Kategorie: Interviews

“Die Welt braucht mehr Pussy Power” – im Interview mit Meike Bambuch von Pussy Paper

Meike Bambuch, 29 Jahre alt und Geschäftsführerin der Druckerei Hess & Co, hat ein neues Label für Kunst von Frauen, für Frauen und über Frauen geschaffen. Der Online-Shop „Pussy Paper“ hält, was der Name verspricht: Alles rund um Pussys, mal künstlerisch, mal frech. Wir haben mit Meike gesprochen.

Eva: „Hallo Meike, wie bist du denn zum Feminismus gekommen?“

Meike: „Mein Zugang war eigentlich mehr ein praktischer. Ich habe Kommunikationsdesign studiert und 2013 in New York für eine große DIY-Seite den Social Media Bereich betreut, also ein sehr frauendominierter Bereich. Dann kam ich zurück und entschied mich, die Geschäftsführung unserer Familiendruckerei zu übernehmen und auf einmal war ich mitten in der Männerdomäne. Ganz schnell kam da die Frage auf: Wo sind eigentlich die Frauen, wo sind meine Rollenvorbilder? Also fing ich an, mich mit Feminismus zu beschäftigen, Kontakte zu knüpfen und zu erkennen, dass viele weibliche Netzwerke gerade erst im Aufbau sind. Da ich ein sehr visueller Mensch bin, fehlte mir aber immer die visuelle Sichtbarkeit von Frauen, in der Werbung, in der Kunst – eine Sichtbarkeit jenseits von Sexismus und reiner Deko, eine Sichtbarkeit mit Aussage.“

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“Boykottiert 50 Shades of Grey!”: Im Interview mit Caitlin Roper von Collective Shout über die Protestkampagne #50shadesisabuse

Unter #50shadesisabuse rollt die Kampagne gegen den zweiten Teil von 50 Shades of Grey, der am 14. Februar 2017 – Valentinstag – in die Kinos kommt. Wir haben mit Caitlin Roper von Collective Shout ein Interview zur Kampagne geführt.
Die Störenfriedas: Hallo Caitlin! Du bist die Gründerin von Collective Shout. Kannst du uns etwas über diese Organisation erzählen?
Caitlin Roper: Collective Shout ist eine australische, landesweite Graswurzelbewegung, die sich gegen die Objektifizierung von Frauen und die Sexualisierung von Mädchen in den Medien, der Werbung und der Populärkultur wendet. Wir kämpfen gegen die Sexindustei und die Kommerzialisierung von Frauenkörpern, inklusive Pornographie, Prostitution und Menschenhandel.
Nur um das klarzustellen, ich bin nicht die Gründerin – Collective Shout wurde von einer Gruppe von Frauen gegründet, denen diese Themen am Herzen lagen und ich stieß etwa ein Jahr später dazu. Ich bin die Kampagnen-Managerin.

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“Wenn wir für jene am Rand der Gesellschaft eintreten, sind wir alle stärker” – ein Interview mit Jessica vom Women’s March Heidelberg

Mira Sigel führte ein Interview mit einer Organisatorin des Women’s March in Heidelberg.
Vielen herzlichen Dank an Jessica und ihr Team für ihr Engagement und für das Interview.

Mira: Hallo Jessica, du und eine Gruppe anderer Frauen habt den Women’s March in Heidelberg organisiert. Kannst du uns mehr über die Frauen erzählen, die hinter dem Women’s March Heidelberg stecken?

Jessica: Hi Mira, der Heidelberger Women’s March wurde von ein einer Kerngruppe aus 8 Frauen organisiert. Wir haben uns zusammengefunden, nachdem ich einem Post veröffentlicht hatte, in dem ich Leute dazu aufrief, einen Marsch in einem Pantsuit Forum auf Facebook zu organisieren. Wir sind alle amerikanische Statatsbürgerinnen (mit Ausnahme einer binationalen Deutsch-Amerikanerin). Zusammengeschlossen haben wir uns, weil wir merkten, dass es notwendig ist, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, nachdem wir diverse Organisationen vergeblich kontaktiert hatten. Keine von uns hatte Erfahrung darin, einen Marsch oder ein vergleichbares Event dieser Größe zu organisieren. Wir engagieren uns alle in verschiedener Weise im sozialen Aktivismus, haben aber noch nie so etwas Großes gestaltet. Wir haben alle unterschiedliche berufliche Hintergründe – Akademikerinnen, Geschäftsfrauen, sind in Elternschaft, Unternehmerinnen, Juristinnen, Übersetzerinnen und Lehrerinnen. Es gibt keine Hierarchien in unserer Gruppe, keine Anführerin oder Vorsitzende – wir alle arbeiten als Gleichberechtigte zusammen, indem jede ihre Stärken einbringt. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein Team (aller Geschlechter) in vollkommener Einheit erlebe. Es gibt keine Konkurrenz, keine Streits, keine emotionalen Verletzungen, sondern absoluten Respekt und Unterstützung untereinander. Ich bin so glücklich darüber, dass ich eine solch unglaubliche Gruppe gefunden habe, mit der ich zusammen arbeite.

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“Es muss sich ganz viel ändern” – im Interview mit Gerhard Schönborn von Neustart e.V.

Die Störenfriedas: Du arbeitest seit vielen Jahren als Streetworker für den Verein Neustart e.V. an einem Straßenstrich in Berlin. Was hat sich in der Prostitution in den letzten Jahren verändert?

Gerhard Schönborn: Ich kenne den Straßenstrich Kurfürstenstraße seit über zehn Jahren. Als ich als Streetworker angefangen habe, standen dort überwiegend Frauen, die sich mit dem Geld ihre Drogen finanzierten. Dann gab es in einigen Straßenabschnitten und Seitenstraßen deutsche Frauen mit Zuhältern sowie deutsche Frauen, für die sich in manchen Kreisen der Begriff „Sexarbeiterin“ eingebürgert hat. Vor meiner Zeit wurde dieser Drogenstrich vor allem durch „Christiane F.“ bekannt. Früher war die Straße als „Babystrich“ berüchtigt, weil sehr viele Minderjährige dort standen. In meiner Anfangszeit gab es zwar auch immer wieder mal ganz junge Mädchen, aber nicht in dem Maße, wie in den 1980er und 90er Jahren.

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Interview: Lasst uns das Patriarchat gemeinsam bekämpfen

We All Can Do It - Poster

We all can do it - Poster by Valentin Brown, via Soirart/Tumblr

Wie im Artikel „Wir könnten Verbündete sein…“ angekündigt, wollen wir zukünftig regelmäßig muslimische Feministinnen bei uns zu Wort kommen lassen. Den Anfang machen wir mit einem Interview mit Yasemin.

Die Störenfriedas: Liebe Yasemin, erzähle uns was über dich und deinen feministischen Aktivismus: In welcher Form engagierst du dich für die Befreiung der Frau?

Yasemin: Für die Befreiung der Frau engagiere ich mich seit jeher in allen Formen. Ich war noch ein Teenager und mir war höchstwahrscheinlich das Wort Feminismus noch unbekannt, als mein Engagement begann, und zwar indem ich Literatur las, in der es um die Unterdrückung der Frau ging (z. B. Prostitution, Gewalt im Namen der Ehre, sexuelle Gewalt). Dazu gehörten z. B. Simone de Beauvoir, Seyran Ates und Alice Schwarzer.

In meinem türkischen Elternhaus war mir bereits früh klar, dass die Dominanz meines Vaters über meine Mutter etwas Unnatürliches, Ungerechtes, Vergiftendes hatte. Fast nicht zu ertragen war für mich jedoch die Situation meiner türkischen Freundinnen, die mir oft wortwörtlich aus dem Spielplatz, in dem wir gerade noch im Sand gespielt hatten, weggenommen und verheiratet wurden. Eine sehr enge Freundin, mit der ich fast jeden Tag auf dem Spielplatz war, sagte mir nach den Sommerferien – sie war gerade 13 geworden – dass sie nun verlobt sei und im kommenden Jahr verheiratet sein würde. So kam es dann auch. Mit 15 bekam sie ihren Sohn. Diese Dinge waren es, die mich als Teenager zu meinem Kampf für die Befreiung der Frau führten.

So begann ich Türkinnen in meinem Freundeskreis vor der Zwangsverheiratung zu „retten“, und zwar indem ich ihnen bei der Flucht in ein Frauenhaus oder auch einige Male zu ihrem heimlichen Freund half. Ich kann mich an Situationen erinnern, in denen türkische Eltern wutentbrannt vor der Tür meines Elternhauses standen und mich mit bedrohlichen Gesten – vergeblich – dazu bringen wollten, das Versteck ihrer Tochter zu verraten.

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