Kategorie: Feminismus

Im feministischen Porno-Workshop

Public Domain, CC0, Pixabay

ein Gastbeitrag von Huschke Mau

Neulich war ich auf einem Workshop, der – so angekündigt – „feministischen Porno“ zum Inhalt hatte. Ich habe das für mich zum Anlass genommen zu schauen, wie Menschen, die bisher nicht mit feministischen Pornos in Kontakt gekommen sind, auf ihn reagieren.

Die Workshopleiterin war eine Mitarbeiterin der Berliner „Sexclusivitäten“, und hatte dort, wie sie erzählte, eine Ausbildung zur „sexpositiven Referentin“  erhalten. Die Teilnehmenden (Frauen-Männer-Verhältnis etwa 50-50) waren junge AkademikerInnen.

Vorgestellt wurde der „PorYes“-Award, der seit 2009 für Pornos, die bestimmte Kriterien erfüllen, verliehen wird. Die Referentin erklärte, es gehe darum, dem Mainstreamporno Alternativen entgegenzusetzen, „neue, andere Bilder“ zu machen und Geschlechterrollen aufzubrechen. Man verstehe sich komplementär zur PorNo-Bewegung, Zitat: „Alice Schwarzers Kritik am Mainstreamporno finden wir okay, aber wir wollen nicht verbieten, wir wollen andere Bilder machen.“ Denn wenn Pornographie verboten wäre, würde auch Frauen die Redefreiheit, das heisst, das Recht, ihre eigene Sexualität auszudrücken, genommen. „Sexpositiver Feminismus“ beruhe auf drei Grundlagen: der Annahme, dass die sexuelle Freiheit zur allgemeinen Freiheit gehöre, der Überzeugung, dass Gender gesellschaftlich produziert wird (dass wir also bestimmte Geschlechterrollen nicht biologisch begründen können, weil sie anerzogen werden) und der Konsens, das heisst, alle betroffenen Parteien müssen mit dem Akt einverstanden sein und dann habe auch keine dritte Partei und auch kein Staat sich mehr einzumischen.

Jetzt ist ja aber das Problem mit Porno nicht nur, dass der Mainstreamporno immer gewalttätiger wird (dazu werde ich mal einen eigenen Text schreiben), sondern auch, dass Pornographie bedeutet, dass Menschen gegen Geld Sex miteinander haben, den sie ohne Geld wahrscheinlich nicht hätten. Pornographie ist also Prostitution, nur halt mit Kamera dabei. Und es stellt sich die Frage, kann man Pornographie bejahen, wenn man Prostitution einmal als falsch erkannt hat?

Zwei Filmszenen wurden uns vorgespielt, eine heterosexuelle und eine „lesbische BDSM-Szene“ (Gegröle unter den Männern, schmierige Kommentare: klarer Favorit).

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Mehr Feminismus in der L-Community (und umgekehrt) – ein Plädoyer

Anlass für diesen Text: Die Ankündigung einer „European Lesbian* Conference 2017“ (1) mit folgender Erläuterung:

„Our aim is to hold an inclusive European Lesbian* Conference. We insist on calling it a lesbian conference although we recognize that, as with any category or label, it may be contested and insufficient to describe the diversity of our communities. We are aware that many previous lesbian gatherings have struggled with issues about who should or should not be included at the conference. However, using the word “lesbian” is part of the political struggle for visibility, empowerment and representation.
Therefore we will use “lesbian*” with an asterisk, so as to include anyone who identifies as lesbian, feminist, bi or queer, and all those who feel connected to lesbian* activism.“

Soweit.

Trotz des Instant-Dementi mit dem * und der dazugehörigen Erläuterung war der erste Kommentar, der mir auf einer größeren englischsprachigen Facebookseite zu der Konferenz begegnete und auf der ich die Konferenz gefunden hatte, ein Wutgeheul darüber, dass „gay women“ – also „schwule Frauen“ hier eine Konferenz hätten, ohne sich im geringsten zu bemühen „Transpersons“ einzubeziehen und wieso ihnen dies gestattet würde.

Was mich zu „Beißreflexe“ von Patsy L’Amour LaLove bringt, und zu der Hoffnung, dass sich die Queer-Community endlich ihren inneren Problemen widmet anstatt immer wieder ausgerechnet und fast ausschließlich auf Feministinnen oder Lesben loszugehen.

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Warum Radikalfeminismus nicht „transfeindlich“ ist

CC 00

Transphobie, laut Duden: „starke Ablehnung von Transsexualität; ausgeprägte Abneigung gegen transsexuelle Personen“, Radikalfeminismus, (lat. radix: Wurzel) will, wie der Name schon sagt, Frauenunterdrückung an der Wurzel packen, diese Wurzel wird im Patriarchat gesehen. Patriarchat bezeichnet eine Jahrtausende alte Gesellschaftsform, die durch die Vormachtstellung von Männern gekennzeichnet ist, und die bis heute unsere gesamtgesellschaftliche Ordnung strukturiert.

Patriarchale Strukturen basieren laut feministisch-historischer Forschung auf der Zueigenmachung und Beherrschung des weiblichen Körpers besonders im Hinblick auf die Funktion der Reproduktion und Generativität, sprich im Fokus dieser Unterdrückung steht insbesondere auch der Faktor Gebärfähigkeit.

Unterdrückung ist dementsprechend immer an den weiblichen Körper gebunden – an den Körper, der gebiert. Dies war und ist auch immer noch Kampffeld männlicher Herrschaft: der weibliche, potentiell gebärende Körper.

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Warum wir radikalen Feminismus brauchen

CC 0 Public Domain

Es ist Tag 1 nach dem Frauentag 2017 und die Bilanz fällt vernichtend aus. Allerorten wurde an Frauenkämpfe gedacht, die Frauen selbst aber waren auffällig unsichtbar. Die Frau des kanadischen Premierministers fand, der Frauentag sei eine tolle Gelegenheit, die Männer hochleben zu lassen, die taz brachte es fertig, eine komplette Titelseite zum Thema Frauentag ohne das Wort „Frauen“ zu bringen, die Frankfurter Rundschau veröffentlichte heute einen Artikel, in dem es hieß „Menschsein bedeutet schwanger werden zu können. Menschsein bedeutet vergewaltigt werden zu können“ und auch ansonsten blieb es wie jedes Jahr bei den üblichen Lippenbekenntnissen und Nelken zum Frauentag. Ausnahme waren einige mutige Abolitionistinnen weltweit, die es – gegen erheblichen Widerstand – schafften, die Themen Prostitutions- und Pornokritik als feministische Themen zu verteidigen und in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Das Feministische Netzwerk, das sich als großes Bündnis Deutschlands zum Frauentag positioniert hatte, verwehrte es ohne Erklärung der einzigen feministischen Partei DIE FRAUEN Deutschlands, Teil des Bündnisses zu werden, hatte aber bei den Vertretern der Prostitutionslobby keinerlei Schwierigkeiten, diese aufzulisten. Was ist los im Feminismus, den doch alle gerade so dringend brauchen?

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#Sisterhood: Zeichen der Solidarität am #Frauentag

Pakak Sarkar (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Kaum ein Tag ist für die Frauenbewegung so symbolträchtig wie der 8. März. Der Weltfrauentag ist der Tag, an dem Frauen, Feministinnen und die, die sie in ihren Kämpfen unterstützen, zusammen kommen, demonstrieren, feiern und an die zurückliegenden und die zukünftigen Kämpfe denken. Weltweit macht gerade die Idee eines internationalen Frauenstreiks zum 8. März von sich reden, zu dem sich verschiedene Bündnisse bereits positioniert haben. Überall auf der Welt, auch in Deutschland gibt es Lesungen, Demos, Kundgebungen.

Es ist leicht zu sagen, der 8. März sei eine Art „Feiertag“ für den Feminismus. Den Feminismus gibt es nämlich gar nicht, schon seit jeher ist der Feminismus gespalten, früher in bürgerliche und proletarische, heute in radikale und liberale Feministinnen. Häufig ist Feminismus gekennzeichnet von heftigen, inneren Debatten, in denen es um Diskurshoheit, um Öffentlichkeit und auch um ganz eigene Interessen geht.

Wir möchten den 8. März als Anlass nehmen, ein altes, feministisches Konzept – Sisterhood – wiederzubeleben und statt der ständigen Konflikte die Gemeinsamkeiten betonen: Den Kampf um Frauenrechte, um Freiheit und Sicherheit für alle Frauen auf dieser Welt.

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Ein Aufruf an Feministinnen, sich an das historische und geschlechterbasierte Wesen ihrer Unterdrückung zu erinnern

Das wirklich Brillante am Patriarchat…es verwandelt Unterdrückung nicht nur in etwas Natürliches, es sexualisiert den Unterdrückungsakt. Es erotisiert Dominanz und Unterwerfung. Es institutionalisiert sie als Maskulinität und Feminität. Also normalisiert, erotisiert und institutionalisiert Unterwerfung. Das Brillante am Feminismus ist, dass wir das erkannt haben.
– Lierre Keith

In den vergangenen Monaten wurden in den USA und anderswo so viele Gesetze erlassen oder vorgeschlagen, die eine Eskalation des Kriegs – ja, es ist Krieg – gegen Frauen anzeigen. Das Russische Parlament hat gerade mit 380 zu 3 Stimmen die Entkriminalisierung häuslicher Gewalt entschieden. Es ist ein Land, in dem durchschnittlich 40 Frauen pro Tag – 14.000 Frauen pro Jahr – von ihren männlichen Partnern ermordet werden.

Die Vereinigten Staaten, wo über 1000 Frauen pro Jahr von ihren Partnern ermordet werden, haben gerade einen Präsident gewählt, der damit prahlt, dass „wenn du ein Star bist, lassen sie es dich einfach tun, pack sie an der Pussy“ und in Pornografie und Menschenhandel verwickelt ist. Sein Plan ist es, die finanzielle Unterstützung für 25 Programme gegen häusliche Gewalt zu eliminieren und weiblichen Angestellten zu befehlen, sich „wie Frauen anzuziehen“. Texas denkt darüber nach, Frauen, die eine Abtreibung hatten, ihr Wahlrecht zu entziehen; Arkansas möchte Vergewaltiger in die Lage versetzen, Frauen zu verklagen, die abtreiben.

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Die schwarze feministische Frauenbewegung-Black History Month

sitting back not giving a fuck about what black men think or say

Wir alle kennen, oder hören immer öfter,  die neuen Schlagwörter wie „white feminism“, „critical whiteness“, die mittlerweile fast wie Beleidigungen, aber zumindest vorwurfsvoll, klingen und sich auf weiße Feministinnen und ihren Feminismus beziehen. Diese Begriffe ignorieren tatsächlich die Unterdrückungsmechanismen des schwarzen Patriarchats und fokussieren sich zunehmend ausschließlich auf weiße Frauen. Nicht, dass weiße Frauen es nicht auch verdient hätten kritisiert zu werden. Aber wie sieht wirklich der Ursprung des schwarzen Feminismus aus, der den Begriff der „Intersektionaliät“ schuf und Mechanismen der Unterdrückung anders betrachtete.

Die schwarze feministische Frauenbewegung (Black Feminist Movement) entstand tatsächlich als Antwort auf die schwarze Befreiungsbewegung (Black Liberation Movement) und der amerikanischen Frauenbewegung. Schwarze Frauen fühlten sich unterdrückt, und wurden unterdrückt, durch den herrschenden Rassismus in der, mehrheitlich weißen, Frauenbewegung. Gleichzeitig waren sie aber auch Opfer von Sexismus in der schwarzen Befreiungsbewegung. „Schwarzsein“ wurde sozusagen gleichgesetzt mit schwarzen Männern. Schwarze Frauen existierten nicht in diesem Konzept.  „Frausein“ und Feminismus wurde ebenso gleichgesetzt mit weißen Frauen.  Schwarze Frauen wurden auch hier nicht wahrgenommen, nicht wirklich. Das Ergebnis war, dass schwarze Frauen sich als unsichtbar betrachteten,  und sie erkannten, dass ihre Bedürfnisse nicht gesehen wurden. Weder in der einen Bewegung, noch in der anderen.

Die schwarze Befreiungsbewegung und einige Abgründe:

Die schwarze Befreiungsbewegung bestand eigentlich aus verschiedenen Bewegungen, wie die Bürgerrechtsbewegung,  der schwarze Nationalismus, Nation of Islam,  die Black Panthers, „the Student Nonviolent Coordinating Committee“, und viele mehr. Alle diese Teile der schwarzen Befreiungsbewegung besaßen eine Gemeinsamkeit, ein bindendes Glied sozusagen, denn das Glied, die Geschlechterzugehörigkeit zum „Mann“ spielte hier die entscheidende Rolle. Alle dieser Bewegungen richteten sich prinzipiell nur an schwarze Männer und ihre Befreiung. Freiheit wurde sozusagen gleichgesetzt mit Männlichkeit, und die Erlangung dieser Freiheit mit der Wiedererlangung von schwarzer Männlichkeit. Eine Idee die viel Verbreitung fand, war zum Beispiel, dass Männer durch Rassismus ihre Männlichkeit verlieren und verloren haben, da sie keine Macht mehr besaßen. Sie mussten in der Vergangenheit zusehen, wie ihre Partnerinnen von weißen Männern vergewaltigt wurden oder zur Zucht von einer neuen Generation von Sklaven benutzt wurden. Viele Männer in der Bewegung wollten ebenfalls die Sexualität schwarzer Frauen kontrollieren. Die sexuelle Ausbeutung schwarzer Frauen durch weiße Männer wurde ständig thematisiert und stand im Vordergrund. Sexuelle Beziehungen schwarzer Frauen zu weißen Männern wurden abgelehnt, aber für die schwarzen Männer in der Bewegung war es in Ordnung selbst sexuelle Beziehungen zu weißen Frauen zu haben. Auch in dieser Bewegung ging es sozusagen letztendlich darum, dass ein Teil der Freiheit bedeuten solle, dass Männer sexuellen Zugang zu allen Frauen haben können.

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Frauen rufen am Frauentag weltweit zum Streik auf

Sie haben eine lange Tradition: Frauenstreiks. Bereits in der antiken Erzählung Lysistrata treten Frauen in den Sex- und Gebärstreik und veränderten so die Geschicke der Stadtstaaten Athen und Sparta. Im 19. Jahrhunderten streikten Frauen im Rahmen der Arbeitskämpfe wie 1893 in Wien, aber auch gegen zu hohe Butterpreise wie 1952 in Baden Württemberg. Frauenarbeit wird schlecht bezahlt und wenig anerkannt, daran haben auch fast 100 Jahre Frauenwahlrecht nichts ändern können – was liegt da näher, als mit einem Streik deutlich zu machen, dass ohne Frauen gar nichts geht – eine Methode mit langer Tradition:
1970 streikten Frauen in den USA für politische Rechte, die Gleichstellung der Frau, das Recht auf Abtreibung und gleiche Bezahlung. 20.000 Frauen protestierten in New York – kein Vergleich zum Protest der isländischen Frauen am 24. Oktober 1975: 90 Prozent der isländischen Frauen streikten an diesem Tag gegen ungerechte Bezahlung und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Sie brachten das Land damit zum Stillstand: Väter mussten ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen, Geschäfte blieben geschlossen, das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Der Effekt war deutlich: Nur ein Jahr später wurde ein Gesetz erlassen, dass die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz verbot. 1991 streikten eine halbe Million Schweizer Frauen unter dem Motto: „Wenn frau es will, steht alles still“ gegen die anhaltende Benachteiligung von Frauen.

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Die Sache mit den Safe Spaces – Warum ich keine Schwänze auf Frauentoiletten haben will

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Gestern war ich tanzen, und als ich aufs Klo wollte, stand dort ein Mann in Frauenkleidern und schminkte sich. Ich war irritiert, konnte, so lange wie er da war, nur baff rumstehen und habe später angemerkt, dass ich mich nicht wohl und nicht sicher fühle, wenn Menschen mit Schwanz sich auf dem Frauenklo aufhalten.

Kurz voranschicken möchte ich: ich habe mit umoperierten Transfrauen auf dem Klo überhaupt kein Problem. Ja, diese haben trotzdem eine männliche Sozialisation usw., aber darum geht es jetzt nicht. Womit ich ein Problem habe, sind Menschen mit Schwanz auf dem Frauenklo. Ist mir egal, unter welchen Frauenklamotten dieser Schwanz vor sich hergetragen wird und wieviel Schminke die Person, die ihn trägt, im Gesicht hat. Eine Toilette ist ein intimer, geschützter Rückzugsort. Hier kann man sich erleichtern, kotzen, sich umziehen, telefonieren oder heulen. Der Privatsphäre in einer Toilette kommt eine große Bedeutung zu. Sex auf Toiletten ist beliebt und akzeptiert. Auf gemeinsamen Toiletten kommt man sich unter Fremden sehr nahe, oft zu nahe. Das ist unangenehm, bislang für Frauen aber nicht gefährlich. Ein Schwanz aber ist eine potenzielle Waffe. Er kann benutzt werden, um Frauen gegen ihren Willen zu pentrieren, vielleicht in einer Situation, in der sie hilflos, ungeschützt oder schlichtweg unachtsam sind. Opfer sexueller Gewalt müssen ein Recht auf schwanzfreie Räume haben. All das schoss mir durch den Kopf, während ich dort stand und überlegte, wie ich mit der Situation umgehen soll.

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„Versuche nicht, uns zu spalten“: Gloria Steinems Rede auf dem Women’s March in Washington

Gloria Steinem

By Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America (Gloria Steinem) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Am 21. Januar 2017 hielt die Feministin Gloria Steinem eine flammende Rede auf dem Women’s March in Washington. Wir haben sie übersetzt:

„Freunde, Freundinnen, Schwestern und Brüder, alle, die ihr hier und in 370 Märschen in jedem Bundesstaat dieses Landes und auf sechs Kontintenten vor mir steht, und alle, die sich um ein Uhr mit uns zu einer Schweigeminute für Gleichberechtigung in den Büros, Küchen, Fabriken, Gefängnissen, überall auf der Welt vereinen. Ich danke jedem von euch, und insbesondere danke ich den hart dafür arbeitenden visionären Organisatorinnen dieses von Frauen geführten, inklusiven Marsches, von denen eine sogar eine Geburt schaffte, während sie diesen Marsch mitorganisierte. Wer kann das schon von sich sagen?

Danke euch dafür, dass ihr versteht, dass wir manchmal unsere Körper dahinbringen müssen, wo unsere Überzeugungen sind. Manchmal ist es nicht genug, auf „Abschicken“ zu drücken. Und das verbindet uns mit den Vielen dieser Welt, die keine Computer haben oder Elektrizität oder Bildung, aber die gleichen Hoffnungen und die gleichen Träume haben wie wir.

Ich denke, da ich und meine geliebten Mitvorsitzenden – die „Golden Oldies“ nicht wahr? – Harry Belafonte, Dolores Huerta, LaDonna Harris – alle diese wunderbaren Menschen – vermutlich die ältesten Demonstrierenden hier heute sind; daher denke ich über den Nutzen eines langen Lebens nach und einer der Nutzen ist, sich an Zeiten zu erinnern, zu denen die Dinge schlimmer standen.

Wir erinnern uns an den Tod der Zukunft, mit Martin Luther King, mit Jack Kennedy, mit Bobby Kennediy, mit Malcolm X. Ohne diese Toten zum Beispiel wäre Nixon niemals gewählt worden und es hätte viele der Kriege nicht gegeben, die wir seither erlebten. Jetzt sind unsere großen Vorbilder wie Barack Obama und Michelle Obama immer noch unter uns und erinnert euch daran, wie sehr wir fürchteten, sie könnten es nicht sein, und wie viele Morddrohungen es gegen sie tatsächlich gab. Und doch sind sie unter uns.

Und heute auch unser verehrter Bernie Sanders ist immer noch bei uns. Und nicht nur bei uns, sondern er konzentriert sich auf wirtschaftliche Gerechtigkeit und kostenlosen Zugang zu Universitäten für Alle in meinem Bundesstaat New York. Und heute ist Hillary Clinton immer noch am Leben und definitiv nicht im Gefängnis. Sie, die der ganzen Welt gesagt hat, dass Frauenrechte Menschenrechte sind und Menschenrechte Frauenrechte. So entscheidend zu einem Zeitpunkt, da die kollektive Gewalt gegen Frauen auf dieser Welt eine Welt geschaffen hat, in der zum ersten Mal weniger Frauen als Männer leben.

Ich versuche nicht die Gefahren, die dieser Tag mit sich bringt, zu verleugnen. Trump und seine Handlanger haben einen Fuchs für jeden Hühnerstall in Washington gefunden und ein Twitterfinger darf kein Finger am Abzug werden. Einige sehr erfahrene Ärzte der American Psychiatric Association haben sich öffentlich geäußert, um uns zu warnen: „Seine weitläufig berichteten Symptome psychischer Instabilität inklusive Größenwahn, Impulsivität, Überempfindlichkeit gegenüber Unhöflichkeiten oder Kritik und eine offensichtliche Unfähigkeit, zwischen Fantasie und Realität zu unterscheiden, lässt uns daran zweifeln, dass er für die immensen Verantwortlichkeiten seines Amtes überhaupt geeignet ist.“

Dies wurde bei seiner Antrittsrede gestern ganz klar vorgeführt. Alles, was vor ihm geschehen ist, war ein Desaster. Und alles, was er tun wird, wird fantastisch sein, das Beste jemals, Wunder und alle Superlative. Er sagte auch, er sei mit dem Volk. Er war das Volk. Ich formuliere ein berühmtes Zitat nur um und muss sagen:  „Ich habe das Volk getroffen – und du bist es nicht.“ Wir sind das Volk.

Dieser Marsch in Washington heute erforderte 1000 Busse mehr als die gesamte Amtseinsetzung. Ein ganzes Tausend mehr. Und ich sprach gerade mit Menschen von unseren Schwestermärschen, inklusive dem in Berlin und sie baten mich, eine besondere Nachricht weiterzugeben: „Wir in Berlin wissen, dass Mauern nicht funktionieren.“

Und erinnert euch an Polen, wo die Regierung im letzten Monat ein Anti-Abtreibungs-Gesetz verabschiedet hat und sechs Millionen Frauen auf die Straße gingen und das Gesetz geändert werden musste. Wir sind das Volk. Wir haben die Macht des Volkes und wir werden sie nutzen. All die Macht, die du versucht hast zu eliminieren. Zum Bespiel wolltest du das Congressional Ethics Committee abschaffen. Du musstest es wieder einsetzen, richtig? Wegen der Macht des Volkes. Denn dies, dies, ist die andere Seite der Kehrseite. Das ist ein Ausbruch an Stärke und wahrer Demokratie, wie ich sie noch nie in meinem sehr langen Leben gesehen habe. Er umfasst alle Altersgruppen. Er ist wirklich divers. Und erinnere dich, die Verfassung beginnt nicht mit „Ich, der Präsident“, sondern mit „Wir, das Volk.“

Also versuche nicht, uns zu spalten. Versuche nicht, uns zu spalten. Wenn du die Muslime zwingst, sich registrieren zu lassen, werden wir uns alle als Muslime registrieren lassen. Ich weiß, dass es Frauen in Unternehmen und den Medien und allen möglichen Stellen gibt,  die es für dich riskant machen, zu sagen, wofür du dich einsetzt, was du fühlst und was du unterstützt. Und es gibt Frauen hier, die ich kenne, die die von Übergriffen auf ihre Körper lebende nationale und globale Sexindustrie überlebt haben. Wir haben uns hier für die Unangreifbarkeit des Körpers zusammengefunden. Wenn du über deinen Körper nicht vom Inneren heraus verfügen kannst, dann kannst du es auch nicht von Außen, du kannst nicht über Leben, unsere Leben, verfügen. Und das bedeutet, das Recht zu entscheiden ob und wann wir gebären – ohne Einmischung durch eine Regierung.

Wir sind hier und überall auf der Welt für eine tiefe Demokratie, die sagt, dass wir nicht schweigen werden, wir uns nicht beherrschen lassen, dass wir für eine Welt arbeiten, in der alle Länder mit einander verbunden sind. [Der Teufel] Gott mag im Detail liegen, aber die Göttin liegt in der Verbindung. Wir sind eins miteinander, wir sehen einander an, nicht zu jemandem hoch. Wir fragen Daddy nicht länger.

Wir sind verbunden. Wir haben keine Rangordnung. Und dieser Tag wird uns für immer verändern, denn wir sind zusammen. Jede von uns, individuell und kollektiv, wird nie mehr dieselbe sein. Wenn wir einen möglichen Präsidenten wählen, gehen wir oft nach Hause. Wir haben einen unmöglichen Präsidenten gewählt, wir gehen nie mehr nach Hause. Wir stehen zusammen. Und wir übernehmen. Ich danke euch aus meinem tiefsten Herzen. Denkt daran, euch einander vorzustellen und zu entscheiden, was ihr morgen und übermorgen und überübermorgen machen werdet und wir werden nie kehrtmachen. Danke euch!“

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Die Originalrede im Wortlaut als Text gibt es hier.