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Spitzengastronomie mit Pornofeeling

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90716

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Nobel, hart und schmutzig, so sieht sich vielleicht der Inhaber des „Nobelhart und Schmutzig“ Billy Wagner. Es gilt als eines der angesagtesten Speiselokale in Berlin im Augenblick. Damit man nicht gleich an einen billigen Porno aus den 70er Jahren mit dem Namen assoziiert oder diese Assoziation zumindest abgestritten werden kann, heißt es halt „Nobelhart und Schmutzig“. Raffiniert.

Der Name wird so erklärt.“…. Ihr Abend im Nobelhart und Schmutzig bietet ein anderes Restaurant-Erlebnis: Er beginnt nobel, wird mitten drin hart und endet bei bestem Verlauf schmutzig…“( https://www.nobelhartundschmutzig.com/restaurant/).

Am 30. August 2018, wurde Billy Wagner bei „Berliner Meisterköche“ als Gastronomieinnovator 2018 ausgezeichnet. Das Restaurant ist ein Michelinrestaurant und wurde im Juni 2018 auf Platz 88 von 100 der „50 best restaurants of the world“ gewählt.

Bekannterweise können Frauen zwar ständig für ihre Familie kochen, aber wenn es um Ruhm, Ehre und Geld geht, können nur wirklich Männer Essen zubereiten. „Nobelhart und Schmutzig“, und Billy Wagner als Inhaber, repräsentieren auf besondere Weise die Welt der Männer in der „Spitzengastronomie“.

In einer medial wirksamen Aktion hat Billyboy, Billy Wagner, der Inhaber, ein AfD Verbotsschild am Eingang seines Lokals angebracht. Jede und Jeder der seitdem das Lokal öffentlich schlecht bewertet, wird von anderen als AfD Anhänger abgetan. Geschickt.

Leider aber ist der Inhaber zwar gegen die AfD und möchte ihre Anhänger nicht in seinem Restaurant bewirten, aber sein Verständnis von „Bewirtung“ mit seinem Gesamtkonzept wirkt sehr autoritär.

Zu trinken gibt es nur aufbereitetes Leitungswasser und ansonsten Alkoholika. Eine Apfelsaftschorle verdirbt wahrscheinlich den Genuss, ein Wein nicht.  Essen a la carte gibt es nicht. Wie in den 50er Jahren bei den Großeltern muss man halt essen was auf den Tisch kommt. Wer kein Fleisch isst, zahlt den gleichen Preis und bekommt nur „ohne“ von Billy the Boy Wagner, laut Bewertungen.

Die Speisen müssen teilweise mit den Händen gegessen werden, so steht es auch in einer Bewertung, damit der „schmutzig“ Aspekt angesprochen wird. Ist das nicht eine Beleidigung gegenüber Menschen aus anderen Kulturen, die mit ihren Händen essen? Sind sie schmutzig? Nach dieser Definition dann schon.

Wo man im Lokal zu sitzen hat, wird durch die strenge Sitzordnung ebenfalls bestimmt. Man kann und darf nur nebeneinander mit Blickrichtung auf die offene Küche sitzen, rundherum um diese. Fröhliche Gespräche beim Essen sind somit nur eingeschränkt möglich. Wieso auch lachen und miteinander sprechen. Der „Zweiertisch“ ist von gestern.

Smartphones sind auch verboten. Es gibt eben Vorgaben, wie man sich zu benehmen hat und mit wem man kommuniziert, und ob überhaupt.

Herr Wagner beschreibt in einem Interview seine Position im Restaurant, nämlich auf „Platz eins ganz am Rand“ in der Küche. Dort bekommt er dann immer die Gespräche der MitarbeiterInnen mit. Hört sich nach guter Arbeitsatmosphäre an, immer ganz nah dran.

Am 30.09.2018 spricht er auf seiner Facebookseite von einer „Japanischen Dame aus Tokio, die vom „German tourism board“ nach Deutschland geschickt wurde, und die, als sie gefragt wurde, für was Berliner Küche steht, „Currywurst“ sagte. Aber auch hier weiß Herr Wagner, was Touristen aus anderen Ländern zu sehen haben als Berliner Küche. Gott bewahre eine japanische Journalistin („Dame“) soll sagen können, dass für sie große Würste wichtig sind, wenn es um Berlin geht. Billy Boy Wagner bietet der deutschen Zentrale für Tourismus großzügig seine Hilfe an.

In einem Video anlässlich seines Preises als „Gastronomieinnovator 2018“ mokiert er auf seiner Facebookseite, dass keine einzige Frau einen Gewinn erhalten hat.  Er sieht es als Gastroinnovator 2018 als seine Aufgabe an, auf diesen Missstand hinzuweisen. Zwei Frauen schlägt er deshalb symbolisch für den Preis vor. Im Video hierzu steht er in einer weißen Hose vor seinem Restaurant. Diese Hose ist insbesondere deshalb wichtig, da eine Frau sofort erkennen kann, ob er rechts oder linksträger ist. Bevor ich mit Angst überlege wie viele Zentimeter zu sehen sind, fällt mein Blick auf die im Schaufenster hängende Vulva, dazu das Schild nobelhart und schmutzig.

Ich mag es, wenn Männer sich ohne persönliche Konsequenzen oder Kosten für Frauen einsetzen. Es hilft uns weiter, wenn Männer ein paar symbolische Worte sprechen gegen Geschlechterungerechtigkeit und gegen die Diskriminierung von Frauen, schon immer. Hätte er den Preis ablehnen können, da er anscheinend durch vornehmliches „Schwanzträgertum“ entschieden und vergeben wurde? Anscheinend nicht.

Zum Speien in Bezug auf dieses Spei selokal ist für mich als Frau allerdings ganz besonders seine als Kunst zelebrierte Objektifizierung von Vulven aus Essen, die er als „Wegzehrung“ Gästen mitgibt, oder zumindest mitgegeben wurden.

Wenn nichts mehr geht, findet man sich halt besonders innovativ, hip und chic, wenn man weibliche Geschlechtsteile in Form von Essen angeboten bekommt als Ware für den Konsum. Das ist so was ganz anderes für mich als Frau in unserer pornofizierten Welt. Innovativ halt.

Wieso keine anderen Körperteile als „Wegzehrung“ mitgegeben werden, erschließt sich mir nicht. Soll es schockieren/überraschen?  Und wenn wieso und wodurch. Sind Vulven überhaupt interessant?  Sie sind doch nicht mehr als ein Teil des weiblichen Körpers. Aber die Argumentation für dieses Projekt will natürlich aussehende Vulven als „Wegzehrung“ mitgeben, um eben gegen Schönheitsideale und zunehmende Intimchirurgie ein Zeichen zu setzen.(https://www.nobelhartundschmutzig.com/blog/2018/04/09/feel-the-v/).

Ich finde es immer so super, wenn sich gegen Pornofizierung und die einseitige Darstellung von Vulven damit gewehrt wird, noch mehr (halt andere) Vulven zum Konsum anzubieten. Eine Teildarstellung des Körpers ist immer eine Objektifizierung, denn es zeigt eben nur einen Teil des Körpers als Objekt.

Ich liebe es auch sehr, wenn Männer sich für die natürliche Darstellung von weiblichen Geschlechtsorganen einsetzen. Viele Frauen sind halt etwas blöde und tendieren zu Intimchirurgie als Folge des gesellschaftlichen Drucks. In einem Kooperationsprojekt mit Ida Aniz und Ellebasi Gorengpeng aus dem Künstler*innenkollektiv Vulvae von Nobelhart und Schmutzig, wird über diese Normen hingewiesen und sensibilisiert. Man sollte nämlich lieber natürlich konsumieren, auch Vulven.

In die Medien schafft man es in jedem Fall immer mit “Vulven” zum Essen, zum Verzehren. So cool. Ganz anders wie sonst im Leben, in dem Vulven gegessen werden. Im englischen bedeutet “eat me ” sowieso die Aufforderung zum Cunnilungus. Nichts liegt näher, als das dies auch einen Platz in der Spitzengastronomie hat. Es geht ja um Essen.

Die Fokussierung auf den Konsum von Frauen, gepaart mit Pornoassoziationen durch den Namen des Restaurants, machen es wirklich zum besonderen Erlebnis der Spitzengastronomie. Als noch Scheinheiliger erlebe ich die Ablehnung von AfD Mitgliedern, wenn dies gepaart ist mit einem autoritärem und elitärem Verständnis von Esskultur, verkauft als hip natürlich. Ich wehre mich sozusagen gegen eine “rechte” Partei, aber ich lege den kompletten Ablauf des Essens für andere Menschen fest, denn ich weiß, was gut ist und gut zu sein hat.

Und Fleisch gibt es sowieso, das versteht sich von selbst. Es wird von Tieren als „Produkt“ gesprochen, dass verwertet wird (..“Die vollständige Verwertung eines Produktes entspricht unserer Ethik, nicht allein bei Tieren,…“ https://www.nobelhartundschmutzig.com/restaurant/)

Wer diese Vorführung von Essen als „Kunst“ nicht versteht, gehört halt zum Plebs. Wer es leid ist, dass Männer sich als „Frauenversteher“ zelebrieren, aber Körperteile von Frauen direkt zum witzigen Konsumieren produzieren, hat natürlich auch kein Verständnis von „Kunst“.

Billy Wagner aber weiß, wo es wirklich lang geht,  „Nobelhart und Schmutzig“.

Guten Appetit.

 

Angriff auf die Weiblichkeit: Salafismus in Algerien

By Steve Evans from Bangalore, India (Flickr) [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

By Steve Evans from Bangalore, India (Flickr) [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Man kann es nicht mehr verleugnen, der Salafismus hat in den letzten Jahren in Algerien rasant an Fahrt aufgenommen. Gerade in den letzten Monaten häuften sich Vorfälle, die ganz klar eine sehr beängstigende Entwicklung aufzeigen, die vielen Angst macht. In Algerien und in Europa breitet sich dieses Unbehagen immer weiter aus.

Nach dem „schwarzen Jahrzehnt“ in den 90er Jahren schien wieder Stabilität und Ruhe eingekehrt zu sein. Das „schwarze Jahrzehnt“ war eine Zeit des Bürgerkriegs zwischen Islamisten und Regierungstruppen. 150 000 Menschen starben und über 6000 werden immer noch vermisst. Leider scheint die Zeit der Stabilität vorbei.

Insbesondere Frauen, die nicht dem gewünschten Bild der Frau im Salafismus entsprechen, werden Opfer der neuen Entwicklung in Algerien, auf verschiedene Arten und Weise. Das war früher so und ist es heute wieder.

Im September 2018 wurden mehrere Frauen (und wenige Männer) in ihrer Wohnung angegriffen, da vermutet wurde, dass sie sich prostituierten. Fünf Frauen lebten zusammen in einer Wohnung. NachbarInnen beobachteten sehr viel Kommen und Gehen von verschiedenen Männern in dieser Wohnung. Nachbarn stürmten dann die Wohnung, verprügelten die Frauen und zerstörten ihr Mobiliar, alles unter den Freudenrufen von benachbarten Frauen.

Die Erinnerung an Hassi Messaoud wurden wieder wach. 2001 wurden arbeitende Frauen in der Stadt Hassi Messaoud von einem Mob von 300 Männern angegriffen, nach einer Predigt eines islamistischen Imams. Der Angriff war nicht organisiert, sondern folgte seiner Hassrede. Die Frauen waren alle angestellt bei ausländischen Ölfirmen und kamen aus anderen Landesteilen, verarmt, um dort Geld für die Ernährung ihrer Familien zu verdienen. Sie wurden der Prostitution beschuldigt und als das „Böse“ beschimpft. Hassi Messaoud repräsentiert, wie mit Frauen umgegangen wurde, die nicht der gewünschten Norm der Hausfrau und Mutter entsprachen. Ebenso zeigt es, wie einfach es war und ist Menschen (Männer in diesem Fall) zu manipulieren und aufzuhetzen. Ich denke Deutsche haben eine vage Erinnerung daran, wie einfach dies sein kann, wenn es „professionell charismatisch“ durchgeführt wird und es gab sicherlich einen Grund für ein Propagandaministerium im dritten Reich……Es funktioniert, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Eine nackte Frauenstatue in einem Brunnen, Ain Foura, in der Stadt Setif, geschaffen vom französischen Skulpteur Francis de Saint-Vidal, wurde im Dezember 2017 durch einen Islamisten zerstört. Die Bilder in den Medien waren erschreckend. Ein Mann mit Bart in einer Gandoura stieg den Brunnen hoch und schlug die Brust mit Hammer und Meißel ab. Der Aufschrei in den sozialen Medien war groß. Die Brust wurde mittlerweile wieder restauriert. Die Brust ist ein Sinnbild der Weiblichkeit und dieser Angriff ist auch als Angriff auf die Weiblichkeit zu verstehen, auch wenn es ebenso um „Schamhaftigkeit“ ging.

Ein Islamist, der schnell gefasst wurde, rief im Internet im Sommer 2018 zu einem Angriff mit Säure auf unverschleierte Frauen auf. Die Methode der Säureattacke wird häufig angewandt, da es ein sehr einfaches Kontrollmittel gegenüber Frauen ist. Im Iran wird, zum Beispiel, seit 2017 von einer Zunahme von Säureangriffen auf Frauen, die keinen Schleier trugen, berichtet. Die Angreifer fahren mit ihren Motorrädern an den Opfern vorbei und besprühen sie. In Algerien blieb es bisher bei dem Aufruf, aber das ist bedenklich genug. Es demonstriert ein neues Maß der Akzeptanz wenn man überhaupt so etwas öffentlich ausspricht.

Salafisten werben massiv für den Burkini als einzige angemessene Strandkleidung. Frauen berichten davon, dass sie sexuell im Wasser belästigt werden, wenn sie keinen Burkini tragen. Männer fassen Frauen in diesem Fall einfach unter dem Wasser an, oft beim Tauchen, und behaupten, der sexuelle Übergriff sei ein Versehen.  Dies habe ich leider auch selbst in der Familie erlebt. Die Mehrheit im Wasser ist männlich und es ist kaum möglich zu agieren ohne Sicherheitskräfte in der Nähe. Man kann versuchen den Täter zu ertränken indem man den Kopf weiter nach unten drückt, aber entspanntes Schwimmen ist etwas anderes. Wie für viele andere Frauen auch bleibt nur die Entscheidung nur noch einen der sehr teuren Privatstrände zu besuchen, an denen, noch, Bikini und Badeanzüge getragen werden können.

Ebenso wird über die sozialen Medien eine Kampagne der Diffamierung gegen die Bildungsministerin, Frau Nouria Benghrebit, durchgeführt. Gerade im September hat sie untersagt, dass Lehrerinnen im Niquab unterrichten dürfen. Für uns ist es das Kopftuch, und in Algerien die nächste Stufe der Verhüllung, die im öffentlichen Raum zum Thema wird. Das Thema wird aber genauso erbittert geführt. Die „Stufen“ sind andere.

Außerdem gab es im Sommer 2018 mehrere konzertierte, sehr gezielt geplante Aktionen von Salafisten um Musikgalas zu verhindern. Dies kann man zwar nicht unmittelbar als Angriff auf Frauen bezeichnen, aber es ist dennoch eine sehr bedenkliche Entwicklung, die auf eine gewisse Weise mit Frauen und ihrer Freiheit verbunden ist. Musik wird schließlich auch mit „freizügig“ gekleideten Frauen verbunden. Salafistische Gläubige führten Sabotage der Veranstaltungen durch indem sie im Freien Massengebete durchführten, sozusagen als Blockade. Sie waren erfolgreich und die Galas wurden abgesagt. Während auch viele in Deutschland den in Frankreich lebenden algerischen Sänger L`Algerino entdeckt haben, wird es zukünftig für ihn immer schwieriger sein in Algerien auftreten zu können. Konzerte im Sommer 2018 von ihm konnten noch stattfinden.

Islamisten versuchen das Frauenbild zu beeinflussen. Frauen die “rausgehen” wollen und frei sein möchten, sei es nur um etwas für uns so banales zu tun wie ein Sandwich draußen zu essen, werden als “verkommen” gesehen, sozusagen, und Männer die zulassen das Frauen raus gehen um ein Sandwich zu Essen werden als ein „Dayouth“, als ein verweiblichter Mann bezeichnet.

Kurz vor dem Fastenbrechen während des Ramadans 2018 griffen Männer eine Frau, die noch joggte, brutal an.  Die Männer sagten ihr, dass eine Frau in die Küche gehört. Frauen bereiten im Fastenmonat Ramadan das Essen zu, und die Joggerin hatte es gewagt, anstatt dessen zu joggen.  Der Aufschrei in den sozialen Medien über diesen Vorfall war groß. Nur wenige Tage später wurde als Gegenreaktion eine Aktion von Frauen, einige ohne Kopftuch, einige mit Kopftuch, gestartet, die sich mit dem Slogan:“ Mein Platz ist überall, nicht in der Küche“ trafen um zu Joggen. Doch nur wenige Tage nach der Aktion der Frauen gaben islamistische Frauen in den sozialen Netzwerken in einer großangelegten Gegenkampagne allerdings den Slogan heraus …“Mein Platz ist in der Küche oder woauchimmer mein Mann es will“….

Im Salafismus muss eine Frau tun was ihr Mann will um in das Paradis zu gelangen. Feministische Frauen in Algerien erleben oft andere, salafistische Frauen als ihre Feindinnen. Einige sagen, immer öfter, der größte Feind der Frau ist die Frau. Sicherlich passt dieser Spruch zum Patriarchat. Das Patriarchat fokussiert sich weniger auf den Mann als Ausbeuter, sondern immer auf die Frau. Trotzdem thematisiert es die fehlende gegenseitige Unterstützung, sogar im Fall von tätlichen Übergriffen.

Durch zunehmende salafistische Strukturen wird Solidarität unter Frauen kaum möglich sein; die salafistischen Gegenspielerinnen sind gut organisiert und werden unterstützt. Frauen gegen Frauen-eine Entwicklung, die ablenkt von der eigentlichen Ideologie und dem gemeinsamen Feind, dem salafistisch geprägtem Patriarchat.

Auch in Deutschland sind viele Frauen die der salafistischen Szene zuzurechnen sind sehr aktiv mit Aktionen, wie zum Beispiel Informationsständen zum Kopftuch mit dem Tenor, „Wieso spricht man über uns statt mit uns..“ oder Hijabi Kreiseln mit Vorträgen über die Frau im Islam. Es wird die gegenseitige Stärkung und Unterstützung betont.  Es geht beim Tragen des Kopftuches um das „Wohlgefallen“ Allahs und nicht um das „Wohlgefallen der Gesellschaft“, und das kompromisslose und standhafte Festhalten an die „islamische“ Kleiderordnung ist deshalb das Ziel, egal wie die „weltlichen“ Konsequenzen aussehen mögen. Der Lohn Gottes wird als größer angesehen wie die Integration. Diese Auslegung des Islam folgt dem Wahabismus-es gibt nur eine Kleiderordnung und eine Interpretation des Korans.

Die Unterwerfung vor Gott ist etwas, was auch das „christliche Abendland“ kennt. Es ist nicht Teil eines neuen „Kulturkampfes“ der immer wieder neu beschworen wird. In Europa waren es Nonnen (und Mönche) die einen ähnlichen Lebensweg wählten. Auch sie verabschiedeten sich vom „weltlichen Leben“. Frauen haben nur im Unterschied zum Christentum Kinder zu bekommen. Nonnen ist dies untersagt, aber beide ordnen sich der „weltlichen Ordnung“ unter.

Bevor „das Andere“ in der Sichtweise auf diese Entwicklung und die Mitwirkung von Frauen konstruiert wird, wie es gerne in Bezug auf den Islam und den Orient getan wird, sollten wir salafistische Frauen als „rechte Frauen“ definieren. Ihre Strategien unterscheiden sich in keiner Weise von den Strategien von anderen Frauen in der westlichen Welt, die rechten, konservativen Strukturen zuzuordnen sind. Andrea Dworkin und in der Zusammenfassung Annelie Borchert führen detailliert aus wieso rechte Frauen dieser Ideologie folgen (https://kritischeperspektive.com/kp/2018-26-andrea-dworkins-right-wing-women-warum-sich-frauen-der-rechten-zuwenden/).

Salafistische Frauen erhoffen sich durch ihre Unterordnung an den Mann (bzw Unterordnung gegenüber Gott, der angeblich genau diese Unterordnung verlangt) beschützt und respektiert zu werden und somit zu überleben, in Sicherheit.

Frauen, die sich verschleiern werden gelobt und gewinnen an „Wert“. In den sozialen Medien erlebt man direkt wie Männer Frauen, die sich verschleiern loben.  Salafistische Männer  „belehren“ andere direkt über die Notwendigkeit für Frauen sich zu verhüllen. Wer liebt und artig ist, bekommt sozusagen ein virtuelles „Smiley“ von Männern und wird zu einer geliebten „Schwester“ im Glauben.

Frauen finden in Algerien, trotz zunehmend höherer Abschlüsse an den Schulen und Universitäten kaum eine Stelle. Nur 13-18 Prozent aller Frauen arbeiten. Zusätzlich sind sexuelle Übergriffe bei der Arbeit häufig. Das finanzielle unabhängige Leben ist also nur sehr bedingt möglich.

Frauen werden in Algerien (wie auch sonst fast überall) aufgeteilt in “Huren und Heilige”.  Salafistische Frauen haben sich  für den Weg der “Heiligen” entschieden. Zur Abgrenzung definieren auch sie andere Frauen als „Huren“; sie sind im Patriarchat im Konkurrenzkampf zu ihnen und können durch die Bekämpfung der anderen Frauen die eigene Position stärken. Weiblichkeit definieren auch sie als das Dasein als Mutter und als Hausfrau. Leider führt ein Konkurrenzkampf im Kontext von Religion zu immer extremeren Verhaltensweisen, denn eine andere Frau ist immer noch religiöser und diese weitere Religiosität muss man selbst auch erreichen. Eine Spirale die nur zum Niquab/Burka führen kann. Diese Versuche der Anpassung im Patriarchat finden natürlich auch auf anderen Ebenen statt, je nachdem welches Modell zur Unterordnung in welchem Patriarchat gerade gewünscht ist (weibliche Genitalverstümmelung, absolute sexuelle Verfügbarkeit usw).

Zusätzlich spielt sicherlich auch Pornografie eine Rolle. Frauen glauben, durch „gläubige“ Männer sicher zu sein davor, dass diese Männer Pornos ansehen. Die Religion bietet ihnen ein übergeordnetes Kontrollinstrument. Wenn Sie, die salafistischen Frauen „lieb und artig“ sind, wird sozusagen sich der Mann treu und respektvoll ihnen gegenüber verhalten. Auch hier gibt es das christliche Äquivalent mit dem bekannten Spruch…“the family that prays together stays together“ (die Familie, die zusammen betet, bleibt zusammen).

Salafisten selbst greifen alles an, was nicht der strengen wahabitischen Auslegung des Korans gehört. Der Koran und die Definitionsmacht hierüber gehören ihnen, ihrer Meinung nach. Frauen zu besitzen, Frauen zu haben die ihnen zur Verfügung stehen müssen, ist sowieso das Ziel aller Männer überall.

Die direkte Einmischung von Frauen aus den ehemaligen Kolonialländern zu diesem Thema ist leider prinzipiell kontraproduktiv, zumindest in Ländern wie Algerien.  Die Verschleierung oder viel besser der Versuch der Entschleierung ist eng verknüpft mit den Erfahrungen mit der Kolonialmacht Frankreich. Die Kolonialzeit hat für uns in Europa nie wirklich existiert. Wir wurden in der Schule von dem Thema weitestgehend verschont. Die Wahrheit über die brutale Ausbeutung und Ermordung unzähliger Menschen wurde “verschleiert”. Doch begleiten die Folgen des brutalen Kolonialismus Menschen in den ehemaligen Kolonialländern bis heute. Kolonialismus bildet einen Teil der Identität. Kapitalismus und der Westen sind definiert als System der Ausbeutung im Kontext des (kulturellen) Rassismus.

Der Kampf gegen Salafismus selbst wird in Algerien immer erbitterter geführt; eine komplette Eskalation kann möglich sein. Die Wellen würden auch nach Europa spülen. Schon jetzt berührt uns die Angst vor Salafismus, leider gesehen als identisch mit allen islamischen Strömungen. Salafisten definieren den Islam, sie haben schon diese Macht übernommen. Allein das ist eine schreckliche Entwicklung.

Die Spaltung Algeriens insgesamt hat sich verstärkt. Immer mehr Frauen versuchen im salafistischen Patriarchat zu überleben und wählen den Weg der Anpassung. Die Perspektive ist nicht rosig. Tatsächlich gibt es eine kleine Gegenbewegung. Ebenso lassen sich immer mehr Frauen scheiden oder verzichten auf eine Ehe. Immer mehr Frauen äußern sich sehr deutlich zu männlichem Verhalten. Sie werten es ab. Ein Blatt wird hier nicht mehr vor den Mund genommen.

Insgesamt aber ist alles möglich. Wenn der jetzige Präsident Bouteflika sterben sollte, der seit 1999 im Amt ist, wird ein Machtvakuum erlebt. Wer wird versuchen dies zu füllen?

Bauchtanzromantik und Prostitution: die „Ouled Nail“

Auguste MAURE - Collection privée Gilles Dupont

Auguste MAURE - Collection privée Gilles Dupont

Wer kennt Sie nicht, die Bilder und Fotos von früher, vor vielen Jahrzehnten, auf denen halbnackte Frauen orientalischer Herkunft verträumt in die Kamera schauen oder den Maler zu betrachten scheinen. Diese Bilder schufen früher Sehnsucht, insbesondere bei Männern, und waren mitverantwortlich oder begründeten die sogenannte „Haremsromantik“. Schöne Frauen, die nichts mehr liebten wie in glitzernder Kleidung Granatäpfel und Feigen in die Münder der Männer aus den Kolonialländern zu stopfen und Ihnen sinnlich, erotisch jeden sexuellen Wunsch zu erfüllen. Ganz im Gegenteil zu den prüden und erschöpften Frauen Europas im 17ten und 18ten Jahrhundert, die nur Kartoffelsuppe zu bieten schienen.

Schon früher hatten Männer ein Hang dazu, die „bessere“ Frau zu präsentieren. Heute sind es prostituierte Frauen aus Bulgarien und Rumänien, die für ein paar Euro in Deutschland jeden Wunsch erfüllen müssen und gleichsam verachtet werden, da sie jeden Wunsch erfüllen. Oder früher, vor zwanzig Jahren, waren es die „unterwürfigen“ thailändischen Frauen, die noch geheiratet werden mussten um in Deutschland sexuell zur Verfügung zu stehen. Die Beispiele sind endlos, es gibt und gab immer eine noch bessere Frau in der Unterwürfigkeit und im Gehorsam. Die Frauen werden häufig verkauft als “Exotik” bis hin zu Sex Dolls in der heutigen Zeit. Mehr ist dann wirklich nicht vorstellbar. Diese „Exotik“ ist und war Rassismus, triefend von sexuellen Zuschreibungen basierend auf Herkunft.

In Algerien wurden die prostituierten Frauen der „Ouled Nail“, Frauen aus der Stadt Bou-Saada, im vorigen Jahrhundert vom deutschen Fotografen Rudolf Lehnert fotografiert.  Wahrscheinlich nicht nur fotografiert, da er sich offensichtlich in den geschlossenen Räumen der Prostitution aufhielt. Die Bilder sind eine schreckliche Dokumentation des Kolonialismus und der Prostitution. Blutjunge Mädchen präsentieren sich halbnackt, verewigt zum Abwichsen auf Postkarten für die Masturbationsbedürfnisse europäischer Männer. Wahrscheinlich blieben sie ohne zusätzliche finanzielle Kompensation für ihre „Vervielfältigung“.

Rudolf Lehnert, zusammen mit Ernst Heinrich Landrock (L und L), waren vor mehr wie hundert Jahren sehr bekannt als Fotografen der Orientalistik. R. Lehnert reiste 1904 nach Tunesien und eröffnete in Kooperation mit Landrock ein Fotostudio in Tunis. Fotos aus dem Orient waren seine „Passion“, insbesondere eben die Fotoreihen blutjunger Mädchen. Er fotografierte auch die jungen Mädchen der Ouled Nail aus Bou-Saada.

Die Geschichte der „Ouled Nail“ ist aber weniger exotisch und erotisch wie es uns die  Orientromantik der Vergangenheit glauben machen wollte. Diese ist sowieso heute fast völlig verschwunden, stehen Frauen, auch früher in Bou-Saada übrigens völlig verschleiert, nicht mehr so einfach dem europäischen Mann sexuell zur Verfügung. Es gibt tatsächlich noch Burkaporno, aber es gibt sowieso jeglichen Fetisch den Mann sich ausdenken kann. Mir fällt jedenfalls keine andere Erklärung ein für das Verschwinden der Orienterotik beim westlichen Mann. Wahrscheinlich spielt aber auch das „Überangebot“ der Ware Frau aus aller Welt eine Rolle.

Die Prostitution der Ouled Nail in Bou-Saada entspricht der Entwicklung der Prostitution überall.

Das Militär kam, ließ sich mit einer Garnison nieder, und brauchte Frauen für die Soldaten, in anderen Worten, Männer mit Geld verlangten Frauen und bekamen sie. Hier können wir dem Ganzen nur noch Bauchtanz und sehr sehr viel Schmuck beifügen als Element der ewig gleichen Geschichte der Prostitution. Dazu kommt vermeintlich einen Hauch von Fernwehromantik und Exotik. Und die Idee der Selbstbestimmung und Mitwirkung der prostituierten Frauen gehört auch dazu. Die Einheimischen, sprich Eingeborenen, wollten es nicht anders und sind einfach so. Ähnlich wird das Konzept noch heute reproduziert im „interracial porn“. Verschiedene Ethnien sind sexuell anders und „brauchen es“.

Die Bevölkerung Bou-Saadas bestand ursprünglich, vor dem 18ten Jahrhundert, aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen wie Araber, Juden, Mozabiten, Europäer, dem Militär und den „öffentlichen Frauen“ (filles publiques), aus denen die Ouled Nail hervorgingen. Sie tanzten bei Festen und Veranstaltungen und führten traditionelle Tänze auf. Als Bou-Saada kolonialisiert wurde im Jahre 1845, lebten hier 5000 Menschen. In diesem Zeitraum zog eine Garnison von 500 Männern  in den Ort.

Am Abend saßen die Händler und die Soldaten in den maurischen Cafes um sich abzulenken. Die jungen Mädchen der Ouled Nail begannen dort mit ihrer festlichen Kleidung und Verzierungen zu tanzen. Da sich aus diesem Entertainment schnell Prostitution entwickelte, entstand das „Asyl der Naila“, ein abgeschlossenes Gebiet. 1930 hatte Bou-Saada schon 50 000 Einwohner und es entstand eine „Toleranzzone“, die auch als Straße der Ouled Nail bezeichnet wurde. 1952 gab es hier zwanzig Häuser mit durchschnittlich fünf prostituierten Mädchen oder Frauen.

Bou-Saada war immer eine touristische Stadt und so wurden die Abende „m`bita“ initiiert, an denen gesungen und getanzt wurde. Die Tänze entsprachen zuerst traditionellen Tänzen, wie der Tanz Saadaoui, der auch Naili genannt wurde. Die Kostüme wurden immer ausgefallener und auffälliger um für die Männer interessant zu bleiben. Es kam schließlich zum „Nackttanz“ am zweiten Teil des Abends. Die Musiker haben dann in der Regel ihre Gesichter gegen die Wand gerichtet und gespielt. Als Muslime wollten sie die nackten Frauen nicht sehen. Die Frauen der Ouled Nail verzichteten in den geschlossenen Räumen der Prostitution auf ihre Schleier, aber außerhalb trugen sie den Schleier bu`awina, der nur noch ein Ohr zu sehen ließ. Unter dem Schleier trugen die Ouled Nail ihren kompletten Schmuck und ihre Kostüme. Vollverschleierung war ein traditionelles Gebot für alle Frauen in Bou-Saada, inklusive der Ouled Nail.

Die jungen prostituierten Frauen der Ouled Nail rekrutierten sich aus der Familie oder aus der Dorfgemeinschaft. Für die Initiierung in den Tanz, der den Eintrittspunkt in die Prostitution darstellte, war eine längere „Ausbildung“ notwendig. Fatima die Kapitänin zum Beispiel besaß 20 junge Tänzerinnen, die sie aus ihrem Dorf rekrutiert hatte und Yamina hatte alle ihre Schwestern und Nichten in den orientalischen Tanz und entsprechend in die Prostitution eingeführt. Wenig mehr ist bekannt. Die Verwaltung von Bou-Saada setzte die Steuern fest und legte die Prostitutionstage für die einzelnen Gruppen zur Konfliktvermeidung fest (Militär und Zivil getrennt). Regeln für die Prostitution wurden auch von der Verwaltung in Algier festgelegt, ebenso Gesundheitskontrollen.

Die Prostitution finanzierte den Familien der Ouled Nail Häuser, Gärten und Viehbesitz. Es erlaubte ihnen zu leben.

Es gab Kinder, da traditionelle Verhütung nicht immer effektiv war. Die Mädchen waren dann auch vorbestimmt für die Prostitution, sprich Bauchtanz, und die Jungen konnten durch Bildung eventuell das Milieu verlassen oder „verwalteten“ die Angelegenheiten der prostituierten Familienangehörigen.

Viele der „Ouled Nail“ waren bald gezeichnet vom Alkohol und vom Tabak und verelendeten. Auch hier in einer anderen Zeit und Kultur war die Benutzung des Körpers durch fremde Männer anscheinend nur mit Suchtmittelkonsum erträglich. Einige Frauen schafften den Ausstieg. Teilweise konnten sie den Weg Gottes als Option wählen. Sie kamen dann zur Gemeinschaft der Schwestern im Islam und spendeten Geld an wohltätige Zwecke. Wenn genug Geld vorhanden war, wurde in eine Reise nach Mekka investiert.

Jüngere „Ouled Nail“ konnten manchmal heiraten als Option des Ausstiegs. Der Prophet Mohammed empfahl den gläubigen Männern die Heirat einer prostituierten Frau um die Prostitution zu beenden. Wie man gläubig sein kann und Zugang zu Frauenkörpern kaufen kann, ist natürlich fraglich. Christliche Männer wurden nie geheiratet (oder umgekehrt, sie heirateten keine Ouled Nail).

Nach 40 Tagen Kontaktabbruch zum zukünftigen Ehemann war eine Hochzeit möglich. Diese Zeitperiode der Abstinenz ist im Koran vorgeschrieben, um vor einer Ehe sicher zu stellen, dass eine Frau nicht schwanger ist und ganz im Sinne des Patriarchats die Vaterschaft vermeintlich sicher festlegen zu können.

Die Prostitution der „Ouled Nail“ verschwand mit der algerischen Unabhängigkeit, ebenso verschwanden viele nähere Informationen zu diesem Thema.

Insgesamt war in Algerien die Geschichte der Prostitution vor der Kolonialzeit eine Geschichte der Sklaverei und „Geliebten“. Regeln der Prostitution wurden erst von der Kolonialverwaltung aufgestellt, da die Gesundheit der Soldaten gewährleistet werden musste. Gott bewahre, die Truppen sollten alle an Syphillis verrecken und die ehrenvoll keusch wartenden Ehefrauen im französischen Vaterland etwas von den sexuellen Aktivitäten ihrer Ehemänner oder Verlobten erfahren. Daran hat sich bis heute nichts geändert; nur die wenigsten Partnerinnen von Soldaten, egal welcher Nation, ahnen etwas von deren sexueller Ausbeutung von einheimischen Frauen. Der Zusammenhang von Prostitution und Militär ist eng, immer und überall, aber die eigenen Ehemänner sind sicherlich immer edel und gut.

Frauen in der Prostitution in Algerien waren immer einheimische Frauen, unabhängig ihrer männlichen Benutzer. Auch die prostituierten Frauen für die Soldaten Nordafrikas im zweiten Weltkrieg in Europa kamen aus Algerien, nicht aus Europa. In der untersten Ebene der Hierarchie der Prostitution fanden und finden sich immer mehrheitlich die Ethnien, die am meisten verachtet wurden und werden. Trotz aller Möglichkeiten sich sexuell selbst zu verwirklichen, haben sich also keine Frauen der französischen Oberschicht gefunden um sich durch die Prostitution mit algerischen Soldaten in Frankreich ein eigenes Einkommen zu verschaffen…

1859 gab es in Algier 15 Häuser der Prostitution. Später gab es getrennte Häuser für Europäer und für Algerier, aber die prostituierten Frauen waren immer einheimische Frauen. Nur die Männer sollten sich nicht mischen, aber die unterste Schicht der Frauen, kolonialisierte Frauen, waren für alle benutzbar. Auch nach der algerischen Unabhängigkeit blieben 19 Häuser der Prostitution, ganz legal, aber völlig versteckt, und seit 1995 floriert die Prostitution in den Luxushotels. Ebenso findet Prostitution in Diskotheken statt, wahrscheinlich für Menschen aus Europa kaum erkennbar. Nach einer Befragung des Institutes Abassa aus dem Jahr 2007 gibt es 1,2 Millionen prostituierte Frauen in Algerien. Geschätzte 4 Millionen (bei einer Bevölkerung von heute 40 Millionen) leben direkt oder indirekt von dem Geld der Prostitution. Diese Zahlen machen sprachlos.

In dem Bordell Europas, Deutschland, soll es nur 400 000 prostituierte Frauen geben. Ich kann nicht sagen, ob entweder die deutschen Zahlen stark übertrieben sind, oder ob eigentlich ganz Algerien ein Bordell ist. Ich vermute, dass die deutschen Zahlen leicht untertreiben sind.

Kurz gefasst, frühere männliche Orientromantik war eigentlich nur eine idealisierte Geschichte der sexuellen Ausbeutung von Frauen. Bauchtanz, der Tanz von halbbekleideten Frauen für Männer für Geld, ist ein Tanz der Prostitution. Die ist eigentlich auch körpersprachlich nahe liegend. Bauchtanz für fremde Männer ist die orientalische/nordafrikanische Form des Table Dance sozusagen.

Frauen wurden in der Kolonialzeit zwar prostituiert, und durch das Militär benutzt, aber zeitgleich wurde damit gewoben, die Rolle der Frau in Algerien zu verbessern, durch Kampagnen, auch mit dem Ziel der Entschleierung. Man finde den Fehler; die Kampagnen waren nicht von Erfolg gekrönt.

1959 wurden schließlich 2 Millionen Algerier und Algerierinnen zwangsinterniert. Die französische Armee setzte auch hier in einem nicht mehr ermittelbaren Ausmaß sexuelle Gewalt gegen Frauen ein. Vielfach wird noch heute erzählt, dass Mädchen und Frauen in den Dörfern vor der Internierung versucht haben sich mit Dreck zu beschmieren, sich nicht zu waschen, sich die Haare abzurasieren. Sie hatten Angst vor Vergewaltigungen durch französische Soldaten. Genützt hat es wahrscheinlich so viel wie es anderen Frauen in anderen Ländern genützt hat die ähnliche Maßnahmen ergriffen haben. Gar nicht. Sie glaubten aber, es gehe bei Vergewaltigung um sexuelle Lust und nicht um Macht und Erniedrigung. Orientalische angebliche Mystik und Sinnlichkeit hatten hier jedenfalls keinen Platz.

Was aber noch mehr erschreckt, immer wieder, ist die ewig gleiche Geschichte der Prostitution und ihrer Verklärung bis hin zu, in diesem Fall, „Romantik“ der orientalischen Frau im letzten und vorletzten Jahrhundert.

Und um ganz ehrlich zu sein widert mich zusätzlich der Soldatenkult immer wieder neu an. Die Unterwerfung und Benutzung von Frauen überall auf der Welt durch das Militär, ob im Krieg oder danach ist erschreckend. Ob ich als Frau durch John, Tarek, Reinhard, oder Miguel prostituiert oder vergewaltigt werde, bleibt sich irgendwie gleich.

Nacktfotos von Lehnert https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Orientalist_nude_photographs_by_Lehnert_%26_Landrock

https://algeriepart.com/2017/10/08/enquete-lhistoire-meconnue-de-prostitution-algerie/

https://journals.openedition.org/clio/584  La danseuse prostituée dite « Ouled Naïl », entre mythe et réalité (1830-1962). Des rapports sociaux et des pratiques concrètes, B. Ferhati.

Aufnahmen Youtube der Ouled Nail:

https://www.youtube.com/watch?v=Guc_SvyGBkI

 

 

 

Ich bin nicht Deine Oma!

Zwei Frauen

Pixabay, CC0

Langsam werde ich älter. Früher habe ich mich daran gestört, als Schlampe oder ähnliches bezeichnet zu werden, doch so störe ich mich jetzt an der Bezeichnung „Oma“. Früher waren dies andere Frauen, die so von Fremden tituliert wurden. Mittlerweile kann ich selbst damit gemeint sein.

Natürlich hat gerade das Thema der Tafel in Essen meine Wut über diese Bezeichnung hervorgeholt, aber meine Wut über die Abwertung “die Oma da” war schon lange da.

Wer es noch nicht mitbekommen hat, die Begründung für den Ausschluss von „Ausländern“ bei der Neuvergabe für  Teilnehmerkarten der Tafel in Essen sind die „deutschen Omas“, die sich nicht mehr zur Tafel trauen, wegen den ausländischen Männern. Die alleinerziehenden Mütter trauen sich ebenso nicht mehr zur Essener Tafel. Ja, die alleinerziehende Mutter muss auch herhalten, symbolisiert natürlich auch sie die arme, schwache, hilfsbedürftige Frau in der deutschen Gesellschaft, die sich zusammen mit der deutschen Oma nicht mehr zur Tafel wagt und deshalb auf abgelaufene Lebensmittel verzichten muss.

Ich bezweifle nicht, dass Übergriffe bei der Tafel passiert sind, und dass dies für Frauen nicht zumutbar und unerträglich ist. Es geht mir um das Klischee der „Oma“, das Frauenklischee, dass tatsächlich der älteren allein erziehenden Mutter folgt, die „Oma“ ist sozusagen allein erziehend in Alt. Beides sind Symbole, lächerlich gemachte Archetypen des Weiblichen.

Es interessiert sich zwar sonst niemand für die Belange von allein erziehenden Müttern bezüglich zum Beispiel der Themen, unter anderem,  wie Sorgerecht und Einkommensausgleich, aber für mitleidserheischende Symbolik war auch die „allein erziehende Mutter“ an und für sich immer sehr praktikabel. Insbesondere in meiner Zeit bei der Linken konnte ich Aversionen gegen diesen Begriff erwerben, denn immer wenn das  Böse des Kapitalismus beschworen wurde, wurde die „allein erziehende Mutter“ in Broschüren und Ansprachen hervorgeholt, der Inbegriff, wie gesagt, der armen, hilflosen Frau, der die Linke beistehen musste.  Bekanntlich ging es „der Linken“ (Ausnahmen bestätigen immer noch die Regel) nicht  um den Kampf gegen Väterrechte, Pornografie, Prostitution oder ähnliches, was die Macht der Genossen hätte schwächen können, sondern darum Frauen, die in der Lage sind, Kindererziehung und wahrscheinlich auch Beruf und Arbeit alleine zu stemmen, als schwach zu präsentieren. Die Linke als patriarchales Symbol des Ritters, der die schwache, offensichtlich nicht mehr Jungfrau, aber Frau, retten möchte. Dieses Klischee der „allein erziehenden“ lässt sich auch auf die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung übertragen. Wenn es jemanden zu bemitleiden gibt, dann die allein erziehende Frau, offensichtlich zu dumm für adäquate Partnerwahl oder einen Mann “zu halten”, und als Frau nicht in der Lage, Kinder zu erziehen, denn hierfür braucht man einen Mann, obwohl diese sich bekanntermaßen eher weniger an der Kindererziehung beteiligen. Abgesehen von einem ständigen Abbau der Rechte von Frauen beim Thema Ehescheidung und Sorgerecht in den letzten Jahrzehnten, hat sich wirklich noch nie jemand für allein erziehende Frauen interessiert und die “allein erziehende Mutter” war immer ein Symbol für gesellschaftliche Abwertung und Verachtung von unabhängigen Frauen.

Aber zurück zur „Oma“, der sozusagen alten „allein erziehenden Frau“ als Klischeebild der patriarchalen Abwertung. Prinzipiell stellt der Begriff Oma einen intrafamiliären Kosenamen für die Mutter des eigenen Vaters oder der eigenen Mutter dar. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Oma könnte jede Frau ab 30 Jahren sein, oder jünger, und auch diese gibt es. Aber wird bei der Nutzung des Begriffs Oma tatsächlich davon ausgegangen, dass eine Frau Enkelkinder hat? Mussten ältere Frauen bei der Tafel angeben, dass sie Enkelkinder haben? Wissen Menschen, wenn sie über ältere Frauen als “die Oma” sprechen, etwas über ihren Familienstatus?. Wieso wird geglaubt einen familiären Kosenamen gegenüber fremden Frauen benutzen zu dürfen?

Mussten Einbürgerungsurkunden oder Familienstammbäume bei der Essener Tafel vorgelegt werden, um behaupten zu können, dass es sich um „deutsche“ Omas handelt? Was ist eine „Oma“ und wieso wird sich erdreistet, ältere Frauen so zu nennen ohne ihren Kinderstatus zu kennen? Und wie kommen andere dazu, Frauen mit ihrem Kinderstatus zu titulieren? Es bezeichnet ja auch niemand irgendwelche unbekannte Männer als „der Papi“ oder der „Opi“. Obwohl selten wird auch „der alte Opa“ als Schimpfwort benutzt, aber dieser Begriff als Abwertung ist seltener. Der Ausdruck “die Oma” dient nur der Reduzierung von älteren Frauen mit zwangsweise Lebenserfahrung auf ihre Produktion von Kindern und deren Produktion von Kindern.

Gerade vor kurzem, vor dieser Tafelscheisse, musste ich mir von einer Bekannten (leider eine Frau) anhören, das eine bestimmte Frau so eine typische „Omi“ sein. Diese Frau war, um ganz ehrlich zu sein, nicht besonders intelligent (um ganz ehrlich zu sein, intelligenzgemindert), und dazu naiv. Ich hatte fast Schnappatmung bei dieser Titulierung bekommen.

„Omas“ sind ansonsten auch noch bekannt aus den Medien vom „Enkeltrick“, also sogar zu blöd um Trickdiebe, Conartists, von den eigenen Enkeln zu unterscheiden und übergeben als Folge irgendwelchen Fremden ihr Vermögen. Prinzipiell hätte man auch sagen können, dass viele ältere Frauen trotz schwerer Demenz es schaffen selbständig zu leben, und leider eine schwere Erkrankung des Alters von anderen zur finanziellen Ausbeutung ausgenutzt wird. Doch auch hier darf eine Diffamierung und widerliche Abwertung der älteren Frau nicht fehlen. „Omas“ sind halt blöde und eben nicht unabhängig und selbständig trotz dementieller Erkrankung. Und da die Lebenserwartung von Männern niedriger ist wie die von Frauen sind eben diese in größerer Anzahl die Zielgruppe von Straftätern.

Wenn ich an „Oma“ denke im Sinne von dem Klischee, dann denke ich nicht an meine Großmutter, eine kluge Frau, die Zigaretten rauchte als es noch als „verrucht“ galt und immer sagte, sie wäre viel besser im Leben dran gewesen ohne meinen Großvater, der ihre Karriere behindert hatte. Nein, wenn ich an Oma als Klischee denke, denke ich an eine wirklich naive, alte Frau, die nichts vom Leben weiß, außer Enkelkinder mit Schokolade (oder Geld) vollzustopfen, obwohl das ungesund oder unklug ist, so ungefähr. Eine “Oma” hat auch schon lange keinen Sex mehr, abgesehen von dem Genre „Omaporn“, was auch nicht unbedingt zur Wertschätzung von älteren Frauen beiträgt, sondern nur auch noch diese  Frauengruppe männlicher sexueller Gewalt und Bedürfnisbefriedigung aussetzt. Die Produzenten und Nutzer von „Omaporn“ dürften im Übrigen wahrscheinlich auch deutsch sein, sonst wäre dieses Genre nicht zu finden, aber sicherlich hat die sexuelle Abwertung von „Omas“ im Porno nichts mit der allgemeinen gesellschaftlichen Verwahrlosungen auch ihnen gegenüber zu tun.  Abgesehen von den Pornoomas aber hat eine „Oma“ eine graue Dauerwelle und trägt ein Blumenkleid oder einen Faltenrock. Sie isst gerne Kuchen und hört Peter Alexander, sie hat immer ihrem Ehemann vertraut, so dass sie am Lebensende zur Essener Tafel gehen muss, wo sie nochmals dazu benutzt wird, um für Schlagzeilen zu sorgen. Leider hat sie offensichtlich nicht in jungen Jahren auf das Sprichwort gehört…“wenn Du dich auf einen Mann verlässt, dann bist Du verlassen…“, sonst müssten sie nicht aus finanzieller Not heraus zur Tafel gehen und von deren Mitarbeitern abgewertet werden als “arme alte Omi” die mann trotz ihrer großen Lebenserfahrung beschützen muss und auf ihren angeblichen Reproduktionsstatus reduziert. Dies war ein Sprichwort, das früher von älteren Frauen verbreitet wurde.

Außerdem hörte ich vor kurzem von dem Werbeslogan „Essen wie bei Oma“. Der Ausdruck, Essen wie bei „Muttern“ hat mich, zugegeben, auch immer äußerst aggressiv gemacht, da er Frauen auf ihre Versorgungsrolle des Kochens festlegt, und auch noch Qualität verlangt, aber da ich älter bin und schon lange eine Oma sein könnte, da über dreißig, macht es mich besonders wütend. Die ältere Frau ist halt gut beim Verschenken und beim Kochen und Backen. Das ist alles.

Wenn Männer, unabhängig ihrer Herkunft, Gewalt gegen uns, Frauen, anwenden, dann benennt diese Gewalt und macht etwas. Benutzt aber nicht uns, die „Omis“ und die „allein erziehende Mutter“ als Klischee das beschützt werden muss. Rechte und die Sicherheit von Frauen, ob jung oder alt, haben noch nie wirklich interessiert, oder wir wären nicht immer und hauptsächlich Opfer von männlicher Gewalt, ob an der Tafel, im Bus, in der Familie, auf der Straße oder vollgewichst im “Omaporn”. Für die männliche Gedankenwelt (und deren Konsequenzen auf Handlungsebene) die “Omaporn” zugrunde liegen muss, hat sich wirklich noch niemand interessiert, allerdings ist das schon bei Porno insgesamt schon nicht der Fall.

Ich möchte nicht, dass ältere Frauen auf ein Klischee reduziert werden. Wir können Kinder haben oder keine, Enkelkinder oder keine, gearbeitet haben und noch arbeiten, Blumenkleider tragen oder Hosen, eine „Oma“ sind wir nur für eventuelle Enkelkinder.

Der Archetypus der alten, klugen, weisen und gütigen Frau wurde geschickt ersetzt durch „die Oma“. Und das ist das eigentlich Widerwärtige an “der Oma”. “Die Oma”, die man nicht ernst nehmen muss, die nichts vom Leben verstanden hat, aber gut kochen und backen kann, die Oma eben die vor ausländischen Männern von offensichtlich deutschen Männern beschützt werden muss, damit sie sich etwas zu Essen holen kann.

Ich aber bin nicht Deine „Oma“ und möchte auch nicht, dass ältere Frauen von anderen, außer den eigenen EnkelInnen, als solche bezeichnet werden. Wir sind nicht unbedingt ein Klischee, aber können sogar das sein. Aber dann sind wir eine alte Frau, die freundlich und nett ist, gerne backt, tatsächlich eine Lebensgeschichte hat, und nicht Deine Oma. Wir waren schon nicht deine Mutter!

 

 

 

Satanismus und Drogenkartelle

Teil 3 der Reihe zu Satanismus, rituellen Morden und Drogenkartellen:

Satanismus gewann in in den letzten Jahrzehnten in vielen Drogenkartellen an erheblicher Bedeutung. Mit der Übernahme des neuen Glaubenssystems sollten und wurden die Moral und die Werte verstoßen, die oft Teil der hispanischen Kultur waren. Die mexikanische Mafia verbat ihren Mitgliedern zum Beispiel, die Bibel anzufassen oder überhaupt sich überhaupt mit dem Christentum zu identifizieren.

Satanismus, oder ein satanisches Glaubenssystem, zeichnet sich aus durch die Anbetung von Satan oder ähnlicher Gottheiten, einen Fokus auf absolutem Egoismus und fehlende moralische Werte, abgesehen vom Recht des Stärkeren. Individueller Profit und Gewinn sind im Vordergrund. Triebe und Gelüste erfahren keine Einschränkung und sexuellen Ritualen (oder Vergewaltigungen) wird besondere Macht zugeschrieben. Schmerz und Leid werden umgewandelt in Lust und Spaß. Rituale sorgen für einen okkulten Rahmen, induzieren Trance oder Hypnose, und in der Regel werden Tieropfer erbracht, teilweise Menschenopfer, oder zumindest menschliche Körperteile benutzt. Zu Satanismus zählen wir also Voodoo, JuJu, Santeria (Palo Mayombe), Candomble, und der Santa Muerte Kult.

In den 80er Jahren brachten insbesondere Kubaner afro-kubanische Glaubenssysteme in die Drogen und Bandenkultur auch der Vereinigten Staaten. Santeria, Voodoo, und Palo Mayombe wurden von den gewalttätigsten Bandenmitgliedern in Los Angeles praktiziert. Überall gab es „Botanicas“, um die notwendigen Materialien zu kaufen und Altare mit Obst und Tieropfern waren häufig Teil der Kultur der organisierten Banden. Durch die Drogenkartelle breitete sich die „schwarze“ Form der satanischen Glaubenssysteme aus.

Santeria zum Beispiel kann als eine „gute“ Form praktiziert werden, aber es gibt auch eine schwarze Art der Ausübung, Palo Mayombe. Teile des Glaubenssystems von Santeria war immer mit dem Christentum vermischt um während der Kolonisation die Religion weiter ausüben zu können. Orishas, die Götter der Santeria, werden repräsentiert durch katholische Heilige. Früher gab es die sieben Kerzen der wichtigsten Gottheiten in jedem Supermarkt in hispanischen Stadtteilen New Yorks zu kaufen, und Außenstehende konnten so glauben, dass Puertorikaner und Kubaner sehr katholisch sind mit ihrer Heiligenverehrung. St. Francis steht für die Orisha Orunla, St. John für Osain, und die Jungfrau Maria für Oshu.

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MS-13: Töte, vergewaltige, und kontrolliere!

Teil 2 der Reihe zu Satanismus, rituellen Morden und Drogenkartellen:

Mara Salvatrucha, auch genannt Mara oder MS-13, ist eine transnationale kriminelle Vereinigung mit einfachen Wurzeln. Durch die Ansprache von Donald Trump in Bezug auf MS-13 und die Ermordung im April 2017 von Jugendlichen auf Long Island erlangte sie vor einigen Tagen zusätzliche Bekanntheit. Dreizehn Mitglieder, 10 von ihnen illegale Immigranten, wurden wegen 41 Straftaten in Verbindung mit sieben Morden in Long Island 2017 angeklagt. Zwei junge Mädchen, 15 und 16 Jahre alt, die in Long Island ermordet wurden, wurden mit Macheten zerstückelt, die Waffe der MS-13.

Das Motto von Mara ist:“ Murder, Rape, Control – Morde, vergewaltige, kontrolliere!“. Hiermit ist eigentlich fast alles gesagt.

In den 80er Jahren kamen viele Bürgerkriegsflüchtlinge aus El Salvador nach Los Angeles. Sie wurden dort terrorisiert durch die brutalen mexikanischen und afrikanischen Straßenbanden. Sie erlebten erneut Gewalt und Armut, dieses Mal aber in den USA und nicht in El Salvador. Einige dieser geflüchteten jungen Männer schlossen sich zusammen um sich zu schützen vor dieser erneuten Gewalt. Gewalt und Brutalität kannten sie durch ihr Leben vorher in El Salvador.

Die Zahl der Mitglieder von MS-13 wuchs über die Jahre. Ihre Brutalität hat ihnen einen außergewöhnlichen Ruf beschert und ihre Mitgliederzahl wächst weiter. In den Vereinigten Staaten hat MS-13 20,000 Mitglieder. Insgesamt beträgt ihre Zahl 50 000 und sie sind in 46 Bundesstaaten aktiv.

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Opiumkrise: Satanismus und Drogenkartelle

Satanismus, rituelle Morde, und Drogenkartelle….oder die dunkle Macht hinter Sex, Drugs and Rock `n Roll:

Opiumhandel, Satanismus als Glaubenssystem vieler Drogenkartelle, und Prostitution sind miteinander verwoben. Drogenhandel und ist der Bruder, oder die Schwester, der Prostitution. Menschen und Drogen werden in der Regel durch dieselben organisierten Strukturen verbreitet, transportiert, gehandelt und verkauft. Wenn ich mich mit Prostitution beschäftige, muss ich mich auch mit Drogenhandel beschäftigen. Es nutzt nichts, auch wenn viele von uns vielleicht gerne mal kiffen und medizinisches Marijuana als Konzept toll finden, Drogenkartelle und Handel sind oft eben auch Menschenhandelskartelle. Und alleine die Opiumkrise in den USA ist ein Warnhinweis für den sehr unbedachten Umgang mit legalem Drogenkonsum. Ebenso bedenklich ist die offensichtlich Verbindung verschiedener Kartelle mit Formen des Satanismus (Voodoo, Santeria, Palo Mayombe, Santa Muerte). Der Spaß mit Drogen ist in vielen Teilen der Welt schon lange zu Ende.

Mit dem durch Drogenhandel (und Prostitution) verdientem Geld, weiß gewaschen irgendwann und irgendwie, kann man Politik betreiben und durch Lobbyismus, Erpressung, und Schmiergeld PolitikerInnen kaufen und entsprechend die Rechtsprechung beeinflussen. Es ist eigentlich logisch, aber das Ausmaß der finanziellen Möglichkeiten, und die wahre Gewaltbereitschaft des organisierten Verbrechens kaum bekannt. Oder wir verdrängen es.

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Bello Figo-Frauenhass als Antifaschismus

http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=160754&picture=sonnenbrille-reflexion-der-sommer

Und wieder feiert die Linke einen frauenhassenden Sack als die neue antifaschistische Waffe, dieses Mal in Italien.                                                                                                                   Bello Figo Gu, geboren als Paul Yeboah, und in der Vergangenheit als Gucci Boy bekannt, wurde 1993 in Accra, Ghana, geboren.                                                                                     2016 und 2017 wurde er mehrfach bedroht, insbesondere von Rassisten und extremen Rechten.Konzerte wurde deshalb in Brescia, Borgo Virgillio, und Rom, unter anderem, gestrichen. Seine Musikvideos auf YouTube hatten Millionen gesehen und sein neuer Song, „ Non pago affitto“, (Ich zahle keine Miete), wurde 10 Millionen Mal geklickt. Er bedient sich in diesem Song Antieinwandererklischees, und netten Sachen wie..“ Ich brauche eine weiße Pussy, denn am Morgen wache ich immer mit harten Schwanz auf. Viele weißen Fotzen werden gefickt, sie setzt sich auf mein Gesicht, als wenn sie sich auf den Stuhl setzt“…oder in einem anderen Song…“Alle meine Muschis, wo seit ihr…Sie führen meinen Schwanz ein wie Zigaretten, alle meine Fotzen…“(in Figa).

Gefeiert wird er auch von der Süddeutschen SZ, er bringt angeblich die Rechten zur Weißglut, aber wird von der Linken als intellektueller Rapstar betrachtet. Er zeige sozusagen den Rechten den Spiegel, indem er sie mit ihren eigenen Parolen konfrontiert. Soziologen und Politologen beschäftigen sich mittlerweile in Italien mit dem Phänomen Bello Figo. Er sieht sich wohl als Antifaschist und wird als solcher gefeiert. Die Zeitung Il Tirreno, Livorno schreibt….“Er sollte die Scham aller Flüchtlinge sein….mit einem halben Gehirn…“Über Sex und Essen sang er wohl in seiner Anfangszeit auch schon, sehr einfache Texte. Vermutlich gehörte dann diese Verachtung gegenüber Frauen schon von Anfang an zum Repertoire und wurde nicht durch das Thema „Immigration“ nur politisch aufbereitet. Zum Thema Immigration kam er erst vor einem Jahr. Natürlich sind seine Texte humoristisch und die Feminazis verstehen wieder Mal keinen Spaß, denn intellektueller Humor ist so einfach nicht ihre Sache. Das verstehen können nur linke, antifaschistische Männer. Oder vielleicht wird man, sollte man schwanzlutschende Fotze nicht so humoristisch finden, gleich als rechts bezeichnet, nur weil die Rechte, werauchimmer sich dazu zählt, aus anderen Gründen die Texte wenig lustig finden.                                             Zeitungen, die ihn eher feiern, zitieren natürlichen in der Regel die frauenverachtenden Textzeilen nicht. Eventuell wird noch in einem Nebensatz erwähnt, dass Bello Figo sexistisch sei, und die Rechte sich deshalb aufregt. Wer interessiert sich hier auch dafür, dass sich Frauen vielleicht auch aufregen können. Bei weißen Fotzen hört bei mir der Spaß einfach auf.Rolling Stone bezeichnete ihn 2016 als den am meisten polarisierenden Künstler Italiens. Ich kann nur sagen, wow, Frauen als Fotze (unter anderem) zu bezeichnen ist wirklich polarisierend und politisch brisant. Das ist eine Auszeichnung und Publicity wert.

Ich spüre wieder Abscheu vor der Scheinheiligkeit angeblicher Antifaschisten und sogenannter Linker.

http://iltirreno.gelocal.it/livorno/cronaca/2017/01/27/news/arriva-bello-figo-il-rapper-della-discordia-e-sul-web-corrono-subito-le-offese-razziste-1.14780779?refresh_ce

http://www.huffingtonpost.it/2017/01/15/bello-figo-minacce-rapper_n_14180538.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/bello-figo-yeah-ich-mach-nicht-den-fabrikarbeiter-1.3369900?reduced=true

Die schwarze feministische Frauenbewegung-Black History Month

sitting back not giving a fuck about what black men think or say

Wir alle kennen, oder hören immer öfter,  die neuen Schlagwörter wie „white feminism“, „critical whiteness“, die mittlerweile fast wie Beleidigungen, aber zumindest vorwurfsvoll, klingen und sich auf weiße Feministinnen und ihren Feminismus beziehen. Diese Begriffe ignorieren tatsächlich die Unterdrückungsmechanismen des schwarzen Patriarchats und fokussieren sich zunehmend ausschließlich auf weiße Frauen. Nicht, dass weiße Frauen es nicht auch verdient hätten kritisiert zu werden. Aber wie sieht wirklich der Ursprung des schwarzen Feminismus aus, der den Begriff der „Intersektionaliät“ schuf und Mechanismen der Unterdrückung anders betrachtete.

Die schwarze feministische Frauenbewegung (Black Feminist Movement) entstand tatsächlich als Antwort auf die schwarze Befreiungsbewegung (Black Liberation Movement) und der amerikanischen Frauenbewegung. Schwarze Frauen fühlten sich unterdrückt, und wurden unterdrückt, durch den herrschenden Rassismus in der, mehrheitlich weißen, Frauenbewegung. Gleichzeitig waren sie aber auch Opfer von Sexismus in der schwarzen Befreiungsbewegung. „Schwarzsein“ wurde sozusagen gleichgesetzt mit schwarzen Männern. Schwarze Frauen existierten nicht in diesem Konzept.  „Frausein“ und Feminismus wurde ebenso gleichgesetzt mit weißen Frauen.  Schwarze Frauen wurden auch hier nicht wahrgenommen, nicht wirklich. Das Ergebnis war, dass schwarze Frauen sich als unsichtbar betrachteten,  und sie erkannten, dass ihre Bedürfnisse nicht gesehen wurden. Weder in der einen Bewegung, noch in der anderen.

Die schwarze Befreiungsbewegung und einige Abgründe:

Die schwarze Befreiungsbewegung bestand eigentlich aus verschiedenen Bewegungen, wie die Bürgerrechtsbewegung,  der schwarze Nationalismus, Nation of Islam,  die Black Panthers, „the Student Nonviolent Coordinating Committee“, und viele mehr. Alle diese Teile der schwarzen Befreiungsbewegung besaßen eine Gemeinsamkeit, ein bindendes Glied sozusagen, denn das Glied, die Geschlechterzugehörigkeit zum „Mann“ spielte hier die entscheidende Rolle. Alle dieser Bewegungen richteten sich prinzipiell nur an schwarze Männer und ihre Befreiung. Freiheit wurde sozusagen gleichgesetzt mit Männlichkeit, und die Erlangung dieser Freiheit mit der Wiedererlangung von schwarzer Männlichkeit. Eine Idee die viel Verbreitung fand, war zum Beispiel, dass Männer durch Rassismus ihre Männlichkeit verlieren und verloren haben, da sie keine Macht mehr besaßen. Sie mussten in der Vergangenheit zusehen, wie ihre Partnerinnen von weißen Männern vergewaltigt wurden oder zur Zucht von einer neuen Generation von Sklaven benutzt wurden. Viele Männer in der Bewegung wollten ebenfalls die Sexualität schwarzer Frauen kontrollieren. Die sexuelle Ausbeutung schwarzer Frauen durch weiße Männer wurde ständig thematisiert und stand im Vordergrund. Sexuelle Beziehungen schwarzer Frauen zu weißen Männern wurden abgelehnt, aber für die schwarzen Männer in der Bewegung war es in Ordnung selbst sexuelle Beziehungen zu weißen Frauen zu haben. Auch in dieser Bewegung ging es sozusagen letztendlich darum, dass ein Teil der Freiheit bedeuten solle, dass Männer sexuellen Zugang zu allen Frauen haben können.

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„Mütter unerwünscht“ Christina Mundlos

Mütter unerwünscht, Tectum Verlag

Mütter sind unerwünscht bei der Arbeit in Deutschland, genau das beweist Christina Mundlos in ihrem neuen Buch. Mobbing, Sexismus, und Diskriminierung am Arbeitsplatz gegenüber Müttern, und gegenüber Frauen, die noch jung genug sind um Kinder bekommen zu können, sind das alltägliche Geschäft in Deutschland.Die Strategien der Arbeitgeber, ob gezielt oder auf Vorurteilen basierend, sind vielfältig und nicht immer gleich erkennbar, aber sie alle haben das Ziel, Frauen aus dem Arbeitsmarkt zu drängen. Nicht Frauen sind verantwortlich für die sehr niedrige weibliche Erwerbstätigkeitsquote in Deutschland, sondern die Ursache sind Mobbing und Diskriminierung.

Wie auch in ihrem Buch “Trauma unter der Geburt“ und „Regretting Motherhood“ arbeitet Christina Mundlos mit Erfahrungsberichten von betroffenen Frauen. 25 Frauen unterschiedlicher Berufe und Hintergründe schildern eindringlich, was ihnen gemeinsam ist, nämlich der Versuch von Arbeitgebern sie aus dem Beruf zu drängen. Individuelle Erfahrungen bezüglich Mobbing und Diskriminierung im Kontext von Schwangerschaft und der Rolle als Mutter bei der Arbeit kann als purer Zufall oder persönliche Schwächen abgetan werden, aber die überwältigende Anzahl der Berichte mit genau diesen Erfahrungen kann nicht mehr abgetan werden. Das Private wird sozusagen zum Politischen, denn wenn es so viele Frauen betrifft, dann kann es sich nur um ein strukturelles, gesellschaftliches Problem handeln.

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