und auch in Asyl- und Flüchtlingsheimen Vergewaltigungen, Missbrauch und Belästigungen an der Tagesordnung sind. Zahlreiche Schwimmbäder berichten von Übergriffen, zu viele „Einzelfälle“, um sie zu verlinken.

Zu konstatieren ist, dass viele der männlichen Einwanderer aus Ländern mit muslimischer Mehrheitsgesellschaft und aus Ländern mit Kriegsgebieten ein problematisches Frauenbild mitbringen. Die Frage ist jetzt, was der deutsche Staat dagegen zu tun und wie er Frauen (und zwar ALLE Frauen, auch die migrantischen!) zu schützen gedenkt. Und, um das mal vorwegzugreifen, auch hier scheint zu gelten, dass eine Krähe der anderen anscheinend kein Auge aushackt. Aber der Reihe nach:

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Komm, wir spielen unsichtbar sein – Wie Opfer sexueller Gewalt wegdekonstruiert werden

Frau am Fenster

Rising Damp: Disappear, Flickr, CC BY SA 2.0

Es gibt Gründe, warum ich mich an der Uni nicht wohlfühle. Ich meine jetzt gerade mal nicht die klassistischen Strukturen da, die mich jedes Mal wieder spüren lassen, dass Uni nichts für welche wie mich ist. Konkret meine ich, dass sich an der Uni eine Haltung breitgemacht hat, in der die Art des Sprechens über Dinge plötzlich wichtiger ist als die Analyse derselben. Immer wieder sitze ich im Seminar und werde berichtigt. Vor allem drei Einwände tauchen immer wieder auf:

  1. „Wenn du sagst, dass Frauen unterdrückt werden, zementierst du diese Realität ja, du machst damit das Gleiche wie die Unterdrücker!“
  2. „Du kannst nicht den undifferenzierten Begriff „Patriarchat“ verwenden. Es werden nicht nur Frauen unterdrückt!“
  3. „Die Bezeichnung „Opfer“ solltest du nicht verwenden, die ist stigmatisierend.“

Ich verlasse diese Veranstaltungen jedes Mal mit einem Gehirnbrei, den ich nicht auseinanderklamüsert kriege. Und frage mich: verlassen Menschen, die sowas sagen, eigentlich jemals die Universität? Kamen sie überhaupt schonmal mit der Realität in Kontakt? Wo zur Hölle kaufen sie ein? Im gesafespaceten Laden irgendwo in einer genderbefreiten Bubble?

Diese Denke des liberalen Feminismus verursacht mir Unbehagen. Warum sie so problematisch ist, lässt sich gut an Hand zweier Interviews, die die Kulturwissenschaftlerin Mithu Melanie Sanyal der Süddeutschen gegeben hat, zeigen.

http://www.sueddeutsche.de/leben/rape-culture-wir-entmuendigen-vergewaltigte-frauen-1.3183107

Das Interview, welches unter der Überschrift „Wir entmündigen vergewaltigte Frauen“ abgedruckt wurde, wird eingeleitet mit:

„Frauen sind Opfer, Männer Triebtäter: Wenn es um Vergewaltigungen geht, kommen überholte Geschlechterbilder hoch. Die Autorin Mithu Sanyal ergründet, warum.“

Man könnte jetzt denken: Diese „überholten“ Geschlechterbilder kommen deswegen hoch, wenn man an Vergewaltigungen denkt, weil sie die Realität sind. Man könnte denken, dass diese Geschlechterbilder, wenn es um Vergewaltigungen geht, vielleicht nicht überholt sind, was ja hieße: die Bezeichnung bzw. die Assoziation, die diese Bezeichnung hervorruft, hinkt der Realität hinterher. Sondern dass sie zutreffen. Kurzer Faktencheck zum Thema Vergewaltigungen: Fast jede 7. Frau in Deutschland wurde schon einmal vergewaltigt. Dunkelfeld nicht mit eingeschlossen, denn nur 15% dieser Frauen gehen zur Polizei. Überholte Geschlechterbilder? Wirklich?

Erläutert werden soll laut Fragestellung in diesem Interview, warum über Vergewaltigung so „emotional und undifferenziert“ gesprochen wird wie bei keinem anderen Verbrechen. Zudem soll die Frage: „Wie kann man Vergewaltigungen verhindern?“ geklärt werden.

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Dörte, wir müssen reden: mehr Männer, mehr Probleme

Kopie Zeitungsartikel Sächsische Zeitung

Donnerstag, den 7. Juli morgens, blieb mir beim Frühstück fast das Brötchen im Halse stecken. Grund dafür war dieser Artikel in der Sächsischen Zeitung:
Mir ist vor Schreck gleich gar nicht klar, wo ich anfangen soll. Hinzu kommt das Problem der Sprach-, oder besser: Wortlosigkeit. Dieses Phänomen, das weiß ich aus Gesprächen mit Freundinnen und weiblichen Bekannten, betrifft nicht nur mich. Die Frage lautet: Wie formuliere ich, dass es ein mehr oder weniger neues Phänomen gibt, welches mir Angst macht, ohne dass ich rassistisches Vokabular gebrauche?

Ich beschreibe zunächst mal, was mir im letzten halben Jahr so passiert ist und was ich gesehen habe, draußen auf der Straße.

Da gab es:

  • Einen Mann der mir von der Haltestelle nach Hause folgte, nachdem ich in seine Richtung geschaut hatte
  • Männer, an denen ich nicht vorbeigehen konnte, ohne dass sie mich ansprachen („Hallo“, „schöne Frau“, Kussgeräusche).
  • Männer denen ich nicht ins Gesicht schauen kann, mit denen ich Blickkontakt vermeiden muss, weil sie sich sonst ermuntert fühlen auf mich zuzukommen und mich zu bedrängen.
  • Männer, die den ganzen Tag auf unserer größten Einkaufsmeile, der Prager Straße, rumhängen und fast alle Frauen anmachen, die an ihnen vorbeilaufen.
  • Männer, die ebendort in Gruppen minderjährige Mädchen umringen, sie ansprechen, anfassen.
  • Männer, die sich mir in den Weg stellten und mich sehr aggressiv fragten, ob ich „ficken“ will, und die mich daran hinderten, ihnen auszuweichen und an ihnen vorbeizulaufen.
  • Männer, die mich im Vorbeigehen als „Fotze“ oder „Schlampe“ bezeichneten, oder die hinter meinem Rücken ausspuckten.
  • Männer, die mich fragten ob ich ficken will, und die mich als „Rassistin“ und „schwul“ bezeichnen und mir Schläge anboten, als ich ablehnte.

All das waren nicht nur Aktionen einzelner Männer, diese Männer standen oft in Gruppen zusammen. Ich habe nicht gezählt, wie oft das vorkam, es ist jedenfalls inzwischen soweit, dass meine Hand automatisch zum Pfefferspray geht, wenn ich an solchen Gruppen vorbei muss, und nein, das sind keine Vorurteile, das sind Erfahrungswerte – leider. Und ich werde aus solchen Gruppen heraus jedes Mal angesprochen. JEDES. VERDAMMTE. MAL. Und ich kann froh sein, wenn es dabei bleibt. Und für diejenigen LeserInnen unter uns, die immer noch auf Vergewaltigungsmythen stehen: Nein, ich bin nicht Miss Universum. Nein, ich trage nicht täglich einen Minirock. Nein, ich sehe das nicht als Kompliment und nein, ich will das nicht!

Und jetzt die Frage: Wie soll ich diese Männer – denn natürlich sind es Männer, das Merkwürdige ist, dass sich alle darum kloppen, wer jetzt schlimmer ist, Migranten oder Deutsche, aber daran, dass es Männer sind, stört sich selten jemand – bezeichnen, ohne rassistisch zu sein? Es sind bestimmt nicht alle Flüchtlinge. Es sind bestimmt nicht alle Asylbewerber. Soll ich sagen: „es sind Männer mit Migrationshintergrund“? Soll ich sagen: „es sind Männer mit dunkler Haut“? Wie soll ich sie nennen? „Die da“?

Und da fängt die Sprachlosigkeit an. Sie beginnt dabei, dass ich nicht benennen kann, welche Gruppe hier für diese stark veränderte Atmosphäre auf der Straße sorgt. Das Problem verläuft sich dort weiter im Sand, wo der „nicht alle“-Konflikt hinzukommt. Jede Frau, die Gewalt durch Männer problematisiert, hört ihn dauernd: den Einwand „aber nicht alle Männer sind so!“. Dieser Spruch ist aus mehreren Gründen problematisch.

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