Chimamanda Ngozi Adichie: Dear Ijeawele

Copyright: Random House

Chimamanda Ngozi Adichie gehört zu den wichtigsten feministischen Stimmen unserer Zeit. Mit dem Buch „Dear Ijeawele, or A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions„, erschienen bei Random House und als deutsche Übersetzung unter dem Titel „Liebe Ijeawele. Wie unsere Töchter zu selbstbestimmten Frauen werden“ beim S. Fischer Verlag, knüpft in seiner Bedeutung an Chimamandas bekanntesten Text „We should all be feminists an“.

Das Buch beruht auf einem Briefwechsel, den Chimamanda mit einer Freundin aus ihrer Kindheit zum Thema Feminismus hat und wie man Töchter zu starken und selbstbewussten Frauen erziehen kann, da ihre Freundin gerade eine Tochter geboren hat. Es ist ein sehr persönliches Buch, das zugleich in seinen Forderungen genau das ist, was der englische Titel verspricht: ein feministisches Manifest. Adichies Vorschläge umfassen deshalb auch nicht nur die Erziehung der Töchter, sondern vor allem die der Mütter, die als Vorbilder dienen. Diesen rät sie, eigenständige Personen zu bleiben und sich nicht nur über das Muttersein zu definieren, ein Ratschlag, der allen, die keine Kinder haben, als so selbstverständlich erscheint. Aber sie gibt auch konkrete Empfehlungen, welche Werte den Töchtern vermittelt werden sollen, etwa dass Geschlecht niemals ein Grund dafür sein kann, dass etwas nicht möglich ist. Besonders gefällt wir ihr vierter Vorschlag, in dem sie vor einem „Feminism Lite“ warnt. „Feministin zu sein ist wie schwanger zu sein“, schreibt sie. „Entweder du bist es oder du bist es nicht.“

Mir hat an diesem Buch seine leichte und trotzdem sehr klare Sprache gefallen, die direkt an das Herz geht. Man kann sich sofort seine eigenen Freundinnen vorstellen, unter denen es ja auch frischgebackene Mütter gibt und will ihnen allen Adichies Buch zur Geburt schenken. Es ist ein wichtiges und in seiner Unaufgeregtheit sehr berührendes Buch, weil es nämlich zeigt, dass neben den ganz großen politischen Veränderungen vor allem wir selbst sind, die Veränderungen herbeiführen. Gleichzeitig zeigt Adichie mit diesem Buch, wie sehr selbst wir als erklärte Feministinnen oft noch den Trugschlüssen unserer eigenen Unterdrückung aufsitzen und sie unreflektiert an unsere Töchter weitergeben.

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