Kategorie: Die Störenfrieda des Monats

Unsere Störenfrieda der Woche: Emmeline Pankhurst

Mrs Emmeline Pankhurst

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Wenn es für Männer richtig ist, für ihre Freiheit zu kämpfen, ist es auch für Frauen richtig, für ihre Freiheit und die ihrer Kinder zu kämpfen. Dies ist das Glaubensbekenntnis der militanten Frauen Englands.

Das schrieb Emmeline Pankhurst kampfeslustig. Sie wurde am 15. Juli 1858 in einem Vorort von Manchester geboren und heiratete später den sehr viel älteren Anwalt Richard Pankhurst, der jedoch ein überzeugter Sozialister und Frauenrechtler war. Der Kampf um Frauenrechte wurde schon früh zu einem wichtigen Betätigungsfeld von Emmeline, die darüber hinaus noch fünf Kinder großzog.

Die National Society for Women’s Suffrage (NSWS), die als erste das Wahlrecht für Frauen gefordert hatte, war durch politische Kämpfe gespalten und hatte an Schlagkraft verloren. Einige behaupteten, verheiratete Frauen brauchten das Wahlrecht nicht. Emmeline Pankhurst gehörte zu denjenigen, die davor warnten, die Forderung nach einem allgemeinen Wahlrecht für alle Frauen durch Zugeständnisse aufzuweichen. 1889 formierte sich unter ihrer Führung die radikale Women’s Franchise League (WFL), die unbeirrt an den Forderungen festhielt. Doch schon bald musste Emmeline feststellen, dass all die Reden und Forderungen ungehört blieben – es kam keine Bewegung in den Kampf um das Frauenwahlrecht.

1903, kurz nach dem Tod ihres Ehemannes, gründete sie die Women’s Social and Political Union (WSPU), aus der sich bald der schlagkräftige, militante Flügel der englischen Frauenbewegung entwickeln sollte. Die Frauen änderten ihre Strategie nun in lautstarken, öffentlichen Protest. “Die Landarbeiter hatten das Wahlrecht gewonnen, … indem sie Heuschober anzündeten, Krawalle anzettelten und so den englischen Politikern ihre Stärke demonstrierten in der einzigen Sprache, die diese verstehen”, erklärte Emmeline und erkannte, dass drastischere Mittel erforderlich waren, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Frauen protestierten, warfen Steine, wurden verhaftet und traten dann in zum Teil lebensbedrohliche Hungerstreiks, um ihre Freilassung zu erzwingen. 1909 schlug Emmeline sogar einem Polizisten zweimal ins Gesicht, um verhaftet zu werden. Die Haftbedingungen und vor allem die Zwangsernährung der Frauen beschrieb sie als traumatisch. Auch ihre beiden Töchter Christabel und Sylvia schlossen sich ihrer Frauenbewegung an. Die Versammlungen der WSPU waren immer wieder von Polizeigewalt betroffen, die Emmeline als systematische Unterdrückung der Forderung nach dem Frauenrecht erkannte. Doch Emmeline und ihre Frauen machten Eindruck: Sie störten die Wahlveranstaltungen von einflussreichen Politikern, warfen Schaufenster ein und steckten leerstehende Häuser und Briefkästen in Brand.

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs setzte ihrem Engagement ein jähes Ende. Emmeline Pankhurst war eine überzeugte Pazifistin. Sie starb am 14. Juni 1928, wenige Wochen bevor mit dem 02. Juli 1928 auch in Großbritannien Frauen das allgemeine Wahlrecht erhielten.

 

Unsere Störenfrieda der Woche: Marie Equi

Marie Equi

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Marie Equi wurde 1872 in Massachusetts geboren. Mit 21 Jahren zog sie mit ihrer Partnerin Bess Holcomb nach Oregon und lebte mit ihr in einer so genannten “Boston Marriage” (gesellschaftlich anerkannte Wohnpartnerschaft zweier Frauen).

Nachdem sich Bess Arbeitgeber weigerte, dieser ihren Lohn auszuzahlen, drohte Marie ihm ihn öffentlich auszupeitschen, falls er nicht bezahle. Weil die Drohung nicht fruchtete, wartete sie mit ihrer Peitsche vor seinem Büro und setzte ihre Ankündigung um, wofür sie von den Bewohner*innen der Stadt und den Medien bewundert und unterstützt wurde und den Titel “Miss Aqua” erhielt. Sie verlosten die Peitsche und übergaben so Bess das ihr zustehende Geld.

Marie graduierte 1903 in Kalifornien als eine der ersten Frauen als Doktor der Medizin. In ihrer Praxis, in der hauptsächlich Frauen aus der Arbeiter*innenklasse behandelt wurden, lernte sie Harriet Speckart kennen und lieben und adoptierte mit ihr zusammen Tochter Mary. Mary überflog als junge Frau als jüngste Pilotin den Nordwestpazifik.

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Unsere Störenfrieda der Woche: Margaret Sanger

Margaret Sanger

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Margaret Sanger, geboren am 14. September 1879, war eine Krankenschwester und engagierte sich als Frauenrechtlerin in den USA für die Geburtenkontrolle. Ausgangspunkt für ihr Engagement war die Geschichte ihrer Mutter, die achtzehn Schwangerschaften erlebt hatte und schließlich unter anderem an Gebärmutterhalskrebs starb. Margaret begann 1900 eine Ausbildung zur Krankenschwester, brach diese jedoch kurz vor dem Examen ab, weil sie inzwischen geheiratet und ein Kind bekommen hatte. 1912 zog sie mit ihrer Familie nach New York und kümmerte sich um die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Einwandererfrauen in Manhattan. Die Frauen dort bekamen unter kritischen hygienischen Bedingungen oft jedes Jahr ein Kind, viele starben bei der Geburt, häufig war für die Kinder nicht genug zu essen da. Die Geburten und Kinder verzehrten die Frauen und vergrößerten die Armut. Margaret schrieb eine Broschüre über Verhütungsmethoden – und machte sich damit strafbar, denn zu diesem Zeitpunkt war die Weitergabe von Informationen zu Verhütungen verboten. Kurz darauf verließ Margaret ihren deutschen Ehemann, weil sie in der Ehe eine Beschränkung ihrer sexuellen Freiheit sah. Sie schrieb mehrere Artikel über Geburtenkontrolle und weibliche Lust und brägte das Wort “birth control” entscheidend mit. Ab 1914 schrieb sie “The Women Rebel”, einen monatlichen Rundbrief, bis gegen sie ein Haftbefehl erlassen wurde und sie nach London floh. In London trat sie in einen lebhaften Diskurs mit anderen Sexualwissenschaftlerin und hatte eine ganze Reihe von Affären – unter anderem mit H.G. Wells. Als Margaret 1915 der Prozess in den USA gemacht werden sollte, war sie bereit, für die Verhandlung zurückzukehren, als ihre jüngste Tochter an einer Lungenentzündug starb und eine Welle öffentlicher Solidarität dafür sorgte, dass die Anklage gegen sie fallengelassen wurde. Margaret wurde zu einer Berühmtheit und hielt im ganzen Land Vorträge. 1916 gründete sie mit zwei anderen Frauen in Brookly eine Klinik für Familienplanung und wurde kurz darauf dafür verhaftet. Während ihrer Strafe in einem Arbeitshaus klärte sie ihre Mitsträflinge über Verhütung auf und brachte ihnen Lesen und Schreiben bei. Ab 1918 durften in New York Verhütungsmittel von Ärzten verschrieben werden.1921 gründete sie die American Birth Controle League (ABCL), aus der später die deutsche pro Familia hervorgehen sollte. Beim Gründungstreffen in der Town Hall von Manhattan gab es einen Skandal, weil der Bischof von New York den zuständigen Polizeichef dazu aufgehetzt hatte, die Veranstaltung samt Margarets Rede zu verhindern. Die New Yorker Bürger zeigten sich ob dieser Einschränkung der Redefreiheit empört. In den folgenden Jahren reiste Margaret viel, sie kämpfte für das bundesweite Recht auf Geburtenkontrolle. Sie gehörte zu den ersten, die Anfang der 1960er Jahre für die Anti-Baby-Pille eintraten, doch erst 1965 wurde das Verbot von Verhütungsmitteln vom Supreme Court als verfassungswidrig anerkannt. Zugang zu Verhütungsmitteln hatten zu diesem Zeitpunkt dennoch nur verheiratete Paare.
Am 06. September 1966 starb Margaret Sanger in Arizona.
Während ihres Lebens und ihrer vielen Reisen durch die USA, Europa und Asien traf Margaret Sanger viele berühmte Persönlichkeiten, unter anderem Mahatma Ghandi und Eleanore Roosevelt. Bis heute ist sie umstritten, da sie sich positiv über einige Teile der Eugenik geäußert hat.

 

Unsere Störenfrieda der Woche: Konca Kuris

Konca Kuris

By Kurisyahya (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Die islamische Feministin Konca Kuris beschäftigte sich kritsch mit dem Islam. Die türkische Mutter von fünf Kindern betrieb mit ihrem Mann ein Bekleidungsgeschäft und war Mitglied der Hisbollah. Sie las den Koran und widersprach dem Verschleierungsgebot des Islam – obwohl sie selbst ein Kopftuch trug.  Sie distanzierte sich schließlich von der Hisbollah und kritisierte einige der Überlieferungen über den Propheten, die außerhalb des Korans weitergegeben worden waren – für sie waren diese Aussagen mit ihrem Glauben nicht vereinbar.  Sie forderte zum Beispiel, das auch Frauen das Recht hatten, bei einer Beerdigung vorne am Grab zu stehen, weil sie den gleichen Schmerz fühlten, wie die Männer. Durch ihr Engagement zog sie die Aufmerksamkeit der Medien auf sich. Am 16. Juli 1998 wurde sie von der Hisbollah entführt und gefoltert. Ihre Peiniger veröffentlichten Videos von ihr, in denen sie die Hisbollah lobte. Nach 35 Tagen wurde sie von der Hisbollah ermordet. Sie wurde 38 Jahre alt. Bei ihrer Beerdigung verlangten ihre Töchter, vorne bei den Männern an ihrem Grab stehen zu dürfen – Koncas Ehemann und der Imam hinderten sie daran.

Unsere Störenfrieda der Woche: Mary Wollstonecraft

Mary Wollstonecraft

George Gardner Rockwood [Public domain], via Wikimedia Commons

Mary Wollstonecraft schrieb 1792, lange bevor sich die Frauenbewegung abzeichnete, das feministische Manifest: “A vindication of the rights of woman” – für sie eine logische Fortsetzung der in der Pariser Revolution erklärten Menschenrechte. 1759 in London geboren, lebte sie lange Zeit alleine, sie reiste und bildete sich. Sie arbeitete als Gesellschafterin und Gouvernante. Schon früh engagierte sie sich für die Bildung von Frauen und gründete 1779 eine private Mädchenschule in London. In “A vindication of the rights of woman” forderte sie Bildung für Frauen, um sie aus der Unterjochung durch die Männer zu befreien. Mary Wollstonecraft bekam ein uneheliches Kind und heiratete erst später einen anderen Mann. Der Ehe stand sie kritisch gegenüber – eine für die damalige Zeit provokante Einstellung. In “Maria, or the Wrongs of Woman” beschrieb Mary die sexuellen Begierden von Frauen – zu einer Zeit, als man noch davon ausging, Frauen verspürten keinerlei sexuelle Regungen. Sie starb 1797 bei der Geburt ihrer zweiten Tochter Mary, die als Mary Shelley später die Autorin von “Frankenstein oder der moderne Prometheus” wurde.

Unsere Störenfrieda der Woche: Erika Wisselinck

Woman Power Emblem Red

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Die Feministin und Übersetzerin Erika Wisselinck wurde 1984 mit “Frauen denken anders” in Deutschland bekannt. Das Buch gilt als eine der wichtigsten Einführungen in feministisches Denken im 21. Jahrhundert. Darüber hinaus machte Erika Wisselinck sich einen Namen, weil sie die bis dato als unübersetzbar geltenden Werke der US-amerikanischen Radikalfeministin Mary Daly ins Deutsche übersetzte. 1926 im preußischen Görlitz geboren, protestierte sie schon als junges Mädchen gegen das Frauenbild der Nazis, nannte das Klima eine “geistige Ödnis”.  In den 50er Jahren kritisierte sie den Mantel des Schweigens, der in der Adenauer-Zeit über die Vergangenheit im 3. Reich gelegt wurde, arbeitete als Journalistin und Kommunalpolitikerin und später beim Rundfunk. Dabei lernte sie, was es bedeutete, sich in einer “Männerdomäne” Gehör zu verschaffen. Sie setzte sich bereits in den 1950er Jahren für die Emanzipation ein – lange bevor das Thema wieder gesamtgesellschaftliche Relevanz bekam. Als Ende der 1960er Jahre die Neue Frauenbewegung entstand, schloss sich Wisselinck ihr an und gründete unter anderem die “Frauenstudien München”.  Ihr Engagement brachte ihr von männlichen Kollegen beim Rundfunk den Titel “männermordende Emanze” ein. 1973 gründete sie die feministische Monatszeitschaft “Korrenspondenz die frau”, deren Inhalt kostenlos weitergegeben werden durfte – um so die Verbreitung feministischer Diskurse zu erhöhen. Ab 1978 schrieb sie eine zeitlang für die neugegründete Zeitschrift EMMA, doch ein Zerwürfnis mit Alice Schwarzer beendete die Zusammenarbeit. Wisselinck war eine Vertreterin des Differenzfeminismus. Für sie gab es wesenartige Unterschiede zwischen Mann und Frau, die sich ihrer Meinung nach jedoch aus den unterschiedlichen Erfahrungen ergaben. Der Kampf gegen die Natur der Frau war für sie gleichbedeutend mit dem Weg zur Zerstörung von Natur und Umwelt.  Auch beschäftigte sie sich mit der Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit, in deren Gynozid sie Parallelen zum Holocaust beschrieb. Sie starb 2001 auf Madeira.

Gabriele Meixner: „Wir dachten alles neu“. Die Feministin Erika Wisselinck und ihre Zeit. Göttert, Rüsselsheim 2010

Unsere Störenfrieda der Woche: Lina Morgenstern

Lina Morgenstern

By A. Weger [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Lina Morgenstern, geboren am 25. November 1830 in Breslau, war eine Pädagogin und Frauenrechtlerin der ersten Stunde. Schon früh galt ihr Engagement der Einrichtung von Kindergärten, die zu dieser Zeit noch verboten war. Sie war eine große Verehrerin von Friedrich Fröbel, der den Kindergarten als pädagogische Einrichtung erfand, in dem Kinder gezielt gefördert wurden. Lina Morgenstern schrieb zahlreiche Kinder- und Märchenbücher und Bücher über Pädagogik, wie das vielbeachtete “Paradies der Kindheit”. Die Kindheit als einen schützens- und förderungswürdigen Raum zu betrachten, war zu jener Zeit ein absolutes Novum. Kinder konnten bestenfalls hoffen, verwahrt zu werden.

1866 gründete Lina Morgenstern den “Verein der Berliner Volksküchen”, der im kurz darauf ausbrechenden Krieg 1870 auch die hungernden Soldaten versorgte. 1868 entstand der “Berliner Kinderschutzverein”, der sich für unehelich geborene Kinder einsetzte, bei denen aufgrund von Vernachlässigung und mangelnder ökonomischer Mittel die Säublingssterblichkeit besonders hoch war. Sie setzte sich für die Bildung junger Frauen ein und vom 19. bis zum 26. September 1896 berief Lina Morgenstern den “Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen” ein, auf dem unter anderen Clara Zetkin sprach. Über 30 Jahre lang gab sie die “Deutsche Hausfrauenzeitung” heraus.

Lina Morgenstern starb am 16. Dezember 1909 in Berlin.

 

Unsere Störenfrieda der Woche: Anita Augspurg

Suffrage Alliance Congress, London 1909

By Nasjonalbiblioteket (Flickr: Suffrage Alliance Congress, London 1909) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons (Anita Augspurg ganz rechts unten)

Anita Augspurg ist wohl die bekannteste Vertreterin der radikalen Frauenbewegung. Die 1857 geborene Anita Augspurg war die erste promovierte Juristin des Deutschen Kaiserreichs. Um ihr Studium abzuschließen, musste sie, wie viele Frauen zu jener Zeit, nach Zürich gehen, wo das Frauenstudium bereits erlaubt war. Sie trug kurze Haare und Männerkleidung und setzte sich schon früh mit flammenden Reden für die Frauenbewegung ein. Anita Augsburg war die Lebensgefährtin von Lida Gustava Heymann, mit der sie gemeinsam für den Frieden kämpfte, lange bevor sich der 1. Weltkrieg abzeichnete. Sie war eine enge Vertraute von Minna Cauer, und gehörte zum radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung. Sie forderte ein neues Ehe-und Familienrecht und die uneingeschränkte Gleichberechtigung von Frauen im Privatleben und im Beruf. Sie gründete den Verein für Frauenstimmrecht und gab dessen Organ, die Zeitschrift für Frauenstimmrecht heraus. Sie arbeitete mit der USPD zusammen und beantragte 1933 die Ausweisung Adolf Hitlers aus Bayern, weil er Volksverhetzung betrieb. Nach der Machtübername der NSDAP konnte sie nicht mehr nach Deutschland zurückkehren und lebte bis zu ihrem Tod 1943 im Exil in der Schweiz.

Unsere Störenfrieda der Woche: Malalai Joya

Malalai Joya speaking in Finland

By AfghanKabul (Flickr) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Malalai Joya wurde am 25. April 1978 geboren und wuchs in Flüchtlingslagern im Iran und Pakistan auf, da ihre Familie während der Invasion der Sowjetunion im Jahr 1982 flüchten musste. Als neunjährige bot sie in Pakistan Alphabetisierungskurse für afghanische Frauen an. Als sie im Jahr 1998 nach Afghanistan zurückkehrte, wurde sie Aktivistin der Organisation for Promoting Afghan Women`s Opportunities.

Während die einen sie nach einer beeindruckenden und weltweit beachteten Rede vor der Loja Dschirga im Jahr 2003 als „Ungläubige“ und „Kommunistin“ beschimpften, bejubelten sie andere als die „mutigste Frau Afghanistans“. Nur zwei Jahre später wurde sie, mit 28 Jahren, als jüngste Abgeordnete aller Zeiten, in die Walesi Dschirga („Haus des Volkes“)  gewählt.

Ihr unerbittlicher Kampf gegen die Unterdrückung der Frau, Korruption, Kriegsverbrecher und den Drogenhandel (90 Prozent des weltweiten Opiums wird in Afghanisten angebaut) brachte ihr verbale und physische Bedrohungem, Vergewaltigungsdrohungen und mehrere Mordversuche ein. Sie bewegt sich deshalb nur mit einer Burka in der Öffentlichkeit, wird von 12 Leibwächtern beschützt und schläft nie länger als zwei Nächte an einem Ort. 2007 wurde ihr eine parlamentarische Sperre auferlegt, weil sie das Parlament als einen „Stall voll Tieren“ bezeichnet hatte, zahlreiche Gerichtsverfahren wurden gegen sie eingeleitet, ihr Reisepass konfisziert. Dies führte zu massiven Protesten der Bevölkerung.

Malalai Joya hält heute weltweit Vorträge über die Situation der Frauen und die allgemeine Lage in Afghanistan. Wegen ihrer massiven Kritik an der US-Besatzung erhielt sie zeitweise kein Visum für die Vereinigten Staaten. Den „Krieg gegen den Terror“ hält sie für eine Farce:

Keine Nation kann einer anderen Nation die Freiheit schenken […] Die USA wollen, dass die Dinge so bleiben wie sie sind; den Status Quo. Ein blutendes und leidendes Afghanistan ist eine gute Ausrede, um den Aufenthalt hier verlängern zu können. Heute begrüßen sie sogar wieder die Taliban.

Malalai Joya hat zahlreiche internationale Menschenrechtspreise verliehen bekommen – sie ist eine echte Störenfrieda.

Bücher/Porträts:

  • Malalai Joya: “Ich erhebe meine Stimme. Eine Frau kämpft gegen den Krieg in Afghanistan”, Piper, 2009 (erhältlich im Frauenbuchladen Thalestris)
  • Malalai Joya: “A Woman Among Warlords“, Simon & Schuster Inc., 2009 (erhältlich im Frauenbuchladen Thalestris)
  • Malalai Joya, in: “Revolutionäre Frauen. Biographien und Stencils”, Editions Assemblage, Münster, 2011 (erhältlich bei Fembooks)
  • Film: Eva Mulvad: Enemies of Happiness Dokumentation, Dänemark, 2006, 58 Minuten

Unsere Störenfrieda der Woche: Auguste Eichhorn

Auguste Eichhorn

Auguste Eichhorn, Archivmaterial Luise Dornemann "Alle Tage ihres Lebens"

Amalie Auguste Eichhorn, geb. Strohbach (29.09.1951 – 01.06.1902), war eine Weberin sowie Mitbegründerin und Agitatorin der proletarischen Arbeiterinnen-Bewegung. Sie war außerdem wesentlich an der Gründung des Arbeiterinnen-Bildungsvereins in Dresden beteiligt.

Augustes Vater war Weber, die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen. Die Not wurde um vielfaches schlimmer bis unerträglich, als der Vater – sie war noch sehr klein – starb. Fortan musste “Gustel” bei Nachbarn um Brot betteln gehen und/oder arbeitete selbst: “Andrehkinder” drehten beim Spinnen gerissene Fäden wieder zusammen. Der Lohn dafür war verschwindend gering. Ihre Mutter heirate später erneut, der zweite Ehemann brachte ausreichend Geld in den Haushalt und die Familie, womit die schlimmste Not und Armut, der Hunger, gemildert war.

Die sächsische Volksschule vermittelte den Kindern von Armen nur das Nötigste: soviel Schreiben und Lesen-Lernen, wie es für den Alltag und das Überleben notwendig war, sowie Religion und Ehrfucht vor dem sächsischen Herrscherhaus, “der ‘gottgewollten’ Ausbeuterordnung”1. Auguste sehnte sich stets nach mehr Wissen und Bildung; dass dieser Hunger nicht gestillt wurde, bedrückte sie über die Maßen, hinzu kam, dass ihr dieses Verlangen Prügel statt Anerkennung einbrachte.

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