Kategorie: Feminismus

Das „F*ck you!“ der taz an Frauen

Mittelfinger

Crosspost Abolition 2014

Anlass: Berichterstattung und Kommentar in der taz zur Trennung von Terre des Femmes Deutschland und Terre des Femmes Schweiz (1).

Bei Themen wie Flüchtlingen, vielen sozialen Themen und der AfD ist die taz gut und eine notwendige Stimme in der Presselandschaft.

Bei Frauen allerdings nicht.

Zu Feminismus und besonders bei kontroversen Themen wie Prostitution oder Verschleierung sehen wir fast ausschließlich eine einseitige, uninformierte und diffamierende Berichterstattung, auch wenn es ein paar Ausnahmen gibt.

Es geht hier nicht um andere Meinungen und noch nicht einmal nur darum, wie diese Meinungen vertreten werden, und zwar in einer Art und Weise, in der ich das auch auf unserer, der abolitionistischen Seite nicht sehen möchte und bei der wir versuchen, einzugreifen. Diese grottenschlechte Art der Berichterstattung gibt es auch da, wo ich zufällig inhaltlich zustimme. Es kann nicht sein, dass sich im Bereich der Gender Studies, in den Kommunikationswissenschaften oder im Journalismus nur Frauen bewegen, die nach dem zu Urteilen, was sie uns zeigen, so wenig wissen und so wenig zu irgendeiner inhaltlichen Auseinandersetzung bereit sind, wie wir das seit Jahren bei der taz sehen, Redaktionswechsel unbeschadet: Ohne Differenzierung, ohne Recherchewillen oder vielleicht -fähigkeit, mit nichts als vorgefertigten Sprüchen und im Zweifelsfall der Nazikarte. Derart oberflächlich arbeitende Journalistinnen auszusuchen ist auch ein Kommentar dazu, wie unwichtig einer Zeitung diese Themen sind, und zeigt, dass es der taz absolut genügt, wenn regelmäßig ein paar rein assoziative Satzreihen zur Bedienung des Status Quo erscheinen. Wenn es mal einen einigermaßen guten Artikel gibt, ist er häufig genug von einem Mann.

Die taz erinnert darin an die Regierungen Kohls (Kabinett V) und Merkels mit Familienministerinnen wie Claudia Nolte oder Kristina Schröder, als Merkel die Stimmung im Land und den Antifeminismus einer bestimmten Gruppe eher jüngerer Frauen falsch interpretiert hatte, weil sie nicht bemerkt hatte, dass Antifeminismus heute anders läuft …. Frauen ohne Erfahrung und ohne wirkliches Interesse am Thema, denen gleich mal mehr als die Hälfte des Etats weggekürzt werden konnte und die nicht einen wesentlichen oder neuen Beitrag zum Thema brachten. Weiterlesen

Triggerwarnung – Frauenkörper!

Ein Rant in drei kurzen Kapiteln.

Warnung: Frauenrechte sind Menschenrechte. Und sie sind FRAUENRECHTE. Transrechte sind Menschenrechte. Sind sie. Sie sind nur keine FRAUENRECHTE.

Anlass:

Während Facebook-Gründer und Besitzer Mark Zuckerberg in den USA verkündet, dass auch Holocaust-Leugnende das Recht haben müssen, ihre Meinung auf Facebook zu verbreiten (1) und sich deswegen weigert, entsprechende Postings zu löschen (was in Deutschland und Österreich allerdings gemacht werden muss), gibt es mal wieder kein Problem, Facebook-Algorithmen so zu programmieren, dass sie feministische, lesbische und frauenorientierte und aus diesem Blickwinkel heraus transaktivismuskritische Seiten oder sogar einzelne, auf „Freunde“ gestellte Posts, blockieren (2). Die Begründung ist diesmal meistens „Spam“, naja, klingt ja auch besser als das Bemühen der „Community Standards“ wie letztes Jahr im Juni (3).

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Mit Männern zu schlafen macht mich nicht zu einer schlechteren Feministin

Photo by Lili Kovac on Unsplash

Es sind Argumente, so absurd, dass Außenstehende sie gerne als Beleg dafür nehmen, dass der Feminismus obsolet ist. “Solange du mit Männern in das Bett gehst, kannst du das mit dem Feminismus nicht ernst meinen.” In einigen feministischen Kreisen gilt es als Kollaboration mit dem Feind, wenn Frauen sich als Feministinnen bezeichnen und trotzdem mit Männern schlafen.

I call it bullshit

Sexuelle Orientierung ist keine freie Entscheidung. “I was born this way” von Lady Gaga funktioniert in beide Richtungen. Wen wir begehren, ist keine Frage bewusster Wahl, sondern inhärent in uns angelegt. Sexualität wird durch viele Faktoren geprägt und wer anfängt, Menschen für das, was sie lieben oder wollen zu attackieren, der begibt sich auf ganz dünnes Eis. So wie lesbische Frauen nicht für ihre Vorlieben angegriffen werden wollen, so gilt das andersherum auch für heterosexuelle Frauen. Auf Männer zu stehen, setzt weder meine intellektuellen Fähigkeiten in der Analyse struktureller Unterdrückung herab, noch führt Sex mit Männern dazu, dass ich auf wundersame Weise durch ihr Sperma fremdgesteuert werde. Verstand und Kritik existieren unabhängig von unserem Begehren, sonst wären wir ja alle nur triebgelenkte Wesen, dem eigenen Verlangen hilflos ausgeliefert. Mit Männern zu schlafen oder Beziehungen mit ihnen zu führen, macht uns nicht zu Unterstützerinnen unser eigenen Unterdrückung. Im Gegenteil: Zu schlafen und zu lieben, wen man möchte, ist Teil unserer individuellen Freiheit und der Freiheit von uns Frauen als Klasse. Wir treten an, um genau dafür zu kämpfen: Freiheit. Liebe zehn Männer oder nur einen, liebe Frauen und Männer, liebe Frauen, aber lass dir nicht von irgendwelchen äußeren Normen hineinreden. Das gilt für die bürgerliche Moral ebenso wie für feministische Strukturen.

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Achtung Achtung, hier spricht die Kleidungspolizei

franek2 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Diskussionen zu zwei Beiträgen auf unserer Facebook-Seite veranlassen mich, doch noch einmal etwas zum Thema Bekleidungsvorschriften, die sich an Frauen abarbeiten, niederzuschreiben.

Am 28. Juni stellten wir ein Video ein, in dem dargestellt wurde, dass der Bürgermeister der Stadt Broummana im Libanon, Pierre Achkar, den Polizistinnen (nicht den Polizisten eine neue Sommeruniform verpasst hat (enge figurbetonte T-Shirts und sehr knappe Shorts). Seine Begründung: Die Frauen sollen westliche Touristen anziehen. Erstaunlich (aber nicht ganz verwunderlich), dass dieses beschränkte Bild vom “Westler” – gemeint mit hoher Wahrscheinlichkeit der westliche Mann – keine Empörungsstürme auslöst. Mich würde so eine eindimensionale Darstellung ja stören, aber nun gut, das ist hier nicht das eigentliche Thema.

Uniformen sind Bekleidungsvorschriften für Männer wie Frauen gleichermaßen, deren soziale Funktion darin besteht den Träger oder die Trägerin in seiner gesellschaftlichen Position erkennen zu können. Sie weisen ihn oder sie quasi als Autoritätsperson aus.

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“Feministischer Porno”? Warnung: Rant.

We don't need no patriarchal education.

Public DomainChristopher Dombres

Ein Gastbeitrag von Inge Kleine zur Forderung der SPD Berlin “feministische Pornographie” staatlich zu subventionieren:

* “Die Darstellung von Vielfalt an Körperformen, Geschlechtern, ethnischer Herkunft, Sexualität und Sexualpraktiken.”

Das ist ja mal eine echte Neuerung in Pornos, echt – da werden bisher ja keine schwarzen Menschen gezeigt, oder Frauen mit Kopftuch, oder Asiatinnen, oder “Zigeunerinnen” oder, oder, oder, oder …….

Ganz toll. Und es gibt auch einen Mangel an der Darstellung von “Sexualpraktiken” in Pornos. Oder? Also her damit, damit sie dann in einer Reihe mit der Vielfalt der Personen stehen, Gangbang in der in Pornos typischen Variante braucht ja auch beides, weiße (Frauen), (schwarze) Gangs …..

Und verdammt noch mal – einer der wenigen Vorteile darin, zufällig lesbisch zu sein, bestand bisher darin, bei diesem Mist weitestgehend ignoriert zu werden, keine Vorschriften zu kriegen, was Lesbe zu tun hat oder wie sie zu stöhnen hat oder sonst etwas. Die “Lesbenpornos” waren genauso Gewalt wie die anderen, aber die hatten ja mit uns nichts zu tun.
Aber jetzt soll es ja “realistisch” werden. Weil Kameras, Regieanweisungen, nachträgliche Tonspuren und Geld für jede Handlung ja so realistisch sind – und davon abgesehen – gerade wenn etwas “realistisch” ist, möchte ich damit nicht auch noch diesen Voyerismus bedient sehen.

Mal im Ernst.
WEN WOLLT IHR HIER VERARSCHEN??

*Verhütung (wenn nicht, dann nur im (dokumentierten) Konsens)

Klar – eine Unterschrift zeigt und beweist ja den “Konsens”. Alles gut. Ist dann im Zusatzmaterial zu sehen.

*Die explizite Darstellung von Konsens und Kommunikation

Klar – wir plappern einfach in der Eingangszene, wie sehr wir Vergewaltigungsphantasien lieben und das jetzt spielen, und dann ist alles hunkie-furzi-fick-galori!

Ich wiederhole mich: WEN WOLLT IHR HONKS VERARSCHEN?

Die schöne neue Welt für Frauen – zerquetscht zwischen diesen Optionen:
(1) Einer rassistischen, Frauen-an-den-Herd, Lesben-und-Schwule-bitte-raus, Väter-sind-die-Herren-über-(Ex-)frauen-und-Kinder Partei (und zwei dahin ausfransenden Parteien) und
(2) mehreren Parteien mit schöner Einigkeit zu Frauen: Frauen bitte A.-in-die-Luft und Frauen, macht ein paar Kurse wegen des Würgereflexes, bei Schmerzen bei Anal hilft ganz viel Gleitcreme und ein paar Entspannungsübungen, ein paar Sternchen, ein paar Formulierungen, ein paar Behauptungen, ein bisschen Gequatsche zu “mainstream”, zu Sexismus und zu Rassismus, nur um ihn zu bedienen, und alles ist gut – diese Parteien dann.

Die alte Kontroverse zwischen Konservativen und “Liberalen” so richtig vor die Nase geklatscht, mit ein paar Modifikationen auf der linken Seite: “Die einzelne Frau gehört nur einem Mann, und der hat alle Rechte auf sie” (Konservative, AfDler, Männerrechtler-offen-rechts-Variante), oder “Frauen haben immer allen Männern zugänglich zu sein, aber weil wir ehemaligen sozialistischen und linken Leute inzwischen keine Texte mehr lesen, geschweige denn sie verstehen, dürfen die Frauen dafür ein bisschen Geld nehmen, und sie müssen lernen, dass es freiwillig sein muss, und das ist doch tooooooooooolllllllllllllllllllll! Und gar kein Mainstream, nein igitt, wir sind [enter buzzword here]!” (Linke, Grüne, SPD, CDU, Männerrechtler-angeblich-links-Variante.)
Abgefuckt seid ihr, sonst nichts.

Und zig gehorsame Frauen unterstützen das. Denn wir sind so in diese Formen getreten worden, dass wir Alpträume kriegen beim Gedanken, zu Männern einfach “Nein” zu sagen.

Echt. Ich glaube, ich habe bei Pornos mehr Respekt oder komme mit Schenkel klopfenden Wichsbolzen besser zurecht, als mit A-Löchern, die mir diesen Mist erzählen.

Und dann möchte ich noch wissen, was die SPD sonst noch alles tut, um nie irgendwo politische Verantwortung übernehmen zu müssen.

Seid doch einfach ehrlich, sagt doch einfach, Frauen sind Drei-Loch-Fickpakete, manche Trans und manche junge Männer sind Zwei-Loch-Fick-Pakete, wir sind dafür, es so zu gestalten, dass ihr es ein paar Jahre überlebt, und wieso, das Wahlrecht habt ihr ja noch, und wir sagen doch die ganze Zeit, dass es freiwillig sein MUSS, also was soll’s.
Warum nicht einfach ehrlich sein.


Und wir sind alle so sozialisiert, dass wir uns nicht wehren.

Das patriarchale Trauma: Warum Männer morden und Frauen Vergewaltigungsfantasien haben

Es ist schon wieder passiert. Ein junger Mann hat eine Waffe genommen und in einer Schule in den USA zehn Menschen erschossen. Das erste seiner Opfer ist nach Angaben von “Bild” ein Mädchen, dem er sich immer wieder versucht hatte zu nähern. “Tragische Liebesgeschichte” nennt die Bildzeitung das und bezieht sich auf Aussagen der Mutter. “Zurückgewiesene Liebe” wird immer wieder als Rachegrund genannt, wenn ein Mann gewalttätig wird. Statistisch gesehen stirbt in Deutschland jeden Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners aufgrund von “enttäuschter Liebe”. Hinter dem Euphemismus “enttäuschte Liebe” verbirgt sich nichts anderes als die auch mit Gewalt durchsetzbare männliche Anspruchshaltung, Frauen hätten ihnen zur Verfügung zu stehen. Die Frau als Dienerin, als Gefäß des Mannes, als sein Besitz und Anhängsel ist die Definition, die das Patriarchat Frauen zuweist. Lehnen Frauen diese Rolle ab und bewegen sich außerhalb der für ihr Geschlecht vorgegebenen Grenzen, etwa in dem sie alleinerziehend, selbstbestimmt, unabhängig leben, so setzen sie sich überall auf der Welt der Gefahr aus, dafür getötet zu werden. Es braucht kein frauenhassendes Regime, um diese misogyne Exekutive zu betreiben, vielmehr schwingen sich Männer auch im ach so liberalen und offenen Westen regelmäßig dazu auf, Frauen wieder auf ihre Plätze zu verweisen – mit Hasskommentaren, Drohungen und Gewalt, gegen fremde Frauen, aber vor allem gegen die Frauen, auf die sie glauben, ein “Anrecht” zu haben: Bekannte, Nachbarinnen, Kolleginnen, Partnerinnen, Ehefrauen, Töchter. Die Autorin Kate Manne hat in ihrem Buch “Down Girl” analysiert, dass der Anstieg dieser offenen, blutigen Gewalt gegen Frauen in direktem Zusammenhang mit dem Kampf gegen Frauenrechte steht. Je mehr Frauen, etwa wie bei #metoo, sich gegen sexuelle Gewalt wehren und auf ihre Selbstbestimmung auch in anderen Bereichen pochen, umso heftiger fällt der Pushback der patriarchalen Ordnung aus.

Das Gift der männlichen Erwartungshaltung

Als vor einem Monat Alek. M. in Toronto ein Massaker vor allem an Frauen verübte und sich dabei ausdrücklich auf einen anderen Massenmörder – Eliott Rodger – bezog, der ebenfalls aus Frauenhass tötete, wurden die Medien auf das Phänomen der Incels aufmerksam, der “unfreiwillig Zölibatären”, die sich in Foren wie 4chan oder Reddit austauschen und sich darüber beklagen, dass keine Frau mit ihnen Sex haben möchte. Das liegt, laut Incel-Logik, daran, dass Frauen nur auf Männer mit gutem Aussehen und/oder Geld stehen und deshalb werden sie an ihrem “Anrecht” auf Sex und Reproduktion gehindert. Nicht wenige fordern deshalb, dass es eine “Umverteilung” von Sex geben soll und Frauen dazu gebracht werden sollen, auch Sex mit Männern zu haben, auf die sie keine Lust haben.

Das Ganze wäre absurd, lächerlich und bemitleidenswert, wenn die Incel-Ideologie nicht immer wieder wie bei den letzten Massakern Grundlage für Übergriffe und Gewalt gegen Frauen werden würde. Es handelt sich bei den Incels nicht nur um ein paar verirrte Männer, wie in den Medien gerne suggeriert wird, sondern um ein heterogenes Gemisch von hunderttausenden Männern vor allem aus den USA und Europa mit Überschneidungen zur Männerrechtsszene (MRA’s) und den Pick-Up-Artists. Es sind keine verwirrten Hinterwäldler, keine rückständigen Religionsfanatiker, sondern vielfach gut ausgebildete Männer, die sich an anderen Stellen für Demokratie, Fortschritt und Liberalisierung einsetzen. Sie sind für Fortschritt und für Technik, doch die Unterwerfung der Frau wollen sie aufrecht erhalten. Sie protestieren gegen zu viel Überwachung und laschen Datenschutz und geben sich gern besonders innovativ und zukunftsorientiert. Ihr Frauenbild aber ist in seinem Kern so reaktionär wie das religiöser Fundamentalisten, nur wird ihr Frauenhass nicht durch eine religiöse Schrift, sondern vor allem durch Pornos und sexistisch eingefärbte wissenschaftliche Schlussfolgerungen beflügelt. Incels verkörpern eine neue Generation von Frauenhassern, nicht länger religiös oder moralisch motiviert hassen und Gewalt verüben, sondern auf Grundlage vermeintlich rationaler Überlegungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die Freiheit von Frauen erleben Incels und ihre Sympathisanten als Bedrohung ihrer männlichen Privilegien und als Hindernis beim Zugriff auf Frauenkörper, die sie mit Hass im Netz, Hass auf der Straße und notfalls auch mit Gewalt bekämpfen. Ihr Frauenhass hat Schnittmengen mit den hasserfüllten Äußerungen der Väterrechtsszene, in der Morde und Gewalt an Frauen regelmäßig von einzelnen Mitgliedern – unberichtigt vom Rest der Community – als natürliche Reaktion auf das Verhalten von Frauen erklärt werden. Frauen, die nicht gehorchen, Frauen, die sich nicht unterordnen, Frauen, die sich nicht zur Verfügung stellen und Frauen, die über ihr Leben selbst bestimmen möchten – auch nach einer Ehe oder einer Beziehung, aus der Kinder hervorgegangen sind. Incels und die Gruppen, mit denen sie Schnittmengen haben, sind ein noch sehr junges Phänomen des alten Patriarchats, ein neuer Weg, die bekannten männlichen Vorrechte zu proklamieren und durchzusetzen. Der Shitstorm im Internet, mit dem jede Feministin irgendwann überzogen wird, sobald sie eine gewisse Reichweite hat, ist ein Arm dieser Bewegung, die frauenmordenden Attentäter ein anderer. Sie eint die gemeinsame Ideologie.

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Warum Alice Weidel keine Nazischlampe ist

Eine kleine Solidaritätserklärung von Anneli Borchert

 

Der Rapper Farid Bang, neulich im Kreuzfeuer der Kritik wegen antisemitischer Äußerungen, hat Alice Weidel in einem seiner, mh, „Songs“ als „Nazibitch“ bezeichnet.
Weidel prüft jetzt rechtliche Schritte – sie werden erfolglos sein. Denn Alice Weidel von der AfD darf, das ist gerichtlich seit ungefähr einem Jahr bestätigt, satirisch „Nazischlampe“ genannt werden.
Weidel hatte gefordert, politische Korrektheit auf der Müllkippe zu entsorgen, daraufhin hatte der Moderator Christian Behring in der Satiresendung „extra3“ sie so genannt.
Das Gericht befand, Weidel dürfe Schlampe genannt werden, schließlich erfolge diese Beleidigung nur, weil sie nun mal eine Frau sei.
Nicht nur, dass ein deutsches Gericht befindet, dass Frauen wegen ihres Frauseins beleidigt werden dürfen, nein, auch in den Kommentarspalten linker und feministischer Medien tobt sich wegen dieser beider Vorfälle der bewusste und unbewusste Antifeminismus hierzulande aus. Der, der aus den eigenen Reihen kommt, trifft am meisten. Es ist unglaublich, aber wenig überraschend, dass auch und gerade linke Menschen das vermeintliche Recht verteidigen, Weidel als Schlampe bezeichnen zu dürfen.
Zu dieser ganzen Kackscheisse hier ist Folgendes zu sagen.

1. Das Wort „Schlampe“ ist eine Beleidigung, die nicht darauf abzielt, bloßzustellen, dass Weidel Bockmist erzählt und das am laufenden Band, sondern die sie ALS FRAU trifft, sie zielt auf ihr Frausein ab. Diese Beleidigung sagt nicht „Weidel sagt bekloppte Dinge“ oder „Weidel hat mal wieder was megabescheuertes rausgehauen“ oder sonstwas, sondern sie hat zum eigentlich Kern, Weidel herabzusetzen, WEIL SIE EINE FRAU IST. Das ist schlicht NICHT OKAY. Ich begreife nicht, wie man das verteidigen kann. Wenn eine schwarze Person was beklopptes sagt, ist es doch wohl auch ein Unterschied, ob ich sage „das war jetzt echt hirnverbrannt / völliger Bockmist / …“ oder ob ich sage „du Neg**“. Warum muss man das überhaupt erklären? Das Wort „Schlampe“ trifft nicht nur Weidel, es trifft uns Frauen, es trifft alle Frauen ALS FRAUEN.

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Incels: Der Hass der zurückgewiesenen Männer

Alek Minassian, der Attentäter von Toronto, der 15 Menschen ermordete, darunter vor allem Frauen, wurde von Frauenhass getrieben. Ein Facebook-Post, den er kurz vor seiner Tat absetzte, zeigt, dass er sich als ein »Incel« betrachtete. »Incel« ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dem Englischen »Involuntary« und »Celibate« – zu Deutsch: »Unfreiwillig zölibatär.«

Am Montag, den 23.04.2018, lenkte Alek Minassian einen weißen Kleintransporter auf die Gehsteige der Innenstadt von Toronto. Auf einer Länge von 2,2 Kilometern überfuhr er Passanten und zielte dabei vor allem auf Frauen. Zehn Menschen wurden getötet, 15 weitere verletzt. Zuvor äußerte er sich auf Facebook zu den Umständen seiner Tat.

»The incel Rebellion has already begun! We will overthrow all the Chads and Stacys! All hail the Supreme Gentleman Elliot Rodger!« zu Deutsch : »Die Rebellion der unfreiwillig Zölibatären hat begonnen. Wir werden die Chads [bei Frauen erfolgreiche Männer] und Stacys [Frauen] niederringen. Heil dem überlegenen Gentleman Eliott Rodger!« – eine wirre, von Frauenhass triefende Nachricht, die einen Frauenmörder zum Helden erhebt. Wer aber sind diese Incels?

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Die Freiheit meiner Tochter oder: Religion hat an Schulen nichts verloren!

Meine Tochter hat lange Haare. Sie weigert sich, sie zu kämmen und meistens sehen sie aus wie eine Mischung aus Vogelnest und Dreadlocks, auch die vielen süßen, bunten Spangen, die ich ihr immer in das Haar stecken möchte, lehnt sie ab, genauso wie geflochtene Zöpfe. Sie will ihr Haar lang und wild.
»Wenn ich mich drehe, fliegen meine Haare im Kreis«, sagt sie und dreht sich, bis mir schwindelig wird. Ich erinnere mich daran, dass ich das als Kind auch getan habe und lasse sie. Ab und zu schneide ich ihr Kaugummi oder anderes Zeug aus den Haaren und überrede sie, sie mit gutem Shampoo zu waschen. Es sind ihre Haare, es ist ihr Kopf.
Seit ein paar Tagen diskutiert Deutschland ein Kopftuchverbot an Schulen und Kindergärten. In Österreich ist ein entsprechendes Gesetz geplant. Viele Argumente werden ausgetauscht. Die Gegner sagen, das Verbot würde einseitig Musliminnen diskriminieren, es sei populistisch und ausländerfeindlich. Rassistisch. Andere argumentieren mit Freiheit und Frauenrechten und dem Schutz der Kinder. Ein paar besonders Schlaue verweisen auf die Frühsexualisierung junger Mädchen und Kinder in unserer Kultur. Terre des Femmes fordert das Kopftuchverbot an Schulen schon lange.

Freiheit von religiöser Symbolik muss für alle gelten

In einem säkularen Land hat Religion an der Schule nichts verloren. Die Realität sieht anders aus. Religionsunterricht kann zwar durch Ethik ersetzt werden, faktisch fehlt es aber an Grundschulen an Ethiklehrern und deshalb haben die Kinder dann oft beaufsichtigte Bewegung. Religion aber wiederum darf nur von Fachlehrern unterrichtet werden und deshalb hat beispielsweise meine Tochter gerade mal wieder ihre Klassenlehrerin um einige Schulstunden weniger, weil die nämlich in anderen Klassen Religion unterrichten muss. Religion ist überall. Als meine große Tochter nicht mit zum Einschulungsgottesdienst ging, musste sie ihrer Klassenlehrerin (auch Religionslehrerin) komische Fragen beantworten. Ich selbst habe mich ab der dritten Klasse geweigert, in Religionsunterricht zu gehen und musste deshalb samt meiner Mutter zum Schulrektor. Unsere Schulen sind also kein religionsfreier Raum. Wenn wir das Kopftuchverbot fordern, dann nur, wenn wir die Schulen wirklich und konsequent von jeder religiösen Symbolik und Indoktrinierung befreien und Religion endlich wirklich zur Privatsache machen. Genau danach sieht es aber aktuell nicht aus – wir diskutieren über das Kopftuchverbot, nicht aber über eine echte Abschaffung von Religion an Schulen. Das macht die Debatte heuchlerisch und auch ziemlich verlogen. Also alles lassen, wie es ist? Auch weil es schwer vorstellbar ist, dass der deutsche Staat jüdischen Kindern etwa das Tragen der Kippa verbietet?

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Liebesbrief an F. oder warum Feministinnen (keinen) Sex haben

Feministinnen können ja gar keinen Sex haben, weil sie Männer hassen. Die will doch eh kein Mann, hab ich recht?

Die Unterstellung, dass man als Feministin keinen Sex haben kann, weil man Männer natürlich kategorisch ablehne, habe ich leider schon zu oft wahrgenommen. Ein neues Level erreichte dies jedoch, als ich neulich mal wieder auf meiner heiß geliebten Datingplattform Tinder unterwegs war, denn dort traf ich einen jungen Mann namens F.

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