Alle Artikel von Gastbeitrag

Patriarchat und Neoliberalismus

Vortrag von Inge Kleine bei der FILIA-Konferenz in Salford/Manchester am 21. Oktober 2018. Originaltext hier

Zu allererst möchte ich FILIA, das heißt dem großartigen Organisationsteam dafür danken, dass sie diese Konferenz und diese Möglichkeit geschaffen haben, so viel großartige Aktivistinnen und Feministinnen zu treffen.

Mein Thema ist die Widerstandsfähigkeit des Patriarchats und wie schwierig es ist, ihm auf unserem Kampf dagegen nicht auf den Leim zu gehen.

In seiner fortlaufenden Selbstbestätigung gelingt es im Patriarchat, unsere Kämpfe, zumindest in westlichen Ländern oder denen des globalen Nordens, als obsolet, als überkommen darzustellen (1), womit es uns direkt in die erste Reihe an Fallen schickt. Männer deuten dabei auf andere Länder, „woanders“ hin, am liebsten nach Süden or „Osten“ und auf dortige Gesellschaften. Dies ist ein sehr alter Trick, da Liberalismus und Kolonialismus zusammengehören (2), und er funktioniert so: „Hier haben wir keine wirklichen Probleme, aber schaut mal dorthin! Da solltet ihr hinschauen. Arabische Länder!“ Die unmittelbare Reaktion zumindest einer deutschen Feministin könnte darin bestehen klar zu stellen, dass Algerien mehr weibliche Abgeordnete im Parlament hat als Deutschland, samt dem sofortigen Genuss die Selbstgefälligkeit aus dem Gesicht der Herrklärer verschwinden zu sehen. Aber diese Reaktion enthält Fehler, weil sie uns sofort zu typischen wenn auch indirekten Fehlschlüssen führt, die „unserer“ Überlegenheit, denn warum sollte Algerien nicht mehr Frauen als Abgeordnete haben als Deutschland und was für Einstellungen sind nötig, damit wir davon ausgehen, dass Algerien als Beleidigung für selbstgefällige Deutsche genutzt werden kann? Und dies geht noch weiter. Nachdem ich meinen rechten Fuß tief in den Morast des Patriarchats gestellt habe, lasst mich den linken Fuß gleich nachziehen. Unterschiede abzustreiten oder darauf zu bestehen, dass das Patriarchat überall herrscht und dass unsere Kämpfe überall die gleichen sind, kann uns dazu verleiten, wichtige Informationen über unsere Schwestern zu übersehen, es kann uns dazu bringen – in diesem Fall westliche Feministinnen – nicht zu sehen, wo ihre Kämpfe andere sind oder wo die konkreten Rahmenbedinungen andere sind. Es dient auch dazu, Aufmerksamkeit abzuziehen und sie wieder hübsch auf uns selber zu lenken. Und während ich spüre, wie ich immer tiefer im Matsch versinke, lasst mich noch die dritte Falle dazu stellen, wenn eine Anerkennung von Unterschieden in unseren täglichen Herausforderungen und Kämpfen zu Ansichten führt, die mal ein „Lieblings-“artikel von mir verbreitete, in dem stand, dass muslimische Mädchen in Pakistan Werte der Familiensolidarität hätten, die bedeuteten, dass sie keine individuelle Freiheit wollen oder brauchen.

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Feministischer Porno oder das übliche in rosa?

Frau am Computer

CC0

Erika Lusts Film Live Love Lust

(Radikal)Feministinnen von Andrea Dworkin bis Gail Dines kritisieren Pornographie seit Jahrzehnten und sie haben gute Argumente: Die „Arbeitsbedingungen“ in der Branche sind für die Darstellerinnen unzumutbar, dargestellt wird nicht Sex, sondern Männergewalt gegen Frauen, und es ist diese Gewalt an der sich die Konsumenten – größtenteils Männer – aufgeilen, deren Frauenbild von den Darstellungen beeinflusst und geprägt wird.

Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, es ließen sich doch wohl auch „feministische Pornos“ produzieren, für ein weibliches Publikum. Als Paradebeispiele werden meist die Filme der 1977 in Schweden geborenen studierten Politikwissenschaftlerin Erika Lust genannt, die seit 2004 „Pornos für Frauen“ dreht, die auch diverse Preise bekommen haben. Ob sie ihre Darstellerinnen wirklich besser behandelt als andere Produzenten, ist fragwürdig, die Dokumentation Hot Girls Wanted lässt eher auf das Gegenteil schließen. Auch das Interesse der Frauen an den Filmen scheint sich in Grenzen zu halten: Das Unternehmen schätzt, dass lediglich 15-25 % der KonsumentInnen weiblich sind, die meisten sind also Männer, von denen manche eventuell noch ihre Partnerinnen dazu überreden können, gemeinsam einen Porno zu schauen. Das Label „feministisch“ bzw. „frauenfreundlich“ hilft dabei natürlich, Widerstände zu brechen.

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Eine radikalfeministische Perspektive auf die ‚freie Wahl‘

Feministisches Symbol

By weegaweek - File:Feminist philosophy.png, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72704008

Ein Gastbeitrag von Ines Jancar

Früher hielt ich, wie viele Menschen das tun, BDSM für eine Facette des privaten Sexlebens, die man ausleben kann oder auch nicht. Die meisten verbinden damit die gängigen Utensilien wie Peitschen, Handschellen und Fetischoutfits, auf die man sich in der Gesellschaft teils humorvoll teils verschämt bezieht. Deutlich seltener kommen die zugrundeliegenden Mechanismen von Unterwerfung und Unterworfenwerden öffentlich zur Sprache. Diese symbollastige Verklärung sorgt dafür, dass BDSM gemeinhin als eine Frage des persönlichen Geschmacks deklariert wird. Auch der Nachdruck, mit dem von BDSM-Seite bisweilen auf den Unterschied zwischen den BDSM-Praktiken und dem ‚eigentlichen Leben‘ hingewiesen wird, den sogenannte Vanillas nicht richtig verstünden, verstärkt diesen Eindruck. Setzt man sich mit BDSM (theoretisch oder auch praktisch in der Szene) auseinander, wird einem allerdings bewusst, dass dort ähnliche asymmetrische Geschlechterverhältnisse bestehen, wie man sie von clichéhaftem Vanilla-Sex und auch grundsätzlich in den Gesellschaftsstrukturen kennt.

Leider gibt es wenige aussagekräftige Statistiken zu dem Thema – was meine Annahme, dass BDSM als Privatsache gilt, verstärkt –, daher muss ich mich auf meine Eindrücke und die anderer, in BDSM involvierter Menschen sowie die spärlichen zur Verfügung stehenden Quellen zum Thema und gängigen Portale (fetlife, joyclub) beziehen. Dabei erhärtet sich der Eindruck, dass sich mehr Männer relativ gesehen zum (insgesamt größeren1) männlichen Anteil in der BDSM-Szene als „(extrem) dominant und sadistisch“ beschreiben, hingegen deutlich mehr Frauen2 relativ gesehen zum (insgesamt kleineren) weiblichen Anteil in der BDSM-Szene sich als „(extrem) devot und masochistisch“ beschreiben.3 Noch signifikanter wird die Asymmetrie, wenn man nur heterosexuelle Menschen berücksichtigt. Manche Quellen, die etwas vereinfacht in dominante und submissive Rollen unterschieden, sprechen von einer 75%igen dominanten Präferenz bei Männern und gar bis zu 96%igen submissiven Präferenz bei Frauen4 – ein Verhältnis, das ungeachtet der genauen Zahlen meinen Eindruck der beiden Tendenzen bestätigt.

So sehr unterscheidet sich das Bild der BDSM-Szene also auch nicht von den anderweitig anzutreffenden stereotypen Rollenverteilungen. Dass es auch sogenannten außererotischen BDSM gibt, macht zudem deutlich, dass BDSM keineswegs nur eine sexuelle Präferenz ist, sondern mit dem ‚eigentlichen Leben‘ fest verwoben ist. Die Besonderheit von BDSM liegt vielmehr darin, dass Verhaltensweisen und Machtverhältnisse, die man aus dem alltäglichen Leben kennt, im BDSM explizit gemacht werden. Hierin sehe ich übrigens den großen Vorteil von BDSM gegenüber den impliziten alltäglichen Formen, Menschen zu unterwerfen oder sich ihnen zu unterwerfen: Die Machtverhältnisse werden expliziert und somit verhandelbar. Aber wo werden diese Machtverhältnisse und ihr Kontext zum alltäglichen Leben letztlich verhandelt? Erstaunlich selten wie mir scheint. Weiterlesen

Bekenntnisse einer “TERF-Versteherin”

Feminismus Graffiti

maariaadiaaz_ via Flickr [CC BY-NC-SA 2.0]

Ein Gastbeitrag von Dorothée

Dieser Text stammt von einer Frau, einer Transfrau, noch dazu spät entdeckt intersexuell (KS – 47,XXY / 46,XY Mosaik 4) und einer bekennenden Lesbe. Das ist die eine Seite und eigentlich sind es ja schon mehrere, über die sich problemlos streiten ließe. Und er stammt von einer, die zunächst etwas gebraucht hat, bis sie sich die ihr oft als Schmähung entgegengeschleuderte “TERF-Versteherin” irgendwann zu eigen gemacht hat. Aber mal von vorne.

Ich, also die Autorin, bin 50 Jahre, weiß, weitgehend gesund und so aus verschiedenster Sicht bis heute privilegiert. Es ist aber auch so, dass ich musiziere, viel schreibe und noch mehr lese, sehr gerne mit offenem Blick reisend unterwegs bin, mich für lokale Kulturen weltweit und Sprachen interessiere und noch so viel mehr. Einen Menschen macht ja Vieles aus. Es fällt mir bis heute schwer etwas zu benennen, was mich in meiner Identität so geprägt hätte, dass ich dieser Erfahrung alles unterordnen würde. Aber ich habe natürlich auch das Gespür dafür, dass all das nicht gleichgewichtig sein kann. Und so ist mir insbesondere zuvörderst bewusst, dass ich losgelöst von meinem heutigen Leben eben fast fünf Jahrzehnte lang nolens volens männlich sozialisiert wurde; mit all den damit verbundenen aberwitzigen Privilegien, die ich keineswegs immer als Segen, sondern häufig auch als Fluch gesehen habe, aber halt doch mit diesen Privilegien. Und nein, ich bin nicht auf alles stolz, was ich aus dieser Ausgangslage stammend mir herausgenommen habe. Aber auch das wird immer Teil von mir bleiben. Weiterlesen

Von einer, die auszog, ein TERF zu werden

Women of the world unite

Steve Rainwater via Flickr [CC BY-SA 2.0]

Ein Gastbeitrag von Janelle

Wie viele TERFs (Tediously Explaining Real Facts) habe auch ich einmal ganz klein als Trans*unterstützerIn angefangen. Mehr Frauen, mehr Feministinnen, mehr Unterstützung für die gute Sache, dachte ich damals.

Ich ging zu Trans*-Support-Events, trug bei zu der guten Sache und wollte der am meisten unterdrückten Gruppe gerne behilflich sein. Helfen – prima! Das können wir Frauen.

Rückwirkend erinnert es mich an ein Ereignis aus Kindertagen, bei dem ein Junge mich überzeugte ihm bei seinen Schulaufgaben zu helfen und er mir dann bei meinen. Besagter Junge ließ mich nach meinem Arbeitsanteil dann im Regen stehen.

Als weltoffene, tolerante cis Frau (inzwischen lehne ich den Begriff „cis“ rundheraus ab) nahm ich schnell das notwendige Vokabular an und übersah – trotz komischen Bauchgefühls – die vielen kleinen und großen Momente, die mich zweifeln ließen, ob das alles so prima und golden-rosa ist. Es gibt nicht nur ein Geschlecht, sondern viele. Alle mit entsprechenden Pronomen. Alle passen sich an die 1001 Befindlichkeiten an, die diese empfindlichen selbstmordgefährdeten Geschöpfe so haben. Letzteres ist eine Selbstzuschreibung, die immer wieder bei Diskussionen ins Feld geführt wird. Die Studie, auf die sich die sehr hohe Zahl bezieht, ist umstritten. Ich fing an, auf Körpersprache und Redebeiträge zu achten. Diese neuen Frauen verhielten sich zwar etwas subtiler als ein Top-Manager (zumindest meistens), aber doch recht eindeutig wie Männer.

Das Tabu wurde für mich immer offensichtlicher. Wieso durfte darüber nicht gesprochen werden?

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Das „F*ck you!“ der taz an Frauen

Mittelfinger

Crosspost Abolition 2014

Anlass: Berichterstattung und Kommentar in der taz zur Trennung von Terre des Femmes Deutschland und Terre des Femmes Schweiz (1).

Bei Themen wie Flüchtlingen, vielen sozialen Themen und der AfD ist die taz gut und eine notwendige Stimme in der Presselandschaft.

Bei Frauen allerdings nicht.

Zu Feminismus und besonders bei kontroversen Themen wie Prostitution oder Verschleierung sehen wir fast ausschließlich eine einseitige, uninformierte und diffamierende Berichterstattung, auch wenn es ein paar Ausnahmen gibt.

Es geht hier nicht um andere Meinungen und noch nicht einmal nur darum, wie diese Meinungen vertreten werden, und zwar in einer Art und Weise, in der ich das auch auf unserer, der abolitionistischen Seite nicht sehen möchte und bei der wir versuchen, einzugreifen. Diese grottenschlechte Art der Berichterstattung gibt es auch da, wo ich zufällig inhaltlich zustimme. Es kann nicht sein, dass sich im Bereich der Gender Studies, in den Kommunikationswissenschaften oder im Journalismus nur Frauen bewegen, die nach dem zu Urteilen, was sie uns zeigen, so wenig wissen und so wenig zu irgendeiner inhaltlichen Auseinandersetzung bereit sind, wie wir das seit Jahren bei der taz sehen, Redaktionswechsel unbeschadet: Ohne Differenzierung, ohne Recherchewillen oder vielleicht -fähigkeit, mit nichts als vorgefertigten Sprüchen und im Zweifelsfall der Nazikarte. Derart oberflächlich arbeitende Journalistinnen auszusuchen ist auch ein Kommentar dazu, wie unwichtig einer Zeitung diese Themen sind, und zeigt, dass es der taz absolut genügt, wenn regelmäßig ein paar rein assoziative Satzreihen zur Bedienung des Status Quo erscheinen. Wenn es mal einen einigermaßen guten Artikel gibt, ist er häufig genug von einem Mann.

Die taz erinnert darin an die Regierungen Kohls (Kabinett V) und Merkels mit Familienministerinnen wie Claudia Nolte oder Kristina Schröder, als Merkel die Stimmung im Land und den Antifeminismus einer bestimmten Gruppe eher jüngerer Frauen falsch interpretiert hatte, weil sie nicht bemerkt hatte, dass Antifeminismus heute anders läuft …. Frauen ohne Erfahrung und ohne wirkliches Interesse am Thema, denen gleich mal mehr als die Hälfte des Etats weggekürzt werden konnte und die nicht einen wesentlichen oder neuen Beitrag zum Thema brachten. Weiterlesen

Triggerwarnung – Frauenkörper!

Ein Rant in drei kurzen Kapiteln.

Warnung: Frauenrechte sind Menschenrechte. Und sie sind FRAUENRECHTE. Transrechte sind Menschenrechte. Sind sie. Sie sind nur keine FRAUENRECHTE.

Anlass:

Während Facebook-Gründer und Besitzer Mark Zuckerberg in den USA verkündet, dass auch Holocaust-Leugnende das Recht haben müssen, ihre Meinung auf Facebook zu verbreiten (1) und sich deswegen weigert, entsprechende Postings zu löschen (was in Deutschland und Österreich allerdings gemacht werden muss), gibt es mal wieder kein Problem, Facebook-Algorithmen so zu programmieren, dass sie feministische, lesbische und frauenorientierte und aus diesem Blickwinkel heraus transaktivismuskritische Seiten oder sogar einzelne, auf „Freunde“ gestellte Posts, blockieren (2). Die Begründung ist diesmal meistens „Spam“, naja, klingt ja auch besser als das Bemühen der „Community Standards“ wie letztes Jahr im Juni (3).

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Sex Industry Kills- vom inneren Sterben

Ein Gastbeitrag von Cat

Eigentlich hatte sie nicht auffallen wollen. Zumindest nicht direkt. Deshalb hatte sie sich ja auch für das Pünktchen-Kleid und die flachen Sandalen entschieden. Nur war es nun mal nicht möglich, auf die große, tiefschwarze Sonnenbrille zu verzichten. Auch nicht auf die orangefarbene Perücke- obgleich sie damit die Blicke aller Veranstaltungsbesucher auf sich zog. Sich zu zeigen wäre zu riskant. Zu groß die Gefahr, erkannt zu werden.

Sie kannte das Empfinden irgendwie anders zu sein nur zu gut. Gesellschaft gab ihr immer schon das Gefühl, in ihr ein Fremdkörper zu sein. Aber heute war es anders, denn heute wollte sie genau darüber sprechen. Seit sie vor einem halben Jahr ihren Job an den Nagel gehängt hat, spürt sie eine merkbare Transformation; einen Übertritt in eine andere Welt. Schließlich geht es nicht um irgendeinen Job: Susan Müller war Prostituierte- und eigentlich heißt sie ganz anders.

Während sie spricht, klingt sie gelassen. Auch dann, wenn sie erzählt, wie sie mit Anfang zwanzig damit begann, sich zu verkaufen oder wenn sie sich daran erinnert, wie sie bei ihrem ersten Freier an einen gewalttätigen Sadisten geraten war.

„Bevor man einsteigt sollte man sich vorstellen können mit jedem zweiten Mann, der einem auf der Straße begegnet, zu schlafen.“ Eine erste Voraussetzung, der nur Wenige standhalten können.

Dabei fiel ihr der Einstieg leichter als gedacht: Job verloren. Lahme Ämter. Hungrige Kinder.

Dass sie sich gerade für diesen, nicht etwa für einen Job in der Gastronomie, im Verkauf oder für eine Putzstelle entschieden hat, kann sie heute anders reflektieren als damals. Schon als Kind hatte Susan sexuelle Gewalt erfahren. Sexualität, so sagt sie, sei für sie auf dieser Grundlage nichts wert gewesen und konnte also verdinglicht werden. Ein blutiger roter Faden, der sich, wie sie später erfahren sollte, durch die Biographien vieler Kolleginnen zieht. Einer Studie des Familienministeriums zufolge erlebten etwa 52 Prozent der Prostituierten körperliche Gewalt in der Kindheit. Rund 43 Prozent wurden Opfer sexuellen Missbrauchs- von den Dunkelziffern ganz zu schweigen.

Dass sich eine derart große Anzahl an Gewaltopfern für diesen Beruf entscheidet, erklärt Traumaexpertin Dr. Ingeborg Kraus damit dass Menschen, die  körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren haben, ähnliche Überlebensmechanismen ausbilden wie Kriegsopfer- so auch in der Prostitution. Die Arbeit fungiere demnach als Ort der Reinszenierung von Traumata- diesmal aber im Rahmen eines vermeintlich kontrollierten Aktes, gesteuert von der traumatisierten Person. „Wenn der Freier weg ist hast du immer das Gefühl, etwas Schlimmes überlebt zu haben. Es gibt dir diesen Kick, den man bei einem Unfall erlebt. Viele haben das Bedürfnis, sich danach mit dem Bargeld zu belohnen. Ich kenne keine Frau, die aus dem Zimmer kommt und sagt „Das war jetzt schön.“ Es war immer bestenfalls „ok“- und zwar dann, wenn der Mann möglichst schleunigst wieder gegangen ist.“ Hört man Susan zu, wird sehr schnell deutlich, wie problematisch die von Kraus beobachtete Reinszenierung tatsächlich ist.

Das Milieu ist ein Zufluchtsort für all jene, die von Kind an mit Traumata leben müssen. „Es gibt einem das Gefühl, in Ordnung zu sein“, obwohl etwas im Innersten gebrochen ist. Weil Alle um einen herum auf ihre ganz persönliche Weise gebrochen sind. „Das Leben fickt härter als jeder Freier“, zitiert Susan trocken- und spielt damit auf eine Line der Frankfurter Rapperin und Ex-Prostituierten „Schwesta Ewa“ an. Die habe trotz ihrer Vulgarität einen wahren Kern.

Das Milieu fange auf, reiche einem in der Personifikation des Zuhälters oder der Zuhälterin seine klebrige Hand, um steuerliche Registrierungen vorzunehmen, einzuweisen oder Ratschläge zu geben- etwa, wie unliebsame Praktiken am besten zu überstehen seien. Und dann kommt die Gewohnheit, die man sich einredet, obwohl es keine ist. Weil man sich in einen Zustand versetzt, an den sich niemand jemals gewöhnen kann.

Susan lehnt sich zurück, streicht ihren Rock glatt. „Das Beunruhigende ist ja, dass du die Männer nicht kennst. Ich hatte immer ein komisches Gefühl in der Magengrube. Du bekommst einen Namen, meinetwegen „Udo“, und der wartet dann hinter der Tür. Du machst die Tür auf und siehst sofort, dass du „Udo“ absolut unattraktiv findest. Trotzdem musst du ihm die folgenden Minuten vorspielen, er sei der tollste Mann der Welt.“ Ihn abzulehnen, gäbe Stress. „Wenn eine Frau dreimal nicht will, spricht sich das rum. Manchmal muss man den Laden dann mit Zwangszahlung entschädigen.“

Zwischen drei und sechs Mal in der Woche hatte sie gearbeitet. Meistens tagsüber. Das habe dem Geschäft aber keinen Abbruch getan: „Der Tag hat Platz für Ausreden. Wirklich Alle gehen in den Puff. Vom Polizisten, zum Gerichtsmediziner, dem Studenten bis hin zum Arbeitslosen. Am Nervigsten sind die Jungen- die sind so porno-verseucht.“ Obwohl sie es sarkastisch sagt, bietet das Thema keinen Raum, um darüber zu lachen.

In ihren fünf Jahren war Susan neben der Selbstständigkeit in verschiedenen Etablissements tätig. Dort konnten die Frauen gegenseitig aufeinander aufpassen, wenn es die Umstände erlaubten. Alleine war man dennoch. Alleine mit den Freiern- ob brutal, erträglich, schmierig oder pervers- und letztlich alleine mit sich selbst und seinen Erinnerungen. Finstere Geister, die viele der Kolleginnen mit verschiedensten Pharmaka in Form von Alkohol, Kokain oder Crystal Meth zu bändigen versuchten.

Susan nahm keine Drogen. Stattdessen eignete sie sich eine andere Strategie an, um taub zu werden. „Wenn ich mit dem Freier auf Zimmer war hab ich immer versucht, möglichst wenig zu fühlen. Der Job tötet dich. Weil du dich dauernd verbiegen, dich innerlich tot machen musst.“

Eine ihrer engeren Kolleginnen habe zwischen zehn und fünfzehn Kunden am Tag gehabt. Das habe sie ertragen, so glaubt Susan, weil sie längst tot war.

Um ihrem eigenen inneren Tod ins Auge zu blicken, brauchte sie einen Spiegel. Den lieferten die Texte der Aktivistin und ehemaligen Prostituierten Huschke Mau, die sich kritisch mit der Liberalisierung des Prostitutionsmarkts,  Gewalt wider Frauen im Gewerbe und Freiern als Tätern auseinandersetzten. Themen, die Susan zunächst ärgerten: „Zuerst hab ich die Texte als Affront, als Provokation gegen mich empfunden. Damals habe ich mir noch eingeredet, das sei ein toller Job.“ Heute erkennt sie die Mechanismen, die im Milieu dafür sorgten, dass ihre Illusion so lange aufrechterhalten blieb. Einer davon ist die Abgrenzung. So schaue der Escort auf das Bordell und das Bordell auf den Straßenstrich herab. Diese streng abgestufte Hierarchie, die Vergewisserung, nicht an unterster Stelle zu stehen, mache den Alltag erträglicher. Hinzu kämen die säuselnden Worte der Zuhälter, die freundlich ermahnten, dass man sich nicht anstellen solle, wenn es einem schlecht geht, weil ja eigentlich alles ganz normal sei.

Der Zuhälter von heute nennt sich übrigens „Buchhalter“. Kaffee schlürfend, die Glieder in einem schicken Anzug steckend inszeniert er sich in der Öffentlichkeit als nobler Gönner. Als Familienvater. Als Saubermann. Dass er Leichen im Keller hat, solche, die tot sind im Inneren, hindert ihn nicht daran, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen und das Klischee des auf dem Kiez auf und ab fahrenden Luden hinter sich zu lassen.

Das gesamte Milieu hat sich einem Wandel unterzogen. Rund 400.000 Prostituierte arbeiten laut öffentlicher Zahlen heute in Deutschland. Auch hier scheint die Dunkelziffer jedoch weitaus höher zu liegen. Eine Konkurrenzsituation, die Ausbeutern geradezu in die Hände spielt. Susans Diagnose ist bitter: „Die Rolex- und Benz-Zeiten sind längst vorbei. Vor der Liberalisierung hat man in der Branche sehr gut verdient. Die Männer haben nicht viel verlangt. Seit der Öffnung zum Osten hin werden die Freier perverser, haben immer extremere Forderungen. Durch Schleusung ist der Markt überschwemmt, die Preise sind im Keller.“ „Schleusung“, das meint die Masse an Frauen, die aus Ost- und Südost- nach Mitteleuropa verschleppt und prostituiert werden. Von hunderttausend Opfern geht man aus. Deutschland biete dafür den optimalen Humus, so Manfred Paulus. Er ist ehemaliger Polizeihauptkommissar und widmet sich der Untersuchung von Ursachen von Frauen- und Kinderhandel. Überhaupt die Möglichkeit der Verschleppung nach Deutschland zu bieten deute auf ein komplettes Versagen des deutschen Staates hin, was einerseits auf eine unzureichende Gesetzeslage zurückzuführen und andererseits einer fehlerhaften Philosophie und Sprache verschuldet sei.

Deutschland hat sich 2002 für das Legalisierungsprinzip im Umgang mit Prostitution entschieden. Das erkennt Sexarbeit als Form der Erwerbsarbeit an und regelt sie dementsprechend- etwa durch Kontrollen von Anmeldebescheinigungen und Hygienevorschriften.  Und ganz nebenbei verdient der Staat Milliarden im Jahr an deren Leid- für Manfred Paulus Ausdruck einer opferfeindlichen deutschen Politik. Für die Beamten sei es zum Beispiel nahezu unmöglich, während einer kurzen Kontrolle festzustellen, ob Zwangsarbeit vorliegt. „Außerdem fehlt da auch das Vertrauen. Wenn dir ein Kunde erzählt, dass er Polizist ist, vertraust du dich dem ja nicht an. Dann hat der am Ende noch deinen Klarnamen und weiß wo du wohnst.“, gibt Susan zu bedenken.

Mit der lückenhaften Gesetzeslage gehe auch ein sprachliches Problem einher. So wird die Arbeit der  Prostituierten im Gesetz als „freiwillig“ bezeichnet. Gespräche mit tausend Aussteigerinnen und Erkenntnisse der Kriminalpolizei ergaben jedoch, dass freiwillige Prostitution ein Mythos sei. Anzuschaffen hänge häufig mit Notsituationen oder dem Motiv von- besonders durch den Eingriff krimineller Banden- erzeugter Abhängigkeit und Schuldgefühle zusammen. Von Freiwilligkeit zu sprechen wäre eine Normalisierung sexueller Dienstleistungen. Das sei fatal und wird aus dem Ausland mit dem verächtlichen Beinamen „Deutschland- Puff Europas“ gestraft. Ist es Naivität? Sind es ökonomische Faktoren? Oder ist das organisierte Verbrechen bis in die Führungsspitzen vorgedrungen?

So oder so für Susan Müller Grund genug, um das Gewerbe hinter sich zu lassen.

„Es ist nicht so, dass eine Frau, die angeschafft hat, von einem Tag auf den anderen einfach am Fließband arbeiten kann. Prostitution ist enorm mit Scham besetzt. Man fühlt sich minderwertig, verliert sein gesamtes Selbstbewusstsein. Und dann sind die meisten Frauen traumatisiert. Man muss erst mal wieder im bürgerlichen Leben ankommen. Das macht ja was mit einem.“ Aus diesem Grund seien gute Ausstiegsprogramme wichtig.

Ihr eigener Ausstieg war ein echter Prozess. Die Texte von Huschke Mau hatten sich in Susans Kopf gebohrt, öffneten ihr nach und nach die Augen und machten die Arbeit unerträglich. Sie suchte sich einen kleinen Nebenjob als zweites Standbein und erklärte den Betreibern von ihrem Plan, aufzuhören. „Die ganze Hilfe, die dir anfangs zukommt, fällt sofort weg wenn du dich entschließt, das Milieu verlassen. Verrat ist die schlimmste Verfehlung- sie schadet dem Geschäft.“

Stattdessen fand Susan ein neues Milieu. Das der Ehemaligen. Mit dem von Huschke Mau gegründeten Netzwerk „Ella“, einer unabhängigen Interessensvertretung für Frauen aus der Prostitution, setzt sie  sich heute für einen abolitionistischen Kurs gegen Prostitution ein und macht sich damit stark für deren langfristige Abschaffung. Auf ihrer Website schreiben die Mitglieder von „Ella“: „Wir nehmen Prostitution als sexuelle Gewalt wahr und setzen uns dafür ein, dass dies anerkannt wird. Prostitution ist keine Dienstleistung und kein Beruf, sondern Ursache und Auswirkung eines ungerechten Geschlechterverhältnisses.“ Genau das sehen die Frauen in dem bereits in Schweden geltenden „Nordischen Modell“ verwirklicht. Dieses geht davon aus, dass der Freier als Exekutive von sexueller Gewalt bestraft werden muss. Zugleich soll die Frau entkriminalisiert und mithilfe von Ausstiegsprogrammen und Traumatherapie an die Hand genommen werden. Dieser Umgang würde, ähnlich wie in Schweden, eine Bewusstseinsveränderung bewirken. Nur so würde den Frauen geholfen. Die wahre Hilfe, die ihr den Austritt aus der Prostitution und den Eintritt in ein langsam verheilendes Leben erleichterte, will Susan Müller nun weitergeben. Wenn sie mit der tiefschwarzen Sonnenbrille, der orangefarbenen Perücke vor den Bürgern dieser Kleinstadt spricht-ruhig, aber vehement- dann hören ihr alle gebannt zu. Es ist eine Stimme, die lange unterdrückt wurde. Und eine Frau, die von ihrer Nahtoderfahrung berichtet. Denn sie hat sich innerlich Sterben gesehen- und wollte leben.

 

(c) Cat

Der Gentleman der Woche: Kolumnist Kai Klankert von der Saarbrücker Zeitung

Screenshot der Facebookseite der Saarbrücker Zeitung, 19.06.2018

Eine Antwort von Huschke Mau

Sorry, dass ich erst jetzt schreibe, Kai, obwohl der Shitstorm gegen Dich ja schon gestern Abend stattgefunden hat. Aber ich konnte mich echt nicht entscheiden, welche Überschrift ich wählen soll: „Hi Kai“ (ahahaha) oder „Kolumnist Kai Klankert kriegt Kloppe“ (jaaaaa, schlechte Alliterationen kann ich auch!!!).

Naja, egal, zum Thema. Du bist stellvertretender Leiter des Ressorts Sport bei der Saarbrückener Zeitung und hast in Deiner Kolumne der deutschen Nationalmannschaft empfohlen, es doch mal wie die Mexikaner zu machen: „Eine kleine Sex-Party wäre hilfreich“. Du begründest das wie folgt: „Joachim Löw könnte gerne auch noch kreativer werden. Eine kleine Sex-Party mit 30 Escort-Damen hat auch der mexikanischen Mannschaft nicht geschadet, wie wir eindrucksvoll feststellen mussten. Die Mexikaner waren befreit von jedem Druck, spritzig. Da müssen wir hinkommen. Und zwar schnell. Einen Fehlschuss gegen Schweden können wir uns nicht mehr erlauben.“

Dazu kann ich als ehemals prostituierte Frau Dir Folgendes sagen:

Erstens, mach Dir keine Sorgen, Kai. Das sind Fussballer. Die gehen sowieso in den Puff, denn sie gehören zu einer der größten Freiergruppe, die es gibt. Aber sie gehen erst nach dem Spiel – Du als Sportheini müsstest das wissen.

Zweitens, Du kommst doch aus Saarbrücken. Ihr seid doch DER Hotspot für Prostitution an der Grenze. Du lebst also mittendrin und weisst trotzdem noch nicht, das Prostitution Gewalt und frauenverachtend ist? Ach so, ich vergaß – eure Fussballvereine iim Saarland sind ja eh bissl durch – wie der SV Oberwürzbach, der sich vom Management einer Pornodarstellerin sponsorn lässt. Dieses Management hat mit dieser Frau unter anderem Filme gedreht die so nette Titel tragen wie „Inzest – Papa Dein Schwanz ist zu groß!“ Ich will jetzt nicht gemein sein, Kai, aber ich glaube, ihr in Saarbrücken habt zu oft einen Ball an den Kopf gekriegt.

Außerdem, das mit dem Fehlschuss gegen Schweden, den “wir” uns nicht mehr leisten können – in Schweden ist Prostitution als Gewalt gegen Frauen anerkannt, Freier werden bestraft dafür, dass sie gegen Geld eine Frau missbrauchen. Dort fliegen Typen, die in den Puff gehen, aus den Fussballmannschaften raus – zu Recht. Mit denen will dort nämlich keiner spielen.

Fair play geht echt anders. Fair play sollte nicht nur unter Männern stattfinden, fair play gilt auch gegenüber Frauen. Aber wenn man sich Deine Facebookseite so anschaut, wundert man sich nicht mehr: Du likest vor allem Frauenfussballseiten und –spielerinnen und bist in einer Gruppe, die „Trainer unter sich“ heisst. Das hat schon bissl was von Creep, weisst Du das?

Egal. Ich will nicht nur gemein sein und auf Dir rumhacken. Deswegen, zwei Dinge.

Erstens ein Lob dafür, dass Du Dir so Gedanken darum machst, wie man der schlandschen Mannschaft zum Sieg verhelfen könnte. Da alle Mittel Recht sind, würde ich vorschlagen, Du machst den Anfang und hältst, bis die 30 Escortdamen bei der deutschen Mannschaft angekommen sind, selber den Arsch hin. Dein Arsch ist nicht schlechter als unsere Ärsche, also nur Mut, Kai! Wir müssen schliesslich alle Opfer bringen, nicht nur die prostituierten Frauen, die Du hier als Mittel zum Zweck der Leistungssteigerung zur Benutzung freigegeben sehen willst – geh mit gutem Beispiel voran!

Und zweitens, soviel Einsatz muss belohnt werden: Deswegen nominiere ich Dich hiermit zum „GENTLEMAN DER WOCHE“.

Aber, das muss dazugesagt werden, dieser Titel gehört verteidigt. Ein weiterer Anwärter auf ihn ist die Redaktion der Saarbrücker Zeitung. Ich schätze, ihr müsst euch den Titel teilen.

Denn nachdem sich gestern Abend sehr viele Frauen auf eurer Facebookseite darüber beschwert haben, wie frauenverachtend sie euren Scheissvorschlag finden, und nachdem auch prostituierte Frauen wie z.B. von der Aktivistinnengruppe für Frauen aus der Prostitution “Netzwerk Ella” klargemacht haben, dass sie sich verletzt fühlen davon, dass der bezahlte Missbrauch, den sie durchlebt haben, hier zum Witz verkommt, hatte die Redaktion nichts anderes zu tun, als ihre gesamte LeserInnenschaft für ein bisschen begriffsstutzig zu erklären:

Ach soooo! Ein Wihitz! Ja, es war nachher immer ein Witz, nicht so gemeint, falsch verstanden oder Satire, ne? Dazu möchte ich folgendes sagen: „Was darf Satire? Alles.“ Das stammt von Tucholsky. (Den kennt ihr nich, ich weiß.) Und jetzt freut ihr euch deppich, ne? Zumindest bis ich euch sage, dass euer Scheisstext gar keine Satire war. Er erfüllt nämlich die Kriterien für diese Textart gar nicht. Das ist nicht nur ganz schlechter Stil, zu behaupten, die LeserInnenschaft sei einfach nur zu blöde, eine Satire zu kapieren, sondern es zeigt auch, dass ihr euer journalistisches Handwerk nicht versteht – aber wer solche Altherrenwitzschmierlappen für Kolumnisten hält, der weiß halt auch nicht, was eine Satire ist, ne?

Deswegen nochmal für euch: Satire tritt nie nach unten, sie tritt immer nach oben. Das, was ihr hier gemacht habt, war, euch in süffisanter Sprache über die sexuelle Benutzung von Frauen lustig zu machen, nicht aber über die Typen, die diesen Missbrauch ausüben. Das war keine Satire. Das war ein Schenkelkopfer unter Männern, unter Tätern, das war ein rape joke. Und die sind nicht witzig.

Naja, nun müsst ihr euch diesen „Gentleman der Woche“-Award leider teilen.

Aber seht es sportlich, auch ein halber Titel ist ein Titel.

Und während Kai hoffentlich unter vollem Einsatz jetzt seinen eigenen Arsch hinhält, damit die deutsche Mannschaft ihre Laune und Leistung steigern kann, spendet ihr, liebe Saarbrücker Zeitung, das Gehalt, das Kai für diese Schrottkolumne bekommen hätte, vielleicht besser an die, über die ihr euch so herrlich „spritzig“ (ahahaha! AHAHAHAHA) lustig gemacht habt, nämlich an traumatisierte prostituierte Frauen. Hier geht’s zu den Spendendaten für das Netzwerk Ella.

Bussi und Sport frei, ich wette, wir lesen uns! 🙂

Eure Huschke

“Feministischer Porno”? Warnung: Rant.

We don't need no patriarchal education.

Public DomainChristopher Dombres

Ein Gastbeitrag von Inge Kleine zur Forderung der SPD Berlin “feministische Pornographie” staatlich zu subventionieren:

* “Die Darstellung von Vielfalt an Körperformen, Geschlechtern, ethnischer Herkunft, Sexualität und Sexualpraktiken.”

Das ist ja mal eine echte Neuerung in Pornos, echt – da werden bisher ja keine schwarzen Menschen gezeigt, oder Frauen mit Kopftuch, oder Asiatinnen, oder “Zigeunerinnen” oder, oder, oder, oder …….

Ganz toll. Und es gibt auch einen Mangel an der Darstellung von “Sexualpraktiken” in Pornos. Oder? Also her damit, damit sie dann in einer Reihe mit der Vielfalt der Personen stehen, Gangbang in der in Pornos typischen Variante braucht ja auch beides, weiße (Frauen), (schwarze) Gangs …..

Und verdammt noch mal – einer der wenigen Vorteile darin, zufällig lesbisch zu sein, bestand bisher darin, bei diesem Mist weitestgehend ignoriert zu werden, keine Vorschriften zu kriegen, was Lesbe zu tun hat oder wie sie zu stöhnen hat oder sonst etwas. Die “Lesbenpornos” waren genauso Gewalt wie die anderen, aber die hatten ja mit uns nichts zu tun.
Aber jetzt soll es ja “realistisch” werden. Weil Kameras, Regieanweisungen, nachträgliche Tonspuren und Geld für jede Handlung ja so realistisch sind – und davon abgesehen – gerade wenn etwas “realistisch” ist, möchte ich damit nicht auch noch diesen Voyerismus bedient sehen.

Mal im Ernst.
WEN WOLLT IHR HIER VERARSCHEN??

*Verhütung (wenn nicht, dann nur im (dokumentierten) Konsens)

Klar – eine Unterschrift zeigt und beweist ja den “Konsens”. Alles gut. Ist dann im Zusatzmaterial zu sehen.

*Die explizite Darstellung von Konsens und Kommunikation

Klar – wir plappern einfach in der Eingangszene, wie sehr wir Vergewaltigungsphantasien lieben und das jetzt spielen, und dann ist alles hunkie-furzi-fick-galori!

Ich wiederhole mich: WEN WOLLT IHR HONKS VERARSCHEN?

Die schöne neue Welt für Frauen – zerquetscht zwischen diesen Optionen:
(1) Einer rassistischen, Frauen-an-den-Herd, Lesben-und-Schwule-bitte-raus, Väter-sind-die-Herren-über-(Ex-)frauen-und-Kinder Partei (und zwei dahin ausfransenden Parteien) und
(2) mehreren Parteien mit schöner Einigkeit zu Frauen: Frauen bitte A.-in-die-Luft und Frauen, macht ein paar Kurse wegen des Würgereflexes, bei Schmerzen bei Anal hilft ganz viel Gleitcreme und ein paar Entspannungsübungen, ein paar Sternchen, ein paar Formulierungen, ein paar Behauptungen, ein bisschen Gequatsche zu “mainstream”, zu Sexismus und zu Rassismus, nur um ihn zu bedienen, und alles ist gut – diese Parteien dann.

Die alte Kontroverse zwischen Konservativen und “Liberalen” so richtig vor die Nase geklatscht, mit ein paar Modifikationen auf der linken Seite: “Die einzelne Frau gehört nur einem Mann, und der hat alle Rechte auf sie” (Konservative, AfDler, Männerrechtler-offen-rechts-Variante), oder “Frauen haben immer allen Männern zugänglich zu sein, aber weil wir ehemaligen sozialistischen und linken Leute inzwischen keine Texte mehr lesen, geschweige denn sie verstehen, dürfen die Frauen dafür ein bisschen Geld nehmen, und sie müssen lernen, dass es freiwillig sein muss, und das ist doch tooooooooooolllllllllllllllllllll! Und gar kein Mainstream, nein igitt, wir sind [enter buzzword here]!” (Linke, Grüne, SPD, CDU, Männerrechtler-angeblich-links-Variante.)
Abgefuckt seid ihr, sonst nichts.

Und zig gehorsame Frauen unterstützen das. Denn wir sind so in diese Formen getreten worden, dass wir Alpträume kriegen beim Gedanken, zu Männern einfach “Nein” zu sagen.

Echt. Ich glaube, ich habe bei Pornos mehr Respekt oder komme mit Schenkel klopfenden Wichsbolzen besser zurecht, als mit A-Löchern, die mir diesen Mist erzählen.

Und dann möchte ich noch wissen, was die SPD sonst noch alles tut, um nie irgendwo politische Verantwortung übernehmen zu müssen.

Seid doch einfach ehrlich, sagt doch einfach, Frauen sind Drei-Loch-Fickpakete, manche Trans und manche junge Männer sind Zwei-Loch-Fick-Pakete, wir sind dafür, es so zu gestalten, dass ihr es ein paar Jahre überlebt, und wieso, das Wahlrecht habt ihr ja noch, und wir sagen doch die ganze Zeit, dass es freiwillig sein MUSS, also was soll’s.
Warum nicht einfach ehrlich sein.


Und wir sind alle so sozialisiert, dass wir uns nicht wehren.