Alle Artikel von Mondenkind

Der rechtsfreie Raum der Zwangspsychiatrie

Sanatorium Bellevue Kreuzlingen

von ARTKLINICh.j. hellweg,artklinic@yahoo.com [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Der Fall Gustl Mollath hat das Interesse der Öffentlichkeit geweckt – von Unrecht und Rechtsfreiheit wurde gesprochen. Doch Gustl Mollath ist nicht der einzige. Immer mehr Menschen geraten in den scheinbar rechtsfreien Raum der sogenannten “Zwangspsychiatrie”, der forensischen Psychiatrie, deren Methoden an Folter erinnern und Betroffenen jede Form von Selbstbestimmung verwehren – die Öffentlichkeit erfährt darüber nur wenig, obwohl prinzipiell jeder davon betroffen sein könnte. Die Künstlerin Nina Hagen kämpfte in diesem Jahr dafür, dass eine Frau aus Bayern, Ilona Haslbauer, nach sieben Jahren geschlossener Psychiatrie, inklusive Isolation und Fixierung, wieder freigelassen wurde. Ilona Haslbauer fuhr einen Mann mit dem Einkaufswagen an, er zeigte sie an und ein psychiatrisches Gutachten attestierte ihr Geisteskrankheit. Sie verschwand für sieben Jahre in der Psychiatrie – in der berüchtigten forensischen Psychiatrie in Taufkirchen, die sich aktuell vor Gericht verantworten muss, weil eine Patientin 60 Tage lang ans Bett gefesselt wurde. Frontal 21 interviewte aktuell den damaligen Leiter der Einrichtung, der die Maßnahme verteidigte. Erst im August diesen Jahres kam Ilona Haslbauer dank des öffentlichen Drucks wieder frei und ist jetzt auf Tour mit Nina Hagen, die die Gedichte, die Ilona Haslbauer während ihrer Zeit in der forensischen Psychiatrie verfasst hat, auf der Bühne vorträgt.

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Die Wolfsfrau in uns

Polarwolf, Canis Lupus Arctos

By Gunnar Ries (Own work (own photo)) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Die Welt, in der wir leben, ist eine der männlichen Ratio. Alles Widersprüchliche, in Worten und Kategorien nicht Erfassbare wurde mit Hilfe der Wissenschaften aus ihr verbannt. Es sind eben jene Wissenschaften, die versucht haben, aus der gesellschaftlichen Unterdrückung der Frau eine logische Notwendigkeit zu machen, da Frauen kleinere Gehirne haben oder durch ihre Gebärmutter am klaren Denken gehindert seien. Bis heute erweist die Wissenschaft den Frauen einen solchen Bärendienst, denn jede noch so schwachsinnige Vorstellung lässt sich mit der richtigen Studie belegen. Doch bevor es die Wissenschaft gab, wurde Wissen bereits über Jahrtausende weitergegeben, in mündlicher Form. Es war das uralte Erfahrungswissen über das Leben und die Natur, und den Zyklus des menschlichen Lebens in ihr. Doch weil dieses Erfahrungswissen nicht wissenschaftlich belegbar ist, weil es dunkle und unzähmbare Elemente des Menschseins enthielt, wurde es diffamiert, seiner Wahrheit beraubt und in den Bereich der Fantasie verschoben. Während indigene Völker bis heute sehr viel Kraft aus den Geschichten ihrer Vorfahren ziehen, sind für uns Märchen im besten Fall Unterhaltung. Doch Märchen sind keine simplen Kindergeschichten. Sie enthalten symbolhafte Botschaften, die die zentralen Bereiche des Lebens ansprechen – und gerade durch die Verschlüsselung ihrer Botschaften finden sich in Märchen die Spuren der uralten Geschichte der Weiblichkeit, verborgen vor der Vernichtungswut der Männer und ihrer Wissenschaft.

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The Circle – eine Zukunftsvision mit Fehlern

Buchcover: The Circle

Dave Eggers: The Circle, Kiepenheuer & Witsch, 2014

David Eggers hat mit “The Circle” eine düstere Zukunftsvision geschrieben: In naher Zukunft wird unser aller Leben von nur einem einzigen Untenehmen bestimmt werden: The Circle. The Circle ist der weltweite Monopolist im Internet, nahezu alle Suchanfragen laufen über die Seiten der Firma, doch der eigentliche Clou ist, dass Menschen mit ihrem “TrueYou”-Account bezahlen können. Der TrueYou Account hat mit Trollerei und falschen Identitäten Schluss gemacht – und zugleich ein Zeitalter freiwilliger, totaler Überwachung eingeleitet. Unmengen an Daten werden gesammelt und miteinander verknüpft. Dank Kameras, Gesichtserkennung und einem alles ad absurdum führenden Maß an sozialer Interaktion im Internet ist jeder jeder Zeit überwachbar. Individualität und Freiheit gibt es nicht mehr – doch David Eggers Clou ist gerade, dass die Menschen sich in diese Art der Überwachung vollkommen freiwillig begeben, weil sie daran glauben, dass die Welt sicherer und besser wird. The Circle nimmt schließlich Einfluss auf das politische Weltgeschehen, macht Politiker “transparent” und übernimmt auch gleich die Wahlen. Die Hauptfigur in dem Buch ist die junge Mae Holland, die von der Macht und Innovatitvität des Circle so beeindruckt ist, dass sie bereitwillig zu einer seiner bekanntesten Vertreterinnen wird. Obwohl sie von Eltern und Freunden außerhalb des Circle gewarnt wird, kann sie sich dem Sog des Circle nicht entziehen und ist von seinem Potenzial, die Welt zu verbessern, überzeugt.

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Die sich wandelnde Göttin III: Die nordischen Göttinnen

Freyja in the dwarfs' cave

By Louis Huard (1813-1874) (the book only credits the artist as Huard, it took some Googling to establish more [1][2][3][4] [Public domain], via Wikimedia Commons

Freya, die nordische Göttin, gehörte ursprünglich zum Geschlecht der Wanen und wechselte dann zu den Asen, dem anderen nordischen Göttergeschlecht. Ihr Name bedeutet “Herrin” – unser Wort “Frau” leitet sich von ihrem Namen ab. Sie wird oft gleichgesetzt mit Frigg, der Gemahlin Odins, doch es gibt Unterschiede zwischen den beiden. Frigg ist die Göttin der Ehe, der Mutterschaft und des Heims. Freyas Attribute erinnern uns an Venus/Aphrodite. Freya steht für die Liebe, die Fruchtbarkeit, das Glück und den Frühling, gleichzeitig ist sie die Anführerin der Walküren. Sie darf die Hälfte der gefallenen Recken beanspruchen, Odin, dem obersten Gott und Kriegsgott gehört die andere Hälfte. schlachten und Kriege sind ein wichtiger Teil der Göttin – sie reitet mit einem Katzengespann in die Schlacht. Aus diesem Grund galten Katzen bei den nordischen Stämmen als heilig – sie waren Freyas Boten. Sie ist die Göttin der unterirdischen Schätze, ihr werden Wasser und Erde zugeordnet. Freya steht zugleich für Magie und Hexen, für Zauber aller Art. Ihre Abstammung von den Wanen befähigen sie dazu. Sie erst lehrte die Asen, besonders den zaubermächtigen Odin, die Zauberkünste, die sie von ihren Ahnen, den Wanen gelernt hatte.

Freya – die Göttin mit vielen Gesichtern

Freya ist die Schutzgöttin der Liebenden. Für Jakob Grimm entsprach sie der “Frau Holle”.  Er berichtet, dass die nordischen und germanischen Völker ihre Kinder mit Wasser bestrichen, um sie mit Freyas Segen in Berührung zu bringen – lange bevor es die christliche Taufe gab. Die Göttin trägt einen Halsschmuck, den ihr Zwerge geschmiedet haben.  Laut der Überlieferung soll sie zahlreiche Liebhaber und Liebschaften gehabt haben – doch binden wollte sie sich nie. Als Thor sie zu einer Heirat zwingen will, weigert sie sich.

Die mannstollste müsste ich sein, ginge ich mit dir nach Riesenheim.

wirft sie ihm an den Kopf.

Sie ist die Schwester von Frey, ihr Vater ist Njörd, der Meergott und ihre Mutter Skadi ist die Tochter eines Riesens.  Ihre magischen Fähigkeiten geben ihr auch die Macht, zu fliegen, wodurch sie auch eine Göttin der Luft und des Windes ist. Wird Freya mit einem Schwan abgebildet, so betont das den Aspekt der Göttin als Totengöttin.

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Menstruation – die “heilige Wunde”

Wie können Frauen jeden Monat bluten und dennoch gesund sein? Dieses Mysterium war Männern schon früh ein Rätsel. Die Frau wurde als ein geheimnisvolles Wesen betrachtet. Blieb das Blut aus, gebar sie irgendwann ein Kind – dass Männer dabei eine Rolle spielten, erfuhr man in der Menschheitsgeschichte erst relativ spät. In allen patriarchalen Gesellschaften werden Frauen, meist aufgrund religiöser Bestimmungen, sobald sie ihre Mens haben, isoliert und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, sie gelten als unrein, dürfen keine Speisen berühren und ganzen Völkern Niederlagen im Krieg bringen. Aus dieser Ausgrenzung spricht die männliche Angst von der Frau und ihrem Körper, der so ganz anders funktioniert als der der Männer. In archaischen Gesellschaften galt das Menstruationsblut jedoch als heilig, mit ihm wurden Felder fruchtbar gemacht und starke Liebeszaubertränke entwickelt. Das Menstruationsblut galt als magisch. Auch in unserer, patriarchalen Gesellschaft, ist es ungeheim wichtig, dass die “Regel” “diskret” abläuft, das Menstruationsblut gilt als ekelerregend und von menstruierenden Frauen wird erwartet, dass niemand mitbekommt, was mit ihnen geschieht. Es ist vollkommen normal, dass männliche Partner in dieser Phase den Geschlechtsverkehr ablehnen und von den Frauen wird eine besondere Hygiene erwartet. Das führt dazu, dass Frauen ihre Menstruation als einen entfremdeten Prozess erleben, ihren Körper als etwas, der Ekelhaftes produziert, ohne dass sie darüber Kontrolle haben. Tatsächlich gibt es viele feministisch orientierte Zirkel, die dafür eintreten, dass sich Frauen wieder der Kraft dieses Prozesses bewusst werden. Die Menstruation macht uns zu Frauen, ihr Eintreten symbolisiert den Übergang vom Mädchen zur Frau, Menstruationsblut ist nichts Ekelerregendes, sondern etwas ganz Natürliches und von Frauen sexuelle Enthaltsamkeit zu erwarten während ihrer Mens drückt ihren Körpern gegenüber Geringschätzung aus. Sperma überall hinzuschmieren, sichtbar zu machen, zu trinken ist fast zu einem der bestimmenden Fetische unserer (Porno-)Kultur geworden, während das Menstruationsblut unsichtbar gemacht wird und damit ein wesentlicher Teil des Frauseins.
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Die sich wandelnde Göttin II: Hekate, Demeter, Kore-Persephone

Enthroned goddesses, Demeter

By Zde (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Das griechische Pantheon kannte viele weibliche Göttinnen. Es zeigt sich aber, das im Vergleich zu den vorantiken Göttinnen, die griechischen Göttinen nicht mehr unabhängig und aus sich selbst heraus existieren. Der oberste Gott ist der lüsterne Zeus, der auch über die Geschicke der Göttinnen verfügt. Die einzige Ausnahme ist Hekate, die Göttin des Spuks und der Hexerei, die wie Zeus die Tochter von Titanen ist, und sich seiner Herrschaft nicht unterwirft. Das macht sie zugleich zu einer Außenseiterin unter den griechischen Göttinnen. Eine der wichtigsten und langlebigsten war Demeter.  Sie war die griechische Göttin der Fruchtbarkeit, sie vollzog die “heilige Hochzeit” mit einem Sterblichen, um so die Felder jedes Jahr wieder fruchtbar zu machen. Etymologisch geht ihr Name auf “Gemeter” – die Erdmutter gä= griechisch für Erde – zurück, also Gemeter anstatt Demeter. Sie war die Schwester von Zeus, ihre Eltern selbst waren Titanen.  Mit Zeus zeugt sie ihre Tochter Kore-Persephone, die von Hades in die Unterwelt entführt wird. Kore bedeutet im Griechischen schlicht “Mädchen”.

Raub der Persephone

Simone Pignoni [Public domain], via Wikimedia Commons

Aus Trauer verbietet Demeter den Pflanzen zu wachsen, bis Hades Persephone freilässt. Von nun an darf sie je ein halbes Jahr mit ihrer Mutter unter der Sonne verbringen und muss für ein halbes Jahr in die Unterwelt zurückkehren, woraus sich der Wechsel zwischen Sommer und Winter ergibt. Im Winter ist Persephone bei Hades und Demeter trauert um sie. Persephone wird ebenfalls als Göttin der Unterwelt und der Fruchtbarkeit verehrt. Gemeinsam stehen die beiden Göttinen für den ewigen Kreislauf des Lebens und seine Wandlungen. Mit ihrem eigenen Vater Zeus, der zugleich auch ihr Onkel ist, zeugt Persephone ein Kind, weil Zeus sich in eine Schlange verwandelt, um ihr unerkannt beizuwohnen.

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Die sich wandelnde Göttin I: Inanna, Ischtar, Erschkigal, Aphrodite

Aphrodite Statue

See page for author [CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Unsere europäische Kultur heute ist tief geprägt durch die Bibel und die Schriften Homers, aus ihnen ziehen wir unsere Begrifflichkeiten, unsere Erklärungen, und große Teiles unseres Weltbilds. Es sind Schriften von Männer für Männer. Es gibt Hinweise, dass unter Jesus Jüngern auch Frauen waren. Doch die Bibel wurde von Männern geschrieben, um die Herrschaft von Männern zu festigen – und so verschwanden die Frauen daraus. Sie begegnen uns nur noch als Heilige wie in Form der Maria, die ewige Jungfrau, oder eine lange Reihe von Sünderinnen, von denen Maria Magdalena nur eine ist. Eva hat sie Sünde in die Welt gebracht, so heißt es, und deshalb sollten wir Frauen unter Schmerzen gebären. Die Menschheit selbst wurde aus dem Paradies vertrieben. All das nutzten Generationen von Kirchenväter für die Rechtfertigung der Unterordnung der Frau. Homer ist nicht viel besser. Zwar erwähnt er zumindest die Frauenfiguren, doch in seinen Erzählungen geht es um Heldengeschichten, darum, wie sich Männer die Welt durch Krieg und Eroberung untertan machen. Doch es gab, lange vor Homer und der Bibel, andere Erzählungen. In ihnen spielten Göttinen eine herausragende Rolle, es waren mächtige Göttinnen, sie herrschten über Leben und Tod, über die Fruchtbarkeit und kein Gott oder Mann war ihnen übergeordnet. Ihre Erzählungen, die Gesänge zu ihren Ehren, die Rituale sind in Vergessenheit geraten, sie wurden oft genug verschüttet, um Frauen nicht daran zu erinnern, dass es auch andere Frauenfiguren gab. Liebevoll, Leben schaffend, aber auch vernichtend und grausam, mutige und kämpferische Göttinnen, die über Jahrtausende hinweg existierten und sich oft unter dem Einfluss neuer Kulturen nur wandelten. Es ist ein Teil der Frauengeschichte, die Erinnerung an diese Göttinnen wieder zu wecken, auch sie zu einem Teil unserer Kultur zu machen, diese Erzählungen von Frauen, von Göttinen, von der Kraft der Frauen. Es geht dabei nicht um weiblichen Essentialismus. Es geht darum, die ganze Geschichte zu erzählen, nicht immer nur das von Männern dominierte Weltbild des Christentums und der ohnehin frauenfeindlichen griechisch-römischen Antike. Wer sie erzählen will, muss bei diesen Göttinnen beginnen, und den Anfang dieser Reihe macht die sumerische Göttin Inanna, die später von den Akkadiern Ischtar genannt wurde, Erschkigal und deren Eigenschaften sich schließlich auch in der griechischen Aphrodite wiederfinden.

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Gedanken über weibliche Sexualität

Femme, Frau, Sexualität

via Pixabay, Public Domain CC0

Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Ich bin jetzt 34 und hatte bereits Sex mit mehr Männern als andere in ihrem Leben. Und dabei denke ich sicher nicht an jene, die ihr ganzes Sexualleben nur für DEN EINEN aufgespart haben. Lange und intensive Beziehungen wechselten sich ab mit Phasen exzessiver Promiskuität. Und dabei war ich immer mit mir im Reinen und habe immer mit offenen Karten gespielt. Ich habe mich ausprobiert und ich bereue nichts. Jede dieser Erfahrungen war es wert gemacht zu werden, auch wenn nicht alle aufregend und schön waren.

Und dennoch: Ich denke viel nach. Ich denke nach über eine Gesellschaft in der weibliche Sexualität nicht zu existieren scheint. Ich denke nach über eine Gesellschaft in der Männer wie Frauen zunehmend fremdbestimmt eine Sexualität leben, die nicht ihre eigene ist (und dies unter Umständen nicht mal merken). Ich denke nach über all die Menschen die der Möglichkeit beraubt wurden und werden ohne äußere Beeinflussung ihre eigene Sexualität zu entdecken.

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Lilith – die Urfeministin

Lilith (John Collier Painting)

John Collier [Public domain], via Wikimedia Commons

Göttin, Dämon, Urweib – Lilith ist vieles und es ranken sich unendlich viele Legenden um sie. In unzähligen Büchern und Fernsehserien begegnet sie uns, mal rachsüchtig und böse, mal verführerisch und mächtig. Ihre Mythologie ist uralt und weit verbreitet. Lilith, so heißt es, war die erste Frau Adams, sie wurde ihm ebenbürtig geschaffen, bis sie ihn verließ. Sie spielt besonders in der jüdischen Überlieferung eine wichtige Rolle, entstammmte aber ursprünglich der sumerischen Mythologie. Wir finden sie bei semitischen, nichtsemitischen Völkern, bei den Babyloniern, Assyrern, Juden und Arabern, bei den Sumerern und Hettitern. Bis in den Orient hinein wird sie als geflügeltes Menschenwesen dargestellt, das den späteren Engelsfiguren nicht unähnlich ist.
Was hat es mit dem mächtigen Lilith-Mythos auf sich, der uns bis heute in Büchern, Filmen und Fernsehserien begegnet? Viele Feministinnen sahen im Zuge der zweiten Frauenbewegung in Lilith ein Symbol der freien und mächtigen Frau, benannten Buchläden und Frauenzentren nach ihr. War Lilith, das göttliche Wesen, die Urfeministin?

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Sekten und rituelle Gewalt – wie die Ignoranz der Gesellschaft Täter schützt

Children

astrid westvang via Flickr, [CC BY-NC-ND 2.0]

Sekten und rituelle Gewalt sind ein Thema, über das in Deutschland nur sehr ungerne und wenn nur in dramatisierender Weise gesprochen wird. Sekten, wie zuletzt das spektakuläre Eingreifen der Polizei und des Jugendamtes, dass der ultrakonservativen christlichen Sekte “Die 12 Stämme” in Deutschland 40 Kinder entzog, geraten nur dann in die Schlagzeilen, wenn es eben wie im obigen Fall nicht mehr zu übersehen ist. Ansonsten sind Kinder, die in einer Sekte groß werden, vollkommen der Macht der Eltern und damit der Ideologie der Sekte ausgeliefert. Wenn es um rituelle Gewalt geht, also zum Beispiel um Gewalt, die im Rahmen sogenannter “satanischer” oder pseudoamagischer Handlungen ausgeübt wird, wollen viele nicht glauben, dass es diese Fälle wirklich gibt. Doch immer wieder melden sich Überlebende, deren Psyche oft erst als Erwachsene, nach dem Ausstieg aus der Sekte, die schrecklichen Erinnerungen freigibt, so grausam und schmerzhaft, dass auch die, die von ihnen erfahren, sie nicht glauben wollen. Rituelle Gewalt ist darüber hinaus ein Mittel, das eingesetzt wird, um Kinder für kinderpornografische Handlungen regelrecht zu brechen. “Rituell” bedeutet hier, dass bestimmte Handlungen und Folter immer wieder wiederholt werden, bis die Kinder alle Gegenwehr aufgeben oder so stark dissoziative Symptome zeigen, dass sie die an ihnen vorgenommen Handlungen verdrängen bzw. scheinbar bereitwillig mitmachen. Was klingt wie aus einem schlechten Film, ist Realität – auch in Deutschland. Viele tun gerade rituelle Gewalt als ein von den Medien inszeniertes Thema ab. Aber rituelle Gewalt geschieht – sie wird Kindern hier in Deutschland angetan und die Menschen, die sie ausüben, sind nicht selten angesehene Mitglieder der Gesellschaft, die sich von der Mitgliedschaft in “geheimen Orden” oder Ähnlichem Erfolg und Reichtum versprechen, für den sie ihre Kinder foltern lassen oder schlicht kranke Sadisten sind, die aus der Folter der ihnen ausgelieferten Kinder Vergnügen ziehen. Die Ignoranz der Gesellschaft – weil nicht sein kann, was nicht sein darf – schützt diese Täter. Nicht alle Sektenkinder sind ritueller Gewalt ausgesetzt. Aber jedes Kind in einer Sekte wächst fremdbestimmt und unter toxischen Bedingungen nicht nur für die Seele, sondern auch den Körper auf. Im Folgenden geht es vor allem um Gewalt, sexuellen Missbrauch und Misshandlung von Kindern in Sekten.

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